William Pratt – Das berühmteste Monster der Welt

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Zwanzig Jahre musste er sich mit Statisten- und kleineren Nebenrollen zufrieden geben. Zumeist waren es wegen seines strengen Aussehens und seiner verhärmten Gestalt Auftritte als Verbrecher gewesen, für die er nur kurzfristig engagiert wurde. William Pratt passte einfach nicht in das Anforderungsprofil von Hollywood, wo immer nur Jugend und Schönheit Vorrang hatten. Und so musste er seinen Unterhalt als Lastwagenfahrer verdienen, und nebenbei versuchte er sein Ziel, ein bekannter Schauspieler zu werden, zu verwirklichen. Doch nun schien er es geschafft zu haben, sein Traum, endlich eine bedeutende Rolle zu bekommen, hatte sich erfüllt. Wie lange hatte er darauf gewartet, dass sein schauspielerisches Talent endlich erkannt wurde. Und nun war es soweit. Die Nachricht aus dem Besetzungsbüro wurde sogar von James Whale, dem bekannten Aufnahmeleiter, persönlich unterschrieben, und sie war echt. Die Chance seines Lebens!

Die anfängliche Begeisterung verblasste aber sofort, als er das Drehbuch las. Er hatte zwar viel Spielzeit neben großen Stars, doch musste er ein stummes Monster spielen, weshalb seine Rolle als extrem unbedeutend eingestuft wurde. Seine markante Stimme würde so nie gehört werden, er hatte nur ein paar Grunzer und Knurrer beizusteuern. Und es kam noch schlimmer. Sein Kostüm war fast ein Zentner schwer und bestand aus einer fünf Pfund schweren Wirbelsäulenspange, die ihn so stark behinderte, dass niemand sein Talent, sich zu bewegen, auch nur annähernd erkennen konnte. William Pratts Hoffnung bestand nur mehr in seinem markanten Gesicht, welche den Zuschauern in Erinnerung bleiben sollte. Doch auch hier hatte der bekannte Visagist James Pierce etwas dagegen. Ein massiver Aufsatz gab seinem Schädel eine eckige Form, ein Balsamierwachs reichte bis zu seinen Augenlidern. In der Nachbehandlung wurde er mit einer speziellen grünen Blässe eingefärbt. Seine gesamten Gesichtszüge waren mit einem Schlag praktisch unkenntlich gemacht. Als abschließende Erniedrigung wurde er bei der Uraufführung nur mit „“?“ als das Monster“ im Vorspann angezeigt. Kein Mensch kannte William Pratt, doch dies sollte sich schon sehr bald ändern.

Als die Aufführung beendet war, kam die große Überraschung. Die Zuschauer waren völlig verschreckt und ängstlich. Es wurde augenblicklich klar, dass sie keine Augen für die Stars hatten, sondern dass sie völlig gebannt von dem namenlosen Monster waren. William Pratt machte aus einem sprachlosen, versteiften und unidentifizierbaren Ding eine Figur, die bis heute legendär ist. Er schaffte es durch seine Fähigkeiten eine Mischung aus Schrecken und Sympathie zu erschaffen. Doch wie ist der Name dieses Films, in dem diese unbedeutende Rolle alle völlig überwältigte? Es war Frankenstein.

William Pratt wurde von nun an von Managern und Angeboten überlagert, wer unter so einem Monsterkostüm brillieren konnte, musste offenbar wirkliches Talent besitzen. Er änderte seinen Namen als Künstler in Boris Karloff und ging als einer der größten Hollywood-Legenden in die Geschichte der Filmbranche ein. Er erhielt einige Spitznamen, wie zum Beispiel: „Karloff the Uncanny“ (Karloff der Unheimliche). William Pratt hat uns gelehrt, dass es nicht die Gelegenheit ist, die zählt, sondern das, was wir daraus machen!

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