Team Hoyt – Vater, läufst du mit mir einen Marathon?

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Rick Hoyt erblickte am 10. Januar 1962 unter dramatischen Voraussetzungen das Licht der Welt. Bei der Geburt wickelte sich die Nabelschnur um seinen Hals, weshalb sein Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurde. Die Folgen waren schwerwiegend. Die Ärzte prognostizierten eine zerebrale Lähmung und er würde nie fähig zu Kognition (Wahrnehmung, Emotionen) sein. Das ganze Leben würde der Junge im Rollstuhl vor sich hinvegetieren, ohne jegliche Kommunikation mit der Umwelt. Eine normale Entwicklung war nach Meinung der Ärzte unmöglich und sie gaben den Eltern (Dick und Judy Hoyt) den Rat, den Jungen in eine Pflegeanstalt zu geben. Für die Eltern kam diese Option jedoch nie in Frage.

Dick Hoyt: „„Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, am Alltagsleben teilzunehmen““

Der schwer behinderte Rick Hoyt wurde so gut es ging in alle Aktivitäten der Familie miteingebunden. Immer wieder fanden die Hoyts einen Weg, ihre Freizeit gemeinsam zu verbringen – Schwimmen, Skilanglauf oder Wandern. Und sogar hinauf auf einem Berg wurde marschiert – und auf den Schultern des Vaters war Rick Hoyt. Für die Familie war Rick intelligent, doch fehlendes Sprechvermögen wurde mit fehlender Intelligenz gleichgesetzt, weshalb ihm auch die Teilnahme am Schulunterricht vorerst versagt blieb. Doch im Alter von 12 Jahren gelang es Rick, der auf einen Witz herzhaft zu lachen begann, den Wissenschaftlern der Tufts Universität in Massachusetts seine Intelligenz zu beweisen. Schon bald darauf wurde eine Kommunikationsmaschine entwickelt, mit der sich Rick mit der Bewegung des Kopfes oder des Knies verständigen konnte. Doch was würden seine ersten Worte sein? Beim ersten Versuch waren alle sehr gespannt, so lange hatte sich die Familie nicht mit Rick verständigen können. Und die ersten geschriebenen Worte waren ungewöhnlich: „Go Bruins!“, bezogen auf das Bostoner Eishockeyteam. Die Erstaunung war groß – Rick war tatsächlich ein großer Sportfan, obwohl er selber seine Beine und seine Arme nicht benutzen konnte.

Kurze Zeit später besuchte Rick bereits regelmäßig die Schule. Bei einem Basketballspiel wurde zu einem 8 km Charity-Lauf zugunsten eines querschnittsgelähmten Schülers aufgerufen. Rick war sofort fasziniert davon und wollte helfen. Und so bat er tatsächlich seinen Vater, ihn bei diesem Lauf mit dem Rollstuhl zu schieben. Viele Menschen dachten an eine vorzeitige Aufgabe der Hoyts, doch unterstützt vom Beifall der erstaunten Zuschauer erreichten sie das Ziel. Rick tippte nach diesem Erlebnis folgende Nachricht für seinen Vater in den Computer: „„Dad, wenn ich laufe, dann fühle ich mich überhaupt nicht gehandicapt.“ Dies war der Startschuss der unglaublichen Geschichte des „Team Hoyts“.

Aus Liebe zu seinem Sohn intensivierte Vater Dick Hoyt von nun an das Lauftraining, denn es brauchte Kraft und Ausdauer, um die körperlichen Beschwerden durchzustehen. Er packte Zementsäcke in den Rollstuhl und lief so Kilometer um Kilometer. Bald liefen die Hoyts ihren ersten Marathon, und viele Medien berichteten bereits über das Team Hoyt. Einmal wurde der Vater gefragt, ob er auch ohne seinen Sohn laufen würde. Die Antwort folgte prompt: „Warum sollte ich? Er ist derjenige, der mich antreibt.“ Und es sollten noch weitere Anstrengungen auf den Vater zukommen – denn sie erhielten eine Einladung zu einem Triathlon in der Nähe von Boston. 1,6 Kilometer Schwimmen, 64 Kilometer Radfahren und 16 Kilometer Laufen waren zwar nichts für Anfänger, aber die Hoyts wollten es trotzdem probieren. Dick trainierte von nun an bis zu 5 Stunden am Tag, um sich fit zu machen. Mühsam waren seine ersten Schwimmversuche, denn seit seinem sechsten Lebensjahr war er nicht mehr geschwommen. Doch für seinen Sohn nahm er alle Anstrengungen und Strapazen in Kauf.

Rick Hoyt: „“Dad ist ein Vorbild für mich. Habe sich sein Vater einmal etwas in den Kopf gesetzt, lasse er sich davon nicht mehr abbringen““

Mit Hilfe eines Brustgurtes und einem Schlauchboot zog er seinen Sohn beim Schwimmen hinter sich her. Aus dem Wasser gekommen hob der Vater seinen Sohn in einen Rollstuhl, der am Rad befestigt war. Er musste aufpassen, damit der Anhänger mit seinem Sohn nicht umkippte, doch es klappte. Die Laufstrecke war noch die leichteste Übung, und so wurde der Triathlon sensationell nach gut 4 Stunden beendet. So etwas hatte es noch nie gegeben, und trotzdem sollte es noch eine Steigerung für die Hoyts geben. Denn jetzt folgte das ultimative Ziel und der Höhepunkt für fast jeden Sportler, der Ironman in Hawaii. Doch prompt erhielten sie eine Ablehnung, da es im offenen Meer zu gefährlich zum Schwimmen sei, so die Veranstalter. Dick und Rick Hoyt ließen aber nicht locker, und mit Hilfe eines Senators bekam man schließlich einen Startplatz beim härtesten Rennen der Welt. Die große Enttäuschung folgte aber kurz darauf. Dick Hoyt hatte aufgrund unverträglicher Getränke schwere Magenkrämpfe, und man musste das Rennen bereits während des Schwimmens abbrechen. Es war das erste Rennen, welches die Hoyts nicht beendet hatten. Vater Dick war schwer geknickt und dachte, er hätte alle enttäuscht. Die Organisatoren jedoch waren mehr als begeistert von ihnen und sprachen für das nächste Jahr spontan eine neue Einladung für die Hoyts aus. Eine neue Chance für die Hoyts, um die unglaublichen 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und die 42 km lange Laufstrecke zu bewältigen.

Und nächstes Jahr lief es tatsächlich besser. Die Schwimmstrecke wurde bravourös gemeistert, 8 Stunden später hatten sie auch die Radstrecke geschafft. Als die Hoyts sich auf die Marathonstrecke begaben, waren viele Athleten bereits im Ziel. Doch die kraftraubende Schwimmstrecke und die Hitze des Nachmittages hatten viel Kraft gekostet und Dick Hoyt musste schwer kämpfen. Er spürte die schweren Beine und die immer wieder aufkommende Müdigkeit. Aber die Wünsche und Träume seinen Sohnes Rick trieben ihn immer wieder voran, immer weiter auf den Weg zum Ziel. Es war kurz nach 21 Uhr am Abend, das Team Hoyt schaffte etwas, was viele normale Athleten nicht schafften, sie überquerten tatsächlich die Ziellinie. Ein unglaubliches Glücksgefühl durchströmte sie, und vor allem Rick war noch nie glücklicher in seinem Leben.

Dick Hoyt und sein Sohn Rick haben bewiesen, was mit Ausdauer und Willen alles möglich ist. Hätten die Hoyts damals auf die Ärzte gehört, ihr Sohn würde heute noch in irgendeinem Pflegeheim dahinvegetieren. Doch sie haben sich gegen die vielen Vorurteile im Alltagsleben und im Sport durchgesetzt. Der Vater wurde aus Liebe zu seinem Sohn zu einem durchtrainierten Sportler und ermöglichte so seinem Sohn unglaubliche Erlebnisse und Glücksmomente. Rick Hoyt schaffte seinen College-Abschluss an der Boston University und arbeitet heute dort. Sie inspirieren noch heute tausende Menschen mit ihrem Mut und ihrem Motto „“Yes, you can““ und sammelten zusätzlich bereits mehrere Millionen Dollar an Spendengeldern für wohltätige Zwecke. Auf die Frage, was Rick machen würde, wenn er nicht im Rollstuhl sitzen würde, antwortete er: „„Als erstes würde ich meinen Vater bitten, sich in den Rollstuhl zu setzen, damit ich ihn eine Strecke schieben könnte.““

Für jene Menschen, die im Selbstmitleid versinken und keinen Sinn mehr im Leben sehen, es gibt immer Möglichkeiten, auch wenn sie im ersten Moment schwierig erscheinen.

Hier ein empfohlener Link auf YouTube, mehr Motivation mit dem Team Hoyt!

Hier klicken –> Das Video zum Team Hoyt

 

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