Daphne Sheldrick – Die Mutter der Elefanten

„Lesezeit: ca. 4 Minuten“

In Afrika spielen sich jährlich schreckliche Szenen ab. Zehntausende Elefanten werden grausam abgeschlachtet, nur um an ihr Elfenbein zu kommen. Die Wilderei floriert, denn der Handel mit den Stoßzähnen ist noch nie so profitabel gewesen. Vor allem in Asien gilt Elfenbein als Luxusprodukt und wird als Statussymbol und finanzielle Anlage gekauft. Die Population der Elefanten ist deshalb stark im Sinken, ohne wirkliche Hoffnung auf Besserung. Eine mutige Frau in Kenia (Afrika) kämpft für das Überleben der Dickhäuter: Daphne Sheldrick.

Daphne Sheldrick: „Elefanten gleichen dem Menschen in emotionaler Hinsicht. Sie sind extrem mitfühlende Wesen und empfinden Freude, Glück und Traurigkeit“

Daphne Sheldrick wurde am 04. Juni 1934 geboren und wuchs auf einer Farm in Kenia mit zahlreichen Wildtieren auf. Gemeinsam mit ihrem Mann arbeitete sie später im Tsavo-East-Nationalpark, dem größten Nationalpark in Kenia. Zusammen bauten sie den Park auf und kümmerten sich um hilflose Tiere. Besonders verwaiste Elefantenbabys hatten es ihnen angetan und boten ihnen ein neues Zuhause. Denn ohne ihre Eltern, die meistens Opfer von brutalen Wilderern geworden sind, hatten sie so gut wie keine Überlebenschance. In kürzester Zeit würden sie verhungern oder Beute von irgendwelchen Raubtieren werden.

Daphne Sheldrick: „Bei Elefanten erntet man was man sät. Behandelt man sie gut, erwidern sie dies mit Liebe. Ist man grausam zu ihnen, dann mit Aggression. Sie reagieren besonders empfindlich auf Berührungen und können selbst die Berührung einer Feder spüren“

Da die Elefantenbabys keine Kuhmilch als Ersatznahrung vertragen, war es lange Zeit nicht möglich, sie am Leben zu erhalten. Daphne Sheldrick ließ sich davon aber nicht entmutigen und forschte so lange, bis sie eine spezielle Milchmischung gefunden hatte, die die Jungtiere auch annahmen. So schaffte sie es, auch den kleinsten Elefanten wieder überlebenswichtige Nahrung zuzuführen. Nach dem Tod ihres Mannes zog Daphne Sheldrick direkt in den Nationalpark, wo sie eine spezielle Aufzuchtstation für Elefanten gründete.

Daphne Sheldrick: „Junge Elefanten sind die ersten 3 Jahre ihres Lebens von der Milch abhängig und können nicht ohne sie überleben“

Daphne Sheldrick begleitet traurige und traumatisierte Elefantenbabys, die den Schock über den Verlust der Familie hautnah miterleben mussten. Da Elefanten einen sehr ausgeprägten Familiensinn und Verständnis für den Tod haben, kann die Trauerphase mehrere Monate anhalten. Während dieser Zeit werden sie rund um die Uhr von Pflegern betreut. Nur mit viel Liebe und Mitgefühl schöpfen die kleinen Elefanten wieder Vertrauen und können anschließend langsam wieder ausgewildert werden. Sogar seit langer Zeit ausgewilderte Elefanten kommen immer wieder zurück, um die Menschen zu begrüßen, die ihnen geholfen haben. Denn Elefanten vergessen nie.

Daphne Sheldrick: „Elefanten haben ein Verantwortungsgefühl, kümmern sich um ihre Jungen und verfügen über ein Verständnis für Unrecht und Spaß. Sie haben eine beinahe mysteriöse Auffassungsgabe, die die menschliche Interpretation übersteigt“

Heute ist das Elefantenwaisenhaus die weltweit erfolgreichste Rettungs- und Auswilderungsstation für junge Elefanten. Daphne Sheldrick gilt als die „Mutter der Elefanten“ und wird international als absolute Expertin geschätzt. Durch ihr unermüdliches Engagement setzt sie im Alleingang ein weltweites Ausrufezeichen gegen die Wilderei und schuf ein neues Bewusstsein für Elefanten in Not. Im Jahr 2006 erhielt sie von Königin Elisabeth II einen britischen Verdienstorden („Order of the British Empire“), das erste Mal in Kenia seit der Unabhängigkeit 1963.

Daphne Sheldrick: „Die Korruption muss aufhören, sie ist allgegenwärtig in Afrika und weltweiter Elfenbeinhandel muss verboten werden. Elefanten haben es verdient, liebevoll behandelt zu werden“

Einzelnachweise (abgerufen am 21.09.2016):

1. www.peta.de – Dr. Daphne Sheldrick, Interview

2. wwf.de – Stoppt das Mordsgeschäft: Gemeinsam gegen die Wildtiermafia

3. www.bewusst-vegan-froh.de – Diese Frau rettet Elefanten

Amandus Meichtry – Das Tandem-Fahrrad für Menschen mit Behinderung

Lesezeit: ca. 1 Minute

1991 gründet der Schweizer Amandus Meichtry mit einer befreundeten Familie den Verein „Tandem91“. Hier kümmert man sich um Spezialfahrräder, welche dann an Alters- und Behindertenheime verliehen werden. Dank dieser Tandems können vor allem Behinderte und Senioren bei Ausflügen mitmachen, von denen sie sonst ausgeschlossen sind.

Startete Amandus Meichtry am Anfang noch mit 2 Fahrrädern, sind es heute mehr als 80 mit unterschiedlichsten Möglichkeiten. Bei manchen Modellen kann man nebeneinander sitzen, bei anderen kann sogar ein ganzer Rollstuhl aufgeladen werden. Der Verein schafft es zudem, dass man die teuren Spezialräder kostenlos verleihen kann. Anfallende Reparaturen werden ehrenamtlich erledigt, sonstige Fixkosten werden durch Mitgliedsbeiträge abgedeckt und neue Fahrräder mit Unterstützung von Sponsoren angeschafft.

Amandus Meichtry ist häufig auch selbst unterwegs, um in die Pedale der Tandems zu treten. Vielen benachteiligten Menschen wird damit eine nicht zu erwartende und neue Lebensqualität ermöglicht. Es wird von Gehbehinderten und Blinden sehr geschätzt, zudem wird es ebenfalls als Therapierad eingesetzt.

Amandus Meichtry macht die Welt durch seinen unermüdlichen Einsatz zu einem besseren Ort und viele Menschen damit sehr, sehr glücklich.

Einzelnachweise (abgerufen am 10.12.2015):
1. www.srf.ch – Amandus Meichtry fährt Tandem für Menschen mit Behinderung
2. www.donaci.ch – Tandem91 – Pedalo für Fahrten mit Behinderten und Betagten

Die Schildkröte mit der speziellen Beinprothese

Lesezeit: ca. 2 Minuten

Als die Chefin der Tierhilfsorganisation Neuried (Deutschland) zu einem Einsatz gerufen wird, kann sie es kaum fassen. In ihren Händen hält sie eine kleine griechische Landschildkröte, welche dem Tod näher ist als dem Leben. Ihr fehlt das rechte Vorderbein und sie ist noch dazu stark abgemagert. Da von dem Besitzer jede Spur fehlt, bringt sie das verletzte Tier sofort in eine Tierklinik.

Anstatt des rechten Vorderbeines sieht man nur einen schwarzen Stumpf und einen eingetrockneten Knochen, wo sich bereits Maden tummeln. Unter Narkose wird der Schildkröte die Wunde gereinigt und zugenäht. Die schlimmsten Augenblicke hat das Tier nun überstanden, doch wie soll es wieder mobil werden mit nur drei Beinen? Da es in diesem Bereich noch keine Prothesen gibt, ist die Schildkröte ihrem Schicksal hilflos ausgeliefert. Doch plötzlich kommt wie aus dem Nichts die rettende Idee.

Die fünfjährige Tochter der Sprechstundenhilfe spielt gerade mit Bauteilen von ihrem Lego-Spielzeug. Der Tierarzt erbettelt sich eine kleine Spende für die behinderte Schildkröte und er bekommt sogar ein zusätzliches Ersatzteil geschenkt. Der Schildkröte wird nun ein Rad aus dem Lego-Sortiment als Prothese befestigt. Das Lego-Bauteil wird einfach mit einem speziellen Kleber auf die Unterseite des Panzers geklebt, denn Bohren wäre nur eine zusätzliche Infektionsquelle und zu gefährlich.

Die Schildkröte nimmt den neuen fahrbaren Untersatz sofort an und ihr geht es von Tag zu Tag besser. Sie hat nicht nur schwer verletzt überlebt, sondern hat tatsächlich an neuer Lebensqualität dazugewonnen. Die Lösungen für unsere Probleme liegen manchmal direkt vor unseren Augen. Wie zum Beispiel in einem simplen Lego-Baukasten.


Foto von Ulrike Derndinger

Einzelnachweise (abgerufen am 18.11.2015):
1. rp-online.de – Schildkröte dank Lego-Prothese wieder flott unterwegs
2. badische-zeitung.de – Beinamputierte Schildkröte rollt auf Lego-Prothese

Der gutherzige Obdachlose

Lesezeit: ca. 2 Minuten

Preston, eine Stadt in Nordwesten Englands. Es ist Winter und bitterkalt. Eine junge Studentin steht allein vor einem Geldautomaten und will Geld abheben. Plötzlich stellt sie zum Entsetzen fest, dass sie ihre Bankkarte verloren hat. Wie soll sie jetzt das Taxi bezahlen?

Unerwartet bot ein Mann an, ihr das Geld für die Taxifahrt zu geben. Er beharrt darauf, der jungen Frau sein letztes Kleingeld von etwas drei Pfund zu überlassen. Dominique Harrison-Bentzen will das Geld nicht annehmen, ist aber sehr gerührt von dieser Geste.

Am nächsten Tag stellt sie Nachforschungen über den gutherzigen Mann an. Sie entdeckt, dass der Mann seit mehreren Monaten obdachlos ist und aus diesem Grund auch keinen Job findet. Aber trotzdem hätte er der jungen Frau ohne zu zögern sein letztes Geld gegeben.

Dominique Harrison-Bentzen organisiert daraufhin eine Spendenaktion für den obdachlosen Mann, um ihm ein warmes Zuhause bieten zu können. Dieser Spendenaufruf geht um die Welt und internationale Medien berichten über diese außergewöhnliche Geschichte. Menschen sind so berührt von dem selbstlosen Wohltäter, dass schnell über 20.000 Pfund zusammenkommen.
Der Obdachlose lebt heute nicht mehr auf der Straße. Ganze 3 Pfund haben sein Leben für immer verändert.

Die äußere Welt ist immer ein Spiegel von unserem Inneren. Der obdachlose Mann hat ein gutes Herz und spendet sein allerletztes Geld. Diese gute Tat verbunden mit seiner positiven inneren Einstellung spiegelte sich dann in seinem Leben in Form einer jungen Studentin, die ihm hilft, tatsächlich aus der Obdachlosigkeit zu entfliehen.

Einzelnachweise (abgerufen am 03.09.2015):
1. Spiegel – Armer Samariter: Obdachloser schenkt Studentin drei Pfund – und bekommt Tausende zurück
2. Bild – Warum der Obdachlose nicht alle Spenden bekommt

Richard Jewell -– Die wahre Geschichte von dem Bombenanschlag in Atlanta

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Als am 19. Juli 1996 die Olympischen Sommerspiele feierlich eröffnet wurden, stand die Großstadt Atlanta (USA) im Mittelpunkt des Weltinteresses. Über 10.000 Sportler aus 197 Nationen nahmen daran teil, was eine neue Rekordteilnehmerzahl bedeutete. Neben den Athleten pilgerten auch Millionen Zuschauer nach Atlanta, um die Spiele live vor Ort zu erleben. Dementsprechend groß waren auch die Sicherheitsvorkehrungen. Über 30.000 Polizeibeamte, der extra eingeschaltete Geheimdienst FBI, hunderte Überwachungskameras und zusätzliche elektronische Hilfsmittel sollten Atlanta zur sichersten Stadt der Welt machen. Auch Richard Jewell war an diesen Tagen für eine private Sicherheitsfirma unterwegs, um als Wachmann für Sicherheit zu sorgen.

Im Herzen von Atlanta wurde eigens für die Olympischen Spiele der Centennial Olympic Park angelegt, um den Menschen eine riesige Partymeile bieten zu können. Am 27. Juli 1996 versah auch Richard Jewell in diesem gut besuchten Park seinen Dienst und drehte seine Runden. Plötzlich entdeckte er unter einer Parkbank einen herrenlosen Rucksack, was ihm seltsam vorkam. Sein Gefühl sollte ihn nicht täuschen, denn die alarmierte Polizei entdeckte eine Rohrbombe darin. Sofort wurde die Evakuierung des Parks angeordnet, wo sich zu diesem Zeitpunkt tausende Menschen bei einem Konzert befanden. Richard Jewell riskierte sein Leben und half tatkräftig bei der gefährlichen Evakuierung mit, als das Unfassbare geschah und die Bombe detonierte. Die Explosion forderte zwei Todesopfer und hunderte Menschen wurden verletzt.

Richard Jewell: „“Alles, was ich tat, war meine Arbeit. Ich wünschte, wir hätten alle aus dem Gebiet herausbringen können““

Richard Jewell hatte durch sein mutiges Einschreiten ein schreckliches Blutbad verhindert und wurde als Held gefeiert. Es begann sofort eine hektische Tätersuche, aber mit mäßigem Erfolg. Verdächtige Personen wurden verhaftet und wieder freigelassen, es gab keine wirklichen Anhaltspunkte für die Polizei. Nach einigen Tagen geriet Richard Jewell plötzlich selbst in das Visier der möglichen Verdächtigen. Das psychologische Profil von Richard Jewell passte perfekt für die Polizeiexperten. Eine missglückte Karriere im Sicherheitsbereich, ein Schusswaffenbesitzer und ein Junggeselle, welcher noch bei seiner Mutter wohnte. Man vermutete, dass Richard Jewell die Bombe selbst gelegt hatte, um sich dann als Held profilieren zu können. Als die Wohnung von dem nun neuen Verdächtigen nach möglichen Hinweisen durchsucht wurde, lauerte auf der Straße bereits eine viel größere Gefahr für Richard Jewell.

Die Medien durchschauten die neuen Ermittlungen der Polizei und es folgten bald weltweite Berichte. Mit Schlagzeilen wie „Das Profil des einsamen Bombers passt auf Jewell“ und „FBI vermutet, Wachmann-Held könnte Bombe gelegt haben“ änderte sich das Leben von Richard Jewell schlagartig. Medien aus der ganzen Welt übernahmen diese Anschuldigungen und alle befragten Psychologen im Fernsehen waren sich einig, dass Richard Jewell perfekt ins Täterprofil passte. Es begann nun eine regelrechte Medienhetze und Richard Jewell wurde zum neuen Feindbild der Medien auserkoren. Die Öffentlichkeit schloss sich den übereinstimmenden Meinungen an und verurteilte Richard Jewell als den schuldigen Bombenleger.

Die Medien fingen an, seine Wohnung Tag und Nacht zu belagern. Während seinen Autofahrten verfolgten ihn immer mehrere zivile Streifen, unzählige Fernsehteams übertrugen diese Jagden im Fernsehen. Das Leben von Richard Jewell geriet völlig außer Kontrolle und auch gesundheitlich ging es ihm immer schlechter. Keiner wollte die Wahrheit hören und Tatsachen wie ein bestandener Lügendetektortest wurden einfach ignoriert. Stattdessen wurde das ganze Leben von Richard Jewell zerpflückt und nur die schlechten Dinge von ihm berichtet. Es dauerte knapp drei Monate, bis die Polizei eingestand, dass Richard Jewell unschuldig war und man eigentlich auch keine wirklichen Beweise gegen ihn hatte. Doch die rücksichtslose Medienhetze hatte das Leben von Richard Jewell nachhaltig zerstört.

Richard Jewell: „„88 Tage lang lebte ich einen Alptraum. Ich bin ein anderer Mensch geworden““

Richard Jewell führte nach dem Freispruch der Polizei mehrere Prozesse gegen die Medien, um seinen erlittenen Ärger zu sühnen. Obwohl er Entschädigungszahlungen wegen unberechtigter Verleumdungen erhielt, erholte er sich gesundheitlich nicht mehr. Zu seinem schlechten psychischen Zustand kamen noch eine chronische Fettsucht, Diabetes und Nierenversagen dazu. Richard Jewell starb am 29. August 2007 im Alter von nur 44 Jahren an den Folgen der Verachtung in der Gesellschaft, der Nachlässigkeiten der Behörden und der journalistischen Verantwortungslosigkeit als gebrochener und einsamer Mann.

Der wahre Attentäter dieses Bombenanschlags konnte später gefasst werden. Für Richard Jewell kam diese Tat zu spät, er starb als tragischer Held, welcher der Macht der Medien schutzlos ausgeliefert war, obwohl er als beherzter Lebensretter eigentlich vielen Menschen das Leben rettete.

Richard Jewell: „„Die Helden sind bald vergessen. Die Schurken halten ein Leben lang““

Gery Keszler -– Der Life Ball, die größte Benefizveranstaltung in Europa

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Gery Keszler wurde am 27. Juli 1963 in Mödling (Österreich) geboren und absolvierte eine normale und unauffällige Schulausbildung. Nach verschiedenen Gelegenheitsjobs und längeren Auslandsaufenthalten machte er eine Ausbildung zum Visagisten und verlegte seinen Wohnsitz nach Paris (Frankreich). Dort war Gery Keszler sehr erfolgreich, er stylte und schminkte die berühmtesten Topmodels und arbeitete mit den besten Modeschöpfern der Welt zusammen. Das glorreiche Leben rückte aber bald in den Hintergrund, als ihm einer seiner besten Freunde mitteilte, dass er HIV-positiv war. Das lebensgefährliche Virus war zudem in einem fortgeschrittenen Stadium und schwächte bereits erheblich das Immunsystem.

Gery Keszler war tief betroffen aufgrund dieser schockierenden Nachricht und beschloss gemeinsam mit seinem Freund, einen Event zu organisieren, um Spenden für HIV-positive und an AIDS erkrankte Menschen zu sammeln. Gery Keszler verließ seine gut bezahlte Arbeitsstätte in Paris und kehrte nach Österreich zurück, um sich voll und ganz auf sein Vorhaben zu konzentrieren. Er beschaffte sich ein kleines Büro in Wien und gründete den Verein „Aids Life“, um finanzielle Mittel für seine Benefizveranstaltung sammeln zu können. Gery Keszler hatte eine Vision von einer großen Party und einer prachtvollen Modenschau mit vielen internationalen Stars, um das Tabuthema AIDS und HIV in den Mittelpunkt zu rücken. Doch er hatte nicht mit dem Desinteresse der Menschen gerechnet, welche seinen Plan für aussichtslos hielten.

Gery Keszler: „“Ich wollte alle Schichten miteinander verbinden, egal ob reich oder arm, schwul oder hetero, alle sollte ein Thema verbinden – der Kampf gegen Aids““

Gery Keszler machte sich auf die Suche nach Sponsoren, um an finanzielle Hilfe für seine Veranstaltung zu kommen. Aber die Reaktionen waren niederschmetternd, er erhielt nur Ablehnungen und Zurückweisungen für seine Idee. Es fanden sich nur wenige Geldgeber mit kleineren Spenden, aber damit war kein großer Event zu organisieren. Gery Keszler arbeitete Tag und Nacht, um seinen „Life Ball“ irgendwie auf die Beine zu stellen. Ständig traf er auf Ignoranz und Gleichgültigkeit, doch er kämpfte mit einer außerordentlichen Willensstärke weiter und ließ sich nicht entmutigen, auch nicht in den schwierigsten Momenten.

Gery Keszler finanzierte die Veranstaltung nun aus eigener Tasche und kämpfte sich durch die vielen bürokratischen Vorschriften. Im Alleingang sorgte er für das Catering, das nötige Equipment und die Pressearbeit. Er nutzte seine Kontakte aus seiner Zeit in Paris um bekannte Models für seinen Life Ball zu gewinnen, zusätzlich schaffte er es tatsächlich, den Wiener Bürgermeister zu überzeugen, die Veranstaltung im berühmten Wiener Rathaus stattfinden zu lassen. Gery Keszler organisierte den 29. Mai 1993 als Termin für seinen Life Ball, doch kurz vor dem Event konnten nur wenige Karten dafür verkauft werden und es drohte ein kompletter Misserfolg zu werden.

Gery Keszler: „„Ich habe echt Panik bekommen. Alle rechneten mit einer fürchterlichen Blamage““

Mit seinen letzten Kraftreserven aktivierte Gery Keszler alle Freunde und Bekannte, welche seinen Life Ball unterstützen sollten und um Werbung zu machen. Plötzlich bekamen die Medien Wind davon, dass sich viele berühmte Topmodels in Wien aufhielten um beim Life Ball mitzuwirken. Schnell waren alle Zeitungen voll vom Life Ball und der Benefizveranstaltung, doch alle dachten an einen riesigen Reinfall und einen großen Skandal, denn Gery Keszler plante keinen traditionellen Ball wie gewöhnlich, sondern ein großes Spektakel mit lautstarker Musik, märchenhaften Kostümen und glamourösen Modenschauen.

Als der große Tag gekommen war, hatte Gery Keszler große Sorgen. Was wäre, wenn keine Menschen kommen würden und wie sollte er den geladenen Stars die leeren Räume erklären? Ein unfassbarer Druck lastete auf seinen Schultern, denn er wusste auch, dass die Medien ihn sofort in der Luft zerreißen würden, wenn sein Plan nicht aufgehen würde. Aber der Mut von Gery Keszler hatte sich ausgezahlt, denn es herrschte kurz vor Beginn der Veranstaltung ein großer Besucherandrang und innerhalb kürzester Zeit war der Life Ball von Gery Keszler ausverkauft. Die Benefizveranstaltung wurde tatsächlich ein riesengroßer Erfolg und es konnten viele Spenden für Hilfsbedürftige gesammelt werden.

Gery Keszler: „„Es war eine unvergessliche Nacht, eine bestimmte Magie lag in der Luft““

Nach diesem grandiosen Erfolg wollte Gery Keszler wieder nach Paris zurückkehren, denn der Life Ball war als einmaliges Ereignis geplant gewesen. Doch als sein Freund und Mitbegründer des Life Balls im Sterben lag, musste ihm Gery Keszler versprechen, den Life Ball weiterzuführen. Und so organisierte Gery Keszler diese außergewöhnliche Veranstaltung auch in den nächsten Jahren mit großem Erfolg. Der Life Ball wurde weltweit bekannt und entwickelte sich zu der größten Benefizveranstaltung in Europa zugunsten HIV-positiver und AIDS erkrankter Menschen. Ein Mann hatte durch seine Willenskraft die Welt zu einem besseren Ort verändert.

Am 01. Dezember 1981 wurde AIDS zum ersten Mal als eigenständige Krankheit erkannt. Jedes Jahr sterben mehr als eine Million Menschen an dieser Infektion, darunter auch sehr viele Kinder. Besonders in vielen Teilen Afrikas leben unzählige Menschen mit dieser Immunschwächeerkrankung und die Lebenserwartung ist dort bereits um zehn Jahre gesunken. Menschen wie Gery Keszler ist es zu verdanken, dass die weltweite Öffentlichkeit auf diese gefährliche Krankheit sensibilisiert und aufmerksam gemacht wird. Durch sein unermüdliches Engagement verhalf er bereits vielen HIV-Infizierten zu einem besseren Leben und zahlreiche Hilfsprojekte konnte Gery Keszler durch seinen Life Ball unterstützen.

Gery Keszler: „“Eine Vision wäre es, dass der Life Ball gar nicht notwendig wäre““

 

Anton Schmid –- Der Feldwebel mit dem guten Herzen

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Anton Schmid wurde am 09. Januar 1900 in Wien (Österreich) geboren und erlernte den Beruf des Elektroinstallateurs. Er eröffnete mit seiner Frau ein kleines Geschäft, wo er elektrische Anlagen wie zum Beispiel Radios verkaufte oder auch Sachen für seine Kunden reparierte. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 kam es zu ersten Spannungen und Auseinandersetzungen mit der jüdischen Bevölkerung, jedoch waren dies nur Vorläufer für spätere unvorstellbare Massenmorde. Kurze Zeit später brach auch schon der Krieg aus und Anton Schmid wurde zur deutschen Wehrmacht eingezogen.

Anton Schmid wurde als Feldwebel nach Vilnius (Hauptstadt von Litauen) abkommandiert und war dort der Leiter der örtlichen Versprengtensammelstelle. Seine Aufgabe war es, verstreute oder von ihren Einheiten abgeschnittene deutsche Soldaten wieder aufzusammeln um sie wieder neuen Wehrmachtseinheiten zuzuteilen. Vilnius galt ursprünglich als eine sehr liberale Stadt und war deshalb eine jüdische Hochburg mit vielen jüdischen Bewohnern. Doch mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Litauen änderte sich diese Situation schlagartig, plötzlich herrschte Gewalt und Terror in Vilnius mit einem vorrangigen Ziel: Die systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung.

Dort, wo vor kurzem noch jüdische Menschen friedlich die Straßen belebten, fand nun ein unfassbares Blutvergießen statt. Verängstigte Juden wurden aus ihren Wohnungen getrieben und auf offener Straße hingerichtet. Tausende verloren dadurch ihr Leben, die verbliebene jüdische Bevölkerung wurde in neu errichtete Ghettos umgesiedelt. Von dort brachte man die Juden systematisch nach Paneriai, einem Stadtteil von Vilnius. Der Wald von Paneriai war früher ein beliebter Ausflugsort der Stadtbevölkerung gewesen, doch nun fanden dort Massenexekutionen statt. Schreckliche Massaker spielten sich dort ab, denn auch Frauen und Kinder wurden rücksichtslos und brutal erschossen. Anton Schmid bekam diese unvorstellbaren Massenmorde mit und beschloss, den hilflosen Juden zu helfen.

Anton Schmid: „„Ich habe nur als Mensch gehandelt““

Der Feldwebel fing an, sich unter höchster Lebensgefahr in das Ghetto zu schleichen, um den hungernden Menschen Lebensmittel zu bringen, dies war zu der Zeit unter Todesstrafe verboten. Er organisierte lebensnotwendige Medikamente oder brachte Müttern Flaschenmilch für ihre Säuglinge. Anton Schmid begann alle Möglichkeiten seiner Dienststelle auszunutzen, um Juden zu helfen. Er stellte in Überfluss Arbeitsgenehmigungen aus, um Juden in Werkstätten, wo er die Aufsicht hatte, als Arbeiter unterzubringen, um sie vor den Erschießungen zu bewahren. Mutig fuhr er in das berüchtigte Zentralgefängnis in Vilnius, um Juden, welche dort festgehalten und gefoltert wurden, zu befreien und als seine Arbeiter zu deklarieren. Immer wieder versteckte er Juden bei sich daheim, um sie vor den Vernichtungsaktionen zu schützen oder brachte sie mit gefälschten Papieren in das benachbarte Weißrussland. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis die riskanten Aktionen von Anton Schmid auffliegen würden. Bald fand man belastende Beweise und der beherzte Feldwebel wurde verhaftet.

Anton Schmid hatte keine Chance auf eine Rettung. Er wurde vom Kriegsgericht wegen Hochverrats und Judenrettung zum Tode verurteilt und am 13. April 1942 erschossen. Er wurde einsam und abgeschieden am Rande eines Friedhofes in eine Grube geworfen und verscharrt.

Mehr als 150.000 Juden verloren während des Zweiten Weltkrieges in Litauen ihr Leben, dies entsprach etwa 90 % der jüdischen Einwohner. In diesen grausamen Jahren war Anton Schmid für viele jüdische Menschen der letzte Hoffnungsschimmer. Er rettete im Alleingang hunderte Juden vor dem sicheren Tod, weil er einfach ein gutes Herz hatte. Nur wenige Mitglieder der deutschen Wehrmacht hatten den Mut, so zu handeln wie Anton Schmid. Er hätte ein sorgenfreies Leben führen können, aber er wählte den Weg der Menschlichkeit und wurde dafür mit dem Tod bestraft.

Anton Schmid wurde 1967 mit dem Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Seine Witwe erhielt die entsprechende Medaille und ein Zitat dazu: „Wer immer ein Menschenleben rettet, hat damit gleichsam die ganze Welt gerettet.“

Anton Schmid: „„Krepieren muss jeder. Wenn ich aber wählen kann, ob ich als Mörder oder als Helfender krepieren soll, dann wähle ich den Tod als Helfer““

Somaly Mam –- Eine Frau stemmt sich gegen die Kinderprostitution

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Somaly Mam wurde 1970 in Kambodscha (Staat in Südostasien) geboren und wuchs in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Kambodscha, durch einen jahrelangen Bürgerkrieg eines der ärmsten Länder der Welt, hatte viel Schönes zu bieten. Lange Sandstrände, unberührte Inseln, alte kulturelle Traditionen und zahlreiche Tempelanlagen waren nur einige Dinge, die man in Kambodscha bewundern konnte. Aber es gab auch eine dunkle Seite dieses Landes, und Somaly Mam machte schon sehr früh Bekanntschaft damit. Bereits als kleines Mädchen wurde sie wie viele andere junge Frauen von ihrer Familie an einen alten Mann verkauft, der sie wie eine Sklavin hielt. Sie musste Wasser holen, Wäsche waschen, stundenlang Reis ernten und Fische fangen. Es war ein menschenunwürdiges Leben, Somaly Mam wurde misshandelt und geschlagen, auch vor sexuellen Übergriffen konnte sie sich nicht wehren. Aber es sollte alles noch viel schlimmer kommen.

Somaly Mam: „„In Kambodscha haben die Frauen nicht das Recht, nein zu sagen. Sie müssen ihr ganzes Leben opfern““

Im Alter von 15 Jahren wurde sie an ein Bordell weiterverkauft, wo sie von nun an zur Prostitution gezwungen wurde. Somaly Mam versuchte sich zu wehren, aber der Wille von ihr wurde bald gebrochen, sie wurde mehrfach vergewaltigt und immer wieder geschlagen. Fluchtversuche von ihr waren erfolglos, man bestrafte sie sofort und sperrte sie in einen kleinen Käfig mit Schlangen weg. Junge Mädchen wurden unbarmherzig gefoltert, wenn sie sich ihren Kunden verweigerten, sie wurden wie Tiere angekettet oder mit Elektrokabeln geschlagen. Die Körper der Kinderprostituierten waren oft so erschöpft und geschunden, dass sie ihre Dienste einfach nicht mehr anbieten konnten. Zur Strafe wurden sie erschossen.

Somaly Mam: „„Die Leute lachen über Prostitution, aber ich sah viele grausige Dinge““

Somaly Mam fügte sich ihrem Schicksal, es gab kein Entkommen für sie in dieser grausamen Welt. Sie hatte nicht einmal einen Zufluchtsort, wo sie sich hätte aufhalten können. Mehrfach wollte sie ihrem jungen Leben ein Ende bereiten, denn die ständigen Qualen, Tag und Nacht rücksichtslosen Freiern zur Verfügung zu stehen, waren unfassbar. Eines Tages traf sie jedoch auf einen Franzosen, der sich in Somaly Mam verliebte. Er half ihr, aus dieser Hölle zu entkommen und nach Frankreich zu fliehen. Die jahrelangen Vergewaltigungen, die Gewalt und die Demütigungen waren nun vorbei, doch die seelischen Qualen würden für immer bleiben. Das eigene Leben hatte für Somaly Mam bisher keine Bedeutung, aber nun hatte sie einen neuen Sinn in ihrem Leben gefunden, denn es musste einen Grund geben, warum sie diese schreckliche Leidenszeit überlebt hatte.

Somaly Mam gründete im Alter von 26 Jahren die Hilfsorganisation „AFESIP“, die sich gegen Kinderprostitution und gegen den Menschenhandel in Asien einsetzte. Ihre neue Organisation wuchs schnell und wurde bald international bekannt. In verschiedensten Ländern der Welt wurden Büros eröffnet, um Kindern und Frauen wieder ein normales Leben zu ermöglichen, die schon der Prostitution verfallen waren.

Aber mit „AFESIP“ hatte sich Somaly Mam einen fast unschlagbaren Gegner geschaffen, denn die Sexmafia war mächtig und überall zu finden. Somaly Mam ließ sich aber nicht einschüchtern, sie schimpfte öffentlich über Politiker und einflussreiche Persönlichkeiten, welche in Korruption und Prostitution verwickelt waren. Somaly Mam erhielt Morddrohungen und konnte nur noch mit Bodyguards unterwegs sein. Ihre Haupteinrichtung in Kambodscha wurde immer wieder zur Zielscheibe von Überfällen und musste geschützt werden. Aber Somaly Mam war stark, sie kämpfte weiter für ihr Ziel, hilflosen Mädchen und Frauen zu helfen, trotz der vielen Einschüchterungsversuche.

Somaly Mam: „“Jeden Tag, wenn ich die Opfer sehe, die vergewaltigt wurden, muss ich mit all meiner Kraft kämpfen. Und ich höre niemals auf““

Durch den engagierten Kampf von Somaly Mam wurden bereits tausende Mädchen von der Zwangsprostitution befreit. Aber es war ein fast aussichtsloser Einsatz, denn der Sextourismus florierte und Somaly Mam musste sich zusätzlich gegen korrupte Polizisten und Beamte durchsetzen. Obwohl der Polizei bekannt war, wo Kinder zur Prostitution gezwungen wurden, unternahm sie nichts. Somaly Mam musste die Polizei mit Geld bestechen, damit sie überhaupt erst tätig wurde. Und oft halfen eindeutige Beweismittel nichts, denn bestechliche Richter sabotierten wieder die Aufklärung und schuldige Personen wurden einfach wieder freigesprochen.

Somaly Mam erhielt für ihre humanitäre Arbeit und ihren unermüdlichen Kampf schon zahlreiche Auszeichnungen. Sie wurde vom spanischen Kronprinz geehrt und trug bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2006 in Italien die Olympische Flagge. Im Jahr 2009 wählte sie das Time Magazin unter die 100 einflussreichsten Menschen des Jahres.

Somaly Mam stieg aus der tiefsten Hölle, in der sie bereits als junges Mädchen gefangen war, wieder empor. Durch ihre internationale Aufklärungsarbeit machte sie die Menschen darauf aufmerksam, dass noch immer schreckliche Dinge in ihrem Land passierten. Somaly Mam war die erste Frau in Kambodscha, die sich öffentlich traute, gegen Kinderprostitution, Menschenhandel und Korruption zu kämpfen. Trotz Morddrohungen schrieb sie ihre Geschichte auf und brachte ein unglaubliches Buch heraus, welches viele Menschen auf der ganzen Welt schockierte.

Somaly Mam: „„Die kleinen Mädchen im Zentrum sind glücklich. Sie sind das Beste in meinem Leben. Die Jüngste ist drei Jahre alt. Auch sie wurde sexuell missbraucht““

Die Gulabi Gang -– Die Frauenbewegung in Indien

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Obwohl das Kastensystem in Indien offiziell bereits abgeschafft wurde, bestimmt es in vielen Teilen des Landes noch immer das Leben der Menschen. Die Gesellschaft ist in Gruppen unterteilt und es herrscht eine strenge Hierarchie. Menschen, die zufällig in eine hohe Kaste hineingeboren worden sind, werden in vielen Bereichen des Lebens bevorzugt. Hingegen stellen Menschen in niederen Kasten den Großteil der Bevölkerung und bilden die unterste und ärmste Schicht der indischen Gesellschaft. Besonders für Frauen hat dieses starre und von Männern kontrollierte Kastensystem fatale Auswirkungen.

Im nördlichen Bundesstaat von Indien, Uttar Pradesh, wo sich seit Jahrhunderten dieses Kastenwesen hält, haben Frauen so gut wie keine Rechte. Sie dürfen nicht selbstständig handeln und müssen stets abhängig von einem Mann sein, zuerst von ihrem Vater, dann von ihrem Ehemann und dann als Witwe von ihren Söhnen. Viele Mädchen werden nicht zur Schule geschickt, aus Angst, sie könnten durch Kontakte zu anderen Jungen die Familie entehren. Sie werden bereits als kleine Mädchen zwangsverheiratet und werden von den Schwiegerfamilien oft wie eine Sklavin gehalten. Sie müssen meistens härter arbeiten als die Männer für weniger Lohn, zudem kommt es oft zu Misshandlungen und Vergewaltigungen. Von der Polizei und den Behörden haben sie keine Hilfe zu erwarten, da meistens Männer diese Positionen besetzen und diese Anzeigen oft nicht ernst genommen und kaum beachtet werden. Eine tapfere Frau wollte sich diesem Schicksal aber nicht ergeben.

Sampat Pal Devi, die aus der untersten Kaste stammte, erlebte am eigenen Leib die Unterdrückung der Frau. Als Kind musste sie bereits auf dem Feld arbeiten, während ihr Bruder die Schule besuchen durfte. Im Alter von zwölf Jahren wurde sie zwangsverheiratet und bekam bald darauf schon ihr erstes Kind. Von den Schwiegereltern wurde sie tyrannisiert und von der obersten Kaste ständig unterdrückt. Doch immer öfter stemmte sich Sampat Pal Devi gegen diese Ungerechtigkeiten und wurde durch ihre Widerspenstigkeit bald aus ihrem Dorf gejagt. Nun wollte sie öffentlich gegen die Unterdrückung der Frauen kämpfen und gründete daher die erste weibliche Bürgerwehr in Indien mit dem Namen „Gulabi Gang“.

Sampat Pal Devi: „„Ich halte nichts vom Kastensystem. Ich glaube an Menschlichkeit und Gleichheit““

Bald schlossen sich die ersten Frauen der „Gulabi Gang“ an, um für Frauenrechte und gegen soziale Ungerechtigkeiten zu kämpfen. Als Markenzeichen trug jedes Mitglied ein leuchtendes rosa Sari (indisches Kleidungsstück für Frauen), zusätzlich wurde jedes Mitglied mit einem langen Bambusstock ausgestattet, um sich im Notfall wehren zu können. Die „Gulabi Gang“ wurde von den meisten Männern zwar nur belächelt, doch sie sollten schon sehr bald die Kraft und die Entschlossenheit dieser Frauen zu spüren bekommen.

Sampat Pal Devi: „„Wir kämpfen gegen männliche Dominanz, gegen Väter, die ihren Töchtern nicht erlauben, zur Schule zu gehen, und diese schon als Kinder verheiraten““

Voller Enthusiasmus stattete man von nun an prügelnden Ehemännern einen Besuch ab, um den Frauen zu helfen. Und es funktionierte tatsächlich, denn die Männer wussten, wenn sie wieder gewalttätig werden sollten, dass plötzlich zwanzig rosa bekleidete Frauen mit Bambusstöcken lautstark vor der Tür stehen würden. Die „Gulabi Gang“ patrouillierte nun in den Dörfern, sie verhinderten Kinderhochzeiten und zwangen Polizisten dazu, Vergewaltiger zu bestrafen. Bald schlossen sich immer mehr Frauen dieser weiblichen Bürgerwehr an und kämpften mit Sampat Pal Devi für die Rechte der Frauen und der Unterdrückten.

Sampat Pal Devi: „„Wir beschützen die Machtlosen vor den Mächtigen. Wir bestrafen brutale Ehemänner und jene, die ihre Familien im Stich lassen““

Die „Gulabi Gang“ wurde nun immer größer und zehntausende Frauen schlossen sich dieser Bewegung an. Die „Gulabi Gang“ erkämpfte sich bereits großen Respekt, nicht nur vor den Dorfbewohnern, sondern auch bei der Polizei und den Behörden. Mittlerweile zählten auch schon Männer zu den Mitgliedern, die für mehr Gerechtigkeit eintreten wollten.

Überall, wo die Frauen der „Gulabi Gang“ mit ihren leuchtenden rosa Kleidern heute auftauchen in Indien, überall dort herrscht große Bewunderung und Anerkennung der Bevölkerung. Durch diese Frauenbewegung erkannten auch immer mehr Frauen, dass es sich lohnt, für Veränderungen und ein besseres Leben zu kämpfen. Sampat Pal Devi veränderte im Alleingang mit ihrer „Gulabi Gang“ das Leben vieler Frauen, welche bis zu diesem Zeitpunkt ihr vorherbestimmtes Schicksal stets hingenommen hatten. Die „Gulabi Gang“ durchbrach durch den großen Zusammenhalt der Frauen die alten und starren Traditionen und ist für viele Menschen in Indien die letzte Hoffnung auf ein besseres Leben.

Sampat Pal Devi: „“Ich habe den Schmerz gesehen, den Frauen erleiden und immer mehr treten bei. Jede Frau die leidet ist hier bei mir. Es ist ihr Kampf““

Joana Adesuwa R. –- Ein Kampf gegen Hexenverfolgung und Voodoo-Zauber

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Joana Adesuwa Reiterer wurde 1981 in Nigeria (Westafrika) geboren und erlebte eine glückliche Kindheit, ihr Vater betrieb erfolgreich eine Tankstelle und konnte so die Familie gut versorgen. In weiten Teilen Nigerias wuchs man aber mit dem Wissen auf, dass es Geister und Hexen gab und dass es mächtigen Juju-Priestern (Voodoo-Priestern) vorbehalten war, diese Hexenkräfte vertreiben zu können. Joana dachte sich nicht viel dabei, denn sie konnte sich niemals vorstellen, jemals damit in Berührung zu kommen. Als die Geschäfte des Vaters mit der Tankstelle jedoch schlechter liefen, suchte er die Hilfe von einer solchen Juju-Priesterin, welche die Schuldige sofort ausmachen konnte. Sie behauptete einfach, dass Joana eine Wassergöttin mit magischen Kräften wäre und dass sie für das Unglück des Vaters verantwortlich war. Plötzlich wurde aus einem unschuldigen Mädchen eine Ausgestoßene, die man von einem bösen Zauber heilen musste.

Joana war nun den seltsamen Ritualen der Juju-Priesterin ausgeliefert, sie musste zum Beispiel mehrere Tage ohne Essen aushalten, sie bekam dabei nur eine übelriechende Flüssigkeit zu trinken, um die bösen Kräfte zu vertreiben. Joana wurde von ihrem Vater immer weiter verstoßen und in die Fänge der unheimlichen Rituale der Juju-Priesterin gedrängt, bis sie die Tortur nicht mehr aushielt und im Alter von 16 Jahren in die nächste Stadt flüchtete. Ohne Geld und Hilfe schlief sie nun in bitterer Armut unter Brücken und musste jeden Tag um das Überleben kämpfen. Innerhalb kürzester Zeit war sie von einer wohlbehüteten Kindheit in die absolute Hölle gekommen.

Joana ließ sich durch ihre Lebensumstände aber nicht unterkriegen, sie nahm verschiedene Jobs an und begann nebenbei zu studieren. Eines Tages begegnete ihr der in Wien lebende und charismatische Nigerianer Tony, mit dem sie bald nach Österreich übersiedelte und ihn auch heiratete. Nach ihrer schweren Zeit erhoffte sie sich ein besseres Leben, aber es sollte wieder alles anders kommen. Ihr Mann verlangte von ihr als Zeichen ihrer Liebe, dass sie an einem geheimnisvollen Voodoo-Ritual in Nigeria mitwirken sollte, um die Liebe zu ihm zu bestätigen. Unter großem Druck zwang er Joana, an diesem siebentägigen Ritual teilzunehmen. Joana wurde unter Drogen gesetzt und erlebte diese Zeremonie wie in Trance, es wurden Ziegen und Hühner dabei geschlachtet und eigenartige Aussprüche getätigt, sie hatte keine Chance, sich irgendwie zu wehren.

Joana Adesuwa R.: „“Blut floss aus den vier Hühnerkörpern, die Männer bespritzten mich damit und raunten Wünsche und Flüche““

Zutiefst verstört kehrte Joana nach Wien zurück und bald merkte sie, dass mit ihrem Mann zusätzlich etwas nicht stimmen konnte. Er hatte ihr erzählt, dass er ein Reisebüro führte, aber von den vielen jungen und ängstlichen Nigerianerinnen, die ständig in ihrer kleinen Wohnung waren, war nicht die Rede gewesen. Als Joana auch noch Dokumente und Reisepässe fand, ausgestellt auf Namen, welche sie manchmal kannte, mit Fotos, die nicht dazu passten, musste sie plötzlich erkennen, dass ihr Mann ein Menschenhändler und Zuhälter war. Joana packte sofort ihre Sachen und lief in die Nacht hinaus. Wie ein Häufchen Elend saß sie nun weinend auf einer Parkbank, sie wusste nicht, wie ihr Leben nun weitergehen sollte, nach ihrer Ausgrenzung von ihrer Familie war sie nun wieder völlig auf sich allein gestellt, noch dazu in einem fremden Land. Erst als ein Fußgänger ihr die Telefonnummer von einem Wiener Frauenhaus gab, welche sich um Frauen wie Joana kümmerte, fand sie Schutz und einen neuen Schlafplatz.

Joana kämpfte weiter und nahm nun verschiedene Hilfsarbeiten an um Geld zu verdienen und lernte außerdem die deutsche Sprache. Obwohl sie kein Eigentum besaß, versuchte sie, komplett neu anzufangen und positiv in die Zukunft zu blicken. Bald ergatterte sie bessere Jobs und bekam ihr Leben wieder in den Griff. Aber sie dachte nicht nur an sich, sondern an die vielen Menschen, die auch ihre Hilfe benötigten, und so gründete sie im Jahr 2006 den Verein „Exit“, um Menschenrechtsverletzungen und Frauenhandel zu bekämpfen, und diese Unterstützung war mehr als notwendig.

Geisterglaube ist in den afrikanischen Ländern, vor allem in den ärmeren Gebieten, weit verbreitet. Läuft im Leben etwas schief, so muss jemand gefunden werden, der die Schuld daran trägt, und das sind immer die Schwächsten in der Gesellschaft, die Frauen und die Kinder. Juju-Priester, die oft mit kriminellen Menschenhändlern kooperieren, nutzen diesen Aberglauben aus und verdienen dadurch viel Geld, auf Kosten unschuldiger Menschen vertreiben sie angeblich die bösen Geister durch schmerzhafte Rituale. Und wenn die Opfer die Juju-Bestimmungen nicht akzeptieren oder das Pech nicht in Glück umschlägt, werden Frauen und Kinder ausgestoßen, gefoltert oder lebendig verbrannt, weil man glaubt, dass sie Hexen sind. Tausende Frauen und Kinder leben heute in Afrika auf der Straße, weil sie als angebliche Hexen vertrieben worden sind. Hilfe gibt es nur in vereinzelten Hexendörfern, wo sie Zuflucht finden können.

Joana Adesuwa R.: „“Kinder werden auf grausame Weise als Hexen verfolgt. Sie werden gefesselt, geschlagen oder mit Säure verätzt. Diese Rituale sind Show und Geschäftemacherei und bringen einem sogenannten Priester oft mehrere Tausend Euro““

Die Nigerianerin Joana Adesuwa Reiterer kämpft heute von Wien aus gegen diese grausamen Rituale der Geisteraustreibung, gegen die brutale Hexenjagd auf Kinder und gegen den Frauenhandel, denn viele Frauen aus Afrika werden heute mit falschen Versprechungen nach Europa gelockt, wo sie dann zur Prostitution gezwungen werden, um damit ihre Schulden bezahlen zu können. Als eine der wenigen Menschen hat Joana den Mut, die Öffentlichkeit von der Problematik des Menschenhandels und des Hexenwahns zu informieren und dagegen anzukämpfen. Überall auf der Welt hält sie schockierende Vorträge über Menschenrechtsverletzungen und von Hexenverfolgungen, die an barbarische Zustände wie im Mittelalter erinnern, die aber heute tatsächlich noch so passieren.

Joana Adesuwa Reiterer gibt mit ihrem Verein „Exit“ dem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen eine öffentliche Stimme. Obwohl sie selbst Opfer des Juju-Kults wurde und schreckliche Dinge durchzustehen hatte, gibt sie heute zahlreichen Menschen Mut und neue Hoffnung, sich gegen diese alte und abscheuliche Tradition zur Wehr zu setzen.

Für ihr Engagement bekam Joana bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem wurde sie 2008 von der Women’s Federation for World Peace mit dem Titel „Ambassador of Peace“ („Botschafter des Friedens“) geehrt.

Joana Adesuwa R.: „„Es geht nicht um mich. Es geht darum, dass auf dieser Welt ein Verbrechen geschieht, das publik gemacht werden muss““