Warum Hunde nicht länger leben als Menschen

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Der kleine Junge Shane und sein Hund Belker waren ein Herz und eine Seele. Sie verbrachten jede freie Minute miteinander und Belker begleitete Shane jeden Tag zur Schule und wieder retour. Eines Tages jedoch stellte der Tierarzt beim Hund eine schwere Krebserkrankung fest. Da der Krebs unheilbar war und um Belker größeres Leid zu ersparen, musste ein Termin für die Einschläferung des Hundes vereinbart werden.

Foto von Joel Quebec

 
Die Einschläferung fand im engsten Kreis der Familie statt und es herrschte eine traurige Stimmung. Auch Shane durfte dabei sein, da die Eltern der Meinung waren, dass er dabei auch etwas lernen konnte. Shane wirkte sehr ruhig als er den Hund zum letzten Mal streichelte. Wenige Minuten später war Belker friedlich gestorben. Doch der kleine Junge schien den Tod des Hundes ohne größere Schwierigkeiten hinzunehmen. Er vergoss keine Träne, sondern saß nur still bei Belker und hielt seinen Kopf. Als die Erwachsenen diskutierten, warum das Leben eines Tieres eigentlich so kurz sein musste, fiel ihnen Shane plötzlich ins Wort. Mit seiner Antwort sollte er alle überraschen.

Shane sagte: „“Die Menschen werden geboren, um zu lernen, wie sie ein gutes Leben führen, richtig? Wie sie lieben und teilen und zu allen freundlich sein können. Na ja, Hunde müssen das nicht lernen. Sie wissen doch schon wie das geht. Deswegen müssen sie auch nicht so lange bleiben.““

Diese Worte von dem kleinen Jungen trafen direkt in das Herz der Anwesenden. Shane hatte das Glück, einen Hund als Lehrer zu haben, welcher ihm die einfachsten Weisheiten des Lebens lehrte.

 

Ist materieller Reichtum das Wichtigste im Leben?

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Eines Tages wurde ein Wanderer von einem heftigen Wetterumschwung mit Sturm und Regen überrascht. Bis auf die Knochen durchnässt erspähte der junge Mann in der Ferne eine kleine Hütte, wo er Unterschlupf fand. Während die alte Hausherrin ihm eine heiße Suppe zu essen gab, trockneten seine Sachen über einem warmen Kaminofen. Die Hütte war sehr einfach eingerichtet, aber plötzlich erblickte er auf einem abgenutzten Regal eine Goldstatue, welche sehr wertvoll zu sein schien. Der Wanderer konnte seine Blicke nicht mehr davon abwenden und musste ständig zu dem Regal hinüberschauen. Als das Wetter wieder besser wurde und sich der junge Mann wieder auf den Weg machen wollte, hielt ihn plötzlich die alte Dame des Hauses zurück und entgegnete: „„Ich habe mitbekommen, dass du von der Goldstatue so angetan warst. Hier hast du sie.““

Foto von Leif Hansson

 
Die alte Frau reichte dem Wanderer ohne zu Zaudern die wertvolle Skulptur. Der junge Mann konnte sein Glück gar nicht fassen, steckte die Goldstatue in seinen Rucksack und machte sich schnell davon, bevor es sich die Frau anders überlegen sollte. Ihm war bewusst, dass er sich mit dem Gold die kostbarsten und luxuriösesten Dinge kaufen konnte, welche er sich schon lange erträumt hatte. Die alte Frau winkte ihm fröhlich hinterher und verabschiedete sich mit einem Lächeln.

Eine Woche später kam der junge Mann aber wieder zurück und überreichte der alten Frau die goldene Statue. Beschämt blickte er der Frau in die Augen und sagte: „“Ich habe die Statue schätzen lassen, sie ist wirklich von unfassbar großem Wert. Aber dann fing ich an nachzudenken. Ich will dir diese Goldstatue zurückgeben in der Hoffnung, dass du mir dafür etwas viel Wertvolleres schenken kannst. Bitte gib mir etwas von dem, was es dir so einfach ermöglichte, mir diese Statue zu schenken. Denn ich glaube, dass man Lebensglück mit ganz anderen Dingen erreichen kann als mit materiellem Reichtum.““

Die Insel der Gefühle

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Es war einmal eine Insel, wo alle möglichen Gefühle und Eigenschaften der Menschen lebten.

Eines Tages kam die überraschende Nachricht, dass die Insel vom Untergang bedroht war und sie in kurzer Zeit untergehen würde. Sofort machten alle Gefühle ihre Schiffe startklar, um die Insel zu verlassen. Nur das Schiff von der Liebe war gerade nicht seetauglich, wodurch sie vorerst auf der Insel bleiben musste.

Als die Insel zu sinken begann, rief die Liebe die anderen Gefühle um Hilfe.

Foto von NASA Earth Observatory

 
Der Reichtum war in der Nähe mit seinem Luxusschiff. Die Liebe fragte ihn: „“Reichtum, kannst Du mir helfen?““ Der Reichtum entgegnete nur: „“Nein, weil ich zu viel Geld und Gold auf meinem Schiff habe, so hab ich keinen Platz für Dich.““

Die Liebe fragte sodann den Hochmut um Hilfe, der auch mit seinem wunderschönen Boot vorbeifuhr. „“Ich kann Dir nicht helfen. Du könntest mein Schiff beschmutzen oder beschädigen.““

Als die Traurigkeit nicht weit vorbeisegelte, fragte die Liebe: „„Traurigkeit, lass mich mit Dir gehen!““ Die Insel stand bereits kurz vor ihrem Untergang. „“Oooh … Liebe, ich bin so traurig, ich möchte besser alleine und ohne Gesellschaft bleiben.““

Auch das Glück und die gute Laune fuhren einfach weiter. Sie waren so glücklich und gut gelaunt, dass sie die Hilferufe der Liebe nicht einmal hören konnten.

Und plötzlich hörte die Liebe eine Stimme: „“Komme auf mein Schiff! Ich nehme Dich gerne mit.““ Die Liebe war so glücklich und zufrieden, dass es nicht nach dem Namen ihres Retters gefragt hatte.

Nach einigen Tagen fragte die Liebe das Wissen: „“Kannst Du mir sagen, wer mir geholfen hat?““

„„Ja“, antwortete das Wissen, „es war die Zeit.““

„“Die Zeit?““ fragte die Liebe verblüfft, „“aber warum hat die Zeit mich gerettet?““

Das Wissen lächelte und antwortete der Liebe: „“Weil nur die Zeit verstehen kann, wie wichtig die Liebe im Leben ist …..““

Ein besonderes Geschenk

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In einem Bus saß ein alter Mann, welcher gedankenverloren aus dem Fenster blickte. In seiner Hand hielt er einen wunderschönen, duftenden Blumenstrauß.

Ein junges Mädchen konnte ihren Blick nicht von dieser blühenden Pracht lassen. Immer wieder starrte sie auf die bunten Blumen und erfreute sich an diesem traumhaften Ausblick.

Kurz vor der nächsten Bushaltestelle erhob sich der Mann und ging auf das Mädchen zu. Plötzlich überreichte er ihr den Blumenstrauß und sagte: „“Ich habe in deinen Augen gesehen, dass du diese Blumen liebst. Sie wären eigentlich für meine Frau bestimmt. Ich denke aber, meine Frau würde wollen, dass du sie bekommst. Ich gehe jetzt zu ihr und werde ihr gleich erzählen, dass ich dir diese Blumen geschenkt habe.“

Das Mädchen nahm den Strauß entgegen und begann über das ganze Gesicht zu strahlen. Noch bevor sie sich bedanken konnte, war der Mann bereits wieder aus dem Bus ausgestiegen.

Sie sah dem alten Mann noch hinterher, als er unerwartet durch ein Tor verschwand. Es war das Tor zum Friedhof.

Rehtaeh Parsons -– Das Internet-Mobbing trieb sie in den Tod

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Rehtaeh Parsons war ein lebenslustiges Mädchen und hatte viele Freunde. Sie besuchte eine kanadische Highschool und zählte zu den besten Schülern in ihrer Klasse. Eines Tages ging sie so wie viele andere Mitschüler auf eine Party, um sich von den stressigen Schulstunden ein wenig zu erholen. Als Rehtaeh Parsons im Alter von 15 Jahren voller Vorfreude bei dieser Party auftauchte, wusste sie nicht, dass wenige Stunden später ihr unbeschwertes Leben für immer vorbei sein sollte.

Auf dieser Party wurde sehr viel Alkohol getrunken und Rehtaeh Parsons wurde von vier jungen Männern, ihr bekannten Mitschülern, vergewaltigt. Einer der Täter machte noch dazu ein Foto von diesem schrecklichen Vergehen und veröffentlichte diese Aufnahme aus Spaß im Internet. Sofort verbreitete sich das Foto in der Schule und im Heimatort von Rehtaeh Parsons, welche schwer von Qualen und Kummer geplagt war. Doch das Martyrium war für das junge Mädchen noch lange nicht vorbei.

Von nun an verging kaum ein Tag, wo Rehtaeh Parsons nicht beschimpft und tyrannisiert wurde. Von den anderen Mädchen wurde sie als Hure und Schlampe verspottet, zudem erhielt sie immer wieder unmoralische Angebote über das Internet. Die Vergewaltigung wurde verharmlost und plötzlich wandten sich Freunde von ihr ab und im sozialen Umfeld wurde sie immer mehr ausgegrenzt. Das junge Mädchen bekam Depressionen und musste sich einige Wochen behandeln lassen. Rehtaeh Parsons wechselte die Schule, um sich vor rücksichtslosen Schülern zu schützen, doch die seelische Folter holte sie immer wieder ein.

Das Internet-Mobbing gegen das Mädchen ging ständig weiter. Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich gehässige Bemerkungen in den sozialen Netzwerken über sie, Rehtaeh Parsons hatte keine Chance, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Obwohl sie das Opfer war, wurde sie schikaniert, für sie war dies wie eine erneute Vergewaltigung, immer und immer wieder. Noch dazu stellte die Polizei die Ermittlungen gegen die vier jungen Männer ein, da man einfach nicht genug Beweise für eine Verurteilung sammeln konnte, obwohl man an der Tat nicht zweifelte. Rehtaeh Parsons verkroch sich bei ihren Eltern, welche tapfer zu ihrer Tochter hielten, doch auch sie konnten ihrer Tochter kaum helfen.

Rehtaeh Parsons ertrug die seelische Tortur noch einige Zeit, aber bald wurde die Bürde für das junge Mädchen einfach zu schwer. Sie beging im Alter von nur 17 Jahren Selbstmord, da sie so verzweifelt war, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sah.

Rehtaeh Parsons war bis zu der Vergewaltigung ein aufgewecktes und fröhliches junges Mädchen. Aber nicht dieses furchtbare Verbrechen selbst trieben sie in den Selbstmord, es war das soziale Umfeld wie die Schule, die Freunde und die Behörden, welche sie einfach fallen gelassen hatten, anstatt sie zu unterstützen. Dadurch war Rehtaeh Parsons machtlos, sich gegen das heftige Internet-Mobbing zu wehren und sie war bis zum letzten Tag schutzlos unbarmherzigen Internetnutzern ausgeliefert.

Somalia – Die Geschichte von der tapferen Olympiateilnehmerin

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Samia Yusuf Omar wurde am 25. März 1991 in Somalia (Staat im Osten von Afrika) geboren. Sie wuchs als älteste von sechs Geschwistern in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Somalia gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt, Mangelernährung und Infektionskrankheiten aufgrund fehlender medizinischer Versorgung sind weit verbreitet. Der Großteil der Menschen lebt von der Landwirtschaft, viele haben aber keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Hitze und Dürreperioden haben ständig zur Folge, dass Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, um fürchterliche Hungerkatastrophen abzuwenden. Zusätzlich kommen die unsichere politische Lage und ständige Kriege hinzu, denn weite Teile des Landes werden von verschiedenen radikal-islamischen Gruppen, Kriegsherren oder Piraten kontrolliert, da es keine anerkannte nationale Regierung gibt.

Inmitten schwerwiegender Menschenrechtsverstöße und drastischer Kriegsverbrechen versuchte Samia Yusuf Omar das Beste aus ihrem Leben zu machen. Ihr Vater kam bereits im somalischen Bürgerkrieg ums Leben, und sie lebte nun mit ihrer Mutter, welche Früchte und Gemüse auf der Straße verkaufte, und ihren Geschwistern in einer kleinen Wohnung. Sie liebte den Sport und sah in ihm auch einen Ausweg aus der Armut. Sie begann auf zerbombten Straßen zu laufen und sich körperlich in Form zu bringen, ihr besonderes Ziel waren die Olympischen Spiele. Aber bald erhielt sie Todesdrohungen und wurde mit Waffen bedroht, radikale Islamistengruppen wollten sie dazu zwingen, ihren Sport aufzugeben und ihren Körper zu verhüllen, denn Frauen, die Sport betrieben, wurden besonders verachtet und nicht geduldet. Aber die zierliche Frau ließ sich davon nicht beeindrucken und kämpfte weiter für eine erfolgreiche Karriere.

Samia Yusuf Omar: „„Ich renne gegen den Hass in meinem Land und um meiner Familie zu helfen““

Am 08. August 2008 hatte sie in Peking (Hauptstadt von China) ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Im Alter von nur 17 Jahren marschierte sie als einzige Sportlerin aus Somalia bei den Olympischen Spielen als Fahnenträgerin ein. Samia Yusuf Omar war unglaublich stolz, ihre Fahne vor der ganzen Welt und vor 91.000 Besuchern im chinesischen Stadion präsentieren zu dürfen. Für ein paar Augenblicke konnte sie die furchtbaren Zustände in ihrer Heimat vergessen, die schmächtige Läuferin lächelte entspannt und strahlte über das ganze Gesicht. Im Vorlauf über den 200-Meter-Lauf belegte sie zwar nur den mit Abstand letzten Platz, sie wurde aber trotzdem begeistert von den Zuschauern angefeuert. Noch nie hatte sie so glückliche Momente in ihrem Leben erfahren dürfen und sie beschloss, weiter an ihrer Karriere als Läuferin zu arbeiten.

Wieder trainierte sie unter schwierigsten Bedingungen in ihrem Heimatland, wieder unter Bedrohungen der radikalen Islamistengruppen, die keine Frauen im Sport akzeptieren konnten. Samia Yusuf Omar wollte nun an den Olympischen Spielen 2012 in London teilnehmen, aber aufgrund der gefährlichen politischen Lage war nicht klar, ob Somalia überhaupt Athleten nach London schicken würde. Für Samia Yusuf Omar war aber klar, dass sie unbedingt wieder teilnehmen wollte und beschloss, mit eigenen Mitteln nach London zu reisen. Ein Ticket für eine Flugreise konnte sie sich nicht leisten, darum beschloss sie, den Seeweg zu benutzen. Eifrig wurde Geld gesammelt und die Mutter verkaufte sogar ein kleines Grundstück, um ihrer Tochter zu helfen. Samia Yusuf Omar war voller Hoffnung, als sie in das kleine Fischerboot stieg. Sie träumte von einem besseren Leben für sich und ihre Familie, für diesen Traum würde sie alles versuchen.

 
Das kleine Fischerboot startete in Libyen (Afrika) auf den Weg nach Europa, es sollte aber nie dort ankommen. Das untaugliche Boot, welches oft auch von vielen Flüchtlingen benutzt wurde, versank kurze Zeit später in den heftigen Wellen des Mittelmeeres. Samia Yusuf Omar und die anderen Insassen hatten keine Chance zu überleben, sie ertranken irgendwo in der Nähe der Insel Malta.

Samia Yusuf Omar bezahlte für ihren olympischen Traum mit ihrem Leben. Sie hatte keine wirkliche Chance, da sie in einem Land geboren wurde, wo Krieg herrschte und wo sie keine Zukunftsaussichten hatte. Trotz allem gab sie nicht auf und hoffte durch den Sport auf ein besseres Leben.

Samia Yusuf Omar wurde nur 21 Jahre alt. Ihr Leichnam wurde nie gefunden, genauso wie von den anderen tausenden afrikanischen Menschen, die ebenfalls auf ein besseres Leben hofften und nun irgendwo auf dem Meeresgrund liegen.

Dave Pelzer – Sie nannten mich nur „“Es““

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Dave Pelzer wurde in der kleinen Stadt Daly City (Kalifornien, USA) geboren und wuchs in einer normalen Familie auf. Sein Vater war Feuerwehrmann und seine Mutter war Hausfrau, und sie kümmerte sich fürsorglich um ihn und seine zwei Brüder. Die Familie unternahm Ausflüge und fuhr gemeinsam in den Urlaub. Diese harmonischen Tage sollten aber bald vorbei sein.

Foto von renee
unter CC BY 2.0

Während der Vater in der Arbeit war, verbrachte die Mutter ihre Tage immer öfter auf dem Sofa vor dem Fernseher und trank Alkohol. Sie begann ihre Kinder anzuschreien und wandelte sich von der liebevollen Mutter zu einer unberechenbaren Frau, die immer mehr dem Alkohol verfiel. Am Anfang waren es noch verbale Attacken, jedoch wurde von der Mutter bald auch körperliche Gewalt gegen die Kinder eingesetzt. Und sie hatte es vor allem auf ein Kind abgesehen, der dies alles abbekam, es war der kleine Dave.

Dave war gerade einmal fünf Jahre alt, als die Mutter begann, ihre Aggressionen an ihm auszulassen. Er musste stundenlang in einer Ecke stehen und durfte sich nicht bewegen, während seine Brüder spielen durften. Sie verteilte wahllos Ohrfeigen und schlug ihm einmal so lange und heftig auf den Arm, dass sie ihm diesen ausrenkte. Die Mutter konnte diese Verletzung gut vertuschen, denn sie sagte im Krankenhaus, dass Dave in der Nacht vom Etagenbett gefallen wäre, und keiner schöpfte Verdacht. Die Mutter überlegte sich immer wieder neue Bestrafungen gegen das wehrlose Kind, zu denen auch Essensentzug gehörte. Dave bekam oft tagelang nichts zu essen und musste irgendwelche Essensreste essen, die übrig geblieben waren. Für die rücksichtslose Mutter musste er außerdem Hausarbeiten erledigen, einmal wurde er im fensterlosen Badezimmer eingesperrt und musste es mit giftigen Chemikalien putzen, diese gefährlichen Dämpfe zerfraßen ihm fast die Lunge und er spuckte eine Stunde lang Blut.

Dave war eigentlich ein guter Schüler gewesen und hatte in der Schule viele Freunde, aber dieser Zustand änderte sich bald. Seine Mutter schickte ihn mit ungewaschenen Klamotten und ohne Nahrung in die Schule. Durch seinen Gestank wurde er von seinen Mitschülern nur mehr verspottet und keiner wollte mehr neben ihm sitzen. Dave aß Reste aus dem Mülleimer um irgendwie seinen Hunger stillen zu können. Gezwungenermaßen begann er, Pausenbrote von den Mitschülern zu stehlen und versuchte einmal aus lauter Verzweiflung, Essen aus einem Lebensmittelgeschäft zu stehlen. Dabei wurde er aber erwischt und wurde natürlich sofort zu seiner Mutter gebracht, welche ihn sofort wieder mit Essensentzug und Schlägen bestrafte. Von nun an musste Dave nach der Schule erbrechen, damit die Mutter feststellen konnte, ob Dave nicht Essen gestohlen und zu sich genommen hatte.

Trotz allem bettelte Dave um die Liebe und Zuneigung seiner Mutter. Während die Familie einmal ohne ihn auf Urlaub fuhr, versuchte er bei der untergebrachten Tante abzuhauen, nur um bei seiner Familie zu sein. Aber auch für diese Tat wurde er von der Mutter fürchterlich verprügelt. Keiner konnte Dave helfen. Seine Brüder waren zu jung und waren froh, nicht selber in seiner Situation zu sein, und sein Vater konnte sich nicht gegen diese Mutter durchsetzen, weil er zu schwach war. Die Mutter verbot dem Vater nun auch dem Umgang mit „dem Jungen“ oder „Es“, weil laut ihrer Meinung Dave nicht mehr zur Familie gehörte. Der Vater kam von nun an oft tagelang nicht mehr nach Hause, weil er diese Situation nicht ertragen konnte. Eines Tages packte er seine Sachen und sagte zu Dave: „Ich kann es nicht mehr ertragen. Das Ganze. Deine Mutter, dieses Haus, dich. Ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Es tut mir leid“. Der Vater verließ die Familie, obwohl er wusste, dass Dave nun alleine mit der Mutter war, ohne Schutz. Dave war klar, dass dies sein Ende war.

Dave hasste sich und die Welt, er ertrug die jahrelangen Erniedrigungen der alkoholsüchtigen Mutter und die enorme psychische Belastung einfach nicht mehr. Sie zwang ihn sich in eine eiskalte Badewanne zu legen, und sich dann ohne sich abzutrocknen nach draußen in den Schatten zu setzen. Er schlief bereits in der Garage, bedeckt nur von Zeitungspapieren. Eines Tages kam eine Frau vom Jugendamt vorbei, um die Verhältnisse zu prüfen, denn das verstörte Verhalten von Dave in der Schule war auffällig gewesen. Als sie Dave frage, ob er glücklich sei und ihn seine Mutter jemals geschlagen hätte, antwortete er nur, dass er bestraft werden würde, wenn er ein böser Junge gewesen war. Trotz aller Erniedrigungen verteidigte Dave noch immer seine Mutter, denn noch immer sehnte er sich nach der Liebe von ihr. Aber diese Antwort gefiel der Mutter überhaupt nicht, und als die Frau vom Jugendamt das Haus wieder verließ, wurde Dave wieder verprügelt.

Eines Tages, Dave war 12 Jahre alt, ging er wie immer in die Schule, als plötzlich der Direktor und ein Polizist bereits auf ihn warteten. Bei einer Routineuntersuchung wurden verschiedenste Verletzungen bei ihm festgestellt, die alles andere als normal waren und die auf eine Misshandlung hindeuteten. Und so verständigten die Lehrer die Polizei, die Dave sofort mitnahmen. Ein Polizist rief die Mutter an um ihr zu sagen, dass Dave heute nicht nach Hause kommen würde. Als Dave mitgeteilt wurde, dass er nun frei sein würde und seine Mutter ihn nie wieder verletzen konnte, liefen ihm Tränen der Freude über das Gesicht.

In den nächsten Jahren kam Dave in verschiedene Pflegefamilien, aber es fiel ihm sehr schwer, sich anzupassen. Er glaubte noch lange Zeit, dass er selbst ein schlechter Mensch war, genauso, wie seine Mutter es ihm immer wieder vorgesagt hatte. Aber Schritt für Schritt schaffte es Dave, sich von seiner Mutter abzugrenzen und wieder ein normales Leben führen zu können. Dave Pelzer schaffte den Schulabschluss, gründete eine Familie und fand bald eine Arbeit, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber tief im Innersten beschäftigten ihn immer noch tiefgreifende Fragen, warum war seine Mutter nur so kalt zu ihm gewesen und hasste ihn nur so?

Dave Pelzer versuchte Antworten darauf zu finden. Nach langer Suche fand er seinen Vater, aber er war aufgrund finanzieller Probleme obdachlos geworden und war dem Alkohol verfallen. Noch immer konnte er nicht zu seinem Sohn stehen und meinte nur, dass er seine Erlebnisse einfach vergessen sollte. Trotz Verbotes versuchte er auch seine Mutter zu sehen, um sie zu fragen, warum sie ihm das alles angetan hatte. Bis heute schweigt aber die Mutter dazu und gibt keine Antworten, sie ist noch immer Alkoholikerin und meint nichts Unrechtes getan zu haben.

Dave Pelzer stellte sich jeden Tag der Quälereien der Mutter, weil er sich als Kind nach Liebe und Geborgenheit der Mutter sehnte. Obwohl diese rücksichtslose Tortur über fünf Jahre dauerte und ständig Anzeichen einer Misshandlung da waren, griff niemand ein. Keiner von der Schule, von der Familie oder der Nachbarschaft, auch sein eigener Vater war zu schwach, um ihm zu helfen. Ganz auf sich alleine gestellt überlebte er die jahrelange Folter nur durch seinen unbändigen und starken Überlebenswillen.

Als erwachsener Mann gründete Dave Pelzer eine Stiftung für die Rechte der Kinder und hat sich der Bekämpfung von Kindesmisshandlung zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Dave Pelzer begann Bücher zu schreiben, um seine Vergangenheit irgendwie verarbeiten zu können. Bis heute kann er das Verhalten seiner Mutter nicht verstehen, vermutlich wird er nie eine Antwort darauf erhalten. Trotz allem kämpft er weiter und versucht ungeachtet seiner schlimmen Kindheit, anderen Eltern und Erziehungsberechtigten ein gutes Beispiel zu geben.

Dave Pelzer fand den Mut, seine Geschichte in die Öffentlichkeit zu tragen und das Thema Kindesmissbrauch in der ganzen Welt zu sensibilisieren. Er appelliert bis heute an die Menschen, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, damit sich seine unfassbare Geschichte nicht wiederholen kann.

Laika – Der erste Hund im Weltall

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Die dreijährige Mischlingshündin Laika (teils Husky, teils Terrier) war als Streuner in Moskau unterwegs und genoss ihre Freiheit. Plötzlich wurde sie jedoch von sowjetischen Mitarbeitern der Raumfahrtbehörde eingefangen und mitgenommen. Sie hatte das perfekte Gewicht von etwa sechs Kilogramm für eine Mission, die als Meilenstein in die Raumfahrtgeschichte eingehen sollte.

Im Wettlauf um die Eroberung des Weltraumes war im Jahr 1957 ein erbitterter Zweikampf zwischen den USA und der Sowjetunion ausgebrochen. Zu dieser Zeit wusste man nicht, ob ein Lebewesen im Weltraum überhaupt überleben konnte, und viele Wissenschaftler waren der Meinung, dass kein Lebewesen im Weltraum am Leben bleiben könnte. Und Laika sollte den Gegenbeweis antreten und sollte dabei helfen, wichtige Erkenntnisse für den bemannten Raumflug zu gewinnen.

Die Hündin war nun nur mehr ein Versuchsobjekt und musste sich einem speziellen Training unterziehen. In einem Weltraumlabor musste Laika auf engstem Raum leben und ständig eine Art Raumfahrtanzug tragen. Sie musste sich an immer enger werdende Kapseln gewöhnen und durfte diese oft tagelang nicht verlassen. In Simulatoren wurde sie mit großem Lärm und mit starken Vibrationen vertraut gemacht, zum Essen erhielt die Hündin nur mehr eine spezielle Weltraumnahrung. Monatelang musste Laika diese Tortur ertragen, bis es endlich soweit war und die letzten Vorbereitungen für ihren Weltraumflug anliefen.

Am 03. November 1957 startete Laika ihre abenteuerliche Reise zu den Sternen. Die kleine gepolsterte Kapsel, ausgestattet mit zahlreichen Sensoren, bot gerade so viel Platz, dass Laika entweder liegen oder stehen konnte, ein spezielles Lüftungssystem versorgte sie mit Sauerstoff. Die ganze Welt verfolgte gespannt diesen bedeutsamen Flug, Laika war das erste Lebewesen überhaupt, welches sich in die Erdumlaufbahn begeben sollte. Millionen Menschen schauten aufgeregt in den Himmel, denn der Hund, der um die Erde kreiste, war eine unfassbare Sensation.

Laika erreichte nach kurzer Zeit tatsächlich die Schwerelosigkeit, aber unglücklicherweise wurden nach fünf bis sieben Stunden Flugzeit keine Lebenszeichen mehr von ihr übermittelt. Die kleine Hündin mit den Schlappohren hatte von Anfang an keine Chance, wieder lebend auf die Erde zurückzukehren. Der Sowjetunion ging es nur darum, die USA im zeitlichen Rennen um die Eroberung des Weltalls zu schlagen, durch diesen zeitlichen Druck hatte man keine Zeit mehr, die Kapsel mit einem entsprechenden Lebenserhaltungssystem für Laika auszustatten. Durch verschiedene Defekte stieg die Innentemperatur der Kapsel immer weiter an, Laika starb qualvoll an Überhitzung und an dem dadurch entstandenen Stress.

Der Flug von Laika brachte den eindeutigen Beweis, dass Lebewesen in der Schwerelosigkeit überleben konnten. Die wenigen Stunden, in denen Laika medizinische Daten aus dem All übermittelte, waren ein Meilenstein in der Raumfahrtgeschichte und sorgten weltweit für Aufsehen. Die Erkenntnisse von dieser Mission ermöglichten in späterer Folge die bemannte Raumfahrt und waren Grundlage dafür, dass Neil Armstrong am 21. Juli 1969 als erster Mensch überhaupt die Mondoberfläche betreten konnte.

Die Ängste und Qualen bis zu ihrem Tod, die Laika während ihres Fluges durchstehen musste, sind kaum vorstellbar. Ihr Todesfall führte weltweit zu Protesten und Aufständen gegen den Missbrauch von Tieren für die Wissenschaft.

Laika wurde durch ihren heldenhaften Tod zu einem der berühmtesten Hunde der Welt. Ihr zu Ehren wurde ein Denkmal gebaut und eine Erinnerungstafel errichtet, in vielen Ländern wurde sie auf Briefmarken gedruckt.

Oleg Gasenko (damaliger Hundetrainer von Laika): „“Je mehr Zeit vergeht, desto mehr tut es mir leid. Wir haben durch die Mission nicht genug gelernt, um den Tod des Hundes zu rechtfertigen““

Norwegen -– Der blutigste Anschlag der Geschichte

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Marcel Gleffe verbrachte gerade einen gemütlichen Urlaub auf dem Campingplatz in Utvika (Norwegen), als plötzlich auf der 500 Meter entfernten Insel Utoya dumpfe Schüsse fielen. Utoya war eine sehr kleine Insel (500 Meter lang, 350 Meter breit), wo gerade hunderte Jugendliche ein Ferienlager abhielten. Marcel Gleffe hatte ein ungutes Gefühl, denn wie ein Feuerwerk hörten sich die Schüsse nicht an. Sofort lief er zur Küste und blickte mit einem Fernglas hinüber zu der Insel. Er konnte es kaum glauben was er da sah, denn viele Jungendliche stürzten sich voller Panik und Schrecken in das eiskalte Wasser.

 
Marcel Gleffe: „„Die sind von Klippen gesprungen und man sah, dass sich viele dabei verletzt haben. Da wusste ich, dass sie auf der Flucht waren““

Ohne lange zu zögern rannte Marcel Gleffe zu seinem kleinen gemieteten Motorboot, welches er zum Angeln benutzte, und raste so schnell er nur konnte in Richtung der Insel. Da tauchten auch schon die ersten Gesichter der Jugendlichen im Wasser auf, alle im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Marcel Gleffe zog die ersten Hilfesuchenden auf sein kleines Boot. Ein kalter Schauer durchzuckte Marcel Gleffe, denn die Jugendlichen riefen immer wieder unter Todesangst: „Runter, runter, er schießt auf uns!“ Der gelernte Dachdecker ging sofort in Deckung und brachte die ersten Kinder wohlbehalten an Land.

Marcel Gleffe: „“Sie waren völlig fertig, hatten Heulkrämpfe und kauerten sich im Boot aneinander. Sie hätten das alleine im eiskalten Wasser nicht überlebt““

Marcel Gleffe fuhr sofort wieder zurück, um noch mehr Kinder zu retten. Blitzartig waren wieder Schüsse zu hören, und Marcel Gleffe konnte aus der Ferne einen Mann erkennen, der auf einem Felsen saß und auf die Kinder zielte. Schnell zog er seinen Kopf ein, um nicht selber in die Schusslinie zu geraten, und half wieder den durchgefrorenen Mädchen und Jungen auf sein Boot, um sie in Sicherheit zu bringen. Marcel Gleffe rettete alleine durch sein beherztes Handeln bis zu 30 Jugendlichen das Leben, obwohl ihm bewusst war, dass er sich in akuter Todesgefahr befand. Er war Zeitzeuge eines schrecklichen Massakers, aber als er später die ganze grausame Geschichte erfuhr, standen dem unerschrockenen Helden die Furcht und der Schock tief ins Gesicht geschnitten. Was war geschehen?

Am 22. Juli 2011 explodierte im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt Oslo eine Bombe, acht Menschen kamen ums Leben, viele wurden verletzt. Während sich die Polizei noch fieberhaft um die Opfer kümmerte, war der Attentäter bereits als Polizist verkleidet auf dem Weg zur kleinen Insel Utoya, wo er sich nun alleine und abgeschieden mit über 600 Jugendlichen befand. Schlagartig zückte er ein Gewehr und begann unter einem furchteinflößenden Gebrüll auf die Jugendlichen zu schießen und schnell gab es erste Tote. Einige der Teenager versuchten sich tot zu stellen, doch der Täter ging auf Nummer sich und schoss vielen noch einmal brutal in den Kopf. Andere Jugendliche, die gerade von der anderen Seite der Insel kamen, liefen dem Polizisten hilfesuchend entgegen, sie wussten nicht, dass sie es mit dem Attentäter zu tun hatten, sie alle wurden kaltblütig erschossen. Die jungen Menschen stürzten sich nun Hals über Kopf in das eiskalte Wasser, um sich irgendwie zu retten. Und Leuten wie Marcel Gleffe war es zu verdanken, dass die meisten von ihnen auch überlebten. Der gesamte Horror dauerte über eine Stunde, wo der Killer ungehindert die wehrlosen Kinder verfolgen konnte. Als die Polizei dann eintraf, ergab er sich kampflos.

 
Die grausame Bilanz des gesamten Anschlages: 77 Menschen wurden getötet, 69 Kinder und Jugendliche alleine auf der Insel Utoya. Der norwegische Ministerpräsident bezeichnete diese unfassbare Tat als die schlimmste Katastrophe in Norwegen seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Attentäter, Anders Behring Breivik, galt als rechtsextremer und ausländerfeindlicher Mann und wollte in seiner psychisch kranken Welt auf die islamische Bedrohung aufmerksam machen. Die ganze Welt verurteilte diese grausame Tat und stellte sich geschlossen hinter die trauernden Angehörigen. Der 18-jährigen Norwegerin Bano Rashid kann dieser Beistand leider nicht mehr helfen, sie wurde als erstes Opfer der vielen Toten in einer bewegenden Trauerfeier in Norwegen beerdigt. Bano Rashid sowie die vielen anderen Jugendlichen hatten ihr ganzes Leben noch vor sich und wurden viel zu früh aus der Welt gerissen.

Das Herz von Jenin -– Sieg der Menschlichkeit

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Der zwölfjährige Achmed spielte mit seinen Freunden in der palästinensischen Flüchtlingsstadt Jenin (im israelisch besetzten Westjordanland), als plötzlich israelische Soldaten auftauchten, um eine Militärrazzia durchzuführen. Jenin bedeutete für die israelische Armee eine große Gefahrenzone, denn viele Selbstmordattentäter, die Anschläge auf Israel verübten, befanden sich in dieser Stadt, weshalb hier immer wieder militärisch kontrolliert wurde. Die Kinder spielten mit Spielzeuggewehren, die harmlos und ungefährlich waren. Die israelischen Soldaten jedoch hielten die harmlosen Spielzeugwaffen für echt, und blitzartig fielen Schüsse auf die Kinder.

Der geschockte Vater brachte den verwundeten Achmed noch schnell in ein Krankenhaus, aber der kleine Junge hatte keine Chance, denn eine Kugel hatte ihn tödlich am Kopf getroffen. Der Vater, Ismael Khatib, hockte am Bettrand seines Sohnes und konnte das Unglück kaum fassen. Mit Tränen in den Augen dachte er an die verhassen Erzfeinde aus Israel, die ihm soeben das Liebste in seinem Leben genommen hatten.

In dem Nahostkonflikt zwischen den arabischen Palästinensern und Israel (vor allem jüdische Bevölkerung) ging es immer um das Thema möglicher Staatsgrenzen, die immer strittig und ungeklärt waren. Zahlreiche Kriege wurden geführt, viele Palästinenser wurden aus Israel vertrieben und lebten wie Ismael Khatib in einfachen Flüchtlingslagern. Der gegenseitige Hass steigerte sich bis ins Unermessliche, israelische Zwangsansiedelungen mit jüdischen Siedlern in palästinensischen Gebieten wurden von den Palästinensern im Gegenzug mit Gewalt, etwa mit Selbstmordattentaten in Israel, gekontert. Ein ewiger Kreislauf der Gewalt, seit vielen Jahren.

Ein Krankenpfleger im Krankenhaus machte den Vater darauf aufmerksam, dass die Organe seines Sohnes gespendet werden konnten. Während viele hasserfüllte palästinensische Menschen Rache für Achmed schworen und mit Vergeltungsschlägen gegen Israel drohten, traf Ismael Khatib eine bemerkenswerte und weitreichende Entscheidung. Im größten Moment seines Schmerzes willigte er ein, dass israelische Kinder mit den Organen seines Sohnes gerettet werden konnten. Auf einmal hatte der Vater mit Anfeindungen aus den eigenen Reihen zu kämpfen, denn die Organe dem Feind zu überlassen, irritierte die Menschen. Aber Ismael Khatib wiederholte immer wieder den selben Satz: „Kinder sind nicht meine Feinde, sie tragen keine Schuld“.

Ismael Khatib: „“Viele Israelis hätten es lieber gehabt, ich hätte mich in die Luft gesprengt, die Organspende hat sie mehr durcheinander gebracht, als wenn ich ein Terrorist wäre. Die Welt soll wissen, dass auch wir Palästinenser das Leben lieben und unsere Kinder““

Fünf israelische Kinder führen heute durch die mutige Entscheidung des Vaters und durch die Spenden von Herz, Nieren, Leber und Lunge ein sorgenfreies Leben. Später besuchte Ismael Khatib einige der geretteten Kinder in Israel, welche nun wohlauf und gesund waren. In ihnen lebte sein Sohn weiter, darin war sich der Vater sicher, auch wenn es sich um „feindliche“ Kinder handelte.

Die Geschichte des Palästinensers Ismael Khatib aus Jenin, der die Organe seines von israelischen Soldaten erschossenen Sohnes an israelische Kinder spendete, erlangte internationales Interesse und wurde sogar verfilmt. Er kämpfte nicht mit Gewalt gegen seine Feinde, sondern mit einer noch viel mächtigeren Waffe: der Menschlichkeit. Selbst der größte Hass hatte gegen diese großherzige Tat nicht den Funken einer Chance.

Ismael Khatib: „„Ich wollte nicht, dass mein Sohn nur eine Nummer in der Statistik bleibt. Ich habe gespürt, dass Achmeds Botschaft die ganze Welt erreichen würde““


Foto von Tarek
unter CC BY-SA 3.0