Karen Klein -– Das Happy End einer bösartigen Mobbingaktion

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Karen Klein war jahrelang als Schulbusfahrerin im Bundesstaat New York (USA) tätig. Nach ihrer Pensionierung war sie weiter als Busbegleiterin tätig, weil sie einfach gerne mit den Kindern zusammen war. Sie half den Schülern beim Ein- und Aussteigen, unterstützte den Busfahrer, war für die Sicherheit verantwortlich und passte generell auf, dass es keinen Ärger gab. Karen Klein war mehrfache Großmutter und liebte die Kinder, was die 68-jährige Frau jedoch am 18. Juni 2012 erleben sollte, war unvorstellbar.

 
An diesem Tag saß Karen Klein wieder im Bus um auf die Kinder aufzupassen, als vier pubertierende Jungen begannen, sich über sie lustig zu machen. Sie rissen Witze über ihr Aussehen und lachten sie aus. Respekt vor dem Alter war den Halbwüchsigen weitgehend fremd, und so wurden die Beleidigungen immer bösartiger. Als ein Schüler auch noch anfing, mit dem Handy mitzufilmen, brachen alle Dämme. Karen Klein versuchte sich noch irgendwie mit Worten zu verteidigen, jedoch ging die bösartige Mobbingaktion unbeirrt weiter.

Karen Klein: „“Ich habe versucht sie zu ignorieren, aber es funktionierte nicht““

Karen Klein wurde von den Schülern verhöhnt und erniedrigend beschimpft. Man stupste sie von hinten an und ließ ihr überhaupt keine Ruhe mehr. Mit den Fingern versuchten sie zudem ständig, das Hörgerät von Karen Klein zum Herausfallen zu bringen. Dies alles vor dem tosenden Gelächter der Schüler und einer aufgeheizten Stimmung. Karen Klein kauerte sich in ihren Sitz, aber in dem Bus war sie den Schikanen vollkommen ausgeliefert. Als einer der Jungen begann, schlimme Kommentare über ihre Familie abzugeben, konnte Karen Klein nicht mehr. Tränen liefen über ihr Gesicht, denn sie war bereits seit längerer Zeit Witwe und auch ihr ältester Sohn war bereits tot. Doch die Jugendlichen machten trotzdem weiter und zeigten kein Mitgefühl. Solange, bis die Busfahrt zu Ende war und Karen Klein völlig erledigt ihren Heimweg antreten konnte.

Als Draufgabe posteten die Jugendlichen das Video mit Karen Klein auf Facebook, um sich damit zu rühmen. So gelangte die gnadenlose Mobbingaktion auch auf die Videoplattform Youtube, wo es ein ukrainischer Einwanderer, Max Sidorov, einfach nicht fassen konnte. Auch er war früher von solchen Mobbingaktionen betroffen gewesen und beschloss daher spontan, Karen Klein zu helfen. Er startete eine Sammelaktion und rief zu Spenden auf, um Karen Klein zumindest als kleine Wiedergutmachung einen Urlaub zu verschaffen. Es folgte eine heftige öffentliche Reaktion und eine unfassbare Solidaritätswelle, denn das Video verbreitete sich wie ein Lauffeuer um die Welt.

Über 32.000 Menschen aus 85 Ländern spendeten für Karen Klein und zeigten so ihr Mitgefühl mit ihr. In kurzer Zeit kamen so über 500.000 Dollar an Spendengeldern zusammen und das Mobbingvideo wurde mehr als eine Million Mal angeklickt. Karen Klein gründete mit dem Geld eine eigene Stiftung, um sich öffentlich gegen Mobbing einzusetzen und gönnte sich und ihrer gesamten Familie einen erholsamen Urlaub. Es war ein Happy End für eine Geschichte, welche einen sehr traurigen Anfang nahm. Aber sie zeigte, dass auch im größten Moment des Kummers immer Hoffnung bestand, dass man auf die Warmherzigkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen zählen konnte.

Karen Klein: „„Ich hoffe, dass jeder da draußen weiß, wie dankbar ich bin. Leute haben mir geschrieben, dass sie mich lieben. Im Grunde war die ganze Welt beteiligt““