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Ein Fischer entdeckte vor der Atlantikküste Floridas ein Tier, welches sich in ein Fangnetz für Krebsfang verheddert hatte. Als er näher hinfuhr, entdeckte er zu seiner Überraschung ein junges Delfinweibchen. Sie hatte sich so qualvoll in den Seilen verstrickt, dass sie sich nicht mehr von alleine retten konnte und gab sterbenskranke Laute von sich. Sofort befreite der Fischer den jungen Delfin, der sehr schwer verletzt war. Die empfindliche Haut des Delfins war bis auf das Blut aufgescheuert, das Maul hatte eine Wunde und ein Seil schnürte die Blutzufuhr zur Schwanzflosse ab. Mehr tot als lebendig kam das junge Delfinweibchen, fast noch ein Baby, in das „“Clearwater Marine Aquarium““, wo es ums Überleben kämpfte. Mit letzter Kraft schaffte es aber der kleine Delfin, dem Tod zu entrinnen, und man taufte den tapferen Delfin „Winter“.

Leider waren die Verletzungen an der Schwanzflosse so schwer, dass sie amputiert werden musste. Dessen ungeachtet kämpfte Winter weiter und lernte zur Verwunderung der Fachärzte ohne ihre wichtigste Schwanzflosse zu schwimmen. Um vorwärts zu kommen nutzte sie einfach ihre Brustflossen, die normalerweise nur zum Lenken und zum Bremsen dienten. Unter größter Anstrengung konnte sie sich so langsam vorwärts bewegen, Winter hatte ein sehr großes Kämpferherz. Aber die Zukunft schien aussichtslos zu sein, denn durch die ungewöhnlichen Bewegungen wurde ihre Wirbelsäule schwer in Mitleidenschaft gezogen, die für eine solche Belastung nicht ausgelegt war. Winter stand ein schmerzhaftes und qualvolles Ende bevor, dies war die Prognose der meisten Fachleute.

Die Presse wurde auf den willensstarken Delfin aufmerksam, sie brachte Berichte in die Öffentlichkeit von dem einzigen bekannten Delfin, der den Verlust seiner Schwanzflosse überlebt hatte. Dies hörte auch der Prothesenhersteller Kevin Carroll, der auf diesem Gebiet ein absoluter Spezialist war, aber dies nur für Menschen. In seiner Freizeit stattete er Winter einen Besuch ab und staunte nicht schlecht über den kämpferischen Delfin, der es schaffte, ohne Schwanzflosse zu schwimmen. Da kam ihm die Idee, eine spezielle Prothese als Ersatz für die Schwanzflosse zu bauen, so etwas hatte es in der Vergangenheit überhaupt noch nie gegeben. Es war zwar ein sehr schwieriges Unterfangen, aber er glaubte an einen Erfolg. Und nach vielen Versuchen schaffte er es tatsächlich, eine geeignete Prothese zu entwickeln, die wie ein Strumpf über Winters Hinterteil gezogen werden konnte. Und Winter lernte wieder, mit ihrer neuen Schwanzflosse zu schwimmen, so, als ob nie etwas gewesen wäre.

Kevin Carroll: „„Winter ist eine große Persönlichkeit. Jedes Wesen hat das Recht, dass man ihm hilft““

Winter hatte in jungen Jahren bereits viele Schicksalsschläge zu überwinden, aber sie meisterte alle Rückschläge mit ihrem ungeheuren Kämpferherz. Viele Menschen mit verschiedensten Behinderungen besuchen heute Winter, um sich wieder neuen Lebensmut zu holen. Winter zeigt den Besuchern mit ihrer künstlichen Schwanzflosse, dass jeder Mensch alles aus seinem Leben machen kann, egal wie schlimm die Lage erscheint.

Die Geschichte von dem Delfin mit der fehlenden Schwanzflosse war ebenfalls Grundlage für einen Film: „„Mein Freund, der Delfin“. Winter inspirierte die ganze Welt über die Art und Weise, wie sie mir ihrem eigentlich trostlosen Schicksal umging. Ein Delfinweibchen veränderte die Welt.