Nobuyuki Tsujii -– Der blinde Pianist

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Nobuyuki Tsujii wurde am 13. September 1988 in Tokio (Hauptstadt von Japan) geboren, er war jedoch von Geburt an blind. Seine Mutter erkannte aber schon sehr schnell ein musikalisches Talent an ihrem Sohn, denn immer, wenn sie klassische Musik hörte, hüpfte er freudig herum und reagierte sehr positiv darauf. Besonders der Klavierkomponist Frédéric Chopin hatte es dem Jungen angetan, denn dies hörte er mit Abstand am liebsten. Aufgrund seiner Leidenschaft für die Musik besorgte ihm seine Mutter ein kleines Spielzeug-Klavier.

Nobuyuki Tsujii: „“Mein Lieblingsstück war damals Chopins Polonaise in As-Dur, bei einer bestimmten Aufnahme habe ich freudig reagiert und bin herumgehüpft, aber wenn ein anderer Pianist das gleiche Stück gespielt hat, war ich unzufrieden““

Als ihm seine Mutter einmal das bekannte Lied „Jingle Bells“ vorsang, konnte sie es kaum glauben, wie der kleine Junge darauf reagierte. Denn trotz seiner Blindheit schaffte er es, die Melodie auf seinem kleinen Plastik-Klavier nachzuspielen. Nobuyuki Tsujii hatte ein unglaublich feinfühliges Gehör und spielte von nun an alles nach, was er hörte und was ihm gefiel.

Nobuyuki Tsujii: „„Ich habe das Klavier schon als Kind geliebt. Es hat mir Spielzeug ersetzt –es war ein Freund für mich““

Aufgrund seines außerordentlichen Talentes bekam er bald ein größeres Klavier und erhielt auch Unterricht durch einen Klavierlehrer, aber es war ein sehr mühsamer Weg. Nobuyuki Tsujii musste sich die Stücke in der Brailleschrift (Blindenschrift) einprägen. Während eine Hand die Noten las, spielte er mit der anderen Hand. Um mit beiden Händen spielen zu können, musste er aber alle Töne auswendig können, und so übte Nobuyuki Tsujii stundenlang an seinem Klavier und mit der Zeit wurde er tatsächlich besser. Trotz seiner Sehbehinderung lernte er mit diversen Hilfsmitteln seine liebsten klassischen Musikstücke und konnte sie bald mühelos und auswendig nachspielen.

Nobuyuki Tsujii: „„Ich habe das Üben nie als Belastung empfunden, das war für mich, wie andere Kinder draußen spielen, meine Lieblingsbeschäftigung, wo ich mich ausdrücken konnte““

Im Alter von zehn Jahren stand Nobuyuki Tsujii bereits mit den „Osaka Century Symphonikern“ auf der Bühne, denn seine Art, wie er die Musikwerke interpretieren konnte, war faszinierend und einzigartig. Er trainierte von nun an bis zu vier Stunden am Tag um sein Klavierspiel zu verbessern, und dieses Training sollte sich bald bezahlt machen. Im Jahr 2009 reiste Nobuyuki Tsujii nach Texas (USA), um einen internationalen Klavierwettbewerb zu bestreiten, wo die weltweit besten jungen Konzertpianisten teilnahmen. An dem mehrtägigen Wettbewerb musste er nun Tag für Tag unter größter nervlicher Anspannung sein Talent beweisen, denn Fehler konnte er sich hier nicht erlauben. Und Nobuyuki Tsujii machte keine Fehler.

Mit unglaublicher Sicherheit spielte sich der junge Pianist in die Herzen der Menschen. Die Juroren staunten über den blinden Musiker, der die berühmtesten Werke von Beethoven bis Chopin so einwandfrei und gefühlvoll spielen konnte, wie sie es noch nie gehört hatten. Nobuyuki Tsujii gelang eine der größten Sensationen in der Geschichte dieses internationalen Wettbewerbes, denn er war nicht nur der erste Japaner, der diesen Wettbewerb gewinnen konnte, er war auch der erste Künstler, der ihn als blinder Pianist gewinnen konnte.

Nobuyuki Tsujii wurde in seiner Heimat Japan und auch in China zum gefeierten Star, seine klassischen Musikwerke wurden zum absoluten Verkaufsschlager. Mittlerweile ist er auf der ganzen Welt unterwegs und spielt auf den größten Konzertbühnen. Sogar die kritischsten Zuhörer konnte er durch seine gefühlvollen Töne überzeugen, denn auch die größte Fingerfertigkeit kann nicht das Gefühl und das Gespür ersetzen, mit der Nobuyuki Tsujii seine Werke spielen kann.

Nobuyuki Tsujii: „„Ich möchte das spielen, was ich selbst liebe. Ich verbinde viel mit den Stücken. Und ich möchte dem Publikum zeigen, wie ich sie sehe““

Obwohl er von Geburt an blind war, ging Nobuyuki Tsujii immer seiner größten Leidenschaft nach. Stundenlang trainierte er sich eine unfassbare Perfektion am Klavier an und sämtliche Musikstücke erlernte er nur durch sein Gehör. Diese Kombination aus hartem Training und seinem besonderen Talent verhalfen ihm zum absoluten Superstar in der klassischen Musik zu werden. Außerdem arbeitet er auch ohne Probleme mit Orchestern zusammen, obwohl er weder den Dirigenten, noch das Orchester sehen kann. Immer wieder staunen die Menschen über diese faszinierende Zusammenarbeit mit dem blinden Pianisten aus Japan, der sein größtes Handicap zu seiner größten Stärke gemacht hat.

Nobuyuki Tsujii: „„Ich spüre, wie der Dirigent atmet, ich muss den Taktstock nicht sehen können, um den Einsatz zu bekommen. Ich spüre auch, was die Orchestermusiker wollen, das ist wie eine Welle, die zu mir fließt und der ich folgen muss““

Comments

  1. Ich habe heute zufällig diesen einzigartigen
    Vielen Dank dafür!

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  2. Hallo
    Wolfgang ich kann dir nur rechtgeben!
    Mein Mann u. ich haben Dez. 13 Sonntagsmatinee orf 2
    9 Uhr zufällig Tsujii gehört u. gesehen. Uns ging es genauso, wir waren gefesselt und weinten!
    Ich werde beobachten, wann er mal nach Österreich kommt, dann muß ich ihn sehen!

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  3. Wenn es Engel gibt, kann ich mir ihn als einen vorstellen. Wieso wird man rund um die Uhr nur mit
    Politikern und ihrem menschlichen Unvermögen
    konfrontiert? Ihre Lügen, ihrem Machtstreben und durch sie zerstörte menschliche Seelen. Und Menschen
    wie N. Tsujii werden zufällig im TV-Nachtprogramm
    gefunden. Dieser Reichtum wird der Bevölkerung
    bewusst vorenthalten.

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  4. Ich sah und hörte ihn im TV.Es war einzigartig. Und am Ende nach den 1 stündigen Konzert,merkte ich dass ich lange geweint hab. Ich glaube dass er Berge versetzen könnte,Grenzen löschen und die starren Seelen öffnen kann. Danke.

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  5. Mr. Eifert:

    Excellent comment. It could not have been said better.

    There are many brillaint pianists. But whereas their diplay of talents are impressive and admirable, the performances of Mr. Tsujii are that and then something else — a miracle that sends my heart soaring. He is a gift to us all.

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  6. To me Mr. Noboyuki is one of the most oustanding and brillant piano players the world over. Irrespective of his blindness I must admit that I have never listened to anyone more impressive and captivating than him.
    His flawless and absolutely technically perfect playing, his velocity and brillance on this instrument, the profound emotion he puts into his playing is something I will never comprehend. He is a superstar.

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  7. As a big admirer of Mr. Nobuyukli Tsujii, I was happy to read your well-written article. Thank you for spreading the word about this remarkable artist, whose music is world-class regardless of his blindness.

    The immeasurable talent of Mr. Tsujii is gaining recognition outside of his native Japan. This July, he will be performing in St. Petersburg with Conductor Valery Gergiev and the Mariinsky Theatre Orchestra, a tremendous honor for any pianist.

    I have a website for the international fans of Mr. Tsujii, here: https://sites.google.com/site/nobufans/

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