Philani Dladla – Der Bücherwurm auf dem Bürgersteig

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Philani Dladla wird als Kind einer armen Familie in Südafrika geboren. Er entwickelt eine große Leidenschaft für Bücher und verschlingt alles, was er in die Hände bekommt. Er wird für sein Hobby von anderen Kindern schikaniert. Aber dies ist Philani Dladla egal. Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht, dass Bücher eines Tages sein Leben retten werden.

Als Jugendlicher gerät Philani Dladla in schlechte Kreise und wir drogenabhängig. Er verliert alles in seinem Leben und landet auf der Straße. Ohne Dach über dem Kopf und ohne Job fristet er ein erbärmliches Dasein. Verzweiflung, Leid und Hoffnungslosigkeit prägen seinen Alltag. Doch Philani Dladla will kämpfen und erinnert sich zurück an seine Bücher.

Philani Dladla: „Die Menschen müssen fürs Lesen begeistert werden, dann lesen sie auch“

Er beginnt, sein erbetteltes Geld für Bücher auszugeben, anstatt Drogen dafür zu kaufen. Am Anfang sind es vor allem Selbsthilfe-Bücher. Dann kommen viele andere Werke wie Romane oder Sachbücher hinzu. Philani Dladla macht sich daran, seine gelesenen Bücher auf den Straßen von Johannesburg zu verkaufen. Die Passanten bekommen eine genaue Beschreibung von den Inhalten der Bücher und Philani Dladla erklärt die Vorzüge eines jeden Werkes. Bücher mit von ihm guter Bewertung verkauft er teurer, andere Bücher mit schlechter Bewertung verkauft er billiger.

Zusätzlich besuchen viele obdachlose Kinder Philani Dladla. Er erzählt ihnen Geschichten aus den Büchern und zeigt ihnen, dass es nicht schädlich ist, ein gutes Buch zu lesen. Immer wieder verschenkt er diese auch an die Kinder mit der Bedingung, dass sie ihm erzählen, was sie gelesen haben. Der Bücherwurm auf dem Bürgersteig wird schnell bekannt und die Menschen schätzen sein großes Wissen über die Bücher.

Philani Dladla: „Es gibt zu viele Kinder, die nicht lesen können, das müssen wir ändern. Ich möchte anderen Kindern helfen“

Mit dem Verkauf der Bücher kann Philani Dladla bald seinen Lebensunterhalt verdienen. Zusätzlich wird er als Redner engagiert, um zu zeigen, dass man durch Lesen ein anderer Mensch werden kann. Philani Dladla unterstützt weiter obdachlose Menschen und kümmert sich vor allem um Straßenkinder, um ihnen das Lesen beizubringen.

Philani Dladla: „Ich möchte nicht, dass arme Kinder davon abgehalten werden, ihre Träume zu verwirklichen. Deshalb gebe ich ihnen Bücher zum Lesen“

Wenn wir das nächste Mal einen Obdachlosen mit einem Stapel Bücher sehen, sollten wir vielleicht genauer hinschauen. Denn es könnte ein Bücherwurm wie Philani Dladla sein, der mit Büchern für eine bessere Welt kämpft und viel mehr von sich selbst gibt, als er von anderen verlangt. Ein Obdachloser inspiriert die Menschen weit über die Grenzen Südafrikas hinaus.

Philani Dladla: „Sie müssen nicht reich sein, um die Welt zu verändern. Wenn Sie einen Menschen begeistern, dann haben Sie bereits die Welt verändert“

Einzelnachweise (abgerufen am 24.09.2015):
1. Netzfrauen – What an amazing guy!
2. Huffingtonpost – Dieser Obdachlose verschenkt seine Bücher an Kinder

Natalie Simanowski –- Das Attentat und der ungebrochene Lebenswille

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Natalie Simanowski wurde am 20. Juli 1978 in der Stadt Lingen (Deutschland) geboren und war eine leidenschaftliche Sportlerin. Trotz einiger Rückschläge trainierte sie sehr hart und konnte dadurch einige bedeutende Erfolge als Läuferin in der Leichtathletikszene erzielen. Das Leben als Leistungssportlerin sollte jedoch schlagartig ein bitteres Ende nehmen. Als sich Natalie Simanowski am 25. Juni 2003 auf dem Weg zu ihrem Auto befand, merkte sie nicht, dass sie bereits von einem Fremden beobachtet wurde.

An diesem Tag wollte die 24-jährige Frau Unterlagen zu ihrem Auto bringen, als sich plötzlich ein Psychopath von hinten an sie anschlich und ihr grundlos ein Messer in den Rücken rammte. Die schwerverletzte Natalie Simanowski kam sofort ins Krankenhaus und hatte Glück, bei diesem Attentat nicht getötet worden zu sein. Denn als die Polizei den psychisch kranken Mann aufspürte, erfuhr man, dass er Stimmen hörte, irgendeine Frau umbringen zu müssen. Natalie Simanowski war nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, und dies hatte folgenschwere Auswirkungen auf ihr restliches Leben.

Natalie Simanowski: „„Meine Beine sackten weg. Ich wusste sofort, dass es etwas Schlimmes ist““

Die Diagnose war niederschmetternd, denn Natalie Simanowski litt an einer inkompletten Querschnittlähmung, von nun an war sie ab dem elften Brustwirbel teilweise gelähmt. Die psychische Belastung für Natalie Simanowski war enorm, denn vor wenigen Stunden war sie noch eine hoffnungsvolle Leichtathletin gewesen, nun war sie auf dem besten Weg zu einem Pflegefall zu werden. Sie lag mit Windeln im Bett, war auf fremde Hilfe angewiesen und hatte eine starke Gefühls- und Bewegungseinschränkung zu verkraften. Doch eines war ihr auch bewusst, denn sie hätte jetzt genauso gut auch tot sein können. Mit diesen Gedanken schätzte sie das Leben nun viel mehr und begann sich in eine anstrengende Reha zu stürzen.

Natalie Simanowski: „„Die ersten Wochen im Krankenhaus waren fürchterlich““

Durch monatelange Klinik- und Therapieaufenthalte konnte sie ihren Heilungsprozess unter den gegebenen Umständen schnell beschleunigen. Trotz vieler schwerer Stunden gab Natalie Simanowski nie auf und arbeitete entschlossen, um ihren Körper wieder in Form zu bringen. Sie schaffte es, ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Da sie durch ihr Handicap an den Beinen größtenteils auf den Rollstuhl angewiesen war, beschloss sie, sich auf den Radsport zu konzentrieren. Mit einer großen Kraftanstrengung und einer speziellen Carbonschiene gelang es ihr, auf ein Rennrad umzusteigen. Ihrer großen Willensstärke war es zu verdanken, dass sie nicht nur vom Deutschen Behindertensportverband in den Förderkader aufgenommen wurde, sondern auch zu einer der besten behinderten Radsportlerin Deutschlands aufzusteigen. Sie wurde nicht nur Rad-Weltmeisterin, sondern holte auch schon Medaillen bei den Olympischen Spielen für behinderte Menschen.

Durch die schwere Messerattacke wurden zwar Körperteile von Natalie Simanowski gelähmt, aber ihr Lebenswille blieb davon unberührt. Während andere Menschen durch diese Verletzung aufgegeben hätten, sah es Natalie Simanowski als Startschuss für einen neuen Lebensabschnitt. Mit unbeugsamer Hoffnung arbeitete sie sich Schritt für Schritt voran und schaffte es, ihre neuen Träume und Ziele zu verwirklichen. Dank ihrer positiven Lebenseinstellung wurde sie zum Vorbild für andere Behinderte, dass man jederzeit einen Neuanfang im Leben starten konnte.

Natalie Simanowski: „„Kämpfen lohnt sich immer““

Elizabeth Murray -– Als Obdachlose zur Absolventin der Harvard Universität

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Liz Murray wurde am 23. September 1980 in New York City (USA) geboren und wuchs im Stadtteil Bronx auf. Ihre gesamte Kindheit war geprägt von der Drogensucht ihrer Eltern, welche sich dadurch nicht um ihre Kinder kümmern konnten. Die wenigen finanziellen Mittel verwendeten die Eltern für den Kauf von Drogen, weshalb es oft nichts zum Essen gab. Wenn ab und zu doch etwas Essbares im Kühlschrank war, musste Liz Murray Besteck benutzen, welches auch ihre Eltern zur Drogenzubereitung verwendeten. In der Wohnung herrschten ekelerregende Zustände, da sich kein Elternteil um den Haushalt kümmerte. Viel wichtiger war es für sie, die wenigen Kleidungsstücke der Kinder zu versetzen, um sich wieder neue Drogen kaufen zu können. Liz Murray kämpfte um die Liebe und Zuneigung ihrer Eltern, um sie von den Suchtmitteln wegzubringen, jedoch ohne Erfolg. Trotz allem fühlte sie sich für ihre Eltern verantwortlich und sah sich als Beschützerin, damit ihnen im Drogenrausch nichts passierte, obwohl sie selbst noch ein Kind war.

Bereits im Alter von 10 Jahren nahm Liz Murray kleinere Gelegenheitsarbeiten an, um ihren Eltern auszuhelfen, doch auch dieses Geld wurde sofort für Drogen ausgegeben. Sie war so gut es ging für ihre Eltern da, nicht nur am Tag, auch oft in der Nacht. So war es kaum verwunderlich, dass sie nur selten die Schule besuchte, hier wurde sie wegen ihrer schmutzigen Kleidung auch nur gehänselt und ausgespottet. Sie verbrachte ihre Freizeit lieber auf der Straße mit anderen Gleichgesinnten, wo sie nicht ausgegrenzt wurde. Die Familie brach endgültig auseinander, als ihre Mutter zu ihrem neuen und gewaltbereiten Freund zog. Hier fühlte sie sich genauso wenig wohl wie im Erziehungsheim, welches sie durch ihre ständige Schulschwänzerei besuchen musste. Nachdem ihr Vater in ein Obdachlosenheim kam, landete Liz Murray im Alter von 15 Jahren schließlich auf der Straße. Sie schlief in Treppenhäusern oder in der U-Bahn, gelegentlich kam sie auch bei Freunden unter. Die Schule verließ sie nun endgültig.

Ohne Ausbildung und irgendeiner Unterstützung hatte sie keine Chance, aus diesem trostlosen Leben wieder auszubrechen. Der absolute Tiefpunkt kam, als sie erfuhr, dass ihre Mutter an Aids gestorben war. Dieser Todesfall rüttelte die verwahrloste Liz Murray wach, denn ihr wurde klar, dass sie nicht genauso enden wollte wie ihre Eltern. Sie hatte nur eine Option, wie sie aus diesem hoffnungslosen Milieu wieder ausbrechen konnte. Der einzige Ausweg war, wieder zur Schule zu gehen und sich so eine Perspektive im Leben aufzubauen. Bis jetzt hatte sie ihre Pläne immer wieder aufgeschoben, aber durch den Tod ihrer Mutter begriff sie, dass sie handeln musste, und das sofort.

Liz Murray: „“Es gibt kein später. Man kann etwas tun oder sein lassen, das ist alles““

Sie wandte sich an eine gemeinnützige Organisation für obdachlose Teenager und besuchte wieder die Schule. Unter extremsten Bedingungen begann sie nun, für einen erfolgreichen Schulabschluss zu kämpfen. Obwohl Liz Murray weiter obdachlos war, fand sie Wege und Möglichkeiten, um für die Schule zu lernen. So paukte sie an den unterschiedlichsten Orten, ihre Hausaufgaben erledigte sie unter anderem auch nachts in den U-Bahn-Waggons. Unterstützt von den Lehrern schaffte sie bald sehr gute Noten und das Selbstwertgefühl von Liz Murray stieg von Tag zu Tag. Die Wertschätzung in der Schule war wie ein Motivationsschub für sie, um nicht wieder aufzugeben. Sie hatte ihr Ziel nun klar vor Augen und ließ sich durch nichts mehr ablenken.

Liz Murray: „“Ich arbeitete sehr hart, wurde besser und bekam schließlich nur noch Einsen““

Liz Murray schaffte es durch eine ungeheure Kraftanstrengung, die Highschool mit besten Noten zu beenden. Daraufhin arbeitete sie unermüdlich für ihre Ziele weiter und ergatterte trotz vieler Mitbewerber ein Stipendium der New York Times und schrieb sich in Harvard ein, eine der besten und exklusivsten Eliteuniversitäten der Welt. Sie hatte nun wieder einen echten Lichtblick im Leben, doch das Studium musste sie bald wieder abbrechen. Ihr bereits sehr geschwächter Vater war wie ihre Mutter an Aids erkrankt und sie nahm eine Auszeit, um sich um ihn kümmern zu können. Ungeachtet ihrer schweren Kindheit liebte sie ihren Vater noch immer und fühlte sich verantwortlich für ihn. Nachdem ihr Vater gestorben war, ging sie wieder zurück nach Harvard und vollendete im Jahr 2009 erfolgreich ihr Studium, im Alter von 28 Jahren.

Elizabeth Murray hatte keine Aussichten auf eine hoffnungsvolle Zukunft. Als Kind von drogensüchtigen Eltern wuchs sie in einer Welt auf, welche nur von Armut und Hunger geprägt war. Ohne Beistand und Geborgenheit landete sie auf der Straße, ignoriert und ausgestoßen von der Gesellschaft. Doch sie hatte den starken Willen, ihre Leben aus eigener Kraft zu verändern und ihrem erbärmlichen Leben wieder einen Sinn zu geben. So schaffte sie es trotz vieler Schwierigkeiten und ihrer Obdachlosigkeit bis an die Harvard Universität.

Elizabeth Murray wurde zum Vorbild für die ärmeren Bevölkerungsschichten auf der ganzen Welt. Sie zeigte den Menschen, dass es keine Rolle spielte, aus welchen beschränkten Verhältnissen man stammte. Entscheidend war, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und entschlossen seinen Zielen zu folgen. Elizabeth Murray wurde eine erfolgreiche Schriftstellerin und Motivationstrainerin, in Vorträgen hilft sie nun selbst anderen Hilfesuchenden, wieder Hoffnung im Leben zu finden.

Nele Neuhaus -– Aus eigener Kraft zur erfolgreichen Schriftstellerin

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Cornelia „Nele“ Neuhaus wurde am 20. Juni 1967 in der Stadt Münster (Deutschland) geboren und verfasste bereits als Kind voller Begeisterung Geschichten. Sie schrieb ganze Schulhefte voll und klebte diese dann mit Klebeband zusammen, um ihre langen Texte in einem gemeinsamen Exemplar beisammen zu haben. Später produzierte sie auf einer einfachen Schreibmaschine unzählige unterschiedliche Geschichten und auch Drehbücher, da sie sehr kreativ war. Nele Neuhaus hatte einen großen Traum, den sie auf jeden Fall verwirklichen musste, sie wollte unbedingt Schriftstellerin werden.

Nach dem Ende der Schulzeit beugte sie sich aber dem Druck der Gesellschaft. Sie nahm einen Job als Sekretärin an und verdiente ihr eigenes Geld. Es hätte niemand verstanden, wenn Nele Neuhaus das Risiko eingegangen wäre um Schriftstellerin zu werden, denn damit hätte sie wohl kein Geld verdienen können. Trotz der Arbeit versuchte sie nebenbei, ihren echten Traum zu verwirklichen und schrieb in der Freizeit unermüdlich weiter an Geschichten. Doch obwohl Nele Neuhaus immer besser wurde in ihrem Schreibstil, landeten die meisten Geschichten vorab unvollendet in der Schublade.

Nele Neuhaus heiratete und begann, in einer Fleischwarenfabrik ihres Mannes zu arbeiten und sich mit Pferden zu beschäftigen. Es blieb fast keine Zeit mehr übrig für das Schreiben, und doch schaffte sie es irgendwie, Gelegenheiten zu finden, um am Computer ihre Geschichten zu tippen. Ihr Mann hatte überhaupt kein Verständnis für ihr Hobby und schüttelte über ihre Freizeitbeschäftigung nur den Kopf. Aber Nele Neuhaus ließ sich davon nicht entmutigen und ging weiter ihrer großen Leidenschaft nach. Sie recherchierte viel und las massenhaft Bücher, um an wichtige Hintergrundinformationen für ihre Geschichten zu gelangen. Nach jahrelanger Arbeit war ihr erstes Buch mit dem Titel „Unter Haien“ fertig und Nele Neuhaus beschloss, einen Verlag für ihr Buch zu suchen, um ihre Geschichte zu veröffentlichen.

Jedoch erhielten ihre Ambitionen schnell einen gewaltigen Dämpfer. Sie bekam für ihr Manuskript nur Ablehnungen, kein Verlag wollte ihr Buch drucken und Nele Neuhaus bekam langsam Zweifel an ihren schriftstellerischen Fähigkeiten. Sie stöberte und suchte aber weiter, es musste doch eine Möglichkeit geben, ihre Geschichte irgendwie veröffentlichen zu können.

Nele Neuhaus: „„Ich habe nie aufgegeben““

Eines Tages stolperte sie im Internet über einen Bericht, wo man kostengünstig sein eigenes Buch drucken lassen konnte. Mit „Book-on-Demand“ („Buch auf Bestellung“) versuchte Nele Neuhaus nun selbst, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Sie korrigierte und lektorierte ihr Buch selbst und entwarf ein passendes Cover. Im Alter von 37 Jahren war es endlich soweit, Nele Neuhaus hatte voller Stolz endlich ihr erstes eigenes Buch in ihren Händen. Aber wer sollte ihr Buch nun kaufen, denn mit „Book-on-Demand“ konnte man zwar Bücher drucken lassen, aber um die Vermarktung musste man sich selbst kümmern. Als vollkommen unbekannte Autorin setzte Nele Neuhaus nun alles auf eine Karte, um auf die Erfolgsspur zu kommen.

Nele Neuhaus: „Die komplette Verantwortung lastete auf meinen Schultern“

Sie verständigte die örtliche Presse, welche einige Artikel über sie und ihr neues Buch veröffentlichte. Bei einer selbst organisierten Buchpremiere lud sie alle Menschen ein, die sie kannte, um ihr neues Buch zu präsentieren. Nele Neuhaus erstellte eine eigene Webseite und klapperte Buchhandlungen in der Umgebung ab, um Werbung zu machen. Zwischendurch veranstaltete sie ständig Lesungen, zu denen manchmal nur einige Leute Zeit fanden, um sich diese anzuhören. Aber ihre Hartnäckigkeit zahlte sich aus, denn sie schaffte es, die Startauflage von 500 Exemplaren zu verkaufen.

Bei ihrem nächsten Buch „Eine unbeliebte Frau“ ging sie gleichermaßen vor wie bei ihrem ersten Buch und nahm wieder alles selbst in die Hand. Nele Neuhaus trug die Bücher aus oder verschickte sie persönlich mit der Post. Die meisten Menschen schüttelten den Kopf über sie, denn sie steckte jede freie Minute in ihren Traum, eine berühmte Schriftstellerin zu werden und nahm sich auch keine Zeit für einen Urlaub. Nele Neuhaus betrieb einen großen Aufwand, da sie sich um alle Dinge selbst kümmern musste. Irgendwann stieß sie aber an ihre Grenzen, die Nachfrage nach ihren Büchern stieg immer weiter und bald fehlte Nele Neuhaus die Zeit für ihre eigentliche Leidenschaft, das Schreiben selbst. Plötzlich erhielt sie aber einen bedeutenden Anruf, welcher ihre weitere Karriere als Schriftstellerin stark beeinflussen sollte.

Der angesehene Buchverlag Ullstein hatte sich bei ihr gemeldet und wollte die angehende Schriftstellerin unter Vertrag nehmen. Nele Neuhaus konnte es kaum fassen, doch mit diesem Schritt schaffte sie es, ihren jahrelangen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen, denn nun war sie offiziell Schriftstellerin. Der neue Verlag ermöglichte Nele Neuhaus bald den großen internationalen Durchbruch. Viele Geschichten von ihr führten die Bestsellerlisten an und auch die Filmindustrie zeigte bereits Interesse, ihre Bücher zu verfilmen.

Innerhalb weniger Jahre stieg Nele Neuhaus zu einer der erfolgreichsten Autorinnen in Deutschland auf. Jedoch musste sie sich diesen Erfolg hart erarbeiten und viele Schwierigkeiten überwinden. Aber trotz einiger Rückschläge und Misserfolge stand sie immer wieder auf und kämpfte verbissen für ihre Karriere. Dies war auch das Erfolgsgeheimnis von Nele Neuhaus, sie ließ sich von Kritikern und Nörglern nie unterkriegen und ging mit ihrer einzigartigen Willensstärke unaufhaltsam ihren eigenen, sehr erfolgreichen Weg.

Nele Neuhaus: „„Es ist ein unglaubliches Gefühl. Man muss irgendwann den ersten Schritt wagen, und das habe ich getan““

Brian Chesky – Von der Geschäftsidee zur eigenen Firma „Airbnb“

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Brian Chesky wurde am 29. August 1981 in Niskayuna (Bundesstaat New York, USA) geboren. Er hatte eine gute Schulbildung und absolvierte ein Studium an der „Rhode Island School of Design“ als Industriedesigner. Nach erfolgreichem Abschluss ging er auf Jobsuche nach San Francisco (US-Bundesstaat Kalifornien), um eine erfolgreiche Karriere starten zu können.

Jedoch kostete die Miete für eine kleine Wohnung um die 1.000 US-Dollar, und Brian Chesky konnte sich diese hohen Kosten trotz einer Wohngemeinschaft nicht leisten. Und so kam er auf die Idee, die Unterkunft für ein paar Tage unterzuvermieten, um damit die Miete bezahlen zu können. Schnell wurden einige Kunden gefunden, denn gute und billige Wohnstätten wurden laufend gesucht. Um genügend Schlafmöglichkeiten bieten zu können, wurden einfach Luftmatratzen in das Wohnzimmer verfrachtet, und schon konnte es losgehen, zusätzlich wurde auch ein selbstgemachtes Frühstück angeboten.

Die Reaktion der Gäste für diese Unterkunft war sehr erfreulich und Brian Chesky konnte mit diesen Einnahmen nun mühelos seine Miete bezahlen. Und plötzlich kam ihm die Idee zu einer neuen Geschäftsidee, denn warum könnten nicht auch andere Menschen fremden Leuten ihre privaten Wohnräume gegen Geld zur Verfügung stellen? Während seine Familie über diese Idee nur den Kopf schüttelte, war Brian Chesky felsenfest von seinem neuen Geschäftsmodell überzeugt. Gemeinsam mit zwei Partnern gründete er deshalb 2008 die Firma „Airbnb“ („Airbed and breakfast“). Es wurde eine Internet-Homepage gestaltet, von wo aus Menschen ihre Privatunterkünfte vermieten konnten und Kunden gleichzeitig Privatunterkünfte buchen konnten.

Mit außerordentlichem Arbeitseinsatz machten sich die Gründer daran, ihre Geschäftsidee weiterzuentwickeln. Trotz Geldknappheit wurde versucht, mit Förderern und Geldgebern in Kontakt zu treten, um die Firma finanzieren können. Die jungen Firmengründer konnten ihre Visionen der Firma sehr gut präsentieren, und bald konnten tatsächlich Investoren gefunden werden, die ihr Unternehmen unterstützten. Schon nach kurzer Zeit konnten beachtliche Erfolge erzielt werden, die Firma „Airbnb“ wurde immer größer und verzeichnete ein unglaubliches Wachstum.

Brian Chesky: „“Es ist so, dass jeder in jedem Fleck der Erde seine Wohnung bei uns anbieten kann““

Was ursprünglich mit Luftmatratzen in einem kleinen Wohnzimmer begann, entwickelte sich zu einer traumhaften Erfolgsgeschichte. Die Geschäftsidee mit der privaten Zimmervermietung wurde überall auf der Welt sehr gut angenommen und mittlerweile gibt es Angebote für Zimmer in ungefähr 200 Ländern und 20.000 verschiedenen Orten.

Die Idee von der Firma „Airbnb“ entstand eigentlich aus der Not heraus. Obwohl Brian Chesky in einer ganz anderen Branche tätig war, glaubte er immer an das Potenzial seiner Geschäftsidee. Gemeinsam mit seinen Partnern und einem sagenhaften Gründergeist entwickelten sie die Firma innerhalb weniger Jahre zu einem internationalen Vorzeigeunternehmen, welches mittlerweile einen Marktwert von über einer Milliarde US-Dollar besitzt.

Brian Chesky: „“Was Ebay für die Vermittlung von Gegenständen ist, ist Airbnb für die Vermittlung von einzigartigen Räumlichkeiten““

Täglich entstehen viele neue Geschäftsideen, jedoch braucht es auch Mut und Herz, die Ideen in die Tat umzusetzen. Während viele Menschen nach den ersten Widerständen bereits wieder aufgeben, hat es Brian Chesky verstanden, sein Projekt mit Beständigkeit und Ausdauer weiterzuentwickeln, egal welche Schwierigkeiten auch auftraten. Das Wirtschaftsmagazin „Business Week“ kürte ihn aus diesem Grund zu einem der besten Nachwuchsunternehmer der Internetindustrie.

Brian Chesky: „„Unser Ziel ist es, den Leuten irgendwann einen perfekten Service zu bieten vom Moment, an dem sie das Flugzeug verlassen. Es ist besser, wenn dich 100 Menschen wirklich lieben, als dass dich eine Million irgendwie mögen. Nur dann werden sie uns weiterempfehlen und neue Produkte ausprobieren““

 

Roger Bannister und die Traummeile

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Wir befinden uns im Jahr 1954, seit Menschengedenken wurde in der Leichtathletik versucht, eine Meile (ca. 1,6 Kilometer) unter 4 Minuten zu laufen. Dies schien für die damaligen Sportler einfach ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Seit Jahrzehnten wurde es mit allen Mittel versucht, aber immer wieder scheiterten die Läufer klar. Man fand sich damit ab, dass der menschliche Körper niemals in der Lage sein würde, diese magische Hürde zu unterbieten. Diese Tatsache hatte sich bereits tief in den Köpfen aller Sportler und Fachleute festgesetzt, nicht aber bei einem jungen Leichtathleten: Roger Bannister. Roger Bannister wollte entgegen der allgemeinen Meinung die sogenannte Traummeile unter 4 Minuten laufen, und er war überzeugt, es auch schaffen zu können. Mit seiner Einstellung stand er aber alleine da, für sein gesetztes Ziel wurde er nur verspottet. Denn jeder auf der ganzen Welt wusste, dass dies nicht zu schaffen war.

Der 25-jährige Roger Bannister steckte gerade in der letzten Phase seines Medizinstudiums und nebenbei war er ein sehr talentierter Leichtathlet und Läufer. Aufgrund seines Studiums hatte er nur wenig Zeit für sein Training, und so entwickelte er seine eigenen Trainingsmethoden. Augrund der kurzen Mittagspause verzichtete er auf die langen und langsamen Dauerläufe wie von seinen Kollegen bevorzugt, er zog Schnelligkeit und Spritzigkeit vor. Mit diesen Intervall- und Tempoläufen brachte er sich gut in Form für ein Vorhaben, dass er unbedingt schaffen wollte: Eine Meile unter 4 Minuten zu laufen. Roger Bannister glaubte an sein Ziel, das Unmögliche möglich machen zu können. Entgegen der jahrelangen Gedankenblockade stellte er sich vor, wie das Gefühl sein würde, wenn er die 4 Minuten Hürde tatsächlich schaffen würde. Alle negativen und abfälligen Kommentare um ihn herum blendete er so gut es ging aus und er konzentrierte sich nur auf sich. Diese intensiven Emotionen begleiteten ihn bis zu dem Tag, an dem das Rennen stattfand.

Gut 1.000 Zuschauer waren in das kleine, zur Universität Oxford gehörende Stadion gekommen. Das Wetter war nicht gut, Regenwolken und Wind verhießen nichts Gutes. Roger Bannister war nervös, aber trotzdem voll auf sein Ziel fokussiert. Er schliff ein letztes Mal die Nägel seiner Laufschuhe und begab sich dann gemeinsam mit seinen fünf Konkurrenten zum Start. Die Anspannung stieg von Minute zu Minute, gleich würde das Rennen über knapp vier Runden beginnen. Die meisten Menschen wussten von seinem Vorhaben, glaubten aber nicht an seinen Erfolg, obwohl Roger Bannister als großes Talent gesehen wurde. Plötzlich ertönte der Startschuss, die Läufer starteten, und mittendrin befand sich Roger Bannister.

Es war ein sehr schnelles Rennen, und Roger Bannister fühlte sich gut. Er gab alles was in ihm steckte, sein spezielles Training dürfte sich anscheinend bezahlt machen. Die erste, zweite und dritte Runde gingen wie im Flug vorbei und er spürte, dass heute eine große Sensation möglich war. Mittlerweile merkten auch die Zuschauer, dass sie Roger Bannister möglicherweise doch unterschätzt hatten und verwandelten das kleine Stadion in ein lautstarkes Tollhaus. Sie jubelten und feuerten Roger Bannister lautstark an, sie alle wollten jetzt den Weltrekord sehen. Die letzten 200 Meter waren angebrochen, und Roger Bannister setzte sich überlegen an die Spitze. Er könnte den Weltrekord schaffen, jedoch waren die letzten Meter bis zum Ziel von entscheidender Bedeutung. Roger Bannister hörte die Anfeuerungen der Zuschauer nicht mehr, die Welt um ihn schien stillzustehen. Je näher er dem Ziel kam, desto weiter schien sich das Zielband von ihm zu entfernen. Er schwebte nun förmlich dem Ziel entgegen, er spürte, dass einer der bedeutendsten Momente in seinem Leben gekommen war. In einem atemberaubenden Tempo durchquerte Roger Bannister die Ziellinie und brach danach völlig erschöpft zusammen. Die anwesenden Leute waren völlig außer sich, es könnte wirklich ein neuer Weltrekord gewesen sein. Hatte es dieser junge Student tatsächlich geschafft?

Nach ein paar Minuten verkündete der Platzsprecher Norris McWhirter das endgültige Ergebnis, welches sich bald wie ein Lauffeuer über die ganze Welt verbreiten sollte: 3:59,4 Minuten, neuer Weltrekord! Nun brachen alle Dämme, die Zuschauer waren gerade Zeitzeugen von einem der denkwürdigsten und markantesten Leichtathletik-Weltrekorde aller Zeiten geworden. Noch nie gab es einen Läufer, der die Traummeile unter vier Minuten gelaufen war, bis Roger Bannister kam. Die Zeitungen auf der ganzen Welt überhäuften sich mit dieser Sensationsmeldung, dieser Weltrekord schlug ein wie eine Bombe. Die jahrelangen Diskussionen um die Traummeile waren nun endgültig vorbei, es war tatsächlich möglich, sie unter vier Minuten zu laufen. Dieser Rekord hatte einen so hohen Stellenwert, dass sogar eine Tagung in der ehrwürdigen Oxford Union Society für genau 3:59,4 Minuten unterbrochen wurde, um den Rekord von Roger Bannister zu ehren.

Roger Bannister wurde noch im selben Jahr Europameister über 1500 Meter in Bern (Schweiz) und erklärte aber am Ende der gleichen Saison, im Alter von nur 25 Jahren, seinen Rücktritt vom aktiven Sport, um sich von nun an voll und ganz seiner Karriere als Neurologe zu widmen. Er blieb aber dem Sport in weiterer Folge noch in vielen verschiedenen Funktionen erhalten.

Roger Bannister erbrachte für damalige Verhältnisse eine übermenschliche Leistung. Er setzte sich seine eigenen Grenzen und hörte nicht auf die so genannten Fachleute, die sein Vorhaben für unmöglich hielten. Sein Körper folgte bis zum Schluss seinen mentalen Vorstellungen, die Traummeile unter vier Minuten laufen zu können.

Aber wie ging es mit der so genannten Traummeile weiter? Nur wenige Wochen nach seinem sensationellen Lauf wurde sein Rekord gebrochen, und in den kommenden Jahren schafften es bereits viele Läufer, diese Traummarke zu unterbieten. In Erinnerung blieb aber nur Roger Bannister, der als erster Mensch diesen Meilenstein geschafft hatte und so eine bis dato unüberwindbare Barriere für viele Sportler auf der ganzen Welt im Alleingang beseitigt hatte. Das US-Magazin „Forbes“ wählte seinen Rekordlauf zur größten sportlichen Leistung der vergangenen 150 Jahre.

Roger Bannister: „“Mein Lauf wurde zu einem Symbol dafür, eine Herausforderung anzunehmen. Ich sehe diesen Weltrekord gerne als eine Metapher nicht nur für den Sport, sondern für das Leben und seine Herausforderungen. Ich freute mich immer darauf, dass ich vielen Läufern nach mir das Unmögliche möglich erscheinen ließ und sah auch, wie sie es dann schafften““

 

Team Hoyt – Vater, läufst du mit mir einen Marathon?

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Rick Hoyt erblickte am 10. Januar 1962 unter dramatischen Voraussetzungen das Licht der Welt. Bei der Geburt wickelte sich die Nabelschnur um seinen Hals, weshalb sein Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurde. Die Folgen waren schwerwiegend. Die Ärzte prognostizierten eine zerebrale Lähmung und er würde nie fähig zu Kognition (Wahrnehmung, Emotionen) sein. Das ganze Leben würde der Junge im Rollstuhl vor sich hinvegetieren, ohne jegliche Kommunikation mit der Umwelt. Eine normale Entwicklung war nach Meinung der Ärzte unmöglich und sie gaben den Eltern (Dick und Judy Hoyt) den Rat, den Jungen in eine Pflegeanstalt zu geben. Für die Eltern kam diese Option jedoch nie in Frage.

Dick Hoyt: „„Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, am Alltagsleben teilzunehmen““

Der schwer behinderte Rick Hoyt wurde so gut es ging in alle Aktivitäten der Familie miteingebunden. Immer wieder fanden die Hoyts einen Weg, ihre Freizeit gemeinsam zu verbringen – Schwimmen, Skilanglauf oder Wandern. Und sogar hinauf auf einem Berg wurde marschiert – und auf den Schultern des Vaters war Rick Hoyt. Für die Familie war Rick intelligent, doch fehlendes Sprechvermögen wurde mit fehlender Intelligenz gleichgesetzt, weshalb ihm auch die Teilnahme am Schulunterricht vorerst versagt blieb. Doch im Alter von 12 Jahren gelang es Rick, der auf einen Witz herzhaft zu lachen begann, den Wissenschaftlern der Tufts Universität in Massachusetts seine Intelligenz zu beweisen. Schon bald darauf wurde eine Kommunikationsmaschine entwickelt, mit der sich Rick mit der Bewegung des Kopfes oder des Knies verständigen konnte. Doch was würden seine ersten Worte sein? Beim ersten Versuch waren alle sehr gespannt, so lange hatte sich die Familie nicht mit Rick verständigen können. Und die ersten geschriebenen Worte waren ungewöhnlich: „Go Bruins!“, bezogen auf das Bostoner Eishockeyteam. Die Erstaunung war groß – Rick war tatsächlich ein großer Sportfan, obwohl er selber seine Beine und seine Arme nicht benutzen konnte.

Kurze Zeit später besuchte Rick bereits regelmäßig die Schule. Bei einem Basketballspiel wurde zu einem 8 km Charity-Lauf zugunsten eines querschnittsgelähmten Schülers aufgerufen. Rick war sofort fasziniert davon und wollte helfen. Und so bat er tatsächlich seinen Vater, ihn bei diesem Lauf mit dem Rollstuhl zu schieben. Viele Menschen dachten an eine vorzeitige Aufgabe der Hoyts, doch unterstützt vom Beifall der erstaunten Zuschauer erreichten sie das Ziel. Rick tippte nach diesem Erlebnis folgende Nachricht für seinen Vater in den Computer: „Dad, wenn ich laufe, dann fühle ich mich überhaupt nicht gehandicapt.“ Dies war der Startschuss der unglaublichen Geschichte des „Team Hoyts“.

Aus Liebe zu seinem Sohn intensivierte Vater Dick Hoyt von nun an das Lauftraining, denn es brauchte Kraft und Ausdauer, um die körperlichen Beschwerden durchzustehen. Er packte Zementsäcke in den Rollstuhl und lief so Kilometer um Kilometer. Bald liefen die Hoyts ihren ersten Marathon, und viele Medien berichteten bereits über das Team Hoyt. Einmal wurde der Vater gefragt, ob er auch ohne seinen Sohn laufen würde. Die Antwort folgte prompt: „Warum sollte ich? Er ist derjenige, der mich antreibt.“ Und es sollten noch weitere Anstrengungen auf den Vater zukommen – denn sie erhielten eine Einladung zu einem Triathlon in der Nähe von Boston. 1,6 Kilometer Schwimmen, 64 Kilometer Radfahren und 16 Kilometer Laufen waren zwar nichts für Anfänger, aber die Hoyts wollten es trotzdem probieren. Dick trainierte von nun an bis zu 5 Stunden am Tag, um sich fit zu machen. Mühsam waren seine ersten Schwimmversuche, denn seit seinem sechsten Lebensjahr war er nicht mehr geschwommen. Doch für seinen Sohn nahm er alle Anstrengungen und Strapazen in Kauf.

Rick Hoyt: „“Dad ist ein Vorbild für mich. Habe sich sein Vater einmal etwas in den Kopf gesetzt, lasse er sich davon nicht mehr abbringen““

Mit Hilfe eines Brustgurtes und einem Schlauchboot zog er seinen Sohn beim Schwimmen hinter sich her. Aus dem Wasser gekommen hob der Vater seinen Sohn in einen Rollstuhl, der am Rad befestigt war. Er musste aufpassen, damit der Anhänger mit seinem Sohn nicht umkippte, doch es klappte. Die Laufstrecke war noch die leichteste Übung, und so wurde der Triathlon sensationell nach gut 4 Stunden beendet. So etwas hatte es noch nie gegeben, und trotzdem sollte es noch eine Steigerung für die Hoyts geben. Denn jetzt folgte das ultimative Ziel und der Höhepunkt für fast jeden Sportler, der Ironman in Hawaii. Doch prompt erhielten sie eine Ablehnung, da es im offenen Meer zu gefährlich zum Schwimmen sei, so die Veranstalter. Dick und Rick Hoyt ließen aber nicht locker, und mit Hilfe eines Senators bekam man schließlich einen Startplatz beim härtesten Rennen der Welt. Die große Enttäuschung folgte aber kurz darauf. Dick Hoyt hatte aufgrund unverträglicher Getränke schwere Magenkrämpfe, und man musste das Rennen bereits während des Schwimmens abbrechen. Es war das erste Rennen, welches die Hoyts nicht beendet hatten. Vater Dick war schwer geknickt und dachte, er hätte alle enttäuscht. Die Organisatoren jedoch waren mehr als begeistert von ihnen und sprachen für das nächste Jahr spontan eine neue Einladung für die Hoyts aus. Eine neue Chance für die Hoyts, um die unglaublichen 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und die 42 km lange Laufstrecke zu bewältigen.

Und nächstes Jahr lief es tatsächlich besser. Die Schwimmstrecke wurde bravourös gemeistert, 8 Stunden später hatten sie auch die Radstrecke geschafft. Als die Hoyts sich auf die Marathonstrecke begaben, waren viele Athleten bereits im Ziel. Doch die kraftraubende Schwimmstrecke und die Hitze des Nachmittages hatten viel Kraft gekostet und Dick Hoyt musste schwer kämpfen. Er spürte die schweren Beine und die immer wieder aufkommende Müdigkeit. Aber die Wünsche und Träume seinen Sohnes Rick trieben ihn immer wieder voran, immer weiter auf den Weg zum Ziel. Es war kurz nach 21 Uhr am Abend, das Team Hoyt schaffte etwas, was viele normale Athleten nicht schafften, sie überquerten tatsächlich die Ziellinie. Ein unglaubliches Glücksgefühl durchströmte sie, und vor allem Rick war noch nie glücklicher in seinem Leben.

Dick Hoyt und sein Sohn Rick haben bewiesen, was mit Ausdauer und Willen alles möglich ist. Hätten die Hoyts damals auf die Ärzte gehört, ihr Sohn würde heute noch in irgendeinem Pflegeheim dahinvegetieren. Doch sie haben sich gegen die vielen Vorurteile im Alltagsleben und im Sport durchgesetzt. Der Vater wurde aus Liebe zu seinem Sohn zu einem durchtrainierten Sportler und ermöglichte so seinem Sohn unglaubliche Erlebnisse und Glücksmomente. Rick Hoyt schaffte seinen College-Abschluss an der Boston University und arbeitet heute dort. Sie inspirieren noch heute tausende Menschen mit ihrem Mut und ihrem Motto „Yes, you can“ und sammelten zusätzlich bereits mehrere Millionen Dollar an Spendengeldern für wohltätige Zwecke. Auf die Frage, was Rick machen würde, wenn er nicht im Rollstuhl sitzen würde, antwortete er: „Als erstes würde ich meinen Vater bitten, sich in den Rollstuhl zu setzen, damit ich ihn eine Strecke schieben könnte.“

Für jene Menschen, die im Selbstmitleid versinken und keinen Sinn mehr im Leben sehen, es gibt immer Möglichkeiten, auch wenn sie im ersten Moment schwierig erscheinen.

Hier ein empfohlener Link auf YouTube, mehr Motivation mit dem Team Hoyt!

Hier klicken –> Das Video zum Team Hoyt