Joanne K. Rowling -– Die Entstehungsgeschichte von Harry Potter

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Joanne Rowling hatte schon sehr früh den Wunsch verspürt, Schriftstellerin zu werden. Im Alter von nur fünf Jahren erfand sie bereits ihre eigenen Fantasiegeschichten. Joanne Rowling war aber sehr schüchtern, weshalb sie ihre Geschichten nur mit ihrer jüngeren Schwester teilte. Sie hatte große Furcht, dass man ihr ihre Leidenschaft auszureden versuchte. Nach der Schulzeit studierte Joanne Rowling die französische Sprache um den Wunsch ihrer Eltern zu entsprechen. Glücklich wurde sie nicht damit, auch als sie nach erfolgreichem Abschluss als Sekretärin für Amnesty International arbeitete. Ständig kritzelte sie Romanentwürfe auf Sitzungsprotokolle und war in Gedanken ganz woanders. In ihrem Innersten wusste sie, dass sie Schriftstellerin werden wollte, diese Hoffnung hatte sie immer gehabt.

Joanne Rowling: „„Ich wollte immer Schriftstellerin werden, obwohl ich das selten jemandem erzählt habe. Ich hatte Angst, dass jemand sagte, es sei hoffnungslos““

Während einer Zugfahrt nach London kam ihr plötzlich die Idee von einem mageren, schwarzhaarigen Jungen, der nicht wusste, dass er ein Zauberer war. Die Idee nahm immer konkretere Formen an und es entstand eine mystische und zauberhafte Umgebung in ihrem Kopf. Da der Zug Verspätung hatte, konnte sich Joanne Rowling über vier Stunden lang eine geheimnisvolle Welt der Magier und Zauberer erschaffen. Zwar konnte sie sich ihre Ideen nicht aufschreiben, weil sie keinen Stift dabei hatte und sie sich auch nicht traute, einen Fremden nach einem Stift zu fragen, aber sie sollte alles in ihrem Kopf behalten. Die Hauptfigur Harry Potter mit seinen Freunden Ron und Hermine, die Zauberschule Hogwarts, die menschlichen Muggels, den Bösewicht Lord Voldemort und viele weitere Figuren.

Joanne Rowling: „“Ich habe ständig dies und jenes geschrieben, aber noch nie hatte mich eine Idee so fasziniert““

Bis ihre Vorstellungen jedoch umgesetzt werden konnten, musste sie noch viele Tiefpunkte überwinden. Mitten in ihrem schon wachsenden Manuskript zu Harry Potter starb ihre Mutter im Alter von nur 45 Jahren an Multipler Sklerose (Erkrankung des zentralen Nervensystems). Der Tod der Mutter trug dazu bei, dass Harry Potter ein Waisenkind sein musste und das Thema Tod und Verlust eine große Rolle spielen sollte. Es war eine traurige und sehr schmerzhafte Zeit und Joanne Rowling beschloss kurze Zeit später im Alter von 26 Jahren nach Portugal zu gehen, um ein wenig Abstand zu gewinnen. Die Aufzeichnungen zu Harry Potter nahm sie sich mit und wollte den Roman, neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin, dort fertigstellen.

Joanne Rowling: „„Es war eine fürchterliche Zeit nach dem Tod meiner Mutter. Mein Vater, meine Schwester und ich waren am Boden zerstört. Es fühlte sich so an, als würde eine Betonplatte auf meine Brust drücken, das Herz tat mir buchstäblich weh““

In Portugal verliebte sie sich in einen Fernsehjournalisten, heiratete und wurde kurze Zeit später schwanger. Aber die Ehe scheiterte nach wenigen Monaten und Joanne Rowling kehrte mit ihrem Baby nach Großbritannien zurück, wo sie zunächst bei ihrer Schwester einzog. Joanne Rowling befand sich nun in der klassischen Armutsfalle. Da sie für ihre Tochter keinen Platz in der staatlichen Kinderbetreuung bekam, musste sie sich selbst um ihr Kind kümmern. Deshalb fand sie auch keinen passenden Job und konnte sich auch keine Tagesmutter leisten. Sie lebte von Sozialhilfe und hielt sich mit geborgtem Geld von Freunden über Wasser. Sie fühlte sich dadurch erniedrigt und wertlos, und doch hatte sie einen kleinen Hoffnungsschimmer: Harry Potter.

In jeder freien Minute arbeitete sie weiter an ihrem Buch, welches ihr in der schwierigen Zeit Hoffnung gab. Während ihre Tochter im Kinderwagen schlief, schrieb Joanne Rowling die Geschichte von Harry Potter auf Notizblöcken weiter, meistens in einem Café. Am Abend tippte sie dann todmüde die handschriftliche Fassung auf einer alten Schreibmaschine, denn einen Computer konnte sie sich nicht leisten. Und nach unermüdlicher und harter Arbeit hatte sie es schließlich geschafft, das erste Band „„Harry Potter und der Stein der Weisen““ fertig zu stellen. Sofort schickte sie es an verschiedene Verleger, aber keiner wollte ihr Buch aufgrund der Länge und Komplexität veröffentlichen. Erst ein Jahr später erbarmte sich der Verlag Bloomsbury, ihren Roman doch noch zu veröffentlichen, aufgrund der Unterstützung vom Jugendbuchbeauftragten Barry Cunningham. Denn seine 8-jährige Tochter war so begeistert von dem Buch und Harry Potter, dass es auch ihn überzeugt hatte.

Am 26. Juni 1997 wurde „“Harry Potter und der Stein der Weisen““ mit einer Startauflage von nur 500 Exemplaren veröffentlicht. Der Verlag riet ihr aber, wieder zu arbeiten, denn als Schriftsteller von Kinderbüchern könnte man nicht leben. Es kam jedoch alles anders, denn schon drei Tage nach der Veröffentlichung ersteigerte ein US-Verlag überraschenderweise die amerikanischen Rechte an dem Erstlingswerk für ganze 100.000 Dollar. Diese Summe für eine bis dahin unbekannte Kinderbuchautorin zu bezahlen war eine Sensation. Dies sollte aber nur der Start sein für eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, denn bald wurde die ganze Welt auf die Buchserie aufmerksam. Mit der Geschichte des ungeliebten Waisenjungen Harry Potter, der plötzlich in eine schillernde Welt von Zauberern, Hexen und Kobolden aufstieg, traf sie genau den Geschmack von Kindern bis hin zu den Erwachsenen. Weitere Teile der Harry Potter Saga wurden von Joanne Rowling verfasst, und immer wieder gab es Rekord-Auflagen auf der ganzen Welt.

Joanne K. Rowling, das „K“ fügte sie selbst hinzu und steht für Kathleen, den Vornamen ihrer Großmutter, schaffte es durch ihre Ausdauer und Entschlossenheit, die Geschichte von Harry Potter zu einem Ende zu bringen. Sie gab die Hoffnung nie auf, dass sie irgendwann einmal eine berühmte Schriftstellerin werden würde, und ließ sich auch durch diverse Rückschläge nicht unterkriegen. Sie schaffte es von der Sozialhilfeempfängerin zur erfolgreichsten Autorin der Welt.

Bis heute wurden ihre Romane in über 65 Sprachen übersetzt, weltweit wurden mehr als 500 Millionen Exemplare verkauft. Die Geschichte von Harry Potter wurde verfilmt und kam mit unglaublichem Erfolg in die Kinos auf der ganzen Welt. Joanne K. Rowling gilt gegenwärtig als eine der reichsten Frauen Großbritanniens. Sie nutzt heute ihre Bekanntheit und macht sich stark für alleinerziehende Mütter und spendet große Summen für den Kampf gegen Multiple Sklerose, woran ihre Mutter starb.

Joanne Rowling: „“Der größte Augenblick in meinem Leben war, als ich erfuhr, dass Harry Potter publiziert wird. Es war ein Traum meines Lebens, ein von mir geschriebenes Buch im Regal einer Buchhandlung zu sehen““

Der entscheidende Auftritt des Paul Potts

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Paul Potts wurde am 13. Oktober 1970 in einem Vorort von Bistrol (Südwesten von England) geboren. Bereits in jungen Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für Musik, mit sechs Jahren wollte er zum Beispiel Pfarrer werden – denn die hatten den besten Job der Welt, denn sie durften jeden Sonntag vor der versammelten Kirchengemeinde singen. Paul war ein dickliches und schüchternes Kind und wurde deshalb in der Schule immer wieder verspottet und erniedrigt. Seinen einzigen Rettungsanker fand er in seiner schon damals beeindruckenden Stimme, und so trat er bereits in frühen Jahren dem örtlichen Kirchenchor bei, um seiner Leidenschaft für Gesang nachzukommen. Es bot ihm die Möglichkeit, einer grausamen Wirklichkeit zu entfliehen und sich seine eigene kleine Welt zu erschaffen.

Paul Potts: „“Ich habe instinktiv begriffen, dass meine Stimme mein einziger richtiger Freund ist““

Als er sich mit 16 Jahren seine erste Opernplatte („La Bohème“) kaufte, entdeckte er seine Vorliebe für diesen Musikstil. Paul bildete seine Gesangsstimme durch privat finanzierten Unterricht immer weiter aus und investierte bald seine gesamten Ersparnisse in einen dreimonatigen Italien-Aufenthalt, um Oberngesang zu erlernen. Er hatte Talent, doch sein Mangel an Selbstbewusstsein stand ihm einfach im Weg und verhinderte seinen Durchbruch. Immer wieder absolvierte er Auftritte im Amateurbereich, doch ohne jeglichen Erfolg. 2003 blieb ihm das Pech treu, es wurde bei ihm ein Blinddarmdurchruch diagnostiziert, zusätzlich wurde dabei ein gutartiger Tumor an der Nebenniere festgestellt, und Paul musste operiert werden. Die Heilung nach der Operation verlief gut, aber gerade auf dem Weg der Besserung stürzte Paul mit dem Fahrrad und er brach sich das Schlüsselbein. Paul Potts war es unmöglich, unter diesen Schmerzen seine Karriere fortzusetzen und verfiel in Depressionen. Paul Potts glaubte nicht mehr an sein Talent, auch, weil keine einzige Plattenfirma auf seine Demo-Tapes auch nur einmal reagiert hatte. War dies das entgültige Ende bevor es überhaupt richtig losgegangen war?

Paul Potts: „“Mir ging es wirklich sehr, sehr schlecht und das letzte, an das ich ich dachte, war Singen““

Paul Potts arbeitete von nun an in einer Supermarktkette und später als Verkäufer von Mobiltelefonen, um sich und seine Frau über Wasser zu halten. Seine Leidenschaft als Sänger hatte er verdrängt. Als Paul 2007 zufällig eine Werbemail zur neuen Talenteshow „„Britain`s Got Talent““ erhielt, kam er aber ins grübeln. Er warf eine Münze in die Luft, und als sie auf der richtigen Seite landete, überwand er sich und schickte das Anmeldeformular ab. Britain`s Got Talent ist eine Castingshow, wo Leute mit ganz unterschiedlichen Talenten auftraten und von einer Jury bewertet wurden, ähnlich dem deutschen Format „Deutschland sucht den Superstar“ („DSDS“). Nun war es soweit, der 36-jährige Paul Potts stand direkt vor seinem vielleicht letzten Auftritt, denn einen weiteren Misserfolg konnte und wollte er nicht mehr verkraften. Doch die Vorzeichen standen schlecht. Vor ihm wurde ein Ehepaar ausgebuht und laut ausgepfiffen, das Publikum lechzte förmlich nach Blut und die Stimmung war mehr als aufgeheizt.

Paul Potts: „“Ich habe mich gefragt: Worauf lasse ich mich hier gerade ein? Ich hatte keine Zuversicht, dass irgendetwas Positives dabei herauskommen würde““

Und so betrat der gehemmte Paul Potts mit einem 35-Pfund-Anzug die Bühne und trat zur Markierung vor. Sein Gesichtsausdruck war gequält, und jeder Zuschauer bemerkte seine grenzenlose Nervosität. Als er auch noch verkündete eine Oper zu singen zu wollen, verdrehte der Juror Simon Colwells, der für seine ausschweifenden Sprüche bekannt war (der „Dieter Bohlen“ der Show), bereits ungläubig die Augen. Das ganze Publikum erwartete eine peinliche Vorstellung, in den Gesichtern zeigten sich Unmut und Abgeneigtheit. Paul Potts wollte umkehren und weglaufen, doch er war in diesem Moment wie gelähmt. Plötzlich begann die Musik zu spielen – und Paul war wieder in seiner Welt in der er sich so wohl fühlte. Er begann zu singen und vergaß alles andere um sich.

Paul Potts: „„Als ich aufhörte zu singen, raste mein Herz wie verrückt, denn ich hatte absolut keine Ahnung, was die Jury-Mitglieder sagen würden““

Als Paul Potts seine Arie aus der Oper von „Puccini`s „Nessun Dorma““ beendet hatte, herrschte Stille. Er dachte an einen völligen Misserfolg. Doch plötzlich brach unbeschreiblicher Jubel unter den Zuschauern aus und es gab „Standing Ovations“ für diese unglaubliche Darbietung. Die Jury war sprachlos aufgrund dieser imposanten Stimme und da bemerkte Paul Potts zum ersten Mal die gerührten Gesichter der Menschen, und die meisten hatten Tränen in den Augen – wie auch bei der sonst so harten Jurorin Amanda Halden. Paul Potts begeisterte das Publikum, die Juroren und Millionen von Zuschauern vor den Fernsehgeräten. Und sie wählten Paul Potts einige Zeit später zum Gewinner dieser Show, wo zeitweillig über 40% aller Briten zuschauten.

Paul Potts hatte seinen Durchbruch nun endlich geschafft, kurze Zeit später trat er bereits vor der britische Königin Elisabeth II auf und nahm sein erstes Album auf. Hätte es „Britain`s got Talent“ nicht gegeben, Paul Potts hätte das Singen möglicherweise komplett aufgegeben. Doch eine Anmeldung und ein Auftritt später veränderten das Leben des sympathischen Briten. Oft fehlt im Leben nur ein entscheidender Gedanke, um seine Träume zu verwirklichen. Im Leben des Paul Potts war es die Anmeldung zu dieser einen Castingshow, um ihn auf die richtige Spur zu bringen.

Paul Potts: „“Es hat mein ganzes Leben verändert. Ich fühlte mich so klein und unbedeutend. Doch jetzt bin ich jemand – ich bin Paul Potts und dies ist, was ich tue““