Jesse Owens gegen Luz Long – Eine Freundschaft für die Ewigkeit

„Lesezeit: ca. 3 Minuten“

Die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin (Deutschland) waren eine gigantische Propagandaschau des Nationalsozialismus unter Adolf Hitler. Ziel war es, das Regime in der Weltöffentlichkeit positiv dastehen zu lassen und das deutsche Volk zu verherrlichen. Mitten in dieser aufgeheizten Stimmung befand sich der schwarze amerikanische Leichtathlet Jesse Owens.

Über 100.000 Zuschauer nahmen im Olympiastadion in Berlin Platz, um die verschiedenen Bewerbe mitverfolgen zu können. Jesse Owens galt als Favorit im Weitsprung, sein größter Konkurrent war der deutsche Leichtathlet Luz Long, der als Publikumsliebling und Musterschüler der Deutschen galt. Es entwickelte sich ein unfassbarer Zweikampf zwischen diesen beiden Sportlern. Frenetischer Jubel brandete auf, als Luz Long 7,87 Meter weit und damit neuen olympischen Rekord sprang. Auch Adolf Hitler befand sich im Stadion und klatschte zufrieden in die Hände.

 

Dann kam Jesse Owens. Der Amerikaner stürmte mit unglaublichem Tempo zur Absprungmarke und katapultierte sich in die Höhe. Die Zuschauer konnten es nicht fassen, 8,06 Meter und dadurch Sieger in diesem Bewerb. Die nationalsozialistische Regierung war natürlich alles andere als begeistert von dem Schwarzen, der gerade einen weißen Deutschen geschlagen hat. Wie jedoch der Verlierer selbst, Luz Long auf seine Niederlage reagierte, war beeindruckend.

Es hätte schon ausgereicht, seinem erbittertsten Widersacher einfach nur zu gratulieren. Aber Luz Long war ein echter Sportsmann und tat viel mehr. Er umarmte den Sieger Jesse Owens und zeigte der ganzen Welt seine Anerkennung für den amerikanischen Triumphator. Später drehten die beiden Weitspringer Arm in Arm eine Ehrenrunde über die Aschenbahn. Es existiert sogar ein Foto, wo Luz Long und Jesse Owens gedankenverloren im Gras liegen und fröhlich miteinander plaudern. Für die regierenden Nationalsozialisten war die entstandene Freundschaft zwischen den beiden Sportlern natürlich ein großer Schönheitsfehler.

Jesse Owens wurde danach noch zum großen Star dieser Olympischen Spiele und gewann insgesamt 4 Goldmedaillen. Die Freundschaft zu Luz Long war aber eine Geste für die Ewigkeit. Vor allem Luz Long hatte den Mut, alle ideologischen Grenzen zu ignorieren, obwohl er dafür später eine strenge Verwarnung erhielt. Vor den Augen von Adolf Hitler zogen der schwarze Amerikaner und der weiße Deutsche die gesamte Rassentheorie der Deutschen in die Lächerlichkeit. Sie machten die Welt für einen kurzen Moment zu einem besseren Ort, weil sie auf ihr Herz hörten.

Jesse Owens: „Es kostete viel Mut, sich vor den Augen Hitlers mit mir anzufreunden. Man könnte alle Medaillen und Pokale, dich ich habe, einschmelzen, und sie würden nicht für eine Schicht über die 24-Karat-Freundschaft, die ich in diesem Moment für Luz Long empfand, reichen“

 

Einzelnachweise (abgerufen am 01.08.2016):

1. www.berliner-zeitung.de – Jesse Owens und Luz Long eine fast unmögliche Freundschaft

2. rio.sportschau.de – Olympia 1936 – Eine Geste für die Ewigkeit

3. www.tagesspiegel.de – Olympia 1936 – Wahrheit und Dichtung

 

Luz Long, eine Sportlerkarriere im Dritten Reich, das Buch zum Nachlesen:

Mauro Prosperi –- Der Todeskampf in der glühenden Sahara

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Im Alter von 38 Jahren machte sich der Italiener Mauro Prosperi auf den Weg nach Marokko (Nordafrika), um an einem der härtesten Laufrennen der Welt teilzunehmen. Die Sportler mussten bei diesem Wettkampf in mehreren Etappen über 200 Kilometer quer durch die marokkanische Sahara zurücklegen. Mit Temperaturen von bis zu 50 Grad in prallend heißer Sonne und einem schweren Rucksack mussten die Läufer unvorstellbare Strapazen bewältigen. Mauro Prosperi hatte sich sehr gut auf dieses Extremrennen vorbereitet und war körperlich in einem optimalen Zustand. Nach den ersten drei Etappen war er schon im absoluten Spitzenfeld zu finden, als im vierten Streckenabschnitt plötzlich ein schwerer Sandsturm aufzog.

Mauro Prosperi: „„Hart wie Nadeln biss sich der Sand in meine Augen und Ohren““

Mauro Prosperi wickelte sich einen Schal um den Kopf und kämpfte sich weiter durch das unerbittliche Unwetter. Doch zu seinem Unglück hatte der Wüstensturm die Wegmarkierungen weggefegt und Mauro Prosperi lief vollkommen in die falsche Richtung. Als sich der Sturm ein paar Stunden später wieder legte, wusste er nicht mehr, wo er sich befand. Trotzdem hetzte Mauro Prosperi weiter, um irgendwo nach Hilfe Ausschau zu halten, jedoch waren sein Wasser und sein Essen bereits nach kurzer Zeit vollkommen aufgebraucht. Er begann bereits in seine Wasserflasche zu urinieren, um irgendwie an Flüssigkeit zu kommen.

Am nächsten Tag nahte Rettung, als ein Hubschrauber über ihn kreiste. Mauro Prosperi machte mit allem, was ihm zur Verfügung stand auf sich aufmerksam, jedoch ohne Erfolg. Die Rettungskräfte übersahen ihn und der Hubschrauber drehte wieder ab. Nun packte Mauro Prosperi die nackte Verzweiflung, denn er befand sich ohne Proviant im größten Wüstengebiet der Welt, welches zudem von Menschen kaum bewohnt war. Begleitet von einer brütend heißen Sonne und umgeben von trockenen Sandböden war er nun ganz auf sich allein gestellt. Allmählich wurde der Körper von Mauro Prosperi schwächer, die fehlende Flüssigkeitsaufnahme machte sich immer stärker bemerkbar.

Am dritten Tag war Mauro Prosperi so am Boden zerstört, dass er sich bereits umbringen wollte, um einen gnädigeren Tod zu finden als das qualvolle Verdursten. Er fand eine verlassene Ruine, wo er sich die Pulsadern aufschneiden wollte. Nachdem er eine Abschiedsbotschaft an seine Familie verfasst hatte, holte er sein Messer aus dem Rucksack und legte sich zum Sterben in den Wüstensand. Am nächsten Morgen erwachte Mauro Prosperi überraschenderweise wieder, denn der Selbstmordversuch war gescheitert. Das Blut in seinem Körper war aufgrund des Wassermangels so zähflüssig und dick geworden, dass sich die Schnitte wieder von selbst verschlossen hatten. Mauro Prosperi war zwar nun noch schwächer als am Vortag, aber er nahm den beinharten Überlebenskampf erneut auf.

Mauro Prosperi: „„Ich sah das als Zeichen, dass ich weiterleben sollte““

Mauro Prosperi beschloss, jede noch so kleine Chance zu nutzen, um am Leben zu bleiben. Noch in der Ruine erlegte er zwei Fledermäuse und saugte das Blut aus ihnen aus. Andere Tiere wie Schlangen, Insekten oder Eidechsen aß er roh, um seinem Körper wieder Energie zuzuführen. Mauro Prosperi verbrannte seinen Schlafsack, um den Rettungskräften mit dem aufsteigenden Rauch ein Lebenszeichen von ihm zu geben. Er kaute Wurzeln und Blätter und trank weiterhin seinen eigenen Urin. Tagsüber versteckte er sich hinter den Dünen, um sich vor der Sonne zu schützen. Als die Temperaturen in der Nacht abkühlten, machte er sich wieder auf den Weg.

Ständig führte er innere Dialoge mit seiner Familie, um mit dieser Extremsituation irgendwie fertig zu werden. Während sein Körper durchgehend erledigt war, hielten ihn seine kraftvollen Gedanken noch am Leben. Nach neun Tagen in der glutheißen Wüstenhölle stieß der halbtote Mauro Prosperi zufällig auf eine Nomadensiedlung, wo sie ihm im letzten Moment das Leben retteten. Er hatte fast 20 kg an Körpergewicht verloren und befand sich etwa 200 Kilometer von der ursprünglichen Laufstrecke entfernt.

Da die Behörden Mauro Prosperi bereits für tot erklärt hatten, war die Rettung eine echte Sensation. Sein unglaublicher Überlebenswille machte ihn in seiner Heimat zu einem echten Helden. Es zeigte, zu welchen Leistungen ein Mensch fähig war und welche Belastungen er wirklich meistern konnte. Mauro Prosperi brauchte ein ganzes Jahr, um sich wieder von dieser Tortur zu erholen. Aber er war geistig so gefestigt, dass er sich in späterer Folge wieder für diesen Wüstenlauf anmeldete und ihn tatsächlich beenden konnte.

Mauro Prosperi: „“Die Wüste ist ein Traum. Sie bedeutet Unendlichkeit für mich““

Francis Ouimet – Ein armer Amateur wird zum Helden des Golfsports

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Francis Ouimet wurde am 08. Mai 1893 in Massachusetts (USA) geboren und wuchs in armen Verhältnissen auf. Da sich das Wohnhaus der Familie in der Nähe eines großen Golfclubs befand, war Francis Ouimet schon als Kind begeistert von den Golfspielern. Frühmorgens oder abends schlich er sich deshalb unbemerkt aus dem Haus, um auf dem Golfplatz nicht eingesammelte Golfbälle zu suchen. Mit einem minderwertigen und gebrauchten Schläger übte er dann stundenlang, um heimlich seiner großen Leidenschaft nachzugehen. Da zu dieser Zeit Golf jedoch nur einer elitären und vermögenden Bevölkerungsschicht zugänglich war, hatte Francis Ouimet keine Chance, sich jemals eine offizielle Mitgliedschaft leisten zu können.

Foto von Bain News Service

Im Alter von 11 Jahren schaffte es Francis Ouimet, einen Job als Caddie in dem Golfclub zu ergattern. Von nun an durfte er die Schlägertaschen der Golfspieler tragen und sie direkt bei ihren Spielen beobachten. Dadurch erwarb er sich zusätzlich Wissen über das Golfen und er studierte jeden Schwung bis ins kleinste Detail. Nebenbei brachte er sich weiterhin das Golfspiel selbst bei und übte so lange, bis er die Schläge perfekt beherrschte. Es dauerte nicht lange, bis irgendwer auf den talentierten Francis Ouimet aufmerksam wurde und ihn bei seinen weiten Schlägen beobachtete. Er durfte nun immer öfters auf dem Golfplatz üben und sein Golfspiel verbessern. In der Schulzeit entwickelte er sich zu einem der besten Jugendgolfer im ganzen Land, was seinem Vater aber ein Dorn im Auge war. Er nahm Francis Ouimet von der Schule und schickte ihn arbeiten, damit er Geld für die Familie verdienen konnte.

Francis Ouimet schaffte es trotz harter Arbeit weiterhin Zeit zu finden, um Golf zu spielen. Er trainierte unermüdlich und nahm auch schon an ersten Golfturnieren teil. Als 1913 eines der größten Golfturniere der Welt, die U.S. Open, in seinem Golfclub in Massachusetts ausgetragen wurde, konnten die Veranstalter ein heimisches Talent gut gebrauchen. So durfte Francis Ouimet daran teilnehmen, auch wenn man ihm so gut wie keine Chancen einräumte. Denn hier traten die weltbesten Berufsgolfer an, welche alle dieses Turnier gewinnen wollten. Vor allem die übermächtigen Golfer aus Europa schienen unbezwingbare Konkurrenten zu sein.

Da sich Francis Ouimet keinen Caddie leisten konnte, engagierte er kurzerhand einen zehnjährigen Jungen aus der Nachbarschaft. Als die Zuschauer dieses Gespann zum ersten Mal erblickten, begannen sie zu schmunzeln. Sie hielten die Teilnahme von Francis Ouimet für wertlos, denn ein ehemaliger Caddie hatte bei diesem berühmten Turnier einfach nichts verloren. Francis Ouimet aber ignorierte die Verspottung über ihn und vertraute auf seine eigene Stärke. Gleich zu Beginn legte er deshalb los wie die Feuerwehr und befand sich nach den ersten Schlägen im absoluten Spitzenfeld. Die Anwesenden glaubten am Anfang noch an einen Zufall, als sich der talentierte Francis Ouimet jedoch am Ende des Tages immer noch mitten unter den besten Golfern der Welt befand, war die Überraschung perfekt. Menschenmassen begannen nun auf den Golfplatz zu strömen, um den bis dahin unbekannten Golfer, welcher tatsächlich aus ihren eigenen Reihen kam, anzufeuern.

Foto von Henry Leach

Die mehrfachen Golfchampions Harry Vardon und Ted Ray wollten sich aber von einem übermütigen Amateurspieler nicht einfach bloßstellen lassen. Sie legten ihr ganzes Können in die Waagschale, um den Titel für sich zu holen. Francis Ouimet zeigte jedoch keine Schwäche und spielte sich in einen regelrechten Rausch. Die Konkurrenten prallten an der mentalen Stärke von Francis Ouimet ab und verzweifelten an seinem unbekümmerten Spiel. Am 20. September 1913 war die große Sensation perfekt und Francis Ouimet gewann als erster Amateurspieler überhaupt die U.S. Open. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer um die Welt von dem ehemaligen Caddie, welcher die bekanntesten Superstars im Golf besiegen konnte.

Bis zu diesem unglaublichen Erfolg von Francis Ouimet war Golf nur reichen Menschen vorherbestimmt und es gab kaum öffentliche Kurse. Francis Ouimet veränderte dieses Bild für immer und öffnete den Golfsport auch für die breite und ärmere Masse. Aufgrund der plötzlich steigenden Nachfrage wurden in Amerika immer mehr Lehrgänge angeboten, das Golfspielen zu erlernen. Gab es in Amerika 1913 nur rund 350.000 Golfer, waren es zehn Jahre später bereits mehr als zwei Millionen Golfer.

Francis Ouimet glaubte immer an seine Stärke, obwohl er Armut und soziale Barrieren zu überwinden hatte. Aber mit seinem Mut und seiner Unerschrockenheit stieg er zu einer echten Legende im Golfsport auf und schaffte es, das Golf heute zu einem der am meisten gespielten Sportarten der Welt wurde.

Dick Fosbury –- Ein verschmähter Hochspringer revolutioniert die Leichtathletik

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Dick Fosbury wurde am 6. März 1947 in Oregon (USA) geboren und kam wegen seiner Größe bereits sehr früh in Kontakt mit der Leichtathletik. Durch seine langen Beine war er sehr gut für den Hochsprung geeignet, jedoch hatte er mit seiner Koordination erhebliche Probleme. Die Trainer versuchten ihm vergeblich den „Scherensprung“ oder den „Straddle“ beizubringen, wo der Springer die Latte bäuchlings überqueren musste. Für Dick Fosbury waren diese Techniken einfach nicht zu schaffen, so sehr er sich auch bemühte. Obwohl er in seiner Schule einer der schlechtesten Hochspringer war und er für seine Trainer als hoffnungsloser Fall abgestempelt wurde, wollte er nicht aufgeben.

Dick Fosbury: „“Ich war ein unkoordinierter Athlet““

 
Dick Fosbury begann zu experimentieren, wie er die Latte am besten überqueren konnte. Er kombinierte verschiedene Stile und probierte eigene Bewegungsabläufe, welche besser zu ihm passten. Er hatte eine Intuition, dass der Sprung auch andersrum funktionieren musste und sprang bei einem Schülerturnier im Alter von 16 Jahren zum ersten Mal rücklings über die Latte. Dick Fosbury hatte das Gefühl, seinen perfekten Sprungstil gefunden zu haben und trainierte entschlossen weiter. So schaffte er es, sich Schritt für Schritt zu verbessern und immer größere Höhen zu überspringen. Doch mit dieser eigenwilligen Technik wurde Dick Fosbury nicht ernst genommen.

Dick Fosbury: „„Es war vor allem Intuition. Ein Modell, dem ich folgen konnte, hatte ich nicht““

Seine Kollegen sahen zwar seine Sprungtechnik, glaubten aber nicht daran, dass diese besser war als die bisherigen Methoden. Es gab sportwissenschaftliche Treffen, wo eifrig darüber diskutiert wurde, dass diese Technik von Dick Fosbury nicht funktionieren konnte. Der Sprung schaute nicht nur sehr sonderbar und befremdlich aus, sondern war auch irgendwie selbstmörderisch, mit dem Kopf voran über ein so hohes Hindernis zu hechten. Reporter und Journalisten belächelten Dick Fosbury nur als einen scherzhaften Zirkusartisten, welcher eine falsche Sportart gewählt hatte. Doch Dick Fosbury glaubte an seinen Sprungstil und begann ihn weiter zu perfektionieren.

 
1968 trat Dick Fosbury im Alter von 21 Jahren bei den Olympischen Spielen in Mexiko an. Über fünf Jahre hatte er in Eigenregie seinen eigenwilligen Hochsprung verbessert und wollte damit nun den Wettkampf bestreiten. Während alle anderen Athleten wie üblich vorwärts über die Latte sprangen, staunten die Zuschauer nicht schlecht, als Dick Fosbury einen ganz anderen Anlauf zu wählen schien. Mit einem bogenartigen Anlauf übersprang er scheinbar mühelos rücklings die Querlatte und stellte so alle anderen Athleten in den Schatten. Als er dann auch noch mit einer Höhe von 2,24 Meter sensationell die Goldmedaille gewann, hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Über 70.000 begeisterte Menschen feierten Dick Fosbury, weil sie Zeugen von einem echten Meilenstein in der Leichtathletik wurden. Während die Konkurrenz es nicht fassen konnte und die Weltöffentlichkeit aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam, stieg Dick Fosbury zum vielumjubelten Star dieser Olympischen Spiele auf.

Dick Fosbury stellte sich mit seiner eigenwilligen Sprungtechnik gegen alle Gesetze des Hochsprunges. Er wurde dafür viele Jahre nur ausgelacht, verhöhnt und zum Gespött der Leute. Aber er vertraute seinem inneren Gefühl, blendete alle Skeptiker aus und setzte sich seine eigenen Grenzen. So sorgte er mit seinem überraschenden Olympiasieg im Hochsprung für die größte Revolution in der Geschichte der Leichtathletik. Sein „Fosbury-Flop“ veränderte die Hochsprungtechnik für immer und wird bis heute von allen Hochspringern gesprungen.

Dick Fosbury: „„Es war ohne Zweifel meine größte sportliche Leistung““

Harry Wilson -– Mit der Wette vom Großvater zum Fußballnationalspieler

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Stundenlang schaute Peter Edwards seinem kleinen Enkel beim Spielen zu. Harry konnte zwar noch nicht laufen, jedoch krabbelte er auf dem Wohnzimmerboden unermüdlich dem Ball hinterher, so als gäbe es nichts Wichtigeres auf der Welt. Als Harry laufen lernte, mussten bereits einige Gegenstände daran glauben, weil Harry sie unabsichtlich herunterschoss. Der Großvater war trotzdem so stolz auf seinen Enkel, dass in ihm eine besondere Idee reifte. Er beschloss in ein Wettbüro zu gehen und darauf zu wetten, dass Harry eines Tages Fußballnationalspieler von Wales wird. Als Peter Edwards diese Wette mit 50 Pfund platzierte, war Harry gerade einmal knapp 2 Jahre alt. Das Wettbüro nahm den Großvater nicht ernst, stellte aber einen Wettschein mit einer Quote von 2500 zu 1 aus. Peter Edwards glaubte an seinen Plan und verwahrte den Schein sicher in einem Safe neben den anderen wichtigen Dokumenten.

Peter Edwards: „“Er jagte dem Ball auf Händen und Knien hinterher, noch bevor er laufen konnte. Dies gab mir die Idee““

Peter Edwards erzählte dem kleinen Jungen von seiner Wette, als Ansporn und als Zeichen des Vertrauens. Der Großvater war der Meinung, dass es seinen Enkel stärker machte, wenn er wusste, dass jemand an ihn glaubte. Als Harry zum ersten Mal an einem Kindertraining teilnahm, spürte man sofort seine große Leidenschaft für Fußball. Im Alter von 8 Jahren ergatterte Harry einen Platz in der anerkannten Jugendabteilung des großen FC Liverpool. Die Familie von Harry nahm nun große Mühen in Kauf, um Harry mit dem Auto zum Training zu bringen und ihn wieder abzuholen. Auch der Großvater nahm diese langen Autofahrten gerne auf sich. Er hatte das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein und er spürte, wie wichtig Liebe und Vertrauen für Harry waren.

Harry war zwar ein schüchterner Junge, aber auf dem Fußballplatz verwandelte er sich in eine selbstbewusste Persönlichkeit. Während Harry fleißig trainierte, sammelte der Großvater erste Zeitungsartikel über seinen talentierten Enkel. Der Junge entwickelte sich zu einem sehr begabten Fußballer und er gab bereits im Alter von 15 Jahren sein Debüt in der U-18 Mannschaft des FC Liverpool. Der Traum von einer großen Fußballkarriere schien sich immer mehr zu verwirklichen, als Harry tatsächlich eine Einladung zur walisischen Fußballnationalmannschaft erhielt. Der Großvater wurde darüber natürlich sofort informiert, denn über die Jahre hatte sich eine enge Bindung zum Enkelsohn entwickelt.

Am 15. Oktober 2013, an einem kalten Herbstabend, fand das WM-Qualifikationsspiel Belgien gegen Wales statt. Peter Edwards verfolgte gespannt jede Sekunde dieses Spiels, denn es war wirklich Harry, welcher auf der Ersatzbank saß, schon allein dies war eine echte Sensation gewesen. Es waren nur mehr wenige Minuten zu spielen, als dem Großvater plötzlich ein kalter Schauer über den Rücken lief. Er sah seinen Enkel am Spielfeldrand stehen, denn der Trainer wollte ihn noch einwechseln. Innerhalb weniger Sekunden erlebte der Großvater einen der größten Momente seines Lebens, als er sah, wie Harry für die Nationalmannschaft von Wales spielen durfte. Der Traum des Großvaters war tatsächlich in Erfüllung gegangen.

Harry Wilson wurde im Alter von 16 Jahren und 207 Tagen zum jüngsten walisischen Fußballnationalspieler aller Zeiten. Als er den Rasen betrat, hatte zudem der Großvater seine Wette gewonnen und war nun um 125.000 Pfund reicher, obwohl ihm dies nicht so wichtig war.

Harry Wilson wurde nicht durch die Wette seines Großvaters zu einem großen Fußballspieler. Verantwortlich dafür waren sein außergewöhnlicher Wille und seine Bereitschaft, alles dem Fußball unterzuordnen. Aber Harry konnte diese Eigenschaften nur entwickeln, weil er immer die Zuversicht und das Vertrauen seines Großvaters spürte. Mit diesem starken Rückenwind schaffte er es, alle Ängste und Zweifel zu besiegen und das notwendige Selbstvertrauen aufzubauen, um ein echter Fußballstar zu werden.

Kevin Pearce -– Ein Snowboarder schafft ein bedeutungsvolles Comeback

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Kevin Pearce wurde am 01. November 1987 in Hanover (USA) geboren und stand bereits im Alter von sechs Jahren zum ersten Mal auf einem Snowboard. Er nutzte jede freie Minute, um sich neue Tricks mit dem Snowboard beizubringen und waghalsige Sprünge zu üben. Auf selbstgebauten Schanzen trainierte er so lange, bis er seine Manöver perfekt beherrschte. Kevin Pearce ließ sich auch von den vielen Stürzen nicht unterkriegen und er stieg bald zu einem der besten Snowboarder im Freestyle auf. Bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver (Kanada) wollte er seine Karriere mit der Goldmedaille krönen und begann dafür noch härter an sich zu arbeiten.

 
Am 31. Dezember 2009, kurz vor den Olympischen Spielen, freute sich Kevin Pearce auf eine rauschende Silvesterfeier gemeinsam mit seinen Freunden. Doch zuvor wollte er noch auf einer Halfpipe trainieren, um einen tollkühnen Trick einzustudieren, womit er bei den Olympischen Spielen sehr gute Chancen auf eine Goldmedaille hatte. Mit einem mächtigen Satz sprang Kevin Pearce meterhoch über die Halfpipe hinaus in den blauen Himmel, jedoch sollte sich das Leben für ihn wenige Sekunden später für immer verändern. Die Landung endete in einem Desaster und er knallte mit dem Kopf voran auf den harten Schnee. Der 22-jährige Kevin Pearce wurde schwerverletzt mit einem Hubschrauber in das nächste Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte um das Leben des Snowboarders kämpften.

Kevin Pearce: „„Zu Beginn sah es so aus, als würde ich nicht überleben““

Kevin Pearce erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und er wurde in ein künstliches Koma versetzt. Fast vier Wochen lag er auf der Intensivstation des Krankenhauses, aus einer großen Olympiahoffnung war nun ein Pflegefall geworden. Während die anderen Snowboarder ihre Sprünge in den Schnee setzten und sich von den Zuschauern feiern ließen, war der Anblick von Kevin Pearce schockierend. Überall ragten Kabel aus seinem Körper und niemand wusste, wie schwer die Schäden in seinem Kopf waren. Kevin Pearce überlebte zwar diesen schweren Unfall, doch er hatte mit ernsthaften Folgeschäden zu kämpfen, welche für ihn zur größten Herausforderung in seinem Leben werden sollten.

 
Kevin Pearce war gezwungen, wieder ganz von vorne anzufangen. Er musste sich die einfachsten Dinge nochmals beibringen, wie zum Beispiel lernen zu sprechen oder zu laufen. Die normalsten Gehversuche scheiterten und er war ständig auf einen Rollstuhl angewiesen. Durch ein beeinträchtigtes Sehvermögen musste er zudem eine Brille tragen und Kevin Pearce musste einsehen, dass seine Genesung sehr lange Zeit in Anspruch nehmen würde. Mit Hilfe der Ärzte und seiner Familie trainierte Kevin Pearce bis zu acht Stunden am Tag, um sich Millimeter für Millimeter ins Leben zurückzukämpfen. Mit harter monatelanger Arbeit schaffte er es, sich trotz vieler Rückschläge nicht entmutigen zu lassen und langsam wieder in ein normales leben zurückzukehren. Trotz Warnungen der Ärzte begann er auch wieder Sport zu machen und nach unglaublich langer Leidenszeit vollbrachte er ein Wunder, als er mit seinem geliebten Snowboard wieder erste Schwünge in den Schnee ziehen konnte.

Kevin Pearce: „„Ich war dem Tod so nah, dass ich nun keine Angst mehr davor habe. Ich bin einfach nur froh, noch am Leben zu sein““

Das Leben als Leistungssportler war für Kevin Pearce aufgrund des großen Verletzungsrisikos für immer vorbei. Er gründete eine Stiftung für Opfer von Schädel-Hirn-Verletzungen und hielt Vorträge auf der ganzen Welt, um Menschen in schwierigen Situationen zu helfen, immer an sich zu glauben. Kevin Pearce war durch seinen Unfall eine große Karriere als Snowboardfahrer genommen worden. Trotz dieses schweren Schicksalsschlages überwand er diesen Tiefpunkt und fand seine neue Berufung darin, den Menschen neue Hoffnung zu schenken. Denn egal wie schlimm das Schicksal im Leben auch zuschlug, so wie es bei ihm geschehen war, es taten sich immer neue Wege und Chancen auf, wie man seinem Leben einen neuen Sinn geben konnte.

Kevin Pearce: „„Wenn du hinfällst, kannst du dich wieder aufrappeln. Man kann es schaffen und ein wirklich erfolgreiches, zufriedenes Leben leben. Das ist die Botschaft, die ich Leuten vermitteln will““

Patrik Baboumian -– Mit veganer Ernährung zum stärksten Mann in Deutschland

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Patrik Baboumian wurde am 01. Juli 1979 in der Stadt Abadan (Iran) geboren und verlor bereits als kleines Kind seinen Vater bei einem Autounfall. In den Nachwehen der iranischen Revolution wuchs er in einer sehr unsicheren Zeit auf und hatte mit vielen Alpträumen zu kämpfen. Aufgrund der problematischen Lebenssituation übersiedelte die Familie nach Deutschland, um sich ein neues Leben aufzubauen. Als Patrik Baboumian als Jugendlicher zum ersten Mal Wettbewerbe über Bodybuilding im Fernsehen sah, verliebte er sich sofort in diese Sportart. Im Alter von 15 Jahren begann Patrik Baboumian selbst, seine Muskeln zu trainieren und Gewichte zu stemmen. Mit großem Ehrgeiz stählte er seinen Körper und hatte bald erste Erfolge zu verzeichnen, so wurde er internationaler deutscher Meister im Junioren Bodybuilding.

Mit der Zeit merkte er aber, dass seine Ernährung nicht zu seiner Lebensweise passte. Patrik Baboumian liebte Tiere und empfand Mitleid mit ihnen, wenn sie in Not waren. So kam es vor, dass er sogar eine kleine Raupe aus dem Bus trug, damit sie nicht zerquetscht wurde. Obwohl er jeden Tag Fleisch aß, konnte er diese Unstimmigkeit in seinem Leben nicht mehr ertragen und beschloss, Vegetarier zu werden. Er verzichtete von nun an auf alle Nahrungsmittel, welche von getöteten Tieren stammten. Mit dieser Ansicht stand er im Bodybuilding aber alleine da, denn seine Konkurrenten verspotteten Patrik Baboumian für diesen Schritt. Denn ein Kraftsportler ohne kräftigende Fleischnahrung konnte einfach nicht funktionieren.

Patrik Baboumian: „„Ich will mit der Industrie, die Tiere als Ware betrachtet, nichts zu tun haben““

Patrik Baboumian blieb trotz vieler kritischer Stimmen standhaft und stellte seine Ernährung komplett um. Statt Fleisch kaufte er von nun an Tofu, Haferflocken oder Hülsenfrüchte, um seinen großen Bedarf an Eiweiß zu decken. Während seine Widersacher mit einem Leistungsabfall rechneten, passierte zur großen Verwunderung genau das Gegenteil. Patrik Baboumian legte an Kraft zu und gewann als Vegetarier zahlreiche Wettkämpfe als Kraftsportler und stellte haufenweise Rekorde auf. Bei den Strongman-Meisterschaften erwarb er sich zudem im August 2011 sensationell den Titel „Stärkster Mann Deutschlands“. Doch damit hatte Patrik Baboumian nicht genug, denn jetzt wollte er aufs Ganze gehen und sich vollständig vegan ernähren. Er wollte zusätzlich auf alle Nahrungsmittel tierischen Ursprungs verzichten, wie zum Beispiel Milch und Eier. Wieder stieß er für sein Vorhaben auf wenig Gegenliebe, doch was danach passierte, erstaunte selbst die unbelehrbarsten Experten.

Patrik Baboumian: „“Ich war etwas unsicher, ob sich meine Leistung ohne Milchprodukte als Proteinquelle halten lassen würden. Ich sollte eine große Überraschung erleben““

Nachdem Patrik Baboumian zum Veganer geworden war, fühlte er sich nach kurzer Zeit viel besser als je zuvor. Er war weniger übersäuert, erholte sich schneller von anstrengenden Trainings und hatte weniger Gelenkbeschwerden. Er steigerte nicht nur sein körperliches Wohlbefinden, sondern auch seine Leistungen als Spitzensportler. Patrik Baboumian ergatterte einen Europameistertitel und stellte einige Weltrekorde im Kraftsport auf. Die Sorge der Ärzte, dass seine Blutwerte nicht mehr passen würden, war ebenfalls unbegründet. Patrik Baboumian hatte noch nie bessere Werte vorzuweisen, obwohl er gänzlich auf Fleisch und Milch verzichtete, was von vielen Ernährungsexperten eigentlich als Grundvoraussetzung angesehen wurde.

Patrik Baboumian: „“Ich wiege so viel wie noch nie. Dabei bin ich nicht mehr so übersäuert, fühle mich einfach gut und – nicht lachen – leichter““

Patrik Baboumian stellte das typische Klischee eines Veganers vollkommen auf den Kopf. In eindrucksvoller Manier zeigte er den Menschen, dass ein Leben ohne Fleisch keinen Verzicht darstellte, sondern eine neu entdeckte Lebensfreude bedeutete. Zudem setzte er sich öffentlich für einen veganischen Lebensstil ein und stellte die industrielle Massentierhaltung und das Tierleid an den Pranger. Die Gräben zwischen den Veganern und den sogenannten „Fleischessern“ waren oft sehr tief und kaum zu überbrücken. Patrik Baboumian räumte zumindest mit dem Vorurteil auf, dass man als Veganer kraftlos durch das Leben ging. Denn er schaffte es trotz Verblüffung aller Experten, mit fleischloser Ernährung zum stärksten Mann in Deutschland zu werden.

Patrik Baboumian: „„Ich wurde am Anfang belächelt. Mittlerweile fragt sich meine fleischverzehrende Konkurrenz, ob sie etwas falsch macht. Ich würde jedem empfehlen, immer über den Tellerrand zu schauen und seine eigenen Erfahrungen zu machen““

Steven Bradbury –- Das schönste Olympia-Märchen aller Zeiten

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Der Eisschnelllauf ist eine Sportart, welche auf dem Eis und mit Schlittschuhen ausgetragen wird. Der Wettbewerb wird dadurch entschieden, welcher Sportler in den Distanzen die schnellste Zeit erringen kann. Aus diesem Eisschnelllauf bildete sich eine eigene Disziplin heraus, der Shorttrack (Kurzbahn). Der Shorttrack wird auf einer kürzeren Eisbahn ausgetragen, im Gegensatz zum Eisschnelllauf zählt hier nicht die Zeit, sondern nur die Platzierung des Läufers. Die Rennen sind aus diesem Grund sehr spektakulär, durch die engen Kurvenradien sind besonders eislauftechnische Fähigkeiten des Athleten gefragt. Bereits als Jugendlicher zählte der Australier Steven Bradbury zu den talentiertesten Läufern im Shorttrack in seinem Heimatland.

Steven Bradbury verfolgte ein großes Ziel, er wollte sich den Traum von einer olympischen Medaille als Einzelläufer unbedingt erfüllen. Während er beim Teambewerb schon einige bedeutende Erfolge feiern konnte, blieb ihm dies im Einzelwettkampf jedoch verwehrt. Bei seinem ersten Antreten bei Olympia 1992 in Albertville (Frankreich) im Alter von 18 Jahren war er nur als Reserveläufer dabei. Zwei Jahre später 1994 in Lillehammer (Norwegen) zählte er schon zum Favoritenkreis, er schied aber bereits früh aus. Nach diesen erfolglosen Spielen wollte Steven Bradbury alles dafür tun, um irgendwann eine olympische Medaille erobern zu können. Jeden Tag trainierte er wie ein Besessener und feilte an seinem Lauf, um seine Technik zu verbessern. Er war in bester körperlicher Verfassung, als ein folgenschwerer Unfall passierte.

Bei einem Rennen kam es zu einer Kollision, er stürzte dabei und wurde durch die scharfe Kufe seines Gegners am Oberschenkel aufgeschlitzt. Das Blut floss sofort in Strömen, der schwerverletzte Steven Bradbury versuchte nur noch, gegen die Bewusstlosigkeit anzukämpfen, da er Angst hatte, vielleicht nie wieder aufzuwachen. In einer Notoperation retteten die Ärzte das Leben des Sportlers, welcher bereits vier Liter Blut verloren hatte. Sein Oberschenkelmuskel war aber komplett zerstört und jegliche Muskelstränge abgerissen. Die Wunde wurde mit über 100 Stichen mühsam wieder zusammengenäht.

Steven Bradbury: „“Zum Glück war die medizinische Versorgung perfekt. Sonst hätte ich nicht überlebt““

Steven Bradbury musste eine aufwendige Rehabilitation über sich ergehen lassen. Mehrere Wochen konnte er seinen Fuß überhaupt nicht belasten, sein guter körperlicher Zustand war wie weggeblasen. Mit eiserner Disziplin kämpfte er sich jedoch wieder zurück und baute sich Muskel für Muskel durch hartes Training wieder auf. Mit einer unfassbaren Kraftanstrengung schaffte es Steven Bradbury nach über 18 Monaten Leidenszeit, wieder fast zu alter Stärke zurückzufinden und bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano (Japan) teilzunehmen. Hier blieb er jedoch wieder ohne Spitzenplatz, da er mit seinen Konkurrenten in körperlicher Hinsicht aufgrund seiner Verletzung noch nicht mithalten konnte. Kurze Zeit später folgte aber der nächste schwere Schicksalsschlag für Steven Bradbury.

Nach einem Zusammenstoß mit einem anderen Läufer kam Steven Bradbury zu Sturz und er krachte mit voller Wucht mit dem Kopf voran in die Bande. Er brach sich dabei den 4. und 5. Halswirbel und kam nur mit viel Glück am Rollstuhl vorbei. Zur Stabilisierung seines Rückens wurden ihm Stifte, Schrauben und Platten eingesetzt und die Ärzte gaben ihm sofort den Rat, seine Sportkarriere für immer zu beenden. Aber Steven Bradbury hatte eine große Willensstärke und ließ sich auch von dieser schweren Verletzung nicht unterkriegen. Mit einem außergewöhnlichen Kampfgeist konnte er seinen Körper abermals in Form zu bringen. Er vollbrachte ein echtes Wunder, denn er schaffte es wieder, sich 2002 für die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City (USA) zu qualifizieren. Es war seine vielleicht letzte Chance auf eine olympische Medaille.

Als Außenseiter war Steven Bradbury seinen Konkurrenten jedoch klar unterlegen. Bei seinem Viertelfinallauf war er als Dritter eigentlich schon ausgeschieden, kam jedoch weiter, weil der Läufer vor ihm disqualifiziert wurde. Im Halbfinale lag er bereits an letzter Stelle, als vor ihm Athleten stürzten und er als Zweiter mit viel Mühe ins große Finale einziehen konnte. Im Finale wurden Steven Bradbury überhaupt keine Medaillenchancen eingeräumt, und die Experten schienen Recht zu behalten. Alle vier Konkurrenten lagen bereits weit vor Steven Bradbury, welcher weit abgeschlagen an letzter Stelle lag. Die allerletzte Runde war bereits angebrochen und Steven Bradbury gab sein Bestes, aber seine Rivalen waren einfach zu stark und bereits weit voraus. Für kurze Augenblicke dachte er noch an seine schweren Verletzungen, welche ihm höchstwahrscheinlich eine olympische Medaille in seinem Leben gekostet hatten.

In der letzten Kurve vor dem Ziel passiert jedoch das Unvorstellbare. Ein Läufer aus der Spitzengruppe kam ins Stolpern und riss alle Fahrer einschließlich des Führenden zu Boden. Vier Läufer lagen nun auf dem Eis, jetzt war nur mehr ein Läufer auf den Beinen. Steven Bradbury brauste von hinten heran, überholte die Gestürzten und fuhr als Erster über die Ziellinie. Die Sensation war perfekt, er hatte sich soeben seinen großen Traum erfüllt und tatsächlich die olympische Goldmedaille errungen. Er ging damit in die Geschichte ein als überraschendster Olympiasieger aller Zeiten und erlangte weltweite Berühmtheit.

–> Das Finale mit Steven Bradbury (Quelle: Youtube)

Es gab jedoch auch einige kritische Stimmen zu seiner mit Glück gewonnenen Goldmedaille. Aber Steven Bradbury hatte sie sich wahrhaftig verdient, denn lange Zeit hatte ihm das Schicksal übel mitgespielt. Er gab trotz seiner schweren Verletzungen nie auf, und obwohl andere Läufer mehr Talent hatten als er, verlor er nie seine positive Einstellung. Steven Bradbury wurde durch sein großes Kämpferherz in Australien zum Nationalhelden und löste einen wahren Boom im Wintersport aus. Er wurde zum Vorbild für viele Sportler, immer an sich zu glauben, auch wenn die Situation noch so aussichtslos erschien.

Bis heute gibt es in Australien die Redewendung „doing a Bradbury“ („einen Bradbury machen“). Dies soll bedeuten, niemals aufzugeben, und sich als Außenseiter gegen vermeintlich Stärkere durchzusetzen.

Steven Bradbury: „„Ich war mir nicht sicher, ob ich Gold überhaupt verdiene. Nach einigen Minuten war mir klar, ich verdiene sie. Nicht für die 90 Sekunden des Finales. Aber für die 12 Jahre auf dem Weg zu diesem Tag““

Bobby Charlton -– Wie die Flugzeugkatastrophe Manchester United zerstörte

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Manchester United (England) zählte 1958 zu den besten Fußballteams in Europa. Die Mannschaft bestand überwiegend aus jungen und talentierten Spielern aus der Umgebung oder aus dem eigenen Nachwuchs. Der damalige Trainer Matt Busby formte eine Truppe, welche nicht nur sehr erfolgreich war, sondern auch einen sehr attraktiven und ansehnlichen Fußball spielte. Ganz England schwärmte von diesem Team, welches in den vorangegangenen Jahren immer überlegen die englische Meisterschaft gewinnen konnte. Eines der größten Talente in dieser Mannschaft war Bobby Charlton.

Manchester United war auch erfolgreich im Europapokal vertreten und galt als einer der Favoriten in diesem Bewerb. Im Viertelfinale schaffte man dank Bobby Charlton, welcher zwei Tore beisteuerte, den Aufstieg gegen den ehemaligen jugoslawischen Verein Roter Stern Belgrad. Auf dem Rückflug von Belgrad musste man einen planmäßigen Zwischenstopp in München einlegen, um das Flugzeug auftanken zu können. Im Flieger befand sich die komplette Fußballmannschaft von Manchester United, ein paar Fans, Journalisten und das Begleitpersonal. Es gab bereits einige Probleme und Verzögerungen durch das Winterwetter, wodurch eine leichte Unruhe entstand. Die beiden Spieler Tommy Taylor und David Pegg tauschten kurz vor dem Start mit Bobby Charlton und einem anderen Spieler die Plätze, da man glaubte, im hinteren Teil des Flugzeuges einen sichereren Platz zu haben. Es war der 06. Februar 1958, als unter starkem Schneetreiben das Unfassbare geschah.

Der Pilot lenkte das Flugzeug auf die Startbahn und beschleunigte routinemäßig. Aber plötzlich fiel die Geschwindigkeit des Flugzeuges, durch die zu geringe Geschwindigkeit konnte das Flugzeug nicht mehr abheben. Der Flieger durchbrach daraufhin am Ende der Startbahn die Zaunbegrenzung und prallte gegen ein nahestehendes Haus. In der Folge wurde das Flugzeug auseinandergerissen, da ein Teil auf eine Garage stieß, wo Benzin gelagert war, folgte schlagartig eine gewaltige Explosion. Bobby Charlton wurde festgeschnallt mit seinem gesamten Sitz aus dem Flugzeug geschleudert und wurde bewusstlos.

Bobby Charlton: „“Es herrschte Stille an Bord. Als wir durch den Zaun brachen, konnte ich nicht einmal den Ansatz eines Schreies hören““

Bobby Charlton überlebte diesen schrecklichen Unfall mit einer Platzwunde am Kopf und einem schweren Schock. Als er aber im Krankenhaus nach seinen Mitspielern fragte, fing sein Herz zu bluten an. Sieben Mitspieler von ihm waren tot, ebenfalls die zwei Spieler, mit denen Bobby Charlton kurz zuvor noch die Plätze getauscht hatte. Zwei Wochen später erlag auch Duncan Edwards seinen schweren Verletzungen, welcher damals als Jahrhunderttalent in England angesehen wurde. Insgesamt forderte das Unglück 23 Todesopfer, darunter befanden sich acht Freunde und Mannschaftskollegen von Bobby Charlton. Zwei weitere Teamkollegen mussten ihre Karriere nach dieser Katastrophe vorzeitig beenden. Innerhalb weniger Augenblicke wurde die junge und hoffnungsvolle Fußballmannschaft von Manchester United für immer auseinandergerissen.

Bobby Charlton: „“Ich dachte, warum ich? Warum ist mir nichts passiert während all meine Freunde getötet wurden?“

Als Unglücksursache wurde der Schneematsch auf der Startbahn ausgemacht, wodurch das Flugzeug langsamer wurde und nicht mehr abheben konnte. Irgendwie musste es nun aber weitergehen für Manchester United, aber der Schock saß nach wie vor sehr tief. Die Saison wurde mit Ersatz- und Jugendspielern zu Ende gespielt, die Meisterschaft war aber verloren, da man wie erwartet die meisten Spiele nicht gewinnen konnte. Der wiedergenesene Trainer Matt Busby, der den Unfall schwer verletzt überlebte, sollte nun wieder eine vollkommen neue Mannschaft aufbauen, gemeinsam mit dem letzten großen Hoffnungsträger, Bobby Charlton. Bobby Charlton war zu diesem Zeitpunkt erst 20 Jahre alt und musste nun trotz des tragischen Vorfalles eine enorme Verantwortung übernehmen. Er beschloss, weiter Fußball zu spielen, denn seine verstorbenen Freunde hätten dies sicher genauso gewollt.

Bobby Charlton: „„Wir durften nicht aufgeben. Das waren wir unseren toten Kameraden schuldig““

Es dauerte mehrere Jahre, bis Manchester United wieder eine schlagkräftige Mannschaft zur Verfügung hatte. Es wurden wieder Meisterschaften gewonnen und genau 10 Jahre nach der Flugzeugkatastrophe errang Manchester United den Europapokal. Angeführt von einem überragend spielenden Bobby Charlton erholte sich nicht nur Manchester United, sondern auch die englische Nationalmannschaft. Im Jahr 1966 gewann England mit Bobby Charlton sensationell die Weltmeisterschaft im eigenen Land. Bobby Charlton wurde noch im selben Jahr zu „Englands Fußballer des Jahres“ und zu „Europas Fußballer des Jahres“ gewählt.

Nach seiner außergewöhnlichen Karriere wurde Bobby Charlton von der britischen Königin zum Ritter geschlagen und durfte sich von nun an „Sir“ nennen. Nachträglich wurde er in die englische Football Hall of Fame aufgenommen.

Bobby Charlton vergaß aber nie seine toten Freunde, welche bei dem Flugzeugunglück ums Leben kamen. Er ehrte sie, indem er nach diesem tragischen Zwischenfall unter schwierigsten Bedingungen weiterkämpfte und eine beeindruckende Karriere im Fußball hinlegte. Seine verstorbenen Kameraden hatten diese Chance nie bekommen.

Bobby Charlton: „„Ich fühle mich schuldig. Ich denke jeden Tag meines Lebens daran““

Michael Edwards –- Der erste Skispringer aus England

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Michael Edwards wurde am 05. Dezember 1963 in Cheltenham (Stadt in England) geboren und hatte schon sehr früh den Traum, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Aber er war sportlich nicht sehr begabt und hatte kein wirkliches Talent für eine bestimmte Sportart. Dies änderte sich, als er bei einem Schulausflug auf einem Hügel das Skifahren lernte. Er trainierte von nun an jede freie Minute, nebenbei absolvierte er erfolgreich seine Ausbildung zum Maurer. Eines Tages sah er aber zufällig bei einer Fernsehübertragung einen Skisprungbewerb. Michael Edwards war so begeistert von den tollkühnen Skispringern, dass er sofort beschloss, ebenfalls Skispringer zu werden. Nebenbei war Skispringen auch noch ein olympischer Bewerb, dies passte perfekt für Michael Edwards. Seine Freunde erklärten den Plan sofort für verrückt. Aber Michael Edwards glaubte daran, dass er es wirklich schaffen könnte. Noch dazu war Skispringen billiger als das normale Skifahren, denn als Maurer verdiente er nicht sehr viel.

Michael Edwards: „“Die Ausrüstung war billiger. Und von einer Schanze zu springen, war deutlich günstiger, als einen Skipass zu kaufen““

Im Alter von 23 Jahren kaufte er sich deshalb seine erste gebrauchte Skisprungausrüstung und machte erste Versuche auf nahegelegenen Hügeln. Er musste sich dabei mehrere Socken anziehen, um überhaupt in die Sprungschuhe zu passen. Die Leute wunderten sich über den seltsamen Mann, denn in Großbritannien gab es überhaupt noch keine Skispringer, und natürlich auch keine Sprungschanzen. Aber Michael Edwards wollte seinen Traum von den Olympischen Spielen verwirklichen und trainierte fleißig weiter. Nach einigen Monaten beschloss er, es auf richtigen Skisprungschanzen zu versuchen, genauso, wie er es seinerzeit im Fernsehen gesehen hatte. Er übersiedelte aus diesem Grund nach Europa, um seine Skisprungtechnik zu verbessern.

Michael Edwards hatte wenig Geld zur Verfügung. Er schlief im Auto, in einem Zelt und auch in Kuhställen, um sich Geld zu sparen. Mit der Zeit wagte er sich auf immer größere Schanzen, obwohl es ihm schwer fiel, solche großen Höhen zu überwinden. Aber er kämpfte verbissen und nahm kurze Zeit später an seinem ersten offiziellen Wettkampf teil. Die Leute staunten nicht schlecht, als Michael Edwards zum ersten Mal auftauchte. Er wog etwa 10 kg mehr als der schwerste seiner Konkurrenten und war nicht so abgemagert wie seine Kollegen. Er lachte viel, plauderte unbekümmert mit den Zuschauern und lockerte das oft verkrampfte Klima der Skispringer auf. Als Michael Edwards kurz vor seinem Sprung stand, hielten die Zuschauer den Atem an. Denn so einen verrückten Typen hatten sie noch nie gesehen und sie hofften nur, dass er seinen Sprung unbeschadet überstehen würde.

Michael Edwards: „„Ich war anders als die anderen Springer. Die waren immer ernst, ich habe ständig gelacht. Die waren ausgehungert, ich ganz gut genährt““

Jeder Sprung von Michael Edwards war mit einem erheblichen Risiko verbunden, denn er war stark weitsichtig. So musste er auch während des Sprunges starke Augengläser tragen, die permanent beschlugen. Die Konkurrenten aus dem Skisprunglager konnten es kaum fassen, auch diesmal putzte sich Michael Edwards kurz vor seinem Sprung noch seine Brille, damit er etwas sehen konnte. Trotz eingeschränkter Sicht warf er sich mutig in die Anlaufspur und raste auf die Absprungkante zu. Es war zwar ein sehr wackeliger und instabiler Sprung, aber Michael Edwards schaffte es, natürlich viele Meter hinter seinen Konkurrenten, sicher zu landen. Er belegte den mit Abstand letzten Platz, aber da er als erster Brite überhaupt bei einem Skisprungbewerb antrat, bedeutete seine geringe Weite gleichzeitig auch britischen Rekord. Und mit diesem Sprung war er der beste britische Skispringer in seinem Land und war tatsächlich für die Olympischen Spiele qualifiziert.

Michael Edwards: „„Ich hatte Angst. Jeder Sprung konnte mein letzter sein““

So durfte Michael Edwards 1988 bei den Olympischen Winterspielen in Calgary (Kanada) teilnehmen. Dort schockierte er wieder alle Verantwortlichen mit seinen wackeligen Sprüngen, aber er hatte mittlerweile eine unglaubliche Fangemeinde hinter sich, die den gelernten Maurer unterstützte. Michael Edwards belegte bei den Wettkämpfen zwar wieder nur die letzten Plätze, aber durch seinen Mut war er nun zum absoluten Publikumsliebling aufgestiegen. Unter dem Spitznahmen „Eddie the Eagle“ („Eddie der Adler“) nahm er an der Abschlussfeier teil und fast 100.000 Zuschauer begrüßten den furchtlosen Skispringer aus England so euphorisch, dass alle anderen Sportler in den Hintergrund rückten.

Michael Edwards: „“Das waren Sekunden, in denen ich ahnte, was es heißt, ein Superstar zu sein. Ich habe mich wie ein Champion gefühlt““

Michael Edwards sprang danach weiter, er schaffte es aber nicht mehr, sich für weitere Olympische Spiele zu qualifizieren. Denn nach seiner Teilnahme an den Olympischen Spielen wurden die Zugangsregeln stark verschärft, nun musste man zu den besten Sportlern seiner Sportart zählen, um sich qualifizieren zu können. Diese Regelung wurde nur aufgrund von Michael Edwards geschaffen, sie ging in die Geschichte ein als die „Eddie the Eagle Rule“.

Ein einfacher Maurer verwirklichte sich seinen Traum von den Olympischen Spielen. Obwohl Michael Edwards immer nur belächelt wurde, arbeitete er hartnäckig und zielstrebig für sein Ziel. Er schaffte es so, zu einer Legende im Skisprungsport aufzusteigen und wurde zu einem der berühmtesten Olympiateilnehmer, die Großbritannien je hervorgebracht hatte. Er war zwar alles andere als erfolgreich, aber es waren Eigenschaften wie Mut und Tapferkeit, womit er in die Herzen der Menschen springen konnte.

Michael Edwards: „“Derjenige, der sich aufrafft, egal, zu was, wird immer zu den Gewinnern zählen. Die einzigen Verlierer sind die, die aus lauter Angst davor, etwas falsch zu machen, in ihrem Sessel sitzen bleiben““