Scott – Amundsen: Der erste Mensch am Südpol

Lesezeit: ca. 8 Minuten

Robert Scott wurde am 06. Juni 1868 in England geboren. Er war körperlich ein eher schwächliches Kind und zudem sehr zurückhaltend. Dies änderte sich, als er die Aufnahmeprüfung zur britischen Royal Navy schaffte, er wurde selbstbewusster und diente von nun an auf den verschiedensten Schiffen. Die erfolgreiche Laufbahn wurde aber abrupt unterbrochen als sein Vater starb und die Familie nun vom Einkommen von Robert Scott abhängig wurde. Da ihm die Royal Navy zu dieser Zeit kaum Aufstiegsmöglichkeiten bot, um damit mehr Geld zu verdienen, bewarb sich Robert Scott für den Posten eines Expeditionsleiters und erhielt tatsächlich bald sein erstes eigenes Kommando.

Foto von John Thomson

Die Reise ging in die Antarktis, welche sich auf der südlichen Halbkugel der Erde befand. Hier wurden wissenschaftliche und geographische Erkundungen vorgenommen und Robert Scott geriet zum ersten Mal in Kontakt mit dem rauen und eisigen Klima. Trotz der schwierigen Bedingungen war die Forschungsreise sehr erfolgreich, nach der triumphalen Rückkehr erhielt Robert Scott zahlreiche Auszeichnungen und bekam zudem die Polarmedaille in Gold verliehen. Obwohl er mit Kathleen seine große Liebe heiratete und mit ihr ein Kind bekam, keimte in ihm eine unfassbare Vorstellung auf: Robert Scott wollte als erster Mensch den Südpol erreichen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Welt bis auf den Südpol weitgehend erforscht, und dies hatte auch einen guten Grund.

Als Südpol (in der Antarktis gelegen) wird der südlichste Punkt der Erde bezeichnet. Die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa -55 °C, im Winter kann sie jedoch noch tiefer absinken. Dieser Kontinent ist beinahe vollständig bedeckt von einer dicken Schnee- und Eisschicht und sie kann eine Tiefe von über vier Kilometern erreichen. Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 250 km/h sind hier keine Seltenheit, aus diesem Grund ist das Landesinnere bis auf einige Mikroorganismen ohne Leben. Es gibt wohl kaum einen menschenfeindlicheren Ort als die Antarktis, und trotzdem wollte sich Robert Scott dieser unglaublichen Herausforderung stellen und als erster Mensch den Südpol erreichen. Als sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen waren, machte sich Robert Scott 1911 mit einem auserwählten Team auf den Weg, die gefährliche Reise unter widrigsten Bedingungen zurückzulegen.

Plötzlich erreichte ihn jedoch eine Nachricht, dass der aus Norwegen stammende Roald Amundsen ebenfalls unterwegs war, als erster Mensch den Südpol zu erreichen. Robert Scott verschwendete jedoch keinen weiteren Gedanken daran, denn er glaubte an seine gemischte Transportstrategie, die aus Motorschlitten, sibirischen Ponys und aus Hunden bestand. Die Motorschlitten gingen jedoch bald kaputt, und auch die Ponys waren völlig ungeeignet für das kalte Klima. Sie litten jämmerlich unter dem kalten Wind und sanken bei jedem Schritt in die Schneekruste ein. Die Pferde wurden mit jedem Tag schwächer, und bald musste man eines nach dem anderen mit der Pistole erlösen, weil sie überhaupt keine Kraft mehr hatten, sich fortzubewegen. Trotz dieser Erschwernisse kämpfte Robert Scott unermüdlich weiter, immer wieder wurden wie geplant Mitglieder der Expedition und auch die Hunde zurückgeschickt. Am Schluss machte sich Robert Scott mit vier Begleitern auf den Weg, die letzten Schritte ihres mühseligen Weges zum Südpol zurückzulegen, die schweren Schlitten zogen sie dabei bereits selbst. Sie hatten schon viel der geplanten Zeit verloren, aber Robert Scott war sich sicher, bald der erste Mensch auf der Welt zu sein, der den Südpol erreichen konnte. Was er jedoch dann zu sehen bekam, war der absolute Horror für den unerschrockenen Entdecker.

Foto von Henry Bowers

Als die total erschöpften Männer am Südpol ankamen, sahen sie bereits die norwegische Fahne im Wind wehen. Der ganze Aufwand war umsonst gewesen, die Qualen, die eisige Kälte und der tägliche Kampf gegen die Stürme. Der Norweger Roald Amundsen hatte einfach die bessere Strategie gewählt, er kam besser mit der Kälte zurecht und hatte die besseren Hunde für seine Expedition mitgenommen. Robert Scott und seine Begleiter standen unter Schock, sie verbrachten eine Nacht am Südpol, ohne ein Wort miteinander zu wechseln.

Tagebucheintrag Robert Scott: „“Großer Gott! Dies ist ein fürchterlicher Platz. Der Gedanke Erster zu sein trieb uns an, weckte unsere letzten Lebensgeister, brachte uns Hoffnung. Es wird eine mühselige Rückkehr““

Als sich Robert Scott und seine Begleiter auf den langen Rückweg machten, waren sie bereits sehr spät dran. Der antarktische Sommer neigte sich bereits dem Ende zu und die Temperaturen fielen. Der Schnee wurde immer härter und rauer und die Ski verloren ihre Gleitfähigkeit, somit wurden die Schlitten immer schwerer zu ziehen. Die Folter wurde immer schlimmer, die Männer hatten mit den sinkenden Temperaturen und dem stürmischen Wetter zu kämpfen. Neben Erschöpfung und Hunger stellten sich auch Erfrierungen und Schneeblindheit ein. Robert Scott hatte bereits zwei Männer unter diesen Qualen verloren, sie kämpften jetzt nur mehr zu dritt um irgendwie ihren Rückweg zu schaffen. Jedoch wurden die Nahrungsmittelvorräte immer weniger, da sie sowieso schon mit der Zeit im Verzug waren, und Schritt für Schritt wichen den tapferen Männern auch noch ihre letzten Kräfte.

Tagebucheintrag Robert Scott: „“Niemand von uns erwartete diese schrecklich tiefen Temperaturen““

Als dann noch ein schwerer Schneesturm aufkam, retteten sich die vollkommen entkräfteten Männer in das Zelt. Sie litten bereits an starken Erfrierungen und Unterernährung, die eisige Kälte hatte ihnen die letzte Energie geraubt. Obwohl das nächste Versorgungsdepot nur etwa zwei bis drei Tage Fußmarsch entfernt war, mussten sie aufgrund des starken Sturmes im Zelt bleiben. Die Nahrungsmittel gingen nun dem Ende zu und es waren auch keine Brennstoffvorräte mehr vorhanden. Die Männer wussten um ihr Schicksal, aber trotz der unmenschlichen Bedingungen kämpften die Männer irgendwie weiter und Robert Scott schrieb mit zittriger Hand bis zum Schluss in sein Tagebuch.

Tagebucheintrag Robert Scott: „“Jeden Tag waren wir bereit, uns auf den Weg zu unserem elf Meilen entfernten Depot zu machen, doch vor dem Zelt bleibt das wirbelnde Gestöber. Ich denke nicht, dass wir jetzt noch hoffen können. Wir werden es bis zum Ende durchstehen, doch wir werden natürlich schwächer, und das Ende kann nicht mehr weit sein. Es ist schade, aber ich kann jetzt nicht mehr weiter schreiben. Um Gottes Willen, kümmert euch um unsere Hinterbliebenen““

Dies war der letzte Tagebucheintrag von Robert Scott, der unerschrockene Entdecker und seine Begleiter sollten nie mehr von ihrer Reise zurückkehren. Acht Monate später fand eine Rettungsmannschaft die toten Leichen und das Tagebuch von Robert Scott. Sie lagen erfroren in ihren Schlafsäcken, nur Robert Scott hatte seinen Schlafsack geöffnet, um einen Arm um einen seiner Freunde zu legen. Über den Toten wurde eine Zeltplane gespannt und es wurde ein hoher Schneehügel darüber errichtet. Aufgrund von Schneeablagerungen ist das Grab von Robert Scott und seinen Begleitern aber bis heute verschollen. Durch die Fließbewegungen des Eises wird vermutet, dass sich das Zelt mit den Toten inzwischen etwa 30 m unter der Oberfläche befindet und etwa 30 km vom ursprünglichen Standort entfernt. Die wagemutigen Männer haben so ihre ewige Ruhestätte in der Antarktis gefunden.

Die Nachricht vom Tod von Robert Scott ging schnell um die ganze Welt und er erlangte den Status eines Nationalhelden. Zahlreiche Denkmäler und Statuen wurden ihm zu Ehren in den folgenden Jahren errichtet. Der Untergang seiner Expedition war aber auch aus falschen Entscheidungen von Robert Scott zurückzuführen. Seine Motorschlitten versagten genauso wie seine Ponys. Er kalkulierte die Nahrungsmittelvorräte zu knapp und er wählte auch die falsche Bekleidung. Er traf die Befehle weniger aus Vernunft, sondern aus seinem Glauben an den Sportsgeist und der Willenskraft eines Mannes, und dies wurde ihm schlussendlich zum Verhängnis, denn solch eine Expedition verzieh einfach keine Fehler.

Obwohl der Norweger Roald Amundsen der erste Mensch am Südpol war, wird er bis heute im selben Atemzug genannt wie Robert Scott. Diese beiden mutigen Männer waren Vorreiter für die Erforschung der Antarktis und leisteten sich beide einen heldenhaften und zugleich auch tragischen Wettlauf zum Südpol. Zu Ehren dieser beiden großen Abenteurer gibt es heute eine große Forschungsstation in der Antarktis, die den Namen „Amundsen-Scott-Südpolstation“ trägt.

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