„Sully“ – Das Wunder vom Hudson River

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Der Flugkapitän Chesley Sullenberger startete am 15. Jänner 2009 von New York aus wie gewohnt einen routinemäßigen Inlandslinienflug. „Sully“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, startete seine Karriere bei der U.S. Air Force, war aktiver Segelflieger und ausgebildeter Verkehrsflieger. Mit über 19.000 Flugstunden war er ein sehr erfahrener Pilot gewesen, aber was sich in den folgenden Minuten abspielen sollte, war selbst für den routinierten Piloten eine absolute Horrorvorstellung.

Kurz nach dem planmäßigen Start erschütterten plötzlich dumpfe Schläge das Flugzeug und es folgte der Geruch von verbrannten Tieren. Die Maschine war mit etwa 400 Kilometer pro Stunde in einen großen Schwarm von Gänsen geflogen. Schnell fielen die Triebwerke aus, da sie das Federvieh eingesaugt hatten, und blitzartig war das etwa 70 Tonnen schwere Flugzeug nur mehr ein einfaches metallenes Segelflugzeug ohne einen Antrieb. Es gab nun keine Triebwerksgeräusche mehr und keiner im Flugzeug wusste, was nun passieren würde. Nur ein Mann durfte die Nerven jetzt nicht verlieren.

Chesley Sullenberger übernahm sofort mit der Hand das Steuer und versuchte das Flugzeug ruhig zu halten. Er nahm Kontakt zur Flugsicherung auf, um schnell einen geeigneten Lösungsansatz zu finden, denn das Flugzeug verlor immer mehr an Höhe. Eine Rückkehr zum Abflugflughafen würde zu lange dauern, aus diesem Grund schlugen die Fluglotsen eine Gleitroute zu einem in der Nähe befindlichen Regionalflughafen vor. Aber auch dieser Weg war für den Piloten keine Option mehr, da der Flieger bereits zu niedrig und viel zu langsam flog. Chesley Sullenberger wollte einen möglicherweise katastrophalen Absturz mitten im dicht besiedelten New York verhindern, und die Chancen standen gut, dass es bei dieser Route auch tatsächlich passieren würde.

Chesley Sullenberger: „„Ich musste dieses Problem lösen. Ich hatte einen Job zu erledigen““

Es gab jetzt nur mehr eine winzige Chance, das Leben der Passagiere und vieler anderer Menschen zu retten, und „Sully“ musste diese unfassbare Entscheidung als Verantwortlicher ganz alleine und nur in Bruchteilen von Sekunden treffen. In seinem letzten Funkspruch teilte er der Flugsicherung mit, dass er sich zu einer Notwasserung auf dem Hudson River entschlossen hatte. Die Gesichter der Fluglotsen wurden plötzlich kreidebleich, denn es gab nur wenige mutige Piloten, die eine solche Aktion tatsächlich wagen würden. Bei den meisten bisherigen Wasserlandungen mit Linienflugzeugen hatte kein Mensch überlebt, und alle wussten dies.

Für das Vorhaben von „Sully“ gab es keine Anleitung und auch keine Trainingssimulation, wie sich ein Flugzeug beim Aufprall tatsächlich verhielt. Chesley Sullenberger musste improvisieren und nur seinem Gefühl für die Maschine als langjähriger Pilot vertrauen. Noch nie in seinem Leben hatte er eine große Maschine so langsam fliegen müssen, denn jeder Stundenkilometer zu viel könnte das Flugzeug beim Aufprall in viele Teile zerschmettern. Die Flugbegleiter gaben den Passagieren letzte Anweisungen und begaben sich dann zitternd selbst auf ihre Plätze. Dann wurde es plötzlich still. Keine Stimmen waren mehr zu hören im Flugzeug, die Angst vor dem möglichen Tod hatte viele Passagiere unter Schock gesetzt. Das Leben von 155 Menschen lag nun in den Händen von einem einzigen Mann, dem Piloten Chesley Sullenberger.

Da tauchten auch schon die ersten Hochhäuser auf und das Flugzeug überquerte die George-Washington-Brücke. Chesley Sullenberger steuerte die Maschine mit ruhiger Hand zwischen den Hindernissen hindurch, er wusste, dass ein kleiner Fehler und eine kleine Unkonzentriertheit vielen Menschen das Leben kosten könnte. Schnell suchte er einen geeigneten Platz für die Notwasserung, denn der New Yorker Hafen war ein vielbefahrenes Gebiet. Nur sechs Minuten, nachdem das Flugzeug vom Abflugflughafen abgehoben hatte, setzte das Flugzeug bereits wieder auf dem Hudson River auf. Mit unglaublichem Gefühl schaffte es der Pilot tatsächlich, dass es eine punktgenaue Landung wurde und die Maschine nicht zerstört wurde.

Das Wunder vom Hudson River war vollbracht. Alle Passagiere überlebten die unvorhergesehene Notlandung ohne wirkliche Verletzungen. Bald waren Fähren zur Stelle, welche die Menschen, die über die Flügel ins Freie kletterten, in Sicherheit brachten. Als letzte Person verließ „Sully“ das Flugzeug, nachdem er sich vergewissert hatte, dass kein Passagier mehr in der Maschine war.

Die Notwasserung erfolgte nur weniger als 1,6 Kilometer vom berühmten Times Square entfernt und später wurde festgestellt, dass die viel befahrene George-Washington-Brücke nur mit einer Flughöhe von etwa 275 Metern überflogen wurde.

Chesley Sullenberger erhielt für seine mutige Tat eine Ehrenauszeichnung der Stadt New York, der US-Präsident bedankte sich persönlich für seinen heldenhaften Einsatz für die Menschen.

Während viele Piloten sich scheuen, eine Bruchlandung zu machen, wurde der Mut von „Sully“ belohnt. In der gefährlichsten und schwierigsten Situation in seinem Leben blieb er ruhig und traf trotz akuter Lebensgefahr in nur wenigen Sekunden die richtigen Entscheidungen. Diese Notwasserung galt als eine fliegerische Meisterleistung, denn viele Experten waren sich einig, dass ein solches Manöver zu einem der schwierigsten Dinge für Piloten in der Flugbranche zählte. Es war nur Chesley Sullenberger, seinem Mut und seinem besonderen Fluggefühl zu verdanken, dass es zu keiner schrecklichen Katastrophe kam. Wer weiß, wie ein anderer Pilot an seiner Stelle mit dieser unglaublichen Drucksituation fertig geworden wäre.

Comments

  1. Darum sollten alle zuerst Segelflieger sein!
    Leider wurden die Ausbildungsrichtlinien zugunsten
    von funktionierenden Befehlsempfängern ohne fliegerische Vorbildung abgeändert.
    Die Psychologen hatten wieder mal Ihre Finger im Spiel, die solchen Blödsinn forderten.
    Diese mutige Aktion eines Segelfliegers hat nun viele wieder wachgerüttelt!

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  2. Genau in der Zeit wollte mein Onkel dorthin.

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  3. @ msmartboy:
    Eigentlich ist es doch wichtig, dass solceh Dinge geschehen da man sieht was der Mut Einzelner eigentlich bewirken kann.
    Hut ab „Sully“ deine Tapferkeit ist bewundernswert

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  4. ..leider auch solche Dinge koennen im Leben passieren! …

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