Robert Redford –- Ein Taugenichts aus Santa Monica wird zum Superstar

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Robert Redford wurde am 18. August 1936 in Santa Monica (Kalifornien) geboren und wuchs in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Die Schule interessierte ihn nicht und er fing schnell an, sich zu langweilen. Er passte während des Unterrichtes nicht auf, lernte nicht für Prüfungen und bekam dadurch auch schlechte Noten. Zudem schwänzte Robert Redford immer wieder den Unterricht, weil er sich nicht der Autorität der Lehrkräfte beugen wollte. Von den Lehrern wurde er deshalb als Unruhestifter abgestempelt, welchen man einfach nicht helfen konnte. Für Robert Redford war der Freiraum sehr wichtig, er wollte sich nicht durch andere Menschen einschränken lassen.

Robert Redford: „“Ich wollte unabhängig sein, und furchtlos. Immer wieder geriet ich in Schlamassel““

Da Robert Redford im Baseballspiel sehr begabt war, erhielt er wegen seines sportlichen Talentes ein Stipendium für die Universität. Aber auch dieser Weg machte ihn nicht glücklich, denn Robert Redford wollte eigentlich Maler und Künstler werden. Er wollte einfach frei sein und die ganze Welt entdecken. Als auch noch seine Mutter starb, gingen seine schulischen und sportlichen Leistungen rasant zurück. Er bekam Alkoholprobleme und verlor dadurch bald sein Stipendium. Nachdem er die Universität verlassen hatte, nahm er Gelegenheitsjobs auf den kalifornischen Ölfeldern an, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Als er genug Geld für ein Flugticket gespart hatte, übersiedelte er im Alter von 19 Jahren nach Europa auf eine Selbstfindungsreise.

Robert Redford: „„Ich wollte mich der Kunst widmen. Ich wollte Abenteuer, ein anderes Leben, andere Kulturen““

Robert Redford trampte quer über den Kontinent und erlebte viele Abenteuer. Er hielt sich in Florenz, Paris und München auf und war zeitweilig in verschiedenen Kunstakademien. Er vertiefte seine künstlerischen Fertigkeiten und versuchte als Straßenmaler, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Robert Redford gewann durch seine Reise viele neue Einsichten im Leben und lernte unterschiedlichste Kulturen kennen. Nach knapp einem Jahr kehrte er wieder in die USA zurück und wollte sich nun ein neues Leben aufbauen.

Robert Redford: „„In Europa änderte sich mein Leben. Als ich nach Amerika zurückkehrte, fühlte ich mich bereit, etwas aus meinem Leben zu machen““

Robert Redford begann, Theaterdesign in New York City zu studieren und besuchte auf Empfehlung eines Lehrers auch eine private Schauspielschule. Hier entdeckte er seine Leidenschaft für die Schauspielerei und Robert Redford hielt sich von nun an vorwiegend am Broadway (Theaterviertel in New York) auf. Bald konnte er hier erste kleinere Theaterrollen ergattern, welche mit der Zeit immer bedeutender wurden. Robert Redford schaffte es dadurch auch, Engagements bei einigen Fernsehserien zu erhalten. Während er beim Theater beachtliche Erfolge erzielen konnte, war er als Filmschauspieler jedoch weitgehend unbedeutend. Aber durch seinen großen Charme erhielt er bald eine Filmrolle, mit welcher er seinen großen Durchbruch schaffen sollte.

In dem Film „Zwei Banditen“ spielte er den Bankräuber so überzeugend, dass er dadurch schnell zu einem Superstar in der Filmbranche aufstieg. Robert Redford absolvierte daraufhin eine beeindruckende Filmkarriere. Mit Filmen wie „Der große Gatsby“, „Die Unbestechlichen“, „Der Pferdeflüsterer“ oder „Die letzte Festung“ wurde er zu einem der bestbezahltesten Schauspieler in der Filmindustrie Hollywoods und zu einem Weltstar.

Robert Redford war in seiner Kindheit ein Außenseiter und in seiner Jugendzeit ein rebellierender Weltenbummler. Trotzdem schaffte er den Sprung zu einem berühmten Schauspieler, Filmregisseur und Filmproduzenten, weil er immer seinen eigenen Weg ging, obwohl dieser oft beschwerlich war. Er glaubte aber immer an seine künstlerischen Fähigkeiten und verwirklichte sich dadurch seine größten Träume. In seiner außergewöhnlichen Karriere erhielt Robert Redford zahlreiche Auszeichnungen, wie auch den begehrtesten Filmpreis der Welt, dem Oscar.

Robert Redford: „„Ich wurde schon früh zur Selbstständigkeit erzogen. Dazu, für mich selbst einzustehen und mich nie vor Herausforderungen zu drücken““

Sean Connery –- Vom schottischen Milchjungen zum Superagenten

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Sean Connery wurde am 25. August 1930 in Edinburgh (Hauptstadt von Schottland) geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war als Lastwagenfahrer und seine Mutter als Putzfrau tätig. In Zeiten der großen Wirtschaftskrise lebten viele Familien unter der Armutsgrenze, so auch die Familie Connery. Die Arbeitslosigkeit war sehr hoch und die Löhne sehr gering. Bereits als Kind schmiss Sean Connery daher die Schule, um seine Eltern mit kleineren Nebenjobs zu unterstützen. So lieferte er mit einem eigenen Pferdekarren Milch aus, um ein wenig Geld zu verdienen. Seine Familie war auf dieses zusätzliche Einkommen dringend angewiesen.

Sean Connery: „“Es ist schlimm, wenn Menschen arbeiten wollen, aber keine Jobs finden. Die Leute sollten stolz sein auf jede ehrliche Arbeit““

Im Alter von 16 Jahren ging Sean Connery zur Royal Navy (Kriegsmarine), um sich in schwierigen Zeiten ein neues Leben aufbauen zu können. Doch schon nach kurzer Zeit wurde er aus gesundheitlichen Gründen wieder entlassen, da er an einem Zwölffingerdarmgeschwür litt. Nun musste er wieder Gelegenheitsjobs annehmen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Er arbeitete wieder als Milchmann, als Baggerfahrer oder auch als Möbelpolierer. Nebenbei begann er, Bodybuilding zu betreiben und Gewichte zu stemmen. Durch seinen durchtrainierten Körper wurde er bald für einige Werbeaufnahmen engagiert und er begann deshalb, diesen Kraftsport noch stärker zu betreiben. Sean Connery war sehr ehrgeizig, er wurde nicht nur schottischer Meister im Bodybuilding, sondern er schaffte auch beim „Mister Universum“ Wettbewerb sensationell den dritten Platz.

 
Durch seine Erfolge als Bodybuilder und seinen höheren Bekanntheitsgrad bekam er Angebote für Musical- und Theaterrollen. Sean Connery entdeckte so seine Liebe für die Schauspielerei und er beschloss, alles dafür zu tun, um irgendwann ein erfolgreicher Schauspieler zu werden. Er begann reihenweise Bücher zu verschlingen, da er der Meinung war, dass man intelligente Menschen nicht spielen konnte, wenn man ungebildet war. Sean Connery wirkte in nächster Zeit in unterschiedlichsten Filmen mit, meist hatte er jedoch nur kleinere Rollen zu spielen. Die profitablen Filmangebote blieben aber aus, bis er eines Tages von einer Filmreihe über einen Geheimagenten hörte, wo ein geeigneter Darsteller gesucht wurde.

Der Schriftsteller Ian Fleming hatte eine beliebte Romanserie mit dem Helden James Bond erschaffen, welche nun verfilmt werden sollte. Die Filmproduzenten machten sich auf die Suche nach einem qualifizierten Schauspieler, die Favoriten für die Rolle schieden aber aus unterschiedlichen Gründen aus. Plötzlich stießen sie auf den unbekannten Sean Connery, welcher durch seinen trainierten Körper und seine außerordentliche Ausstrahlung punkten konnte. Der Erfinder Ian Fleming war jedoch nicht überzeugt von dieser Auswahl, denn er hatte eine komplett andere Vorstellung von seiner Hauptfigur. Er suchte nach einem noblen und kultivierten Darsteller, nicht nach einem rustikalen Schotten. Aber Sean Connery konnte mit seinem ungeheuren Charme doch noch die Produzenten von sich überzeugen und konnte dieses wichtige Engagement ergattern.

Sean Connery: „“Damals waren viele Leute der Ansicht, Bond sei mit mir schlecht und falsch besetzt““

Als der Film „James Bond – 007 jagt Dr. No“ am 05. Oktober 1962 zum ersten Mal in die Kinos kam, staunten die Zuschauer über die Darbietung eines weitgehend unbekannten schottischen Schauspielers. Der aus erbärmlichen Verhältnissen stammende Sean Connery spielte den Superagenten James Bond so stilsicher, dass er selbst die schärfsten Kritiker von seinem schauspielerischen Talent überzeugen konnte. Der Film wurde ein echter Kassenschlager und Sean Connery stieg über Nacht zu einem echten Weltstar auf. Durch James Bond schaffte er seinen großen Durchbruch und legte den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere als Filmschauspieler.

 
Obwohl er nie Schauspielunterricht hatte, wurde Sean Connery zu einem der bekanntesten Schauspieler auf der Welt. Nicht nur durch seine außergewöhnliche Darstellung von James Bond war er bei den Leuten so beliebt, sondern durch die Tatsache, dass er sich alles selbst hart erarbeitet hatte. Es begann in seiner Kindheit, wo er als armer Milchjunge Milch ausliefern musste bis zu seinem unermüdlichen Kampf, irgendwann ein erfolgreicher Schauspieler zu werden. Er zeigte den Menschen, dass es nicht ausschlaggebend war, aus welchen Verhältnissen man stammte. Wichtig war nur die Tatsache, immer an seine Chancen zu glauben und mit großem Willen daran zu arbeiten.

Sean Connery: „“An Schicksal glaube ich nicht wirklich. Ich glaube an harte Arbeit und die Augen offen zu halten für passende Gelegenheiten““

Maickel Melamed -– Ein Held im Sport trotz Muskelschwäche

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Maickel Melamed wurde am 27. April 1975 in Caracas, der Hauptstadt von Venezuela, geboren. Bei seiner Geburt kam es zu Komplikationen, da sich die Nabelschnur um seinen kleinen Hals wickelte. Die Ärzte retteten das Leben des Babys, welches aber aus diesem Grund motorisch schwer geschädigt wurde. Den geschockten Eltern wurde auch mitgeteilt, dass Maickel Melamed nur mehr eine Woche zu leben hätte. Die Ärzte sollten sich aber irren, denn Maickel Melamed hatte ein großes Kämpferherz und machte in den nächsten Tagen große Fortschritte, womit er dem Tod gerade noch entrinnen konnte. Die Familie kümmerte sich mit voller Hingabe um das Kind, jedoch litt Maickel Melamed an einer Muskelhypotonie, einer zu geringen Muskelspannung und einer sehr schwachen Muskulatur.

Maickel Melamed entwickelte sich trotz seiner schmächtigen Muskeln prächtig, da er geistig voll auf der Höhe war. Er schaffte nicht nur seinen Schulabschluss, sondern begann auch sehr erfolgreich an der Universität zu studieren. Beruflich lief es für Maickel Melamed sehr gut, aber durch seine Behinderung mit der Muskelschwäche hatte er gravierende Nachteile im Sport. Er wollte sich damit aber nicht abfinden und begann, verschiedenste Sportarten auszuprobieren. Ob Fallschirmspringen, Gleitschirmfliegen oder Tauchen, Maickel Melamed hatte überall sehr viel Spaß dabei. Mit einer unglaublichen Kraftanstrengung schaffte er es sogar, den Pico Bolívar, den höchsten Berg Venezuelas, zu besteigen. Aber für sein nächstes Ziel hielt ihn sogar sein persönlicher Fitnesstrainer für verrückt.

Maickel Melamed: „„Wenn du es träumst, kannst du es möglich machen““

Maickel Melamed wollte tatsächlich einen ganzen Marathon (42,195 Kilometer) bewältigen und begann, entschlossen dafür zu trainieren. Da seine Muskeln nicht richtig entwickelt waren und seine Muskelmasse begrenzt war, musste er ein spezielles Krafttraining hinter sich bringen. Maickel Melamed trainierte bis zu 50 Stunden in der Woche, um sein unfassbares Vorhaben verwirklichen zu können. Die lange und extrem harte Vorbereitung sollte sich jedoch bezahlt machen, denn er schaffte es wirklich, den Marathon in New York und in Berlin erfolgreich zu beenden, und dies in einer Laufzeit von etwa 15 Stunden. Beim Marathon in Chicago sollte Maickel Melamed aber bald an seine Grenzen stoßen.

Foto von Romina Hendlin
unter Wikimedia Commons

Während alle Teilnehmer bei diesem Marathon schon seit Stunden im Ziel waren, befand sich Maickel Melamed noch mitten auf der Strecke. Da der Marathon offiziell bereits beendet wurde, musste er jetzt immer wieder auf den Bürgersteigen laufen, da es keine Straßensperrungen mehr gab. Diese ständigen Höhenunterschiede kosteten dem beherzten Läufer zusätzliche Kraft und Maickel Melamed hatte bereits schwer zu kämpfen. Auch seine Betreuer konnten ihm nun nicht mehr helfen und versuchten ihn zu einer Aufgabe zu überreden. Aber Maickel Melamed hatte ein großes Kämpferherz, obwohl es schon finster wurde und seine Muskeln unbarmherzig schmerzten, arbeitete er sich Schritt für Schritt weiter.

Um 01:30 Uhr am nächsten Tag brandete plötzlich großer Jubel im Zielbereich auf. Viele Zuschauer waren extra gekommen und konnten es kaum glauben, als sie tatsächlich den abgekämpften und entkräfteten Maickel Melamed aus der Dunkelheit auftauchen sahen. Er schaffte es mit einer unvorstellbaren Kraftanstrengung, den Marathon in Chicago mit einer Zeit von unglaublichen 16 Stunden und 46 Minuten zu beenden. Er kam zwar nur mit Abstand als Letzter ins Ziel, aber für die Menschen war er der wirkliche Sieger dieser Laufveranstaltung.

Die Geschichte von Maickel Melamed und seinen sportlichen Leistungen verbreitete sich wie ein Lauffeuer um die ganze Welt. Trotz seiner Muskelschwäche fand er einen Zugang zum Sport und wurde dadurch zum Vorbild für viele Menschen mit Behinderungen. Er setzte sich seine eigenen Grenzen und verblüffte dadurch alle Experten. Maickel Melamed zeigte den Menschen, dass man mit großer Willensstärke alle Herausforderungen im Leben bewältigen konnte.

Maickel Melamed: „“Dein Leben ist das Schönste, was dir passieren kann. Also mache das Beste daraus““

Foto von Adrián Cerón
unter CC BY-SA 3.0

 

Joe Kittinger -– Der Fallschirmsprung vom Rande des Weltraums

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Joseph („Joe“) Kittinger wurde am 27. Juli 1928 in Florida (USA) geboren und trat im Alter von 20 Jahren der US Air Force bei, wo er eine Pilotenausbildung absolvierte. Er war sehr talentiert und flog bald die neuesten Kampfflugzeuge der amerikanischen Luftwaffe. Joe Kittinger war ein absoluter Draufgänger und meldete sich aus diesem Grund bald als Freiwilliger, um bei gefährlichen Experimenten der Air Force zur Verfügung zu stehen. Und so kam er zu dem Projekt „Excelsior“, wo mutige Menschen gesucht wurden, die bereit waren, ihr Leben zu riskieren.

Im Jahr 1960 hatten die Menschen den Weltraum noch nicht erobert und die bemannte Raumfahrt war noch in weiter Ferne. Es gab viele offene Fragen zu klären, denn man wusste nicht, welche Auswirkungen große Höhen jenseits von 20.000 Metern auf den Menschen hatte und ob die kosmische Strahlung aus dem Weltall den menschlichen Körper schädigen konnte. Um diese Fragen klären zu können und um neue Fallschirmsysteme in diesen gigantischen Höhen zu testen, engagierte man Joe Kittinger, der tapfer genug war, dieses risikoreiche Vorhaben umzusetzen. Das Projekt „Excelsior“ bestand aus mehreren Fallschirmsprüngen aus Höhen zwischen 20 und 30 Kilometern.

Joe Kittinger trainierte hart für sein Vorhaben und absolvierte zahlreiche Tests in Höhen- und Kältekammern. Aber schon bei seinem ersten Testsprung in einer Absprunghöhe von 23.300 Metern lief einiges schief, da sich einer seiner Bremsschirme nicht richtig öffnete. Joe Kittinger begann sich so schnell um seine eigene Achse zu drehen, dass er bewusstlos wurde. Jedoch öffnete sich der Hauptfallschirm automatisch und er landete unversehrt wieder auf der Erde. Während jeder andere Teilnehmer aufgrund dieser lebensgefährlichen Situation sofort wieder aus diesem Projekt ausgestiegen wäre, blieb Joe Kittinger dabei. Nur wenige Tage später riskierte er wieder alles in einem Testsprung, und diesmal verlief alles nach Plan. Nun war alles vorbereitet für einen absoluten Rekordsprung aus einer Höhe von über 30 Kilometern und es gab nur einen Mann, der dieses Wagnis eingehen wollte, Joe Kittinger.

Joe Kittinger: „„Ich habe nicht gezögert, es war ein Testflug und ich war ein Testpilot““

Am 16. August 1960 stieg Joe Kittinger mit einem aus Helium gefüllten Gasballon in die Lüfte. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, ob er wieder lebend zur Erde zurückkehren würde. Da man sich für eine offene Gondel entschieden hatte, musste Joe Kittinger von Beginn an einen speziellen Druckanzug tragen, mit einem über 70 kg schweren Fallschirmsystem und einer speziellen Ausrüstung für Datenaufzeichnungen. In einer Höhe von etwa 13 Kilometern bemerkte er jedoch einen Schaden am Druckanzug an seiner rechten Hand. Joe Kittinger musste nun eine folgenschwere Entscheidung treffen, denn der Versuch wäre sofort abgebrochen worden bei einem defekten Druckanzug. Und Joe Kittinger traf die unfassbare Entscheidung der Bodenstation nichts mitzuteilen, obwohl er wusste, dass ihn dieser Mangel an der Hand gesundheitlich schwer schädigen könnte.

Joe Kittinger: „„Gegen bekannte Gefahren kannst du dich wappnen. Du machst dir Sorgen um die Dinge, die du nicht kommen siehst. Meine Hand schwoll an, sie wurde sogar etwa doppelt so groß wie normal, ich konnte sie nicht mehr benutzen““

Nach ungefähr eineinhalb Stunden hatte der Ballon die Höhe von 31.333 Metern erreicht und Joe Kittinger stand nun kurz vor seinem Sprung. Seine rechte Hand schmerzte und er realisierte, dass es in dieser Höhe keinen Luftdruck gab und er ohne seinen Schutzanzug nicht überleben konnte. Es war eine beeindruckende, aber lebensfeindliche Umgebung, wo er gerade war. Noch nie zuvor befand sich ein Mensch vor ihm in dieser Höhe, und Joe Kittinger musste nun wieder zur Erde zurückkehren. Die Anspannung und die Nervosität in der Bodenstation waren spürbar, keiner wusste, wie dieser Sprung aus dieser unfassbaren Höhe ausgehen würde. Da ließ sich Joe Kittinger auch schon mutig aus der offenen Gondel fallen und raste mit bis zu 988 km/h auf die Erde zu.

Joe Kittinger: „„Ich musste ständig auf meine Stoppuhr schauen, um meine Höhe abschätzen zu können““

Nach vier Minuten und 36 Sekunden im freien Fall hatte er es überstanden und der Hauptfallschirm öffnete sich wie geplant. Das Fallschirmsystem funktionierte tatsächlich perfekt und Joe Kittinger landete wenige Minuten später wieder auf der Erde. Seine schmerzende Hand war nach wenigen Stunden wieder in Ordnung, es stellte sich später heraus, dass die geschwollene Hand den schadhaften Anzug abgedichtet und ihm so vermutlich das Leben gerettet hatte.

Der Rekordsprung von Joe Kittinger war eine Sensation und die ganze Welt berichtete von diesem unglaublichen Fallschirmsprung. Zudem stellte er mehrere Weltrekorde auf: Die höchste Ballonfahrt mit einer offenen Gondel, der Fallschirmsprung aus größter Höhe, der längste freie Fall eines Menschen und die höchste Geschwindigkeit eines Menschen im freien Flug. Es wurden viele wertvolle Informationen über den Weltraum und viele nützliche Hinweise über Fallschirmsprünge aus großer Höhe gesammelt. Joe Kittinger unternahm in den folgenden Jahren viele weitere Ballonfahrten für die Air Force und stellte sich für die Wissenschaft zur Verfügung, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Der Weltraum-Pionier Joe Kittinger machte es durch seine mutigen Taten möglich, dass der Mensch in späterer Folge den Weltraum erobern konnte. Er sprang als erster Mensch überhaupt aus einer Höhe von über 30.000 Metern, obwohl man in dieser Zeit noch nicht abschätzen konnte, ob er diese waghalsige Aktion überleben würde.

Viele Jahre später wurde mit einem neuen Projekt (Red Bull Stratos) die Idee von Fallschirmsprüngen aus großer Höhe mit Hilfe von Joe Kittinger wieder aufgegriffen. Am 14. Oktober 2012 sprang der Österreicher Felix Baumgartner mit dem Fallschirm aus einer Höhe von über 39.000 Metern und durchbrach damit als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer. Wegbereiter für diesen unglaublichen Weltrekord war aber Joe Kittinger, der mit seinem Mut und seiner Furchtlosigkeit aus vergangener Zeit dieses Projekt überhaupt erst möglich gemacht hatte.

Heinrich Harrer –- Sieben Jahre in Tibet

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Heinrich Harrer wurde am 06. Juli 1912 in Kärnten (Österreich) geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater war Postbeamter und seine Mutter war Hausfrau, für ihn war ein normales und bürgerliches Leben vorprogrammiert. Aber Heinrich Harrer war anders als viele junge Menschen, denn er verspürte schon früh den Drang als Abenteurer die Welt zu entdecken. Bereits während seiner Schulzeit und seinem erfolgreichen Studium (Geographie und Sport) zog es ihn immer wieder in die freie Natur. Er war sportlich sehr aktiv, er verdiente sich sein Taschengeld mit Bergführungen und mit Skikursen und wurde außerdem akademischer Abfahrtsweltmeister im Skifahren. Da er sehr talentiert war, übernahm er zwischenzeitlich auch die Damenski-Nationalmannschaft als Trainer, nebenbei machte er auch noch Leichtathletik und wurde sogar österreichischer Golfmeister. Doch eine Freizeitbeschäftigung hatte es ihm besonders angetan, die Faszination vom Bergsteigen.

 
Im Alter von 26 Jahren bestieg er erfolgreich gemeinsam mit drei anderen Männern die berüchtigte und gefährliche Eiger-Nordwand in der Schweiz. Noch nie zuvor war dies einem Bergsteiger gelungen, denn die meisten Kletterer kamen bei dieser „Mordwand“ ums Leben. Durch diese waghalsige Besteigung wurden sie sogar vom damaligen Diktator Adolf Hitler empfangen, der den Heldenmut der Männer für seine Propaganda-Zwecke ausnutzen wollte. Aber Heinrich Harrer war nur an seiner Abenteuerlust interessiert und begab sich kurze Zeit später 1939 auf eine Erkundungsexpedition zum Nanga Parbat (Berg im Himalaya Gebirgssystem in Asien). Doch diese fand ein schlagartiges Ende, denn aufgrund des ausweitenden Zweiten Weltkrieges wurden die Expeditionsteilnehmer gefangengenommen und in ein britisches Internierungslager in Nord-Indien verfrachtet.

Für Heinrich Harrer war die Freiheit in seinem Leben schon immer am wichtigsten gewesen, aus diesem Grund war er sehr unglücklich in diesem vom Stacheldraht eingezäunten Lager. Und so dachte er sofort an eine Flucht aus dieser Gefangenschaft und bereitete sich auch gewissenhaft darauf vor. Er trainierte täglich seinen Körper um seine gute Kondition zu erhalten, egal wie schlecht das Wetter auch war. Zusätzlich lernte er Tibetisch und Japanisch, um sich mit den Einheimischen verständigen zu können. Trotz zahlreicher missglückter Ausbruchsversuche, die immer mit langer Einzelhaft bestraft wurden, gab Heinrich Harrer nicht auf, und beim fünften Versuch schaffte er es tatsächlich. Nach mehreren Jahren der Gefangenschaft machte er sich am 29. April 1944 auf zur Flucht nach Tibet. Dieser Weg war gepflastert von unmenschlichen und unvorstellbaren Strapazen, weshalb es kaum ein anderer Gefangener wagte, diesen Weg einzuschlagen.

 
Heinrich Harrer und sein Freund Peter Aufschnaiter machten sich gemeinsam auf den Weg zur verbotenen Stadt Lhasa, der tibetischen Hauptstadt. Sie gaben sich als reisende Pilger aus, aber immer mussten sie fürchten, wieder eingefangen und eingesperrt zu werden. Die Reise war sehr beschwerlich, sie mussten zahlreiche Gebirgspässe von über 5.000 Metern überwinden und durch viele kalte Flüsse wandern. Heftige Schneestürme, zweistellige Minusgrade, Erfrierungen und fehlende Nahrung machten ihre abenteuerliche Reise zu einer unglaublichen Herausforderung. Immer wieder trafen sie unterwegs auf umherziehende Nomaden, die sie meistens freundlich aufnahmen und sie auch mit Essen versorgten. Nach fast zwei Jahren unvorstellbarer Qualen erreichten sie schließlich die Stadt Lhasa, über 2.000 Kilometer Fußmarsch hatten sie bis dahin hinter sich gebracht. Doch wie würden die Einwohner auf die zwei schmutzigen und verwahrlosten Wanderer reagieren? Denn diese auf 3.600 Meter Meereshöhe gelegene Hauptstadt von Tibet war zur damaligen Zeit weitgehend unerforscht und vollkommen abgeschieden von der restlichen Welt gewesen.

 
Entgegen aller Befürchtungen wurden sie jedoch weder erkannt noch zurückgehalten, als sie durch das Haupttor dieser Stadt eintraten. Die unter Hunger und Kälte leidenden Abenteurer wurden bald von einem Adeligen aufgenommen, sie konnten sich nun waschen, bekamen frische Kleidung und konnten ihre bereits langen Bärte rasieren. Ihre Geschichte von der Flucht aus dem Gefängnis und der abenteuerlichen Reise durch weitgehend unerforschte Gebiete verbreitete sich rasant, und die Bewohner schätzten die Ausdauer und den Mut der Reisenden. Bald wurde das Vertrauen in die Wanderer größer, und Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter durften tatsächlich in dieser fremden und geheimnisvollen Stadt bleiben. Sie arbeiteten nun für die tibetische Regierung, bauten Bewässerungsanlagen, Kanäle und Dämme, denn Lhasa war im Gegensatz zu zivilisierten Städten stark unterentwickelt. Heinrich Harrer lernte eine total fremde Kultur kennen und war vollkommen fasziniert von der Religion und der Einstellung der Menschen hier.

Heinrich Harrer: „“Schon nach kurzem Aufenthalt war es mir nicht mehr möglich, gedankenlos eine Fliege zu töten. Und in Gesellschaft eines Tibeters hätte ich es nie gewagt, nach einem Insekt zu schlagen, nur weil es mir lästig war““

Da Heinrich Harrer ein sehr belesener Mann war, wurde er bald beauftragt, den damaligen jungen 14. Dalai Lama (Oberhaupt des tibetischen Buddhismus), zu unterrichten. Er brachte ihm die westliche Kultur näher und lehrte ihm Englisch und Geographie. Der junge Dalai Lama, der damals 14 Jahre alt war, war sehr interessiert an den Erzählungen von Heinrich Harrer und sie verbrachten sehr viel Zeit miteinander. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen ihnen, trotz der unterschiedlichen Herkunft. Tibet wurde für Heinrich Harrer zur zweiten Heimat, hier fühlte er sich wohl. Inmitten der faszinierenden Landschaften, der mächtigen Berge und der Flüsse spürte er die Natur, so wie er es sich vorstellte, zusätzlich konnte er hier unerforschte Gebiete erkunden und fremde Kulturen kennenlernen.

 
Im Herbst 1950 war das ruhige Leben für Heinrich Harrer und seine Freunde aber schlagartig vorbei, denn chinesische Truppen besetzten gewaltsam das Land. Tempel und Klöster wurden zerstört und viele Tibeter wurden umgebracht. Als die Truppen immer näher an Lhasa heranrückten, musste Heinrich Harrer, genauso wie viele Tibeter und auch der Dalai Lama, fluchtartig fliehen. In dieser hektischen Zeit musste sich Heinrich Harrer von seinen Freunden verabschieden und kehrte 1952 nach über 13 Jahren im Ausland wieder in seine Heimat nach Österreich zurück. Überwältigt von seinen Eindrücken und Erlebnissen in einem weit entfernten Land begann er, Bücher zu schreiben und seine Abenteuer in Fernsehsendungen zu erzählen.

Heinrich Harrer unternahm noch viele weitere Reisen, denn seine Abenteuerlust war noch nicht zu Ende. Er erforschte den Amazonas (Südamerika), bestieg als erster Mensch die „Carstensz-Pyramide“ (Berg in Indonesien) und reiste in die entlegensten Gebiete der Welt, um darüber zu berichten. In späteren Jahren besuchte er auch wieder seine große Liebe Tibet, wo er eine so lange Zeit verbrachte, und dachte zurück an die glückliche Zeit und die unbeschwerten Stunden mit seinem Freund, dem Dalai Lama.

 
Heinrich Harrer bereiste als Forscher und Entdecker die ganze Welt. In einer Zeit, in der viele Gebiete noch unentdeckt waren, schritt er mutig voran und ging immer Wege, die noch nie ein Mensch zuvor gewagt hatte. Er trug wesentlich dazu bei, Tibet für die westliche Welt zu öffnen und international bekannt zu machen. Sein geschriebenes Buch „“Sieben Jahre in Tibet““, wo er über sein Leben in Tibet berichtete, wurde zum internationalen Bestseller und wurde in über 50 Sprachen weltweit übersetzt. Diese Geschichte wurde 1997 verfilmt, der Regisseur, der Hauptdarsteller Brad Pitt sowie andere Darsteller wurden aus diesem Grund von China mit einem lebenslangen Einreiseverbot nach China belegt, da China die Unabhängigkeit Tibets bis heute nicht anerkennen will. Viele Aufstände in Tibet werden bis heute von China brutal niedergeschlagen.

Heinrich Harrer starb am 07. Januar 2006 im Alter von 93 Jahren. Bis zum Schluss pflegte er eine enge Freundschaft zum 14. Dalai Lama, dem er seinerzeit Unterricht gab. Er lebte sein Leben immer so, wie er es wollte. Voller außergewöhnlicher Abenteuer und Geschichten, die Menschen bis heute faszinieren.

Heinrich Harrer: „“Die Frage, warum man etwas Ungewöhnliches unternimmt, stellt sich gar nicht. Die Begründung könnte ganz einfach die Lust am großen Abenteuer sein““

Scott – Amundsen: Der erste Mensch am Südpol

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Robert Scott wurde am 06. Juni 1868 in England geboren. Er war körperlich ein eher schwächliches Kind und zudem sehr zurückhaltend. Dies änderte sich, als er die Aufnahmeprüfung zur britischen Royal Navy schaffte, er wurde selbstbewusster und diente von nun an auf den verschiedensten Schiffen. Die erfolgreiche Laufbahn wurde aber abrupt unterbrochen als sein Vater starb und die Familie nun vom Einkommen von Robert Scott abhängig wurde. Da ihm die Royal Navy zu dieser Zeit kaum Aufstiegsmöglichkeiten bot, um damit mehr Geld zu verdienen, bewarb sich Robert Scott für den Posten eines Expeditionsleiters und erhielt tatsächlich bald sein erstes eigenes Kommando.

Foto von John Thomson

Die Reise ging in die Antarktis, welche sich auf der südlichen Halbkugel der Erde befand. Hier wurden wissenschaftliche und geographische Erkundungen vorgenommen und Robert Scott geriet zum ersten Mal in Kontakt mit dem rauen und eisigen Klima. Trotz der schwierigen Bedingungen war die Forschungsreise sehr erfolgreich, nach der triumphalen Rückkehr erhielt Robert Scott zahlreiche Auszeichnungen und bekam zudem die Polarmedaille in Gold verliehen. Obwohl er mit Kathleen seine große Liebe heiratete und mit ihr ein Kind bekam, keimte in ihm eine unfassbare Vorstellung auf: Robert Scott wollte als erster Mensch den Südpol erreichen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Welt bis auf den Südpol weitgehend erforscht, und dies hatte auch einen guten Grund.

Als Südpol (in der Antarktis gelegen) wird der südlichste Punkt der Erde bezeichnet. Die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa -55 °C, im Winter kann sie jedoch noch tiefer absinken. Dieser Kontinent ist beinahe vollständig bedeckt von einer dicken Schnee- und Eisschicht und sie kann eine Tiefe von über vier Kilometern erreichen. Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 250 km/h sind hier keine Seltenheit, aus diesem Grund ist das Landesinnere bis auf einige Mikroorganismen ohne Leben. Es gibt wohl kaum einen menschenfeindlicheren Ort als die Antarktis, und trotzdem wollte sich Robert Scott dieser unglaublichen Herausforderung stellen und als erster Mensch den Südpol erreichen. Als sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen waren, machte sich Robert Scott 1911 mit einem auserwählten Team auf den Weg, die gefährliche Reise unter widrigsten Bedingungen zurückzulegen.

Plötzlich erreichte ihn jedoch eine Nachricht, dass der aus Norwegen stammende Roald Amundsen ebenfalls unterwegs war, als erster Mensch den Südpol zu erreichen. Robert Scott verschwendete jedoch keinen weiteren Gedanken daran, denn er glaubte an seine gemischte Transportstrategie, die aus Motorschlitten, sibirischen Ponys und aus Hunden bestand. Die Motorschlitten gingen jedoch bald kaputt, und auch die Ponys waren völlig ungeeignet für das kalte Klima. Sie litten jämmerlich unter dem kalten Wind und sanken bei jedem Schritt in die Schneekruste ein. Die Pferde wurden mit jedem Tag schwächer, und bald musste man eines nach dem anderen mit der Pistole erlösen, weil sie überhaupt keine Kraft mehr hatten, sich fortzubewegen. Trotz dieser Erschwernisse kämpfte Robert Scott unermüdlich weiter, immer wieder wurden wie geplant Mitglieder der Expedition und auch die Hunde zurückgeschickt. Am Schluss machte sich Robert Scott mit vier Begleitern auf den Weg, die letzten Schritte ihres mühseligen Weges zum Südpol zurückzulegen, die schweren Schlitten zogen sie dabei bereits selbst. Sie hatten schon viel der geplanten Zeit verloren, aber Robert Scott war sich sicher, bald der erste Mensch auf der Welt zu sein, der den Südpol erreichen konnte. Was er jedoch dann zu sehen bekam, war der absolute Horror für den unerschrockenen Entdecker.

Foto von Henry Bowers

Als die total erschöpften Männer am Südpol ankamen, sahen sie bereits die norwegische Fahne im Wind wehen. Der ganze Aufwand war umsonst gewesen, die Qualen, die eisige Kälte und der tägliche Kampf gegen die Stürme. Der Norweger Roald Amundsen hatte einfach die bessere Strategie gewählt, er kam besser mit der Kälte zurecht und hatte die besseren Hunde für seine Expedition mitgenommen. Robert Scott und seine Begleiter standen unter Schock, sie verbrachten eine Nacht am Südpol, ohne ein Wort miteinander zu wechseln.

Tagebucheintrag Robert Scott: „“Großer Gott! Dies ist ein fürchterlicher Platz. Der Gedanke Erster zu sein trieb uns an, weckte unsere letzten Lebensgeister, brachte uns Hoffnung. Es wird eine mühselige Rückkehr““

Als sich Robert Scott und seine Begleiter auf den langen Rückweg machten, waren sie bereits sehr spät dran. Der antarktische Sommer neigte sich bereits dem Ende zu und die Temperaturen fielen. Der Schnee wurde immer härter und rauer und die Ski verloren ihre Gleitfähigkeit, somit wurden die Schlitten immer schwerer zu ziehen. Die Folter wurde immer schlimmer, die Männer hatten mit den sinkenden Temperaturen und dem stürmischen Wetter zu kämpfen. Neben Erschöpfung und Hunger stellten sich auch Erfrierungen und Schneeblindheit ein. Robert Scott hatte bereits zwei Männer unter diesen Qualen verloren, sie kämpften jetzt nur mehr zu dritt um irgendwie ihren Rückweg zu schaffen. Jedoch wurden die Nahrungsmittelvorräte immer weniger, da sie sowieso schon mit der Zeit im Verzug waren, und Schritt für Schritt wichen den tapferen Männern auch noch ihre letzten Kräfte.

Tagebucheintrag Robert Scott: „“Niemand von uns erwartete diese schrecklich tiefen Temperaturen““

Als dann noch ein schwerer Schneesturm aufkam, retteten sich die vollkommen entkräfteten Männer in das Zelt. Sie litten bereits an starken Erfrierungen und Unterernährung, die eisige Kälte hatte ihnen die letzte Energie geraubt. Obwohl das nächste Versorgungsdepot nur etwa zwei bis drei Tage Fußmarsch entfernt war, mussten sie aufgrund des starken Sturmes im Zelt bleiben. Die Nahrungsmittel gingen nun dem Ende zu und es waren auch keine Brennstoffvorräte mehr vorhanden. Die Männer wussten um ihr Schicksal, aber trotz der unmenschlichen Bedingungen kämpften die Männer irgendwie weiter und Robert Scott schrieb mit zittriger Hand bis zum Schluss in sein Tagebuch.

Tagebucheintrag Robert Scott: „“Jeden Tag waren wir bereit, uns auf den Weg zu unserem elf Meilen entfernten Depot zu machen, doch vor dem Zelt bleibt das wirbelnde Gestöber. Ich denke nicht, dass wir jetzt noch hoffen können. Wir werden es bis zum Ende durchstehen, doch wir werden natürlich schwächer, und das Ende kann nicht mehr weit sein. Es ist schade, aber ich kann jetzt nicht mehr weiter schreiben. Um Gottes Willen, kümmert euch um unsere Hinterbliebenen““

Dies war der letzte Tagebucheintrag von Robert Scott, der unerschrockene Entdecker und seine Begleiter sollten nie mehr von ihrer Reise zurückkehren. Acht Monate später fand eine Rettungsmannschaft die toten Leichen und das Tagebuch von Robert Scott. Sie lagen erfroren in ihren Schlafsäcken, nur Robert Scott hatte seinen Schlafsack geöffnet, um einen Arm um einen seiner Freunde zu legen. Über den Toten wurde eine Zeltplane gespannt und es wurde ein hoher Schneehügel darüber errichtet. Aufgrund von Schneeablagerungen ist das Grab von Robert Scott und seinen Begleitern aber bis heute verschollen. Durch die Fließbewegungen des Eises wird vermutet, dass sich das Zelt mit den Toten inzwischen etwa 30 m unter der Oberfläche befindet und etwa 30 km vom ursprünglichen Standort entfernt. Die wagemutigen Männer haben so ihre ewige Ruhestätte in der Antarktis gefunden.

Die Nachricht vom Tod von Robert Scott ging schnell um die ganze Welt und er erlangte den Status eines Nationalhelden. Zahlreiche Denkmäler und Statuen wurden ihm zu Ehren in den folgenden Jahren errichtet. Der Untergang seiner Expedition war aber auch aus falschen Entscheidungen von Robert Scott zurückzuführen. Seine Motorschlitten versagten genauso wie seine Ponys. Er kalkulierte die Nahrungsmittelvorräte zu knapp und er wählte auch die falsche Bekleidung. Er traf die Befehle weniger aus Vernunft, sondern aus seinem Glauben an den Sportsgeist und der Willenskraft eines Mannes, und dies wurde ihm schlussendlich zum Verhängnis, denn solch eine Expedition verzieh einfach keine Fehler.

Obwohl der Norweger Roald Amundsen der erste Mensch am Südpol war, wird er bis heute im selben Atemzug genannt wie Robert Scott. Diese beiden mutigen Männer waren Vorreiter für die Erforschung der Antarktis und leisteten sich beide einen heldenhaften und zugleich auch tragischen Wettlauf zum Südpol. Zu Ehren dieser beiden großen Abenteurer gibt es heute eine große Forschungsstation in der Antarktis, die den Namen „Amundsen-Scott-Südpolstation“ trägt.