Todeskandidat Anthony Graves -– Gerettet vor der Hinrichtung

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Im August 1992 geschah in Texas (USA) ein schreckliches Verbrechen, wo sechs Familienmitglieder, darunter vier kleine Kinder, brutal ermordet wurden. Um den Mord zu vertuschen, wurde das Haus zusätzlich in Brand gesteckt. Als Tatverdächtiger stand schnell der Vater fest, der Verbrennungen am ganzen Körper hatte. Stundenlang wurde er von der Polizei verhört und der Vater wusste, dass er schuldig war, und die Polizei wusste das auch. Um seinen Hals doch noch irgendwie aus der Schlinge zu ziehen, fiel dem Vater plötzlich der Name Anthony Graves ein, den er flüchtig kannte. Er entgegnete, dass er ihm dabei geholfen hätte, diesen schrecklichen Mord zu begehen. Der Vater glaubte mit dieser Aussage, dass er eine geringere Strafe erhalten würde, da er nun nicht mehr alleiniger Täter war. Ihm war nicht bewusst, welchen Schaden er mit dieser Falschaussage anrichten würde.

Anthony Graves: „„Als sie mich zur Polizeistation brachten, dachte ich mir, ich habe vielleicht ein Ticket wegen falsch Parkens, oder so. Ich war so naiv, ich war absolut nicht darauf vorbereitet, was dann passiert““

Der 26-jährige Anthony Graves wurde aufgrund dieser Aussage von der Polizei festgenommen und angeklagt. Anthony Graves hatte absolut nichts mit dieser grausamen Tat zu tun, zur Tatzeit befand er sich mit seiner Familie in der Wohnung seiner Mutter. Aber die Gerichtsverhandlung war alles andere als fair, Anthony Graves war ein schwarzer Mann mit begrenzten finanziellen Mitteln, und einen guten Anwalt konnte er sich nicht leisten. Da es keine wirklichen Beweise gegen ihn gab, glaubte Anthony Graves augenblicklich, dass er freigesprochen werden würde. Aber genau das Gegenteil trat ein, trotz vieler Ungereimtheiten im Prozess wurde er schuldig gesprochen und sogar zum Tode verurteilt. Und dies nur gestützt auf der Aussage des Vaters.

Anthony Graves: „„Der Richter schaute mir in die Augen und sagte mir: Der Staate Texas wird sie hinrichten. Es war der schlimmste Moment meines Lebens, sie sagten mir das vor den Augen meiner Mutter und meiner Kinder, dann brachten sie mich weg““

Anthony Graves kam in die Todeszelle, eingepfercht auf wenige Quadratmeter, nur mit einem winzigen Fenster ausgestattet. Und von da an tickte die Zeit, jeden Tag könnte er abgeholt werden, denn er wusste nicht, wann er hingerichtet werden sollte. Er hatte keine Chance mehr, doch noch seine Unschuld zu beweisen, da zur damaligen Zeit bestätigte Urteile so gut wie nie aufgehoben wurden. Und so schrieb Anthony Graves Briefe an Gegner der Todesstrafe, um hier Hilfe zu erhalten, aber sie blieben alle unerhört. Ein paar Jahre später gab es einen Hoffnungsschimmer, denn der eigentliche Täter, der Vater, sollte hingerichtet werden. Und kurz vor seinem Tod gab er der Staatsanwaltschaft bekannt, dass er vor Gericht gelogen hatte und nur er alleine der Täter war. Aber es war zu spät, Anthony Graves blieb weiter unschuldig in Haft.

Anthony Graves kämpfte weiter und gab die Hoffnung nicht auf, er schrieb ständig weiter Briefe und bat um Hilfe. Trotz der vielen Absagen fand er nach etlichen Jahren doch einige Menschen, die ebenfalls an seine Unschuld glaubten. Die Öffentlichkeit und die Presse wurden mit der Zeit auf diesen unglaublichen Fall aufmerksam, denn wie konnte ein Mann die Todesstrafe bekommen ohne einen echten Beweis? Schnell wurden Spendengelder für Anwälte gesammelt, denn Anthony Graves konnte jeden Moment hingerichtet werden. Und tatsächlich schaffte man es, das Verfahren neu aufzurollen, und Anthony Graves hatte eine neue Chance, seine Unschuld zu beweisen. Eine Richterin überarbeitete den Fall und kam schnell zu einem nicht überraschenden Urteil – Anthony Graves kam frei, aufgrund gravierender Verfahrensfehler in der Vergangenheit.

Texas ist mit Abstand der Bundesstaat der USA, in dem die meisten Hinrichtungen stattfinden. Und dies trotz einer hohen Fehlerquote, denn viele unschuldige Menschen wurden bereits wieder freigelassen. Obwohl es viele schuldige Insassen gibt, die auf ihre Todesstrafe warten, gibt es auch viele unschuldige Todeskandidaten, die noch immer zu Unrecht eingesperrt sind, meist wegen Fehlverhalten der Staatsanwaltschaft oder Diskriminierung von Randgruppen in früherer Zeit.

Wie viele Menschen in der Vergangenheit schon unschuldig getötet wurden, wird wohl nie restlos aufgeklärt werden können. Die Meinungen zu der Todesstrafe gehen in der Gesellschaft weit auseinander. Trotzdem wäre nur ein unschuldig hingerichteter Todeskandidat ein Argument, die gesamte Todesstrafe in unserer heutigen zivilisierten Welt generell abzuschaffen.

Anthony Graves: „„18 Jahre bin ich hinter einer Stahlbetonwand aufgewacht. Jetzt wache ich in einem großen Bett auf, kann einfach rausgehen und die Blumen riechen““

 

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