Duane Schrock -– Ein himmlisches Zeichen des verstorbenen Sohnes

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Das Verhältnis von Duane Schrock zu seinem Sohn war sehr angespannt, als dieser ihm mitteilte, dass er homosexuell war. Der Vater kam damit nur schwer zurecht und so lebte man sich immer mehr auseinander. Als der Sohn im Alter von 45 Jahren an AIDS starb, war es für eine Versöhnung zu spät. Der trauernde Vater machte sich schwere Vorwürfe, da ihm die Streitigkeiten mit seinem Sohn auf einmal so belanglos vorkamen. Der Vater musste nun mit der Gewissheit leben, dass er seinen Sohn verloren hatte.

 
Auch viele Jahre nach dem Tod dachte der mittlerweile 87-jährige Vater jeden Tag an seinen Sohn. Plötzlich erreichte den Vater eine Karte, welche bereits vor 26 Jahren verschickt wurde. Es war tatsächlich eine Vatertagskarte von seinem bereits verstorbenen Sohn, welche ihn aufgrund mehrmaliger Umzüge bis jetzt nie erreicht hatte. Der Sohn schrieb darin:

„“Lieber Papa, wir haben uns seit einer Weile nicht gesprochen, mir geht’s gut und ich bin sehr glücklich in Richmond, ich würde gerne von dir hören. Hab einen schönen Vatertag. In Liebe, Duane““

Wie es der Zufall wollte, erreichte ihn diese Karte wenige Tage nach dem diesjährigen Vatertag. Der Vater konnte es kaum fassen und Tränen liefen ihm über sein Gesicht. Irgendwer musste diese Karte genommen und jahrelang herumgetragen und immer wieder verschickt haben, bis sie ihn endlich erreichen konnte. Die Vatertagskarte kam zwar 26 Jahre zu spät an, doch für den Vater war sie ein unbezahlbares Geschenk.

Jeder Hinterbliebene träumt davon, noch einmal von einem lieben Menschen zu hören, welcher gestorben ist. Für Duane Schrock war dieser Brief ein himmlisches Zeichen von seinem Sohn, dass es ihm gut ging und er im Himmel auf ihn wartete.

Warten wir nicht zu lange darauf, einem lieben Menschen unsere Gefühle mitzuteilen. Denn nicht immer erhalten wir wertvolle Botschaften, wie es Duane Schrock passiert ist.

Duane Schrock: „“Mir kommen die Tränen, wenn ich darüber nachdenke. Es ist ein Zeichen des Himmels““

Raju –- Der Elefant, der bei seiner Befreiung weinte

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Der Elefant wird in Indien aufgrund des Elefantengottes „Ganesha“ als heiliges Tier angesehen und repräsentiert Kraft und Weisheit. Der Dickhäuter lebt vor allem in der Wildnis und wird in Indien aber auch als Lasttier sehr geschätzt. Obwohl der Elefant einen sehr hohen Stellenwert in der Gesellschaft genießt, kommt es immer wieder zu Tierquälereien. Raju wurde bereits als kleines Elefantenbaby geschnappt und musste schon sehr früh Bekanntschaft mit der Gefangenschaft machen. Mit harten Schlägen und äußerster Brutalität wurde der Wille des Elefanten gebrochen, um ihn gefügig zu machen.

Die wechselnden Besitzer von Raju behandelten den Elefanten alles andere als gut. In seiner Gefangenschaft wurde er oft geschlagen und auf engstem Raum eingesperrt. So vergingen die Jahre und Raju war nun im Besitz von einem Mann, welcher den Elefanten oft misshandelte. Angekettet an scharfe Nagelketten musste Raju unfassbare Schmerzen aushalten, die Spitzen schnitten sich in die empfindliche Elefantenhaut und verursachten an den Füßen tiefe Wunden, welche nicht verarztet wurden. Der Dickhäuter musste sich von den Abfällen der Touristen ernähren, weshalb sein Magen auch mit Plastik und Papier angefüllt war. Sein Halter verdiente Geld mit Raju, denn als heiliger Elefant würde er die Menschen gegen Bezahlung segnen können. Zusätzlich riss er dem Elefanten die Haare von seinem Schwanz, um sie als Glücksbringer zu verkaufen.

Nach über 50 Jahren in Gefangenschaft voller Hunger und Schmerz wurde eine Tierschutzorganisation auf das Schicksal des Elefanten aufmerksam, welche Raju befreien wollte. Nachdem die gerichtliche Erlaubnis eingeholt war, drangen die Tierschützer zu dem Elefanten vor, um ihn von seinen Qualen zu erlösen. Als sie die Beine von den schweren Ketten befreiten, wehrte sich der Elefant nicht. Raju spürte instinktiv, dass nun sein Elend für immer vorbei sein würde. Die Tierschützer konnten es kaum fassen, denn als sie die letzten Ketten öffneten, zeigte der Elefant plötzlich eine überraschende Gefühlsregung.

Raju fing an zu weinen und Tränen liefen von seinem Gesicht herunter. Für die Tierschützer war es die Bestätigung dafür, dass der Elefant die Befreiungsaktion realisierte. Es war kaum vorstellbar, was der Elefant in einem halben Jahrhundert alles durchgemacht haben musste. Auch die Tierschützer waren sehr ergriffen von diesem emotionalen Moment und versorgten sofort die schmerzenden Wunden des Elefanten. Für Raju fing nun ein neues Leben in Freiheit an, was ihm über 50 Jahre verwehrt geblieben war.

Elefanten sind hochintelligente Tiere und für viele Forscher ist es erwiesen, dass die Dickhäuter trauern können. Die Bilder von Raju und seinen Tränen gingen um die Welt und veränderte die Meinung vieler Menschen, dass Tiere tatsächlich Gefühle zeigen konnten. Nach der langen Leidensgeschichte von Raju war dies auch kaum verwunderlich.

Schwesta Ewa -– Eine Prostituierte wird zur erfolgreichen Rapperin

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Ewa Müller wurde am 16. Juli 1984 in der polnischen Stadt Koszalin geboren und übersiedelte bereits als kleines Mädchen nach Deutschland, wo sie in Kiel aufwuchs. Da ihr Vater im Gefängnis saß, musste ihre Mutter sie unter schwierigsten Bedingungen alleine großziehen. Ewa Müller musste bereits früh Gelegenheitsjobs annehmen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Zu ihrem großen Hobby zählte die Musik und der Sprechgesang Rap, aber da sich mit Rappen kein Geld verdienen ließ, blieb es nur eine Freizeitbeschäftigung.

Ewa Müller: „“Ich musste immer schon klauen und dealen, um durchzukommen““

Im Alter von 19 Jahren kam Ewa Müller als Kellnerin in einer Kneipe zum ersten Mal in Kontakt mit der Prostitution. Sie sah in diesem Gewerbe den einzigen Ausweg, irgendwie aus ihrem trostlosen Leben ausbrechen zu können und endlich mehr Geld zu verdienen. Das Leben als Prostituierte war aber alles andere als einfach, Ewa Müller machte viele fürchterliche Erfahrungen. Brutale Zuhälter, Waffen, Gewalt und Vergewaltigungen gehörten zum Geschäft genauso wie Frauen, welche noch schwanger auf der Straße stehen mussten um Geld zu verdienen. Ewa Müller begann aus diesem Grund Drogen zu nehmen, um mit den Erlebnissen besser fertig zu werden.

Neben ihrem düsteren Leben verarbeitete Ewa Müller ihren Schmerz in der Musik. Sie textete Lieder zum Thema Prostitution und zeigte schonungslos die Gewalt in diesem Milieu auf. Es war wie eine Therapie für Ewa Müller, ihre schrecklichen Erfahrungen zu verarbeiten. Eines Tages wurde jedoch ein Produzent auf sie aufmerksam, welcher von dem Talent von ihr überzeugt war. Er überredete sie, Videos von ihren Liedern zu machen um sie zu veröffentlichen. Als Ewa Müller im Alter von 27 Jahren unter ihrem Künstlernamen „Schwesta Ewa“ ihr erstes Video „Schwätza“ auf YouTube platzierte, gab es schnell erste Kommentare darauf.

Ewa Müller: „“Ich las mir jede einzelne Bemerkung durch““

Die Meinungen zu „Schwesta Ewa“ gingen weit auseinander. Es sammelten sich viele negative und beleidigende Bemerkungen an, aber es gab auch einige Befürworter ihrer Musik. Ewa Müller schlug in der Rap-Szene eine wie eine Bombe und löste große Empörung aus, denn eine rappende Prostituierte passte den bereits etablierten Rappern überhaupt nicht. Aber sie entdeckte dadurch eine echte Marktlücke, denn als weibliche Rapperin mit einer so bewegenden Vergangenheit war sie alleine auf weiter Flur. Obwohl Ewa Müller die verletzenden Kommentare wegen ihrer Prostitution schwer zu schaffen machten, brachten sie ihr doch eine große Aufmerksamkeit. Nach nur einer Woche klickten bereits mehr als 300.000 User auf ihr Video im Internet.

Ewa Müller schaffte nach kurzer Zeit als „Schwesta Ewa“ ihren Durchbruch als Rapperin und gab den Job als Prostituierte auf. Es war aber genau diese Beschäftigung, welche ihre Lieder so glaubwürdig und unverwechselbar wirken ließen. Sie machte dadurch ihren größten Seelenschmerz zu ihrem größten Vorteil und wurde zum Vorbild für eine große Fangemeinde. „Schwesta Ewa“ vollbrachte dadurch eine der außergewöhnlichsten Erfolgsgeschichten in der Musikszene und stieg von einer unbekannten Prostituierten zu einem gefeierten Musikstar auf.

Ewa Müller: „“Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages ein normales Leben führen werde““

Daniel Kish -– Ein blinder Mann sieht durch die Echoortung

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Daniel Kish wurde in der Stadt Montebello (Kalifornien, USA) geboren und verlor schon nach wenigen Monaten durch einen Tumor sein Augenlicht. Seine Eltern behandelten ihn aber weiter wie ein normales Kind und gewährten Daniel Kish viele Freiheiten. So war er oft mit seinen Freunden unterwegs oder vielmals auch alleine, ohne irgendwelche Hilfe. Bereits als kleiner Junge entwickelte Daniel Kish eine besondere Eigenart, um sich gefahrlos fortzubewegen. Er begann mit der Zunge zu schnalzen, um Dinge in seiner Umgebung mittels Rückschall wahrzunehmen. So schaffte er es auch, geeignete Bäume zu finden, wo er mit Begeisterung hochkletterte und den Ästen und den Vögeln lauschen konnte.

Daniel Kish: „„Wenn ich schnalzte, konnte ich die Dinge ringsum hören““

Daniel Kish fing an, diese ungewöhnliche Technik weiter zu verfeinern. Jedes Mal, wenn er mit der Zunge schnalzte, gaben ihm die Dinge ein Echo zurück, so als könnte er kurzfristig seine Umgebung mit schwachen Lichtblitzen ausleuchten. Daniel Kish war zwar ohne Augenlicht, aber statt der Augen übernahmen jetzt die Ohren diese Funktion. Die Menschen konnten es kaum fassen, als sie den blinden Daniel Kish tatsächlich auf einem Fahrrad erblickten. Aber ihre Bedenken wurden bald zerstreut, denn es passierten keine gröberen Unfälle. Daniel Kish erkannte durch seine Schnalzgeräusche problemlos alle Hindernisse wie parkende Autos, Hydranten oder Straßenlaternen und kurvte wie selbstverständlich durch die Nebenstraßen seiner Nachbarschaft. Während viele blinde Kinder sich unter dem Schutz ihrer Eltern zurückzogen, ging Daniel Kish genau den entgegengesetzten Weg und wollte sich durch seine Behinderung nicht unterkriegen lassen.

 
Als blinder Student begann Daniel Kish, die Möglichkeiten der Echoortung genauer zu studieren. Während viele Wissenschaftler an seinen Forschungen zweifelten, glaubte Daniel Kish immer an sein Projekt. In zahlreichen Experimenten konnte er das Unfassbare tatsächlich dokumentieren. Blinde Versuchspersonen schafften es zu unterscheiden, ob sich Dreiecke, Kreise oder Quadrate vor ihnen befanden. Durch geringfügige Verzögerungen, bis der Schall als Echo wieder zurückkehrte, konnte man sehr genau die Entfernung zu den Dingen bestimmen. Kleinere Objekte hatten andere Frequenzbereiche als größere Gegenstände und man konnte teilweise sogar das Material bestimmen. Diese Methode des Zungen-Klick-Schalls und des zurückfallenden Echos orientierte sich an den Fledermäusen. Fledermäuse können im Dunkeln auf Insektenjagd gehen, ohne die Augen einzusetzen. Sie stoßen einfach Ultraschallwellen aus, welche von Objekten als Reflexion wieder zurückgeworfen werden, somit ist eine optimale Orientierung möglich.

Daniel Kish: „„Es geht nicht darum, etwas zu beweisen, sondern um Freiheit. Wir wollen nicht anders behandelt werden als der Rest der Welt““

Daniel Kish schloss sein Studium erfolgreich ab und wurde zum ersten sehbehinderten Mobilitätstrainer der USA. Er begann, blinden Menschen die Echoortung beizubringen und Vorträge zu halten, um seine Erfahrungen der Öffentlichkeit vorzustellen. Immer wieder musste er sich gegen zweifelnde Eltern durchsetzen, welche ihr Kind nicht irgendeiner Gefahr aussetzen wollten. Aber Daniel Kish setzte sich mit seiner eigenwilligen Technik durch, er ließ seine Schüler auf Bäume klettern, organisierte verschiedenste Ballspiele und unternahm packende Fahrradtouren.

Daniel Kish: „“Gegen einen Pfosten zu rennen ist unangenehm, aber nie in einen Pfosten rennen zu dürfen ist eine Katastrophe““

Im Jahr 2000 gründete Daniel Kish die gemeinnützige Organisation „World Access For The Blind“ um der ganzen Welt zu beweisen, dass Blinde sehr viel mehr aus ihrem Leben machen konnten als angenommen. Durch diese Initiative wurden bereits tausende blinde Menschen in der Echoortung geschult und zu einer neuen und unvorstellbaren Freiheit geführt.

Daniel Kish ging immer mutig seinen Weg und befreite im Alleingang viele blinde Menschen aus ihrer Isolation. Im Jahr 2009 wurde er vom US-Magazin „Utne Reader“ unter die 50 besten Visionäre gewählt, welche die Welt veränderten.

Daniel Kish: „„Was wir tun, erfordert keine besondere Gabe. Am wichtigsten ist, dass man Selbstvertrauen gewinnt und hinausgeht in die Welt““

Brownie Wise -– Wie sie mit Tupperpartys die Welt der Frauen veränderte

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Brownie Wise wurde am 25. Mai 1913 in der kleinen Stadt Buford (Bundesstaat Georgia, USA) geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach der Scheidung ihrer Eltern musste sie schon sehr früh lernen, über längere Zeiträume ohne ihre alleinerziehende Mutter auszukommen, welche beruflich ständig unterwegs war. Im Alter von 14 Jahren durfte sie mit ihrer Mutter öfter zu den Geschäftsreisen mitkommen und entwickelte dadurch eine charismatische und selbstbewusste Persönlichkeit, so wie es in der Geschäftswelt wichtig war.

Im Alter von 23 Jahren heiratete Brownie Wise und wurde kurz darauf bereits schwanger. Die Ehe hielt jedoch nicht lange, da ihr Mann immer mehr dem Alkohol verfiel. Brownie Wise war nun alleinerziehende Mutter ihres Sohnes und die finanzielle Situation war sehr düster. Sie verdiente ihren Lebensunterhalt mit kleineren Nebenjobs und war auch als Handelsvertreterin tätig, wo sie damit experimentierte, wie man verschiedene Produkte am besten verkaufen konnte. In dieser Zeit lernte sie Earl Tupper kennen, welcher Küchen- und Haushaltsartikel aus Kunststoff herstellte. Dieser versuchte seine Waren schon seit einiger Zeit in Kaufhäusern zu verkaufen, hatte damit aber wenig Erfolg. In jenen Tagen war Plastik noch eher unbedeutend in den Haushalten und die Menschen hielten es für ein leicht entzündliches Material, welches leicht kaputt ging. Man vertraute auf die üblichen Werkstoffe wie Metall, Glas oder Porzellan. Brownie Wise war da allerdings ganz anderer Meinung.

Sie erkannte sofort die Vorteile von den praktischen Kunststoffbehältern, welche man luftdicht verschließen konnte um dadurch Lebensmittel länger frisch halten zu können. Zudem waren sie leichtgewichtig und in verschiedensten Farben und Größen erhältlich. Als Hausfrau wusste Brownie Wise diese Vorteile zu schätzen, doch waren diese Kunststoffboxen bei den Menschen weitgehend unbekannt. Da kam ihr die Idee von einem neuartigen Verkaufsmodell, welches es bisher in dieser Form noch nicht gegeben hatte. Sie wollte die Tupperprodukte mittels Tupperpartys von Haus zu Haus vermarkten und vor allem Frauen damit ansprechen, da sie vermehrt für den Haushalt zuständig waren. Brownie Wise hatte das Ziel, die Hausfrauen selbst zu Tupperberaterinnen auszubilden, welche dann ebenfalls diese Produkte verkaufen konnten. Doch in der damaligen Zeit war die Geschäftswelt von den Männern dominiert, weshalb Brownie Wise keinen leichten Start hatte.

Die Rolle der Frau war fest verankert, sie war für die Hausarbeit, die Kindererziehung, für das Kochen und für das Putzen zuständig. Für diese körperlich oft anstrengenden Tätigkeiten bekam die Frau keine Anerkennung, da es als selbstverständlich angesehen wurde. Viele Frauen waren nur auf ihre Rolle als Mutter und Hausfrau reduziert und waren deshalb oft unzufrieden und unterfordert. Die Männer waren mit dieser Situation zufrieden, aber Brownie Wise wollte mit ihrem neuartigen Geschäftsmodell des Direktmarketings diese große Barriere für die Frauen überwinden und veranstaltete bereits erste und vielbeachtete Tupperpartys.

Die Tupperpartys, welche direkt in den Haushalten der Frauen abgehalten wurden, erfreuten sich bald größter Beliebtheit. Brownie Wise überzeugte voller Leidenschaft die Frauen von den Tupperware-Produkten, und dies auch mit ungewöhnlichen Methoden. So stellte sie sich mit einem Fuß auf die Plastikschüsseln oder schmiss mit gefüllten Behältern um sich, um die einzigartige Qualität zu präsentieren. Nebenbei feierte man eine lustige Party, es gab zu essen und zu trinken und man konnte sich mit Freundinnen treffen. Die charismatische Brownie Wise bildete schnell erste Tupperware-Verkäuferinnen aus, welche nun selbst solche Tupperpartys abhalten konnten, um Geld dabei durch den Verkauf zu verdienen. Hausfrauen, Mütter und Ehefrauen putzten sich nun heraus und präsentierten selbstbewusst Tupperware-Produkte, wofür sie große Anerkennung erhielten. Plötzlich stand die Frau im Mittelpunkt des Geschehens und die verdutzten Männer rückten in den Hintergrund, denn gegen diese Frauenversammlungen hatte man nichts entgegenzusetzen.

Brownie Wise: „„Es ist nichts Neues über das Bedürfnis nach persönlicher Anerkennung. Es ist so alt wie die Menschheit““

Die Firma Tupperware wuchs in den nächsten Jahren zu einem weltweit tätigen Unternehmen heran. Die Tupperpartys verbreiteten sich in der Frauenwelt wie ein Lauffeuer und keine Frau konnte sich den neuartigen Tupperwaren entziehen. Brownie Wise wurde durch ihre erfolgreiche Verkaufsstrategie berühmt, sie hatte Auftritte im Fernsehen und gab zahlreiche Interviews. Außerdem wurde sie als erste Frau überhaupt auf dem Titelbild der „Business Week“ abgedruckt.

Brownie Wise wurde zum Idol jeder Hausfrau und revolutionierte durch diese Tupperpartys die Rolle der Frau auf der ganzen Welt. In einer von Männern dominierten Geschäftswelt gab sie nun auch Frauen mit geringer Bildung die Chance, Unabhängigkeit zu erlangen und erfolgreich am Geschäftsleben teilnehmen zu können.

Brownie Wise: „„Was hinter uns liegt und was vor uns liegt, sind winzige Dinge verglichen mit dem, was in uns liegt““

 

Orlando Cruz -– Das erste Outing eines schwulen Boxers

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Orlando Cruz wurde am 01. Juli 1981 in Puerto Rico (Inselstaat in der Karibik) geboren. Er interessierte sich schon sehr früh für das Boxen und strebte hier eine Profikarriere an. Er trainierte hart und hatte bald erste wichtige Erfolge zu verzeichnen. Mit der Zeit merkte Orlando Cruz aber, dass er sich mehr zu Männern hingezogen fühlte als zu Frauen. Diese Vorstellung macht ihm Angst, weshalb er von nun an eine Rolle spielte, um vor anderen Leuten nicht aufzufallen. Er leugnete seine Gefühle und wollte nicht wahrhaben, dass er homosexuell war. Ein Freund von Orlando Cruz wurde einmal erstochen, weil er als Transvestit an einer öffentlichen Lesben- und Schwulenbewegung teilgenommen hatte. Diese grausamen Bilder jagten ihm noch immer einen ungeheuren Schrecken ein.

Orlando Cruz trieb seine Karriere als Boxer erfolgreich weiter, jedoch verspürte er eine innere Leere, die mit der Zeit immer größer wurde. Er fühlte sich schlecht, da er nicht zu seiner Homosexualität stehen konnte und er seine wirklichen Gefühle verbergen musste. Im Alter von 20 Jahren beschloss er daher, seinen Eltern die Wahrheit über ihn zu erzählen. Es war eine kleine Befreiung für Orlando Cruz, denn von nun an war er nicht mehr alleine mit seinem Geheimnis. Aber er konnte durch dieses Outing seine Unzufriedenheit nicht ausschalten. Immer wieder hörte er von schwulen Männern, die zum Selbstmord getrieben wurden oder von Schwulenhassern ermordet wurden. Dies machte ihn so traurig und wütend, dass Orlando Cruz beschloss, etwas zu tun, was vor ihm noch kein anderer Profiboxer in seiner aktiven Karriere getan hatte.

Orlando Cruz: „„Ich wollte nicht länger meine Identität verbergen. Ich möchte den Leuten zeigen, wie es in mir aussieht““

Orlando Cruz beschloss, seine Homosexualität öffentlich zu machen. Er setzte dabei seine Laufbahn als Boxer aufs Spiel, denn es gab Befürchtungen, dass sich der Boxverband oder die Fernsehstationen von ihm abwenden würden. Orlando Cruz konnte und wollte aber seine wahre Identität nicht mehr verbergen und gab Interviews in Zeitungen und für das Fernsehen. Noch nie gab es einen Profiboxer, der sich während seiner aktiven Laufbahn geoutet hatte und keiner wusste, wie die Öffentlichkeit nun auf dieses Geständnis reagieren würde.

Orlando Cruz: „„Ich wollte als der Mensch wahrgenommen werden, der ich bin““

Das mutige Outing von Orlando Cruz schlug ein wie eine Bombe, die Nachricht von einem schwulen Profiboxer verbreitete sich blitzartig. Die breite Masse der Menschen reagierte aber überwiegend positiv auf dieses Geständnis, genauso wie der Boxverband oder die Fernsehstationen. Eine riesige Last fiel von seinen Schultern, denn endlich brauchte er nicht mehr eine fremde Rolle spielen. Trotz vieler anerkennender Worte gab es auch einige verletzende und intolerante Reaktionen, die aber in der Minderheit waren und die Orlando Cruz nichts mehr anhaben konnten.

Orlando Cruz: „„Ich war immer schon ein stolzer Puertoricaner. Ich war und werde auch immer ein stolzer schwuler Mann sein““

Orlando Cruz war der erste Boxer überhaupt, der es wagte, sich während seiner Profikarriere als homosexuell zu outen. Er zeigte der ganzen Welt, dass es ein Irrglauben war, dass Schwule grundsätzlich verweichlichte und schwache Personen sein mussten.

Bis heute ist Homosexualität vor allem im Leistungssport noch immer ein Tabuthema. Viele aktive Sportler müssen ein verstecktes Leben führen, so wie Orlando Cruz es seinerzeit getan hat. Das beherzte Outing verhalf vielen schwulen Männern auf der ganzen Welt, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen und sich nicht mehr zu verstecken. Denn wenn sich ein schwuler Boxer gegen eine ganze eingeschworene Boxergemeinschaft durchsetzen konnte, dann würden sie es auch schaffen können.

Orlando Cruz: „„Ich möchte mit mir im Reinen sein. Man kann im Leben alles erreichen, was man gerne will““

 

Souad -– Bei lebendigem Leib verbrannt

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Souad wuchs im Westjordanland, einem von überwiegend Israel besetzten Gebiet, als Tochter von einem einfachen Bauern auf. Wie in vielen Siedlungen herrschte auch in ihrem Dorf ein strenges und traditionelles Wertesystem, wo man als Frau überhaupt keine Rechte hatte. Auch Souad musste bereits als kleines Mädchen lernen, alles dem Mann unterzuordnen. Mit ihren Schwestern schuftete sie den ganzen Tag am Feld, während ihr Bruder verherrlicht und die Schule besuchen durfte. Wenn ihr autoritärer Vater nach Hause kam, musste sie ihm die Schuhe ausziehen und ihm die Füße waschen. Obwohl sie alles für ihren Vater tat, wurde sie oft von ihm mit einem Stock verprügelt, denn Männer durften Gewalt gegen Frauen ausüben, auch ohne irgendwelche Gründe.

Souad lebte wie eine Sklavin, ihr Leben war geprägt von harter Arbeit, vom Dienen und von ständiger Unterwerfung. Oft hatte sie auch Todesangst, denn für jedes noch so kleinste Vergehen gab es eine harte Strafe. So wurde sie einmal neben dem Vieh im Stall an einen Pfosten gebunden und musste zusehen, wie ihr Vater ein Schaf neben ihr schlachtete. Souad glaubte, dass er ihr auch die Kehle durchschneiden wollte, er hätte dafür als Mann nicht einmal eine strenge Strafe zu befürchten gehabt. Als Analphabetin und ohne Schulausbildung hatte sie keine Hoffnung auf ein besseres Leben. Bis zu jenem Tag, als sie sich in einen jungen Mann aus der Nachbarschaft verliebte.

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Sie traf sich heimlich mit dem Mann. Souad glaubte an eine Heirat mit ihm, damit sie aus der Versklavung ihres Vaters gerettet werden konnte. Einige Zeit später wurde Souad im Alter von 17 Jahren, sexuell völlig unaufgeklärt, schwanger, sie vertraute nun auf ihren Geliebten und eine baldige Heirat. Jedoch nutzte dieser Souad nur aus flüchtete feige aus dem Dorf, um Ärger mit dem Vater von Souad aus dem Weg zu gehen. Diese Flucht würde vermutlich das Todesurteil von Souad bedeuten. Als unverheiratete Frau schwanger zu sein, bedeutete Schande über die Familie gebracht zu haben. Souad hatte furchtbare Angst, denn in einer Gesellschaft, wo bereits ein schneller Blick auf einen fremden Mann genügte, um einen großen Skandal auszulösen, war sie nun schwanger und vollkommen auf sich alleine gestellt. Als sie ihre Schwangerschaft vor der Familie nicht mehr verbergen konnte, wurde sie sofort unter Hausarrest gestellt. Der Familienrat, der nur aus den Männern des Hauses bestand, fällte schnell eine erbarmungslose Entscheidung, um die Familie von dieser Schande wieder reinzuwaschen.

Souad machte gerade die Wäsche im Hof, als ihr Schwager sich von hinten an sie anschlich. Plötzlich schüttete er Benzin über sie und zündete Souad an, die sofort lichterloh zu brennen anfing. Die bei lebendigem Leib brennende Souad schrie vor Schmerzen und stürzte sich voller Panik über die Gartenmauer. Zufällig sahen zwei Frauen Souad und schlugen mit ihren Schleiern auf sie ein, um das Feuer zu löschen. Die schwerverletzte junge Frau wurde in ein naheliegendes Krankenhaus gebracht, wo man ihr die Kleiderreste und die verkohlten Hautfetzen vom Körper wusch. Dann überließ man sie wieder allein ihrem Schicksal, denn in eine sogenannte „Familienangelegenheit“ wollte man sich nicht einmischen. Im Zimmer roch es nach verbranntem Fleisch und die Wunden begannen zu eitern, Souad musste ohne Hilfe und ohne irgendwelche Schmerzmittel unglaubliche Qualen erleiden. Eines Tages besuchte sie die Mutter im Krankenhaus, als Geschenk hatte sie eine Giftflüssigkeit mitgebracht, um die Schande für ihre Familie endgültig zu beenden. Im letzten Moment kam jedoch ein Arzt dazwischen und verscheuchte die Mutter.

Es wurde eine Frau auf Souad aufmerksam, die für eine humanitäre Stiftung arbeitete. Sie kümmerte sich nun um Souad und plante eine Rettungsaktion für die junge Frau. Mit dem Vater von Souad wurde in zähen Gesprächen vereinbart, dass man Souad in ein weit entferntes Krankenhaus verlegen konnte und man die Verfügungsgewalt über Souad erhielt. Im Gegenzug musste man den Eltern aber versprechen, dass man ihre Tochter nie wieder im Dorf sehen wird, damit die Familie erzählen konnte, dass sie gestorben war. Somit war die Familienehre im Dorf wieder gerettet.

Souad und ihr neugeborenes Kind wurden nach Europa ausgeflogen. Nach vielen Operationen in einer Spezialklinik wurden die körperlichen Missbildungen durch die starken Verbrennungen so gut es ging behoben, doch der Körper von Souad war für immer entstellt. Sie litt jahrelang an Depressionen und hatte ständig nervliche Zusammenbrüche zu überwinden. Doch langsam kämpfte sie sich wieder zurück in das Leben und schaffte es, mit ihrer schrecklichen Vergangenheit abzuschließen. Sie heiratete einen lieben Mann und bekam noch zwei weitere Töchter.

Nach vielen Jahren fand Souad den Mut, der Weltöffentlichkeit von ihrem Trauma zu erzählen und verfasste ein Buch, welches sofort ein Bestseller wurde. Sie schilderte darin ihre unfassbaren Erlebnisse in ihrer Vergangenheit und dem fast geglückten Ehrenmord an ihr. Sie trug ihre Geschichte an die Öffentlichkeit um der Welt zu zeigen, welche grausamen Dinge heute noch immer vielen Frauen angetan werden. Bei ihren öffentlichen Auftritten muss sie aber jederzeit eine Maske aufsetzen und ihren Wohnort hält sie geheim, denn sie ist noch immer in großer Gefahr. Seit ihrer Flucht aus dem Westjordanland hat sie zwar keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie, aber wenn diese Souad wiedererkennen, würde sofort wieder ein Familienmitglied versuchen, Souad umzubringen.

Jedes Jahr werden etwa 5.000 Mädchen und Frauen aufgrund dieser Ehrenmorde umgebracht. Viele Frauen leben in ständiger Angst und müssen jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen. Denn die Schande muss immer die Frau verantworten, auch wenn sie vollkommen unschuldig ist.

Shin Dong-hyuk -– Die Flucht aus dem Straflager in Nordkorea

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In Nordkorea existieren offiziell keine Straflager und sie werden von der nordkoreanischen Regierung auch vehement abgestritten. Doch es gibt diese Gefangenenlager tatsächlich. Shin Dong-hyuk wurde in einem dieser Straflager als Sohn zweier Gefangener geboren und sollte aus diesem Grund auch den Rest seines Lebens dort verbringen. Das Straflager Kaechon Nr. 14 mit etwa 15.000 Gefangenen war von nun an sein Zuhause, wo Menschen den Tod als Erlösung ansahen, denn der Alltag war grausam und schlimmer als jede vorstellbare Hölle.

Bereits als kleines Kind musste Shin Dong-hyuk in einem Kohlebergwerk schuften und harte körperliche Feldarbeit verrichten. Täglich um 4 Uhr früh musste er aufstehen und kam erst spät in der Nacht wieder ins Bett. So wie die anderen Gefangenen litt er an Überanstrengung und Übermüdung. Doch am schlimmsten war das ständige Hungergefühl, denn man erhielt nur sehr unzureichende Essensrationen. Die Gefangenen aßen aus Hungersnot Insekten, Ratten und Frösche, um irgendwie zu überleben. Als Shin Dong-hyuk kurz die Schule besuchen durfte, gab es ein kleines Mädchen, welches vor lauter Hunger ein paar Maiskörner stahl. Doch ein Aufseher erwischte sie bei einer Kontrolle und befahl dem verängstigten Mädchen sofort, sich hinzuknien. Vor versammelter Klasse schlug er nun mit voller Wucht mit einem Stock auf ihren Kopf ein, bis das Mädchen das Bewusstsein verlor und zusammenbrach. Ihre Verletzungen waren so schwer, dass sie nicht mehr aufwachte.

Die Stimmung der Gefangenen im Lager war immer gedrückt und von den barbarischen Lagerregeln geprägt. Shin Dong-hyuk hatte keine Freunde und auch keine besondere Bindung zu seinen Eltern, die ihm überhaupt keine Zuneigung oder Liebe gaben. Die Mutter schlug ihn ständig und war nur eine weitere Konkurrentin um Essensrationen. Nach einem aufgedeckten Fluchtversuch von seiner Mutter wurde auch der unschuldige Shin Dong-hyuk dafür bestraft, er wurde in eine kleine unterirdische Zelle gesperrt, wo er nicht einmal aufrecht stehen konnte. Dann wurde er immer wieder gefoltert, er musste sich einmal komplett ausziehen und wurde kopfüber aufgehängt, um dann über einem Feuer geschmort zu werden, bis er vor Schmerzen ohnmächtig wurde. Nach über sechs Monaten unvorstellbarer Qualen wurde er plötzlich an den Exekutionsplatz gebracht, wo Shin Dong-hyuk bereits mit seinem Tod rechnete. Aber nicht er kam an die Reihe, sondern seine Mutter und sein Bruder. Er musste mitansehen, wie seine Mutter am Galgen brutal erhängt und sein Bruder erschossen wurde. Shin Dong-hyuk erlebte oft diese öffentlichen Hinrichtungen, wo auch immer wieder Kinder beteiligt waren. Er war nur froh, dass es nicht ihn selbst getroffen hatte.

Shin Dong-hyuk: „„Ich war gezüchtet, um Arbeiten zu verrichten. Ich war ein Sklave, ich war ein Tier““

Shin Dong-hyuk wurde jahrelang als wertloser Sklave aufgezogen, ohne Hoffnung und irgendeinen Sinn im Leben. Dies änderte sich zum ersten Mal, als er einen neuen Mithäftling kennenlernte, der ihm unglaubliche Dinge aus der Welt außerhalb des Lagers erzählte. Er berichtete von Restaurants, wo man viele verschiedene Fleischgerichte bestellen konnte und wo man essen konnte, was man wollte. Für Shin Dong-hyuk waren dies unvorstellbare Dinge und als er noch weitere faszinierende Geschichten über die Lebensgewohnheiten außerhalb des Straflagers hörte, sah er zum ersten Mal eine Perspektive in seinem trostlosen Leben. Gemeinsam mit seinem neuen Freund wurde bald ein Fluchtplan entwickelt, um aus dieser Hölle ausbrechen zu können. Als sie eines Tages zum Holzsammeln in der Nähe des Grenzzaunes eingeteilt wurden, schien der perfekte Zeitpunkt gekommen zu sein.

Als ihre Bewacher in einem kurzen Moment nicht auf sie achteten, rannten sie wie vom Blitz getroffen los, um irgendwie unter dem Zaun durchzukriechen. Der Freund von Shin Dong-hyuk stolperte aber unglücklich und kam mit dem Hochspannungs-Elektrozaun in Berührung, er wurde sofort durch den Stromschlag getötet. Im Zaun bildete sich dadurch aber eine kleine Öffnung, wo Shin Dong-hyuk durchkriechen konnte. Er wusste, wenn er jetzt nicht flüchtete, würde es sein sicheres Todesurteil bedeuten. Shin Dong-hyuk schaffte es, durch die Öffnung im elektrischen Zaun zu kriechen, erlitt dabei aber schwere Verbrennungen. Schwer verletzt schleppte sich Shin Dong-hyuk sofort weiter, immer weiter weg von dem unmenschlichen Gefangenenlager.

Shin Dong-hyuk: „„Ich hatte kein Ziel, wusste nicht, wo China liegt, ich wollte nur weg vom Lager““

Shin Dong-hyuk gelang die Flucht und schüttelte seine Verfolger erfolgreich ab. Er drang nun in eine Welt ein, wo er tatsächlich Menschen sah, die glücklich waren und lachten. Nirgendwo gab es Wächter, die brüllten und Menschen verprügelten, er hatte so etwas noch nie erlebt. Shin Dong-hyuk brach in Häuser ein, er stahl Kleidung und Lebensmittel und legte hunderte Kilometer zurück, immer mit der Angst, dass er doch noch entdeckt und ins Lager zurückgebracht wurde. Aber er schaffte das Unmögliche und schmuggelte sich irgendwie über die Grenze nach China. Von nun an hatte er Nordkorea und das Gefangenenlager für immer hinter sich gelassen, aber das bisherige Leben hatte viele Spuren hinterlassen.

Der Körper von Shin Dong-hyuk war für immer entstellt. Seine Arme waren leicht verformt und ein Teil seines rechten Mittelfingers fehlte, weil er einmal versehentlich eine Nähmaschine in der Bekleidungsfabrik fallen ließ. Der Wärter hackte ihm daraufhin als Bestrafung einen Teil des Fingers ab. Die Spuren seines gequälten Körpers zeigten eine unfassbare Leidensgeschichte, die kaum vorstellbar war. Shin Dong-hyuk versuchte trotzdem positiv in die Zukunft zu blicken und wollte der restlichen Welt über den schrecklichen Zustand in den nordkoreanischen Gefangenenlagern berichten. Er schrieb ein Buch über seine Erlebnisse und ein Film wurde darüber gedreht. Diese Öffentlichkeitsarbeit war für viele Gefangene in Nordkorea ein letzter Hoffnungsschimmer, um den internationalen Druck auf Nordkorea zu erhöhen, damit die Menschen besser behandelt wurden.

In Nordkorea befinden sich etwa 200.000 Menschen meistens unschuldig und ohne Gerichtsverhandlung in solchen Straflagern. Jeden Tag sterben dort viele Gefangene durch die Kombination von Sklavenarbeit und Unterernährung. Arbeitsunfälle, Krankheiten, Vergewaltigungen und Folter gehören genauso zum Alltag wie unbarmherzige und gewaltbereite Wächter. Shin Dong-hyuk überlebte 22 Jahre diese Höllenqualen und macht heute die Öffentlichkeit auf diese Gefangenenlager aufmerksam, denn noch immer werden diese schrecklichen Menschenrechtsverletzungen vom nordkoreanischen Staat ignoriert und geleugnet.

Louis Braille -– Eine Blindenschrift rettet die Welt vor der Dunkelheit

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Louis Braille wurde am 04. Januar 1809 in Coupvray, einer kleinen französischen Gemeinde in der Nähe von Paris, geboren. Sein Vater betrieb erfolgreich eine Sattlerwerkstatt, er fertigte den Leuten Sättel und Zaumzeug für ihre Pferde. Dem kleinen Louis war es verboten, in der Werkstätte zu spielen, da es viele gefährliche und scharfkantige Werkzeuge darin gab, die der Vater zum Bearbeiten des Leders benötigte. In einem unbeobachteten Moment schlich sich der 3-jährige Louis aber einmal in die Werkstätte und wollte es dem Vater nachmachen, mit einem spitzen Werkzeug Löcher in das Leder zu bohren. Plötzlich rutschte er so unglücklich weg, dass er sich dabei schwer an einem Auge verletzte.

Das verletzte Auge entzündete sich und diese Entzündung breitete sich schnell auf das andere Auge aus. Die Ärzte konnten nichts für ihn tun, denn in dieser Zeit fehlten noch die medizinischen Mittel, um den kleinen Louis helfen zu können. Er sah nun immer schlechter und der graue Schleier vor dem Gesicht wurde immer größer, bis er kurze Zeit später vollständig erblindete. Sein weiteres Leben schien vorgezeichnet, denn Blinde zogen damals von Ort zu Ort, um zu betteln. Aber die Eltern wollten für Louis ein glückliches und erfülltes Leben, und so gaben sie ihren Sohn nicht auf. Louis musste von nun an im Haushalt helfen und auch für seinen Vater konnte er verschiedenste Sachen erledigen. Wie selbstverständlich meldeten die Eltern den kleinen Louis in der Dorfschule an, trotz einiger Bedenken des Lehrers, der noch nie ein blindes Kind unterrichte.

Aber Louis war trotz der Finsternis, die ihn umgab, ein heiteres Kind. Er war ein sehr fleißiger Schüler und konnte sich die Inhalte der Schulbücher komplett im Kopf behalten, nachdem man sie ihm vorgelesen hatte. Im Alter von zehn Jahren schickten die Eltern ihn in eine spezielle Blindenschule nach Paris, um ihn besser fördern zu können. Dort fühlte sich der kleine Louis sehr wohl, denn es wurden viele interessante Sachen unterrichtet, wie Mathematik oder Geschichte. Es gab Werkunterricht und auch Musikunterricht, wo er mit Begeisterung verschiedene Musikinstrumente erlernte. Louis war ein sehr talentierter Schüler und erhielt für seine Leistungen oft Preise und Auszeichnungen, aber mit der Zeit spürte Louis immer mehr die Belastung der Blindheit und die geringe Wertschätzung in der Gesellschaft. Immer wieder stellte er sich die gleichen Fragen: Wie konnten Blinde die Schrift der Sehenden erlernen und wie konnte man die Formen der Buchstaben des Alphabets tastbar erfassen? Es war ein fast unüberwindbares Hindernis.

Im Unterricht benutzte man zum Lesen oft hölzerne oder in Blei gegossene Buchstaben, die jeweils zu Wörtern zusammengestellt wurden. Diese konnten auch in Bücher geprägt werden, aber diese waren sehr schwer und unhandlich, man brauchte eine Ewigkeit, bis man endlich einen Satz lesen konnte. Louis wusste, dass diese Methoden den Blinden niemals helfen würden, sich weiterzuentwickeln, aber mit dieser Ansicht stand er in der Schule alleine da. Bis zu jenem Tag, an dem ein Hauptmann der französischen Armee die Blindenschule besuchen sollte. Er hatte eine Methode gefunden, mit deren Hilfe sich die Soldaten in der Dunkelheit Nachrichten übermitteln konnten. Er nannte sie Nachtschrift und er dachte, dass sich auch die blinden Schüler dafür interessieren könnten.

Der 11-jährige Louis war sofort begeistert von dieser Nachtschrift, die aus zwei senkrechten Reihen bestand, wo jeweils bis zu sechs Punkte eingeprägt wurden und die ertastet werden konnten. Der Nachteil bestand aber darin, dass es unmöglich war, die Anordnung der Punkte mit nur einer Bewegung zu erfassen, und es aus diesem Grund auch sehr zeitaufwändig war, diese Nachtschrift zu lesen. Louis machte dem Hauptmann sofort einige Verbesserungsvorschläge, die jedoch sofort wieder abgeschmettert wurden, denn von einem kleinen Jungen ließ sich der Hauptmann keine Ratschläge erteilen.

Louis aber ließ sich von dieser Ablehnung nicht entmutigen, er erkannte das Potenzial, welches in dieser Nachtschrift schlummerte, obwohl er von den Lehrern nur belächelt und schon gar nicht unterstützt wurde. Von nun an arbeitete er Tag und Nacht an einer Verbesserung des Systems, irgendwie musste er es schaffen, eine logische und vereinfachte Anordnung des Alphabets erstellen zu können. Mit unfassbarer Ausdauer ließ er sich trotz einiger Rückschläge nicht unterkriegen. Er reduzierte die Anzahl auf sechs Punkte, die in zwei Spalten zu je drei Zeilen angeordnet waren. Durch die Kombinationsmöglichkeiten ergaben sich nun genügend Variationen für die Darstellung des Alphabets. Im Jahr 1825 und nach jahrelangen Experimenten gelang es Louis schließlich, im Alter von 16 Jahren, seine erste Blindenschrift fertigzustellen. Sie war perfekt an den lesenden Finger angepasst und war auch für musikalische Noten geeignet.

Seine Mitschüler waren so wie Louis vollkommen begeistert von dieser neuen Blindenschrift. Sie konnten nun einfach Notizen machen und sich gegenseitig Briefe schreiben. Die Lehrer fühlten sich am Anfang jedoch benachteiligt, da sie diese Blindenschrift nicht kannten und auch nicht lernen wollten. Es kam sogar so weit, dass der neue Direktor diese Blindenschrift sogar verbot, weil er der Meinung war, dass sich Blinde durch eine Schrift, die Sehenden unbekannt war, isolieren würden. Louis und seine Schulfreunde verwendeten diese Blindenschrift aber heimlich weiter.

Louis versuchte mit einem öffentlichen Vortrag, wo er Werke von einem englischen Dichter vorlas, die Leute davon zu überzeugen, dass er wirklich schnell schreiben und lesen konnte. Man glaubte ihm aber nicht sondern warf ihm vor, die Texte auswendig gelernt zu haben. Louis schrieb sogar einen Brief an den französischen Innenminister, damit seine Blindenschrift an den Blindenschulen gelehrt werden sollte, aber auch hier bekam er keine Unterstützung.

Mit der Zeit verbreitete sich jedoch die Blindenschrift von Louis, da es nicht wirklich eine brauchbare Alternative dazu gab. Immer mehr Menschen wussten diese einfache Möglichkeit, den blinden Menschen durch diese Blindenschrift helfen zu können, zu schätzen. Es sollten aber noch viele Jahre vergehen, bis seine Erfindung auch von offizieller Seite Anerkennung fand. Louis Braille war in der Zwischenzeit bereits als Lehrer in seiner Schule angestellt, wo er auch Musikunterricht gab.

Erst im Jahr 1850, über 25 Jahre nachdem Louis seine Blindenschrift erfunden hatte, wurde sie nun endlich offiziell für den Unterricht an den französischen Blindenschulen eingeführt. Louis hatte es nun endlich geschafft, dass seine Blindenschrift anerkannt wurde. Aber gesundheitlich ging es ihm mittlerweile sehr schlecht, da er schon länger an Tuberkulose (bakterielle Infektionskrankheit) litt und nur mehr sehr wenig Kraft hatte.

Louis Braille starb am 06. Januar 1852 im Alter von 43 Jahren an den Folgen seiner Krankheit. Den internationalen Siegeszug seiner Blindenschrift erlebte er nicht mehr mit. 1878 wurde die Brailleschrift auf einem Pariser Kongress offiziell zur internationalen Blindenschrift erklärt und immer mehr Länder auf der ganzen Welt übernahmen diese geniale Erfindung.

Das Leben von Louis Braille war geprägt von der Entwicklung seiner Blindenschrift, um den blinden Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen. Trotz aller Widerstände, die ihn sein ganzes Leben lang begleiteten, glaubte er immer an seine Blindenschrift und ließ sich bis zu seinem Tod niemals von seinem Weg abbringen. Mit dieser vorbildhaften Einstellung veränderte er die Welt zu einem besseren Ort, seine Brailleschrift hilft bis heute Millionen von blinden Menschen aus ihrer Isolation.

Die PETA-Gründung – Die Affen von Silver Spring

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Alex Pacheco zeigte bereits in seiner Kindheit großes Interesse an Tieren und wie sie lebten. Als er in späteren Jahren einmal eine Fleischfabrik besuchte, war er von dem schlechten Umgang mit den Tieren so schockiert, dass er beschloss, von nun an aktiv gegen Tierquälerei vorzugehen. Er trat einer kleinen Aktivistengruppe bei, die erst seit kurzem gegründet wurde und sich für den Tierschutz einsetzte. Der Verein, welcher sich PETA („People for the Ethical Treatment of Animals“ – „Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren“) nannte, hatte etwa 20 Mitglieder und war voller Tatendrang. Und so bekam auch Alex Pacheco bald seinen ersten Auftrag, er sollte verdeckt in einem Institut für Tierversuche arbeiten und die Lebensbedingungen der Tiere dort prüfen. Was er jedoch an dem Institut in Silver Spring (Maryland, USA) von Dr. Edward Taub zu sehen bekam, war skandalös.

1981 experimentierte dort Dr. Edward Taub mit 17 philippinischen Makaken (großteils Javaneraffen). In diesen Versuchen wurden die sensorischen Nervenstränge im Rückenmark komplett von den motorischen Nerven der Affen getrennt, wodurch diese ihre Arme oder Beine nicht mehr fühlen und auch nicht mehr spüren konnten. Dr. Edward Taub zwang dann die Affen mit verschiedensten Mitteln, die Körperteile, die sie nicht mehr fühlen konnten zu benutzen, er wollte so ein Heilmittel für die Lähmungen bei Menschen finden. Aber die Zustände, wie die Affen dort gequält wurden, waren unfassbar.

 
Im Normalfall hielten sich Javaneraffen vorwiegend auf Bäumen auf und lebten in großen Gruppen zusammen. Im Labor wurden sie aber einzeln weggesperrt und in sehr kleinen Einzelkäfigen (45 x 45 cm) untergebracht, wo sie überhaupt keine Bewegungsfreiheit und auch keine Beschäftigungsmöglichkeit hatten. Die Käfige standen in einem kleinen und fensterlosen Raum, der ständig hell beleuchtet war. Die Affen fristeten hier ein unwürdiges Leben, zudem mussten sie ständig für verschiedenste Versuche zur Verfügung stehen. Alex Pacheco war schockiert von diesen Umständen und beschloss, Fotos zu machen und Beweise zu sammeln.

Alex Pacheco fotografierte, wie die kaum gereinigten Käfige mit Kot und Urin verdreckt waren. Die Nahrung, wo das Haltbarkeitsdatum schon mehrere Monate abgelaufen war, wurde einfach in die Käfige geschüttet, es gab kein Geschirr, das es den Affen ermöglicht hätte, ihr Essen von den Exkrementen zu trennen. Das Labor war außerdem von Mäusen und Kakerlaken infiziert, in der Kühltruhe fand er neben einem toten Affen, der an Wundbrand gestorben war, Tiermedikamente, welche schon über 10 Jahre abgelaufen waren. Die Wunden der verstörten Affen wurden nicht gereinigt oder verpflegt, durch die grausamen Experimente ragten Knochen aus ihrem Fleisch offen heraus. Ein Affe konnte zum Beispiel beide Arme nicht mehr spüren, er hatte bereits alle seine Finger an der Hand abgekaut und Fleisch vom Handballen geknabbert, bis zu den Knochen. Dr. Edward Taub folterte die Affen mit Elektroschocks, mit Nahrungsmittelentzug oder mit eigenen Haltevorrichtungen, um die Affen zu zwingen, die Körperteile, welche sie nicht mehr fühlen konnten, zu benutzen. Ein Bild sollte später weltweit für Schlagzeilen sorgen, wo ein Affe wie bei einer Kreuzigung in einer dieser speziellen Haltevorrichtungen gequält wurde.

Foto von Alex Pacheco

 
Alex Pacheco: „“Mehrere Affen hatten sich die Finger abgebissen. Mit diesen traurigen Resten von Gliedern suchten sie in den faulenden Haufen unter ihnen nach essbaren Resten““

Dr. Edward Taub sah in den Tieren nur Versuchsobjekte für seine Forschungen. Alex Pacheco, der einmal einen Affen als Haustier gehabt hatte, konnte dies nicht verstehen. Affen hatten für ihn eine Persönlichkeit und ein Gemüt. Er verbrachte sehr viel Zeit mit den verwahrlosten Laboraffen und beschloss, als er genug Beweise gesammelt hatte, zur Polizei zu gehen, um die verkrüppelten Affen zu befreien. Als die Polizei die weltweit überhaupt erste Razzia in einem Tierversuchslabor durchführte, waren sie mehr als bestürzt, denn noch nie hatten sie so ein verunreinigtes Labor gesehen. Dr. Edward Taub wurde danach wegen 17-facher Tierquälerei angeklagt.

Alex Pacheco: „„Billy war der traurigste. Er hatte zwei verkrüppelte Arme, er war doppelt deafferentiert worden. Weil er seine Arme nicht gebrauchen konnte, konnte er auch nichts tun. Er saß einfach so da und gab unterwürfige Laute von sich – er betete offensichtlich einfach um Gnade““

Es folgte ein mehrjähriger Gerichtsprozess, wo Dr. Edward Taub zunächst schuldig gesprochen, später aber aufgrund einiger Gesetzeslücken wieder freigesprochen wurde. Die juristische Auseinandersetzung um den weiteren Verbleib der Tiere dauerte noch länger an und es war auch der erste Tierschutzfall, der von dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten behandelt wurde. Die Tierrechtsorganisation PETA erhielt in dieser Zeit unglaublichen Zulauf und gewann weltweit innerhalb kürzester Zeit hunderttausende neue Mitglieder. PETA hatte aber mit der Klage keinen Erfolg, dass ihnen die Obhut der Affen übertragen wurde, und so blieben die Affen bei den Gesundheitsinstituten, welche die brutalen Forschungen in jenen Tagen finanziert hatten. Die noch lebenden Silver Spring Affen wurden kurz darauf getötet.

 
Die schwer misshandelten Affen, die sich für die Wissenschaft opferten, starben aber nicht umsonst. Obwohl ihr Leben von Folter bestimmt war, konnte Dr. Edward Taub durch diese Experimente eine Methode entwickeln, die unter der „Taubschen Theorie“ weltweit Berühmtheit erlangte und die bereits vielen Menschen helfen konnte. Der Ursprung für seine Erfolge durch die brutalen Tierversuche blieb aber oft verschwiegen.

Durch diese Veröffentlichung der Tierquälerei wurden neue und strengere Tierschutzgesetze erlassen und viele meinten, dass durch die Silver Spring Affen die wirkliche Tierrechtsbewegung in den USA geboren wurde.

Bis heute werden viele Tiere in Versuchslaboren für das Wohl des Menschen geopfert. Es gibt Argumente gegen diese Tierversuche, aber auch einige Argumente dafür. Tatsache ist, dass durch Alex Pacheco und der Tierschutzorganisation PETA Alternativmethoden vorangetrieben wurden, um generell auf Tierversuche verzichten zu können, zusätzlich wurden die Grundrechte der Tiere in Versuchslaboren erheblich verbessert. PETA ist heute eine der größten Tierschutzorganisationen der Welt, ohne die Silver Spring Affen wäre dies heute vermutlich nicht der Fall.