Hermann Maier – Vom Maurer zum „Herminator“

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Hermann Maier ist ein ehemaliger österreichischer Skirennläufer, dessen Geschichte durch diverse Ereignisse weltweit bekannt geworden ist. Hermann Maier wurde als 18-Jähriger Bursche aus der Flachau aus dem ÖSV-Kader (Österreichischer Skiverband) verbannt, da er für einen Top-Fahrer zu klein und zu leicht war. Er litt bereits in jungen Jahren an Wachstumsstörungen, weshalb sein Talent lange verborgen blieb.

Jeder andere hätte in dieser Situation aufgegeben, aber nicht Hermann Maier. Zunächst wurde Hermann Maurer und verdiente sich als Skilehrer etwas dazu. Durch diesen Job am Bau trainierte sich Hermann bereits eine gewisse Grundkraft an, die ihn später noch sehr helfen sollte. Er fuhr auf eigene Rechnung zu FIS und Europacuprennen. Weil das hart ermauerte Geld oft nicht für die Übernachtung im Hotel ausreichte, fuhr er mit einem ausrangierten VW-Bus zu den Rennen.

Durch seinen Ehrgeiz getrieben, begann für ihn am 6. Jänner 1996 der erste große Durchbruch. An diesem Tag nahm er als Vorläufer an einem Weltcup-Riesenslalom teil und fiel dadurch auf, dass er im Falle einer Wertung Platz zwölf belegt hätte. Die total begeisterten Trainer wurden nun auf Hermann Maier aufmerksam und so debütierte er im Alter von 23 Jahren erstmals im Weltcup. Kurz darauf gewann er seine ersten Weltcuprennen und holte sich als aufstrebender Skistar bald darauf erstmals den Gesamtweltcup.

 
Sein Antreten bei den olympischen Spielen 1998 im japanischen Nagano machten ihn auf einen Schlag weltberühmt. Im Abfahrtsrennen riskierte er zuviel, segelte nach einer Kuppe fast 50 Meter waagrecht durch die Luft, überschlug sich mehrmals, durchbrach den Fangzaun und landete außerhalb der Piste im Tiefschnee. Die Zuschauer standen unter Schock. Niemand glaubte, dass dieser Skifahrer die Strecke je wieder lebend verlassen konnte. Doch Hermann Maier stand fast unverletzt wieder auf, holte sich zwei Tage später Gold im Super-G und kurz darauf auch noch Gold im Riesenslalom. Durch diesen Jahrhundertsturz, wie er später immer wieder genannt wird, bekam Hermann Maier den Spitznamen „Herminator“. Die Bilder dieses Sturzes gingen um die Welt, und durch die anschließenden Erfolge wurde er weltberühmt.

Hermann Maier während seinem Horrorsturzes: „“Wenn ich jetzt noch Gold gewinne, bin ich unsterblich!““

In den nächsten Jahren dominierte der „Herminator“ den Weltcup fast nach belieben, gewann einen Titel nach dem anderen. Seinen Hunger nach Erfolg und seine Ausdauer trieben ihn zu Höchstleistungen. Hermann Maier fühlte sich unschlagbar, strotzte nur so vor Kraft und war in der Blüte seiner Karriere. Bis zu jenem Ereignis im Sommer 2001, der den Horrorsturz in Nagano in den Schatten stellen sollte.

Als Hermann Maier sein Konditionstraining beendet hatte, fuhr er mit seinem Motorrad nach Hause. Kurz vor seinem Heimatort kam es von ihm unverschuldet zu einem folgenschweren Unfall. Ein Wagen erfasste ihn, er flog 25 Meter durch die Luft, schlug mehrmals auf den Asphalt auf und blieb im Straßengraben liegen. Neben zahlreichen Abschürfungen und Prellungen zog er sich auch einen offenen Unterschenkelbruch im rechten Bein zu.

Hermann Maier: „„Ich bin dagelegen, habe den Fuß in der Hand gehalten. Er hat nicht dorthin geschaut, wo er hinschauen sollte. Der untere Teil des Unterschenkels ist weggehangen, dass die Jeans einen Knick gemacht hat. Ich habe alles gesehen: die Knochen, die einem entgegenstehen, der Fuß, der nur an ein paar Muskeln hängt. In dem Moment habe ich gedacht: Amputation! Dann habe ich geschaut, dass ich mich zurücklehne und Ruhe gewinne““

Die Ärzte retteten in einer mehrstündigen Operation sein Bein, es ging um Leben und Tod. Die Operation verlief erfolgreich und die drohende Amputation konnte abgewendet werden. Doch die sportliche Karriere eines großen Sportlers schien an diesem Tag zu Ende zu gehen.

Hermann Maier: „“Als sie den Verband heruntergegeben haben und ich meinen Fuß zum ersten Mal gesehen habe, war ich den Tränen nahe. Mein Unterschenkel war dicker als der Oberschenkel. Ich dachte: Der soll in einen Skischuh? Das wird nie, nie wieder was!““

 
Hermann Maier war vom 94 auf 77 Kilogramm abgemagert, sein Organismus war vollkommen geschwächt, nach dieser Operation und den vielen Medikamenten kein Wunder.

Hermann Maier: „„Mein Körper hat nicht mehr funktioniert. Er war wie tot““

Doch der Herminator ist ein Stehaufmännchen mit eisernem Willen. Schon einmal in Nagano hatte niemand mehr mit ihm gerechnet, und auch diesmal sollte es so sein. Ein Normalsterblicher wäre noch Monate nach so einem Unfall mit Krücken unterwegs. Aber durch seinen Ehrgeiz, seinem ungehörigen Siegeswillen und seinem konsequenten Training schaffte er das Wunder – 144 Tage nach der Beinahe-Amputation stand er wieder auf Skiern. Seine Trainingspläne hatte er immer eisern durchgezogen, auch wenn es bis in die Nacht dauerte, und dies machte sich bezahlt.

Hermann Maier: „„Du darfst dich nie hängen lassen! Ich habe immer nach vorne geblickt und versucht, wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Hass und Selbstmitleid habe ich sofort verdrängt. Damit hätte ich wertvolle Energie verschleudert“

Hermann Maier feierte noch zahlreiche Erfolge in seiner unglaublichen Karriere. Er wurde oft als „Außerirdischer“ bezeichnet, es war aber sein eiserner Wille, der ihn immer wieder nach vorne gebracht hatte. Hermann Maier erklärte am 13. Oktober 2009 als einer der erfolgreichsten Skifahrer der Geschichte seinen Rücktritt vom aktiven Profisport. Doch seine Leistungen, Rückschläge, Comebacks und Erfolge werden ihn für immer unvergesslich machen!

Hermann Maier: „„Es schwingt eine große Wehmut mit, ich beende eine Karriere, die ich mir als Bub nicht hätte schöner vorstellen können““

Comments

  1. Bravo, is simply excellent phrase 🙂

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