Markus Thalmann -– Das Wunder von Kärnten

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Am 03. Mai 1998 passierte in einem kleinen Dorf in Kärnten (Österreich) ein schrecklicher Unfall. In der Nähe eines Bauernhofes fiel ein vierjähriges Mädchen beim Spielen in einen eiskalten Teich. Sie versuchte sich noch panisch, irgendwie zu retten, schaffte es aber nicht mehr. Als die geschockte Mutter das leblose Mädchen im Teich entdeckte, trieb sie bereits eine halbe Stunde ohne Luftzufuhr unter Wasser. Die Eltern versuchten das Kind sofort wiederzubeleben, jedoch ohne Erfolg. Der herbeigerufene Rettungshubschrauber flog das Opfer umgehend in das nächste Krankenhaus, jede Sekunde war nun entscheidend. Aber es schien alles vergebens zu sein. Kein Puls, keine Atmung, kein Lebenszeichen mehr. Bei einer Körpertemperatur von nur 18,4 Grad Celsius stand das Herz still. Niemand glaubte mehr an eine mögliche Rettung, nur ein Arzt wollte das Mädchen noch nicht aufgeben.

Markus Thalmann: „“Ich war Oberarzt, hatte meine Ausbildung aber erst knapp ein Jahr zuvor beendet““

Der Oberarzt Markus Thalmann nahm den eigentlich aussichtslosen Kampf entschlossen an. Da das Mädchen stark unterkühlt war, benötigte das Gehirn dadurch nicht so viel Sauerstoff und eine Reanimation könnte noch erfolgreich sein, auch nach so langer Zeit. Da es keine Kinderchirurgie im Krankenhaus gab, musste von Anfang an improvisiert werden. Eiligst wurde eine spezielle Lungenmaschine für die kleine Patientin zusammengebastelt. Über eine Pumpe wurde das Blut außerhalb des Körpers erwärmt und mit Sauerstoff angereichert, danach wurde das Blut über ein Schlauchsystem wieder dem Mädchen zurückgeführt. Es folgte dann sofort eine risikoreiche Operation am offenen Herzen. Markus Thalmann und sein Team standen unter einem ungeheuren Druck. Teilweise mussten noch während des Eingriffes die Instrumentierung und die Medikation an die Maße eines Kleinkindes angepasst werden, da sie nur für Erwachsene entwickelt worden waren.

Foto von n.raveender
unter CC BY-SA 3.0

Unter größter Anspannung versuchte Markus Thalmann, das Leben des kleinen Mädchens zu retten. Während er äußerlich so gut es ging Ruhe bewahrte, war er innerlich jedoch zerrissen. Was wäre, wenn er ihr Leben retten könnte, aber das Mädchen schwer hirngeschädigt war und ein Leben im Koma drohte? Warum ein Leben retten, welches nicht mehr lebenswert wäre? Warum das Leid der Eltern mit einem zeitlebens geistig behinderten Kind verlängern? In dieser Nacht kämpfte Markus Thalmann 15 Stunden lang um das Leben seiner kleinen Patientin und gegen alle inneren Widerstände und Gewissensbisse. Aber er hatte vorerst das Unmögliche geschafft, das kleine Mädchen wurde wieder zurück ins Leben geholt.

Nach mehreren Wochen im künstlichen Tiefschlaf und einem bangen Warten, ob das Kind ohne Schädigungen des Gehirns aufwachen würde, folgte das große Wunder. Es wurde festgestellt, dass das Mädchen keine geistigen Beeinträchtigungen hatte und tatsächlich wieder vollkommen gesund werden würde, obwohl sie eine halbe Stunde ohne Sauerstoff war. Markus Thalmann gelang dadurch eine der spektakulärsten Rettungsaktionen in der modernen Medizin.

Noch nie in der Geschichte der Medizin konnte ein vergleichbarer Patient gerettet werden, welcher eine so lange Zeit unter Wasser war. Markus Thalmann ging durch seine außergewöhnliche Rettungstat hohes Risiko ein, denn wenn es nicht funktioniert hätte, wäre er nur der große Verlierer gewesen. Schließlich war es ihm aber zu verdanken, dass er einem kleinen Hoffnungsschimmer noch eine letzte Chance gab und so mit Mut und Entschlossenheit das Wunder von Kärnten ermöglichte.

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