Du findest hier Gedanken, Informationen und Geschichten aus meinem persönlichen Alltag. Ich liebe positive Anregungen, um tiefer ins Leben einzutauchen und die Seele zu streicheln. Think outside the box!

Ein schonungsloser Blick hinter die Kulissen

Es gibt sie, diese Tage, wo die brennende Leidenschaft erlischt. Oft genug stürze ich ab auf den Boden der Realität. Qualen, Schmerzen, Verzweiflung! Alles erscheint sinnlos und man sitzt fest in endloser Dunkelheit. Das sind die Phasen im Leben, die Träume zerstören. Beständig kreist eine Frage in meinem Kopf: Warum tue ich mir diese Plagerei an? Genau in diesen Zeiten bestimmen wir unser wahres Schicksal. Das Universum klopft an und fragt, ob wir unser Ziel wirklich erreichen wollen. Entweder wir verkriechen uns und geben das Ziel auf, oder wir ziehen den Regenmantel an und lernen, im Regen zu tanzen. Diese Entscheidung müssen wir immer wieder aufs Neue treffen! Im Regen laufen, das ist mir mehrmals passiert. Es kostet ungeheure Überwindung, wenn der Körper durchnässt und der Regen gegen das Gesicht peitscht. Aber danach warmes Wasser auf der Haut zu spüren, wenn man in die heißersehnte Badewanne steigt, ist unbeschreiblich. Wir erfahren eine tiefgreifende Welle des Wohlbehagens, weil wir uns aufopferungsvoll dem Kampf mit dem Regen gestellt haben. Hinfallen und Wiederaufstehen ist das Natürlichste auf der Welt. Entscheidend ist, weiterzugehen. Egal was passiert. Das macht uns stark und schenkt uns unbändiges Vertrauen in das Leben.

 

Es ist ein schmaler Grat zwischen Aufgabe oder Erfüllung. Je länger ich diesen Weg gehe, desto mehr steigt meine Zuversicht. Ich bin nun vollkommen auf den Marathon fokussiert. Dreißig Kilometerläufe stellen für mich kein Problem mehr dar, mein Körper ist belastbar und inzwischen bärenstark. Doch sehne ich mich dem Ende entgegen. Ich spüre, wie die lange Vorbereitungszeit an meiner Substanz gezehrt hat. In meiner Vorstellung bin ich bereits mittendrin beim Marathonlauf, umjubelt von tausenden Zuschauern, die uns Läufer Richtung Ziel treiben. Endlich wird meine Vision Realität! Ich kann diesen Höhepunkt kaum mehr erwarten.

Plötzlich folgt der Schock. Nur wenige Wochen vor dem Start erfolgt die überstürzte Absage des Marathons. Das Coronavirus hat die Sportwelt auf der ganzen Welt zum Stillstand gebracht. Meine Träume zerplatzen wie Seifenblasen, ich bin am Boden zerstört. Was soll ich jetzt tun?

„Erfolg ist die Fähigkeit, von einem Misserfolg zum anderen zu gehen, ohne seine Begeisterung zu verlieren“ (Winston Churchill)

Ich muss ehrlich sein, das Trainingspensum kann ich nicht aufrechterhalten. Der Ersatztermin im nächsten Jahr ist einfach zu weit weg. Die Alternative wäre, in einem halben Jahr wieder eine komplett neue Vorbereitung zu starten. Wieder ganz von vorne anfangen? Diese Gedanken haben in meinem Kopf keinen Platz. Zu viel Willenskraft habe ich seit Monaten in die Vorbereitung investiert. Da springt mir eine Erinnerung ins Gedächtnis, wo die Abendstunde längst hereingebrochen ist. Meine Seele hat mich hinausgetrieben in die Dunkelheit der Nacht, bewaffnet nur mit meiner Stirnlampe. Da merke ich, dass an diesem Tag Vollmond ist. Was für geniale Augenblicke! Der Vollmond-Nachtlauf ist einer meiner außergewöhnlichsten Läufe mit faszinierenden Eindrücken. Umringt von klarer Vollmond-Energie bin ich vollgepumpt mit frischer Lebenskraft. Soll das alles umsonst gewesen sein?

In diesen bitteren Momenten holt mich das Universum zurück an den Start. Ich muss mich hinterfragen: Warum will ich diesen Marathon laufen? Was sind die wirklichen Gründe? Laufe ich um meine eigenen Grenzen zu überwinden oder damit mir die Menschen zujubeln? Manchmal muss ein Traum sterben, damit ein anderer Traum entstehen kann. Eine neue Vision gewinnt stärker an Gewicht. Ich beschließe, den Marathon in meiner Heimat zu laufen. Eine Kehrtwendung um 100%. Statt motivierender Zuschauermengen bin ich ganz auf mich allein gestellt. Keine Ausreden, keine Ablenkungen. Ich ziehe den Marathonlauf durch. Kein Virus kann mich daran hindern. So plane ich die Laufstrecke und schließe das Vorbereitungsprogramm ab. Ich spüre eine freudige Erregung.

Bald geht’s los!

Bernhard
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Kommentar Markus:

Wenn ich diese Zeilen lese, erinnert es mich sehr stark an unsere Jugend. Wir drei Brüder, Fußballtalente, mit riesigem Potential. Bernhard und ich, der große Bruder bereits sehr erfolgreich im Erwachsenenfußball unterwegs, spielen in einem nahegelegenen Bundesnachwuchszentrum. An einem Spieltag, zuerst die Jüngeren mit mir, dann die Älteren mit Bernhard, passiert das Schlimmste, was einem jungen Sportler passieren kann – Bernhard verdreht sich das Knie, Kreuzbandriss, Ende der Karriere? Ich sehe die Bilder noch ganz genau, wie Bernhard humpelnd vom Platz getragen wird. Der Blick in seinen Augen, die große Angst, wie die Zukunft werden wird. Bernhard hat sich nicht unterkriegen lassen, OP ist gut verlaufen, intensives Aufbauprogramm von über einem halben Jahr. Und das Resultat? Er war fitter und stärker als noch vor der Verletzung, stieg sehr schnell in das erste Team im Erwachsenenfußball auf, und gewann die Meisterschaft.

Solche imposanten Geschichten gibt es viele in der Sportwelt. Aber auch im beruflichen Umfeld oder im Privatleben findet man wunderbare Beispiele. Es gibt bestimmte Umstände, die Prozesse in Gang setzen, die man vorher nie für möglich gehalten hätte. Eine plötzliche Kündigung kann eine neue Perspektive in der Arbeitswelt ergeben. Womöglich bringt eine Umschulung die erhoffte Gehaltserhöhung oder man kann endlich seiner Bestimmung folgen. Ein gesundheitlicher Schock kann das Gefühl für den eigenen Körper wieder herstellen, Prioritäten im Leben verschieben, und ein befreiteres Leben ermöglichen mit weniger Angst und weniger Stress.