Elvis Presley -– Das Manifest einer Ausnahmeerscheinung

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Elvis Aaron Presley wurde am 08. Januar 1935 in der kleinen Stadt Tupelo (Mississippi, USA) geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. In den Nachwehen der Weltwirtschaftskrise waren viele Menschen arbeitslos und mussten um ihr Überleben kämpfen. Die Eltern von Elvis Presley arbeiteten ebenfalls sehr schwer, um nicht Hunger leiden zu müssen oder obdachlos zu werden. Am Rande des Existenzminimums schafften sie es zumindest, ein kleines Häuschen zu erhalten und ihrem Sohn im Gegensatz zu vielen anderen Kindern immer Schuhe zu finanzieren.

Da für teure Freizeitaktivitäten kein Geld da war, sang die Familie Presley oft mit Freunden Gospel oder man hörte in großen Gruppen Radio, da nur wenige Leute in dieser Zeit ein solches Empfangsgerät besaßen. Trotz strenger Rassentrennungsgesetze hielt sich Elvis Presley oft in Gegenden auf, wo viele schwarze Menschen lebten, weil er fasziniert von dem Blues war, welcher hier ständig gespielt wurde. Zudem besuchte er auch afroamerikanische Gottesdienste, da er dort mit Begeisterung bei der Gospelmusik mitsingen konnte.

In der Hoffnung auf wirtschaftlich bessere Zeiten übersiedelte die Familie Presley nach Memphis (Tennessee). In dieser Musikmetropole fühlte sich Elvis Presley sehr wohl und er war leidenschaftlich ergriffen von den unterschiedlichsten Musikrichtungen wie der Countrymusik oder dem aufkommenden Rock `n` Roll. Er begann sich nun als Teenager auch äußerlich zu verändern, er trug lange Haare mit Koteletten und kleidete sich auffällig im Stil der Afroamerikaner. Sein musikalisches Talent zeigte Elvis Presley erstmals bei einem Wettbewerb in der Schule, wo er mit seiner Darbietung den ersten Platz belegen konnte. Ihm wurde nun auch klar, dass er unbedingt Musiker und Sänger werden wollte.

Foto von Sun Records

Nach der Highschool musste er verschiedene Gelegenheitsarbeiten annehmen, um seinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Er arbeitete für kurze Zeit in einer Reparaturwerkstätte oder war als Lastkraftwagenfahrer tätig. In seiner Freizeit trat er bei Tanzveranstaltungen auf oder sang auf Partys. Eines Tages tauchte Elvis Presley bei dem vor kurzem gegründeten Plattenstudio „Sun Records“ in Memphis auf, wo man für ein paar Dollar seine eigene Schallplatte aufnehmen konnte. Der Studiobesitzer war von dem schüchternen aber sehr talentierten Sänger sofort begeistert und begann, mehrere Lieder mit Elvis Presley aufzunehmen. Die Vermischung von afroamerikanischen Klängen mit weißer Country-Musik war so einzigartig, dass Elvis Presley dort seinen ersten Plattenvertrag erhielt. Und so gab Elvis Presley im Alter von 19 Jahren mit einer kleinen Band erste Live-Konzerte und man spielte regelmäßig in verschiedenen Clubs. Die Fangemeinde wuchs beständig an, was auch mit der außergewöhnlichen Bühnenperformance von Elvis Presley zu tun hatte. Denn durch seine in dieser Zeit sehr ungewöhnlichen Hüft- und Beinbewegungen schaffte er es schnell, die Massen zu begeistern.

Foto von loc

Nach einem Managementwechsel schaffte Elvis Presley auch bald seinen internationalen Durchbruch. Wegen landesweit ausgestrahlter Fernsehauftritte löste er vor allem bei jungen Frauen hysterische Reaktionen aus und galt als neues Symbol der rebellischen Jugend und des Rock `n` Roll. Durch seine erotischen Hüftschwünge und verführerischen Blicke wurde er jedoch von Elternverbänden und religiösen Gruppierungen stark kritisiert. Dies hatte zur Folge, dass seine Auftritte im Fernsehen teilweise zensiert wurden und er nur von der Hüfte aufwärts gezeigt wurde. Seiner Bekanntheit schadete es jedoch nicht, denn mit seinem großen Charme zog er immer mehr Menschen in seinen Bann.

Elvis Presley: „„Ich genieße das Geschäft. Ich mag, was ich tue““

Elvis Presley eroberte nicht nur im Sturm die Musikcharts, sondern war auch sehr erfolgreich als Filmschauspieler in Hollywood tätig. Die große Euphorie war auch während eines längeren Militärdienstes, welcher Elvis Presley unter anderem auch nach Deutschland führte, ungebrochen. Mit unzähligen Plattenaufnahmen sang sich Elvis Presley in die Herzen der Menschen und Fans aus der ganzen Welt reisten an, um ihn bei seinen Auftritten in Las Vegas live singen zu hören. Elvis Presley brach nebenbei ständig neue Rekorde. Das erste Konzert, welches von einem Musiker überhaupt per Satellit übertragen wurde, war ein Auftritt von Elvis Presley in Honolulu („Aloha from Hawaii“). Über eine Milliarde Menschen aus über 40 Ländern verfolgten diese beeindruckende Premiere, womit mehr Leute bei diesem Konzert vor dem Fernseher saßen als bei der ersten Mondlandung.

Foto von Ollie Atkins

Trotz erfolgreicher Karriere ging es für Elvis Presley seelisch und körperlich jedoch bergab. Er litt bereits seit seiner Geburt an einem genetischen Herzfehler, wodurch auch seine Mutter früh verstorben war. Zusätzlich musste er mit verschiedenen Leiden fertig werden, wie einer chronischen Darmerkrankung oder andauernden Schlafproblemen. Seine Figur war durch die diversen Erkrankungen stark aufgebläht und er nahm viele Tabletten zu sich. Im Alter von 42 Jahren machte sein angeschlagener Körper nicht mehr mit. Elvis Presley starb am 16. August 1977 in seinem Anwesen in Graceland (Memphis), wo er auch begraben wurde. Die öffentliche Anteilnahme war so groß, dass sich zehntausende Menschen zu seinem Wohnsitz aufmachten um Abschied zu nehmen und die Radiosender den ganzen Tag ununterbrochen Elvis-Lieder spielten.

Elvis Presley verstand es wie kein anderer Sänger, das Musikgefühl der afroamerikanischen Bevölkerung der weißen Gesellschaft zu vermitteln. Durch seine Stimme, seiner Ausstrahlung und seiner außergewöhnlichen Bühnenshow stieg er innerhalb kürzester Zeit zum „King of Rock `n` Roll“ und beliebtesten Entertainer der Welt auf. Er schaffte es dadurch, große Barrieren wegen der Rassentrennung abzubauen und allen Menschen ein besseres Lebensgefühl zu vermitteln.

Elvis Presley blieb trotz großer Berühmtheit immer sehr bescheiden und freundlich. Entgegen vieler anderer Stars trat er nie in Talkshows auf und gab auch selten Interviews. Er mied Preisverleihungen und man sah ihn auch nie auf Prominentenfeiern. Elvis Presley machte durch seinen liebenswürdigen Charakter und seiner gefühlvollen Musik die Welt zu einem besseren Ort. Dies war auch der wahre Grund, warum er zu einem Publikumsliebling und einer echten Legende aufstieg.

Elvis Presley: „“Ich wuchs auf im Glauben an diesen Traum. Nun habe ich ihn erlebt. Mehr kann sich ein Mensch nicht wünschen““

Mabel Baker –- Mit Lorbeeren und Kerzen zur Gründung von PartyLite

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Mabel Baker unterrichtete in Massachusetts (Osten USA) Hauswirtschaftslehre und begann 1909 als Nebenbeschäftigung, Kerzen zu ziehen. Sie sammelte dazu Lorbeeren, um diese dann in ihrer Scheune einzukochen und daraus Wachs zu gewinnen. Es war ein sehr mühsamer Prozess, unzählige Male musste sie den Docht, welcher aus Baumwolle bestand, durch das Wachs ziehen, um irgendwann eine fertige Kerze zu erhalten. Aber Mabel Baker liebte ihr Hobby und legte großen Wert auf große Qualität bei der Herstellung. Die Kerzen verschenkte sie dann an Freunde und Verwandte, welche begeistert waren von den frischen und duftenden Kerzen.

Da Mabel Baker handwerklich sehr geschickt war, formte sie eine Vielzahl von unterschiedlichen Kerzen, welche in ihrer Umgebung sehr gefragt waren. Bald stieg jedoch die Nachfrage nach ihren wundervoll riechenden Lorbeerkerzen und sie schaffte es kaum noch, genügend Kerzen für alle herzustellen. Dadurch wurde jedoch ihr Unternehmergeist geweckt und Mabel Baker beschloss, ihr eigenes Unternehmen PartyLite zu gründen. Sie stellte nicht nur Mitarbeiter ein, welche ihr beim Lorbeerpflücken und der Kerzenherstellung halfen, sondern erweiterte dafür auch ihre kleine Scheune.

Foto von Sarrus
unter CC0 1.0

Da viele Kaufleute in dieser Zeit einen Mangel an Kerzennachschub verzeichneten, wurden große Mengen von Mabel Baker bestellt. Die Kerzenhändler waren schnell von der großen Qualität dieser Kerzen überzeugt, was auch die steigende Kundenzahl belegte. Mabel Baker gab bald alle anderen Tätigkeiten auf und kümmerte sich nun voll und ganz um ihre florierende Firma. Unterstützt von ihrem Mann beschloss sie, eine Fabrik für Kerzenproduktion aufzubauen. Obwohl es in dieser Zeit vor allem Männern vorbehalten war, Geschäfte zu führen, ging Mabel Baker beharrlich ihren eigenen Weg, steckte ihre ganze Energie in ihr Unternehmen und begann zu expandieren. Bis ins hohe Alter von 93 Jahren arbeitete Mabel Baker unermüdlich in ihrer Firma, bei ihrem Tod 1965 machte PartyLite bereits über 6 Millionen US-Dollar Umsatz.

Im Jahr 1973 führe PartyLite aufbauend auf den Grundsätzen von Mabel Baker den Direktvertrieb ein. Junge und dynamische Frauen entwickelten großen Ehrgeiz, ebenfalls wie die Männer am Geschäftsleben teilzunehmen und mit PartyLite bot sich nun eine Möglichkeit dazu. Die Beraterinnen konnten die PartyLite Produkte von zu Hause aus an Freunde und Bekannte vertreiben und waren an den Umsätzen beteiligt. Für Mabel Baker stand diese Menschlichkeit schon immer an erster Stelle, welche die wichtigste Richtlinie für ihre Firma darstellte. Neben dem hohen Qualitätsanspruch war dieser persönliche Ansatz der treibende Faktor für PartyLite.

PartyLite stieg durch diese Unternehmensphilosophie weltweit zum größten Direktvertreiber von Kerzen und Duftprodukten auf. Über 50.000 Beraterinnen verkauften bereits Kerzenzubehör und konnten ihre eigene persönliche Erfolgsgeschichte schreiben. Obwohl Anfang des 20. Jahrhunderts Männer im Geschäftsleben das Sagen hatten, schaffte es eine couragierte Frau, ihre eigene Vision in die Tat umzusetzen. Was mit einer einzigen Kollektion von Lorbeerkerzen begann, entwickelte sich zu einem riesigen Sortiment an erstklassigen Kerzen und Accessoires. PartyLite blieb dabei immer den Werten treu, welche sich Mabel Baker verschrieben hatte: Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Menschlichkeit und Qualität.

Albert Einstein –- Der Außenseiter, der die Macht der Träume verstand

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Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in der Stadt Ulm (Deutschland) geboren. Anfangs hielt man ihn für zurückgeblieben, da er erst im Alter von 3 Jahren zu sprechen begann. Als kleines Kind hatte er ein Schlüsselerlebnis in seinem Leben, als ihm sein Vater einen Kompass zeigte. Er entdeckte zum ersten Mal, dass auf der Welt unsichtbare Kräfte wirken mussten und dies erweckte von nun an seine Neugier. Albert Einstein war zwar ein guter Schüler, er bekam jedoch in der Schule Probleme, da er sich nicht den strengen Regeln unterwerfen wollte. Die Methoden der Lehrer, mit Angst und Gewalt bei den Schülern an Autorität zu gewinnen, nahmen ihm jegliche Freude an der Schule. Immer wieder lehnte er sich gegen Lehrkräfte auf und auch strenge Strafen konnten seinen Willen nicht brechen. Die heftigen Auseinandersetzungen mit den Lehrern veranlassten Albert Einstein im Alter von 15 Jahren, die von Zucht und Ordnung geprägte Schule überstürzt und ohne Abschluss zu verlassen.

Albert Einstein interessierte sich seit seinem Erlebnis mit dem Kompass nur für die Wissenschaft. Er vertiefte sich stundenlang in naturwissenschaftliche Bücher und verschaffte sich ständig einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung. Eines Tages hatte er einen Traum, wo er mit einem Schlitten mit Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxie raste und von imposanten Lichtimpulsen begleitet wurde. Albert Einstein war von dieser Erscheinung so tief beeindruckt, dass er wissenschaftliche Forschungen darüber anstellen wollte. Er holte seinen Schulabschluss nach und begann an der polytechnischen Hochschule in Zürich (Schweiz) in Mathematik und Physik zu studieren. Albert Einstein war auch hier sehr eigensinnig und versuchte den laut ihm unvollständigen Lehrstoff privat durch neuere Literatur auszugleichen, wodurch er auch oft mit Abwesenheit in den Vorlesungen glänzte. Über den eigenwilligen Studenten wurde zudem sehr viel diskutiert. Während einige Professoren ihn für faul und eigenbrötlerisch hielten, waren andere wiederum begeistert von den selbst erdachten Methoden von Albert Einstein, welche erstaunlicherweise immer zur richtigen Lösung führten. Für ein ausschweifendes Studentenleben blieb Albert Einstein keine Zeit, dafür war er zu vertieft in sein Studium und seine eigene Weiterbildung.

Albert Einstein: „“Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt““

Albert Einstein beendete im Alter von 21 Jahren erfolgreich sein Studium. Sofort bewarb er sich bei anderen Universitäten, um eine wissenschaftliche Arbeitsstelle zu bekommen, er erhielt jedoch nur Ablehnungen. Egal welche Forschungsanstalt er auch anschrieb, oft wurden seine Ansuchen nicht einmal beantwortet, man hielt ihn einfach für nicht qualifiziert genug. Albert Einstein war sehr deprimiert und fühlte sich wie ein Versager. Obwohl er bei einigen der berühmtesten Physiker und Mathematiker studierte, hatte er sich viele nützliche Kontakte zunichte gemacht, da er den meisten Professoren überhaupt keinen Respekt zukommen ließ. Albert Einstein musste sich nun seinen Lebensunterhalt als Aushilfslehrer verdienen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Nach einiger Zeit fand er endlich eine feste Anstellung beim Schweizer Patentamt in Bern, wo er Patentanträge von Erfindern prüfen musste. Diese Arbeit gefiel ihm, da es ihn geistig forderte und er nebenbei noch genügend Zeit hatte, seiner wirklichen Leidenschaft nachzugehen und über physikalische Gegebenheiten nachzudenken. Er war zwar völlig isoliert von anderen Physikern, aber er arbeitete allein bei weitem effizienter als in der Gemeinschaft und war nicht abgelenkt von voreingenommenen Ansichten.

Foto von Lucien Chavan

Albert Einstein bewahrte sich jeden Tag seine kindliche Neugier und folgte beharrlich seinen Träumereien. Wenn neue Ideen auftauchten, vertraute er auf sein Einfühlungsvermögen und versuchte so, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das Reich der Fantasie war sein wichtigster Ratgeber und seine Intuition die Quelle seiner Forschungen. Albert Einstein spürte instinktiv die Probleme auf, welche in der wissenschaftlichen Erforschung der Naturerscheinungen bestanden. Mit großer Geduld schaffte er es, Lösungen und außergewöhnliche Zusammenhänge zu entdecken und veröffentlichte im Jahr 1905 erste Schriften, welche die Welt der Physik für immer verändern sollten. Unter den Texten befanden sich die neuartige Lichtquantenhypothese oder die Relativitätstheorie. Er revolutionierte dadurch die Vorstellungen von Raum und Zeit und entwickelte daraus die berühmteste Formel der Welt: E = mc² (Energie ist gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat). Während seiner Publikationen arbeitete Albert Einstein noch immer beim Patentamt.

Albert Einstein: „„Wenn ein Mann eine Stunde mit einem hübschen Mädchen zusammensitzt, kommt ihm die Zeit wie eine Minute vor. Sitzt er dagegen auf einem heißen Ofen, scheint ihm schon eine Minute länger zu dauern als jede Stunde. Das ist Relativität““

Albert Einstein erhielt in weiterer Folge eine Lehrberechtigung und kündigte seine Stelle beim Patentamt. Er unterrichtete an den verschiedensten Universitäten und ging hartnäckig seinen eigenen Forschungen nach. Durch wissenschaftliche Untersuchungen und zahlreichen Experimenten konnten die Theorien von ihm bald alle belegt werden. Albert Einstein erlangte dadurch einen hohen Bekanntheitsgrad und seine Thesen verbreiteten sich weltweit. Im Gegensatz zu vielen anderen Wissenschaftlern machte er sich auch ständig Gedanken, wie seine Forschungsergebnisse in die Tat umgesetzt wurden. Am 09. November 1922 erhielt er den berühmten Nobelpreis für Physik. Mit der Zeit stieg er zu einem echten Publikumsliebling auf, die Medien liebten sein extravagantes Auftreten und seine schlagfertigen Antworten. Für die Menschen war er nicht nur der übliche langweilige Wissenschaftler, sondern ein liebevoller Zeitgenosse, welcher offen mit seinen Mitmenschen umging und niemals abgehoben wirkte. Auf der ganzen Welt hielt er viel beachtete Vorlesungen und mehrere Ehrendoktorwürden wurden ihm zuteil. Er nutzte auch seine Bekanntheit, um sich für den Frieden auf der Welt und für Menschenrechte einzusetzen.

Foto von Ferdinand Schmutzer

Albert Einstein starb am 18. April 1955 im Alter von 76 Jahren. Zeit seines Lebens musste er viele Hindernisse überwinden und sich gegen Vorurteile zur Wehr setzen. In der Schule kam es zu ständigen Konflikten mit den Lehrern, in der Studienzeit sprachen die meisten Professoren nur abfällig über ihn und er bekam keine passende Arbeitsstelle, da man ihn für unqualifiziert hielt. Aber Albert Einstein ließ sich davon nie unterkriegen und ging mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein seinen eigenen Weg in der Welt der Physik. Er glaubte an seine Träume und Visionen und hatte ein feines Gespür, sie tatsächlich in die Tat umzusetzen. Durch diese Denkweise schaffte er es, das physikalische Weltbild für immer zu verändern und zu einem der größten Physiker aller Zeiten aufzusteigen. Das Nachrichtenmagazin „Time“ ernannte Albert Einstein 1999 zum Mann des Jahrhunderts.

Albert Einstein: „“Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig““

Sylvester Stallone –- Ein Versager wird durch Rocky Balboa zum Sieger

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Als Sylvester Stallone am 06. Juli 1946 in New York City (USA) geboren wurde, kam es zu Komplikationen. Durch eine Zangengeburt, wo sein Kopf mit Zangenlöffeln umfasst werden musste, trug er irreparable Schäden davon. Sylvester Stallone erlitt eine Nervenlähmung im Gesicht und hatte aus diesem Grund einen zusätzlichen Sprachfehler. Diese Behinderung machte ihm schwer zu schaffen, da er als Kind in späterer Folge oft verspottet wurde. Weil er auch in seiner Familie keinen Halt fand, entwickelte er einen sehr schwierigen Charakter. Durch Schlägereien und Vandalismus bekam Sylvester Stallone ständig Probleme in der Schule, den einzigen Lichtblick in dieser schweren Zeit fand er vor allem in Sport. Er war begeisterter Footballspieler und konnte hier einige Erfolge verbuchen.

Sylvester Stallone: „„Ich hatte echt eine harte Zeit. Ich litt unter meinem schiefen Gesicht, das ich wegen eines Geburtsfehlers hatte““

Sylvester Stallone hatte zudem einen großen Traum, denn er wollte ein berühmter Schauspieler werden. Er spielte im Theater mit und fühlte sich hier sehr wohl, allerdings wurde sein Wunsch von den Lehrern nicht respektiert. Sie rieten ihm von einer Schauspielkarriere ab, denn die übereinstimmende Meinung war, dass er dieses Ziel mit seiner Muskellähmung im Gesicht niemals schaffen würde. Nach einem kurzen Abstecher an die Universität, welche er ohne Abschluss wieder verließ, versuchte Sylvester Stallone nun alles auf eine Karte zu setzen, um seine Schauspielkarriere voranzutreiben.

Foto von Towpilot
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Er konnte kleinere Theaterrollen ergattern und hatte Kurzauftritte in unbedeutenden Filmen. Aber die richtigen Filmangebote blieben aus und er lebte am Existenzminimum, weshalb er auch geringwertige Nebenjobs annehmen musste. Mit der Zeit machte sich Ernüchterung bei Sylvester Stallone breit, denn er kam mit seiner Schauspielkarriere einfach nicht weiter. Die Rollenangebote blieben aus und kein Mensch wollte ihm eine Chance geben. Der mittellose Sylvester Stallone musste bereits einige Habseligkeiten verkaufen, um sich überhaupt Lebensmittel leisten zu können. Als er sich jedoch am 24. März 1975 einen Boxkampf des Schwergewichtschampions Muhammad Ali gegen einen unbekannten Herausforderer im Fernsehen ansah, kam ihm die Idee zu einer außergewöhnlichen Geschichte.

Sylvester Stallone: „“Ich war am Ende angelangt, ich war verzweifelt““

Sofort begann er an einem Drehbuch zu schreiben, welches von einem armen Boxer handeln sollte. Sylvester Stallone ließ dabei viele Aspekte von seinem eigenen Leben einfließen, denn genauso wie er kämpfte sein Titelheld für ein besseres Leben und um Anerkennung und Respekt. Als er mit seinem Manuskript fertig war, warb er sofort bei einigen Filmproduzenten dafür, welche auch sehr an diesem Drehbuch interessiert waren. Sie boten ihm sehr viel Geld an und wollten auch namhafte Schauspieler für die Titelrolle verpflichten. Aber Sylvester Stallone lehnte zur Überraschung der Produzenten alle Angebote ab, denn seine Bedingung war, dass er selbst die Hauptrolle in diesem Film spielte musste. Er ging damit ein sehr hohes Risiko ein, denn er konnte durch diese eigensinnige Haltung alle Filmstudios wieder vertreiben.

Sylvester Stallone: „“Man muss alles setzen. Nicht die Hälfte. Alles. Denn wenn du dann verlierst, weißt du, dass du alles gegeben hast““

Mit einer großen Portion Optimismus schaffte es Sylvester Stallone schließlich, doch ein Filmstudio zu finden, wo er die Hauptrolle spielen durfte. Als Gegenleistung wurde seine Gage aber sehr stark gekürzt und nur mit möglichen Einspielergebnissen verknüpft. Sylvester Stallone ging dieses Wagnis ein, der Film musste einfach erfolgreich werden und er war auch dringend auf das Geld angewiesen. Er begann sehr hart für seine Rolle zu trainieren, er kräftigte seinen Körper und bereitete sich psychisch auf diesen Film vor. Am 21. November 1976 feierte der Boxfilm „Rocky“ mit Sylvester Stallone als Hauptdarsteller in New York Premiere und die Spannung stieg, wie die Menschen auf diesen Film reagieren würden.

Am Ende der Vorstellung waren alle Zuschauer begeistert von Sylvester Stallone und der Hingabe, mit welcher er den Helden Rocky Balboa spielte. Trotz bescheidener Produktionskosten wurde „Rocky“ zum Überraschungserfolg in den Kinos und entwickelte sich 1976 zum kommerziell bedeutendsten Streifen in der Filmbranche. Aber nicht nur in Amerika war dieser Sportfilm ein Publikumserfolg, überall auf der Welt bejubelten die Menschen Rocky Balboa, welcher vom Versager zu einem erfolgreichen Boxchampion aufstieg. Der Film gewann drei Oscars und Sylvester Stallone wurde praktisch über Nacht zum gefeierten Star. Dies war der Startschuss für eine außergewöhnliche Filmkarriere, genau so, wie es sich Sylvester Stallone immer erträumt hatte.

Sylvester Stallone glaubte immer daran, einmal ein erfolgreicher Schauspieler zu werden, obwohl ihm viele Skeptiker wegen seiner Gesichtslähmung davon abrieten. Aber sein verzogenes Gesicht wurde in späterer Zeit zu einem unverwechselbaren Markenzeichen von ihm und mit seiner erfunden Figur „Rocky“ schaffte er es, zu einer echten Filmlegende aufzusteigen.

Sylvester Stallone: „„Du darfst einfach keine Angst haben. Ich bin keine klassische Schönheit, doch irgendwie funktioniert es. Rocky ist das Beste, was mir passieren konnte““

Umm Kulthum –- Eine Sängerin wird zum ägyptischen Nationalsymbol

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Umm Kulthum wurde am 04. Mai 1904 im kleinen Dorf Tammai az-Zahaira in Ägypten geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Um Geld für die Familie zu verdienen, trat ihr Vater in der Freizeit als Sänger bei Hochzeiten und Feiern auf. Dabei nahm er häufig den älteren Bruder von Umm Kulthum mit, um gemeinsam mit ihm auf der Bühne zu singen. Umm Kulthum hörte jedoch immer wieder bei den Gesangsproben zu und begann, die Texte und die Melodien auswendig zu lernen, um sie dann heimlich zu singen. Eines Tages bemerkte ihr Vater das musikalische Talent seiner Tochter und war begeistert von ihrer schnellen Auffassungsgabe und ihrer kraftvollen Stimme. Umm Kulthum trat von nun an ebenfalls im Ensemble ihres Vaters auf.

Durch das Ausnahmetalent von Umm Kulthum wurden diese musikalischen Auftritte der Familie sehr beliebt, jedoch geriet der strenggläubige Vater in eine moralische Zwangslage. Aus religiösen Gründen konnte er es nicht verantworten, dass seine Tochter in der Öffentlichkeit vor männlichem Publikum auftrat. Und so musste Umm Kulthum sich von nun an als Junge verkleiden, um weiter singen zu können. Allerdings war Umm Kulthum durch ihre eindrucksvolle Stimme bald so bekannt, dass man dieses Geheimnis nicht mehr aufrechterhalten konnte. Der Vater traf nun die harte Entscheidung, Umm Kulthum aus der Gesangsgruppe auszuschließen, um seine Familie nicht unbeliebt zu machen.

Umm Kulthum: „“Mein Vater war ein von Prinzipien des Koran treu befolgender Mann““

Umm Kulthum musste sich nun einen Ehemann suchen, doch keiner ihrer Verehrer war bereit, sie weiterhin singen zu lassen. So lehnte sie alle Männer ab, denn sie wollte als Sängerin tätig sein, da es ihre große Leidenschaft war. Bald merkte ihr Vater, dass der musikalische Erfolg ohne Umm Kulthum ausblieb und auch die Einnahmen stark zurückgingen. Umm Kulthum durfte daher nach kurzer Auszeit wieder mit ihrem Vater auftreten und der Erfolg kehrte schnell wieder zurück. Umm Kulthum wurde zu einer regionalen Berühmtheit und übersiedelte im Alter von 20 Jahren in die Hauptstadt von Ägypten, um ihre Karriere als Sängerin voranzutreiben.

Aber in der Millionenstadt Kairo musste sie erkennen, dass sie nur eine Sängerin unter vielen war. Zudem galt ihre ländliche Gesangsrichtung als altmodisch und ihrer talentierten Stimme fehlte der letzte Schliff. Umm Kulthum ließ sich davon aber nicht unterkriegen und versuchte durch einen großen Arbeitsaufwand, ihre Schwächen zu beseitigen. Sie begann bei verschiedensten Musikern Unterricht zu nehmen und Gesang zu studieren. Umm Kulthum vertiefte sich in die arabische Literatur und steigerte durch diese intensive Ausbildung fortlaufend ihr musikalisches Repertoire. Sie nahm neue und moderne Lieder auf und hatte ihre Stimme so weit trainiert, dass sie alle Melodien ausdrucksvoll und gefühlvoll singen konnte. Durch die Mischung aus neuen Musikwerken und älteren Liedern traf sie genau den Geschmack der Menschen. Umm Kulthum stieg aus diesem Grund schnell zu der bekanntesten Sängerin in Kairo und ganz Ägypten auf.

Umm Kulthum entwickelte ihren eigenen musikalischen Stil weiter und startete internationale Tourneen, welche sehr erfolgreich waren. Als im Jahr 1934 der ägyptische Rundfunk eingeführt wurde, bekam sie als erste arabische Sängerin einen eigenen Sendeplatz und konnte sich nun wöchentlich in die Herzen der Menschen singen. Sie zog durch ihre tiefgreifenden Lieder die Menschen dermaßen in ihren Bann, dass das öffentliche Leben praktisch lahm gelegt wurde, da hunderttausende Menschen ihren Melodien lauschen wollten. Ihr Gesang löste bei den Zuhörern so starke Gefühle aus, dass sie das Zusammengehörigkeitsgefühl der gesamten arabischen Welt stärkte und die Menschen zeitweise alle ihre Sorgen vergaßen.

Umm Kulthum starb am 03. Februar 1975 im Alter von 70 Jahren. Beim Staatsbegräbnis nahmen nicht nur hochrangige Politiker und berühmte Künstler teil, sondern es trauerten auch mehrere Millionen Menschen in den Straßen Kairos, um von ihr Abschied zu nehmen.

Umm Kulthum stieg als einfaches Mädchen aus ärmsten Verhältnissen zum Nationalsymbol Ägyptens auf. Durch ihre Lieder gab sie der arabischen Welt über viele Jahre hinweg ein Gefühl des Friedens und der Freiheit. Noch heute werden ihre Lieder mit Vorliebe in den Radios gespielt und Konzertmitschnitte im Fernsehen gezeigt.

Mark Oliver Everett -– Wie die Musik sein Leben rettete

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Mark Oliver Everett wurde am 10. April 1963 in Virginia (USA) geboren. Schon in seiner Kindheit interessierte er sich sehr stark für Musik und hörte sich ständig Musikplatten im Zimmer seiner älteren Schwester an. Im Alter von sechs Jahren bekam er ein Schlagzeug-Set, mit welchem er die nächsten Jahre begeistert üben sollte. Neben dem Schlagzeug brachte er sich das Spielen auf einer akustischen Gitarre selbst bei, er schrieb eigene Lieder und nahm Musikstücke mit einem alten Kassettenrekorder auf. Aber in der Jugendzeit bekam Mark Oliver Everett Probleme, und dies war erst der Anfang von weiteren schweren Schicksalsschlägen.

Mark Oliver Everett wuchs unter schwierigen familiären Verhältnissen auf. Besonders zu seinem Vater, welcher ein bekannter Physiker war, hatte er ein miserables Verhältnis. Er war Alkoholiker und starker Kettenraucher, außerdem kümmerte er sich überhaupt nicht um die Familie. Mark Oliver Everett kam in Kontakt mit Drogen und Alkohol, er hatte Probleme in der Schule und geriet immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt. Da er in seiner Familie keinen Halt fand, suchte er Zuflucht in seiner Musik, die ihm wieder Kraft gab, diese schwierigen Zeiten zu überstehen.

Im Alter von 19 Jahren entdeckte er seinen Vater, wie er regungslos in seinem Bett lag. Mark Oliver Everett versuchte vergeblich, seinen Vater wiederzubeleben. Der Vater starb im Alter von nur 52 Jahren an einem Herzinfarkt, vor den Augen des geschockten Mark Oliver Everett.

In den nächsten Jahren agierte er in verschiedenen Bands, spielte Schlagzeug oder war als Gitarrist tätig. Nebenbei schrieb er ununterbrochen Lieder und nahm Demobänder auf. Ständig schleppte er irgendwelche Kassetten mit sich herum, aber keine Plattenfirma zeigte auch nur im geringsten Interesse an seiner Musik.

Im Alter von 24 Jahren übersiedelte er nach Los Angeles (Kalifornien), um doch noch in der Musikindustrie Fuß fassen zu können. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, nahm er minderwertige Jobs an, in seiner Freizeit schrieb er in seiner kleinen Wohnung pausenlos an weiteren Liedern. Durch seine Zielstrebigkeit schaffte er es irgendwann, einen Plattenvertrag zu ergattern. Er brachte sein erstes Soloalbum heraus und versuchte, sich nachhaltig in der Musikszene zu etablieren. Da aber besonders sein zweites Album nicht sehr erfolgreich war, wurde sein Plattenvertrag nicht mehr verlängert. Nun stand Mark Oliver Everett wieder am Anfang seiner Karriere, ohne Aussichten auf baldige Besserung.

Aber er ließ sich von dieser Niederlage nicht unterkriegen und kämpfte verbissen weiter, er glaubte an sein musikalisches Talent. Tag und Nacht schrieb er Songs und nahm Lieder auf. Mark Oliver Everett gründete die Band „Eels“ und arbeitete beharrlich an seinem nächsten Album. Kurz vor Veröffentlichung seines Albums beging seine Schwester, die schon immer sein größter Fan gewesen war, aber schon jahrelang drogenabhängig war, Selbstmord. Fast zur gleichen Zeit erkrankte seine Mutter an Krebs. Obwohl er sich um seine Mutter kümmerte, war ihre Krankheit zu schwer. Sie starb nach langer Leidenszeit, Mark Oliver Everett hatte nun innerhalb kürzester Zeit seine Mutter und seine Schwester verloren. In diesen dunkelsten Momenten in seinem Leben erkannte er, dass er nur noch seine Musik im Leben hatte. Er verarbeitete die Schicksalsschläge in seiner Familie mit der Musik und produzierte Lieder, welche überwiegend von Trauer und Schmerz handelten.

Foto von Alexander Frick
unter CC BY-SA 2.0 AT

Mark Oliver Everett: „„Ich bewältige meine Probleme durch Kunst. Mit der Musik konnte ich die beschissensten Situationen durchstehen““

Mit diesen düsteren Liedern traf er genau in das Herz der Menschen. Die Rockband „Eels“ mit Mark Oliver Everett wurde nun immer bekannter, sie spielten auf Festivals und organisierten weltweit mehrere Touren. Egal wo sie hinkamen, die Konzerthallen waren voll, alle waren begeistert von den Liedern von Mark Oliver Everett, der nun seine ganzen musikalischen Fähigkeiten ausspielen konnte. Den Erfolgslauf von Mark Oliver Everett konnte auch der nächste Schicksalsschlag nicht unterbrechen. Im Jahr 2001 starb seine Cousine, eine letzte lebende Verwandte von ihm, die von Beruf Flugbegleiterin war. Sie befand sich genau in dem Flugzeug, welches am 11. September 2001 von Terroristen entführt und in das Pentagon (Verteidigungsministerium USA) gelenkt wurde.

Mark Oliver Everett musste viele Schicksalsschläge überwinden. Trotzdem verlor er nie die Hoffnung und kämpfte immer weiter in seinem Leben. Durch seine Liebe zur Musik schaffte er es, die vielen Rückschläge zu überwinden und den Menschen mit seinen Liedern wieder Optimismus und Zuversicht zu geben.

Mark Oliver Everett: „„Nur die Musik hat mich am Leben gehalten. Es macht mich stolz, wenn Fans schreiben, dass ihnen meine Musik durch Krisen geholfen hat““

Madame Tussaud –- Die Gründerin der legendären Wachsfigurenkabinette

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Marie Grosholtz wurde im Dezember 1761 in Straßburg (Frankreich) geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater war Soldat und starb bereits vor ihrer Geburt, ausgegrenzt von der Gesellschaft hatten Marie und ihre Mutter ein Leben in völliger Armut zu erwarten. So musste ihre Mutter eine Arbeit als Hausmädchen bei Dr. Philippe Curtius annehmen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Dieser verdiente seinen Unterhalt mit der Wachsbildnerei, und er war damit so erfolgreich, dass er bald nach Paris übersiedelte, Marie und ihre Mutter nahm er mit. Dr. Philippe Curtius fertigte nun öfters lebensgroße Wachsfiguren und begann mit dem Aufbau eines eigenen Wachsfigurenkabinettes. Die kleine Marie war sofort begeistert von der Arbeit mit dem Wachs und schaute jede freie Minute Dr. Curtius bei der Herstellung dieser Wachsfiguren über die Schulter. Dieser merkte sehr schnell die Schwärmerei von Marie und begann, sie nach und nach in die Geheimnisse der Wachsbildnerei einzuführen.

Marie war eine fleißige Schülerin und begriff sehr schnell das Handwerk. Wie man das Wachs zubereitete, den Kopf formte und Augen, Haare und Zähne richtig einsetzen musste. Sehr bald wurde sie eine wertvolle Gehilfin ihres Ausbildners und durch ihr besonderes Talent schuf sie bald erste eigene Modelle. Mit Hilfe ihres Lehrers bekam Marie Zugang zum französischen Hochadel und erhielt dort vermehrt Aufträge. Sie modellierte viele Prominente und auch Mitglieder der Königsfamilie. Marie war durch ihre Begabung und ihre besondere Fingerfertigkeit bei der Wachsfigurenherstellung überall beliebt und war am königlichen Hof in Versailles ein gern gesehener Gast. Doch im Gegensatz zu dem schönen Leben in der gehobenen Gesellschaft wuchs die Unzufriedenheit in den ärmeren Bevölkerungsschichten, und das sorgenfreie Leben sollte für Marie bald vorbei sein.

 
Als im Jahr 1789 die Französische Revolution ausbrach, fingen für Marie schlimme Zeiten an. Mitglieder der Königsfamilie und viele Freunde von ihr am königlichen Hof wurden umgebracht. Die von ihr aus Wachs geschaffenen Köpfe von den Prominenten wurden auf Stangen aufgespießt und durch die Straßen getragen, damit man sie öffentlich verspotten konnte. Durch ihre Kontakte zur Königsfamilie musste auch Marie um ihr Leben fürchten, doch sie hatte ein feines Gespür für die bedrohliche Situation und reagierte sofort. Sie fertigte nun Wachsköpfe (Totenmasken) von den enthaupteten Opfern an, da diese zu schnell verwesten und nicht mehr zur Schau gestellt werden konnten. Viele Menschen fanden den Tod durch die Guillotine (Köpfmaschine), und Marie wurde immer wieder Augenzeuge dieser schrecklichen Hinrichtungsmethode. Darunter waren auch der getötete König Ludwig XVI. und seine Frau Marie Antoinette.

Und so überlebte Marie den Terror mit vielen alptraumhaften Erfahrungen. Sie heiratete den Ingenieur Francois Tussaud, mit dem sie zwei Kinder hatte. Marie Tussaud erbte nach dem Tod ihres damaligen Lehrers dessen Wachsfigurensammlung, aber die wirtschaftlichen Zeiten waren schlecht. Die Menschen hungerten und die Kunden für ihr Wachsfigurenkabinett blieben aus, zusätzlich trennte sie sich von ihrem trunksüchtigen Mann. Marie Tussaud geriet in finanzielle Schwierigkeiten, denn auf einmal konnte sie kein Geld mehr als Wachsbildnerin verdienen. Und so setzte sie alles auf eine Karte und versuchte einen kompletten Neuanfang. 1802 reiste sie mit ihrem ältesten Sohn und ihren Wachsfiguren nach Großbritannien, ihren zweiten Sohn holte sie später nach.

 
Marie Tussaud war nun in einem fremden Land vollkommen auch sich alleine gestellt, zusätzlich war sie alleinerziehende Mutter. Sie tourte nun als Schaustellerin durch das ganze Land, zeigte ihre Wachsfiguren in Gasthäusern oder in Versammlungsräumen. Von morgens bis abends saß sie an der Kasse oder führte die Besucher durch die Räume, um ihre Sammlung zu präsentieren. In der Nacht fertigte sie neue Wachsfiguren, damit ihre Ausstellung immer aktuell war. Madame Tussaud, wie sie von nun an genannt wurde, hatte ein besonderes Talent für die Bedürfnisse der Menschen. So fertigte sie schon früh Figuren von Mitgliedern des englischen Königshauses an, die bald überall sehr beliebt waren. Trotz einiger Rückschläge kämpfte Madame Tussaud beharrlich weiter, sie machte eigenständig Werbung für ihre Wachsfiguren und informierte die Zeitungen über Neuerungen. Dies machte sich bezahlt und Madame Tussaud wurde mit der Zeit im ganzen Land bekannt. Fast 30 Jahre führte sie dieses schwierige und anstrengende Nomadenleben, ihre Methoden der Wachsfigurenherstellung verbesserte sie dabei ständig weiter.

Im Jahr 1835 machte Madame Tussaud in London Station, gleich nach ihrer Ankunft stürmten bereits hunderte Besucher ihre Ausstellung. Die Eisenbahn machte es nun auch möglich, dass Menschen, die weiter weg wohnten, ihr Wachsfigurenkabinett besuchten konnten, sie musste nun nicht mehr zu ihrem Publikum reisen. Und so beschloss Madame Tussaud, im Alter von bereits 73 Jahren, ihr erstes eigenes Museum zu eröffnen, welches schnell zu einer berühmten Attraktion in London wurde. Madame Tussaud schrieb kurze Zeit später ihre Memoiren und übergab das Museum ihren beiden Söhnen, die es erfolgreich weiterführten.

Madame Tussaud starb am 16. April 1850 im Alter von 88 Jahren. Die letzte Wachsfigur, die sie herstellte, war ihr eigenes Abbild für ihr Wachsfigurenkabinett.

Madame Tussaud hatte mit vielen Widerständen im Leben zu kämpfen. Sie überlebte nur knapp die schreckliche Zeit der Französischen Revolution und ging als alleinerziehende Mutter ohne Geld in ein fremdes Land. In einer Zeit, wo Frauen in der Geschäftswelt eigentlich nichts zu suchen hatten, baute sie im Alleingang ein bedeutungsvolles Unternehmen auf. Durch ihren ausgeprägten Geschäftssinn verstand sie schon sehr früh, die lebensechten Wachsfiguren in eine interessante Geschichte zu verwandeln und so die Menschen in ihren Bann zu ziehen. Heute stehen überall auf der Welt die Wachsfigurenkabinette „Madame Tussauds“, den Grundstein dafür legte eine Frau, die abenteuerlich durch das Leben schritt und immer felsenfest an ihre geliebten Wachsfiguren glaubte.

James Cameron –- Vom Lastwagenfahrer zum Helden der Filmgeschichte

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James Cameron wurde am 16. August 1954 in Kapuskasing, einer kleinen Stadt in Kanada, geboren. Er wuchs in einer normalen Familie auf, sein Vater war Elektroingenieur und seine Mutter war Malerin. Als er im Alter von 15 Jahren zum ersten Mal den Science-Fiction-Film „2001: Odyssee im Weltraum“ sah, war er so beeindruckt von den Spezialeffekten, dass er ebenfalls in die Filmbranche gehen wollte. James Cameron las von nun alles über Filme, Spezialeffekte und generell alles über die Filmgeschichte, was er in die Hände bekommen konnte. Jedoch war er frustriert über die Tatsache, dass er weit weg von Hollywood war, dem weltbekannten Zentrum der amerikanischen Filmindustrie.

Dieser Zustand sollte sich aber 1971 ändern, als sein Vater einen Job in Orange County, Kalifornien (USA), annahm. James Cameron war davon begeistert, denn jetzt war er in der Nähe von Hollywood und konnte nun voller Tatendrang in die Filmindustrie einsteigen. Jedoch wurde seine Euphorie schnell eingebremst, denn seine Familie konnte sich seine Ausbildung an einer Filmschule nicht leisten. Aus diesem Grund begann er am College Physik zu studieren. Er merkte aber bald, dass seine Fähigkeiten in der Mathematik begrenzt waren, und wechselte nach kurzer Zeit zur englischen Literatur.

Nach dem College begann er als Maschinist und als Lastwagenfahrer zu arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Jedoch war dies weit entfernt von seiner Vorstellung, einmal im Filmgeschäft tätig zu sein, so wie es schon jahrelang sein Traum gewesen war. Erst im Jahr 1977, als er den neu erschienenen Film „Star Wars“ (Krieg der Sterne) zum ersten Mal sah, wurde seine Leidenschaft für den Film neu entfacht. Voller Besessenheit brachte er sich nun selbst das nötige Wissen über das Filmemachen und dem Drehbuchschreiben bei. Zusätzlich lernte er auch, wie man richtig mit Filmausrüstungen umging. James Cameron setzte alles auf eine Karte, er kündigte seinen Job als Lastwagenfahrer, um sich von jetzt an nur mehr mit dem Filmemachen zu beschäftigen.

So produzierte er 1979 seinen ersten eigenen Kurzfilm, wo er gleichzeitig als Autor, Produzent, Regisseur, Kameramann, Cutter und Modellbauer beschäftigt war. Zusammen mit ein paar Freunden musste er sich Geld leihen, um sich eine Kamera und das nötige Material leisten zu können. James Cameron sammelte wichtige Erfahrungen durch dieses Projekt, obwohl der Kurzfilm nicht erfolgreich war. Von diesem Misserfolg ließ er sich aber nicht unterkriegen und bewarb sich bei einer Produktionsfirma, um seine Karriere voranzutreiben. Hinter den Kulissen arbeitete er dort als Modellbauer und war für die Spezialeffekte zuständig. Hier musste er sich andauernd neue Tricks und Spezialeffekte einfallen lassen, die von den Regisseuren gefordert wurden. Aber James Cameron wollte mehr, er wollte selbst Filme produzieren und als Regisseur verantwortlich dafür sein. Deshalb war er sehr ehrgeizig und arbeitete ständig an sich und bildete sich weiter, um besser als alle seine Konkurrenten zu sein. Nebenbei verfasste er immer wieder Drehbücher, die aber kaum jemanden interessierte.

Im Alter von 28 Jahren wachte James Cameron eines Nachts schweißgebadet auf, denn er hatte einen Alptraum gehabt. Aus einer Flammenwand entstieg ein furchterregender Roboter, der aussah, wie ein menschliches Skelett. Dieser Traum ließ ihn nicht mehr los und James Cameron verfasste innerhalb kürzester Zeit ein Drehbuch dazu. Er war wie besessen von seinem Film, jedoch hatte er kein Geld, um seine Idee zu verwirklichen. Und so verkaufte er sein Drehbuch für nur einen Dollar an einen Produzenten gegen die Zusage, dass er selbst Regie bei dem Film führen durfte. Es sollte aber noch weitere zwei Jahre dauern, bis endlich genug Geld für den Film vorhanden war, um ihn finanzieren zu können.

James Cameron musste zwar seinen Film mit einem geringen Budget drehen, jedoch konnte er nun endlich als Regisseur alles genauso machen, wie er es sich vorstellte, und dies war für ihn das wichtigste Argument. Als 1984 der Science-Fiction-Film „Terminator“ mit dem Schauspieler Arnold Schwarzenegger zum ersten Mal in den Kinos zu sehen war, waren die Leute sofort begeistert davon. Durch das besondere Talent von James Cameron für Spezialeffekte entwickelte sich „Terminator“ zu einem der einflussreichsten Science-Fiction-Filme der Filmgeschichte und wurde außerdem als bester Science-Fiction-Film des Jahres 1984 ausgezeichnet. Der damals unbekannte Regisseur James Cameron wurde über Nacht weltweit berühmt und stieg zum absoluten Superstar in der Filmbranche auf.

Durch diesen Erfolg öffneten sich für James Cameron viele verschlossene Türen und plötzlich hatte er mehr Geld und Sponsoren zur Verfügung, um seine Filme produzieren zu können. Ab diesem Zeitpunkt drehte er viele Filme, die als Meilensteine in die Filmgeschichte eingehen sollten. Darunter waren Filme wie „Aliens – Die Rückkehr“, „Abyss – Abgrund des Todes“, „Terminator 2“ oder „Titanic“. Er hatte ständig neue Ideen und revolutionierte mit seiner Tricktechnik und seinen Computeranimationen die ganze Filmindustrie. Er gründete eine eigene Spezialeffekte-Firma, wo er immer wieder an neuen Ideen tüfteln konnte. Eine Erfindung entwickelte er über mehrere Jahre, aber diese neue Kameratechnik war wieder revolutionär. James Cameron drehte den sensationellen Science-Fiction-Film „Avatar“ mit neu entwickelten 3D-Kameras und veränderte dadurch die ganze Filmwelt. Überall auf der ganzen Welt staunten die Menschen über die noch nie dagewesenen 3D-Effekte.

James Cameron stieg vom Lastwagenfahrer zum absoluten Superstar in der Filmbranche auf. Obwohl er nie eine Filmakademie besuchte, glaubte er immer an sein Talent und brachte sich sein Filmwissen einfach selbst bei. Mit ungeheurem Willen trieb er seine Karriere ständig voran und ließ sich auch von finanziellen Engpässen nie entmutigen. James Cameron träumte nicht nur vom Erfolg, er arbeitete jeden Tag hart dafür, um seine Träume auch zu verwirklichen. So lange, bis er es tatsächlich schaffte.

James Cameron: „„Du musst deine Träume selbst wahr machen““

Susan Boyle -– Vom Tellerwäscher zum Millionär

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Susan Boyle wurde am 01. April 1961 im kleinen Städtchen Blackburn (Schottland) geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sie verbrachte eine schwierige Kindheit, da sie in der Schule große Lernschwierigkeiten hatte und von den anderen Schülern deswegen ständig gehänselt wurde. Aufgrund ihrer Auffassungsschwierigkeiten wurde sie sogar von den Lehrern geschlagen und im Unterricht einfach ignoriert. Susan Boyle konnte nichts für ihre kleine Beeinträchtigung, bei der Geburt hatte sie zu wenig Luft bekommen und hatte aus diesem Grund eine leichte Gehirnverletzung davongetragen. Diese jahrelangen Demütigungen überstand sie nur durch ihre große Liebe zur Musik, denn Susan Boyle war leidenschaftliche Sängerin.

Susan Boyle: „“Ich begreife die Dinge eben langsamer als andere Leute. Es gibt nichts Schlimmeres als Menschen, die ihre Macht ausnutzen, um andere zu erniedrigen““

Susan Boyle erhielt Gesangsunterricht und sang jahrelang im Kirchenchor und in diversen Gesangsvereinen mit. Hier fühlte sie sich geborgen und konnte ihrer großen Begeisterung nachgehen, denn sie hatte eine großartige Stimme. Bei einigen Talentwettbewerben versuchte sie den Durchbruch als Solokünstlerin zu schaffen, da sie aber nicht das Aussehen und die Maße eines Supermodels hatte, beachtete man sie nie. Als sie sich später auch noch um die pflegekranke Mutter kümmern musste, stellte sie ihre Gesangskarriere komplett ein. Susan Boyle hatte immer wieder kleinere Jobs, unter anderem auch als Küchenhilfe, meistens war sie jedoch arbeitslos. Als die Mutter starb, verfiel Susan Boyle in eine tiefe Depression, sie lebte nun alleine mit ihrer Katze und hatte keinen wirklichen Sinn mehr in ihrem Leben. Um aus dem jämmerlichen Leben vielleicht doch noch ausbrechen zu können, ergriff sie eine ihrer letzten Chancen. Im Alter von bereits 48 Jahren bewarb sie sich für die Castingshow „Britain’s Got Talent“. Obwohl ihr alle Freunde und Bekannte von diesem Vorhaben aufgrund einer möglichen Blamage abrieten, schaffte es Susan Boyle, diese negativen Bemerkungen auszublenden und auf ihr Herz zu hören.

Foto von Deborah Wilbanks
unter CC BY-SA 3.0

Am 11. April 2009 betrat sie mit einem alten Sonntagskleid und einer eigenwilligen Lockenwicklerfrisur die Bühne und teilte der Jury mit, dass sie Berufssängerin werden wollte. Die Zuschauer fingen zu lachen an und die Mitglieder der Jury verdrehten nur ungläubig die Augen. Doch dann begann die unscheinbare Susan Boyle mit ihrer kräftigen Stimme zu singen, „I Dreamed a Dream“ aus dem Musical „Les Misérables“. Als sie die letzten Töne sang, hatten viele Zuschauer bereits Tränen in den Augen. Die Juroren konnten es kaum fassen und sprangen klatschend auf vor Begeisterung, denn Susan Boyle hatte eine fantastische Stimme und war trotz ihres Alters und ihres Aussehens ein wirkliches Ausnahmetalent. In dieser Show belegte sie später zwar nur den zweiten Platz, aber der heimliche Star der ganzen Sendung war Susan Boyle.

Ein Außenseiter, den die Welt bereits abgeschrieben hatte, kämpfte gegen alle Vorurteile erfolgreich an. Gegen alle Gesetze der Herkunft, der Schönheit und des Alters war Susan Boyle mutig genug, sich in das Scheinwerferlicht zu begeben und sich einem großen und kritischen Publikum zu stellen. Sie zeigte den Leuten, dass es sich immer auszahlt, an seine Träume zu glauben, egal was die anderen Menschen von einem denken.

Susan Boyle schaffte es vom klassischen Tellerwäscher zum Millionär. Die internationale Presse überschlug sich mit Berichten über die unscheinbare Frau, die nichts vorzuweisen hatte, bis auf ihr Talent und ihren außergewöhnlichen Mut, zu ihrer Leidenschaft zu stehen. Sie verkaufte Millionen von Musikplatten und stieg von einer kleinen Frau zum absoluten Superstar auf. Zusätzlich schrieb sie ein Buch über ihr Leben und ihre märchenhafte Geschichte, die sich kein Filmregisseur hätte besser ausdenken können, wurde verfilmt.

Susan Boyle: „„Das Singen hat die Leute, die mich fertiggemacht haben, zum Schweigen gebracht. Ich habe eine neue Identität gefunden, ich bin eine andere Frau geworden““

Shinji Osada – Der herzkranke Freeskier

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Shinji Osada stand sensationell auf dem Siegerpodest des Freeski-Big-Air-Contests in Kanada. Plötzlich brach der junge Japaner vor den Augen der Kamerateams und zahlreicher Zuschauer in Tränen aus. Während die Sieger im Normalfall nur fröhlich den Sekt in die Menge spritzen und eine Party feiern, erstarrten die Zuschauer vor diesem kleinen Japaner, der überglücklich und sehr emotional diesen Sieg feierte. Jahrelang arbeitete Shinji Osada hart an sich, und jetzt hatte er sich seinen langersehnten Traum endlich erfüllt. Aber dies war nicht der eigentliche Grund, der den gefühlsbetonten Ausbruch erklären sollte, denn Shinji Osada unterschied sich grundlegend von den anderen Athleten.

Shinji Osada: „„Ich glaube, meine Tränen waren Ausdruck dafür, wie viel mir dieser Sieg bedeutet hat. Dort zu gewinnen war immer mein Traum gewesen““

Shinji Osada wurde mit einem komplizierten vierfachen Herzfehler geboren (Fallot’scher Tetralogie). Schon als Kind musste er komplizierte Operationen über sich ergehen lassen, um nicht zu sterben. Die Ärzte gaben dem Kind keine Hoffnung, mit dieser schweren Herzerkrankung jemals Sport betreiben zu können. Aber Shinji Osada war schon damals ein echtes Bewegungstalent, und das Sportverbot war für die Eltern kaum aufrecht zu erhalten. Und bald hatte der kleine Junge den Traumsport für sich entdeckt: Freeskiing. Freeskiing ist eine Art des Skifahrens, es geht darum, Hindernisse durch eindrucksvolle Tricks mit gigantischen Sprüngen zu überwinden. Die Eltern hatten keine Chance, Shinji Osada den Sport zu verbieten, zu stark war der Wille des kleinen Jungen gewesen. Und doch wusste er, dass ihn dieser Sport das Leben kosten könnte, aber er wollte sich nicht ein Leben lang verstecken und sich von dieser Krankheit unterkriegen lassen.

Shinji Osada: „“Für mich war es eine Entscheidung über Leben oder Tod““

Shinji Osada trainierte wie ein Verrückter, denn während die meisten Freeskier aus schneereichen Ländern stammten, musste er sich alles neu erarbeiten. Und jeder einstudierte Sprung könnte sein letzter sein. Eine unglückliche Landung auf der Brust könnte fatale oder sogar tödliche Folgen für ihn haben. Shinji Osada setzte sich aus diesem Grund von Anfang an nur die höchstmöglichen Ziele, da er durch seine Krankheit keine Zeit zu verlieren hatte und arbeitete härter und willensstärker als alle seine Konkurrenten.

Shinji Osada: „“Ich könnte jederzeit sterben. Wenn das schon so ist, will ich ohne Bedauern leben““

Shinji Osada erfüllte sich seinen großen Traum und stieg trotz seines schweren Herzfehlers zu einem der besten Freeskier auf der Welt auf. In seiner Heimat ist er aufgrund seiner langen Leidensgeschichte und seinem unerbittlichen Willen ein gefeierter Held in der Sportszene und Vorbild für zahlreiche Menschen.

Shinji Osada: „„Egal, ob ich an sportlichen Wettbewerben teilnehme oder nicht, ich werde wahrscheinlich jünger sterben als andere Menschen, das ist mir bewusst. Auch wenn ich wegen meiner sportlichen Betätigung jünger sterbe, kann ich überzeugt sein, dass mein Leben gut war““

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