Julia Hill -– Die Besetzung der größten Mammutbäume der Welt

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Der Redwood-Nationalpark in Kalifornien (USA) besteht aus einem großen Anteil an wunderschönen und immergrünen Nadelbäumen. Diese sogenannten Küstenmammutbäume zählen zu den höchsten lebenden Bäumen der Welt. Sie können über 100 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von über sieben Metern erreichen. Da die Bäume aufgrund ihrer guten Verarbeitung zu wertvollen Nutzhölzern zählen, werden sie seit vielen Jahren von profitgierigen Holzunternehmen großflächig abgeholzt. Bei den Indianern waren die über 1000 Jahre alten Mammutbäume noch als heilig verehrt, aber nun fiel der Großteil des Bestandes der kommerziellen Nutzung zum Opfer. Nur einige Umweltaktivisten setzten sich gegen diese Massenabholzungen und gegen untätige Politiker zur Wehr.

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Als eines Tages wieder große Abholzungsmaschinen anrollten, um einen gesamten Hang dem Erdboden gleichzumachen, wollte man etwas dagegen tun. Umweltschützer wählten einen alten Küstenmammutbaum aus, wo auf 60 Meter Höhe eine etwa 4 m² große Plattform errichtet wurde, um den Baum zu besetzen. Als die 23-jährige Julia Hill von dieser Aktion hörte, machte sie sich sofort auf den Weg. Julia Hill war erst vor kurzem von einem fast tödlichen Autounfall genesen und war nun auf der Suche nach einem neuen Sinn im Leben. Bis zu dem Unfall kannte sie nur Karriere, Erfolg und materielle Dinge, aber dies war für immer vorbei. Die Baumschutzaktion war für sie wie ein Zeichen, weshalb sie vor Ort helfen wollte. Da es keinen Freiwilligen für die Baumbesetzung gab, kletterte die zierliche junge Frau am 10. Dezember 1997 spontan und mutig in die Krone des Mammutbaumes, um den Baum vor der sicheren Abholzung zu schützen.

Julia Hill: „„Ich bin im härtesten Winter hochgeklettert. Der Wind raste mit 150 Stundenkilometern durch die Baumspitzen““

Nur geschützt von einer einfachen Plane, war sie widrigsten Witterungsbedingungen ausgesetzt. Auf fließendes Wasser und eine Toilette musste sie verzichten, genauso wie auf alle Luxusartikel aus dem alltäglichen Leben. Mit einem einfachen Seilzug wurde sie mit Proviant und dem Nötigsten versorgt. Neben den Naturgewalten hatte sie aber mit einem anderen und viel mächtigeren Feind zu kämpfen. Denn der Holzkonzern „Pacific Lumber“ setzte alles daran, die Baumbesetzerin wieder zu vertreiben, denn jeder Tag ohne Abholzungen war ein verlorener Tag ohne Profit. Julia Hill musste in der Folge unfassbare Strapazen überstehen.

Julia Hill: „“Die haben alles versucht, mich da runter zu bekommen““

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Ein Transporthubschrauber mit riesigen Rotorblättern flog mit Absicht so nahe an ihr vorbei, dass der gesamte Baum schwankte und Julia Hill beinahe von der Plattform geweht wurde. Holzfäller fällten vorsätzlich in bedrohlicher Nähe von ihr Bäume, was Todesgefahr für Julia Hill bedeutete. Tagelang wurde sie mit Nebelhörnern und Scheinwerfern am Schlaf gehindert und psychisch von Mitarbeitern der Holzfirma enorm unter Druck gesetzt. Zusätzlich wurden ihre Unterstützer ständig blockiert, sie mit Essen zu versorgen. Aber Julia Hill stemmte sich mit aller Macht gegen diesen Terror und hielt beharrlich ihre Position. Durch ihren außergewöhnlichen Mut wurde sie mit der Zeit im ganzen Land bekannt und immer mehr Menschen solidarisierten sich mit der unbeugsamen Aktivistin. Mit einem solarbetriebenen Mobiltelefon kommunizierte sie mit der Außenwelt und gab der Presse unzählige Interviews.

Julia Hill: „„Es ist verrückt, wenn die letzten Redwood-Wälder abgeholzt werden. Eine Baumbesetzung ist die letzte Chance, ein solches Wesen zu retten““

Eisige Winterstürme, brutale Kälte und ohrenbetäubende Gewitter brachten Julia Hill oft an den Rand einer Aufgabe. Doch irgendeine unsichtbare Macht beschützte die tapfere Frau und gab ihr die nötige Kraft, über sich hinauszuwachsen. Nach und nach bekam sie immer mehr Selbstvertrauen, um ihre Botschaft für die Rettung der Mammutbäume zu verkünden. Aus geplanten wenigen Wochen verbrachte Julia Hill eine viel längere Zeit auf diesem Baum. Sie wollte so lange bleiben, bis die Bäume in ihrer Umgebung geeigneten Schutz fanden.

Julia Hill: „„Ein Baum kann dein Freund sein, darum sollte man sie genauer kennen lernen““

Nach über zwei Jahren der Baumbesetzung und 738 Tagen verließ Julia Hill nach langwierigen Verhandlungen zum ersten Mal den Baum. Es wurde eine Vereinbarung mit dem Holzkonzern getroffen, dass innerhalb einer 12.000 m² Zone kein Mammutbaum mehr gefällt werden durfte. Eine einzelne Frau hatte sich tatsächlich gegen einen übermächtigen Holzkonzern durchgesetzt und hunderte Jahre alte Bäume gerettet. Julia Hill als aufopferungsvoll kämpfende Baumfrau war ein beeindruckendes Zeichen dafür, was ein einzelner Mensch für die bedrohte Natur schaffen konnte. Sie bestärkte die Menschen auf der ganzen Welt, sich mit Entschlossenheit und Willenskraft für die Mutter Erde einzusetzen und niemals die Hoffnung aufzugeben.

Julia Hill: „“Nach meiner Aktion wissen viel mehr Menschen, dass etwas getan werden muss““

Pierluigi Collina –- Ein Mann mit Glatze wird zum Kultschiedsrichter

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Pierluigi Collina wurde am 13. Februar 1960 in Bologna (Italien) geboren und war in seiner Jugend ein begeisterter Fußballspieler. Als er 17 Jahre alt war, überredete ihn ein guter Freund, zu einem Lehrgang für Fußballschiedsrichter mitzukommen. Dort bemerkte man sehr schnell das Talent von Pierluigi Collina und auch er wusste bald, dass er Schiedsrichter werden wollte. Diese Schiedsrichterkurse betrieb er am Anfang jedoch nur nebenbei. Sein Hauptaugenmerk lag bei seinem Wirtschaftsstudium an der Universität in Bologna, welches er sehr erfolgreich absolvierte. Trotzdem begann Pierluigi Collina zwischenzeitlich, erstmals Fußballspiele unter seiner Leitung zu pfeifen.

Pierluigi Collina: „“Ich pfiff in Orten, die auf der Landkarte nur schwer zu finden waren““

Pierluigi Collina stellte sich als Schiedsrichter vom ersten Moment an sehr geschickt an. Obwohl er es als junger Spielleiter meist mit älteren Fußballspielern zu tun hatte, verstand er es, auch unter großem Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen. Im Alter von 24 Jahren hatte er aber einen schweren Schicksalsschlag zu überwinden, da er an einer schweren Form von Haarausfall (Alopecia universalis) erkrankte. Innerhalb von nur wenigen Wochen verlor er nicht nur seine gesamten Haare am Kopf, sondern auch seine Haare am ganzen Körper. Es war eine schwere Zeit für Pierluigi Collina, privat konnte er sich zurückziehen, aber als Schiedsrichter stand er immer im Mittelpunkt, was eine ungeheure psychische Belastung darstellte.

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Trotz vieler abfälliger Bemerkungen über sein Aussehen und seiner plötzlichen Glatzenbildung versuchte Pierluigi Collina, seinen Weg als Schiedsrichter weiterzugehen. Er arbeitete sich Schritt für Schritt in höhere Fußballligen vor und leitete im Alter von 31 Jahren bereits Fußballspiele in der höchsten italienischen Liga. Pierluigi Collina trainierte bis zu fünf Tage in der Woche, um sich fit zu halten, und bereitete sich gezielt auf jedes Spiel vor. Er wusste alles über die Mannschaften, die Spieler und die Taktiken. Dies ermöglichte ihm, auf verschiedenste Geschehnisse in den Spielen richtig zu reagieren.

Pierluigi Collina: „“Man muss total in der Lage sein, das Spiel zu lesen““

Pierluigi Collina hatte eine große Ausstrahlungskraft und war ein sehr entschlossener Schiedsrichter. Durch sein markantes Erscheinungsbild und seinen ausgefallenen Mimiken stieg er schnell zu einer Berühmtheit unter den Fußballschiedsrichtern auf. Zudem traf er oft eigenwillige Entscheidungen. In einem Spiel ließ er die Mannschaften nicht die Seiten wechseln, weil er verhindern wollte, dass ein Tormann mit Wurfgeschossen der Fans attackiert wurde. In einem anderen Spiel zeigte er einem Ersatzspieler auf der Bank nach Schiedsrichterbeleidigung die Rote Karte, obwohl es dafür noch keine offizielle Regel gab. Das Regelwerk wurde kurz darauf wegen dieser einzigartigen Aktion abgeändert und vervollständigt. Pierluigi Collina analysierte seine Spiele immer sehr genau, um einmal gemachte Fehleinschätzungen nicht mehr zu wiederholen.

Pierluigi Collina: „„Alle machen beim Fußball Fehler, aber keiner wird dafür so an den Pranger gestellt wie Schiedsrichter““

Pierluigi Collina stieg durch sein Talent zu einem der besten Schiedsrichter der Welt auf. Er leitete 1999 das Champions-League-Finale und außerdem die wichtigsten Fußballspiele bei Europameisterschaften, Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Von 1998 bis 2003 wurde er sechsmal in Folge zum „Weltschiedsrichter des Jahres“ gewählt. Zudem wurde Pierluigi Collina zum Vorbild für viele Menschen, welche ebenfalls an Haarausfall und Alopezie litten. Er zeigte, dass man alles im Leben erreichen konnte, wenn man nur genug Willen und Durchhaltevermögen besaß. Entscheidend war die innere Stärke, nicht das äußere Erscheinungsbild.

Pierluigi Collina: „„In Lebensfragen ist Respekt das Schlüsselwort für den Umgang der Menschen miteinander““

Arnold Schwarzenegger –- Er brach alle Regeln, um seine Ziele zu erreichen

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Arnold Schwarzenegger wurde am 30. Juli 1947 im kleinen Dorf Thal in Österreich geboren und wuchs in armen Verhältnissen auf. Im Haus gab es keinen Fernseher, kein Telefon und auch kein fließend warmes Wasser. Da es in schlechten Zeiten oft wenig zum Essen gab, bettelte seine Mutter bei benachbarten Bauernhöfen um etwas Mehl oder Butter und baute hinter dem Haus selbst Obst und Gemüse an, um die Familie ernähren zu können. Der Vater, welcher als Polizist tätig war, pflegte die in der damaligen Zeit typische strenge Erziehung. Ordnung und Disziplin gehörten genauso zum Alltag wie die Schläge des Vaters. Einen Ausgleich in dieser schweren Kindheit fand Arnold Schwarzenegger im Sport, er probierte sich im Schwimmen oder im Boxen und spielte auch vereinsmäßig in einem Fußballverein. Da er aber ein sehr schwächlicher Junge war, schickte ihn sein Trainer zum Krafttraining, damit er dort seine Beine stärken konnte.

Als Arnold Schwarzenegger im Alter von 15 Jahren seine ersten bescheidenen Gewichte stemmte, entfachte dies in ihm eine neue Leidenschaft. Von nun begann er immer häufiger mit den Gewichten zu trainieren und gab dafür alle seine anderen Sportbetätigungen auf. Zu dieser Zeit war Bodybuilding nur ein unbedeutender Sport, welcher in irgendwelchen staubigen Nebenräumen praktiziert wurde, denn große Fitnessstudios gab es noch nicht. Arnold Schwarzenegger aber wollte ausbrechen aus der Armut und der Mittellosigkeit, und das Bodybuilding gab ihm nun eine Möglichkeit dazu. Da er wie ein Besessener seinen Körper stählte, hielten ihn die Leute bald für verrückt, jedoch war Arnold Schwarzenegger fest von seinem ungewöhnlichen Vorhaben überzeugt. Jeden Tag trainierte er unermüdlich dafür und brach sogar eines Tages in den verschlossenen Trainingsraum ein, nur um seinen Trainingsplan beharrlich durchhalten zu können.

Arnold Schwarzenegger: „„Ich war einer, der sich nicht angepasst hat und dessen Wille nicht gebrochen werden konnte““

Mit unfassbaren Ehrgeiz und einer großen Portion Disziplin entwickelte sich der ehemals zierliche und unscheinbare Arnold Schwarzenegger innerhalb kürzester Zeit zu einem muskelbepackten Athleten. Er gewann erste Bodybuilding-Meisterschaften und wurde im Alter von 20 Jahren sensationell zum jüngsten „Mister Universum“ gewählt, einem der höchsten Titel, welche im Bodybuilding verliehen werden konnten. Diese Auszeichnung brachte für Arnold Schwarzenegger einen großen Aufschwung in seiner Sportkarriere und er übersiedelte deshalb in die USA, wo er noch professioneller trainieren konnte. Durch eine außergewöhnliche Willensstärke entwickelte er seinen Körper beständig weiter und wurde kurze Zeit später bereits Sieger bei „Mr. Olympia“. Er dominierte in den folgenden Jahren die gesamte Bodybuilderszene und erlangte dadurch einen hohen Bekanntheitsgrad, aber nun wollte er sein nächstes großes Ziel verwirklichen, denn er wollte ein berühmter Filmschauspieler werden.

Arnold Schwarzenegger: „„Ich setzte mir ein Ziel, visualisierte es und entwickelte den Drang, es in die Realität umzusetzen““

Noch nie hatte es ein so muskulöser Bodybuilder versucht, sich als Schauspieler in der Filmindustrie Hollywood durchzusetzen. Nach seiner ersten Filmrolle „„Hercules“ in New York“ wurde er von den Kritikern in der Luft zerrissen, nicht nur die fehlende Qualität des Filmes wurde bemängelt, sondern auch Arnold Schwarzenegger als Schauspieler, welcher mit seinem eigenartigen Akzent oftmals für Verwirrung sorgte. Aber er ließ sich durch diesen Misserfolg nicht entmutigen und lernte aus dieser Schlappe. Er begann Schauspielunterricht zu nehmen und Rhetorik-Kurse zu belegen, um sein Manko auszubessern. Trotzdem wurde er für sein Vorhaben überhaupt nicht ernst genommen, denn niemand glaubte daran, dass er es jemals als Schauspieler schaffen würde. Nur Arnold Schwarzenegger war davon überzeugt und arbeitete weiter hart an seiner Schauspielkarriere.

Arnold Schwarzenegger: „„Man mag meinen Namen nicht, man mag meinen Akzent nicht, man mag meinen Körper nicht, aber Scheiß drauf, ich werde ein Superstar“

Für seine nächste Filmrolle bereitete er sich sehr gewissenhaft vor und nahm mehrere Monate Unterricht im Schwertkampf. Der Barbarenfilm „„Conan der Barbar““ wurde tatsächlich ein großer Erfolg und Arnold Schwarzenegger konnte dadurch auch seine nächste bedeutende Rolle ergattern. Im Alter von 37 Jahren spielte er im Science-Fiction-Film „“Terminator““ den Bösewicht so überzeugend, dass er auch seine größten Kritiker überzeugen konnte und der Streifen sich zu einem regelrechten Kultfilm entwickelte. Arnold Schwarzenegger baute seine Karriere als Schauspieler daraufhin durch großen Einsatz weiter aus und er stieg zu einem der weltweit beliebtesten Schauspieler auf.

Foto von Georges Biard
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Obwohl ihm seine Berater entschieden davon abrieten, fasste Arnold Schwarzenegger trotz erfolgreicher Schauspielkarriere den wagemutigen Entschluss, in die Politik zu gehen. Als dies öffentlich wurde, schüttelten die Menschen nur den Kopf und man erwartete ein riesiges Debakel. Doch Arnold Schwarzenegger hörte nicht auf die vielen negativen Stimmen und ging konsequent seinen eigenen Weg, um seinen Plan zu verwirklichen. Am 17. November 2003 und nach einer unglaublichen Kraftanstrengung schaffte er tatsächlich die große Sensation und wurde in Kalifornien, dem bevölkerungsreichsten und einflussreichsten Bundesstaat der USA, zum obersten Regierungschef (Gouverneur) vereidigt. Er vollbrachte es auch später, in seinem Amt wiedergewählt zu werden und die volle Amtszeit in dieser hohen Position auszuüben.

Arnold Schwarzenegger wurde durch seine positive Lebenseinstellung zum Vorbild für viele Menschen auf der Welt. Er wollte der beste Bodybuilder der Welt werden und setzte es in die Tat um, obwohl er für seinen Traum nur verspottet wurde. Er wollte ein berühmter Schauspieler in Hollywood werden und setzte es in die Tat um, obwohl er für sein Vorhaben nur ausgelacht wurde. Er wollte zu einem mächtigen Politiker werden und setzte es in die Tat um, obwohl man ihm nicht den Funken einer Chance einräumte.

Arnold Schwarzenegger erreichte seine Ziele, weil er sich nie durch die Ansichten anderer Menschen begrenzen ließ. Er formte sich seine eigenen Regeln und arbeitete so konsequent und hartnäckig an seinen Visionen, bis sie tatsächlich Wirklichkeit wurden.

Arnold Schwarzenegger: „„Wenn mein Leben ein Film wäre, so würde das niemand glauben. Das Wichtigste ist, dass man ein Ziel vor Augen hat““

John Grisham -– Vom Rechtsanwalt zum weltberühmten Schriftsteller

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John Grisham wurde am 08. Februar 1955 in Arkansas (USA) geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater war Bauarbeiter, seine Mutter kümmerte sich um ihn und um seine vier Geschwister. Als kleines Kind hatte John Grisham den Traum, eines Tages ein berühmter Baseballspieler zu werden. Jede freie Minute trainierte er dafür, um irgendwann professionell Baseball spielen zu können. Doch mit der Zeit merkte er, dass sein Talent dafür einfach nicht ausreichte und begann daher, an der staatlichen Universität in Mississippi Rechtswissenschaft zu studieren.

John Grisham: „„Du spürst, dass dein bestes Level im Spiel erreicht ist. Das ist demütigend, aber das Leben geht weiter““

Sein Studium verlief sehr erfolgreich, nebenbei verdiente er sich Geld bei kleineren Hilfsjobs. Nachdem John Grisham sein Jurastudium abgeschlossen hatte, spezialisierte er sich als Anwalt auf Strafverteidigung und auch auf Prozesse mit Körperverletzungen. In den nächsten Jahren machte er viele unterschiedliche Erfahrungen als Rechtsanwalt. Dazu gehörte auch, dass die Welt oft von Grausamkeit und Kaltherzigkeit beherrscht wurde. Im Jahr 1985 nahm er bei einem Gerichtsverfahren teil, wo ein minderjähriges Vergewaltigungsopfer befragt wurde. Die Aussagen des jungen Mädchens machten John Grisham sehr betroffen und er war tief bestürzt über die Hintergründe dieser schrecklichen Tat. Von diesem Moment an beschloss er, der Öffentlichkeit mitzuteilen, welche unfassbaren Geschichten auf der Welt tatsächlich passierten.

John Grisham begann nun konsequent, an einem Buch zu schreiben. Er stand um 5 Uhr morgens auf, um einige Stunden daran zu arbeiten, bevor er in die Arbeit musste. Wie besessen tippte er Zeile für Zeile und nutzte jede freie Minute für sein Buch. John Grisham brauchte drei Jahre und eine große Portion Ausdauer, um seinen ersten Roman „„Die Jury““ zu vollenden. Sofort suchte er einen Verlag, welcher sein Buch veröffentlichen sollte, doch er erhielt nur Absagen. Aber John Grisham ließ sich davon nicht unterkriegen und suchte weiter, um sein Buch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach weiteren zahlreichen Ablehnungen fand er schließlich einen kleinen und unbekannten Verlag, welcher sein Buch mit einer Auflage von nur 5.000 Stück veröffentlichte. Denn wer kannte schon den Schriftsteller John Grisham?

John Grisham: „“Es war furchtbar, viele Verlage lehnten ab““

Da der Buchverlag kein Geld für Werbung hatte, nahm es John Grisham selbst in die Hand. Er fuhr in kleine Büchereien, um seine Bücher anzubieten und tauchte auf Partys auf, um seinen Roman vorzustellen. Zusätzlich belieferte er Supermärkte und Tankstellen, um die Bücher, welche er im Kofferraum seines Autos lagerte, zu verkaufen. John Grisham ließ sich trotz bescheidenen Erfolges nicht entmutigen und schrieb bald an seinem zweiten Roman. Als er 1991 das Buch „“Die Firma““ veröffentlichte, sollte es seinen großen internationalen Durchbruch bedeuten. Innerhalb kürzester Zeit kaufte ein großes Verlagshaus die Rechte für diese Geschichte und auch die Filmindustrie wurde auf dieses spannende Buch aufmerksam. „„Die Firma““ wurde im Jahr 1991 zum meistverkauften Roman weltweit und führte wochenlang alle wichtigen Bestsellerlisten an.

Der unfassbare Erfolg als Schriftsteller veranlasste John Grisham, seinen Beruf als Anwalt im Alter von 36 Jahren aufzugeben um sich nun voll und ganz der Schriftstellerei zu widmen. Durch seine weitreichenden Erfahrungen als Rechtsanwalt schaffte er es, viele weitere Bestseller zu schreiben und genau die Themen zu treffen, welche die Menschen interessierten.

Die Bücher von John Grisham, vorwiegend Justizthriller, wurden in den nächsten Jahren in über 38 Sprachen übersetzt und über 250 Millionen Mal gedruckt. Er verstand es, seinen alten Beruf als Anwalt perfekt mit seiner neuen Tätigkeit zu verbinden. John Grisham stieg so zu einem der bekanntesten Schriftsteller der Welt auf und schuf so eine der größten Erfolgsgeschichten, die es je in dieser Branche gegeben hatte.

John Grisham: „„Ich will, dass der Leser das Buch in die Hand nimmt und nicht mehr aufhört zu lesen““

Saliya Kahawatte –- Blind, und keiner hat es gemerkt

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Im Alter von 15 Jahren hielt Saliya Kahawatte gerade ein Referat in der Schule, als seine Aufzeichnungen plötzlich immer verschwommener wurden und er sie nicht mehr lesen konnte. Saliya Kahawatte war sehr beunruhigt, denn wenige Tage später konnte er kaum noch sehen. Die Diagnose des Arztes war niederschmetternd, denn es wurde eine akute Netzhautablösung festgestellt. Die Sehstärke von Saliya Kahawatte sank bald auf etwa 5 Prozent und ein grauer Schleier legte sich über seine Welt, ohne Chance auf eine Besserung. Bei einem Gespräch mit einem Behindertenvertreter wollte man ihn sofort in eine Blindenwerkstatt abschieben, denn man sagte ihm, dass er nicht weiter auf eine normale Schule gehen könnte. Aber Saliya Kahawatte wollte auf seiner Schule bleiben und unbedingt sein Abitur machen. Er traf den gewagten Entschluss, dass er es trotz seiner geringen Sehstärke versuchen wollte.

Saliya Kahawatte: „“Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann ziehe ich das durch““

Das unbeschwerte Leben von Saliya Kahawatte war schlagartig vorbei. Mit einer ungeheuerlichen Kraftanstrengung musste er nun den Alltag in der Schule bewältigen. Während andere Schüler sich ihre Notizen auf Zetteln schrieben, bewahrte er die Notizen in seinem Kopf auf. Ständig musste er wiederholen, was er im Unterricht hörte, um es nicht wieder zu vergessen. Am Abend ließ er sich von seiner Schwester oder seiner Mutter die Schulbücher vorlesen, da er diese nicht lesen konnte, um die Inhalte in seinem Kopf abzuspeichern. Trotz einiger abschätziger Kommentare in der Schule gegen ihn trainierte er sein Gehirn immer weiter, um das Gehörte besser abspeichern zu können. Saliya Kahawatte schaffte tatsächlich das Unmögliche und erarbeitete sich mit großer Willenskraft sein Abitur.

Für sein nächstes Vorhaben sagten ihm die Ärzte und die Behörden ein sicheres Scheitern voraus, Saliya Kahawatte blieb aber hartnäckig und begann eine Karriere in der Hotellerie. Er verheimlichte die Tatsache, dass er fast blind war, und konnte so eine Lehrstelle ergattern, die er vermutlich sonst nicht bekommen hätte. Aber nun stand er unter unheimlichem Druck, denn niemand durfte etwas von seiner Behinderung merken. Die Strapazen, die Saliya Kahawatte nun auf sich nehmen musste, waren unfassbar.

Saliya Kahawatte: „„Um eine Ausbildungsstätte im Hotel zu bekommen, musste ich meine Augenschwäche verschweigen““

Keiner ahnte, dass Saliya Kahawatte die Treppenstufen zählte, um ans Ziel zu kommen. Die Getränkekarte und die Preise lernte er auswendig, außerdem perfektionierte er seinen Hörsinn. Wie klang ein poliertes Weinglas im Vergleich zu einem unpolierten Weinglas? Mit viel Übung lernte er durch sein Gehör, den Wein genau bis zum Füllstrich einzuschenken. Am Abend blieb er länger, um den Weinkeller nach seinem eigenen System zu sortieren, am Morgen kam er früher um beim Eindecken der Tische die Finger zum Abmessen der Abstände verwenden zu können. Immer wieder ließ er sich neue Tricks einfallen, um wegen seiner Behinderung nicht aufzufallen. Saliya Kahawatte arbeitete sich so vom einfachen Kellner bis zum Restaurantleiter nach oben. Wenn eine Situation auftauchte, wo er nicht so schnell reagieren konnte, stellte er sich einfach dumm und begriffsstutzig. Aber der Druck stieg ständig weiter, ein kleiner Fehler würde genügen, und man würde seine Beeinträchtigung sofort bemerken.

 

Saliya Kahawatte: „„Obwohl ich meine Sicherheitsmechanismen entwickelt hatte, lagen meine Nerven permanent blank. Ich gewöhnte mich ans Lügen und habe mich selbst verleugnet““

Die anhaltenden körperlichen und seelischen Belastungen hatten bald negative Auswirkungen. Saliya Kahawatte griff immer öfter zu Alkohol und zu Drogen, um mit den Stresssituationen fertig zu werden. Zu dieser Zeit wurde auch noch ein Tumor in seinem Unterleib entdeckt, er besiegte den Krebs zwar durch eine anschließende Chemotherapie, dabei wurde aber seine Hüfte zerstört. Saliya Kahawatte erhielt ein künstliches Hüftgelenk und konnte zwar seine ursprüngliche Arbeit wieder aufnehmen, bekam aber bald Probleme mit seinem Hüftgelenk. Der Arzt teilte ihm mit, dass es Zeit für einen Bürojob wäre, dieser war aber für Saliya Kahawatte unmöglich zu bewältigen. Seine gesamte Zukunft stand nun auf dem Spiel und er versuchte, diesem Druck mit noch mehr Alkohol und Drogen zu entrinnen. Die psychische Belastung wurde bald so groß, dass Saliya Kahawatte einen totalen Zusammenbruch erlitt und er sich das Leben nehmen wollte.

Saliya Kahawatte kam einige Monate in die Psychiatrie, die vielen Jahre, wo er seine Behinderung verheimlichen musste und das darauffolgende Drogenproblem hatten ihn sehr unglücklich gemacht. Nun wollte er einen kompletten Neuanfang ohne Lügen wagen, doch mit seiner Offenheit bezüglich seiner Sehstörung und seinem künstlichen Hüftgelenk hagelte es nur Ablehnungen und niederschmetternde Bemerkungen. Man wollte Saliya Kahawatte wieder in eine Behinderteneinrichtung stecken, aber wieder setzte er sich zur Wehr. Gegen alle Widerstände begann er nun, Hotelbetriebswirtschaft zu studieren, er schaffte dies tatsächlich ohne Probleme und mit einem fantastischen Notendurchschnitt. Die Menschen bewunderten zwar die Leistung von Saliya Kahawatte, aber keine wollte ihm eine Arbeit geben, und so wurde er trotz bester Ausbildung arbeitslos.

Saliya Kahawatte ließ sich davon aber nicht unterkriegen und beschloss, sich trotz seiner Behinderung selbstständig zu machen. Seine neu gegründete Firma entwickelte sich so prächtig, dass er bald neue Mitarbeiter einstellen konnte, die ihm helfen konnten, wo er wegen seiner Sehbehinderung Nachteile hatte. Er war nun durch seine umfassende Erfahrung als Coach und Unternehmensberater tätig und bot verschiedenste Seminare an. Seine Kunden vertrauten ihm, denn an seiner Person sahen sie, dass man eine Krise für eine glückliche Wendung des eigenen Lebens nutzen konnte. Seinen Arbeitsalltag musste er natürlich wieder umstellen. Er hatte ein Programm, welches ihm die E-Mails vorlesen konnte oder ein spezielles Lesegerät, wo man Texte auf dem Bildschirm vergrößern konnte. Aber trotz seiner Sehbehinderung schaffte es Saliya Kahawatte, dass er seine Arbeit erfolgreich und zur vollsten Zufriedenheit seiner Kunden erledigen konnte.

Saliya Kahawatte hatte so viele Schicksalsschläge zu überwinden, dass viele Menschen daran zerbrochen wären. Er zeigte mit unfassbarem Willen, dass man mit viel Ehrgeiz, Ausdauer und Durchhaltevermögen alles im Leben erreichen kann. Er wurde zum Vorbild für viele behinderte Menschen, immer an sich selbst zu glauben und sich nicht durch Schlechtredner unterkriegen zu lassen.

Saliya Kahawatte: „“Meiner Erfahrung nach halten die meisten Leute Dinge, die sie nicht kennen, für unmöglich und beschränken sich selbst und andere dadurch““

Dietrich Mateschitz –- Die unglaubliche Erfolgsgeschichte von Red Bull

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Dietrich „Didi“ Mateschitz wurde am 20. Mai 1944 in Sankt Marein im Mürztal in der Steiermark (Österreich) geboren. Er schloss als mittelmäßiger Schüler die Schule ab und begann danach an der Wirtschaftsuniversität in Wien zu studieren. Auch als Student war Didi Mateschitz nicht sehr ehrgeizig, er absolvierte zwar erfolgreich sein Studium, benötigte dafür aber längere Zeit als vorgeschrieben. Er war nicht wirklich an der Theorie interessiert, sondern wollte in der Praxis seine eigenen Erfahrungen machen. Didi Mateschitz arbeitete danach als Handelsvertreter und war im Marketing für verschiedene Unternehmen tätig. Hier war er zwar sehr erfolgreich, aber trotz seines guten Verdienstes war er nicht glücklich.

Didi Mateschitz stand unter ständigem Terminstress und war viele Wochen im Jahr auf der ganzen Welt unterwegs. Die meiste Zeit verbrachte er im Flieger und auf Flughäfen, so hatte er sich sein Leben nicht vorgestellt. Immer wieder hatte er es mit den gleichen Menschen mit Anzug und Krawatte zu tun, es war immer der gleiche graue Alltag. Didi Mateschitz wollte mehr aus seinem Leben machen, er wollte selbstständig und vollkommen unabhängig von anderen Personen sein. Auf einer seinen zahlreichen Geschäftsreisen nach Asien erregte ein Artikel in einer Zeitschrift seine Aufmerksamkeit, wo die größten japanischen Steuerzahler aufgelistet waren. Zu seiner Überraschung standen keine Weltkonzerne wie Toyota oder Sony an der Spitze dieser Liste, sondern ein ihm völlig unbekannter Industriebetrieb, welcher Energydrinks verkaufte.

Didi Mateschitz war fasziniert von der Tatsache, dass man mit so einem einfachen Produkt größter Steuerzahler in Japan werden konnte, denn dahinter musste eine gigantische Gewinnspanne stecken. Von nun an begann er über Energiedrinks zu recherchieren. Die Idee von diesen Getränken mit dem Hauptbestandteil Taurin ging auf den Zweiten Weltkrieg zurück, wo Piloten aus Japan diese Getränke zur Verbesserung ihrer Sehleistung erhielten. Dies nutzte zwar nicht viel, jedoch waren schon wenige Jahre nach dem Krieg solche Energydrinks in Ostasien groß in Mode, da dem Inhaltsstoff Taurin eine belebende Wirkung nachgesagt wurde. Im asiatischen Markt wurden diese Energiedrinks vor allem auch von Lastwagenfahrern getrunken, um längere Fahrten ohne Schlaf zu überstehen. So beliebt diese Energiedrinks in Asien waren, so unbekannt waren sie in Europa. Didi Mateschitz erkannte diese Marktlücke und sah auch zum ersten Mal die Möglichkeit, sein erstes eigenes Geschäft zu gründen.

Nach umgehender Marktbeobachtung und unzähligen Verkostungen dieser Energydrinks war der Zeitpunkt für Didi Mateschitz nun gekommen, seine Idee umzusetzen. 1984, im Alter von 40 Jahren, gründete er gemeinsam mit thailändischen Partnern das Unternehmen „Red Bull“. Didi Mateschitz kündigte seinen gut bezahlten Job, um sich nun voll und ganz auf seine Geschäftsidee zu konzentrieren. In zahlreichen Laborversuchen musste die Rezeptur an den westlichen Geschmack angepasst werden und es musste vor allem die strenge Lebensmittelbehörde überzeugt werden. Der wichtigste Punkt für Didi Mateschitz war jedoch die Marketingstrategie. Wie besessen feilte er an einem passenden Werbeslogan und am Design der Dose. Zusätzlich hatte er mit vielen Widerständen zu kämpfen, denn von seiner Idee waren nur wenige Menschen überzeugt.

Didi Mateschitz: „„Es gibt keinen bestehenden Markt für Red Bull. Aber Red Bull wird ihn schaffen““

Die meisten Freunde und alle Marketingexperten rieten ihm von seiner Idee ab. Der süße Energydrink sah unappetitlich aus und verursachte einen widerwärtigen klebrigen Geschmack im Mund. Der Aspekt, dass das Getränk Geist und Körper anregen sollte, war für die Experten vollkommen bedeutungslos. Sie gaben Didi Mateschitz nicht den Funken einer Chance, mit seinem neuen Energydrink in einem bereits hart umkämpften Getränkemarkt Erfolg zu haben. Aber Didi Mateschitz ließ sich von diesen Aussagen nicht unterkriegen und glaubte weiterhin an Red Bull und seinem Energydrink. Nach drei Jahren unzähliger Tests und harter Arbeit war der richtige Zeitpunkt gekommen und der erste Energydrink wurde 1987 auf dem österreichischen Markt eingeführt. Unter dem Slogan „Red Bull verleiht Flügel“ versuchte Didi Mateschitz die Menschen von seinem neuartigen Getränk zu überzeugen.

Schon von Beginn an setzte Didi Mateschitz fast sein gesamtes Erspartes ein, um es für Werbung für sein Produkt auszugeben. Er wusste, dass er Erfolg haben musste, denn zu viel Zeit und Energie hatte er für dieses Projekt schon investiert. Die Konkurrenz nahm Didi Mateschitz mit seinem eigenwilligen Getränk nicht ernst, sie hielten es nur für eine kurze Modeerscheinung, welches sich nicht längerfristig am Markt halten konnte, zudem kostete es um ein Vielfaches mehr als herkömmliche Getränke. Aber sie sollten die Kreativität und die Genialität von Didi Mateschitz unterschätzen, der mit einem eigenwilligen Konzept die Marke Red Bull etablieren wollte.

Didi Mateschitz: „„Red Bull ist nicht bloß ein Getränk. Es ist eine Philosophie““

Um gegen die übermächtigen Konkurrenten zu bestehen, dachte sich Didi Mateschitz immer wieder neue Marketingstrategien aus. Es wurden viele erfolgreiche Sportler und auch Extrem- und Trendsportarten unterstützt. Fallschirmspringer, Mountainbiker oder Snowboarder waren Helden in ihren Szenen und Draufgänger, die durchgeknallt die Grenzen des Möglichen ausloteten, dies passte genau zum Image von Red Bull. Zudem engagierte sich Red Bull im Motorsport, Fußball oder Eishockey und man dachte sich immer neue Möglichkeiten aus, die Marke Red Bull zu verbessern. Durch diese konsequenten Marketingaktivitäten erlangte Red Bull bald einen sehr hohen Bekanntheitsgrad und immer mehr Menschen tranken diesen Energydrink. Didi Mateschitz baute sein Unternehmen in den folgenden Jahren mit harter Arbeit weiter auf, und dies sehr erfolgreich.

Red Bull entwickelte sich zu einer der bekanntesten Marke weltweit und stieg zum unumstrittenen Marktführer für Energydrinks auf. Milliarden von Dosen von Red Bull wurden jährlich verkauft und der Umsatz stieg immer weiter. Innerhalb einer Stunde wurden mittlerweile so viele Getränkedosen abgefüllt wie im gesamten ersten Jahr bei der Markteinführung.

Didi Mateschitz hatte es geschafft, er baute im Alleingang innerhalb weniger Jahre einen international agierenden Konzern auf. Er entdeckte eine Marktlücke mit den Energydrinks und entwickelte dazu eines der besten Marketingprogramme der Welt. Er kündigte mit viel Risiko seinen Job um seine Vision von Red Bull zu verwirklichen und schaffte es gegen alle kritischen Stimmen, eine völlig neue Getränkemarke einzuführen. Didi Mateschitz stieg dadurch zum Milliardär auf, er erreichte dies durch seine Zielstrebigkeit, seinem Durchhaltevermögen und seinem hartnäckigen Willen für den Erfolg.

Lionel Messi –- Der Floh, der zum Fußballstar aufstieg

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Lionel Messi wurde am 24. Juni 1987 in der Stadt Rosario in Argentinien geboren. Als er als kleines Kind zum Geburtstag einen Ball geschenkt bekam, war es um ihn geschehen, von nun an spielte er jede freie Minute damit. Als der kleine Lionel einmal sah, wie sein Vater mit seinen älteren Brüdern auf der Straße Fußball spielte, wollte er unbedingt mitspielen. Schnell brachte er alle zum Staunen, denn es war einfach unglaublich, was der schmächtige Lionel alles mit dem Ball anstellen konnte, obwohl er vorher noch nie richtig Fußball gespielt hatte. So durfte das Ausnahmetalent schon mit fünf Jahren seinem ersten Fußballverein „Grandoli FC“ beitreten und dort das Training besuchen. Rasch entwickelte sich der talentierte Lionel weiter und wechselte im Alter von acht Jahren in den Nachwuchsbereich des Traditionsvereines „Newell’s Old Boys“.

Lionel Messi war zwar körperlich seinen gleichaltrigen Kollegen unterlegen, diesen Nachteil glich er aber durch seine unbeschreibliche fußballerische Fertigkeit wieder aus. Er hatte einen so explosiven Antritt und eine so perfekte Ballführung, dass er oft nur mit unfairen Mitteln zu stoppen war. Obwohl er immer wieder mit brutaler Härte gefoult wurde, blieb Lionel Messi immer besonnen und spielte ruhig weiter. Er bestrafte die gegnerische Mannschaft dann immer mit vielen Toren. Doch der rasante Aufstieg eines hochtalentierten Fußballers sollte schon bald durch eine niederschmetternde Nachricht erschüttert werden.

Lionel Messi: „„Als ich meine Eltern immer öfter weinen sah, wusste ich, dass etwas nicht stimmt““

Durch eine hormonell bedingte Störung wurde bei Lionel Messi eine seltene Form von Kleinwüchsigkeit festgestellt. Mit 13 Jahren war er nicht einmal 1,40 Meter groß, und diese Diagnose war ein Schock. Durch diesen Stillstand des Wachstums war seine Fußballerkarriere gefährdet, denn im Profifußball hatte man mit dem Körper eines Kindes keine Chance. Die teure Hormontherapie von etwa 900 Dollar im Monat konnte sich die Familie nicht leisten und auch die vielen Vereine, die Lionel Messi bereits verpflichten wollten, sprangen plötzlich ab. Keiner wollte die hohen Behandlungskosten für einen Jugendlichen mit einer so geringen Körpergröße übernehmen. Der Vater, welcher ein einfacher Arbeiter war, sah keine guten Aussichten mehr in Argentinien aufgrund der aktuellen Wirtschaftskrise. Er konnte das Geld einfach nicht verdienen, welches sein Sohn so dringend benötigte, und musste daher er eine schwere Entscheidung treffen.

Die Familie riskierte alles und beschloss, nach Spanien auszuwandern. In der Stadt Barcelona sollte ein Neuanfang gestartet werden, und auch Lionel Messi versuchte, weiter an seiner Karriere als Fußballer zu arbeiten. Trotz seiner geringen Körpergröße stellte er sich beim großen Fußballclub FC Barcelona vor und schaffte es, an einem Probetraining teilzunehmen. Lionel Messi gab alles, um die Jugendtrainer von seinem Talent zu überzeugen. Er wusste, dass er nicht mehr viele Chancen erhalten würde, um den Traum von einem großen Fußballstar verwirklichen zu können. Obwohl Lionel Messi einen Kopf kleiner war als alle seine Mitspieler, legte er eine so hohe Spielkultur an den Tag, dass es seine Gegenspieler kaum glauben konnten. Denn keiner schaffte es, den schnellen und quirligen Lionel Messi vom Ball zu trennen oder ihn irgendwie daran zu hindern, Tore zu schießen. So ein großes Talent hatte es schon lange nicht mehr gegeben in der traditionellen Nachwuchsabteilung des FC Barcelona.

Die Jugendtrainer waren so begeistert von Lionel Messi, dass sie ihm sofort einen Vertrag anboten. Außerdem übernahm der Verein die hohen Therapiekosten, weil man von diesem Ausnahmetalent einfach überzeugt war. Für Lionel Messi erfüllte sich nun ein großer Traum, denn von nun an konnte er in einer der besten Nachwuchsabteilung der Welt Fußball spielen. Aber er hatte noch die Hormonbehandlung zu überstehen, welche sehr schmerzhaft war. Jeden Tag musste er sich eine Spritze in jedes Bein setzen, um das Wachstum zu beschleunigen. Während Lionel Messi mit seinen Kameraden jede freie Minute für eine erfolgreiche Fußballkarriere schuftete, bekam keiner seine wirklichen Qualen mit. Das Wachstum beschleunigte sich durch die Hormonbehandlung in kurzer Zeit sehr stark, wofür der Körper eigentlich mehrere Jahre brauchte. Die Muskeln schmerzten und fühlten sich an, als müssten sie platzen. Lionel Messi hatte viele Tiefpunkte zu überwinden, wofür er mit Unterstützung der Familie viel Geduld aufbringen musste.

Lionel Messi: „„Ich habe sehr viel geweint““

Aber Lionel Messi kämpfte verbissen weiter, er glaubte an sein Talent als Fußballer und wollte alles dafür tun, um erfolgreich zu sein. Beharrlich gab er sich jeden Tag seine Hormonspritzen, trotz der Quälerei schlug die Therapie erfolgreich an. Lionel Messi wuchs Zentimeter um Zentimeter, und von Monat zu Monat wurde Lionel Messi besser als Fußballer. Er entwickelte sich immer mehr zu einem kompletten Spieler, er zählte bereits mit Abstand zu den größten Talenten im gesamten Nachwuchsbereich des FC Barcelona. Am 16. Oktober 2004 erfüllte sich sein langersehnter Traum, im Alter von 17 Jahren bestritt er sein erstes Spiel in der Kampfmannschaft des FC Barcelona. Durch sein hohes Tempo mit dem Ball und seinen Dribblings stieg er schnell zum Stammspieler und zu einem der besten Fußballer weltweit auf.

Lionel Messi gewann in den folgenden Jahren mit dem FC Barcelona viele große Meisterschaften, wurde Pokal Sieger und gewann zudem die UEFA Champions League. Er wurde Weltfußballer des Jahres und erhielt für seine außergewöhnlichen Fußballerqualitäten zahlreiche wichtige Auszeichnungen.

Die Erfolge hatte sich Lionel Messi mit dem Spitznamen „La Pulga“ („Der Floh“) hart erarbeiten müssen. Er hatte sein Ziel von einem erfolgreichen Fußballprofi immer vor Augen und hatte sich trotz der jahrelangen und schmerzhaften Hormonbehandlung nie unterkriegen lassen. Seine Ausdauer und seine unerschütterliche Entschlossenheit waren seine wichtigsten Säulen für den späteren Aufstieg zum absoluten Fußballstar. So wurde er zum Vorbild für junge Fußballer auf der ganzen Welt, denn um erfolgreich zu sein muss man hart arbeiten und immer an seine Ziele glauben.

Lionel Messi: „“Ich habe immer alles dafür getan, meinen Traum zu verwirklichen und Fußballprofi zu werden““

Fanny Blankers-Koen – Von der Hausfrau zur Olympiasiegerin

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Fanny Blankers-Koen wurde am 26. April 1918 in der Nähe von Amsterdam (Niederlande) geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Schon in jungen Jahren staunte ihr Vater immer wieder über seine talentierte Tochter, die sportlich sehr begabt war und ihre Brüder diesbezüglich klar in den Schatten stellte. Und so schickte sie ihr damaliger Sportlehrer zur Leichtathletik, wo Fanny Blankers-Koen bald sehr erfolgreich war.

Im Alter von 18 Jahren nahm sie an ihren ersten Olympischen Spielen teil. Sie gewann zwar keine Medaille, erreichte aber trotzdem sehr gute Platzierungen. In den folgenden Jahren wurde es sehr ruhig um die talentierte Läuferin, denn aufgrund des Weltkrieges wurden die Olympischen Spiele zwei Mal in Folge abgesagt. Fanny Blankers-Koen heiratete zwischenzeitlich ihren Trainer und bekam zwei Kinder mit ihm. Sie war nun Hausfrau und Mutter, trotzdem versuchte sie nebenbei ihrer großen Leidenschaft nachzugehen. Mit Erfolg, denn 1946 gewann sie bei den Europameisterschaften zwei Goldmedaillen im 80 Meter Hürdenlauf und mit der 4×100-Meter-Staffel.

Als Fanny Blankers-Koen ankündigte, an den Olympischen Spielen 1948 in London teilnehmen zu wollen, begannen fürchterliche Anfeindungen gegen sie. In der damaligen Zeit grenzte es für viele Menschen an Vernachlässigung, wenn Mütter nicht rund um die Uhr für ihre Kinder da waren. Sie bekam viele böse Briefe von Leuten, die es nicht verstanden, dass Mütter trotz Kindes auch ihre eigenen Interessen verfolgten. Fanny Blankers-Koen war einer regelreichten Hetzkampagne gegen sich ausgesetzt, ein Journalist forderte sogar in einem Artikel, dass sie auf ihre Olympiateilnahme verzichten sollte und sich stattdessen um ihre Familie kümmern sollte, denn schließlich war sie mit ihren 30 Jahren auch schon zu alt, um Erfolg zu haben. Fanny Blankers-Koen trafen diese Anschuldigungen schwer, denn die Menschen sahen nicht, dass sie trotz des Sports eine sehr gute Mutter war und die Kinder die meiste Zeit bei ihr waren. Aber sie hatte einen starken Willen und wollte es allen sogenannten Besserwissern zeigen.

Da sie sich keinen Babysitter leisten konnte, waren ihre beiden Kinder beim Training immer dabei. Während sie ihre Runden lief und fleißig trainierte, spielten die Kinder in der Weitsprunggrube, die aus Sand bestand. Unterstützt wurde Fanny Blankers-Koen ständig von ihrem Mann und Trainer, der immer an ihrer Seite war. Als sie 1948 zu den Olympischen Spielen nach London anreiste, war sie zwar in guter Form, wurde aber immer noch belächelt, da sie schon zweifache Mutter und auch nicht mehr die Jüngste war. Niemand glaubte daran, dass eine einfache Hausfrau mit zwei Kindern erfolgreich sein könnte, aber Fanny Blankers-Koen spornte dies nur umso mehr an, denn sie wollte den Menschen das Gegenteil beweisen.

Die Olympischen Spiele in London sollten zum absoluten Höhepunkt ihrer Karriere werden. Die Hausfrau und Mutter zeigte es allen Kritikern und holte sich gleich in drei Bewerben die Goldmedaille (100 Meter, 200 Meter, 80 Meter Hürden). Im letzten Bewerb, dem Staffel-Finale (4×100-Meter), kam sie beinahe zu spät, da sie in einem Kaufhaus billige Badetücher für ihre Familie entdeckt hatte. Und so stellte sie sich in der Schlange an, obwohl alle bereits auf sie warteten.

Fanny Blankers-Koen: „„In einem Kaufhaus hatte ich sehr schöne und dazu noch billige Badetücher entdeckt. Sie müssen wissen, damals nach dem Krieg gab es das alles nicht so einfach. Also stellte ich mich an““

Erst im letzten Moment schaffte sie es doch noch zum Start, aber die niederländische Staffel lag schnell weit zurück. Doch die verschmähte Hausfrau Fanny Blankers-Koen setzte zu einem unglaublichen Schlusssprint an, überholte noch die Führende, und erreichte tatsächlich noch die für sie bereits vierte Goldmedaille. Die Sensation war perfekt, die Zeitungen überschlugen sich mit Meldungen von der zweifachen Mutter und Hausfrau, die vier Goldmedaillen bei Olympia gewinnen konnte. Nach ihrer Rückkehr wurde sie von einer jubelnden Menschenmasse empfangen, mit einem Schlag waren alle Anfeindungen gegen sie vergessen. Am Tag darauf war sie wieder Mutter und Hausfrau, und kümmerte sich liebevoll um ihre Kinder.

Fanny Blankers-Koen gewann noch viele weitere Titel und stellte viele weitere Weltrekorde auf. Sie erhielt den Spitznamen „Die fliegende Hausfrau“ und wurde unter diesem Titel auf der ganzen Welt bekannt. Als sie ihre Karriere beendete, war sie ein absoluter Superstar in der Leichtathletik.

Fanny Blankers-Koen stellte sich im Alleingang gegen die damalige Gesellschaft und bewies, dass entgegen der vorherrschenden Meinung Mütter durchaus erfolgreiche Sportlerinnen sein konnten. Sie gab vielen Frauen und Müttern in den folgenden Jahren den Mut, zu ihren Überzeugungen zu stehen, und wurde so Vorreiterin für den Frauensport auf der ganzen Welt.

Fanny Blankers-Koen starb am 25. Januar 2004 im Alter von 85 Jahren. Vom internationalen Sportverband wurde sie zur „Leichtathletin des Jahrhunderts“ gewählt.

 

Quentin Tarantino -– Vom Schulabbrecher zum Kultregisseur

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Quentin Tarantino wurde am 27. März 1963 in Knoxville, Tennessee (USA) geboren. Die Eltern trennten sich kurz nach seiner Geburt, und so übersiedelte seine Mutter mit ihm nach Los Angeles, wo sie ihn alleine großzog. Schon als Kind galt seine große Leidenschaft dem Film, seine Freizeit verbrachte er aus diesem Grund überwiegend in kleinen Vorstadtkinos im Süden von Los Angeles. In der Schule hingegen tat sich Quentin als Legastheniker sehr schwer, obwohl er als hochintelligentes Kind galt. Umso mehr flüchtete er sich in seine geliebte Welt bestehend aus Fernsehen, Kino und Comics. Im Alter von 15 Jahren brach er die gehasste Schule ab, um sich voll und ganz seiner Leidenschaft zu widmen und nahm Schauspielunterricht. Quentin musste nun kleinere Nebenjobs annehmen, um sich über Wasser zu halten. Darunter war auch ein Job in einem Pornokino, wo er als Platzanweiser und Kartenabreißer tätig war.

Mittlerweile hatte er sich durch seine Filmleidenschaft ein so umfangreiches Filmwissen angeeignet, dass er einen Job in einer bekannten Videothek ergattern konnte. Dort konnte er nun den ganzen Tag Filme betrachten und hatte Leute mit den gleichen Interessen um sich. Quentin erkannte, dass sein Platz eher hinter der Kamera war und begann, Drehbücher zu schreiben. Bald hatte er sein erstes Drehbuch „The Open Road“ fertig. Da das Drehbuch mit über 500 Seiten viel zu lange ausfiel, halbierte er es in die Filme „True Romance“ und „Natural Born Killers“. Aber Hollywood zeigte kein Interesse an seinen Ideen und Quentin Tarantino versuchte es immer wieder vergeblich, Investoren für seine Filme zu finden.

Trotz dieser Misserfolge gab Quentin Tarantino nicht auf und versuchte seinen nächsten Film, „Reservoir Dogs“ selbst zu produzieren, er war Drehbuchautor, Regisseur und Darsteller zugleich. Ohne je eine richtige Filmschule besucht zu haben, schaffte er es durch sein Talent, seinen ersten Film mit Hilfe von einigen wenigen Unterstützern tatsächlich fertigzustellen. Als 1992 „Reservoir Dogs“ veröffentlicht wurde, überschlugen sich die Kritiker vor Begeisterung. Praktisch über Nacht wurde der Regisseur Quentin Tarantino bekannt und für seine bereits geschriebenen Drehbücher fanden sich plötzlich blitzschnell Abnehmer. Mit seinem zweiten Film sollte er endgültig zum Kultregisseur aufsteigen: „Pulp Fiction“ schlug weltweit ein wie eine Bombe. Trotz bescheidener Mittel wurde dieser Film ein fantastischer Erfolg und brachte ihm zahlreiche Oscar-Nominierungen ein. Quentin Tarantino orientierte sich nicht an anderen Regisseuren, sondern ging beherzt seinen für ihn richtigen Weg, und dieser Mut wurde belohnt.

 

Quentin Tarantino: „“Ich bin Künstler, meine Kunst ist das Kino. Was ich über Filme weiß, habe ich mir selbst beigebracht““

Quentin Tarantino besuchte nie eine Filmschule für Regisseure, er brach die Schule ab und verdiente sich sein Geld mit minderwertigen Jobs, für die er sich nie zu schade war. Aber trotz allem glaubte er immer an seine Stärken und ging immer seiner großen Leidenschaft, dem Film, nach. Und diese Entschlossenheit und Beharrlichkeit waren es auch, die ihm zum großen Durchbruch verhalfen. Es folgten weiter Filme wie „From Dusk Till Dawn“, „Kill Bill“ oder „Inglourious Basterds“. Sein umfangreiches Filmwissen durch seine Tätigkeit als Videothekar sind bis heute Inspiration für seine Filme und machen Quentin Tarantino einzigartig in der Welt der Filmregisseure.

Quentin Tarantino: „„Meine ganze Karriere basiert auf Mut. Ich mache nicht Filme für den Augenblick. Ich mache Kino für die nächsten 40 Jahre““

Sarah Neef – Die gehörlose Ballett-Tänzerin

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Als Sarah Neef 1981 zur Welt kam, traten Komplikationen auf. Wahrscheinlich führte ein Sauerstoffmangel dazu, dass sie gehörlos geboren wurde. Man hätte ihr damals noch helfen können, aber die Gehörlosigkeit wurde viel zu spät von den Ärzten entdeckt, weshalb es keine Heilungschancen mehr gab. Die Eltern waren geschockt, jedoch wollten sie das Beste für ihre Tochter. Sie brachten sie in die Schweiz zur bekannten Audiopädagogin Susann Schmid-Giovannini, dort sollte sie nicht die Gebärdensprache (Handzeichen und Mimik) lernen, sondern ihr wurde das natürliche Sprechen vermittelt. Sarah Neef machte schnell erstaunliche Fortschritte, neben dem Sprechen lernte sie außerdem, ihren Gesprächspartnern jedes Wort von den Lippen abzulesen.

Aber durch ihre Behinderung musste sie bald einsehen, dass sie immer wieder benachteiligt wurde. In der Schule befürchteten die anderen Elternteile, Sarah würde die anderen Kinder in ihrer Entwicklung aufhalten, diese ablehnende Haltung der Eltern übertrug sich auch auf die Kinder, weshalb sie kaum Freunde hatte. Aber Sarah Neef kämpfte sich als Außenseiterin durch die Schulzeit und hatte trotz ihrer Behinderung immer beste Noten. Sie beschloss, Psychologie zu studieren, obwohl ihr die damaligen Lehrer dies auszureden versuchten, aufgrund ihrer Behinderung sollte sie einfach zurückstecken im Leben. Aber Sarah hörte nicht auf sie und meldete sich für das Studium an. Dort musste sie immer in der ersten Reihe sitzen, damit sie die Lippen des Dozenten lesen konnte, was sehr anstrengend war, weil sie immer hochkonzentriert sein musste. Wenn der Vortragende ihr den Rücken zukehrte, verlor sie immer wieder den Faden. Bei Gruppendiskussionen hatte sie sowieso keine Chance, etwas zu verstehen. Aber Sarah hatte einen starken Willen und viel Kraft, ihr Studium durchzustehen. Unterstützt wurde sich auch von Freunden, die ihr mit vielen Mitschriften aushalfen.

Sarah Neef: „„Viele Dinge sind ein wenig schwerer für mich, aber deswegen kapituliere ich nicht schon von vornherein““

Die große Leidenschaft gehörte aber der Musik und dem Tanz. Bei einem Opernbesuch in sehr jungen Jahren war sie so fasziniert, dass sie unbedingt Tänzerin werden wollte. Und auch die Audiopädagogin von ihr, Susann Schmid-Giovannini überzeugte sie mit den Worten: „Musik kann man nicht nur hören, man kann sie auch fühlen.“ Die Begeisterung von Sarah sollte bald einen Rückschlag erhalten, denn die Ballettschule wollte sie nicht aufnehmen. Aber die Eltern blieben hartnäckig und Sarah wurde schließlich aufgenommen, auch, weil die Eltern aufgrund ihrer Behinderung die doppelte Kursgebühr bezahlen mussten. Sarah hatte einen sehr sensiblen Körper, zwar hörte sie die Musik nicht, aber sie spürte sie am Körper. Die tiefen Laute spürte sie an den Beinen und Fußsohlen, die höheren Töne in der Kehle, auf den Lippen, den Händen, den Innenseiten der Arme, im Nacken und auf der Brust. Sie entwickelte ihr Gespür für Musik so weit aus, dass man als Fremder ihre Behinderung nicht bemerkte, so talentiert war sie.

Sarah Neef: „„Wenn ich tanze, vergesse ich die Welt. Ich nehme die Musik über meinen Körper auf, empfange die Vibrationen und Schwingungen der Klänge über die feinen Härchen auf der Haut. Vor einem neuen Tanz studiere ich genau die Noten und spiele sie immer wieder auf dem Klavier, bis sie in mir abgespeichert sind, die Bewegungen setzen dann ganz automatisch ein““

Sarah Neff hat es allen gezeigt. Das Abitur hat sie mit der Note 1,9 bestanden, ihr Studium mit der Note 1,6. Zusätzlich hat sie noch den Scheffelpreis in Deutsch und den Humanismuspreis in Latein abgeräumt. Sie ist Schriftstellerin, spricht fünf Sprachen fließend, obwohl sie ihre Gesprächspartner nicht hören kann. Sie spielt drei Musikinstrumente und tanzt in einem professionellen Ensemble. Sarah Neef ist seit ihrer Geburt gehörlos und hat in ihrem Leben trotzdem mehr erreicht als so mancher Mensch ohne Behinderung. Sie will gehörlosen Menschen Mut machen, ihren Weg zu gehen, sie will ihnen zeigen was alles machbar ist, wenn man bereit ist, Hindernisse zu überwinden.

Sarah Neef: „„Ich hadere nicht mit dem Schicksal. Ich habe gelernt, zu meinem Leben ja zu sagen, so wie es ist. Es gibt immer Hoffnung, jeder kann sich seine Träume erfüllen““