Sebastian Lucas – Der Weg zu seinem eigenen Pony

„Lesezeit: ca. 2 Minuten“

Der reitbegeisterte Sebastian Lucas liebte Pferde über alles, weshalb er ein eigenes Pony besitzen wollte. Dies war sein ganz großer Traum, doch die Sache hatte einen kleinen Haken. Sebastian Lucas war erst 7 Jahre alt und er konnte sich diese teure Anschaffung einfach nicht leisten. Aber er wollte seinen Traum nicht aufgeben und ließ sich auch von kritischen Stimmen der Erwachsenen nicht entmutigen.

So fing Sebastian Lucas an, selbstgemachte Limonade an Freunde und Familienangehörige zu verkaufen. Er wollte seinen Eltern zeigen, wie ernst es ihm mit seinem Vorhaben war. Familienfeste waren so eine willkommene Gelegenheit, Cent um Cent einzunehmen. Über 2 Jahre fütterte Sebastian Lucas unermüdlich sein Sparschwein, zusätzlich sparte er sein gesamtes Weihnachtsgeld. Am Ende hatte er ein Vermögen von etwa 2.000 Euro angespart, was für einen kleinen Jungen eine Menge Geld war, aber bei weitem nicht die Kosten für ein Pony abdecken konnte.

Die Eltern aber waren begeistert von ihrem Sohn und seinem außergewöhnlichen Durchhaltevermögen. So beschlossen sie, den Rest für ein Pony selbst draufzuzahlen und ihrem Sohn seinen größten Wunsch zu erfüllen. Als Sebastian Lucas zum ersten Mal das Welsh-Mountain-Pony mit Namen „Tom“ zu Gesicht bekam, brach er in Tränen aus. Sein größter Traum war soeben in Erfüllung gegangen, weil er immer fest an sein Ziel geglaubt hatte.

Wir sollten unseren Kindern niemals sagen, dass sie etwas nicht erreichen können. Wenn man mit vollem Herzen auf seinen Traum hinarbeitet, wird uns das Leben immer Wege und Türen öffnen, auch wenn wir es mit unserem Verstand nicht begreifen können. So wie bei Sebastian Lucas, der mit Mut, Ausdauer und großer Hingabe immer an sein eigenes Pony geglaubt hat und dadurch die Herzen seiner Eltern tatsächlich öffnen konnte.



Einzelnachweise (abgerufen am 19.10.2016):

1. www.berliner-zeitung.de – Siebenjähriger Australier verkauft Limo und spart jahrelang für ein Pony

2. www.wz.de – Siebenjähriger verkauft drei Jahre Limonade für eigenes Pony

Christian der Löwe -– Eine tiefgreifende Freundschaft zwischen Mensch und Tier

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Als die beiden Studenten John Rendall und Anthony Bourke im Herbst 1969 das berühmte Warenhaus „Harrods“ in London besuchten, waren sie sehr verwundert. In der legendären Tierabteilung entdeckten sie einen kleinen Löwenwelpen, welcher laut einem Schild tatsächlich zum Verkauf stand. Die beiden Studenten konnten sich nicht mehr von dem süßen Welpen losreißen, welcher sie mit traurigen Augen aus dem Käfig anblickte. Den beiden Studenten tat der kleine Löwe furchtbar leid, weshalb sie einen unfassbaren Entschluss fassten. Sie beschlossen den Löwen zu kaufen, um ihm das traurige Schicksal von skrupellosen Tierhändlern zu ersparen und dem Welpen ein besseres Leben zu ermöglichen.

John Rendall: „„Er war unwiderstehlich. Wir saßen stundenlang vor seinem Käfig““

Die beiden langhaarigen Studenten frisierten sich ihre Haare und legten ihre beste Kleidung an, um einen seriösen Eindruck bei dem Verkäufer zu hinterlassen. Und sie schafften es tatsächlich, der Tierabteilung von „Harrods“ die Ernsthaftigkeit ihres Planes zu beweisen und kauften den Löwenwelpen mit ihrem letzten zusammengekratzten Geld. Christian, wie sie den Löwen nun nannten, kam im Kellergeschoss eines Möbelfachgeschäftes unter, wo die Studenten nebenbei jobbten. Von einem Pfarrer bekamen sie zudem die Erlaubnis, einen nahegelegenen und ummauerten Garten der Kirchengemeinde zu nutzen, wo Christian reichlich Platz hatte, sich auszutoben. Nachdem Christian ins Auto verfrachtet wurde, begann für den Löwen ein neues Leben, inmitten der Weltmetropole London.

Christian blühte in seiner neuen Umgebung regelrecht auf. Er jagte Fußbällen und Stofftieren hinterher und wurde mit rohem Fleisch versorgt. John Rendall und Anthony Bourke verbrachten jede freie Minute mit dem Löwen und unternahmen mit ihm auch immer wieder Ausflüge mit dem Auto. Christian wurde bald zu einer Berühmtheit in London und ständig wollten die Menschen den niedlichen Löwenwelpen besuchen. Da der Unterhalt für den Löwen sehr teuer war, nutzten die beiden Studenten die öffentliche Aufmerksamkeit, um ein wenig Geld für die steigenden Unkosten einzunehmen. Aber der Löwenwelpe wuchs rasant und die beiden Besitzer erkannten, dass das jetzige Zuhause für Christian bald zu klein werden würde.

Nach langem Suchen fand man für Christian einen Platz in einem Nationalpark in Kenia (Afrika), wo man den Löwen behutsam auswildern wollte. Der Abschied von Christian fiel den beiden Studenten sehr schwer. Als Christian sie mit bemitleidenswerten Augen zum letzten Mal ansah, brach es den beiden Besitzern fast das Herz. Aber sie wussten, dass sie den Löwen nun aufgeben mussten, damit er sich auf sein neues Leben vorbereiten konnte.

John Rendall: „„Es war ziemlich hart““

Nach knapp einem Jahr wollten die beiden Studenten den Löwen besuchen. Der zuständige Wildhüter teilte ihnen jedoch mit, dass Christian nun verwildert war und sie nicht mehr wiedererkennen würde. Nach einiger Zeit schafften sie es schließlich, Christian aufzuspüren. Langsam pirschte sich der nun ausgewachsene Löwe an die beiden Männer heran und plötzlich geschah etwas Unerwartetes. Der Löwe hatte seine Menschenfreunde tatsächlich wiedererkannt und sprang ihnen voller Freude entgegen. Die zärtlichen Umarmungen mit seinen mächtigen Pranken waren wie ein Wunder, was selbst der so erfahrene Wildhüter kaum glauben konnte.

Foto von Miroslav Duchacek
unter CC BY-SA 3.0

Die tiefgreifende Freundschaft zwischen Christian und seinen Besitzern berührte die Menschen weltweit. Die Geschichte zeigte, dass die Liebe die Kraft hatte, die Gesetze der Natur durchbrechen zu können. Kurze Zeit später kam es noch einmal zu einem letzten Treffen mit Christian. Der Löwe wurde aber danach dauerhaft ausgewildert und er verschwand für immer in den Weiten Kenias. Die beiden Studenten hatten nun die Gewissheit, dass ihr Freund an seinem endgültigen und richtigen Platz angekommen war.

Hier ein empfohlener Link auf YouTube, das berührende Video zu Christian und seinen Freunden!

Hier klicken –> Das Video zum Löwen Christian

Bob, der Streuner -– Die Geschichte von der treuesten Katze der Welt

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Das Leben meinte es nicht gut mit James Bowen, welcher am 15. März 1979 in Surrey (England) geboren wurde. Als Kind musste er nicht nur die Scheidung seiner Eltern verkraften, sondern auch einen belastenden Umzug nach Australien. Hier lebte er mit seiner Mutter und seinem Stiefvater, aber er hatte es schwer in seiner neuen Heimat. Da die Familie häufig den Wohnsitz wechselte, war es für James Bowen schwierig, in den wechselnden Schulen neue Freunde zu finden. Dadurch war er immer Außenseiter und wurde von seinen Mitschülern oft schikaniert, weshalb er keine sozialen Bindungen aufbauen konnte. Im Alter von 18 Jahren kehrte er in seine Heimat nach London zurück, wo er bei seiner Halbschwester unterkam. Aber auch diese Übereinkunft hielt nicht lange und James Bowen landete schließlich auf der Straße.

Die Obdachlosigkeit machte James Bowen sehr unglücklich. Er begann Drogen zu nehmen, um der Realität seines erbärmlichen Lebens entfliehen zu können. Auf den kalten Böden der Londoner Innenstadt versuchte er nun, mit seiner Gitarre als Straßenmusiker ein wenig Geld zu verdienen. Für die meisten Menschen existierte er nun nicht mehr, James Bowen hatte seinen Lebensmut komplett verloren. Ohne Rückhalt im Leben war er nun gefangen in einer gefühllosen Welt, wo sich alles um seine Drogensucht und dem täglichen Kampf um etwas Essen drehte. Nach ewig langer Wartezeit erhielt James Bowen eine kleine Sozialwohnung, welche sein einziger kleiner Lichtblick war. Mit dem wenigen Geld, welches er als Straßenmusiker verdiente, befriedigte er weiter seine Drogensucht, dies war der einzige Sinn in seinem Leben.

James Bowen: „„Ich hatte keine Hoffnung mehr, lebte im Schatten““

Eines Tages kam James Bowen müde und abgekämpft nach Hause, als er plötzlich eine verwahrloste rote Katze im Hausgang entdeckte. Er merkte, dass der Kater stark abgemagert war und noch dazu eine Verletzung am Bein hatte. James Bowen tat die Katze leid und nahm sie zu sich in seine Wohnung. Er gab ihr zu fressen und brachte sie zum Tierschutzverein, wo das Tier verarztet wurde. Mit seinem letzten Geld musste er der Katze ein Antibiotikum kaufen, welches lebensnotwendig war. Während sich die Katze langsam wieder erholte, versuchte James Bowen, den Besitzer des Tieres ausfindig zu machen, jedoch ohne Erfolg. Als die Katze gesundgepflegt und wieder bei Kräften war, entließ er sie wieder in die Freiheit. Doch egal wie viel Mühe er sich auch gab, die Katze wich nicht mehr von seiner Seite. Immer wieder kehrte sie zur Wohnung zurück und folgte ihm sogar zur Arbeit als Straßenmusiker. James Bowen nahm die anhängliche Katze nun ganz bei sich auf und nannte sie Bob.

Als James Bowen wieder auf der Straße saß und mit seiner Gitarre zu spielen begann, geschah etwas Sonderbares. Dieselben Menschen, welche den Musiker zuvor noch keines Blickes gewürdigt hatten, blieben unerwartet stehen und lauschten seinen Klängen. Verantwortlich dafür war die Katze Bob, welche eine magische Anziehungskraft auf die Passanten hatte. Die Leute liebten das ungleiche Paar und die Einnahmen von James Bowen stiegen von Tag zu Tag. Er brachte der Katze zusätzlich kleine Gags bei, mit einer belustigenden Hand gegen die Pfote eroberten sie im Sturm die Herzen der Menschen. Bob wurde bald zum absoluten Publikumsliebling, von Fans erhielt er bereits Katzenfutter, Spielzeug und kleine gestrickte Schals geschenkt.

James Bowen: „„Mit Bob haben die Leute auch mich wahrgenommen““

Das Leben von James Bowen begann sich nun schrittweise zu ändern. Durch Bob hatte er wieder einen geregelten Tagesablauf und er wurde zum ersten Mal wirklich gebraucht. Durch die Liebe und Zuneigung der Katze schaffte er den schwierigen Drogenentzug und übernahm wieder Verantwortung für sein Leben. Schlagartig verbreiteten sich Videos von ihm und seiner treuen Katze im Internet, tausende Anhänger waren begeistert von dieser berührenden Freundschaft. James Bowen verfasste zudem ein Buch über seine ergreifende Geschichte mit der Katze Bob, welches weltweit ein unglaublicher Bestseller wurde.

James Bowen rettete einer heruntergekommenen und verletzten Katze das Leben. Diese dankte es ihm mit bedingungsloser Liebe und Anhänglichkeit. Er schaffte es nicht nur seine Drogensucht zu überwinden, sondern auch sein gesamtes Leben wieder in den Griff zu bekommen. Die Geschichte von dem drogenabhängigen Straßenmusiker James Bowen und der Katze Bob zeigte den Menschen, dass echte Freundschaft auch die größten Hindernisse überwinden konnte.

Jappeloup -– Ein kleines Pferd wird zum großen Champion

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Das Fohlen Jappeloup kam am 12. März 1975 auf einer Pferdefarm in der Nähe der Stadt Bordeaux (Frankreich) auf die Welt. Er entwickelte sich jedoch im Gegensatz zu den meisten anderen Pferden nicht nach Wunsch seines Besitzers. Bei einer Widerristhöhe (Größe) von nur 1,58 Meter war Jappeloup zu klein, um jemals eine erfolgreiche Karriere als Springpferd absolvieren zu können. Als der Springreiter Pierre Durand das kleine Pferd zum ersten Mal sah, reagierte er aus diesem Grund abweisend. Er war auf der Suche nach einem starken und hochaufgeschossenen Pferd, welcher auch die schwierigsten Hindernisse überspringen konnte. Als er jedoch Jappeloup in Aktion sah, konnte er es kaum fassen. Noch nie zuvor hatte er ein schmächtiges Pferd mit einer so gewaltigen Sprungkraft gesehen. Pierre Durand nahm Jappeloup nun unter seine Fittiche und setzte alle seine Hoffnung in das dunkelbraune Pferd.

Foto von Laurent Bordes
unter CC BY-SA 3.0

Die neue Partnerschaft musste von Anfang an mühsam aufgebaut werden. Jappeloup hatte einen widerspenstigen und temperamentvollen Charakter, welcher eine Zusammenarbeit schwierig machte. Der erste Erfolg stellte sich ein, als man die französischen Meisterschaften gewinnen konnte und sich für die olympischen Springbewerbe 1984 in Los Angeles (USA) qualifizieren konnte. Dieser Wettbewerb kam für Jappeloup jedoch zu früh und es sollte zur großen Blamage kommen. Unter den Augen von Millionen Zuschauern verweigerte das Pferd ein Hindernis und warf Pierre Durand unsanft zu Boden. Kameras aus der ganzen Welt zeigten einen gedemütigten Reiter, welcher sein Pferd nicht unter Kontrolle hatte. Es war der absolute Tiefpunkt für Pierre Durand und er musste für dieses Debakel viel Kritik einstecken.

Pierre Durand: „“Das Wichtigste ist das Pferd nicht zu zwingen, sondern dass man einmal viel Respekt und Liebe entgegen bringt““

Pierre Durand erkannte, dass er Jappeloup zu sehr für den Erfolg bedrängt hatte. Trotz dieser Schmach begann er noch intensiver mit dem Pferd zu arbeiten. Es entwickelte sich langsam eine tiefe Freundschaft zwischen Pierre Durand und dem Tier, welche von Vertrauen und Respekt gekennzeichnet war. Aus dem oft unberechenbaren Pferd wurde mit der Zeit ein zuverlässiger Partner und Pierre Durand schaffte es, das zügellose Temperament von Jappeloup in geeignete Bahnen zu lenken. So errangen sie den Europameistertitel und konnten sich für die nächsten Olympischen Spiele 1988 in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul qualifizieren.

Pierre Durand und Jappeloup verblüfften die Konkurrenten mit einer außergewöhnlichen kämpferischen Leistung. Obwohl Jappeloup in seiner Größe den anderen Pferden weit unterlegen war, glich er dies mit Technik und seinem unglaublichen Springvermögen wieder aus. Durch seinen starken Willen wurde Jappeloup schnell zum Publikumsliebling und zeigte der Welt eine regelrechte Machtdemonstration. Er konnte sich nicht nur in die Herzen der Zuschauer springen, sondern er verhalf auch Pierre Durand sensationell zum Gewinn der olympischen Goldmedaille. Zudem konnten sie im Mannschaftsbewerb eine weitere Medaille gewinnen, wo sie gesamt Dritte wurden.

Jappeloup ging als eines der erfolgreichsten Springpferde aller Zeiten in die Geschichte ein. Obwohl das Pferd wegen seiner geringen Größe benachteiligt war, konnte es alle Gegner überflügeln. Es waren einfache Eigenschaften wie Leidenschaft und Willensstärke, wodurch Jappeloup zum Vorbild für viele Menschen auf der ganzen Welt wurde.

Jappeloup starb am 05. November 1991 an Herzversagen, bis heute wird das Pferd in ganz Frankreich als Nationalheld verehrt.

Pierre Durand: „„Das Pferd meines Lebens““

Barry -– Der Rettungshund auf dem Großen Sankt Bernhard

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Der Große St. Bernhard war lange Zeit einer der wichtigsten Alpenpässe zwischen der Schweiz und Italien. Zahlreiche Kaufleute, Pilger und Reisende nutzten diesen Alpenübergang, jedoch war dieser Weg mühevoll und beschwerlich. Die Winter waren lang und eisig, zu den tiefen Temperaturen kamen dichte Schneestürme hinzu und ständig donnerten gewaltige Lawinen die Hänge hinunter. So war es kaum verwunderlich, dass viele Wanderer bei diesen gefährlichen Bedingungen ums Leben kamen. Aus diesem Grund wurde im 11. Jahrhundert auf über 2.400 Meter Seehöhe ein Hospiz gegründet, welches von Mönchen bewohnt wurde, um entkräfteten Menschen einen sicheren Unterschlupf bieten zu können.

Als Schutz vor Räubern und Plünderern schafften sich die Mönche große Berghunde an, welche ein ausgeprägtes Beschützerverhalten hatten. Aber immer wieder mussten sich die Mönche auf gefährliche Rettungsmissionen begeben, um verunfallte oder vom Weg abgekommene Menschen zu finden. Zu diesen Hilfseinsätzen wurden sie auch von ihren Hunden begleitet, welche bald unentbehrlich für die Mönche wurden. Die Bernhardiner, wie man die Hunde nannte, hatten einen ausgezeichneten Spürsinn und konnten viele in Not geratene Menschen aufstöbern. Die Mönche erkannten das große Potenzial der Hunde und begannen, die Bernhardiner speziell für diese Hilfseinsätze zu trainieren und zu züchten.

Der berühmteste St. Bernhardshund war aber der kräftige Barry, welcher von 1800 bis 1812 in dem Hospiz lebte. Durch seinen besonderen Orientierungssinn schaffte er es immer wieder, erschöpfte Reisende aus Schneestürmen zu befreien oder Verschüttete aus Lawinen zu bergen. In eiskalten Winternächten und meterhohen Schneeverwehungen mussten sich die Opfer auf den Bernhardiner Barry verlassen, welcher mit unermüdlichem Einsatz um die letzte Chance der Verunglückten kämpfte, dem Tod doch noch zu entrinnen. Barry rettete in seinen Jahren als Rettungshund über 40 Menschen das Leben. Nach seinem Tod verbreiteten sich seine Heldentaten schlagartig, denn ohne den furchtlosen Bernhardiner wäre es zu großen Katastrophen gekommen.

In einer Zeit, wo es keine Bergrettung oder andere Hilfsdienste gab, waren es nur ein paar tapfere Mönche mit ihren Bernhardinern, welche sich trotz lebensgefährlicher Bedingungen um die Opfer kümmerten. Barry steht heute ausgestopft im Naturhistorischen Museum in Bern (Schweiz) und bekam dort durch seine unzähligen Rettungseinsätze einen Ehrenplatz. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Leistungen gilt der Bernhardiner seit 1884 mit seiner Größe, seiner Stärke und seiner Gutmütigkeit als Schweizer Nationalhund.

Canelo –- Ein treuer Hund bis zum Lebensende

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Ende der 1980er Jahre spazierte ein alter Mann mit seinem Hund durch die Straßen von Cádiz, einer Stadt in Südspanien. Canelo, so hieß der Hund des Mannes, war ein treuer Begleiter seines Herrchens und folgte ihm auf Schritt und Tritt. Obwohl Canelo ein Hund war, war er der beste Freund des alten Mannes, denn sonst wäre dieser sehr einsam gewesen. Wie jede Woche musste der alte Mann in ein Krankenhaus, um sich einer Dialyse zu unterziehen, da er eine Nierenkrankheit hatte. Auch hier begleitete der ergebene Canelo seinen Freund, er musste aber immer vor der Eingangstür warten, da keine Tiere im Krankenhaus erlaubt waren.

Irgendwann verschlechterte sich jedoch der Zustand des alten Mannes und er musste wieder ins Krankenhaus. Die Ärzte konnten nichts mehr für ihn tun und der alte Mann verstarb. Nun gab es die übliche Vorgangsweise, die Todesanzeige wurde ausgefüllt und das Bestattungsunternehmen wurde von dem Krankenhaus informiert. Was jedoch niemand wusste war, dass draußen vor dem Krankenhaus noch immer ein Hund lag, der auf sein Herrchen wartete.

Canelo ließ die Eingangstür des Krankenhauses nicht aus den Augen, aber sein Freund war nicht zu sehen. Aus Minuten wurden Stunden, aus Stunden wurden Tage. Canelo wich jedoch nicht von seinem Platz. Mit der Zeit fanden die Menschen in seiner Umgebung die Wahrheit über den seltsamen Hund heraus, der seine hoffnungsvollen Augen nicht von dem Eingang des Krankenhauses lassen konnte. Den Leuten tat der Hund leid, sie konnten Canelo aber nicht verständlich machen, dass sein Herrchen gestorben war und er nie wieder aus der Tür kommen würde. Sie gaben dem Hund Nahrung und Wasser, welcher jedes Mal dankbar mit seinem Schwanz wedelte. Trotzdem blieb er immer auf seinem Platz und hielt Ausschau nach seinem Herrchen.

Eines Tages befand sich Canelo nicht mehr auf seinem Platz vor dem Krankenhaus. Die Leute wunderten sich darüber, denn man hatte sich mittlerweile an den friedsamen Hund gewöhnt. Plötzlich erfuhr man, dass Canelo von Hundefängern der städtischen Perrera eingefangen wurde. Perreras waren Tötungsstationen in Spanien, wo Tiere oft unter grausamsten Verhältnissen aufbewahrt wurden, bevor sie getötet wurden. Canelo war inzwischen durch seine bedingungslose Treue zu seinem Herrchen ein sehr bekannter Hund, weshalb sich schnell Tierschutzorganisationen und Tierfreunde für ihn einsetzten und ihn wieder aus dieser Tötungsstation befreien konnten. Danach fand man Familien, die den Hund adoptieren wollten, aber immer wieder lief Canelo weg um an den Ort zurückzukehren, wo er seinen alten Freund zum letzten Mal gesehen hatte.

Canelo harrte nun wieder bei jedem Wetter aus, egal ob es regnete, stürmte oder es bitterkalt war. Denn er glaubte noch immer daran, dass jeden Moment sein Herrchen kommen würde und sie zusammen nach Hause gehen konnten. Nach zwölf Jahren vergeblicher Suche starb Canelo vor dem Krankenhaus, die Todesursache war unbekannt. Einige sprachen von einem Autounfall mit Fahrerflucht, andere Stimmen behaupteten, dass Canelo friedlich auf seinem Platz eingeschlafen war.

Zu Ehren von Canelo wurde eine Gedenktafel in der Stadt Cádiz errichtet. Diese Geschichte soll daran erinnern, wie stark die Liebe eines Tieres zu einem Menschen sein kann. Canelo hielt seinem Herrchen immer die Treue, bis über seinen Tod hinaus.

 

Argos -– Der Hund des Odysseus

Lesezeit: ca. 2 Minuten

Odysseus besaß seit kurzem einen Jagdhund mit Namen Argos, und er liebte diesen Hund über alles. Er hatte aber nicht viel Zeit den jungen Hund zu erziehen, denn Odysseus musste schon sehr bald in den Krieg ziehen. Der Abschied fiel schwer, aber Odysseus musste sich nun von seinem Hund trennen. Argos schaute wehmütig seinem Herrn hinterher, aber er durfte nicht mitkommen.

Und so vergingen die Jahre, Odysseus hatte nicht nur im langen trojanischen Krieg zu kämpfen, sondern er musste auch noch zahlreiche Abenteuer auf seiner mehrjährigen Heimreise meistern. Und so vergingen über 20 Jahre, bis Odysseus endlich wieder seine alte Heimat erreichte. Aufgrund seiner langen Abwesenheit hielten ihn die meisten Menschen jedoch für tot, Odysseus verkleidete sich deshalb als Bettler um die Situation besser erkunden zu können.

Tatsächlich erkannte ihn niemand und Odysseus konnte sich frei bewegen. Als er aber an einem Misthaufen vorbeikam, sah er einen abgemagerten Hund darauf liegen, der altersschwach und vollbedeckt von Ungeziefer war. Plötzlich hob dieser Hund seinen Kopf und fing aufgeregt mit dem Schwanz zu wedeln an. Odysseus bemerkte dies und ging auf den Hund zu, um ihn zu beruhigen. Da entdeckte er überraschend, dass es sich tatsächlich um seinen alten und geliebten Hund Argos handelte. Argos hatte Odysseus nach all den Jahren nicht vergessen und erkannte ihn trotz seines Alters und seiner Verkleidung wieder.

Mit seinem sanftmütigen Blick schaute Argos zu seinem Herrn empor, der überwältigt war von seinem treuen Hund. Odysseus flüsterte seinen Namen. Immer wieder. Der alte Hund wedelte noch einmal geschwächt mit seinem Schwanz, bis er langsam seinen Kopf senkte und starb. Odysseus war so ergriffen von seinem ergebenen Hund, dass ihm Tränen in die Augen stiegen.

Die Legende von Odysseus und seinem treuen Hund Argos ist eine der ältesten Erzählungen, welche über die enge Bindung zwischen Mensch und Hund berichtet.

Foto von Jean-Auguste Barre

 

Hachiko -– Der treueste Hund der Welt

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Hachiko wurde 1923 in Japan geboren und kam bereits als kleiner Welpe zu einer Familie nach Tokio (Japan). Hachiko gehörte zur japanischen Hunderasse der „Akita“ und war ein ruhiger und gutmütiger Hund. Durch sein freundliches Wesen wurde er gut in der Familie aufgenommen und war bald ein beliebtes Familienmitglied. Aber besonders zu seinem Herrn, dem Wissenschaftler Ueno Hidesaburo, hatte der Hund eine ganz enge Bindung und es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden. Ueno Hidesaburo war Professor an der Universität und musste täglich mit dem Zug zu seiner Arbeitsstätte fahren. Hachiko kannte die Abfahrtszeit und auch die Ankunftszeit seines Herrn sehr genau. So lief er jeden Tag am Nachmittag zum Bahnhof, um seinen Herrn nach seiner Ankunft wieder freudig zu begrüßen. Dies wiederholte sich jeden Tag bis zum 21. Mai 1925.

Auch an diesem Nachmittag war Hachiko bereits wieder am Bahnhof. Als die Menschen aus dem Zug ausstiegen, war sein Herr jedoch nicht dabei. Hachiko verbrachte den ganzen Abend auf dem Bahnhof, aber von seinem Herrn war weit und breit nichts zu sehen. Was er nicht wusste war, dass der Professor während einer Vorlesung an einem Schlaganfall gestorben war. Die Witwe des Professors zog daraufhin aus Tokio fort und gab Hachiko zu Verwandten in der Stadt ab. Hachiko aber lief weg und kam weiterhin jeden Nachmittag zu dem Bahnhof, um nach seinem Herrchen Ausschau zu halten. Er konnte nicht verstehen, dass der Professor tot war und nie wieder am Bahnhof ankommen würde. Ein ehemaliger Gärtner des Professors, der in der Nähe des Bahnhofes wohnte, kümmerte sich nun um die Pflege von Hachiko.

Hachiko kehrte regelmäßig zu dem Haus des Professors zurück, wo er eine so glückliche Zeit verbrachte, aber hier lebten nun fremde Menschen. Tag für Tag saß Hachiko auf dem Bahnhof und wartete hoffnungsvoll, dass sein Herrchen aus einem der Züge aussteigen würde. Egal wie schlecht das Wetter war, bei Stürmen oder im Winter bei Minustemperaturen, Hachiko harrte immer auf der Station aus. Mit den Jahren wurden die Passanten auf den Hund aufmerksam, der mit seinem traurigen Blick immer zur selben Zeit auf seinem Platz am Bahnhof war. Man entdeckte die Geschichte hinter Hachiko, und Zeitungen begannen, viel beachtete Berichte über den beständig wartenden Hund zu schreiben. Die Menschen hatten Mitleid mit Hachiko, aber sie konnten ihm nicht wirklich helfen.

Nach fast 10 Jahren vergeblicher Wartezeit war die Leidenszeit für Hachiko vorbei. Vollkommen am Ende mit seinen Kräften starb er 1935 in der Nähe des Bahnhofes. Bis zum letzten Atemzug wartete Hachiko auf seinen Herrn und bis zum Schluss konnte nichts die Liebe und die Treue des Hundes zu seinem Herrchen zerstören.

In vielen Menschen schlummert die Sehnsucht nach ewiger Treue und Aufrichtigkeit. Genau diese Loyalität zeigte Hachiko jeden Tag, er vergaß nie seinen liebsten Freund, bis zu seinem eigenen Tod.

Hachiko wurde durch seine bedingungslose Treue zu einer Berühmtheit in Japan, ihm zu Ehren wurde eine Statue auf dem Bahnhof errichtet. Der Bahnhofsausgang, wo Hachiko immer gewartet hatte, heißt bis heute offiziell „Hachiko Exit“.

Balto -– Die wahre Geschichte eines mutigen Schlittenhundes

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Im Winter 1925 brach in der kleinen und entlegenen Stadt Nome im Nordwesten von Alaska (Bundesstaat USA) eine gefährliche Diphtherie-Epidemie aus. Am Anfang schloss der einzige Arzt in der Umgebung, Curtis Welch, eine mögliche Diphtherie-Erkrankung noch aus, aber als bald die ersten Kinder daran starben, war die Sachlage klar. Da die vorrätigen Diphtherie-Antitoxine ihr Haltbarkeitsdatum bereits weit überschritten hatten, war kein wirksames Serum mehr gegen diese hochansteckende Infektionskrankheit vorhanden. Sofort stellte der Bürgermeister die Stadt unter Quarantäne, zu dieser Zeit lebten etwa 10.000 Menschen im möglichen Ansteckungsgebiet. Die Situation war bedrohlich, denn die Sterberate bei angesteckten Personen lag in dieser Zeit bei nahezu 100%.

In Nome wie auch in ganz Alaska herrschte ein tiefer Winter mit heftigen Schneestürmen, deshalb konnte das dringend benötigte Serum nicht mit den damaligen Flugzeugen transportiert werden, da es zu gefährlich war. Der Wasserweg war ebenfalls nicht benutzbar, da das Wasser aufgrund der tiefen Temperaturen zugefroren war. Es gab jetzt nur mehr eine Hoffnung für die vielen Menschen, denn nun vertraute man auf mutige Männer und starke Hunde. Schnell wurden 20 der besten Musher (Schlittenhundeführer) zusammengetrommelt, die mit ihren Schlittenhunden das Serum in einer Staffel nach Nome bringen sollten.

Die Anforderungen an die wackeren Männer und an die Hunde waren enorm. Sie mussten das notwendige Serum über 1.000 km durch die härtesten und gefährlichsten Gegenden von Alaska nach Nome transportieren, und das auch noch im menschenfeindlichen Winter. Über Leben oder Tod entschied jetzt aber nur mehr die Zeit, und so machte sich am 27. Januar 1925 sofort die erste Staffel auf den Weg. Die Musher und die Hunde mussten Tag und Nacht mit sehr wenigen Pausen unterwegs sein, um das fast 10 kg schwere Paket mit den 300.000 Einheiten des Serums so schnell als möglich nach Nome zu bringen.

Es war einer der härtesten Winter, der jemals in Alaska aufgezeichnet wurde. Die Musher mit ihren Gespannen hatten mit Temperaturen von bis zu -50 °C zu kämpfen, zu den eisigen Temperaturen kamen auch noch orkanartige Stürme von über 100 km/h dazu. Im Durchschnitt hatte jedes Gespann ungefähr 50 km zurückzulegen, bei diesem Wetter eine fast unmögliche Aufgabe. Als die erste Staffel die festgelegte Strecke schaffte, übergab der unter schwersten Erfrierungen leidende Musher das Serum an die nächste Staffel. Und so wurde das rettende Serum von einer frierenden Hand zur nächsten weitergegeben.

Durch die Stürme kippten die Schlitten oft um, dann mussten die Musher sofort das Serum mit bloßen Händen aus dem Schnee befreien, da es nicht einfrieren durfte. Viele erlitten dabei Erfrierungen, auch weil sie das Serum mit ihrer Körperwärme zwischendurch immer wieder wärmen mussten. Tatsächlich kam man der Stadt Nome trotz der schlechten Verhältnisse immer näher, und es kam bereits der Vorletzter Musher Gunnar Kaasen mit seinem Leithund Balto (Siberian Husky) an die Reihe. Die Wetterbedingungen wurden jedoch schlechter und der Schneesturm immer stärker. Gunnar Kaasen hatte aber keine andere Wahl und stürzte sich mit Balto und den anderen Hunden hinaus in das tobende Schneegestöber.

Währenddessen berichteten Rundfunkstationen vom Verlauf dieser Rettungsaktion, welche jederzeit scheitern konnte. Man wusste von dem größer werdenden Schneesturm und den Wetterbedingungen, die Hoffnung, dass das rettende Serum tatsächlich unbeschadet die Stadt Nome erreichen könnte, war gering. Zusätzlich war bekannt, dass der Leithund Balto eigentlich ein minderwertiger Hund für langsamere Hundeteams war. Hätte man vorher gewusst, wie schlimm sich der Schneesturm entwickeln würde, hätte man Balto nicht als Leithund ausgewählt. Außerdem verpassten Balto und sein Musher die letzte Übergabestation, da man nicht einmal mehr die Hand aufgrund des dichten Schneetreibens vor den Augen sehen konnte. Es herrschte jetzt absolute Funkstille. Die ganze Welt schaute gespannt auf Balto und seinen Musher, welche die letzte Rettung für die Stadt Nome waren.

Es war 05:30 Uhr in der Früh, in der Stadt Nome herrschte Stille. Plötzlich konnte man aus der Ferne Geräusche hören, die immer lauter wurden. Ungläubig blickten die Menschen aus ihren Fenstern. Keiner glaubte noch an das Hundegespann mit dem Serum, was sie aber im nächsten Augenblick zu sehen bekamen, war tatsächlich ein Wunder. Angeführt vom tapferen Leithund Balto traf die rettende Hundestaffel mit ihrem Musher, völlig abgekämpft und durchgefroren, in Nome ein. Keine einzige Ampulle von dem lebensnotwendigen Serum war zerbrochen.

Fast blind von dem Schneegestöber hatte der Musher vollständig seinem Leithund Balto vertrauen müssen, der mit seinem ausgeprägten Orientierungssinn weitgehend selbstständig den richtigen Weg finden musste. Unter höchster körperlicher Belastung musste Balto im Tiefschnee voranschreiten, ihm folgten die anderen Hunde und der Musher. Als Leithund musste er den mit Abstand schwierigsten Teil des gesamten Teams erledigen. Mit einer ungeheuren Willenskraft rettete Balto das gesamte Gespann und seinen Musher vor dem sicheren Tod. Nebenbei erlöste er die Stadt Nome mit der Lieferung des Serums, wodurch die Diphtherie eingedämmt werden konnte.

Überall auf der Welt berichteten die Zeitungen von den 20 Mushern, die mit ihren Schlittenhunden die über 1.000 km innerhalb von nur fünfeinhalb Tagen zurücklegten und somit eine ganze Stadt vor dem Untergang retteten. Der damalige US-Präsident Calvin Coolidge schrieb jeder einzelnen Staffel ein spezielles Dankesschreiben.

Balto starb am 14. März 1933, damals wurde im Central Park in New York eine Bronzestatue von Balto aufgestellt, die an die heldenhaften Taten von Balto und den anderen Schlittenhunden erinnern sollte.

Das Denkmal steht bis heute an diesem Platz und wird jeden Tag von vielen Menschen besucht. Die Inschrift lautet:

„„Gewidmet dem unbeugsamen Willen der Schlittenhunde, der diese im Winter des Jahres 1925 ein Gegengift sechshundert Meilen über ruppiges Eis, durch tückische Gewässer und arktische Schneestürme von Nenana zur Linderung des geplagten Nome tragen ließ. Ausdauer -– Treue -– Intelligenz““

Faith -– Der Hund, der läuft wie ein Mensch

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Die Mischlingshündin „Faith“ wurde in den USA geboren. Sie kam jedoch verkrüppelt mit nur drei Beinen zur Welt, mit zwei gesunden Hinterbeinen und einem stark deformierten Vorderbein. Die kleine Faith war sehr schwach, sie konnte sich nicht gegen ihre Geschwister durchsetzen und wurde außerdem nach kurzer Zeit von der Mutter verstoßen. Der Besitzer gab die Hoffnung für Faith auf und wollte den Hund beim Tierarzt einschläfern lassen, denn er sah keine andere Möglichkeit für das verkrüppelte Tier. Aber im letzten Moment hatte die Familie Stringfellow Mitleid mit dem armen Hund und nahm ihn mit nach Hause.

Die Familie Stringfellow kümmerte sich aufopfernd um den kleinen Welpen, aber nach sieben Monaten folgte ein Rückschlag, denn das deformierte Vorderbein musste amputiert werden. Faith hatte nun nur mehr zwei gesunde Hinterbeine und konnte sich nur mehr kriechend fortbewegen. Es war schon jetzt ein qualvolles Leben für die junge Hündin gewesen, aber wie sollte es nun ohne zwei Vorderbeine weitergehen für sie? Schon jetzt trug sie durch ihre Kriechbewegungen immer wieder Schürfverletzungen davon, aber die Familie Stringfellow wollte Faith noch nicht aufgeben.

Foto von Anthony Tortoriello

 
Man versuchte den Hund auf ein Skateboard zu schnallen, damit dieser sich fortbewegen konnte. Aber es funktionierte nicht und war auch keine dauerhafte Lösung für das Problem. Und so stand nur mehr eine Option zur Verfügung: Faith musste lernen, wie ein Mensch zu gehen. Es war zwar unvorstellbar, aber man wollte es trotzdem versuchen, und die Familie glaubte an die Willenskraft des Hundes. Von nun an wurde jeden Tag trainiert, man hielt Faith einen Löffel mit leckerer Erdnussbutter in die Höhe, um sie zum Aufstehen zu bewegen und umher zu springen. Es war die letzte Chance für Faith, denn sonst hätte man das leidvolle Leben von Faith wirklich beenden müssen, um ihr die Qualen zu ersparen.

Das Projekt konnte nur mit Hilfe von Faith funktionieren, denn viele Hunde würden nach kurzer Zeit bereits aufgeben, da die Anstrengung einfach zu groß wäre. Aber Faith hatte eine unglaubliche Ausdauer und Willensstärke, immer wieder versuchte sie es, das Unmögliche doch möglich zu machen. Irgendwann nahm Faith einmal alle Kraft zusammen, die in ihrem kleinen Körper steckte, stieß sich wuchtig in die Höhe und schleckte seelenruhig die Erdnussbutter vom Löffel. Das Wunder war tatsächlich passiert. Faith schaffte es nur mit ihren Hinterbeinen, die Balance zu halten und kippte nicht mehr um. Die ganze Familie war außer sich vor Begeisterung, denn der Plan schien zu funktionieren. Die junge Hündin hatte durch ihr Training ihre Hinterbeine so stark kräftigen können, dass sie nun genug Kraft hatte, ihren Körper aufrecht zu halten.

Faith war nun nicht mehr zu halten. Voller Begeisterung spielte sie mit anderen Hunden im Park und konnte nun alle Tätigkeiten machen wie ein normaler Hund. Die außergewöhnliche Begabung von Faith wurde zusätzlich von einem Tierarzt geprüft, um eventuell Langzeitschäden zu prüfen. Da das Verhältnis von Knochenbau und Gewicht passte, hatte die Hündin keine Überlastungsschäden durch ihre speziellen Bewegungen zu befürchten.

Überall wo Faith auftauchte, zog sie die Blicke auf sich. Die Hündin wurde bald international bekannt, im Internet verbreiteten sich viele Videos über diese Sensation, sie trat in TV-Shows auf und ein Buch wurde über sie geschrieben. Faith hatte zudem eine bedeutende Mission zu erfüllen, denn überall, wo sie hinkam, gab sie den Menschen Optimismus und Hoffnung. Sie besuchte kranke Kinder in Kliniken und Menschen, die zu Amputationen gezwungen wurden. Verwundeten Soldaten der Armee gab Faith neue Zuversicht, da sie viele Grausamkeiten im Krieg ertragen mussten. Als die schwer angeschlagenen Soldaten Faith sahen, die ohne ihre zwei Vorderbeine ihr Schicksal meistern konnte, waren sie zu Tränen gerührt. Denn wenn ein Hund solch eine Behinderung überwinden konnte, dann würden sie ihr Schicksal auch meistern können.

Faith wurde vom verkrüppelten Welpen, den man eigentlich schon einschläfern wollte, zum Vorbild für viele Menschen. Sie zeigt uns, dass man nicht den perfekten Körper braucht, um das Beste aus seinem Leben machen zu können. Durch ihre bewundernswerte Einstellung hilft sie bis heute Menschen und gibt ihnen Mut, ihre Krisen zu überwinden.

Foto von Anthony Tortoriello