Der Kampf der Löwen

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Ein Vater saß mit seinem Sohn im Garten hinter dem Haus. Sie beobachteten gemeinsam den Sternenhimmel, als der Vater die Stille unterbrach und sagte: „„In meinem Innersten kämpfen zwei Löwen.““

Erwartungsvoll schaute der Sohn seinen Vater an.

Der Vater sprach weiter: „“Der eine ist der Löwe des Misstrauens, der Verzweiflung und der Dunkelheit. Der andere Löwe hingegen ist jener des Vertrauens, der Fröhlichkeit und der Liebe.““

„“Und welcher Löwe gewinnt?““, wollte der Sohn ungeduldig wissen.

Der Vater sah seinen Sohn an und entgegnete: „“Der Löwe, den ich füttere.““

 

Henry Pearce -– Der Ruderer und die Entenfamilie

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Henry Pearce wurde am 30. September 1905 in Sydney (Australien) geboren und wuchs in einer sportbegeisterten Familie auf. Sein Großvater war bereits australischer Meister im Einer-Rudern (von einer Person gerudertes Ruderboot), ebenso sein Vater. Und so fing auch Henry Pearce im Alter von erst sechs Jahren zu rudern an. Es wurde zu seiner großen Leidenschaft und er trat in die Fußstapfen seines Vaters, da er dreimal in Folge die australischen Meisterschaften im Einer gewinnen konnte. Seine Sternstunde folgte aber 1928 bei den Olympischen Sommerspielen in Amsterdam (Niederlande). Henry Pearce sorgte dort für einen der außergewöhnlichsten Momente in der olympischen Geschichte.

Henry Pearce war einer der Favoriten für den Einer-Wettbewerb und wollte seine erfolgreiche Karriere mit dem Gewinn der Goldmedaille krönen. Von Anfang an lief alles nach Plan und Henry Pearce, der in überragender Form war, gewann seine Läufe mit großen Vorsprüngen. Im Viertelfinale traf er auf den französischen Ruderer Victor Saurin, und auch in diesem Rennen hatte er sich bereits einen großen Vorsprung erarbeitet. Doch plötzlich herrschte Nervosität bei den Zuschauern und das Geschrei wurde lauter. Es sollten aber keine Anfeuerungsrufe für den in Führung liegenden Ruderer sein, sondern eine Warnung. Als Henry Pearce über seine Schulter blickte, sah er sofort die herannahende Katastrophe.

Eine Entenfamilie hatte sich gerade auf den Weg gemacht, seine Bahn zu kreuzen, um an das andere Ufer zu gelangen. Henry Pearce reagierte umgehend und hielt sein Ruderboot an, die drohende Kollision wäre übel für die Enten ausgegangen. Während die Mutter mit ihren Küken seelenruhig an ihm vorbeischwamm, riskierte Henry Pearce mit dieser Aktion seinen Traum von einer olympischen Goldmedaille. Sein Gegner kam nun immer näher und hatte seinen Rückstand schon fast wieder aufgeholt. Henry Pearce atmete tief durch und beobachtete abwechselnd die Enten und seinen immer näher kommenden Konkurrenten. Endlich hatte es die Entenfamilie geschafft, blitzschnell griff Henry Pearce wieder zu seinen Rudern und gab nun alles, was in ihm steckte. In einem unglaublichen und kräfteraubenden Finish schlug er tatsächlich noch seinen Widersacher und gewann diesen Lauf. Zusätzlich gewann er durch seine unfassbare Rettungsaktion die Sympathie einer ganzen Menschenmenge.

In der Folge konnte sich Henry Pearce seinen Traum verwirklichen und holte als erster australischer Ruderer überhaupt eine Goldmedaille bei Olympischen Spielen. Es war auch die einzige Goldmedaille, die Australien bei diesen Spielen erringen konnte. Diesen Erfolg konnte er bei den Olympischen Sommerspielen 1932 in Los Angeles (USA) wiederholen und Henry Pearce gewann dort seine zweite Goldmedaille. Wieder war er der erste Australier, der einen olympischen Titelgewinn erfolgreich verteidigen konnte.

Henry Pearce übersiedelte nach Kanada und gewann noch mehrere Profi-Weltmeisterschaften im Rudern. Im Jahr 1938 wurde er zu Kanadas Sportler des Jahres gewählt und erhielt dafür die „Lou Marsh Trophy“.

Henry Pearce starb am 20. Mai 1976. Er war einer der erfolgreichsten Ruderer seiner Zeit und gewann viele wichtige Titel. Aber es waren nicht die vielen Siege, die den Leuten im Gedächtnis blieben. Die Menschen erinnern sich immer an den Mann, der bei einem so wichtigen Wettkampf wie den Olympischen Spielen anhielt, um eine Entenfamilie passieren zu lassen. Durch diese großherzige Tat sorgte Henry Pearce für einen der spektakulärsten Momente in der olympischen Geschichte.

 

Minamata –- Die schleichende Quecksilbervergiftung

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Minamata war Anfang der 1950er Jahre eine idyllische und friedliche Kleinstadt in Japan. Die Haupteinnahmequelle der Bewohner war der Fischfang, da Minamata direkt an der Küste zum südjapanischen Meer lag. Die Menschen waren zufrieden mit ihrem Leben und konnten sich durch das Überangebot an Fisch gut und gesund ernähren. Diese sorgenfreien Tage sollten aber bald zu Ende sein, denn wie aus heiterem Himmel geschahen plötzlich eigenartige und entsetzliche Dinge.

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Hunde und Katzen verhielten sich sehr seltsam und brachen unerwartet tot zusammen, in der Bucht vor der Stadt trieben immer mehr tote Fische. Die Bewohner hatten ein ungutes Gefühl, denn keiner wusste, was das alles zu bedeuten hatte. Plötzlich klagten auch die Menschen über Kopfschmerzen und hatten Probleme beim Gehen und beim Sprechen. Sie hatten mit eigenartigen Zuckungen und mit Lähmungserscheinungen zu kämpfen. Den meisten Einheimischen ging es von Tag zu Tag schlechter und bald kam es zu den ersten qualvollen Todesfällen. Als man die Ursache der mysteriösen Todesumstände herausfand, war es für viele Menschen bereits zu spät.

In der Nähe gab es ein Chemiewerk, welches ihre giftigen quecksilberhaltigen Abfälle einfach in das Meer entsorgt hatte. Durch das verseuchte Wasser und durch den Verzehr von Fischen, die das Gift ebenfalls aufnahmen, gelangte das Quecksilber schließlich in den Nahrungsmittelkreislauf der Menschen. Mit verheerenden Auswirkungen, denn dieses giftige Schwermetall lagerte sich in den Menschen an und vergiftete schleichend und systematisch den Körper. Trotz der klaren Anzeichen versuchte sich das betreffende Chemiewerk aus der Verantwortung zu stehlen. Mit Unterstützung der Regierung, die auf keinen Fall das Wirtschaftswachstum gefährden wollte, konnte die Firma weitermachen wie bisher, da nur halbherzige Gesetze gegen diese Entsorgung geschaffen wurden. Erst einige Jahre später, viele betroffene Menschen hatten bereits gerichtliche Schritte eingeleitet, wurde das Chemiewerk aufgrund der steigenden Demonstrationen und der steigenden Opferzahlen stillgelegt.

Nach Schätzungen wurden etwa 20.000 Menschen durch das Quecksilber geschädigt, 3.000 Menschen waren daran gestorben. Aber die Dunkelziffer dürfte noch viel höher liegen. Viele ungeborene Kinder wurden im Mutterleib geschädigt, fast jedes dritte Kind in Minamata wurde mit geistigen oder körperlichen Schäden geboren. Opfer wurden bettlägerig und waren auf einen Rollstuhl angewiesen. Das Schlimmste an der Sache war, dass viele Kranke bis zum heutigen Tag auf eine entsprechende Entschädigung warten, da nur ein Bruchteil der Geschädigten aufgrund der strengen Kriterien Hilfsgelder von der Regierung erhielten. Viele Menschen in bereits höherem Alter kämpfen heute noch immer um eine gerechte Entschädigung, den meisten Betroffenen wird das allerdings nichts mehr bringen, da sie längst aufgrund der Vergiftung unter der Erde liegen.

Die verheimlichte Giftkatastrophe mit dem Quecksilber wurde weltweit bekannt unter dem Namen „Minamata-Krankheit“. Die Bucht wurde später ausgebaggert, Teile des schwer verseuchten Meeresbodens wurden mit Schichten aus Stahl und Zement überdeckt, mit der Hoffnung, dass sich das Quecksilber nie einen Weg in die Freiheit sucht…

Die Gefährlichkeit von Quecksilber wird auch heute noch stark unterschätzt, trotz des Minamata-Vorfalles. Durch Amalgamfüllungen im Zahnbereich, die zu einem großen Teil aus Quecksilber bestehen, gelangt das giftige Schwermetall überall auf der Welt in die Körper der Menschen. Mit der Zeit setzt dann eine schleichende Vergiftung ein, mit verschiedensten Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindelanfällen oder ständiger Müdigkeit. Regierungen dulden das Amalgam wie seinerzeit das Chemiewerk in Minamata geduldet wurde, um einfach Kosten zu sparen. Darum werden viele Studien über die Gefährlichkeit von Quecksilber und Amalgam einfach ignoriert und man versucht noch immer, die Situation herunterzuspielen.

 
Über die Tatsache, dass Zahnärzte die Amalgamplomben als giftigen Sondermüll unter strengsten Auflagen entsorgen müssen, wird kaum gesprochen. Und auch über die Gegebenheit, dass sich in den Energiesparlampen ebenfalls das giftige Quecksilber befindet. Ob es hier sichere Studien für die Ungefährlichkeit gibt, darf, wie in den vergangenen Jahren und wie auch in Minamata geschehen, stark angezweifelt werden. Hoffentlich gibt es hier in Zukunft kein böses Erwachen, denn die Gesundheit des Menschen sollte immer und überall an erster Stelle stehen.

Mittlerweile gibt es erste Länder wie Schweden, die ein generelles Verbot für quecksilberhaltige Produkte ausgesprochen haben und die die Gefahr von Quecksilber richtig erkannt haben. Ein mutiger Schritt, dem hoffentlich viele andere Länder folgen werden.

Ruth Ramstein – Kindesmissbrauch, eine Frau kämpft gegen ein Dorf

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Ruth Ramstein lebte bereits seit mehreren Jahren in Möriken, einer kleinen Gemeinde in der Schweiz. Sie engagierte sich in der Gemeinschaft, war unter anderem Präsidentin der Kindergartenkommission und Mitglied der Schulpflege. Ihr beschauliches Leben als Hausfrau sollte sich rasch ändern, als ihre siebenjährige Tochter, die gerade in der örtlichen Schule angefangen hatte, nach kurzer Zeit ein immer seltsameres Verhalten an den Tag legte. Die Mutter spürte sofort, dass etwas nicht stimmte, und sprach ihre Tochter darauf an. Plötzlich fing das kleine Mädchen zu weinen an und erzählte der schockierten Mutter über ihre Erlebnisse in der Schule.

Sie berichtete ihrer Mutter von einem Lehrer, der die Schüler beim Vorlesen auf den Schoß nahm und sie trotz Gegenwehr nicht mehr herunterließ. Er gab den Kindern sogenannte „Belohnungsküsse“ auf den Mund und suchte bei jeder Gelegenheit die körperliche Nähe der Mädchen. Die besorgte Mutter war alarmiert und teilte dem betroffenen Lehrer sofort mit, dass sein Verhalten inakzeptabel war. Der Lehrer reagierte und setzte die Tochter in die hinterste Reihe und beachtete sie nicht mehr, mit den anderen Kindern machte er aber weiter wie bisher. Ruth Ramstein ging von nun an häufiger zur Schule um dem Lehrer zu zeigen, dass sie ein Auge auf ihn geworfen hatte. Hier ertappte sie ihn dabei, dass er an heißen Sommertagen oft nur mit einer knappen Badehose oder mit nacktem Oberkörper den Unterricht leitete. Aber die Eltern und die anderen Lehrer tolerierten sein Verhalten, weil der Lehrer überall sehr beliebt war und als lustiger und geselliger Mann geschätzt wurde. Als jedoch einige Zeit später bekannt wurde, dass der betroffene Lehrer zwei Schüler beim Klassenlager zu sich ins Bett genommen hatte, gab es nur eine Frau, die mutig genug war, hier endgültig Alarm zu schlagen.

Ruth Ramstein: „“Mir ging es um den Schutz der Kinder““

Ruth Ramstein informierte das Präsidium der Schulpflege über die Vorfälle, von nun an sollte sich die Behörde darum kümmern. Gleichzeitig bat sie um Namensschutz für sich, denn sie fürchtete, dass ihre Kinder in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Aber da war es bereits zu spät. Hinter ihrem Rücken verbreiteten einige Mitglieder der Schulbehörde den Fall gezielt im Dorf mit der Nachricht, dass Frau Ramstein einen beliebten Lehrer abmontieren wollte. Und plötzlich geriet die Mutter selbst ins Kreuzfeuer der Kritik. Der betroffene Lehrer hielt eine private Elternversammlung ohne Ruth Ramstein ab und machte Stimmung für sich und gegen Ruth Ramstein. Aufgrund seiner Beliebtheit im Dorf und seinem generell fröhlichen Wesen brachte er bald alle Eltern und die Vertreter der Schulpflege auf seine Seite. Auch die gesamte Lehrerschaft stellte sich hinter den Beschuldigten, Ruth Ramstein hatte jetzt von keiner Seite mehr irgendwelche Unterstützung und man teilte ihr mit, dass sie als Schulpflegerin zurücktreten und das Schulareal in Zukunft meiden sollte.

Ruth Ramstein: „“Im Nu war ich isoliert und von Feindseligkeit umgeben. Von Seiten der Lehrerschaft wehte mir ein eisiger Wind entgegen. Ich fühlte mich, als schlage eine Flutwelle über mir zusammen““

Die Schulbehörde ließ nach einer sehr oberflächlichen Untersuchung sämtliche Bedenken fallen und man beugte sich der Mehrheit, denn keiner wollte sich im Dorf unbeliebt machen. Der Lehrer wurde zusätzlich in höchsten Tönen gelobt für seine aufrichtige Herzlichkeit mit dem Umgang mit seinen Schülern. Es begann nun eine Hetzkampagne gegen die Mutter, ihre Familie war nun zur Zielscheibe im ganzen Dorf geworden. Sämtlicher Kontakt zur Familie Ramstein wurde abgebrochen, wer es nicht tat, machte sich sofort verdächtig und wurde zum Außenseiter abgestempelt. Ruth Ramstein trat gezwungenermaßen als Schulpflegerin zurück, sie war innerlich sehr aufgerieben und verletzt. Sie fühlte sich hilflos und im Stich gelassen, aber sie gab nicht auf, denn die Opfer waren noch immer die Kinder. Sie gab eine unabhängige Untersuchung in Auftrag um eine neutrale Einschätzung des Falles zu erhalten. Das Lehrerverhalten wurde als klarer sexueller Übergriff gewertet, was jedoch die Behörde nicht mehr interessierte. Die Anschuldigungen prallten wieder ab und man wollte von dem Fall nichts mehr hören.

Kurze Zeit später und wie aus heiterem Himmel kündigte der beschuldigte Lehrer plötzlich seine Stelle und verließ das Dorf, trotz stattlichem Haus und zahlreichen sozialen Kontakten im Dorf. Ruth Ramstein stellte sofort Nachforschungen an, aber überall wurde beharrlich zu dem Fall geschwiegen. Bei den Behörden, die sie seinerzeit als Rufmörderin beschimpft hatten, gab man sich nur ahnungslos, wie wenn man von nichts wusste. Schon wieder ließ man sie links liegen, aber Ruth Ramstein warnte sie vor dem Tag, an dem ein paar Möriker Mädchen alt genug sein würden, um selber zu erzählen, was geschah.

Zwei Jahre später sollte es endlich soweit sein. Drei ehemalige Schülerinnen packten aus und beschuldigten den Lehrer, jahrelang sexuelle Übergriffe begangen zu haben. Im Dorf hielt man aber immer noch zum Lehrer, es konnte einfach keiner glauben, denn er war ja ein echter Familienmensch gewesen. Die Behörden bekamen plötzlich Gedächtnislücken, als sie mit den Vorwürfen konfrontiert wurden, sollten sich die Warnungen von Ruth Ramstein tatsächlich bewahrheiten?

Gegen den Lehrer wurde ein Strafverfahren eingeleitet, zahlreiche junge Frauen meldeten sich und belasteten den Lehrer, der großteils geständig war, schwer. Der Lehrer wurde im Jahr 2002 wegen sexueller Nötigung und sexuellen Handlungen mit Kindern zu 3 ¼ Jahren Zuchthaus und zu einem fünfjährigen Berufsverbot verurteilt.

Ruth Ramstein stemmte sich im Alleingang gegen ein ganzes Dorf und bezahlte dies mit unglaublichen Anfeindungen. Durch ihren mutigen Schritt fanden aber später viele Opfer selber den Mut, gegen den Lehrer vorzugehen, und diesen aus dem Verkehr zu ziehen. Ruth Ramstein versuchte die Personen, die seinerzeit nichts gegen die Vorwürfe unternommen hatten, zur Verantwortung zu ziehen, aber ohne Erfolg. Die gleichen Menschen, die seinerzeit die Kinder im Stich gelassen hatten, sind noch heute großteils in ihren Positionen. Bis heute entschuldigte sich nur ein einziger Gemeindemann bei Ruth Ramstein für die schrecklichen Anfeindungen gegen sie. Kein einziger Lehrer und kein einziges Mitglied der Schulbehörde taten dies ihm gleich, genauso wie die meisten Dorfbewohner.

Ruth Ramstein zog mit ihrer Familie weg von Möriken. Für ihren außergewöhnlichem Mut und ihrer Courage wurde sie mit der Auszeichnung „“Prix Courage““ geehrt.

Ruth Ramstein: „“Die Verurteilung war für die Opfer insofern wichtig, dass die Justiz das Ausmaß erkannte und das entsprechende Urteil aussprach. Ich habe die traurige Bestätigung, dass sich mein anfänglich ungutes Gefühl dem Lehrer gegenüber um ein Vielfaches übertroffen hat und das ist für mich bis heute eine schreckliche Erfahrung““

 

Radioaktive Strahlung –- Die unsichtbare Gefahr

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Zwei Diebe drangen in ein verlassenes radiologisches Institut ein, welches bereits seit einiger Zeit nicht mehr in Betrieb war. Die Klinik war unbewacht, und die Einbrecher erhofften sich noch einige wertvolle Dinge zu finden. Und tatsächlich wurden sie fündig, sie entdeckten ein veraltetes Bestrahlungsgerät, welches in der Vergangenheit dazu verwendet wurde, um krebskranke Menschen zu behandeln. Mit einer Schubkarre wurde das Gerät abtransportiert, und man versuchte in weiterer Folge, das Strahlengerät erfolglos zu zerlegen. Was die beiden Diebe jedoch nicht wussten war, dass das Gerät radioaktiv belastet war und einen hochradioaktiven Kern enthielt. Bald bekamen sie Fieber und litten an starkem Durchfall. Da sie mit der Diebesbeute nichts mehr anzufangen wussten und es beiden bereits sehr schlecht ging, verkauften sie es an einen Schrotthändler weiter.

Der Schrotthändler freute sich aufgrund des Schnäppchens, denn er glaubte mit dem Altmetall einiges an Profit erzielen zu können. So brach er den Bleimantel des Gerätes auf und entdeckte darin bläulich schimmernde Kristalle. Vollkommen fasziniert von dem leuchtenden Inhalt nahm er es mit nach Hause und gab es an Bekannte und Freunde weiter. Zusätzlich fertigte er aus dem Material einen Armreif für seine Frau an. Da Radioaktivität unsichtbar war, man es nicht schmecken und auch nicht riechen konnte, erkannte man erst viel zu spät die Gefahr. Als plötzlich mehrere Freunde des Schrotthändlers gleichzeitig erkrankten, wurde die Frau des Schrotthändlers stutzig. Am Anfang dachte sie noch an ein gemeinsames Getränk, welches alle tranken, aber bald viel ihr Verdacht auf den eigenartigen Behälter mit der leuchtenden Substanz.

So brachte sie den Behälter ins Krankenhaus, um ihn untersuchen zu lassen. Schnell stellte man die gefährliche Strahlung fest, und die verständigte Regierung leitete sofort ein umfassendes Notfallprogramm ein, denn mittlerweile hatte sich die Radioaktivität schon auf mehrere Wohnbezirke ausgebreitet. Es wurden 85 verseuchte Häuser festgestellt, einige mussten evakuiert und abgerissen werden. Bei weniger verstrahlten Häusern wurde mit speziellen Staubsaugern gearbeitet, die Wände und Decken mussten abgekratzt und neu gestrichen werden. Zehntausende Menschen wurden untersucht, viele davon waren bereits kontaminiert (verstrahlt). Über 13 Tonnen Atomabfall kamen zusammen und wurden in ein speziell betoniertes Endlager vergraben. Und das alles wegen eines unscheinbaren Gerätes, welches ein „wenig“ radioaktives Material verborgen hatte.

Diese Geschichte trug sich 1987 in der brasilianischen Stadt Goiânia tatsächlich so zu. Die zwei jugendlichen Diebe, die das Strahlengerät damals stahlen, hießen Wagner Mota und Roberto Alves und überlebten schwer verletzt, bei einem musste aufgrund der starken Bestrahlung ein Arm amputiert werden. Die Frau des Schrotthändlers verstarb genauso wie zwei Mitarbeiter des Schrotthändlers. Die sechsjährige Nichte des Schrotthändlers hatte ebenfalls keine Chance und bekam zuviel von der tödlichen radioaktiven Substanz ab. Sie wurde aufgrund der starken Verstrahlung in einem Sarg aus Blei mit Zementmantel begraben. Der Bruder des Schrotthändlers verstarb einige Jahre später, er verschleppte das Zeug auf seinen Bauernhof, wo mehrere Tiere qualvoll verendeten. Der Schrotthändler selbst überlebte mit viel Glück.

In dem Strahlengerät befand sich das radioaktive Cäsium 137. Bei hoher Strahlendosis verteilt es sich im ganzen Körper und kann die Körperzellen des Menschen schwer schädigen, was unausweichlich zum Tod führt. Bei niedrigerer Dosierung verändert es das Erbgut und kann langfristig zu Krebs führen. Bei der Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl gelangten große Mengen dieses radioaktiven Stoffes ebenfalls in die Freiheit. Es lagerte sich in Pflanzen an, die wiederum von Tieren gefressen wurden, so gelangte das Cäsium 137 in Milch, Fleisch und Fisch. Bei der Nuklearkatastrophe 2011 im japanischen Kernkraftwerk Fukushima wurden auch extrem große Mengen dieses gefährlichen radioaktiven Stoffes freigesetzt, mit bedenklichen und unabsehbaren Folgen für die Menschen und die Natur in der Umgebung.

Egal ob Naturkatastrophe, menschliches Versagen oder wie in der Stadt Goiânia durch Diebstahl, immer wieder tauchen Wege und Möglichkeiten auf, wo Radioaktivität gefährlich für den Menschen wird. Trotz des technischen Fortschrittes halten uns diese Unfälle immer wieder vor Augen, wie verletzlich und angreifbar der Mensch eigentlich ist.

Die Stewardess und der nicht alltägliche Denkzettel

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Eine schon etwas ältere weiße Frau muss sich im Flugzeug neben einen Schwarzen setzen. Sehr entsetzt, ruft sie die Stewardess.

Diese fragt: „Was haben Sie für ein Anliegen, gnädige Frau?“

Die Frau: „Sehen Sie es denn nicht? Sie haben mich neben einen Schwarzen platziert. Ich halte es neben solch einem ekligen Menschen nicht aus. Geben sie mir bitte einen anderen Sitzplatz!“

Die Stewardess: „Beruhigen Sie sich, praktisch alle Plätze des Fluges sind besetzt. Ich werde nachschauen, ob noch einer frei ist.“

Die Stewardess entfernt sich und kommt einige Minuten später wieder: „Gnädige Frau, wie ich es mir dachte, in der Economy-Klasse ist kein Platz mehr frei. Ich habe mit dem Verantwortlichen gesprochen, und er hat mir bestätigt, dass kein Platz mehr frei sei. Jedoch haben wir noch einen Platz in der 1. Klasse.“

Bevor die weiße Frau nur ein Wort sagen kann, fährt die Stewardess fort: „Es ist sehr ungewöhnlich für unsere Fluggesellschaft, jemandem zu erlauben, sich in die 1. Klasse zu setzen, obwohl in der Economy-Klasse gebucht wurde. Aber durch die Umstände findet der Verantwortliche, dass es ein Skandal wäre, jemanden zu zwingen, neben so einer ekligen Person zu sitzen.“

Die Stewardess wendet sich dem Schwarzen zu und sagt: „Sie können also, wenn sie dies wollen, ihr Handgepäck nehmen, ein Sitz in der 1. Klasse erwartet sie.“

Alle Passagiere rundherum, welche bei diesem Schauspiel dabei waren, standen auf und applaudierten der Stewardess, die das Problem ohne größere Streitereien beenden konnte und trotzdem ihre ablehnende Haltung gegenüber der weißen Frau zeigen konnte.

 

Aus der Reihe tanzen

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Es war viel los im Lebensmittelgeschäft, die Leute wollten noch schnell ihre Lebensmitteleinkäufe vor dem Wochenende erledigen. Viele wirkten gestresst, denn sie kamen direkt von der Arbeit und wollten auf schnellstem Weg nach Hause. Da war es auch nicht verwunderlich, dass sich vor der Kassa bald eine riesige Schlange von Menschen mit ihren Einkaufswägen bildete. Ungeduldig zappelten sie umher, die lange Wartezeit raubte ihnen den letzten Nerv. Eine Situation, wie sie Woche für Woche immer wieder vorkommt, überall auf der ganzen Welt. Doch plötzlich gab es einen lauten Knall.

Was war passiert? Eine Mitarbeiterin des Geschäftes war so unglücklich gestolpert, dass ein riesiger Stapel mit Konservendosen krachend in sich zusammenfiel. So schnell, wie der Knall gekommen war, so schnell wurde es plötzlich ganz still. Die Leute beobachteten den Vorfall, aber es war keiner bereit zu helfen, denn keiner wollte seinen Platz in der Schlange verlieren. Nur ein schon etwas älterer Herr zeigte Courage, trat aus der langen Reihe aus und half der Frau, wieder auf die Beine zu kommen. Zum Schluss half er ihr auch noch die herumliegenden Konservendosen wieder einzusammeln.

Was können wir aus dieser Situation lernen?

Manchmal muss man aus der Reihe tanzen, um das Richtige zu tun.

 

Geldanlage ist Chefsache

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Die Geschichte von Jack und der alten Frau soll veranschaulichen, dass wir die Verantwortung für unser Geld selbst in Hand nehmen und uns diesbezüglich unsere eigenen Gedanken machen sollten.

Der junge Jack will mit einer vererbten Ranch reich werden. Als Anfang kauft er einem Farmer ein Pferd ab. Er übergibt dem Farmer seine ganzen 100 Dollar und dieser verspricht, ihm das Pferd am nächsten Tag zu liefern.

Am nächsten Tag kommt der Farmer vorbei und teilt Jack eine schlechte Nachricht mit: „Es tut mir leid, Kleiner, aber das Tier ist in der Nacht tot umgefallen.“ Meint Jack: „Kein Problem. Gib mir einfach mein Geld zurück.““

„Geht nicht“, eröffnet ihm der Farmer. „Ich habe das Geld gestern bereits für Dünger ausgegeben.“

Jack überlegt kurz. „Na dann“, fängt er an, „nehme ich das tote Biest trotzdem.“

„Wozu denn?“ fragt der Farmer.

„Ich will es verlosen“, erklärt ihm Jack. „Du kannst doch kein totes Pferd verlosen!“, staunt der Farmer. Doch Jack antwortet: „Kein Problem! Ich erzähle einfach keinem, dass es schon tot ist…“

Monate später laufen sich Jack – in einem feinen Anzug und schicken Schuhen – und der Farmer in der Stadt über den Weg. Fragt der Farmer: „Jack! Wie lief es denn mit der Verlosung des Pferde-Kadavers?“

„Spitze“, erzählt ihm Jack. „Ich habe über 500 Lose zu je 2 Dollar verkauft und meine ersten 1.000 Dollar Profit gemacht.“

„Ja… gab es denn keine Reklamationen?“

„Doch – vom Gewinner“, sagt Jack. „Dem habe ich dann einfach seine 2 Dollar zurückgegeben.“

Jack hatte sich daraufhin bei einem großen Finanzinstitut beworben, denn er hatte von Bekannten von ähnlichen Geschäftspraktiken dort erfahren, nur konnte man damit viel mehr Profit erzielen.

Eine ältere Dame stand kurz vor ihrer Pension. Sie arbeitete schon ihr Leben lang in einer kleinen Schneiderei und hatte sich durch ihren bescheidenen Lebensstil einen beträchtlichen Geldbetrag für ihren wohlverdienten Ruhestand angespart. Wie jeden Morgen zum Frühstück blätterte sie die Zeitung durch. In letzter Zeit fielen ihr dabei immer wieder Artikel auf, die sich um die Geldanlage drehten. „Steigen Sie jetzt ein und nutzen Sie die besten Börsenjahre der Geschichte“ oder „Hohe Rendite garantiert – ohne Risiko“ waren nur einige dieser markanten Schlagzeilen. Und so dachte sie nach, denn die Aussicht auf mehr Geld im Ruhestand war doch sehr verlockend. Schließlich überwog die Lust nach dem großen Geld und sie machte sich einen Termin bei ihrer Hausbank aus. Als sie die Bank betrat, begrüßte sie auch schon der gutaussehende und mit Anzug und Krawatte bekleidete Berater. Sein Name war Jack.

Jack begann sofort mit seiner Beratung und schwärmte von den tollen Finanzprodukten, in die man investieren konnte. Durch seine Ausstrahlung und seinem eleganten Auftreten zog er die Dame schon sehr bald in seinen Bann und gewann ihr Vertrauen. Und so investierte die gutgläubige Frau ihr gesamtes angespartes Vermögen in verschiedene Anlagen, mit der Aussicht auf hohe Gewinne, wie von ihrem Berater vorgeschwärmt. Dieses Gespräch fand nur wenige Monate vor der großen USA-Immobilienkrise, der darauffolgenden Finanz- und Wirtschaftskrise und dem großen Börsencrash statt.

Die Dame verlor innerhalb kurzer Zeit ihr gesamtes Vermögen.

Jack arbeitet heute noch immer als Bankberater im Finanzinstitut.

Diese Geschichte soll veranschaulichen, wie undurchsichtig diverse Geldanlagen sein können. Die Gier der Finanzinstitute und Banken kennt oft keine Grenzen, im Mittelpunkt steht oft nicht der Kunde selbst, sondern der eigene Gewinn. So wie zum Beispiel bei einer bekannten amerikanischen Investmentbank, die Millionen von Wertpapieren an Kunden verkaufte, und zeitgleich auf Verluste dieser Wertpapiere wettete, weil man davon ausging, dass diese fallen würden. Und als diese Verluste tatsächlich eintraten, verloren viele Kunden sehr viel Geld – nur die Investmentbank verdiente gut und machte sehr, sehr viel Profit. Und rechtlich war dies alles in Ordnung, denn jeder Kunde war für sein Geld selbst verantwortlich.

Es geht um das eigene Geld und um das eigene Risiko. Deshalb sollte man Eigeninitiative zeigen und sich an mehreren Stellen informieren und sich trauen, auch einmal unbequeme Fragen zu stellen. Den todsicheren Tipp bei der Geldanlage gibt es nicht und hat es nie gegeben. Je höher die in Aussicht gestellte Rendite – desto höher ist auch das Risiko. Die Meinungen wie man sein Geld anlegen sollte gehen heutzutage oft weit auseinander. Deshalb sollte man nicht den Fehler wie die alte Dame machen, denn Vertrauen ist gut – bei der Geldanlage ist Kontrolle aber besser!

Es ist wichtig Fragen zu stellen und selber Hintergrundinformationen einzuholen, Eigeninitiative ist gefragt, denn Geldanlage ist Chefsache!