Nick Struck – Ein singender Polizist tröstet ein Mädchen

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Die Polizei von Brighton (US-Bundesstaat Colorado) wird zu einem Verkehrsunfall gerufen. Nick Struck und seinen Kollegen bietet sich vor Ort ein schreckliches Bild. Ein Familienvater ist von der Straße abgekommen und hat sich mit dem Auto mehrmals überschlagen. Alle Fahrzeuginsassen werden dabei mit voller Wucht aus dem Fahrzeug geschleudert und liegen nun verstreut auf einem Feld, zwei Erwachsene und vier Kinder.

Nick Struck: „Wenn du hörst, dass Kinder involviert sind, ist das wie ein Schlag in den Magen“

Wie durch ein Wunder hat ein 2-jähriges Mädchen diesen schrecklichen Unfall unverletzt überlebt. Die anderen Familienmitglieder haben weniger Glück. Der Vater stirbt bereits vor Eintreffen der Rettungskräfte, die anderen Angehörigen werden teils schwer verletzt. Mitten in diesem Durcheinander schnappt sich Nick Struck das verängstigte Mädchen, um es zu trösten.

Nick Struck: „Kinder sind so unschuldig. Man kann es in ihren Augen sehen, dass sie nicht wissen, was sie tun sollen oder was überhaupt los ist“


Foto von Jessica Matrious

Rührend kümmert sich Nick Struck um das Kind und versucht es zu beruhigen. Um es von den furchtbaren Szenen abzulenken, fängt der Polizist an, dass Kinderlied „Twinkle, Twinkle, Little Star“ zu singen. Während seine Kollegen die Leiche des Vaters bergen und die Schwerverletzten ins Krankenhaus bringen, schafft Nick Struck für das Mädchen vorübergehend eine bessere Welt.

Das Bild von dem Polizisten mit dem Mädchen auf dem Arm geht um die Welt. Während hinter ihnen das Chaos mit dem Autowrack und den Verletzten herrscht, lenkt Nick Struck das verstörte Mädchen von dem schrecklichen Unfall ab. Er schützt sie vermutlich vor einem schweren emotionalen Schaden, womit er mit dieser herzerwärmenden Tat zu einem echten Helden wird.

Nick Struck: „Meine Rolle war es, das kleine Mädchen zu schützen und zu trösten“

Einzelnachweise (abgerufen am 22.10.2015):
1. Blick.ch – Singender Polizist tröstet Unfall-Opfer
2. Sixx.at – Polizist tröstet kleines Mädchen nach furchtbarem Autounfall
3. Bild – Polizist singt Lied für Tochter von Unfall-Opfer

Mary -– Die grausame Hinrichtung eines Elefanten

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Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte der Zirkus eine Blütezeit in der Gesellschaft. Die Anzahl der Zirkusse stieg in dieser Zeit sprunghaft an und die Massen strömten in die Zirkuszelte, um von einzigartigen Darbietungen unterhalten zu werden. Exotische Tiere gehörten zur Grundausstattung und die mächtigen Elefanten zählten zu den großen Stars. Mit dem Wanderzirkus „Sparks World Famous Shows“ war auch Mary unterwegs, ein fünf Tonnen schwerer asiatischer Elefant. Die meiste Zeit musste der Elefant jedoch in engen Käfigen verbringen und mit einer gewalttätigen Dressur irgendwelche Kunststücke erlernen.

Im Umgang mit den Elefanten waren die Zirkusleute zudem oft nur schlecht ausgebildet, wodurch es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen kam. Am 11. September 1916 war der Zirkus gerade in Tennessee (USA) unterwegs, als wieder ein Unfall passierte. Für Mary wurde irgendein Pfleger organisiert, welcher keine Ahnung von Elefanten hatte. Als sich diese Aushilfskraft dem Elefanten gegenüber falsch verhielt, reagierte Mary mit panischen Elefantenstampfern und der Pfleger wurde dabei getötet. Da die näheren Umstände dieses Unfalles unklar waren, verbreiteten sich bald wildeste Gerüchte.

Die eigentlich friedfertige Mary wurde von der Presse als böses Monster dargestellt, welche angeblich schon viele Arbeiter auf dem Gewissen hatte, was natürlich nicht stimmte. Die Hetze gegen den Elefanten steigerte sich immer weiter und so beschloss der Zirkusdirektor, dem öffentlichen Druck nachzugeben und Mary hinrichten zu lassen. Es wurden verschiedene Optionen besprochen, wie man den Elefanten töten könnte, und es setzte sich schließlich eine besonders brutale Methode durch. Der Zirkusdirektor wollte den Elefanten hängen lassen, um mit diesem Spektakel auch noch Werbung für seinen Zirkus machen zu können.

So wurde Mary mit der Eisenbahn an einen nahegelegenen Ort gebracht, wo bereits ein riesiger Industriekran wartete. Vor den Augen von tausenden Schaulustigen legte man Mary eine Kette um den Hals und begann den angsterfüllten Elefanten langsam nach oben zu zerren. Plötzlich riss aber die Kette und Mary stürzte zu Boden, wobei sie sich mit einem lauten Krach die Hüften brach. Der schwerverletzte Elefant blieb bewegungslos und völlig verängstigt am Boden liegen. Danach legte man Mary eine zweite und noch dickere Kette um den Hals und zog den tonnenschweren Elefanten wieder nach oben. Es dauerte mehrere Minuten, bis der qualvolle Todeskampf des Elefanten endlich vorbei war und das Leben aus dem Körper von Mary entwich. Der Kadaver wurde daraufhin neben den Bahngleisen verscharrt.

Die tragische Geschichte von Mary verbreitete sich durch diverse Aufnahmen weit über die Grenzen hinaus. Es reichte nicht, den Elefanten aus der natürlichen Umgebung zu entführen und ein Leben lang zu demütigen. Zum Abschluss hängte man den hilflosen Elefanten auch noch auf und bescherte Mary dadurch einen grausamen Tod, nur weil man nicht richtig mit dem Elefanten umgehen konnte. Der erhängte Elefant gilt bis heute als Symbol für Tiermisshandlungen und berührt viele Menschen tief im Herzen, sich für den Tierschutz einzusetzen.

 

Chad Varah -– Der Selbstmord und die Gründung der Telefonseelsorge

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Chad Varah wurde am 12. November 1911 in England geboren und schlug wie sein Vater den Weg eines Priesters ein. Nach Beendigung seiner Ausbildung begann er in London Gottesdienste abzuhalten und auch Begräbnisse zu leiten. Bereits als junger Pfarrer musste er einer Bestattung eines vierzehnjährigen Mädchens beiwohnen, welche sich selbst getötet hatte. Dieser Todesfall ging Chad Varah sehr nahe, denn die Umstände waren mehr als tragisch. Das junge Mädchen hatte gerade zu menstruieren begonnen und hatte deshalb befürchtet, dass sie sich eine schwere Geschlechtskrankheit zugezogen hatte. Chad Varah erkannte, dass dieser Selbstmord zu verhindern gewesen wäre, wenn das Mädchen einfach mit jemanden hätte reden können. Durch dieses traurige Ereignis schwor er sich noch vor ihrem Grab, etwas zu unternehmen.

Chad Varah: „“Kleines Mädchen, ich kannte dich nicht, aber du hast mein Leben verändert““

Chad Varah gründete in seiner Kirche die Telefonseelsorge „Samaritans“ mit der ersten und einzigen 24 Stunden Telefon-Hotline, welche es in Großbritannien gab. Zu dieser Zeit gab es in weiten Teilen des Landes eine steigende Anzahl von Selbstmorden und Suizidversuchen, aber keine wirksamen Mittel dagegen. Chad Varah wollte mit seinem Angebot den verzweifelten Menschen noch ein letztes Gespräch ermöglichen und ein verständnisvolles und geduldiges Ohr leihen. Am 02. November 1953 stellte er eine Anzeige in die Zeitung mit dem Inhalt: „Bevor Sie Selbstmord begehen, rufen Sie mich an“. Dieser Tag wurde zur Geburtsstunde der ersten öffentlichen Telefonseelsorge mit immensen Auswirkungen.

Schon nach kurzer Zeit konnte er die große Anzahl der eingehenden Anrufe nicht mehr alleine bewältigen und musste auf freiwillige Helfer zurückgreifen. Chad Varah hatte mit seiner neuen Organisation genau den Nerv der Zeit getroffen. Er legte einige für ihn wichtige Grundvoraussetzungen fest, wie der anonyme Beistand arbeiten sollte. Zuhören ohne zu unterbrechen, auf Wünsche des Hilfesuchenden eingehen, die ganze Aufmerksamkeit dem Anrufer schenken und unabhängig von der Religion den Menschen in den Vordergrund stellen. Die Hilfsorganisation breitete sich rasch aus und nach zehn Jahren gab es bereits über 40 Filialen der „Samaritans“ in Großbritannien.

Angeführt von dem engagierten Chad Varah verbreitete sich diese Telefonseelsorge auf der ganzen Welt. Unabhängig von politischen oder religiösen Hintergründen wurde jedem Menschen geholfen, welcher nach Hilfe suchte. Immer mehr ehrenamtliche Helfer traten seiner Bewegung bei, in speziellen Kursen wurden sie darüber hinaus ausgebildet und auf ihre Aufgaben vorbereitet. Für Chad Varah waren diese Freiwilligen die stillen Helden, welche durch ihren unermüdlichen Einsatz seine Idee immer weiter vorantrieben.

Chad Varah starb am 08. November 2007 im Alter von 95 Jahren. Die Telefonseelsorge entwickelte sich weltweit zu einem unverzichtbaren Teil in der Gesellschaft mit etlichen Ablegern in den verschiedensten Bereichen. Am Anfang stand aber nur ein Priester, welcher durch den tragischen Selbstmord eines kleinen Mädchens wachgerüttelt wurde und dadurch die nötige Kraft fand, die Telefonseelsorge zu gründen. Er veränderte mit seiner Idee die Gemeinschaft auf der ganzen Welt und trug dazu bei, dass Millionen Menschen neue Hoffnung und Lichtblicke im Leben erhielten.

Temple Grandin -– Eine Autistin entdeckt die Sprache der Tiere

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Temple Grandin wurde am 29. August 1947 in Boston (USA) geboren und zeigte bereits als Kind unbeherrschte Verhaltensauffälligkeiten. Da sie bis zum Alter von vier Jahren auch nicht sprechen konnte, hielten sie die Ärzte für hirngeschädigt und rieten den Eltern, sie in ein Heim abzugeben. Während der Vater seine Tochter gleich fortgeschickt hätte, war es die Mutter, welche um Temple Grandin kämpfte. Sie hielt zu ihrer Tochter, da sie gelegentlich bemerkt hatte, dass ihr Kind trotz ihrer Behinderung Intelligenz und Klugheit zeigte. Temple Grandin litt an Autismus, einer schwerwiegenden Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung im Gehirn.

Temple Grandin: „„Die Diagnose Autismus kannten damals die wenigsten Ärzte. Sie hielten mich für hirngeschädigt““

Temple Grandin wurde nun von einem Kindermädchen und einem Sprachtherapeuten betreut, und das kleine Mädchen machte dadurch bedeutende Fortschritte. Da Temple Grandin aufgrund ihrer Behinderung nur visuell und in Bildern denken konnte, musste sie ihren Wortschatz wie eine Fremdsprache neu erlernen. Mühsam eignete sie sich so eine Sprachfähigkeit an und schaffte es dadurch, auf die Schule gehen zu können. Aber in der Schule wurde sie durch ihre Panikattacken sofort zur Außenseiterin. Temple Grandin wurde sozial ausgegrenzt und von den anderen Schülern verspottet. Trotz aller Unannehmlichkeiten kämpfte sie weiter und schaffte erfolgreich ihren Schulabschluss. Doch eines Tages kam es zu einem Schlüsselerlebnis in ihrem Leben, als sie Rinder auf einer Ranch beobachtete.

Temple Grandin: „„Die anderen Kinder haben mich gehänselt, weil ich immer alles wiederholte. Ich übersetze alles, was ich höre und lese, in Bilder und in Farbfilme mit Ton““

Während einer großen Impfaktion wurden die Rinder in eine Pressmaschine verfrachtet, damit sie sich nicht bewegen konnten. Temple Grandin wunderte sich über das Verhalten der Tiere, denn sie reagierten alles andere als panisch sondern blieben vollkommen ruhig. Die Rinder fühlten sich in dieser Vorrichtung einfach geborgen und zeigten überhaupt keine Angst. Temple Grandin, welche es durch ihren Autismus nicht ertrug, wenn jemand sie berührte, sehnte sich ebenfalls nach einer „Umarmung“ und hatte eine ungewöhnliche Idee. Sie baute sich nun in gleicher Weise eine „Berührungsmaschine“ nach und es funktionierte tatsächlich. Durch den äußeren Druck schaffte sie es sich zu entspannen und ihre Wut- und Panikattacken weitgehend zu kontrollieren.

Temple Grandin: „„Ich wurde viel ruhiger. Ich war süchtig nach diesem Gefühl““

Durch diese Erfahrung entwickelte Temple Grandin eine besondere Bindung zu den Tieren. Sie glaubte daran, dass die oft panischen Reaktionen der Rinder darin begründet waren, dass die Tiere ebenfalls in Bildern dachten, genauso wie sie als Autistin. Temple Grandin begann nun zu studieren und Viehzüchter und Viehschlachtereien zu erforschen, wo sie zu einem unglaublichen Ergebnis kam. Sie bemerkte, dass Rinder auf viele Dinge unbeherrscht reagierten, welche man als Mensch gar nicht wahrnahm. Egal ob dies glänzende Ketten, Schatten und dunkle Stellen oder einfach nur eine Jacke war, welche über einem Zaun hing. Durch ihre außergewöhnliche Auffassungsgabe entwickelte Temple Grandin neue Systeme, um den Tieren ein besseres Leben ermöglichen zu können. Neue Anlagen für die Viehhaltung wurden nun so umgestaltet, dass sich das Verhalten der Tiere tatsächlich zum Positiven veränderte. Infolgedessen gingen auch die Unfälle zwischen Menschen und Tieren drastisch zurück, was statistisch belegt wurde.

Temple Grandin: „„Wir müssen den Tieren ein anständiges Leben bieten. In meinen Anlagen gibt es keine Angst, keine Panik““

Temple Grandin wurde zur Pionierin in der Erforschung und Entwicklung von modernen Tierhaltungsanlagen. Sie kämpfte erfolgreich gegen Tierärzte und Forscher an, welche nicht daran glaubten, dass die Tiere Gefühle entwickeln konnten. Aber durch ihre neuen Erkenntnisse überzeugte sie auch die größten Kritiker, dass Tiere die gleichen Grundemotionen wie die Menschen hatten, wie zum Beispiel Wut oder Angst. Temple Grandin machte ihre Behinderung und ihren größten Schwachpunkt zu ihrem mächtigsten Vorteil und konnte dadurch die Welt so sehen, wie Tiere dies auch taten. Durch ihre besondere Gabe revolutionierte sie die gesamte Tierhaltung und wurde zudem vom „Time Magazine“ zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählt.

Temple Grandin: „„Autismus ist das, was mich ausmacht. Es macht mir enorm viel Spaß, Probleme zu lösen, ich habe meinen Platz gefunden““

Tyke -– Das brutale Zirkusleben eines Elefanten

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Als Tyke noch ein Baby war, wurde sie von Jägern eingefangen und von ihrer Familie weggebracht. Die kleine Elefantendame kam nun in einen Zirkus nach Honolulu (Hawaii) und musste dressiert werden, um den Leuten eine Unterhaltungsshow bieten zu können. Für die Menschen bedeutete ein Zirkus Spaß und Vergnügen, aber für Tyke war das unbeschwerte Leben jetzt vorbei. Denn was sich hinter den Kulissen im Zirkus abspielte, war eine regelrechte Tortur.

Während es Elefanten in freier Natur gewohnt waren, kilometerweit zu marschieren, wurde die kleine Tyke in Ketten gelegt und in einen engen Raum eingesperrt. In dieser unnatürlichen und feindseligen Umgebung war der Elefant nun einem gewissenlosen Dresseur ausgeliefert, welcher für Tyke verantwortlich war. Sofort fing der Trainer an, den Elefanten mit grausamen Foltermethoden zu quälen, um Tyke Gehorsamkeit beizubringen. Mit einem scharfen Metallstock („Elefantenhaken“) schlug er auf den wehrlosen Elefanten ein, vor allem auf die empfindlichen Bereiche, wie zum Beispiel hinter den Ohren. Der Abrichter verfolgte nur ein Ziel, den Willen des Elefanten mittels harter Gewalt zu brechen, um ihn gefügig zu machen.

Der Dickhäuter hatte gegen die brutalen Trainingsmethoden keine Chance, sich zur Wehr zu setzen. Tyke wurde jeder Aspekt eines normalen Elefantenlebens beraubt, sie verbrachte die meiste Zeit in schmerzenden Ketten und sie stand in ihrem eigenen Dreck und Kot. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Trainer dem Elefanten Kunststücke beibringen konnte. Tyke lernte dem Dresseur gezwungenermaßen zu gehorchen, denn eine Verweigerung hatte schlimme Schläge und Peitschenhiebe zur Folge. Das Publikum war begeistert von den Darbietungen von Tyke, jedoch ahnte niemand, wie schlecht es dem Elefanten wirklich ging. Durch zusätzlichen Futterentzug wurde sichergestellt, dass Tyke die Befehle auch tatsächlich ausführte.

So vergingen die Jahre und Tyke fristete ein erbärmliches Dasein. Ständig musste sie schmerzhafte Schläge auf ihre sensible Haut aushalten, die Wunden verheilten noch dazu sehr schlecht. Tyke wurde so ängstlich, dass sie jedes Mal zu schreien anfing, wenn ihr gewalttätiger Trainer auftauchte. Aber sie hatte keine Chance sich zu wehren und musste die stundenlange Folter über sich ergehen lassen. Nach 20 Jahren unfassbarer Qualen war Tyke an einem Punkt angelangt, wo sie die Misshandlungen einfach nicht mehr ertragen konnte und es zur großen Katastrophe kam.

Während einer Vorstellung fiel Tyke in ihre natürlichen Instinkte zurück und riss sich los. Wahnsinnig vor Wut und den jahrelangen Erniedrigungen verlor sie vollkommen die Beherrschung und verletzte ihren Trainer tödlich. Der Elefant durchbrach daraufhin alle Absperrungen und schaffte es, in die Innenstadt von Honolulu zu entkommen. Die Flucht des Elefanten war aber nur von kurzer Dauer, denn schnell hatte die Polizei das Tier umzingelt. Umgehend durchbohrten 86 Kugeln den müden Körper des Dickhäuters, welcher qualvoll zusammenbrach und kurze Zeit später starb. Tyke hatte keine Chance, ihre Suche nach Freiheit und einem Leben ohne Angst und Schmerzen war in dieser feindlichen Welt hoffnungslos.

Tyke wurde nach ihrem Tod zum tragischen Symbol für eine sinnlose und qualvolle Haltung von Wildtieren im Zirkus, die Bilder von ihrer Flucht schockierten die Menschen auf der ganzen Welt. Die erschütternde Geschichte des Elefanten gab den vielen in Gefangenschaft lebenden Tieren eine Stimme, dass jedes Lebewesen ein Recht auf ein Leben in Freiheit hat.

 

Seesterne retten

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Es wütete ein fürchterliches Unwetter und meterhohe Wellen brachen sich am Strand. Nachdem sich das Unwetter und der Sturm wieder verzogen hatten, lagen unzählige Seesterne am Meeresufer, die von der Strömung an den Strand gespült wurden.

Ein kleines Mädchen stapfte am Strand entlang, hob vorsichtig Seestern für Seestern auf und warf sie wieder zurück ins Meer. Da kam eine ältere Frau vorbei und rügte das Mädchen: „“Du dummes kleines Ding. Was du da machst ist völlig zwecklos. Siehst du nicht, dass der ganze Strand voll von diesen Seesternen ist? Du kannst sie sowieso nie alle zurück ins Meer werfen, was du hier tust bringt gar nichts!““

Das Mädchen blickte traurig auf die vielen Seesterne, die am Boden lagen und wo vermutlich viele sterben würden. Dann hob sie behutsam einen Seestern auf und warf ihn wieder zurück in das Wasser. Zu der Frau sagte sie: „„Für diesen hier wird es etwas ändern.“

 

Wie viel ist ein Mensch wert?

Lesezeit: ca. 1 Minute

Ein Lehrer wollte seinen Schülern eine wichtige Lektion für ihr Leben beibringen. Er nahm einen 100 Euro Schein und fragte seine Schüler: „“Wer möchte diesen 100 Euro Schein haben?““ Sofort gingen alle Hände in die Höhe.

Er knüllte den Schein zu einer Kugel zusammen. Nochmals fragte er: „“Wer möchte jetzt noch immer die 100 Euro?““ Wieder gingen alle Hände in die Höhe.

Nun ließ der Lehrer den Schein auf den Boden fallen. Er trampelte darauf herum und putzte seine Schuhsohlen an dem Schein ab. Dann hob er den völlig verschmutzten und zerknüllten Schein wieder auf und fragte: „“Und wer will jetzt noch diesen 100 Euro Schein haben?““ Auch diesmal gingen alle Hände in die Höhe.

Zum Abschluss sagte der Lehrer: „“Was auch immer mit diesem Geldschein geschah, ihr wolltet ihn immer haben, weil er eben nie an seinem Wert verloren hat. Die Erkenntnis daraus ist sehr einfach. Egal was euch im Leben passiert, ob ihr ausgegrenzt, durch den Dreck gezogen oder ihr euch einfach nutzlos fühlt, ihr werdet niemals an eurem Wert verlieren. Jeder von euch ist wertvoll, vergesst das bitte niemals““

 

Immaculée Ilibagiza -– Der schreckliche Völkermord in Ruanda

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Immaculée Ilibagiza wurde in Ruanda, einem kleinen und armen Staat in Ostafrika, geboren. Gemeinsam mit ihren Geschwistern hatte sie eine glückliche und wohlbehütete Kindheit, sie wurden immer unterstützt von ihren liebevollen Eltern. Sie besuchte die Schule und durfte später auf das College gehen, wo sie sehr erfolgreich war. Von ihren Eltern wurde sie immer so erzogen, dass jeder Mensch gleich viel wert war, egal welche Herkunft er war. Aber nicht alle Menschen teilten diese Ansicht, denn in Ruanda gab es zwei Hauptstämme, die mehrheitliche Gruppe der Hutu, und die Minderheit der Tutsi. Schon viele Jahre gab es Konflikte zwischen diesen beiden Volksgruppen, und durch diesen Hass gab es in beiden Lagern viele Extremisten. Es ging um Macht- und Besitzansprüche, immer wieder gab es Morde und blutige Kämpfe in beiden Lagern.

 
Immaculée und ihre Familie gehörte zur Minderheit der Tutsi, obwohl es ihnen nicht wirklich wichtig war. Doch ständig riefen Hutu-Anhänger dazu auf, die „Tutsi-Kakerlaken“ zu eliminieren, und diese Feindschaft sollte am 06. April 1994 ihren traurigen Höhepunkt erreichen, als der Präsident des Landes bei einem Flugzeugabsturz, welches abgeschossen wurde, getötet wurde.

Immaculée Ilibagiza: „„Plötzlich wurde alles zugemacht im Land. Uns wurde gesagt, dass nichts mehr getan werden dürfe, keine Arbeit, keine Bank, keine Märkte sollten öffnen““

Sofort wurden alle Grenzübergänge geschlossen, und keiner vom Volk der Tutsi konnte mehr fliehen, denn radikale Hutu-Anhänger gaben der Tutsi-Minderheit die Schuld für die Ermordung des Präsidenten, obwohl dies bis heute nie aufgeklärt werden konnte. Bald folgten Meldungen, wonach Hutu-Anhänger ganze Familien der Tutsi umbrachten, inklusive der Kinder. Die Menschen in der Heimatstadt von Immaculée bekamen es mit der Angst zu tun, denn sie hörten bereits von einem Killerkommando, welches auch zu ihnen unterwegs war. In einer waghalsigen Aktion schickten die Eltern die 22-jährige Immaculée im letzten Moment zu einem Hutu-Priester, wo sie sich verstecken konnte. Es sollte das letzte Mal sein, wo sie ihre Eltern lebend sehen sollte.

Immaculée Ilibagiza: „“Es gab viele Pastoren und Priester, die Menschen versteckten. Es war wirklich eine Sache des persönlichen Glaubens an Gott. Es ging nicht mehr darum, zu welcher Gruppe man gehört oder dies und jenes““

Immaculée wurde sofort in einem kleinen 90 x 120 cm großen Badezimmer, verborgen hinter einem Kleiderschrank, versteckt. Gemeinsam mit sieben anderen Frauen und Kindern mussten sie nun auf engstem Raum in diesem winzigen Versteck bleiben, unter Todesangst. Immer wieder drangen Killer in das Haus des Geistlichen ein, um nach Opfern zu suchen und um sie zu töten. Immaculée betete zu Gott, dass sie nicht entdeckt wurden, und in ihrem Glauben fand sie den einzigen Halt in dieser schrecklichen Situation. Ständig hörte sie Geräusche von außen und hektische Schritte, es war ein Versteckspiel auf Leben und Tod. Doch was im gleichen Moment mit unschuldigen Menschen vom Tutsi-Stamm passierte, die sich nicht verstecken konnten, war unvorstellbar. Denn die zur Hutu zählenden Polizei, die Armee und auch weite Teile der Hutu-Zivilbevölkerung machten unerbittliche Jagd auf die Tutsi-Minderheit, um sie für immer auszulöschen.

Immaculée Ilibagiza: „„Wir aßen dort, schliefen und waren still. Wir sahen einander an, kannten einander nicht einmal. Aber das Eigenartige ist, wenn man in Schwierigkeiten steckt, weiß man, du bist ein Mensch. Wir sind Menschen und lachen und weinen über dieselben Dinge. Und nur das zählt““

Überall wurden Straßenblockaden errichtet, wo aus den Flüchtlingsströmen Tutsi herausgesucht wurden und sofort erschossen wurden. Eine regelrechte Menschenjagd begann, mit schrecklichen Vergewaltigungen, Verstümmelungen und Folterungen. Einigen Opfern wurden Körperteile nach und nach abgetrennt, um die Schmerzen zu erhöhen. Kinder wurden vor den Augen der Eltern misshandelt und brutal erschlagen. Große Menschenmengen wurden zusammengetrieben und in Gebäuden lebendig verbrannt, andere Leichen wurden einfach den Tieren zum Fraß vorgeworfen. Männer, Frauen und Kinder wurden wahllos mit Speeren, Macheten (lange Messer) und Handgranaten getötet. Erst als immer mehr Flüchtlinge das Land verließen, reagierten die internationalen Staaten auf diesen Völkermord, aber da war es bereits viel zu spät.

Während der dreimonatigen Dauer des Bürgerkrieges wurden fast eine Million Menschen abgeschlachtet. Radikale Anhänger der Hutu-Mehrheit töteten etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit. Die Zahl der vergewaltigten Mädchen und Frauen wurde auf bis zu 500.000 geschätzt, viele erkrankten danach an AIDS. Ein Großteil der Todesopfer wurde sofort in Massengräbern beerdigt, um Seuchen vorzubeugen. Die meisten Täter konnten danach gefasst und verurteilt werden, aber viele Verbrecher schafften auch die Flucht ins Ausland.

Als Immaculée nach drei Monaten endlich ihr Versteck verlassen konnte, fand sie in einem Flüchtlingslager Unterschlupf. Sie war stark abgemagert und hatte über 20 kg verloren, aber sie hatte überlebt. Bald darauf erfuhr sie jedoch, dass ihre gesamte Familie in Ruanda getötet wurde. Ihr sorgenfreies Leben, wie sie es vor dem Massaker geführt hatte, war nun für immer vorbei.

Immaculée Ilibagiza: „“Am ersten Abend erfuhr ich, dass meine gesamte Familie ermordet worden war: meine Mutter, mein Vater, meine beiden Brüder, mein Großvater, meine Großmutter, Onkel, Tanten, Nachbarn, Freunde und Klassenkameraden. Es war wie das Ende der Welt““

Immaculée konnte diese ganze Tragödie nicht fassen, nur der Glaube an Gott half ihr, dieses entsetzliche Schicksal irgendwie zu ertragen. Einige Jahre später verließ sie das Land, wanderte in die USA aus und wurde Mutter von drei Kindern. Sie arbeitet heute bei der UNO (Vereinte Nationen) in New York im Rahmen einer Entwicklungshilfe für ihr Heimatland Ruanda.

Die Rachegefühle gegen die Mörder ihrer Familie und dem furchtbaren Völkermord konnte sie tatsächlich überwinden, da sie lernte, zu vergeben. Denn sie verstand, dass viele Täter nur von Hass geblendet waren und nicht wussten, dass ihr Handeln falsch war und es nun keinem weiterhalf, wenn sie nur auf Rache aus war. Sie begriff, dass sie niemals glücklich werden würde und in die Zukunft blicken konnte, wenn sie mit dem Trauma nicht abschließen konnte. Und so besuchte sie sogar den Mörder ihrer Mutter im Gefängnis, um ihm zu vergeben und ihre Feindschaft zu begraben.

Immaculée Ilibagiza: „Das Großartigste, was ich dabei erlebte, war, wie die Bitterkeit, die ich immer empfand, und der Zorn wie eine große Last von mir fiel. Das größte Wunder war das der Vergebung““

Immaculée Ilibagiza erlebte Momente im Leben, die kaum vorstellbar sind. Trotz des blutigen Massakers und der Ermordung ihrer geliebten Familie schaffte sie es, den Mördern zu vergeben. Sie gründete die „“Left to Tell Foundation““, die wohltätige Projekte in ganz Afrika unterstützt. Sie schrieb Bücher, wie sie den Völkermord in Ruanda überlebte, und wie sie es schaffte, wieder ein normales Leben führen zu können. Immaculée Ilibagiza hält auf der ganzen Welt Reden über den Massenmord und ihre Einstellung zur Vergebung, damit der Hass zwischen den Menschen weniger wird. Denn wenn diese mutige Frau die Hoffnung nicht aufgibt und vergeben kann, dann kann jeder Mensch auf der Welt vergeben. 2007 erhielt sie dafür den „Mahatma-Gandhi-Versöhnungs- und Friedenspreis“.

Immaculée Ilibagiza: „„Ich habe verstanden, was es heißt, dankbar zu sein. Dankbar zu sein für die Sonne, für den Mond, den Wind. Mir wurde klar, wie viel wir oft haben und wir ignorieren es einfach. Heute sage ich jedem, egal was sie durchmachen, es gibt immer Liebe und Hoffnung““

Justin Fashanu – Der tiefe Fall eines schwulen Fußballstars

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Justin Fashanu wurde am 19. Februar 1961 geboren und galt in Expertenkreisen als eines der größten Talente in England. Der dunkelhäutige Sohn eines nigerianischen Rechtsanwaltes bekam so bereits im Alter von 17 Jahren seinen ersten Profivertrag bei Norwich City. Hier entwickelte sich der großgewachsene und athletische Fußballspieler zu einem gefürchteten Stürmer, im Laufe der Zeit war er nicht nur zum Stammspieler geworden, sondern er erzielte auch sehr viele Tore. Ein Tor machte ihn auf einen Schlag weltberühmt, als er mit einem spektakulären Weitschuss gegen den Spitzenklub Liverpool das „Tor des Jahres“ in England erzielte.

Wochenlang zeigten die TV-Sender dieses atemberaubende Tor des jungen Justin Fashanu, ein neuer Fußballstar war geboren. Der Fußballklub Nottingham Forest, damals ein Spitzenverein in England, wurde auf das Talent aufmerksam und verpflichtete den jungen Spieler im Alter von gerade einmal 20 Jahren für eine Million Pfund. Justin Fashanu war der erste schwarze Fußballer, für den in England eine Millionensumme gezahlt wurde, für damalige Verhältnisse eine Sensation. Die steile Karriere zum Fußballstar war vorgezeichnet und Justin hatte alle Fähigkeiten, ein ganz Großer in der Fußballwelt zu werden. Aber es sollte alles ganz anders kommen, denn Justin Fashanu war schwul.

In Nottingham angekommen, bekam sein damaliger Trainer Brian Clough mit, dass sich Justin immer wieder in der Schwulenszene aufhielt und dort auch ständig beobachtet wurde. Mit dieser Situation konnte der Trainer, der nicht gerade als sanftmütig galt, überhaupt nicht umgehen. Er ließ Justin seine Abneigung spüren und wollte ihn so schnell wie möglich wieder loswerden. Er nutzte dazu jede Gelegenheit, vor versammelter Mannschaft verspottete der Trainer Justin als „verdammte Schwuchtel“. Der junge Justin litt unter ungeheurem psychischen Druck und versuchte in weiterer Folge, seine Homosexualität zu unterdrücken. Aber es half alles nichts, seine fußballerischen Leistungen wurden durch das vehemente Mobbing immer schlechter. Als er auch noch aus einem belanglosen Grund vom unfairen Trainer einfach suspendiert wurde, brach eine Welt für den jungen Justin zusammen. Er weigerte sich, das Trainingsgelände zu verlassen, denn er wollte seinen Traum, ein bekannter Fußballstar zu werden, immer noch verwirklichen. Aber er hatte keine Chance, denn die herbeigerufene Polizei schaffte den verzweifelten jungen Mann vom Gelände weg.

Das Leben von Justin Fashanu geriet nun endgültig aus dem Ruder. Er ging ins Ausland und spielte für verschiedene Vereine, unter anderem auch in den USA und Kanada. Ständig änderte er seinen Wohnsitz, seine Homosexualität unterdrückte er aber noch immer. Erst der Tod eines guten Freundes von Justin, der Selbstmord beging, weil seine Eltern ihn wegen seiner Homosexualität einfach vor die Tür setzten, rüttelten ihn wach. Er kehrte nach England zurück und gab als aktiver Fußballprofi im Oktober 1990 der englischen Boulevardzeitung „The Sun“ ein folgenschweres Interview mit dem Titel: „Eine Million Pfund teurer Fußballstar: Ich bin schwul“. Diese Veröffentlichung schlug ein wie eine Bombe, noch nie zuvor war ein aktiver Fußballspieler so mutig gewesen, zu seiner sexuellen Neigung öffentlich zu stehen. Justin Fashanu fühlte sich befreit, eine schwere Last war soeben von seinen Schultern gefallen. Aber die Reaktionen auf sein gewagtes Geständnis fielen anders aus, als er sich gedacht hatte.

Die schwarze Gesellschaft brachte für ihn nur Unverständnis entgegen und die Medien behandelten ihn von nun an wie einen Aussätzigen. Die gegnerischen Fans verhöhnten ihn mit diskriminierenden Gesängen, Freunde und Bekannten wandten sich von ihm ab. Aber am schlimmsten für Justin war die Demütigung von seinem eigenen Bruder, der ihn öffentlich als Ausgestoßenen bezeichnete. Justin konterte mit verschiedenen Auftritten in der Öffentlichkeit und in Talkshows, denn schlagfertig war er schon immer gewesen. Er genoss es, im Mittelpunkt zu stehen, jedoch war er als Außenseiter sehr isoliert und wurde immer wieder depressiv. Nach seinem Outing war es für Justin mittlerweile sehr schwierig geworden, einen neuen Fußballklub zu finden, denn keiner wollte mit einem schwulen Fußballer zu tun haben.

Nachdem er seine aktive Karriere beenden musste, arbeitete Justin als Jugendtrainer in den USA weiter. Dort wurde er bald verdächtigt, einen 17 Jahre alten Jungen im betrunkenen Zustand vergewaltigt zu haben. Obwohl er unschuldig war, was später auch von der Polizei festgestellt wurde, wurde er von der Presse sofort vorverurteilt. Er kehrte nach England zurück um sich aus dem Rampenlicht fernzuhalten, aber die Hetzkampagne der Medien war hart und unbarmherzig. Als der Druck auf ihn immer größer wurde, wusste der verbitterte Justin keinen Ausweg mehr.

Am 02. Mai 1998 erhängte sich Justin Fashanu im Alter von nur 37 Jahren in einer Garage. Er war weltweit der erste Fußballspieler, der es wagte, sich während seiner aktiven Spielerkarriere zu outen.

Die Homophobie und die Feindseligkeit gegenüber Schwulen in der Fußballszene trieben Justin Fashanu, der vermutlich als Heterosexueller ein großer Fußballstar geworden wäre, in den Tod. Später wurde ein Abschiedsbrief von ihm gefunden:

„“Wenn irgendjemand diese Notiz findet, bin ich hoffentlich nicht mehr da. Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, ist hart. Ich will sagen, dass ich den Jungen nicht vergewaltigt habe. Er hatte bereitwillig Sex mit mir, doch am nächsten Tag verlangte er Geld. Als ich nein sagte, sagte er: ,Warte nur ab!’ Wenn das so ist, höre ich euch sagen, warum bin ich dann weggerannt? Nun, nicht immer ist die Justiz gerecht. Ich fühlte, dass ich wegen meiner Homosexualität kein faires Verfahren bekommen würde. Ihr wisst, wie das ist, wenn man in Panik gerät. Bevor ich meinen Freunden und meiner Familie weiteres Unglück zufüge, will ich lieber sterben““

Seit dieser Zeit hat sich die Gesellschaft stark verändert. Jedoch ist das Vertrauen in die Fußballgemeinschaft noch immer nicht groß genug, um es schwulen Fußballern problemlos zu ermöglichen, zu ihrer Homosexualität zu stehen. Denn ein schwuler Fußballprofi ist noch immer ein Tabuthema, damals wie heute.

Richard O’`Barry – Flipper starb in seinen Armen

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Richard O’’Barry war noch nie so glücklich in seinem Leben gewesen. Als junger Mann arbeitete er für das Miami Sea Aquarium, einem großen Freizeitpark im Süden Floridas, er war dort für die berühmte Delfin-Show zuständig. Er liebte nichts mehr als mit Delfinen zu arbeiten. Stundenlang lag Richard O’’Barry mit Tauchanzug und Atemgerät auf dem Boden des Delfinbeckens und sah den Tieren beim Schwimmen zu. Er aß mit ihnen und schlief mit ihnen ein. Zu diesem Traumberuf kam auch noch eine zusätzliche Betätigung dazu, denn für die „Flipper“ – Serie wurde ein geeigneter Delfintrainer gesucht. Und Richard O’’Barry war wie geschaffen für diesen Job, denn durch seine Arbeit als Delfintrainer hatte keiner mehr Erfahrung als er.

Gedreht wurde die meiste Zeit in einem kleinen Salzwassersee, der sich direkt auf dem Gelände des Freizeitparks befand. Insgesamt wurde mit fünf verschiedenen Delfinen gleichzeitig gedreht. Die Tiere machten die Kunststücke aber nur, wenn sie hungrig waren und man sie mit Essen belohnte. Wenn ein Delfin keinen Hunger mehr hatte und satt war, machte er auch keine Kunststücke mehr, und man brauchte den nächsten Delfin. Aber die lustige Filmfigur Flipper existierte nur in der Phantasie der Menschen, in Wahrheit litten die Delfine unter großem Stress und der Gefangenschaft. Richard O’’Barry merkte, dass mit zunehmender Dauer der Fernsehserie etwas nicht stimmte und die Delfine immer nervöser wurden. Deshalb zog er ganz in das Seaquarium, um jeden Tag bei seinen Delfinen zu sein, ganz besonders aber bei Kathy, dem Delfin mit der meisten Intelligenz und dem meisten Filmeinsatz. Mit ihr verband er eine besondere Freundschaft, denn von klein auf arbeitete er mit Kathy zusammen und sie war besonders zutraulich und kontaktfreudig in seiner Gegenwart.

Foto von Altairisfar

 
Als die Dreharbeiten zu Flipper beendet waren, wurde Richard O’’Barry plötzlich in das Delfinarium gerufen, weil es Kathy sehr schlecht ging. Dort angekommen konnte er es nicht fassen, denn Kathy lag an der Wasseroberfläche und bewegte sich kaum. Sofort sprang er in das Becken um nach ihr zu sehen. Der Delfin erkannte ihren vertrauten Freund und schwamm langsam in seine Arme. Und was dann folgen sollte, würde das Leben von Richard O’’Barry nachhaltig für immer verändern. In seinen Armen stellte Kathy die Atmung ein und sank einsam auf den Boden des Beckens. Delfine atmen nicht automatisch wie Menschen, jeder Atemzug wird bewusst und überlegt ausgeführt. Kathy konnte das Leben in Gefangenschaft nicht mehr ertragen und wollte nicht mehr leben. Richard O’’Barry wurde bewusst, dass sie sich für ihn und für die Show geopfert hatte. Seine Vermutung wurde durch diesen Todesfall schreckliche Gewissheit und ihm wurde klar, dass Delfine nicht in Gefangenschaft gehörten. Sein Leben änderte er nun radikal, anstatt Delfine zu fangen und zu trainieren, wollte er die Gefangenschaft von Delfinen boykottierten. Diesen Eid schwor er sich seit dem Tag, an dem seine geliebte Kathy starb.

Richard O’’Barry: „„Sie kam zu mir in die Arme, wir berührten uns einen Moment. Dann spürte ich, wie das Leben aus ihr wich. Als Kathy in meinen Armen starb, starb auch ein Teil von mir, es brach mir das Herz““

Die Zeiten waren schwierig, denn durch die Flipper-Filme waren viele zusätzliche Delfinarien entstanden und Delfin-Shows wurden immer populärer. Aber Richard O’’Barry kämpfte verbissen um die Freiheit der intelligenten Tiere. Er startete eine Kampagne gegen die inzwischen mächtige Delfin-Gefangenschafts-Industrie und rief die Leute dazu auf, keine Delfin-Shows mehr zu besuchen und diese zu boykottieren. Sein immenses Wissen darüber, wie Delfine behandelt und trainiert wurden, verhalf ihm zu weltweiten Vorträgen, wo er die Wahrheit an die Öffentlichkeit brachte. Zahlreiche Skandale deckte er durch unermüdliche Aufdeckungsarbeit auf, was sich aber jedes Jahr in Japan abspielen sollte, war selbst für Richard O’’Barry, der schon viele Misshandlungen miterlebt hatte, nicht zu fassen.

 
Im japanischen Küstenort Taiji (rund 700 Kilometer südlich von Tokio) werden im September jeden Jahres tausende Delfine in eine versteckte Bucht getrieben. Die schönsten Tiere werden aussortiert und für bis zu 150.000 Euro an Vergnügungsparks auf der ganzen Welt verkauft. Die restlichen Delfine werden abgeschirmt durch Sichtschutzbarrieren mit ungeheurem Lärm zusammengetrieben. Dann beginnt das große Massaker. Mit Fischerhaken und Lanzen wird wahllos auf die hilflosen Tiere eingestochen um sie zu töten. Die verwirrten Delfine springen immer wieder verzweifelt in die Luft, um den Stichen zu entgehen, nur um sich dann schwerverletzt im Treibnetz wieder zu verfangen. Tausende wehrlose Tiere werden abgeschlachtet und gefoltert, so lange bis kein Tier mehr am Leben ist und sich das Wasser in der Bucht rot färbt.

Die milliardenschwere Delfin-Industrie unterstützt diese Treibjagd und die Fischer, das Delfinfleisch wird dann an die Lebensmittelhändler in Japan weiterverkauft. Unter Lebensgefahr zeigte Richard O’’Barry in dem Dokumentarfilm „“Die Bucht““ diese Missstände auf und brachte die schrecklichen Bilder ins Kino. Erwachsene fingen aufgrund der ungeheuren Tierquälerei zu weinen an, Kindern war der Streifen gar nicht zuzumuten. Richard O’’Barry schaffte es zumindest, einen kleinen Teil der Menschen und die Fisch-Industrie zum Umdenken zu bewegen.

Richard O’’Barry: „“Die Leute sollen einfach die Wahrheit erfahren““

Es ist traurige Wahrheit, dass jeder natürliche Instinkt eines Delfins in der Gefangenschaft unterdrückt wird. Eingepfercht in engen Wasserbecken können sie ihre Schwimm- und Jagdinstinkte hier nicht ausleben. Durch die Art wie der Unterkiefer eines Delfins geformt ist, wird es von der Delfin-Industrie als „Lächeln“ verkauft, um die Idee zu erzeugen, dass Delfine es genießen, in Schwimmbecken zu leben und die Leute zu unterhalten. Delfinen wird aber vor der Show das Essen vorenthalten, um sicher zu stellen, dass sie alles tun werden, was die Trainer von ihnen abverlangen. Obwohl man bei jedem Delfin das so genannte „Lächeln“ erkennt, verbirgt dies oft nur Depressionen und Traurigkeit. Es ist eine der gefährlichsten Lügen, dass Delfine als dauerlächelnder Freund des Menschen glücklich in Delfinarien leben können.

Richard O’’Barry konnte lange nicht über den „Selbstmord“ seines geliebten Delfins reden, zu tief saß der Schock. Selbst heute fällt es ihm schwer, über den tragischen Tod von Kathy zu sprechen.

Aber diese Tragödie verhalf später vielen Delfinen zur Freiheit. Auch deshalb, weil sich Richard O’’Barry noch immer mitschuldig am Tod seines damaligen Stars fühlt. Er ist der meistgehasste Mann der Delfin-Industrie und wurde schon mehrmals bedroht. Aber Richard O’’Barry lässt sich nicht einschüchtern und kämpft bis heute unermüdlich für die Rechte der Delfine.

Richard O’’Barry: „„Es ist jedes Mal ein Glücksgefühl, Delfinen ihre Freiheit zurückzugeben und zu wissen, dass die Tiere nicht mehr Qualen erleiden müssen““