Martin Aufmuth – Wie eine „EinDollarBrille“ die Welt verändert

„Lesezeit: ca. 3 Minuten“

Fehlsichtigkeit kann in der westlichen Welt schnell behoben werden. Kaum auszudenken, müssten wir auf unsere Brillen verzichten. Schüler kommen in der Schule nicht mehr mit und Manager können ihre Verträge nicht mehr lesen. LKW-Fahrer dürfen aufgrund der Sehschwäche nicht mehr fahren und einfachste Handwerksberufe können nicht mehr ausgeübt werden. Etwa 150 Millionen Menschen in Entwicklungsländern haben genau dieses Problem, weil sie sich die Sehhilfen einfach nicht leisten können.

Als der deutsche Lehrer Martin Aufmuth zufällig spottbillige Brillen in einem Billigladen entdeckt, kommt er ins Grübeln. Er fragte sich, warum es in reichen Ländern günstige Brillen gab und in ärmeren Ländern nicht? Martin Aufmuth wusste um das globale Problem der fehlenden optischen Grundversorgung und beschloss, sich näher mit diesem Dilemma zu beschäftigen.

Martin Aufmuth: „Ich habe seitdem ich klein war so ein Gefühl von einer globalen Ungerechtigkeit“

Martin Aufmuth begann Informationen über verschiedene Brillentypen zu sammeln und studierte unterschiedlichste Patente. Monatelang beschäftigte er sich mit möglichen Materialien für eine Brille, er durchforstete dafür nicht nur das Internet, sondern auch zahlreiche Kaufhäuser. Nach unzähligen Versuchen schaffte es der Tüftler, mit gebogenem Federstahldraht, günstigen Gläsern und einem Schrumpfschlauch seine erste Brille zu fertigen. Und dies zu einem Materialpreis von tatsächlich weniger als 1 Dollar. Mit einer eigenen entworfenen Handbiegemaschine benötigte er weniger als 30 Minuten, um die fertige Brille herzustellen.

 

Martin Aufmuth suchte Unterstützer und machte sich selbstständig auf den Weg nach Afrika, um seine Idee in die Praxis umzusetzen. Im Gepäck hatte er seine Biegemaschinen und seinen Glauben, der Welt einen guten Dienst zu erweisen. Er wusste nicht wirklich, ob sich seine Billigbrillen auch tatsächlich verkaufen würden. Vor Ort bildete Martin Aufmuth ein paar interessierte Menschen aus, die seine Maschinen bedienen sollten. Wie würden die Brillen bei den Menschen ankommen?

Zur Erleichterung von Martin Aufmuth erfreute sich die „EinDollarBrille“ sofort großer Beliebtheit und schnell wurden hunderte Brillen verkauft. Scheinbar behinderte Kinder konnten plötzlich völlig normal am Unterricht teilnehmen und ein älterer Mann sah zum ersten Mal in seinem Leben sein Dorf. Erwachsene Männer begannen wieder zu arbeiten und konnten dadurch wieder ihre Familien versorgen. Die Vision von Martin Aufmuth begann sich Schritt für Schritt zu verwirklichen, denn die Brillen sollten nicht nur vor Ort hergestellt, sondern auch zu einem erschwinglichen Preis verkauft werden. Und diese Strategie hatte zusätzlich viele positive Nebeneffekte.

Ehemals arbeitslose Menschen arbeiten vor Ort als „EinDollarBrillen“ Optiker, sie verdienen mit der Herstellung der Brillen nicht nur Geld, sondern bilden bereits selbst weitere Mitarbeiter aus. Mobile Fahrradoptiker fahren von Dorf zu Dorf, wo sie Fehlsichtigen auch in abgelegenen Dörfern eine individuell angepasste Brille machen können. Die Nachricht von den „EinDollarBrillen“ verbreitete sich wie ein Lauffeuer um die Welt. Immer mehr Händler aus verschiedensten Teilen der Erde melden sich bei Martin Aufmuth, um die „EinDollarBrillen“ mit den speziellen Biegemaschinen in die Länder hinauszutragen.

Ein Mensch kann die Welt nicht verändern? Martin Aufmuth beweist das Gegenteil, irgendwann wird seine Vision Wirklichkeit und er wird 150 Millionen Menschen dauerhaft mit Brillen versorgen. Schon jetzt verschafft er Millionen Menschen ein besseres und einfacheres Leben. Im Alleingang löst Martin Aufmuth ein globales Problem und zeigt, wie eine Idee die Welt verändern kann.

Martin Aufmuth: „Ich glaube, wenn man einfach so ein großes Ziel hat, wenn man weiß, was man erreichen möchte, in unserem Fall, dass wir viele Millionen Leute mit Brillen versorgen und das Leben von ihnen verändern, dann bekommt man auch die notwendige Energie, einfach durch die innere Motivation, weil ich eben weiß, was ich erreichen möchte“

 

Einzelnachweise (abgerufen am 20.08.2016):

1. www.handelsblatt.com – Brillen, die die Welt verändern
2. http://www.eindollarbrille.de/
3. http://www.deutschlandradiokultur.de – Die Ein-Dollar-Brille für Entwicklungsländer

 

Kevin Pearce -– Ein Snowboarder schafft ein bedeutungsvolles Comeback

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Kevin Pearce wurde am 01. November 1987 in Hanover (USA) geboren und stand bereits im Alter von sechs Jahren zum ersten Mal auf einem Snowboard. Er nutzte jede freie Minute, um sich neue Tricks mit dem Snowboard beizubringen und waghalsige Sprünge zu üben. Auf selbstgebauten Schanzen trainierte er so lange, bis er seine Manöver perfekt beherrschte. Kevin Pearce ließ sich auch von den vielen Stürzen nicht unterkriegen und er stieg bald zu einem der besten Snowboarder im Freestyle auf. Bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver (Kanada) wollte er seine Karriere mit der Goldmedaille krönen und begann dafür noch härter an sich zu arbeiten.

 
Am 31. Dezember 2009, kurz vor den Olympischen Spielen, freute sich Kevin Pearce auf eine rauschende Silvesterfeier gemeinsam mit seinen Freunden. Doch zuvor wollte er noch auf einer Halfpipe trainieren, um einen tollkühnen Trick einzustudieren, womit er bei den Olympischen Spielen sehr gute Chancen auf eine Goldmedaille hatte. Mit einem mächtigen Satz sprang Kevin Pearce meterhoch über die Halfpipe hinaus in den blauen Himmel, jedoch sollte sich das Leben für ihn wenige Sekunden später für immer verändern. Die Landung endete in einem Desaster und er knallte mit dem Kopf voran auf den harten Schnee. Der 22-jährige Kevin Pearce wurde schwerverletzt mit einem Hubschrauber in das nächste Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte um das Leben des Snowboarders kämpften.

Kevin Pearce: „„Zu Beginn sah es so aus, als würde ich nicht überleben““

Kevin Pearce erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und er wurde in ein künstliches Koma versetzt. Fast vier Wochen lag er auf der Intensivstation des Krankenhauses, aus einer großen Olympiahoffnung war nun ein Pflegefall geworden. Während die anderen Snowboarder ihre Sprünge in den Schnee setzten und sich von den Zuschauern feiern ließen, war der Anblick von Kevin Pearce schockierend. Überall ragten Kabel aus seinem Körper und niemand wusste, wie schwer die Schäden in seinem Kopf waren. Kevin Pearce überlebte zwar diesen schweren Unfall, doch er hatte mit ernsthaften Folgeschäden zu kämpfen, welche für ihn zur größten Herausforderung in seinem Leben werden sollten.

 
Kevin Pearce war gezwungen, wieder ganz von vorne anzufangen. Er musste sich die einfachsten Dinge nochmals beibringen, wie zum Beispiel lernen zu sprechen oder zu laufen. Die normalsten Gehversuche scheiterten und er war ständig auf einen Rollstuhl angewiesen. Durch ein beeinträchtigtes Sehvermögen musste er zudem eine Brille tragen und Kevin Pearce musste einsehen, dass seine Genesung sehr lange Zeit in Anspruch nehmen würde. Mit Hilfe der Ärzte und seiner Familie trainierte Kevin Pearce bis zu acht Stunden am Tag, um sich Millimeter für Millimeter ins Leben zurückzukämpfen. Mit harter monatelanger Arbeit schaffte er es, sich trotz vieler Rückschläge nicht entmutigen zu lassen und langsam wieder in ein normales leben zurückzukehren. Trotz Warnungen der Ärzte begann er auch wieder Sport zu machen und nach unglaublich langer Leidenszeit vollbrachte er ein Wunder, als er mit seinem geliebten Snowboard wieder erste Schwünge in den Schnee ziehen konnte.

Kevin Pearce: „„Ich war dem Tod so nah, dass ich nun keine Angst mehr davor habe. Ich bin einfach nur froh, noch am Leben zu sein““

Das Leben als Leistungssportler war für Kevin Pearce aufgrund des großen Verletzungsrisikos für immer vorbei. Er gründete eine Stiftung für Opfer von Schädel-Hirn-Verletzungen und hielt Vorträge auf der ganzen Welt, um Menschen in schwierigen Situationen zu helfen, immer an sich zu glauben. Kevin Pearce war durch seinen Unfall eine große Karriere als Snowboardfahrer genommen worden. Trotz dieses schweren Schicksalsschlages überwand er diesen Tiefpunkt und fand seine neue Berufung darin, den Menschen neue Hoffnung zu schenken. Denn egal wie schlimm das Schicksal im Leben auch zuschlug, so wie es bei ihm geschehen war, es taten sich immer neue Wege und Chancen auf, wie man seinem Leben einen neuen Sinn geben konnte.

Kevin Pearce: „„Wenn du hinfällst, kannst du dich wieder aufrappeln. Man kann es schaffen und ein wirklich erfolgreiches, zufriedenes Leben leben. Das ist die Botschaft, die ich Leuten vermitteln will““

Markus Thalmann -– Das Wunder von Kärnten

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Am 03. Mai 1998 passierte in einem kleinen Dorf in Kärnten (Österreich) ein schrecklicher Unfall. In der Nähe eines Bauernhofes fiel ein vierjähriges Mädchen beim Spielen in einen eiskalten Teich. Sie versuchte sich noch panisch, irgendwie zu retten, schaffte es aber nicht mehr. Als die geschockte Mutter das leblose Mädchen im Teich entdeckte, trieb sie bereits eine halbe Stunde ohne Luftzufuhr unter Wasser. Die Eltern versuchten das Kind sofort wiederzubeleben, jedoch ohne Erfolg. Der herbeigerufene Rettungshubschrauber flog das Opfer umgehend in das nächste Krankenhaus, jede Sekunde war nun entscheidend. Aber es schien alles vergebens zu sein. Kein Puls, keine Atmung, kein Lebenszeichen mehr. Bei einer Körpertemperatur von nur 18,4 Grad Celsius stand das Herz still. Niemand glaubte mehr an eine mögliche Rettung, nur ein Arzt wollte das Mädchen noch nicht aufgeben.

Markus Thalmann: „“Ich war Oberarzt, hatte meine Ausbildung aber erst knapp ein Jahr zuvor beendet““

Der Oberarzt Markus Thalmann nahm den eigentlich aussichtslosen Kampf entschlossen an. Da das Mädchen stark unterkühlt war, benötigte das Gehirn dadurch nicht so viel Sauerstoff und eine Reanimation könnte noch erfolgreich sein, auch nach so langer Zeit. Da es keine Kinderchirurgie im Krankenhaus gab, musste von Anfang an improvisiert werden. Eiligst wurde eine spezielle Lungenmaschine für die kleine Patientin zusammengebastelt. Über eine Pumpe wurde das Blut außerhalb des Körpers erwärmt und mit Sauerstoff angereichert, danach wurde das Blut über ein Schlauchsystem wieder dem Mädchen zurückgeführt. Es folgte dann sofort eine risikoreiche Operation am offenen Herzen. Markus Thalmann und sein Team standen unter einem ungeheuren Druck. Teilweise mussten noch während des Eingriffes die Instrumentierung und die Medikation an die Maße eines Kleinkindes angepasst werden, da sie nur für Erwachsene entwickelt worden waren.

Foto von n.raveender
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Unter größter Anspannung versuchte Markus Thalmann, das Leben des kleinen Mädchens zu retten. Während er äußerlich so gut es ging Ruhe bewahrte, war er innerlich jedoch zerrissen. Was wäre, wenn er ihr Leben retten könnte, aber das Mädchen schwer hirngeschädigt war und ein Leben im Koma drohte? Warum ein Leben retten, welches nicht mehr lebenswert wäre? Warum das Leid der Eltern mit einem zeitlebens geistig behinderten Kind verlängern? In dieser Nacht kämpfte Markus Thalmann 15 Stunden lang um das Leben seiner kleinen Patientin und gegen alle inneren Widerstände und Gewissensbisse. Aber er hatte vorerst das Unmögliche geschafft, das kleine Mädchen wurde wieder zurück ins Leben geholt.

Nach mehreren Wochen im künstlichen Tiefschlaf und einem bangen Warten, ob das Kind ohne Schädigungen des Gehirns aufwachen würde, folgte das große Wunder. Es wurde festgestellt, dass das Mädchen keine geistigen Beeinträchtigungen hatte und tatsächlich wieder vollkommen gesund werden würde, obwohl sie eine halbe Stunde ohne Sauerstoff war. Markus Thalmann gelang dadurch eine der spektakulärsten Rettungsaktionen in der modernen Medizin.

Noch nie in der Geschichte der Medizin konnte ein vergleichbarer Patient gerettet werden, welcher eine so lange Zeit unter Wasser war. Markus Thalmann ging durch seine außergewöhnliche Rettungstat hohes Risiko ein, denn wenn es nicht funktioniert hätte, wäre er nur der große Verlierer gewesen. Schließlich war es ihm aber zu verdanken, dass er einem kleinen Hoffnungsschimmer noch eine letzte Chance gab und so mit Mut und Entschlossenheit das Wunder von Kärnten ermöglichte.

Hans Rudolf Herren -– Wie der Insektenforscher 20 Millionen Menschen rettete

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Die Maniokpflanze ist in Afrika Grundnahrungsmittel für Millionen Menschen. Dadurch, dass Maniok sehr anspruchslos ist, gedeiht sie auch auf trockenen Böden und bei sehr hohen Temperaturen. Überall in Afrika findet man diese buschartigen Sträucher, verwendet werden dabei hauptsächlich die Wurzelknollen als Nahrungsquelle. Wenn lange Dürreperioden die Ernten von vielen Bauern bedrohen, bilden Maniokpflanzen aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit oft den letzten Notvorrat, um Hungerkatastrophen abwenden zu können. Viele Jahre waren keine bedrohlichen Maniokschädlinge bekannt, bis plötzlich winzige und behaarte Insekten auftauchten.

Schmierläuse bedrohten nun die Maniokpflanzen, welche sich gegen diese Insekten nicht wehren konnten. Bald waren weite Teile von Afrika von dieser Plage betroffen und die Schmierläuse zerstörten unaufhaltsam eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Menschen. Die betroffenen Länder versuchten durch massiven Einsatz von Chemie, die Lage in den Griff zu bekommen, jedoch mit geringem Erfolg. Es drohte eine gigantische Umwelt- und Hungerkatastrophe mit folgenschweren Auswirkungen auf ganz Afrika. Ein Mann wollte diese Notlage auf eine ganz andere Art lösen.

Im Alter von 31 Jahren nahm der Schweizer Hans Rudolf Herren während der schlimmsten Zeit dieser Plage seine Arbeit an der international tätigen Forschungseinrichtung „IITA“ in Nigeria auf. Dort kämpften die Forscher schon mehrere Jahre gegen diese Schmierläuse, jedoch ohne wirklichen Erfolg. Hans Rudolf Herren, ein Spezialist auf dem Gebiet der biologischen und natürlichen Schädlingsbekämpfung, beschäftigte von Anfang an eine wesentliche Frage in diesem Fall: Warum blieben die Maniokpflanzen im eigentlichen Ursprungsgebiet Südamerika verschont, während die Schmierlaus in Afrika beinahe alles zerstörte?

Foto von Frank Vincentz
unter CC BY-SA 3.0

Hans Rudolf Herren machte sich gemeinsam mit einem Forscherteam auf den Weg nach Südamerika, um nach natürlichen Feinden der Schmierlaus zu suchen. Nach monatelanger Suche stieß man in Paraguay tatsächlich auf eine Schlupfwespe, welche die Schmierläuse tötete. Das Forscherteam um Hans Rudolf Herren musste nun untersuchen, ob sich diese Schlupfwespenart in einer möglichen neuen Umgebung nicht unkontrolliert ausbreiteten und eventuell selber zum Schädling werden konnten. Nach intensiver Forschung stellte man aber fest, dass die Schlupfwespe ohne die Schmierlaus gar nicht überleben konnte, so war das natürliche Gleichgewicht auf jeden Fall sichergestellt. Sofort machte sich Hans Rudolf Herren an die Züchtung dieser Schlupfwespen, um sie dann in Afrika ansiedeln zu können.

Hans Rudolf Herren: „“Wir mussten ausschließen, dass wir uns mit der Einführung der Schlupfwespe ein neues Problem einhandelten““

Ein spezielles Flugzeug wurde konstruiert, um die Schlupfwespen kontrolliert in den betroffenen Gebieten abwerfen zu können. Millionen gezüchteter Larven kamen nun zum Einsatz, innerhalb weniger Minuten wurden sie über riesige Maniokfelder abgeworfen. Diese Aussetzaktionen wurden konsequent quer über den Kontinent Afrika durchgeführt, Hans Rudolf Herren und das Forscherteam beobachteten in der Folge gespannt, wie sich die Situation mit den Maniokpflanzen, den Schmierläusen und den Schlupfwespen weiterentwickeln würde.

Die Aktion mit den Schlupfwespen funktionierte besser als erwartet und die bedrohlichen Schmierläuse wurden kontinuierlich weniger. Innerhalb weniger Jahre stellte sich ein natürliches Gleichgewicht zwischen Schlupfwespen und Schmierläusen ein und das Problem mit den Maniokpflanzen war für immer gelöst.

Hans Rudolf Herren rettete durch diese einzigartige Aktion schätzungsweise 20 Millionen Menschen in Afrika das Leben. Durch diese biologische und natürliche Schädlingsbekämpfung wurden der Mensch und die Natur verschont, denn dadurch konnte man auf teure und giftige Insektenvernichtungsmittel mit ohnehin wenig Wirkung verzichten. Für seinen unermüdlichen Einsatz wurde Hans Rudolf Herren 1995 mit dem Welternährungspreis ausgezeichnet. Mit dem erhaltenen Preisgeld für den Welternährungspreis gründete Hans Rudolf Herren 1998 die Stiftung „Biovision“, um die Lebenssituation der Menschen in Afrika durch eine nachhaltige Landwirtschaft verbessern zu können.

Hans Rudolf Herren setzt sich entschlossen für die biologische Landwirtschaft ein und tritt gegen die Verwendung giftiger Pestizide auf, er stellt sich dadurch gegen eine mächtige Agrarindustrie. Durch eine umweltschonende Bewirtschaftung wird das Ziel verfolgt, dass alle Menschen und Tiere in einer gesunden Umwelt leben und sich ausreichend ernähren können.

Hans Rudolf Herren: „„Nur eine Landwirtschaft, die sich auf die natürliche Bodenfruchtbarkeit stützt, kann die Ernährung der Menschheit dauerhaft sichern. Sie kommt mit einem Minimum an Hilfsstoffen wie Dünger und Pestiziden aus, die sich Kleinbauern der Entwicklungsländer ohnehin nicht leisten können. Zahlreiche Projekte belegen, dass man mit ökologischem Landbau die Erträge steigern kann““

Nick Vujicic –- Ein erfolgreiches Leben ohne Arme und Beine

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Nick Vujicic wurde am 04. Dezember 1982 als Sohn kroatischer Auswanderer in Australien geboren. Die Schwangerschaft verlief noch unkompliziert, jedoch mussten die geschockten Eltern nach der Geburt feststellen, dass ihrem Kind völlig die Arme und die Beine fehlten, nur am Oberschenkelansatz auf der linken Seite hatte er einen kleines Füßchen mit zwei Zehen. Die Eltern von Nick waren verzweifelt und im ersten Moment fragten sie sich, wie wohl die Zukunft für ihren behinderten Sohn aussehen würde. Als jedoch die Untersuchungen zeigten, dass Nick ein vollkommen gesundes Baby war, beschlossen sie, von nun an alles für ihren Sohn zu tun, um ihm ein möglichst normales Leben bieten zu können.

Nick Vujicic musste aufgrund der australischen Gesetzgebung eine Schule für Behinderte besuchen, als dieses Gesetz aber geändert wurde, war er eines der ersten behinderten Kinder, die eine normale Schule besuchen durften. Nick versuchte so zu sein wie seine Mitschüler, aber seine körperliche Behinderung war einfach zu viel. Er wurde verspottet und verhöhnt, ohne seine Arme und Beine wurde er immer mehr ausgegrenzt und zum Außenseiter. Seine Eltern versuchten ihn zu ermutigen, die negativen Äußerungen gegen ihn einfach zu ignorieren, jedoch wurde die Situation immer schlimmer. Nick wurde sehr einsam und bekam Depressionen, er fühlte sich wie eine schwere Last für die Schule und für seine Familie. Und so fasste er den schrecklichen Entschluss, sich im Alter von zehn Jahren das Leben zu nehmen. Er sah keinen Ausweg mehr, jemals ein Leben führen zu können, welches irgendeinen Sinn machte.

Nick Vujicic: „„Ich weinte mich in den Schlaf und träumte, dass meine Arme und Beine am nächsten Morgen plötzlich da waren““

Nick Vujicic wollte sich in der Badewanne ertränken und stellte sich bereits seine Beerdigung vor. Als er sich aber seine Eltern vorstellte, die sich schuldig für seinen Tod fühlen würden, überdachte er seine Situation. Trotz seiner ausweglosen Lage mit den vielen Rückschlägen waren es die Aufmunterungen seiner Familie und die Liebe seiner Eltern, die Nick dazu brachten, sich nicht das Leben zu nehmen. Er beschloss weiterzukämpfen, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, wie seine Zukunft aussehen würde.

Nick Vujicic: „„Die Liebe zu meinen Eltern war es, die mich daran hinderten, mich umzubringen““

Im Alter von 13 Jahren kam ein blinder Redner an seine Schule. Nick merkte, wie jeder Schüler sofort beeindruckt war von der Geschichte eines Mannes, der trotz seiner Blindheit das Beste aus seinem Leben machte. Dies war der Wendepunkt im Leben von Nick Vujicic und er begann, sein Leben mit anderen Augen zu betrachten. Nick nahm eine Einladung an, wo er vor einer kleinen Gruppe sprechen sollte. Nach seinem Vortrag über Hoffnung und wie er sein Leben meisterte, waren alle Leute so begeistert von dem kleinen Jungen, dass Nick nun begann, vor immer größeren Gruppen zu sprechen. Er bekam jetzt immer größeres Selbstvertrauen, aber auch im normalen Leben blickte er nun positiv in die Zukunft.

Nick Vujicic: „„Ich war damals nur auf das konzentriert, was ich mir wünschte, tun zu können und zu haben, was ich nicht hatte. Dabei vergisst du dann auf das, was du hast und wofür du dankbar sein kannst““

Mit seinem kleinen Füßchen konnte er sich fortbewegen und er lernte auch damit zu schreiben oder einen Computer zu bedienen. Zusätzlich war Nick ein begeisterter Sportler, von seinem Handicap ließ er sich dabei nicht begrenzen. Er lernte zu schwimmen, wo ihm sein kleiner Fuß als eine Art Propeller diente, oder auf dem Wasser zu surfen. Er spielte Fußball und liebte es mit seinem Skateboard zu fahren, und sogar Golf spielen konnte er. Dabei nahm er einfach den Schläger zwischen sein Kinn und seine Schulter und konnte so den Schläger schwingen. Es war zwar schwieriger für Nick dies zu erlernen, aber mittlerweile konnte er besser spielen als so mancher Golfer mit zwei gesunden Händen und zwei gesunden Beinen.

Nick Vujicic: „„Du weißt nicht, was du alles erreichen kannst, wenn du es nicht probierst““

Nick Vujicic besuchte die High School und erwarb im Anschluss Hochschulabschlüsse in Rechnungswesen und Finanzplanung. Aber zum Beruf machte er seine große Leidenschaft, denn er liebte es, anderen Menschen seine bewegende Geschichte über Hoffnung und Mut zu erzählen, und so wurde er Motivationsredner. Mittlerweile besuchte er schon die ganze Welt, um von seinem Leben zu erzählen und die Menschen darin zu bestärken, ihre Träume zu erfüllen. Egal wo er auch hinkam, sei es in Unternehmen, Schulen, Kirchen oder auch in Gefängnissen unter Schwerstverbrechern, überall waren die Menschen gerührt von dem Schicksal von Nick Vujicic und wie er sein Leben ohne Arme und Beine erfolgreich meisterte.

Nick Vujicic schaffte es, seinem Leben einen Sinn zu geben und hilft nun selbst anderen Menschen, wieder Mut und Hoffnung im Leben zu finden. Während andere Personen in seiner Situation längst aufgegeben hätten, führt Nick Vujicic ein Leben ohne Limits mit unglaublicher Kraft und Energie, und dies ohne Arme und Beine.

Nick Vujicic: „„Ich hoffe, dass meine Geschichte andere dazu inspiriert, nicht aufzugeben““

Maya Angelou -– „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“

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Maya Angelou wurde am 04. April 1928 in der Stadt St. Louis (USA) geboren. Im Alter von drei Jahren ließen sich ihre Eltern scheiden, und so wurde sie gemeinsam mit ihrem Bruder zu einer im südlichen Bundesstaat Arkansas lebenden Großmutter geschickt, da weder die Mutter, noch der Vater für sie sorgen wollten. Die kleinen Kinder wurden einfach wie Gepäcksstücke beschriftet und mit dem Zug alleine auf die lange Reise geschickt. Im Gegensatz zu den Eltern kümmerte sich die Großmutter aber fürsorglich um die Kinder, Maya Angelou ging zur Schule und konnte in ihrer Freizeit verschiedene Tanzkurse besuchen. Trotzdem bekam sie bereits als Kind die rassistische Diskriminierung mit, da sie, wie ihre Familie, dunkelhäutig war.

In der Schule musste sie die Folgen der rassistischen Unterdrückung erleben, schwarze Kinder wurden ständig benachteiligt. Maya Angalou verstand diese Ungerechtigkeiten nicht, und sie verstand auch nicht, warum ein weißer Zahnarzt sich einfach weigerte, ihren schlechten Zahn zu behandeln. Trotzdem versuchte die Großmutter, den Kindern die traditionellen afrikanischen Werte zu vermitteln und immer an das Gute im Menschen zu glauben. Nach vier Jahren schickte die Großmutter die Kinder wieder zurück zu ihrer Mutter, denn die Brutalität und der Rassismus nahmen immer mehr zu, und die Großmutter wollte die Kinder davor beschützen. Dies sollte aber fatale Folgen für Maya Angelou haben.

Im Alter von acht Jahren wurde das junge Mädchen von dem Freund der Mutter sexuell missbraucht und vergewaltigt. Nachdem Maya Angelou diese schreckliche Tat öffentlich machte, hatte dies zusätzlich schlimme Auswirkungen. Als Verwandte von ihr von dieser Misshandlung erfuhren, prügelten sie den Freund der Mutter zu Tode. Maya Angelou stand unter Schock, denn plötzlich verstand sie, dass durch ihre Worte ein Mensch getötet wurde. Das junge Mädchen wusste nun keinen Ausweg mehr und wurde stumm, von nun an sprach sie kein Wort mehr. Die Verletzung ihres Körpers, das Trauma der Vergewaltigung und der Todesfall waren zu viel gewesen für das kleine Mädchen.

Maya Angelou: „“Die Kraft meiner Worte hat jemanden zu Tode gebracht“

Maya Angelou beschäftige sich jetzt viel mit Büchern und Gedichten. Sie las reichlich von William Shakespeare oder Edgar Allan Poe und fand hier auch Halt in ihrer schwierigen Situation. Sie nutzte die Fantasiewelt der Bücher, um mit ihrer eigenen Vergangenheit fertig zu werden, jedoch blieb sie in dieser Zeit weiterhin stumm. Das Mädchen entdeckte ihre Liebe für die Literatur und entwickelte in dieser Zeit der Stille zusätzlich ein außerordentliches Gedächtnis und lernte viele Geschichten und Gedichte auswendig. Erst nach über fünf Jahren, im Alter von bereits 13 Jahren, fand Maya Angelou wieder die Kraft zu sprechen. Sie ging auf die High School und versuchte nebenbei Geld zu verdienen. Obwohl sie im Berufsleben aufgrund ihrer schwarzen Hautfarbe diskriminiert wurde, kämpfte sie immer wieder erfolgreich dagegen an, so wurde sie zum Beispiel die erste afroamerikanische Straßenbahnschaffnerin in San Francisco (Kalifornien). Aber ihr Leben nahm wieder eine entscheidende Wendung, als sie mit 16 Jahren schwanger wurde und kurz nach ihrem Schulabschluss ihren Sohn zur Welt brachte.

Maya Angelou: „“Ich habe gelernt, egal was passiert oder wie schlecht es heute ausschaut, das Leben geht weiter und morgen wird es besser““

Als alleinerziehende Mutter nahm sie verschiedene Jobs an, sie arbeitete als Köchin oder kellnerte in Nachtclubs. Es war eine turbulente Zeit, sie tanzte und sang auch auf Bühnen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können und um nicht in die Armut abzurutschen. Maya Angelou war auf der Suche nach einem Platz für sie in einer gehässigen Gesellschaft, denn eine alleinerziehende schwarze Frau mit einem Kind wurde nicht wirklich akzeptiert. Um mehr von der Welt zu sehen ging sie einige Zeit später mit einem südafrikanischen Freiheitskämpfer nach Afrika und arbeitete dort als Lehrerin und als Schriftstellerin, nebenbei studierte sie mehrere Sprachen. Als sie wieder zurück in Amerika war, war sie für den Bürgerrechtler Martin Luther King tätig, um gegen soziale Ungerechtigkeiten und gegen Rassismus zu kämpfen, nebenbei schrieb sie Bücher und Gedichte darüber. Als Martin Luther King jedoch ermordet wurde, es war genau der Tag an ihrem Geburtstag, war Maya Angelou am Boden zerstört. In ihrem größten Schmerz entschloss sie sich aber, in mehreren Bänden eine Autobiografie über ihre Lebensgeschichte zu veröffentlichen. Der erste Teil: „„Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt““ wurde 1970 veröffentlicht.

Maya Angelou: „„Wirklich gut können wir nur bei etwas werden, was wir lieben. Mach nicht das Geld zu deinem Ziel, sondern verfolge die Dinge, die du richtig gern machst. Und: Mach sie so gut, wie du nur kannst““

Foto von Rick Lewis, NPS

 
Die Geschichten über eine afroamerikanische Frau in einer rassistischen Gesellschaft machten sie schlagartig bekannt. Maya Angelou verstand es, ihre Abenteuer und Erlebnisse so fesselnd zu schreiben, dass sie weltweit Anerkennung dafür erhielt. Sie bekam zahlreiche Auszeichnungen von Universitäten und auch literarischen Gruppen, da sie auch immer wieder faszinierende Gedichte veröffentlichte. Maya Angelou begann nun öffentlich gegen soziale Ungerechtigkeiten zu kämpfen, sie hielt Vorträge und unterrichtete an Schulen.

Aus einem stummen Mädchen mit teilweise schrecklichen Schicksalsschlägen wurde eine der einflussreichsten Schriftstellerinnen ihrer Zeit und zu einer der wichtigsten Personen im Kampf für Menschenrechte. Maya Angelou wurde Vorbild für Millionen von Menschen, sie zeigte den Leuten, dass es sich immer lohnt, niemals im Leben aufzugeben, egal wie schlimm die Situation im Leben war.

1993 durfte sie bei der Amtseinführung des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton ein Gedicht vortragen, da Bill Clinton ein sehr begeisterter Leser von ihren Werken war. 2009 las sie bei der Trauerfeier für den berühmten Musiker Michael Jackson ein dichterisches Werk von ihr vor. 2011 wurde sie mit der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten von Amerika geehrt, mit der „“Presidential Medal of Freedom““ („Freiheitsmedaille des Präsidenten). Diese Anerkennung wurde ihr persönlich von dem US-Präsidenten Barack Obama überreicht.

Maya Angelou starb am 28. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren.

Maya Angelou: „„Ich habe gelernt, dass dir das Leben manchmal eine zweite Chance bietet““

Stevie Wonder -– Die Geschichte von der Maus im Klassenzimmer

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In den 1950er Jahren wünschte sich ein kleiner schwarzer Junge nichts sehnlicher, als von seinen Mitschülern anerkannt und respektiert zu werden, jedoch hatte er einen entscheidenden Nachteil, denn er war blind. Aufgrund einer Frühgeburt musste er in einen Brutkasten, und da die Sauerstoffversorgung nicht stimmte, erblindete er. Seine Mutter rannte mit ihm noch von Arzt zu Arzt, aber es war alles umsonst, der Junge sollte blind bleiben.

Eines Tages hörte man während des Schulunterrichtes ein leises, aber ungewöhnliches Geräusch. Eine kleine Maus hatte sich in das Klassenzimmer verirrt, und die Aufregung der Kinder war perfekt. Die Lehrerin wusste, dass kein normaler Unterricht mehr möglich war, denn mit einer Maus im Schulzimmer würde sich kein Kind mehr richtig konzentrieren können. Und so beteiligten sich alle Kinder inklusive der Lehrerin an der Mäusejagd, jedoch ohne Erfolg, denn die Maus hatte sich irgendwo in einem Versteck verkrochen. Es gab jetzt nur mehr eine Hoffnung, um die Maus zu finden.

 
Die Lehrerin blickte zu dem kleinen blinden Jungen und sagte ihm, dass er das beste Gehör in der ganzen Klasse hätte und dass er die Maus lokalisieren könnte. Und so musste jedes Kind in der Klasse mucksmäuschenstill sein, damit der kleine Junge sich auf seine Aufgabe konzentrieren konnte. Und tatsächlich konnte die Maus durch sein feines Gehör ausfindig gemacht und eingefangen werden. Zum ersten Mal in seinem Leben erhielt der kleine Junge Anerkennung und Beifall, und da merkte er, dass er trotz seiner Behinderung eine besondere Gabe hatte. Seit diesem Vorfall fing der blinde Junge an, an sich zu glauben und sein Handicap als Chance zu erachten. Sein Name war Stevie Wonder.

Stevie Wonder war ein aufgewecktes und fröhliches Kind, trotz seiner Blindheit wollte er immer alles ausprobieren. Er lernte das Radfahren, kletterte auf Bäume oder spielte mit anderen Kindern, aber seine größte Leidenschaft war die Musik. Bereits in jungen Jahren beherrschte er das Klavier, die Mundharmonika und das Schlagzeug perfekt. Er hatte trotz seiner Blindheit ein unglaubliches musikalisches Talent, er spielte nicht nur mehrere Musikinstrumente, sondern er sang auch in einem Kirchenchor mit und komponierte eigene Lieder. Stevie Wonder wollte aber mehr, er wollte Musiker sein und seine Musik öffentlich bekannt machen. Und dies in einer Zeit, in der schwarze Menschen oft benachteiligt und nicht anerkannt wurden, ganz besonders wenn sie behindert waren. Obwohl ihm viele Freunde davon abrieten, weil sie ihn vor einer Enttäuschung bewahren wollten, bewarb sich Stevie Wonder bei einer Plattenfirma. Keiner glaubte daran, dass er als blinder Sänger Erfolg haben könnte, nur er selber glaubte an sich und an sein Talent.

Der Chef der Plattenfirma, Berry Gordy, konnte es kaum fassen, als seine Berater ihm mitteilten, dass ein zwölfjähriger Blinder vor seiner Tür stand, um sich bei seiner Firma zu bewerben. Trotz seiner ablehnenden Haltung sah er sich den blinden Jungen kurz an, denn schließlich hatte jeder eine Chance verdient. Doch was er kurze Zeit später zu hören bekam, war für ihn kaum vorstellbar. Dieser kleine blinde Junge konnte nicht nur Schlagzeug, Klavier, Mundharmonika und Gitarre spielen, er hatte dazu noch eine äußerst talentierte Stimme. Und so kam Stevie Wonder tatsächlich zu seinem ersten Plattenvertrag, und dies sollte der Startschuss für eine außergewöhnliche Musikkarriere sein.

Stevie Wonder nahm seine ersten Platten auf und schaffte durch sein musikalisches Talent bald seinen internationalen Durchbruch. Von nun an arbeitete er hart an sich, er komponierte, spielte und produzierte Lieder, und das mit unglaublichem Erfolg. Überall auf der Welt wurden die Lieder von Stevie Wonder gespielt und er stieg bald zu einem der gefragtesten Musiker auf der Welt auf. Aber nicht nur seine berührenden Lieder verhalfen ihm zu diesem Ruhm, sondern auch sein großes Herz.

 
Mit seinen Liedern und Texten engagierte er sich zum Beispiel für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung und er wurde so zu einer Art Maskottchen für die Bürgerrechtsbewegung. Sein Lied „“I Just Called to Say I Love You““ widmete er dem langjährigen Gefängnisopfer Nelson Mandela, oder das Lied ““That’s What Friends Are For“” sang er für mehr Solidarität im Kampf gegen Aids. Bei zahlreichen Benefizkonzerten musste man den begabten Musiker nicht lange bitten, um daran teilzunehmen, außerdem wurde Stevie Wonder Friedensbotschafter für die Vereinten Nationen.

Stevie Wonder musste ein dreifaches Handicap überwinden, denn er war arm, schwarz und blind. In einer Zeit, in der viele Menschen mit einer dunklen Hautfarbe diskriminiert wurden, stemmte sich ein kleiner blinder Junge beherzt dagegen und hatte trotz aller Erschwernisse immer die Hoffnung, einmal ein großer Musiker zu werden. Diese Hoffnung erfüllte sich bereits in jungen Jahren, als Stevie Wonder mutig genug war, sich als blinder Junge bei einer Plattenfirma zu bewerben. Dies war der Startschuss für eine einzigartige Erfolgsgeschichte, und Stevie Wonder erhielt weltweit die wichtigsten Auszeichnungen und Musikpreise, wie den Grammy, den Oscar oder den Golden Globe. Für seine Verdienste um die Soul-Musik wurde er außerdem in die „„Rock and Roll Hall of Fame““ aufgenommen.

Der Ausgangspunkt zu dieser einzigartigen Weltkarriere war aber eine kleine Maus, die Stevie Wonder damals die Zuversicht gab, dass er durch sein feinfühliges Gehör eine besondere Gabe hatte.

Jessica Joy Rees -– Ein beherzter Kampf gegen den Krebs

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Am 03. März 2011 änderte sich das Leben für die 12-jährige Jessica Joy Rees schlagartig. Bei einer Kernspintomographie (erzeugt Bilder des Körperinneren) wurde ein Tumor im Gehirn des kleinen Mädchens festgestellt. Da dieser Gehirntumor inoperabel war, musste sich Jessica einer schwierigen Chemotherapie und Bestrahlung unterziehen. Im Internet (Facebook) dokumentierte sie seit dieser Diagnose ihren Kampf gegen den Krebs und ihre Hoffnung, wieder gesund zu werden.

Während ihrer teils schmerzhaften Krankenhausbesuche verlor sie ihre Haare und wurde auf einem Ohr taub, aber die kleine Jessica kämpfte verbissen um ihre Gesundheit. Mitten in diesem Kampf gegen den bösartigen Krebs hatte sie jedoch die Idee, anderen Kindern, die ebenfalls Krebs hatten, zu unterstützen. Jessica strahlte ungeheure Hoffnung für ihre Heilung aus, und diese Hoffnung wollte sie auch anderen Kindern vermitteln. Und so gründete sie gemeinsam mit ihren Eltern die „NEGU-Foundation“, eine Stiftung für krebskranke Kinder. „NEGU“ stand für „“Never Ever Give Up““ („Gib niemals auf“). Doch mitten in ihrem Kampf fanden die Ärzte am 09. September 2011 plötzlich einen zweiten Gehirntumor.

„30. September 2011 -– Die Bestrahlung macht mich so müde. Ich muss mich am Wochenende mehr ausruhen, damit ich meine Kraft für nächste Woche wieder aufbaue. Hab immer noch Druck auf den Ohren und mein rechtes Auge bewegt sich nach oben. Ich hoffe, das vergeht bald. Danke, dass ihr für mich betet. Wir alle werden diese Tumore schlagen. NEGU, Jessie“

Jessica war ein tapferes Mädchen und versuchte trotz der Schockdiagnose weiterzukämpfen. Sie veröffentlichte weiter Facebook-Einträge, die sie meistens mit „NEGU, Jessie“ („Gib niemals auf, Jessie“) unterschrieb. Mittlerweile verfolgten immer mehr Menschen die Einträge des Mädchens im Internet, welches beherzt den Kampf gegen diese schlimme Krankheit aufgenommen hatte. Sogar die berühmte Schauspielerin Eva Longoria besuchte sie im Krankenhaus, um ihr Kraft zu spenden und ihre „NEGU-Foundation“ zu unterstützen, wo zum Beispiel in einer Aktion bunte Marmeladengläser gefüllt mit Süßigkeiten an andere krebskranke Kinder verschenkt wurden.

„25. Dezember 2011 -– Frohe Weihnachten euch allen! Bitte betet für mich … Ich hab ziemlich schlimme Schmerzen in meinen Knien festgestellt … Das kommt von den Steroiden. Es tut wirklich sehr sehr weh. Ich hoffe, das geht bald vorbei. War die meiste Zeit der Nacht wach. Mommy und Daddy haben mir die ganze Nacht die Knie gerieben. Ich hoffe, ihr habt alle ein tolles Weihnachten. NEGU, Jessie“

Jessica blickte positiv in die Zukunft und kämpfte tapfer weiter, sie freute sich bereits auf ein großartiges neues Jahr 2012. Ihre Mission mit ihrer „NEGU-Foundation“ wollte sie fortführen, denn ihr Ziel war es, krebskranke Kinder dazu zu ermutigen, niemals aufzugeben. Ein fröhliches Herz wäre die beste Medizin, so war die Botschaft von Jessica. Das Mädchen strahlte noch immer Zuversicht und Hoffnung aus, jedoch wurde ihr eigener Zustand immer kritischer.

„04. Januar 2012 -– Meine Kopfschmerzen werden nicht besser. War bis 4 Uhr morgens wach und meine Schläfen klopfen. Es tut weh, sich zu bewegen. Bitte betet, dass das weggeht. Es ist frustrierend und echt kein Spaß. Eure Jessie“

Dies sollte der letzte Eintrag von Jessica sein. Als sich ihr Zustand nicht besserte, wurde sie mit einem Notfallteam ins Krankenhaus gebracht. Jessica durfte nur mehr wenige Tage des neuen Jahres erleben, denn sie verlor ihren Kampf gegen den Krebs und starb am 05. Januar 2012. Ihre Eltern verfassten einen letzten Eintrag über ihre verstorbene Tochter:

„05. Januar 2012 -– Liebe Freunde -… wir haben für unsere süße Jessie gebetet und gebetet, dass sie hier auf Erden geheilt werden würde, doch es war Gottes Plan, sie im Himmel zu heilen. Jessie hat heute Flügel bekommen und ist jetzt bei Jesus. Keine Schmerzen … vollkommene Vision … verbreitetes Glück. Bitte begleitet uns dabei, ihren glücklichen Geist und ihre „Niemals-Aufgeben-Einstellung“ in die Welt zu tragen.“

Die Anteilnahme der Menschen am Tod des jungen Mädchens war überwältigend, ihre Seite auf Facebook verzeichnete bereits über 100.000 Fans und wuchs ständig weiter. Jessica hatte ihren Kampf gegen den Krebs zwar verloren, jedoch war ihr Tod nicht umsonst. Mit ihrer gegründeten „NEGU-Foundation“ lebt ihr mutiger Kampf gegen ihre Krankheit bis heute weiter. Denn mit ihrer Einstellung, in ihrer schwierigsten Zeit nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere kranke Kinder zu denken, wurde sie zum Vorbild für viele Menschen. Zahlreichen Kindern konnte so bereits ein besseres Leben ermöglicht werden.

Jessica Joy Rees: „„Ich träume von dem Tag, an dem jedes gegen Krebs kämpfende Kind den Mut hat, niemals aufzugeben““

 

Ameneh Bahrami –- Der Säureangriff, der ihr Leben zerstörte

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Ameneh Bahrami wurde in Teheran (Iran) geboren und war eine aufgeweckte und lebensfrohe junge Frau. Wie die meisten aufgeklärten Frauen im Iran stellte sie sich nicht direkt gegen das unbeugsame und starre iranische System mit ihren alten und traditionellen Rollenbildern, sondern nahm sich immer wieder kleine Freiheiten heraus. Sie trug modische Kopftücher, wo ihr schwarzes Haar manchmal zum Vorschein kam, und ab und zu schminkte sie sich dezent. Sie arbeitete für ein Unternehmen der Medizintechnik und nebenbei begann sie, an der Universität in Teheran zu studieren. Ameneh Bahrami träumte von der großen Liebe und einem unabhängigen und eigenständigen Leben, so wie viele junge Frauen in ihrem Land. Doch plötzlich begann ein junger iranischer Student um sie zu werben.

Es war der unscheinbare Madschid Mowahedi, der sich unsterblich in die hübsche Frau verliebt hatte. Er begann, Ameneh Bahrami zu belästigen und anzurempeln, um auf sich aufmerksam zu machen. Er quälte sie mit Anrufen und verfolgte sie monatelang durch die Straßen von Teheran. Die Familie von dem Verehrer stand ebenfalls hinter dem Mann, denn sie sind laut Tradition der Meinung, dass die Frau dem Mann einfach zu gehorchen hatte. Aber Ameneh Bahrami wollte von den bedrängenden Annäherungsversuchen nichts wissen, denn sie wollte ihre eigene große Liebe im Leben finden. Sie meldete den Stalker der Polizei, ab die konnten nichts tun, solange keine Gewalt angewendet wurde. Eines Tages, nach zahlreichen weiteren Ablehnungen gegenüber ihrem Verehrer, lauerte er Ameneh Bahrami vor ihrem Arbeitsplatz auf. Wenn er ihr seinen Willen schon nicht aufzwingen konnte, dann wollte er wenigstens ihr Leben zerstören.

Als sich die 26-jährige Ameneh Bahrami an diesem Tag auf den Heimweg machte, schlich sich der Verehrer von hinten an sie heran, schüttete ihr Schwefelsäure ins Gesicht, und rannte weg. Die Säure brannte wie Feuer in ihrem Gesicht, auch ihre Arme, Hände und ihr Dekolleté wurden stark verätzt. Sofort eilten Passanten herbei, aber keiner konnte der vor Schmerzen schreienden jungen Frau helfen. Die Ärzte im Krankenhaus konnten am Anfang ebenfalls nicht viel für sie tun, um ihre höllischen Schmerzen zu beenden.

Ameneh Bahrami: „„Kein Schmerzmittel konnte mein Leid mindern. Ich habe mich sogar gegen die Wand geschmissen, weil die Qualen so unerträglich waren. Ich flehte die Ärzte an, mir eine Spritze zu geben, damit ich sterbe. Letzten Endes aber fingen all die Medikamente an zu wirken““

Von nun an war das unbeschwerte Leben von Ameneh Bahrami für immer vorbei. Ihr Gesicht war vollkommen entstellt, die Schmerzen, die sie am ganzen Körper aushalten musste, waren kaum vorstellbar. Aus dem attraktiven und hübschen Mädchen wurde eine Frau, die kaum wiederzuerkennen war. Ihr Gesicht wurde vollkommen zerfetzt von der Säure und sie verlor ihre beiden Augen. Zu den zahlreichen Narben am ganzen Körper kam die Gewissheit, dass sie in ihrem Leben von nun an immer auf Hilfe angewiesen sein würde. Sie zog nach Barcelona (Spanien), wo sie in einer Spezialklinik viele Operationen über sich ergehen lassen musste. Ihr Gesicht musste die nun blinde Frau immer verdecken, denn die Leute schrien vor Schreck, wenn sie das fürchterliche Gesicht von ihr sahen. Ameneh Bahrami wollte sich an dem Täter rächen, der ihr das alles angetan hatte, und zog vor ein iranisches Gericht. Und das, was sie vorhatte, war unvorstellbar.

 
Da es im iranischen Recht das Vergeltungsprinzip gab, darf bei vorsätzlicher Körperverletzung dem Täter das Gleiche widerfahren wie dem Opfer. Und das Gericht gab ihr nach langen Verhandlungen tatsächlich Recht, ihrem Peiniger ebenfalls dasselbe Schicksal wir ihr zuführen zu können. Nach diesem Urteilsspruch kam es zu massiven Protesten von Menschenrechtsorganisationen auf der ganzen Welt und sogar die iranische Regierung, die um ihr Image besorgt war, legte ihr nahe, dieses Recht nicht auszuüben. Aber Ameneh Bahrami spürte nur tiefen Hass gegenüber ihrem Peiniger, und dies war auch verständlich.

Der Täter Madschid Mowahedi zeigte überhaupt keine Reue und prahlte im Gefängnis sogar damit, auf allen Titelseiten zu sein. Als er im Gerichtssaal zum ersten Mal ihr verunstaltetes Gesicht sah, lachte er nur höhnisch. Er sagte zu ihr, dass sie ihn nun heiraten könnte, den einen anderen Mann würde sie sowieso nicht mehr finden. Diese Uneinsichtigkeit schmerzte Ameneh Bahrami sehr, doch nun sollte sie ihrem Peiniger ebenfalls das Augenlicht durch eine Säure nehmen können, und alles war bereits vorbereitet für diese Tat. Im Jahr 2011 stoppte sie aber im letzten Moment ihre Vergeltungsaktion und teilte mit, den Mann nun nicht mehr bestrafen zu wollen. Sie hatte die Sache absichtlich bis auf die Spitze getrieben als Warnung für alle Männer, die ebenfalls Frauen im Iran verletzen wollten.

Ameneh Bahrami lebt heute in Spanien. Von der Familie des Täters wird sie noch immer bedroht, da sie das Verschulden bei ihr sehen. Denn wenn sie ihre Schönheit besser bedeckt hätte, dann hätte sie der Verehrer nicht so ansehen können und es wäre nie so weit gekommen. Bis heute hat sich weder der Übeltäter, noch dessen Familie bei ihr entschuldigt. Der Täter wurde zu einer Haftstrafe von 12 Jahren und einer Geldstrafe verurteilt.

Die seinerzeit hübsche Frau Ameneh Bahrami wird für immer entstellt und schwer behindert bleiben. Trotzdem zeigte sie Größe und verschonte den Täter, der ihr Leben für immer zerstörte. Durch ihren unermüdlichen Kampf vor Gericht gab sie vielen Frauen im Iran Hoffnung. Für solche schrecklichen Vergeltungsaktionen gegen Frauen gab es bis jetzt nur eine mehrjährige Gefängnisstrafe, und diese schreckte viele Männer nicht ab, Gewalt gegen Frauen anzuwenden. Seit dem Gerichtsurteil, dass Frauen an den Männern ebenfalls Vergeltung üben konnten, wurden keine furchtbaren Attentate mehr gegen Frauen durchgeführt.

Ameneh Bahrami musste ihre Lebenspläne schon in jungen Jahren begraben. Durch ihren vorbildlichen Kampf gab sie aber vielen Frauen die Hoffnung, sich nicht von den Männern unterkriegen zu lassen und zu sich selbst zu stehen. Denn heute ist laut iranischem Recht eine Frau immer noch nur halb so viel wert wie ein Mann.

Ameneh Bahrami: „„Ich will erreichen, dass niemand mehr erlebt, was ich durchgemacht habe. Ich will potenzielle Täter abschrecken““

Christy Brown -– Mein linker Fuß

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Christy Brown wurde am 05. Juni 1932 in Dublin (Irland) als Kind einer armen irischen Arbeiterfamilie geboren. Durch Geburtskomplikationen war er jedoch gelähmt und hatte eine cerebrale Bewegungsstörung. Ohne Hilfe konnte er sich nicht bewegen und er wurde immer wieder von anfallartigen Krämpfen geschüttelt. Zusätzlich konnte Christy Brown sich nur grunzend verständigen, aus diesem Grund galt er auch als geistig behindert und als bildungsunfähig. Nur seinen linken Fuß konnte er selbst steuern, so wie er es wollte. Die Ärzte stempelten ihn als hoffnungslosen Fall ab, dies war auch die Meinung der meisten Leute. Da es schwierige wirtschaftliche Zeiten waren, rieten sie den Eltern, dass sie ihren Sohn in eine Pflegeanstalt weggeben sollten, wo er den Rest seines Lebens dahinvegetieren sollte. Aber sie hatten die Rechnung nicht mit der Liebe der Mutter gemacht, denn trotz der Behinderung ihres Sohnes sah sie ihn als volles Familienmitglied an.

Die Mutter beschäftigte sich so gut es ging mit ihrem Sohn, sie zeigte ihm Bilder und las ihm Geschichten vor. Zwischendurch musste er gewaschen, gefüttert oder getragen werden, aber die Mutter hatte einen starken Willen und tat alles für ihren Sohn. Im Alter von fünf Jahren tat Christy Brown plötzlich etwas Erstaunliches, er nahm mit den Zehen seines linken Fußes eine Kreide auf und kritzelte auf der kleinen Tafel seiner Schwester herum. Die aufmerksame Mutter verstand dies als Zeichen, dass ihr Sohn alles aus der Umgebung wahrnehmen konnte und geistig voll auf der Höhe war. Der eigentlich als schwachsinnig gehaltene Christy Brown lernte nun in jahrelanger Bemühung der Mutter tatsächlich Lesen und Schreiben. Mit unglaublicher Ausdauer schaffte er es mit der Zeit, mit Hilfe seines linken Fußes zu schreiben und zu malen, und konnte sich nun seiner Umwelt mitteilen.

Trotzdem war er immer noch auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Seine Brüder nahmen ihn immer wieder in einem einfachen Karren mit auf die Straße, von wo aus Christy Brown den Kindern beim Spielen zuschauen konnte. Als dieser jedoch kaputt ging, konnte sich die Familie keinen Ersatz leisten, und so musste er von nun an wieder im Haus bleiben. Er wurde deprimiert, denn er wünschte sich nichts sehnlicher, als die Dinge tun zu können, die auch andere Kinder tun konnten. Der Schmerz traf tief in seine Seele, denn egal was er auch probieren konnte, er würde niemals wirklich „normal“ sein können. Für Christy Brown war es eine bitte Erkenntnis, aber diese Erkenntnis war es auch, die ihm große Kraft verleihen sollte. Denn er sagte sich, wenn er niemals wirklich wie andere Menschen sein konnte, dann wollte er wenigstens er selbst sein und das Beste aus ihm herausholen.

Unter seinem verkrüppelten Körper kam eine unfassbare künstlerische Begabung zum Vorschein und er begann, mit seinem linken Fuß Bilder zu malen. Es machte nicht nur ihn glücklich, sondern er konnte mit diesen Bildern auch andere Menschen begeistern und konnte seine Werke für Geld verkaufen. Außerdem schrieb er Bücher, die in verschiedenste Sprachen übersetzt wurden. Mit dem eingenommenen Geld leistete er sich bald eine Schreibmaschine, die er mit dem kleinen Zeh seines linken Fußes bedienen konnte. Mit seiner eigenen Biografie „Mein linker Fuߓ landete er einen unglaublichen Verkaufsschlager. Eines Tages lernte er die Krankenschwester Mary Carr kennen und verliebte sich in sie. Es war die Liebe seines Lebens, und später sollten sie tatsächlich heiraten.

Christy Brown starb am 06. September 1981 an einem Erstickungsanfall. Sein ganzes Leben war geprägt von der Auseinandersetzung mit seiner Behinderung und nach dem Sinn des Lebens. Trotz vieler schwieriger Phasen in seinem Leben schaffte er es zu einem bedeutenden Schriftsteller und Maler, der weit über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt wurde. Entscheidend war seine innere Einstellung, sich seinem Schicksal zu stellen und einfach das Beste aus seinem Leben zu machen, egal mit welcher Behinderung man zu kämpfen hat. Im Jahr 1989 wurde aus seiner bewegenden Lebensgeschichte ein sehr erfolgreicher Film gemacht.

Christy Brown hatte nur seinen Geist und seinen linken Fuß zur Verfügung, er schaffte es trotzdem, die Menschen auf der Welt zu inspirieren, niemals im Leben aufzugeben.