Bill Gates und der Deal seines Lebens

Lesezeit: ca. 7 Minuten

William „Bill“ Henry Gates III wurde am 28. Oktober 1955 in Seattle, Washington (USA) geboren. Seine Eltern waren wohlhabend, der Vater war Anwalt, die Mutter war Lehrerin. In der Grundschule brillierte Bill in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften, und in sehr jungen Jahren begann er sich bereits für Wirtschaft und Politik zu interessieren. Seinem Vater gefiel diese Einstellung und prägte Bill mit seiner Erfahrung als Anwalt für Wirtschaftsrecht. Aber mit dem wachsenden Interesse am Weltgeschehen gab es bald Probleme mit dem rebellierenden Sohn und es gab oft Streitigkeiten mit den Eltern. Zwar war kein anderes Kind so intelligent wie Bill, aber er weigerte sich auch beharrlich, seinen Eltern zu gehorchen.

Bill wollte schon früh unabhängig sein und entzog sich deshalb immer mehr der Kontrolle seiner Eltern. Und so wurde er ein Fall für den Psychologen, da die ratlosen Eltern nicht mehr weiter wussten. Nach einem Jahr Therapie hatte der überforderte Psychologe nur mehr einen Rat für die Eltern: Sie sollten sich Bill lieber anpassen, denn es hatte keinen Sinn ihn kontrollieren zu wollen, denn er war nicht kontrollierbar. Die Eltern nahmen sich diesen weisen Rat zu Herzen und schickten Bill im Alter von 13 Jahren in die Lakeside Privatschule, wo er mehr Freiheiten haben sollte als in einer normalen Schule.

Dort kam er zum ersten Mal in Kontakt mit einem primitiven Computer und Bill begann, den Rechner mit Programmen zu programmieren. Von nun an war die Schule zweitrangig, denn Bill Gates hatte nun eine besondere Herausforderung gefunden. Er und sein damaliger Schulfreund Paul Allen schwänzten immer wieder den Unterricht und schlichen sich auch in der Nacht in das Schulgebäude, um heimlich Programme schreiben zu können. Bald beherrschten sie den Computer besser als die Lehrer und entwickelten erste Programmprojekte für die Schule. Obwohl sich Bill nur noch mit den Programmiersprachen beschäftigte, schaffte er den Schulabschluss aufgrund seiner Intelligenz ohne Probleme.

1973 ging Bill an die Harvard-Universität um zu studieren, verbrachte aber wieder überwiegend seine Zeit im Computerraum. Als kurze Zeit später der weltweit erste Minicomputer als Bausatz in den Handel kam, erkannte er die Chance, denn das Gerät war ohne benutzerfreundliche Oberfläche praktisch nutzlos. Um sich von nun an voll und ganz auf sein Spezialgebiet konzentrieren zu können, brach Bill das Studium ab und gründete 1975 mit seinem Schulfreund Paul Allen die Firma „Micro-Soft“ (später wurde der Bindestrich weggelassen). Erste kleine Erfolge stellten sich ein, aber Microsoft war nur eine kleine Firma unter vielen Computerfirmen, denn es gab viele verschiedene Programmiersprachen, und keine hatte sich bisher durchgesetzt. Dies sollte sich ändern, als 1981 plötzlich ein Anruf von der Firma IBM, dem damals größten Unternehmen für Großrechensysteme und Hardwareherstellung, kam.

IBM erzielte damals Milliardenumsätze mit Großrechnersystemen, die damals nur für große Unternehmen und Behörden erschwinglich waren. Da in den Jahren zuvor immer mehr Hersteller kostengünstige Kleinrechner (Personal Computer) auch für den Durchschnittsbürger herstellten, wollte man hier nicht länger nachstehen und entwickelte einen eigenen kleinen PC. Für IBM wäre es eine Kleinigkeit gewesen, ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln, aber man nahm den PC-Markt nicht wirklich ernst. Für IBM war es ein Ding der Unmöglichkeit, dass jeder Privathaushalt einen PC brauchen und auch nutzen würde, und so nahm man Kontakt mit Bill Gates auf, um an ein geeignetes Betriebssystem zu kommen.

Die Unterhändler von dem milliardenschweren Unternehmen IBM dachten, dass sie es mit einem harmlosen Computerfreak zu tun haben würden, den sie schnell und billig abspeisen konnten. Auch als sie Bill Gates zum ersten Mal sahen, hielten sie ihn durch sein Erscheinungsbild nur für einen einfachen Büroburschen. Aber was sie nicht wussten war, dass sie sich auf eine Person eingelassen hatten, die geboren war, um Macht und Profit an sich zu reißen und der die Sprache von Verträgen als Kind eines Rechtsanwaltes perfekt beherrschte. Und so wurde ein unscheinbarer Vertrag ausgehandelt, der aber aus Sicht von IBM zu einem der schwerwiegendsten Fehler der Wirtschaftsgeschichte werden sollte.

Bill Gates war ein schlauer Fuchs, denn er verkaufte IBM nicht das ganze Betriebssystem, sondern nur Lizenzen für die Nutzung. So konnte er sein Betriebssystem problemlos auch an andere PC-Hersteller verkaufen. Zusätzlich verhandelte Bill Gates eine Klausel, dass kein PC von IBM ohne Betriebssystem ausgeliefert werden durfte, und in den meisten Fällen bedeutete dies das Betriebssystem von Microsoft. Der IBM-PC wurde zur Überraschung von IBM tatsächlich ein voller Erfolg, und Microsoft verdiente mit jedem verkauften PC kräftig mit. Zahlreiche Computerhersteller entwickelten nun eigene PCs und lieferten sich mit IBM einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung. Wie wenn er es geahnt hätte, konnte dies Bill Gates nur ein müdes Lächeln abringen, denn auch die Konkurrenten von IBM setzten nun auf das Betriebssystem von Microsoft, denn durch IBM war Microsoft bereits weltweit bekannt geworden. Zu dieser Zeit hatte man nur auf ein Betriebssystem gewartet welches sich durchsetzen würde, und dies war mit Hilfe von IBM Microsoft, und die gesamten Rechte daran besaß Bill Gates.

Das erste Betriebssystem MS-DOS wurde bald durch seinen Nachfolger Windows ersetzt. 1995, als „Windows 95“ auf den Markt kam, hatte Microsoft bereits einen Marktanteil von über 90 Prozent. Und Bill Gates baute seine Dominanz geschickt aus, er entwickelte eine eigene Bürosoftware „Office“ und wurde in vielen weiteren Gebieten der Softwareherstellung tätig. Durch die marktbeherrschende Stellung von Microsoft gab es bald viele Kritiker. Sie kritisierten die monopolistische Einstellung von Bill Gates und die wettbewerbsfeindliche Unternehmensstrategie, um die Kunden an Microsoft zu binden.

Aber der Erfolg gab Bill Gates Recht. Microsoft entwickelte sich zu einem der größten und profitabelsten Unternehmen der Welt. Dies erreichte er durch seine Weitsicht in Marktfragen, sein Gespür für Technik und sein besonderes Verhandlungsgeschick. Bill Gates war beim Deal mit IBM zur richtigen Zeit am richtigen Ort und verhandelte als krasser Außenseiter einen Vertrag mit den mächtigsten Managern der Welt, der schlichtweg genial war. Vermutlich wäre Microsoft ohne diesen Deal gegenwärtig nur eine kleine Softwarefirma unter vielen Konkurrenten.

Bill Gates: „“Ich liebe meine Aufgabe, es ist ungeheuer faszinierend, immer wieder neue Lösungen für diese Welt zu finden““

Heute spricht man von der größten unternehmerischen Erfolgsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Bill Gates wurde mit 31 Jahren zum damals jüngsten Selfmade-Milliardär der Geschichte und später zum reichsten Menschen auf der Welt. Heute unterstützt er gemeinsam mit seiner Frau zahlreiche Gesundheitsprojekte in der Dritten Welt und spendet einen Großteil seines Vermögens für diese Zwecke.

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