Stevie Wonder -– Die Geschichte von der Maus im Klassenzimmer

Lesezeit: ca. 5 Minuten

In den 1950er Jahren wünschte sich ein kleiner schwarzer Junge nichts sehnlicher, als von seinen Mitschülern anerkannt und respektiert zu werden, jedoch hatte er einen entscheidenden Nachteil, denn er war blind. Aufgrund einer Frühgeburt musste er in einen Brutkasten, und da die Sauerstoffversorgung nicht stimmte, erblindete er. Seine Mutter rannte mit ihm noch von Arzt zu Arzt, aber es war alles umsonst, der Junge sollte blind bleiben.

Eines Tages hörte man während des Schulunterrichtes ein leises, aber ungewöhnliches Geräusch. Eine kleine Maus hatte sich in das Klassenzimmer verirrt, und die Aufregung der Kinder war perfekt. Die Lehrerin wusste, dass kein normaler Unterricht mehr möglich war, denn mit einer Maus im Schulzimmer würde sich kein Kind mehr richtig konzentrieren können. Und so beteiligten sich alle Kinder inklusive der Lehrerin an der Mäusejagd, jedoch ohne Erfolg, denn die Maus hatte sich irgendwo in einem Versteck verkrochen. Es gab jetzt nur mehr eine Hoffnung, um die Maus zu finden.

 
Die Lehrerin blickte zu dem kleinen blinden Jungen und sagte ihm, dass er das beste Gehör in der ganzen Klasse hätte und dass er die Maus lokalisieren könnte. Und so musste jedes Kind in der Klasse mucksmäuschenstill sein, damit der kleine Junge sich auf seine Aufgabe konzentrieren konnte. Und tatsächlich konnte die Maus durch sein feines Gehör ausfindig gemacht und eingefangen werden. Zum ersten Mal in seinem Leben erhielt der kleine Junge Anerkennung und Beifall, und da merkte er, dass er trotz seiner Behinderung eine besondere Gabe hatte. Seit diesem Vorfall fing der blinde Junge an, an sich zu glauben und sein Handicap als Chance zu erachten. Sein Name war Stevie Wonder.

Stevie Wonder war ein aufgewecktes und fröhliches Kind, trotz seiner Blindheit wollte er immer alles ausprobieren. Er lernte das Radfahren, kletterte auf Bäume oder spielte mit anderen Kindern, aber seine größte Leidenschaft war die Musik. Bereits in jungen Jahren beherrschte er das Klavier, die Mundharmonika und das Schlagzeug perfekt. Er hatte trotz seiner Blindheit ein unglaubliches musikalisches Talent, er spielte nicht nur mehrere Musikinstrumente, sondern er sang auch in einem Kirchenchor mit und komponierte eigene Lieder. Stevie Wonder wollte aber mehr, er wollte Musiker sein und seine Musik öffentlich bekannt machen. Und dies in einer Zeit, in der schwarze Menschen oft benachteiligt und nicht anerkannt wurden, ganz besonders wenn sie behindert waren. Obwohl ihm viele Freunde davon abrieten, weil sie ihn vor einer Enttäuschung bewahren wollten, bewarb sich Stevie Wonder bei einer Plattenfirma. Keiner glaubte daran, dass er als blinder Sänger Erfolg haben könnte, nur er selber glaubte an sich und an sein Talent.

Der Chef der Plattenfirma, Berry Gordy, konnte es kaum fassen, als seine Berater ihm mitteilten, dass ein zwölfjähriger Blinder vor seiner Tür stand, um sich bei seiner Firma zu bewerben. Trotz seiner ablehnenden Haltung sah er sich den blinden Jungen kurz an, denn schließlich hatte jeder eine Chance verdient. Doch was er kurze Zeit später zu hören bekam, war für ihn kaum vorstellbar. Dieser kleine blinde Junge konnte nicht nur Schlagzeug, Klavier, Mundharmonika und Gitarre spielen, er hatte dazu noch eine äußerst talentierte Stimme. Und so kam Stevie Wonder tatsächlich zu seinem ersten Plattenvertrag, und dies sollte der Startschuss für eine außergewöhnliche Musikkarriere sein.

Stevie Wonder nahm seine ersten Platten auf und schaffte durch sein musikalisches Talent bald seinen internationalen Durchbruch. Von nun an arbeitete er hart an sich, er komponierte, spielte und produzierte Lieder, und das mit unglaublichem Erfolg. Überall auf der Welt wurden die Lieder von Stevie Wonder gespielt und er stieg bald zu einem der gefragtesten Musiker auf der Welt auf. Aber nicht nur seine berührenden Lieder verhalfen ihm zu diesem Ruhm, sondern auch sein großes Herz.

 
Mit seinen Liedern und Texten engagierte er sich zum Beispiel für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung und er wurde so zu einer Art Maskottchen für die Bürgerrechtsbewegung. Sein Lied „I Just Called to Say I Love You“ widmete er dem langjährigen Gefängnisopfer Nelson Mandela, oder das Lied “That’s What Friends Are For” sang er für mehr Solidarität im Kampf gegen Aids. Bei zahlreichen Benefizkonzerten musste man den begabten Musiker nicht lange bitten, um daran teilzunehmen, außerdem wurde Stevie Wonder Friedensbotschafter für die Vereinten Nationen.

Stevie Wonder musste ein dreifaches Handicap überwinden, denn er war arm, schwarz und blind. In einer Zeit, in der viele Menschen mit einer dunklen Hautfarbe diskriminiert wurden, stemmte sich ein kleiner blinder Junge beherzt dagegen und hatte trotz aller Erschwernisse immer die Hoffnung, einmal ein großer Musiker zu werden. Diese Hoffnung erfüllte sich bereits in jungen Jahren, als Stevie Wonder mutig genug war, sich als blinder Junge bei einer Plattenfirma zu bewerben. Dies war der Startschuss für eine einzigartige Erfolgsgeschichte, und Stevie Wonder erhielt weltweit die wichtigsten Auszeichnungen und Musikpreise, wie den Grammy, den Oscar oder den Golden Globe. Für seine Verdienste um die Soul-Musik wurde er außerdem in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen.

Der Ausgangspunkt zu dieser einzigartigen Weltkarriere war aber eine kleine Maus, die Stevie Wonder damals die Zuversicht gab, dass er durch sein feinfühliges Gehör eine besondere Gabe hatte.

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