Jesse Owens gegen Luz Long – Eine Freundschaft für die Ewigkeit

„Lesezeit: ca. 3 Minuten“

Die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Deutschland) waren eine gigantische Propagandaschau des Nationalsozialismus unter Adolf Hitler. Ziel war es, das Regime in der Weltöffentlichkeit positiv dastehen zu lassen und das deutsche Volk zu verherrlichen. Mitten in dieser aufgeheizten Stimmung befand sich der schwarze amerikanische Leichtathlet Jesse Owens.

Über 100.000 Zuschauer nahmen im Olympiastadion in Berlin Platz, um die verschiedenen Bewerbe mitverfolgen zu können. Jesse Owens galt als Favorit im Weitsprung, sein größter Konkurrent war der deutsche Leichtathlet Luz Long, der als Publikumsliebling und Musterschüler der Deutschen galt. Es entwickelte sich ein unfassbarer Zweikampf zwischen diesen beiden Sportlern. Frenetischer Jubel brandete auf, als Luz Long 7,87 Meter weit und damit neuen olympischen Rekord sprang. Auch Adolf Hitler befand sich im Stadion und klatschte zufrieden in die Hände.

 

Dann kam Jesse Owens. Der Amerikaner stürmte mit unglaublichem Tempo zur Absprungmarke und katapultierte sich in die Höhe. Die Zuschauer konnten es nicht fassen, 8,06 Meter und dadurch Sieger in diesem Bewerb. Die nationalsozialistische Regierung war natürlich alles andere als begeistert von dem Schwarzen, der gerade einen weißen Deutschen geschlagen hat. Wie jedoch der Verlierer selbst, Luz Long auf seine Niederlage reagierte, war beeindruckend.

Es hätte schon ausgereicht, seinem erbittertsten Widersacher einfach nur zu gratulieren. Aber Luz Long war ein echter Sportsmann und tat viel mehr. Er umarmte den Sieger Jesse Owens und zeigte der ganzen Welt seine Anerkennung für den amerikanischen Triumphator. Später drehten die beiden Weitspringer Arm in Arm eine Ehrenrunde über die Aschenbahn. Es existiert sogar ein Foto, wo Luz Long und Jesse Owens gedankenverloren im Gras liegen und fröhlich miteinander plaudern. Für die regierenden Nationalsozialisten war die entstandene Freundschaft zwischen den beiden Sportlern natürlich ein großer Schönheitsfehler.

Jesse Owens wurde danach noch zum großen Star dieser Olympischen Spiele und gewann insgesamt 4 Goldmedaillen. Die Freundschaft zu Luz Long war aber eine Geste für die Ewigkeit. Vor allem Luz Long hatte den Mut, alle ideologischen Grenzen zu ignorieren, obwohl er dafür später eine strenge Verwarnung erhielt. Vor den Augen von Adolf Hitler zogen der schwarze Amerikaner und der weiße Deutsche die gesamte Rassentheorie der Deutschen in die Lächerlichkeit. Sie machten die Welt für einen kurzen Moment zu einem besseren Ort, weil sie auf ihr Herz hörten.

Jesse Owens: „Es kostete viel Mut, sich vor den Augen Hitlers mit mir anzufreunden. Man könnte alle Medaillen und Pokale, dich ich habe, einschmelzen, und sie würden nicht für eine Schicht über die 24-Karat-Freundschaft, die ich in diesem Moment für Luz Long empfand, reichen“

 

Einzelnachweise (abgerufen am 01.08.2016):

1. www.berliner-zeitung.de – Jesse Owens und Luz Long eine fast unmögliche Freundschaft

2. rio.sportschau.de – Olympia 1936 – Eine Geste für die Ewigkeit

3. www.tagesspiegel.de – Olympia 1936 – Wahrheit und Dichtung

 

Luz Long, eine Sportlerkarriere im Dritten Reich, das Buch zum Nachlesen:

Harald Höppner – Mit einem alten Schiffkutter auf Rettungsmission für Flüchtlinge

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Als am 09. November 2014 ein Gedenktag für den 25-jährigen Mauerfall in Deutschland stattfindet, kommt Harald Höppner ins Grübeln. Er sieht Fotos von DDR-Bürgern, die erfolgreich geflohen sind und als Helden gefeiert werden, genauso wie die westdeutschen Fluchthelfer. Er vergleicht die damalige Situation mit der aktuellen Flüchtlingslage in Afrika, wo viele Menschen über das Mittelmeer nach Europa kommen und ebenfalls auf ein besseres Leben hoffen. Harald Höppner beschließt zu helfen, denn kein Mensch kann sich sein Geburtsland aussuchen und wo Krieg oder Frieden herrscht. Im tückischen Mittelmeer spielen sich wahre Todesdramen ab.

Harald Höppner beginnt im Internet zu recherchieren, bis er endlich am Ziel ist. In Holland entdeckt er einen fast 100 Jahre alten Fischkutter, welcher hochseetauglich ist und finanziell erschwinglich ist. Mit seinem ersparten Geld kauft er den Kutter und lässt ihn durch Spenden zu einem Rettungsschiff umbauen. Harald Höppner nennt sein Projekt „Sea-Watch“ und versucht seine Idee durch Öffentlichkeitsarbeit voranzutreiben. Er schreibt mehreren Abgeordneten in der Politik E-Mails, welche jedoch alle unerhört bleiben. Harald Höppner lässt sich davon aber nicht unterkriegen und kämpft für seinen Plan, Schiffbrüchigen im Mittelmeer zu helfen.

Harald Höppner: „Die größten Tragödien spielen sich immer noch im Mittelmeer ab, dort engagiert sich kaum jemand“

Erste Freiwillige melden sich bei Harald Höppner, wie Kapitäne, Ärzte, Dolmetscher oder Mechaniker. Das kleine Schiff soll keine Flüchtlinge aufnehmen, sondern als eine Art schwimmende Notrufzentrale fungieren, wo eng mit der Küstenwache kooperiert wird. Mit Schwimmwesten, Rettungsinseln und medizinischer Erstversorgung will Harald Höppner den Flüchtlingen vor dem oft sicheren Tod bewahren. Nach einer großen Kraftanstrengung hat es Harald Höppner geschafft. Das Rettungsschiff versieht seit dem 20. Juni 2015 im Mittelmeer seinen Dienst.

Harald Höppner: „Die Frage ist doch, was wäre, wenn tatsächlich hunderte Leute in Not geraten und wir nicht da wären? Selbst wenn es nur einen Menschen gibt, dem wir das Leben retten, hat sich die Sache schon mehr als gelohnt“

Die Hilfe von Harald Höppner ist mehr als notwendig, denn mit Oktober 2014 endete eine wichtige Operation der italienischen Marine wegen zu hoher Kosten. Sie war mit mehreren Schiffen im Einsatz, um Menschen auf hoher See zu bergen. So konnte man innerhalb eines Jahres mehr als 100.000 Menschen das Leben retten. Doch nun sind die Flüchtlinge wieder auf sich alleine gestellt, man kann sich gar nicht vorstellen, welche Tragödien sich Tag für Tag auf dem Meer abspielen, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon erfährt.

Nur ein alter Fischkutter kämpft sich durch das stürmische Meer. Es ist das Schiff von Harald Höppner, welcher im Alleingang trotz kritischer Stimmen eine mutige Hilfsaktion ins Leben gerufen hat. Er diskutiert nicht über die Probleme, sondern handelt ohne Umschweife. Viele Menschenleben werden ihm seine beherzte Zivilcourage danken. Ein echter Held!

Harald Höppner: „Die Menschen kommen in jedem Fall, egal, was unsere Politiker entscheiden. Wir dürfen die Menschen nicht ertrinken lassen. Wegschauen ist keine Alternative“

Einzelnachweise (abgerufen am 10.11.2015):
1. Welt.de: Die Wut nach dem Tod der Flüchtlinge
2. Der Tagesspiegel – Brandenburger will Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten
3. Zeit.de – Es ist gar nicht so schwer“
4. Wikipedia – Harald Höppner

Sarah Litke – Wie sie ein Mädchen vor der Vergewaltigung rettete

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Am Morgen des 16. Oktober 2013 befindet sich Sarah Litke mit dem Auto auf dem Heimweg von ihrer Nachtschicht als Krankenschwester. Es ist noch relativ dunkel und Sarah Litke ist froh, bald nach Hause zu kommen. Als sie eine menschenleere Bahnunterführung passiert, sieht sie einen Mann auf der Seite, der ein junges Mädchen bedrängt. Sarah Litke wird langsamer, als ihr plötzlich der Schrecken in die Glieder fährt. Der Mann versucht das Mädchen zu vergewaltigen.

Sarah Litke reagiert sofort und fängt an, unaufhörlich zu hupen. Der Mann wird durch das laute Hupkonzert aufgeschreckt und flüchtet. Die resolute Sarah Litke stürmt aus dem Auto und läuft auf das verängstigte Mädchen zu. Währenddessen hat sie mit ihrem Handy bereits die Polizei verständigt. Sie kümmert sich um das völlig verstörte Mädchen und beruhigt sie. Der Täter ist nicht mehr zu sehen.

Sarah Litke: „Sie hatte Tränen in den Augen“

Statt nach Hause zu fahren, begleitet Sarah Litke das Mädchen noch auf die Polizeistation. Sie tröstet das Opfer und stellt sich der Polizei als Zeugin zur Verfügung. Obwohl Sarah Litke die ganze Nacht gearbeitet hat, nimmt sie sich ausreichend Zeit. Sie ist dadurch nicht nur für das geschockte Mädchen eine enorme Stütze, sondern auch für die Polizei. Denn aufgrund ihrer Aussage kann der Täter kurze Zeit später geschnappt werden.

Jährlich fallen tausende Frauen einer Vergewaltigung zum Opfer. Experten schätzen, dass viele Verbrechen verhindert werden könnten, wenn Zeugen eingreifen und nicht einfach wegschauen würden. Sarah Litke verhindert durch ihr mutiges Eingreifen ein schlimmes Verbrechen. Sie jagt einen brutalen Täter davon und kümmert sich dann rührend um das geschockte Opfer. Ein Vorbild für die Menschen und eine echte Heldin des Alltags. Für ihre Zivilcourage erhält sie kurze Zeit später eine Auszeichnung.

Sarah Litke: „Jeder kann helfen. Auch, wenn es nur ein Anruf bei der Polizei ist“

Einzelnachweise (abgerufen am 15.10.2015):
1. blick-aktuell – Junge Frau verhinderte Straftat
2. Wunderweib – Sie rettete ein Mädchen vor Vergewaltigung
3. nr-kurier – Sarah Litke mit Preis für Zivilcourage geehrt

Malala -– Ein mutiges Mädchen erhebt die Stimme gegen den Terror

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Malala Yousafzai wurde am 12. Juli 1997 geboren und wuchs im Nordwesten Pakistans im Swat-Tal auf. Schon als sie auf die Welt kam, bedauerten die Leute ihre Mutter, weil sie nur ein minderwertiges Mädchen geboren hatte und keinen höher geschätzten Jungen. Aber Malala hatte aufgeschlossene Eltern und wurde genauso behandelt wie ihre Brüder. Als in Pakistan die Terrororganisation Taliban immer mehr an Einfluss gewann, wurde die Situation sehr gefährlich. Da es ständig zu blutigen Gefechten mit dem Militär kam, musste die Familie zwischenzeitlich sogar ihren Wohnort verlassen und flüchten. Die Taliban bedrohten die Menschen mit Waffen und unterdrückten vor allem Frauen mit grober Gewalt. Obendrauf zerstörten sie hunderte Schulen, da sie nicht wollten, dass Mädchen etwas lernten. Malala wollte sich dadurch aber nicht entmutigen lassen.

Malala: „“Wir Mädchen sollten zu Hause bleiben, kochen, putzen und die Männer bedienen. Ich war zehn Jahre alt, und mir war klar, dass ich etwas tun musste““

 
Malala versteckte ihre Bücher unter den Gewändern und ging weiterhin zur Schule, ständig mit der Angst, entdeckt und ausgepeitscht zu werden. Eines Tages kam ein britischer Reporter auf die Idee, eine betroffene Schülerin von den katastrophalen schulischen Bedingungen vor Ort berichten zu lassen. Im Alter von 11 Jahren wurde Malala ausgewählt, in einem Online-Tagebuch und einem eigenen Decknamen über den Terror der Taliban zu schreiben. Sie kritisierte darin die Taliban für ihre Gewalttaten und forderte für jedes Mädchen das Recht auf freie Bildung. Obwohl es für Malala sehr riskant war, erlangte das Online-Tagebuch im Internet schnell große Bekanntheit. Malala wollte nur, dass die Menschen von den vielen Ungerechtigkeiten in ihrem Heimatland erfuhren. Eines Tages wurde ihr Pseudonym jedoch aufgedeckt und die Taliban wussten nun, wer Malala war.

Malala: „„Unser Leben war in Gefahr. Ich sah zwei Möglichkeiten: Entweder ich bleibe still oder ich sage meine Meinung und riskiere, dafür zu sterben. Ich habe mich für die zweite Möglichkeit entschieden““

Am 09. Oktober 2012 befand sich Malala mit etwa 20 Mädchen und 3 Lehrern in einem Kleinbus auf dem Weg von der Schule nach Hause. Plötzlich wurde der Schulbus angehalten und ein Mann stürmte in den Bus. Er fragte nach Malala, und als sich ein paar Mädchen in ihre Richtung drehten, passierte etwas Schreckliches. Der Mann holte eine Waffe hervor und schoss Malala kaltblütig ins Gesicht. Die Taliban kannten keine Gnade und räumten jeden Gegner aus dem Weg, auch wenn es sich wie bei Malala noch um einen Schüler handelte.

Malala: „„Ich war gerade 15. Fast noch ein Kind. Ich sah, wie das Blut aus mir schoss und Pfützen bildete. Dann fiel ich in Ohnmacht““

Malala wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo sie sofort notoperiert wurde. Da ihre Verletzungen aber so schwer waren, musste sie nach Großbritannien ausgeflogen werden, wo sie in einer Spezialklinik behandelt wurde. Malala musste viele Operationen über sich ergehen lassen, aber wie durch ein Wunder überlebte sie diesen hinterhältigen Mordanschlag. Sie erhielt zwar eine Titanplatte für ihre gebrochene Schädeldecke und auf einem Ohr war sie nun taub, aber sonst schritt ihre Genesung sehr gut voran und das Wichtigste war, dass sie noch am Leben war.

Malala: „„Nach dem Attentat bekam ich Briefe aus der ganzen Welt““

 
Die internationale Bestürzung von dieser Geschichte war noch nicht abgeflaut, als Malala eine unfassbare Entscheidung traf. Obwohl sie fast gestorben wäre, wollte sie weiterhin Verantwortung übernehmen und sich öffentlich für Frieden und Bildung einsetzen. Es wurde ein „Malala-Fonds“ gegründet, welcher sich weltweit für Bildung und die Rechte von Kindern einsetzte. An ihrem 16. Geburtstag sprach Malala in New York vor der Jugendversammlung der Vereinten Nationen. Sie traf viele wichtige Personen um ihr Anliegen vorzubringen und war auch schon zu Gast im Weißen Haus beim US-Präsidenten Barack Obama.

Malala: „„Ich möchte, dass Menschen wissen, was in Pakistan geschieht. Es ist nicht nur meine Geschichte, ich stehe für viele, viele andere““

Für ihre freie Meinungsäußerung erhielt Malala weiter Morddrohungen von der Taliban. Aber sie ließ sich davon nicht einschüchtern und kämpfte weiter gegen gravierende Menschenrechtsverletzungen. Für ihre Furchtlosigkeit und ihren außergewöhnlichen Mut erhielt sie als jüngste Person überhaupt den weltberühmten Friedensnobelpreis. Malala glaubte daran, dass eine Stimme immer die Welt verändern konnte. Und sie schaffte es tatsächlich.

Malala: „„Warte nicht darauf, dass dir jemand anders hilft, es könnte zu lange dauern. Tu selbst etwas. Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern““

Adolf Burger -– Die Geldfälscher, das größte Staatsgeheimnis der Nazis

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Adolf Burger wurde am 12. August 1917 in Großlomnitz (Slowakei) geboren und wuchs in armen Verhältnissen auf. Im Alter von 14 Jahren ging er in die Lehre als Buchdrucker, wo er das Handwerk bis zur Perfektion erlernen konnte. Aufgrund der Judenverfolgung und der steigenden Macht von Adolf Hitler wurden immer mehr Juden aus der Slowakei verschleppt und in die gefürchteten Konzentrationslager ins Ausland gebracht. Es dauerte nicht lange, bis die geheime Widerstandsbewegung an die Druckerei herantrat, um gefälschte Taufscheine auszustellen, damit man die Juden vor den Konzentrationslagern bewahren konnte. Adolf Burger zögerte keinen Moment und rettete vielen Menschen durch gefälschte Dokumente das Leben.

Adolf Burger: „“Selbstverständlich wollte ich helfen, wenn es um Menschenleben geht““

Doch die slowakische Gestapo (Geheimpolizei) kam ihnen bald auf die Schliche und Adolf Burger wurde im Alter von 24 Jahren genauso verhaftet wie seine Arbeitskollegen. Im Vernichtungslager Auschwitz (Polen) musste er mit der Häftlingsnummer 64401 viele Grausamkeiten und brutale Folterungen ertragen. Dann wurde Adolf Burger jedoch in das Konzentrationslager Sachsenhausen nach Deutschland überstellt, wo er durch seine erlernte Tätigkeit als Buchdrucker gebraucht wurde. Was er zu dieser Zeit nicht wusste war, dass seine Frau bereits in der Gaskammer hingerichtet wurde.

Foto von NNSP

Adolf Burger kam in einen speziell abgetrennten Bereich des Konzentrationslagers, welcher zusätzlich mit Stacheldraht umzäunt und rund um die Uhr bewacht wurde. Die Fenster in den Baracken waren weiß getönt, wodurch niemand hineinsehen konnte, zusätzlich sicherten 1000 Volt Hochspannungsdrähte diesen geheimnisvollen Ort. Adolf Burger kannte bald den Grund für diese massiven Sicherheitsvorkehrungen, denn in den beiden Blöcken 18 und 19 standen riesige und hochmoderne Druckereimaschinen. Hier wurden Banknoten, Pässe und andere wichtige Dokumente gefälscht, welche dem nationalsozialistischen Deutschen Reich dienen sollte. Die Errichtung dieser Fälscherwerkstatt wurde persönlich von Adolf Hitler abgesegnet und nicht einmal der Lagerkommandant wusste, was hier vor sich ging. Adolf Burger kannte nun eines der größten Staatsgeheimnisse der Nazis.

Adolf Burger: „„Die Nazis waren nicht nur Mörder, sondern auch ganz gemeine kriminelle Geldfälscher““

Adolf Burger wusste, dass diese Arbeit irgendwann mit dem Tod enden würde, denn niemand durfte etwas von der heimlichen Fälscherwerkstatt erfahren. Sogar kranke Mitarbeiter wurden sofort erschossen, damit sie nicht im Delirium etwas ausplauderten. Hauptsächlich wurden englische Pfundnoten gedruckt, um die britische Wirtschaft mit Falschgeld zu überschwemmen und damit auch das internationale Währungssystem zu Fall zu bringen. Streng abgeschirmt von der restlichen Welt mussten die Fälscher unermüdlich für das Deutsche Reich arbeiten, doch Adolf Burger und ein paar andere Arbeitskräfte schafften es dennoch, trotz strengster Sicherheitsvorkehrungen Widerstand zu leisten.

Die Geldfälscher waren mutig genug, den Notendruck hinauszuzögern und zu sabotieren. Unter Todesangst wurden absichtlich mangelhafte Geldscheine gedruckt, welche durch die fehlende Qualität nicht in Umlauf gebracht werden konnten. Die Häftlinge schafften es so, dass Millionen von gefälschten Banknoten nicht in die Hände der Nazis kamen und für den Krieg eingesetzt wurden. Als die Alliierten gegen Ende des Krieges immer näher rückten, wurde die Fälscherwerkstatt kurzerhand in ein Konzentrationslager nach Österreich verfrachtet, um hier weiter zu produzieren. Doch es sollte nicht mehr dazu kommen, denn kurz nach der Übersiedelung wurden die Häftlinge mit Adolf Burger durch die amerikanische Armee befreit.

Foto von Samuelson

Als Adolf Burger nach Hause kam, musste er feststellen, dass auch seine Eltern deportiert und umgebracht wurden. Er dachte an die vielen Häftlinge, welche sich freiwillig in die Hochspannungsleitungen warfen und starben, weil sie den Tod ihrer Angehörigen seelisch nicht verkrafteten. Der Krieg hatte ihm ebenfalls innerhalb kürzester Zeit seine liebsten Menschen genommen, doch er wollte kämpfen. Er sammelte Fotos und Dokumente und machte es sich zu seiner Lebensaufgabe, seine Erfahrungen anderen Menschen zugänglich zu machen. Als in späteren Jahren einige Leute tatsächlich begannen, die Massenmorde in den Konzentrationslagern zu verharmlosen, begann sich Adolf Burger öffentlich zu engagieren. Er hielt Vorträge und besuchte zahlreiche Schulen, wo er über 100.000 Jugendlichen seine schrecklichen Erlebnisse in den Konzentrationslagern erzählte, damit sie nicht vergessen wurden.

Basierend auf seinen Erinnerungen wurde die Geschichte über die Geldfälscher verfilmt („Die Fälscher“). Der Film wurde im Jahr 2008 sensationell mit einem Oscar ausgezeichnet, aber die meisten Häftlinge aus dem ehemaligen Fälscherkommando sahen den Film nicht mehr, denn Adolf Burger zählte zu den letzten Überlebenden. Es war das Andenken an die größte bekannte Geldfälscheraktion, welche jemals in der Geschichte durchgeführt wurde und dem lebensgefährlichen Widerstand einiger mutiger Geldfälscher, wodurch zusätzliches Blutvergießen verhindert werden konnte.

Adolf Burger: „„Ich habe mir geschworen, zu überleben, um von dem Schrecklichen zu berichten, damit sich so etwas nie wiederholt““

Die Kubakrise -– Wie ein russischer Marineoffizier den nuklearen Weltkrieg verhinderte

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Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion zu einem echten Wettrüsten der beiden Supermächte. Die USA stationierten Atomraketen in der Türkei, die Sowjetunion reagierte im Gegenzug mit der Stationierung von Raketenbasen auf dem Inselstaat Kuba. Nur knapp 200 Kilometer von der Küste Floridas entfernt stellte dies eine massive Bedrohung für die USA dar, denn es waren auch Atomraketen vorhanden. Am 24. Oktober 1962 errichteten die USA daraufhin eine totale Seeblockade um Kuba und bedrohten auf offenem Meer sowjetischen Schiffe. Die Konfrontation der beiden Weltmächte gipfelte sich in gegenseitigen Anschuldigungen und atomaren Drohungen wieder. Die Welt stand in dieser Phase kurz vor einem Krieg, jede kleine Provokation oder Überreaktion konnte eine nukleare Eskalation bedeuten.

In dieser heiklen Situation machten die USA durch die Seeblockade auch auf alle U-Boote jagt. Auf einem dieser sowjetischen U-Boote war der 36-jährige Marineoffizier Wassili Archipow tätig. Schnell wurde das U-Boot von US-amerikanischen Zerstörern aufgestöbert und eingekesselt. Was die USA jedoch nicht wusste war, dass dieses U-Boot mit Atomtorpedos bestückt war mit einer unfassbar großen Zerstörungskraft. Ohne Rücksicht darauf wurden nun Übungswasserbomben abgeworfen, um das U-Boot zum Auftauchen zu zwingen. Heftige Detonationen erschütterten das sowjetische U-Boot und versetzten die Mannschaft in Todesangst. Sie wussten wiederum nicht, dass es sich eigentlich nur um harmlose Wasserbomben handelte…

In dem U-Boot herrschte reinstes Chaos. Von ihrer Heimat abgeschnitten glaubte man, dass der Krieg durch dieses aggressive Vorgehen bereits ausgebrochen war. Man musste bald etwas unternehmen, denn die Akkus neigten sich dem Ende zu und die Atemluft war fast verbraucht. Hitze, öliger Gestank, der Ausfall der Beleuchtung und die fehlende Funkverbindung nach Moskau waren eine enorme psychische Belastung für die Besatzung. Durch die ständigen Erschütterungen der Wasserbomben verlor der zuständige sowjetische Kommandant bald die Beherrschung, denn es gab nur zwei Optionen. Entweder auftauchen und hoffen, dass noch kein Krieg angefangen hatte, oder kämpfen. Für den Fall eines Angriffes der USA gab es die klare Weisung, mit allen möglichen Mitteln zurückzuschlagen. Da er glaubte, der Krieg sei bereits ausgebrochen, entschied er sich zu kämpfen und befahl, die Atomtorpedos scharf zu machen um so viele Feinde wie möglich zu töten.

Schweißgebadet stimmte auch der zweite Offizier zu, denn er wusste, dass es auch das Todesurteil für sie selbst sein würde. Es war nur mehr die Zustimmung von dem dritten Offizier notwendig, und ein Atomkrieg würde in den nächsten Minuten bittere Realität werden. Unter größter nervlicher Anspannung hing es nun an Wassili Archipow, welcher jedoch dem ungeheuren Druck standhielt. Er ging alle Argumente sorgfältig durch und kam zur Ansicht, dass es das Vernünftigste wäre, mit dem U-Boot aufzutauchen. Aufgebracht redete der zuständige Kommandant sofort auf ihn ein, die Atomraketen doch abzufeuern und somit zu echten Helden in der Sowjetunion zu werden. Wassili Archipow ließ sich aber von seiner Entscheidung nicht abbringen, denn er wusste auch, welche schrecklichen Auswirkungen Atomraketen anrichten würden.

Nach hitzigen Wortgefechten schaffte es Wassili Archipow schließlich, die anderen Offiziere zu überzeugen. Das U-Boot begann aufzutauchen, die Nervosität stieg jetzt von Minute zu Minute. Als die müden und verschmutzten sowjetischen Seefahrer aus ihrem U-Boot kletterten, waren sie auf das Schlimmste gefasst. Was sie jedoch dann zu sehen bekamen, konnten sie kaum begreifen. Auf den amerikanischen Schiffen standen unbewaffnete Matrosen, sie spielten Musik und tranken Coca-Cola. Es war kein Krieg, Wassili Archipow hatte Recht behalten. Kurze Zeit später gaben die Amerikaner das U-Boot wieder frei und man machte sich wieder auf den langen Heimweg.

In der Heimat wurde das U-Boot jedoch nur mit Schimpf und Schande begrüßt. Man verwehrte den Heimkehrern nicht nur einen ehrenvollen Empfang, sondern Wassili Archipow und die anderen Offiziere mussten auch noch vor ein militärisches Tribunal. Sie mussten sich für ihren Verrat rechtfertigen, denn das zögerliche und ängstliche Verhalten passte überhaupt nicht in das ruhmreiche sowjetische Ansehen.

Die Kubakrise brachte die Welt an den Rand des Abgrundes. Wenn die Atomraketen das sowjetische U-Boot verlassen hätten, wäre es zu großen Verlusten für die USA gekommen. Diesen Angriff hätten die Amerikaner nicht hingenommen und es wäre zu einem militärischen Gegenschlag gekommen, mit fatalen Folgen für beide Seiten. Die Kubakrise wurde schließlich von John F. Kennedy (USA) und Nikita S. Chruschtschow (Sowjetunion) friedlich beigelegt, aber ohne einen unerschrockenen jungen Mann hätten beide Staatspräsidenten die atomare Kettenreaktion nicht mehr stoppen können.

Wassili Archipow rettete die Menschheit vor einer unberechenbaren nuklearen Katastrophe. Er starb am 19. August 1998 als Verräter in der Öffentlichkeit und ohne irgendeine Anerkennung. Erst einige Zeit nach seinem Tod wurde bekannt, wer der wirkliche Held dieser Kubakrise war. Wassili Archipow verhinderte am gefährlichsten Höhepunkt des Kalten Krieges mit seiner mutigen Entscheidung und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Dritten Weltkrieg.

Franz Jägerstätter – Ein mutiger Bauer als Kriegsdienstverweigerer

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Franz Jägerstätter wurde am 20. Mai 1907 im kleinen Dorf St. Radegund (Österreich) geboren und wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf einem Bauernhof auf. Er war aber ein lebenslustiger und hoffnungsfroher Mensch und liebte es zu lesen. Franz Jägerstätter schmökerte mit Vorliebe in Büchern und sammelte Informationen aus aller Welt in Zeitungen. Vor allem religiöse und politische Schriften interessierten ihn, weshalb er sich beachtliches theologisches und politisches Wissen aneignete. Zu dieser Zeit war ein belesener Landwirt in bäuerlichen Kreisen eine Seltenheit, aber für Franz Jägerstätter bedeutete es eine unbezahlbare Freiheit. Besonders zur katholischen Kirche entwickelte Franz Jägerstätter eine enge Bindung, er besuchte häufig die Gottesdienste und las täglich die Bibel.

Franz Jägerstätter: „„Wer nichts liest, wird nur zu leicht zum Spielball der Meinung anderer““

Im Gegensatz zu den zur damaligen Zeit vielen weltfremden Bauern war Franz Jägerstätter modernen Entwicklungen immer aufgeschlossen, so besaß er als erster Einwohner in seinem Ort ein Motorrad. Am 09. April 1936 heiratete er seine große Liebe Franziska, mit welcher er drei Kinder bekam. Es war eine sehr schöne Zeit, Franz Jägerstätter und seine Franziska waren ein Herz und eine Seele und betrieben gemeinsam einen Bauernhof. Und auch um seine Kinder kümmerte sich Franz Jägerstätter liebevoll, er fuhr oft mit dem Kinderwagen aus, obwohl ihn dafür die anderen Bauern oft verspotteten. Das friedliche Leben sollte jedoch vorbei sein, als der Nationalsozialismus unter Adolf Hitler auch in St. Radegund einkehrte, sehr zum Missfallen von Franz Jägerstätter.

Bei der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich gab Franz Jägerstätter am 10. April 1938 die einzige Nein-Stimme im Ort ab. Die Wahlbehörde meldete jedoch eine Zustimmung von 100%, da man als kleines Dorf nicht unnötig auffallen wollte. Die Propaganda von Adolf Hitler erreichte schon viele Lebensbereiche und kein Mensch konnte sich dieser Manipulation entziehen, bis auf Franz Jägerstätter, welcher den Nationalsozialismus aus religiösen Gründen entschieden ablehnte. Er zog sich nun immer häufiger aus dem öffentlichen Leben zurück, nahm keine Vergünstigungen durch die Partei von Adolf Hitler in Anspruch und zeigte so seinen Protest gegen die neue Führung. Am 23. Februar 1943 erhielt Franz Jägerstätter aber plötzlich einen Einberufungsbefehl, um für die deutsche Wehrmacht als Soldat zu kämpfen.

Franz Jägerstätter lehnte einen Wehrdienst aber ab, da er als tiefgläubiger Katholik nicht gleichzeitig Nationalsozialist sein konnte. Außerdem hatte er von den systematischen Ermordungen und den zahlreichen Massenverbrechen gegen unschuldige Menschen gehört, was seinen gewagten Entschluss festigte. Seine Familie und alle Freunde versuchten nun, Franz Jägerstätter von seiner folgenschweren Absicht abzubringen, denn auf Kriegsdienstverweigerung drohte die Todesstrafe. Sogar der Bischof von Linz riet ihm von einer Wehrdienstverweigerung ab, konnte aber die schlüssigen Argumente von Franz Jägerstätter nicht widerlegen. Die Kirche schwieg lieber zu den grausamen Kriegshandlungen und die wenigsten Gläubigen wollten als Staatsfeinde verdächtigt werden. Und so wandte sich auch die von Franz Jägerstätter so geliebte Kirche einfach von ihm ab.

Franz Jägerstätter war nun ganz auf sich allein gestellt, kein Mensch wollte mehr etwas mit ihm zu tun haben. Es wurde ihm Hochmut und Ungehorsamkeit vorgeworfen, denn wie konnte man nur in Erwägung ziehen, seine Ehefrau und seine drei kleinen Kinder im Stich zu lassen? Niemand verstand Franz Jägerstätter, auch seine Frau Franziska versuchte ihn noch umzustimmen. Aber als sie merkte, wie schlecht es ihrem Mann ging, welcher unter ungeheurem Druck stand, änderte sie ihre Haltung. Sie akzeptierte die Einstellung und den Glauben ihres Mannes, denn sie wusste, dass sie ihn nicht ändern konnte.

Franziska Jägerstätter: „„Wenn ich nicht zu ihm gehalten hätte, hätte er ja gar niemanden gehabt““

Als Franz Jägerstätter zum Einrückungstermin erschien, erklärte er offiziell seine Wehrdienstverweigerung und wurde kurz darauf eingesperrt. Im Gefängnis wurde er schikaniert und gefoltert, verschwieg aber seiner Familie seine Leidenszeit. Nach zwei Monaten wurde Franz Jägerstätter nach Berlin verlegt, wo er ebenfalls viele Quälereien auszuhalten hatte. Der einzige Lichtblick in dieser Zeit war seine Frau, mit welcher er ständigen Briefkontakt hatte. Am 06. Juli 1943 wurde er vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt, auf sein Ansuchen, Sanitätsdienst zu leisten, ging das Gericht nicht ein. Er hätte jederzeit der Todesstrafe entrinnen können, aber die Rücknahme der Kriegsdienstverweigerung war für Franz Jägerstätter durch seinen Glauben nicht möglich.

Franziska Jägerstätter: „“Im Gefängnis in Berlin habe ich ihn einmal besucht. Gerade noch konnten wir uns mit den Fingerspitzen berühren““

Es sollte das letzte Mal sein, wo Franziska Jägerstätter ihren Mann lebend sehen sollte. Am 09. August 1943 arbeitete sie zu Hause auf dem Feld, als sie instinktiv spürte, dass etwas Schreckliches passiert war. Und sie sollte sich nicht irren. Ihr Mann wurde an diesem Tag durch das Fallbeil (Enthauptung) hingerichtet.

Nach dem Krieg wurde Franziska Jägerstätter vorgeworfen, mitschuldig am Tod ihres Mannes zu sein, weil sie zu ihm gehalten hatte. Ausgerechnet die Frau musste sich nun mit schlimmen Anfeindungen auseinandersetzen, welche am meisten zu leiden hatte. Aber Franziska Jägerstätter war eine starke Frau und bewahrte das Vermächtnis ihres Mannes, dazu die zahlreichen Briefe und die Tagebücher von ihm. Sie zeigte die höchste Form der Liebe, denn sie stand zu ihrem Mann, egal welche Entscheidungen er traf und welche Konsequenzen dies hatte, sie liebte ihn trotzdem.

Erst im Jahr 2007 erhielt der heldenhafte Widerstand von Franz Jägerstätter endlich die verdiente Würdigung. Er wurde von der Kirche selig gesprochen und seiner Frau wurde das „Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich“ verliehen. Nach fast 70 Jahren und so langer Zeit des Unverständnisses war es eine späte Genugtuung für Franziska Jägerstätter, welche immer an ihren Mann geglaubt hatte und sich trotz jahrelanger Anfeindungen nie unterkriegen ließ. Franziska Jägerstätter starb am 16. März 2013 kurz nach ihrem 100. Geburtstag. Nach endlos langer Zeit war sie nun wieder mit ihrem geliebten Ehemann vereint.

Der Tod von Franz Jägerstätter war nicht umsonst. Er wurde zum Vorbild zahlreicher Kriegsdienstverweigerer in der ganzen Welt, welche sich auf den mutigen Bauern beriefen.

Franziska Jägerstätter: „“Ob er mich noch kennen wird im Himmel?““

Bertha Benz -– Die erste Autofahrt der Welt

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Bertha wurde am 03. Mai 1849 in Pforzheim (Deutschland) geboren und wuchs in einer wohlhabenden Familie auf. Zu dieser Zeit war es für eine Frau aber fast unmöglich, sich weiterzubilden, dies war vor allem den Männern vorbehalten. Da sie nicht studieren durften, waren Frauen schlechter ausgebildet und hatten in der Gesellschaft eine minderwertige Stellung. Sie waren überwiegend für die Familie und die Kinder zuständig, die Karriere im Berufsleben war den Männern vorherbestimmt. Auch ihr Vater war enttäuscht, dass er keinen Jungen bekommen hatte, welcher sein Geschäft weiterführen konnte, sondern nur ein „Mädchen“ erhalten zu haben. Bertha kränkte diese Denkweise und beschloss, ihren eigenen Weg zu gehen.

Bertha standen alle Möglichkeiten offen, einen adeligen Mann zu heiraten und ein Leben in Wohlstand zu haben. Doch auch hier wäre sie nur das „einfache Mädchen“ gewesen und hätte sich in einer lieblosen Beziehung unterordnen müssen. Bertha wollte davon nichts wissen und traf ihre Entscheidung, als sie zum ersten Mal dem temperamentvollen Carl Benz begegnete. Carl Benz war Maschinenbauingenieur, welcher an einem motorgetriebenen Straßenwagen arbeitete, der sich ohne Pferde fortbewegen sollte. Er erzählte ihr von einer Vision, wie er diesen speziellen Wagen bauen und konstruieren wollte. Ständig war er verschmutzt und ölverschmiert, er hatte kein Geld und konnte auch sonst einer Frau nicht viel bieten. Aber Bertha störte dies nicht, sie war fasziniert von diesem euphorischen Mann und der Leidenschaft, mit welcher er seinen Traum verwirklichen wollte.

Carl Benz und Bertha heirateten am 20. Juli 1872 und zogen in eine kleine Wohnung, welche ein Zubau an eine bescheidene Werkstätte war, wo sich die Arbeitsstätte von Carl Benz befand. Bertha ließ sich ihren Erbteil auszahlen und investierte alles in die Firma ihres Mannes, der zu dieser Zeit bereits kurz vor der Pleite stand. In den folgenden Jahren arbeitete ihr Mann jede freie Minute an seinem Motorwagen, jedoch trieb es die Familie immer wieder an den finanziellen Abgrund. Der verzweifelte Kampf von Carl Benz und seinem motorgetriebenen Straßenwagen war oft von Misserfolgen und Fehlschlägen geprägt, aber es war Bertha, die ihren Mann immer wieder aufbaute und neuen Mut zusprach, nicht aufzugeben. Während Carl Benz in seiner Werkstatt schuftete, musste Bertha ihrem Mann den Rücken freihalten.

Bertha, die bisher nur komfortablen Wohlstand gewohnt war, kümmerte sich um die Kinder und den Haushalt, ohne Hilfe von Dienstboten, und dies mit größter Sparsamkeit. Wenn Carl kein Geld für Werkzeug und Material zur Verfügung hatte, sprang Bertha mit dem wenigen Haushaltsgeld und den Erlös von den letzten Schmuckreserven ein, um ihm auszuhelfen. Gegen den Willen ihrer Eltern und der Skepsis der meisten Freunde unterstützte sie ihren Mann wo sie nur konnte. Es gab oft Hunger und Not, aber Bertha hatte einen starken Willen und hielt die Familie zusammen, auch in den schwierigsten Zeiten. Sie hatte auch technisches Verständnis und stand ihrem Mann immer zur Seite, wenn er wo nicht mehr weiter wusste.

Mit der Zeit stellten sich erste kleine Erfolge mit dem Automobil ein und das Ehepaar Benz machte heimlich die ersten kurzen Fahrten im eigenen Hof. Das primitive dreirädrige Benzinfahrzeug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 16 km/h wurde von Carl Benz nun ständig weiterentwickelt und die Reichweite wurde immer besser. Carl und Bertha Benz beschlossen, der Öffentlichkeit voller Stolz den ersten Motorwagen der Welt zu präsentieren. Die Reaktionen waren aber niederschmetternd, Carl Benz wurde für seinen komischen Wagen ausgelacht und nicht ernst genommen. Da zwischendurch immer wieder Pannen auftraten, wurde er auch von den meisten Zeitungen nur verhöhnt und verspottet. Die Behörden erteilten zudem Fahrverbote, da immer wieder Hühner unter die Räder kamen oder Pferde scheuten und Fuhrwerke umkippten, wenn das lautstarke Gefährt auftauchte. So kam es, dass kein Mensch das Automobil kaufen wollte, man ging lieber weiter zu Fuß oder benutzte wie bisher die Kutschen. Es war kaum verwunderlich, dass Carl Benz sehr niedergeschlagen und deprimiert war, so eine Reaktion hätte er sich nach seiner jahrelangen Arbeit nicht vorgestellt. Aber eine tollkühne Frau ließ sich von den negativen Meinungen nicht unterkriegen.

Am 05. August 1888 schnappte sich Bertha Benz heimlich das Automobil ihres Mannes und begab sich gemeinsam mit ihren beiden Söhnen auf eine über 100 Kilometer lange Fahrt. Carl Benz wusste nichts von dieser Aktion, denn er hätte diese gewagte Fahrt mit Sicherheit verboten. Bertha Benz wollte den Leuten beweisen, was dieser Wagen alles konnte, aber das Vorhaben war anstrengend und gefährlich. Es gab keine brauchbaren Straßen, mit den drei zierlichen Rädern ratterte man langsam vorwärts, über Stock und Stein. Da es keinen Gang für steile Berge gab, musste man absteigen und den Wagen schieben, bergab war es sehr riskant, da nur sehr einfache Bremsen vorhanden waren. Aufgetankt wurde zwischendurch mit Ligroin (Leichtbenzin), welches man sich in einer Apotheke besorgen musste, somit wurde die Apotheke zur ersten Tankstelle der Welt. Kühlwasser, welches ständig nachgefüllt werden musste, besorgte man sich von Dorfbrunnen oder aus Wirtshäusern.

Auf dem Land sorgte diese wackelige und laute Konstruktion für Angst und Schrecken. Man warf Steine auf Bertha und ihre Söhne und beschimpfte das Automobil als „Hexenkarren“. Noch nie zuvor hatten die Menschen eine so furchteinflößende Maschine gesehen. Aber Bertha Benz ließ sich von den Leuten nicht einschüchtern und machte sich tapfer weiter auf den Weg. Da sie ein gutes technisches Verständnis hatte, konnte sie kleinere Pannen gut ausmerzen. Zum Beispiel reparierte sie die Zündung mit ihrem Strumpfband, um wieder weiterfahren zu können. Bertha Benz und ihre Söhne überstanden unbeschadet und mit etwas Glück diese abenteuerliche und lange Fahrt, aber sie hatte ihren Zweck erfüllt.

Mit dieser mutigen Spritztour bewies sie nicht nur den Menschen, dass dieser Motorwagen eine große Zukunft hatte, sondern sie gab auch Carl Benz wieder neue Hoffnung, weiter an seinem Automobil zu arbeiten. Durch die Fahrt von Bertha erhielt Carl Benz kurze Zeit später den ersten Führerschein der Welt und der Siegeszug des Automobils war nun nicht mehr aufzuhalten.

Carl Benz war ein Automobilpionier und konstruierte das erste moderne Automobil der Welt. Aber ohne seine willensstarke Frau im Hintergrund hätte er seinen Traum niemals verwirklichen können. In einer Zeit, in der Frauen unterdrückt und als minderwertig angesehen wurden, stellte sich Bertha Benz gegen die Gesellschaft und ging mutig ihren eigenen Weg. Trotz vieler Enttäuschungen und Misserfolge kämpfte sie immer für ihren Mann, damit dieser den Durchbruch schaffen konnte. Als Carl Benz am absoluten Tiefpunkt angekommen war, setzte sie alles auf eine Karte, widersetzte sich dem Fahrverbot der Behörden und unternahm als „Frau“ die erste Fernfahrt überhaupt in einem Automobil. Die spätere Erfolgsgeschichte des Automobils war eine große Genugtuung für Bertha Benz, denn die couragierte Frau bewies, dass man mit Entschlossenheit und Durchhaltevermögen alles im Leben erreichen kann.

Bertha Benz starb am 05. Mai 1944 im Alter von 95 Jahren. Zu Ehren ihrer legendären Fahrt kann man heute die „Bertha Benz Memorial Route“ fahren, welche Bertha Benz damals für die erste automobile Fernfahrt wählte.

Stanislaw Petrow –- Der Mann, der den Dritten Weltkrieg verhinderte

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In den 1980er Jahren steuerte der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion auf den Höhepunkt zu. Die jahrelangen Spannungen zwischen diesen beiden Supermächten führten zu einem atomaren Wettrüsten, weshalb immer wieder Drohungen eines Atomkrieges ausgesprochen wurden, um die eigene Macht zu demonstrieren. Die Stimmung war aufgeheizt, die Sowjetunion rechnete jederzeit mit einem Überraschungsangriff der USA, die Geheimdienste von beiden Seiten arbeiteten auf Hochtouren, um an gegnerische Informationen zu kommen. Sowohl die USA, als auch die Sowjetunion besaßen genügend Atomwaffen, um die gesamte Menschheit mehrfach zu vernichten. In diesen Tagen machte sich Stanislaw Petrow in der Nähe von Moskau auf den Weg in die Zentrale der Luftverteidigung der Sowjetunion, um seine Nachtschicht zu beginnen.

Die Arbeit von Stanislaw Petrow war routinemäßig, er war verantwortlich für die satellitengestützte Überwachung des Luftraumes in der Sowjetunion. Es war der 26. September 1983 kurz nach Mitternacht, als die Ruhe plötzlich von einer aufheulenden Sirene und einem blitzartigen Alarm unterbrochen wurde. Als Stanislaw Petrow auf den Computer blickte, fuhr ihm sofort der Schrecken ins Gesicht. Die Bildschirme zeigten den Start einer amerikanischen Atomrakete in Richtung der Sowjetunion an. Obwohl solche Situationen oft trainiert wurden, standen die Mitarbeiter in der Kommandozentrale unter Schock und es brach Panik aus. Der absolute Ernstfall war eingetreten und alle Blicke waren nun auf den wachhabenden Offizier Stanislaw Petrow gerichtet, der nun die Verantwortung für die weiteren Schritte trug.

 

Stanislaw Petrow war eigentlich nur technischer Ingenieur gewesen, aber einmal im Monat mussten auch die Ingenieure ihren Dienst in der Rolle eines Militärs leisten. Es lastete jetzt eine unglaubliche Bürde auf den Schultern von Stanislaw Petrow, denn laut Vorschrift musste er nun diesen Raketenangriff an seine Vorgesetzten bestätigen. Er blickte nochmals auf die Computer, welche die Wahrscheinlichkeit eines Angriffes mit 100 Prozent bestimmten. Die Anweisung eines nuklearen Angriffes auf die Sowjetunion war eindeutig und sah einen sofortigen nuklearen Gegenschlag vor. Aber da Stanislaw Petrow als Ingenieur selbst an der Entwicklung dieses Frühwarnsystems beteiligt war, wusste er auch, dass dieses komplizierte System oft fehlerhaft war. Stanislaw Petrow stand unter immenser Anspannung, denn die Welt stand derzeit kurz vor einem furchtbaren Atomkrieg.

Stanislaw Petrow: „“Ich stand unter Schock. Wenn ich eine falsche Entscheidung treffe, gelangt sie auf dem Dienstweg bis zur militärpolitischen Führung. Und dort würde mich niemand korrigieren““

Stanislaw Petrow musste nun die schwerste Entscheidung seines Lebens fällen. Immer wieder sagte er sich leise, dass die USA niemals einzelne Raketen auf die Sowjetunion abfeuern würden, sondern ein Angriff würde im Normalfall mit hunderten Raketen gleichzeitig erfolgen. Stanislaw Petrow vertraute auf sein Bauchgefühl und rief seinen Vorgesetzten an, dass es sich um einen falschen Alarm handeln musste. Plötzlich zeigte der Computer eine zweite, dritte, vierte und fünfte Rakete an. Stanislaw Petrow änderte aber nicht seinen Entschluss und blieb bei seiner Einschätzung von einem Fehlalarm. Obwohl die Computersysteme weiter einwandfrei liefen, vertraute er auf sein Gefühl. Stanislaw Petrow war sich aber überhaupt nicht sicher, ob er wirklich richtig lag.

Stanislaw Petrow: „„Ich wollte nicht schuld am Dritten Weltkrieg sein““

In wenigen Minuten würden die Raketen auf sowjetischem Gebiet einschlagen. Durch die Entscheidung von Stanislaw Petrow nahm er der Sowjetunion die Möglichkeit, einen effektiven Gegenschlag durchzuführen. Die Anspannung in der Zentrale der Luftüberwachung wurde immer größer, denn bald müsste das sowjetische Radar die ersten Raketen orten können. Falls Stanislaw Petrow die falsche Entscheidung getroffen hätte, würde er bald mitansehen müssen, wie zahlreiche nukleare Sprengköpfe in der Sowjetunion einschlagen würden. Aber das Radarsystem zeigte in der Folge keine amerikanischen Raketen an, es handelte sich tatsächlich um einen Fehlalarm. Stanislaw Petrow hatte die richtige Entscheidung getroffen.

 

Laut vielen Experten war die Welt niemals näher an einer atomaren Vernichtung als in dieser denkwürdigen Nacht am 26. September 1983. Hätte Stanislaw Petrow die sowjetische Führung über einen Angriff informiert, hätte sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Minuten einen Vergeltungsangriff gestartet. Ein Atomkrieg hätte für die Welt fatale Auswirkungen gehabt. Man rechnete mit über 500 Millionen Toten, zahlreiche Städte und Länder wären mit einem Schlag einfach ausgelöscht gewesen.

Hätte ein normaler Militär in dieser Nacht das Kommando gehabt, hätte dieser vermutlich streng nach Vorschrift gehandelt und es wäre zu einer Katastrophe gekommen. Stanislaw Petrow missachtete diese Vorschriften und vertraute auf seinen Verstand, obwohl er unter extremsten Druck stand. Er traf somit nicht nur eine mutige, sondern die vielleicht wichtigste Entscheidung des 20. Jahrhunderts.

In späterer Folge stellte sich heraus, dass eine sehr seltene Konstellation der Sonne das sowjetische Frühwarnsystem täuschte und den Start einer Rakete andeutete. Dieser Vorfall blieb lange geheim, nur langsam erfuhr die Öffentlichkeit von dieser außergewöhnlichen Tat, Stanislaw Petrow erhielt für sein besonnenes Handeln darauffolgend mehrere Auszeichnungen.

Stanislaw Petrow starb am 19.05.2017 im Alter von 77 Jahren.

Stanislaw Petrow: „„Die Welt kann froh sein, dass ich in dieser Nacht das Kommando geführt habe –und kein dumpfer Militär““

 

Michael Edwards –- Der erste Skispringer aus England

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Michael Edwards wurde am 05. Dezember 1963 in Cheltenham (Stadt in England) geboren und hatte schon sehr früh den Traum, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Aber er war sportlich nicht sehr begabt und hatte kein wirkliches Talent für eine bestimmte Sportart. Dies änderte sich, als er bei einem Schulausflug auf einem Hügel das Skifahren lernte. Er trainierte von nun an jede freie Minute, nebenbei absolvierte er erfolgreich seine Ausbildung zum Maurer. Eines Tages sah er aber zufällig bei einer Fernsehübertragung einen Skisprungbewerb. Michael Edwards war so begeistert von den tollkühnen Skispringern, dass er sofort beschloss, ebenfalls Skispringer zu werden. Nebenbei war Skispringen auch noch ein olympischer Bewerb, dies passte perfekt für Michael Edwards. Seine Freunde erklärten den Plan sofort für verrückt. Aber Michael Edwards glaubte daran, dass er es wirklich schaffen könnte. Noch dazu war Skispringen billiger als das normale Skifahren, denn als Maurer verdiente er nicht sehr viel.

Michael Edwards: „“Die Ausrüstung war billiger. Und von einer Schanze zu springen, war deutlich günstiger, als einen Skipass zu kaufen““

Im Alter von 23 Jahren kaufte er sich deshalb seine erste gebrauchte Skisprungausrüstung und machte erste Versuche auf nahegelegenen Hügeln. Er musste sich dabei mehrere Socken anziehen, um überhaupt in die Sprungschuhe zu passen. Die Leute wunderten sich über den seltsamen Mann, denn in Großbritannien gab es überhaupt noch keine Skispringer, und natürlich auch keine Sprungschanzen. Aber Michael Edwards wollte seinen Traum von den Olympischen Spielen verwirklichen und trainierte fleißig weiter. Nach einigen Monaten beschloss er, es auf richtigen Skisprungschanzen zu versuchen, genauso, wie er es seinerzeit im Fernsehen gesehen hatte. Er übersiedelte aus diesem Grund nach Europa, um seine Skisprungtechnik zu verbessern.

Michael Edwards hatte wenig Geld zur Verfügung. Er schlief im Auto, in einem Zelt und auch in Kuhställen, um sich Geld zu sparen. Mit der Zeit wagte er sich auf immer größere Schanzen, obwohl es ihm schwer fiel, solche großen Höhen zu überwinden. Aber er kämpfte verbissen und nahm kurze Zeit später an seinem ersten offiziellen Wettkampf teil. Die Leute staunten nicht schlecht, als Michael Edwards zum ersten Mal auftauchte. Er wog etwa 10 kg mehr als der schwerste seiner Konkurrenten und war nicht so abgemagert wie seine Kollegen. Er lachte viel, plauderte unbekümmert mit den Zuschauern und lockerte das oft verkrampfte Klima der Skispringer auf. Als Michael Edwards kurz vor seinem Sprung stand, hielten die Zuschauer den Atem an. Denn so einen verrückten Typen hatten sie noch nie gesehen und sie hofften nur, dass er seinen Sprung unbeschadet überstehen würde.

Michael Edwards: „„Ich war anders als die anderen Springer. Die waren immer ernst, ich habe ständig gelacht. Die waren ausgehungert, ich ganz gut genährt““

Jeder Sprung von Michael Edwards war mit einem erheblichen Risiko verbunden, denn er war stark weitsichtig. So musste er auch während des Sprunges starke Augengläser tragen, die permanent beschlugen. Die Konkurrenten aus dem Skisprunglager konnten es kaum fassen, auch diesmal putzte sich Michael Edwards kurz vor seinem Sprung noch seine Brille, damit er etwas sehen konnte. Trotz eingeschränkter Sicht warf er sich mutig in die Anlaufspur und raste auf die Absprungkante zu. Es war zwar ein sehr wackeliger und instabiler Sprung, aber Michael Edwards schaffte es, natürlich viele Meter hinter seinen Konkurrenten, sicher zu landen. Er belegte den mit Abstand letzten Platz, aber da er als erster Brite überhaupt bei einem Skisprungbewerb antrat, bedeutete seine geringe Weite gleichzeitig auch britischen Rekord. Und mit diesem Sprung war er der beste britische Skispringer in seinem Land und war tatsächlich für die Olympischen Spiele qualifiziert.

Michael Edwards: „„Ich hatte Angst. Jeder Sprung konnte mein letzter sein““

So durfte Michael Edwards 1988 bei den Olympischen Winterspielen in Calgary (Kanada) teilnehmen. Dort schockierte er wieder alle Verantwortlichen mit seinen wackeligen Sprüngen, aber er hatte mittlerweile eine unglaubliche Fangemeinde hinter sich, die den gelernten Maurer unterstützte. Michael Edwards belegte bei den Wettkämpfen zwar wieder nur die letzten Plätze, aber durch seinen Mut war er nun zum absoluten Publikumsliebling aufgestiegen. Unter dem Spitznahmen „Eddie the Eagle“ („Eddie der Adler“) nahm er an der Abschlussfeier teil und fast 100.000 Zuschauer begrüßten den furchtlosen Skispringer aus England so euphorisch, dass alle anderen Sportler in den Hintergrund rückten.

Michael Edwards: „“Das waren Sekunden, in denen ich ahnte, was es heißt, ein Superstar zu sein. Ich habe mich wie ein Champion gefühlt““

Michael Edwards sprang danach weiter, er schaffte es aber nicht mehr, sich für weitere Olympische Spiele zu qualifizieren. Denn nach seiner Teilnahme an den Olympischen Spielen wurden die Zugangsregeln stark verschärft, nun musste man zu den besten Sportlern seiner Sportart zählen, um sich qualifizieren zu können. Diese Regelung wurde nur aufgrund von Michael Edwards geschaffen, sie ging in die Geschichte ein als die „Eddie the Eagle Rule“.

Ein einfacher Maurer verwirklichte sich seinen Traum von den Olympischen Spielen. Obwohl Michael Edwards immer nur belächelt wurde, arbeitete er hartnäckig und zielstrebig für sein Ziel. Er schaffte es so, zu einer Legende im Skisprungsport aufzusteigen und wurde zu einem der berühmtesten Olympiateilnehmer, die Großbritannien je hervorgebracht hatte. Er war zwar alles andere als erfolgreich, aber es waren Eigenschaften wie Mut und Tapferkeit, womit er in die Herzen der Menschen springen konnte.

Michael Edwards: „“Derjenige, der sich aufrafft, egal, zu was, wird immer zu den Gewinnern zählen. Die einzigen Verlierer sind die, die aus lauter Angst davor, etwas falsch zu machen, in ihrem Sessel sitzen bleiben““