Katherine Johnson – Wie „Computerfrauen“ den Weltraum eroberten

„Lesezeit: ca. 5 Minuten“

Katherine Johnson wurde am 26. August 1918 in einer kleinen Stadt in West Virginia (USA) geboren. Bereits in jungen Jahren zeigte sie eine hohe mathematische Begabung und war eine sehr talentierte Schülerin. Die Eltern ermöglichten ihr eine gute Ausbildung, so besuchte sie die Highschool und begann später auch am College zu studieren, wo sie vor allem an der Astronomie interessiert war. Diese schulische Bildung war zu jener Zeit keine Selbstverständlichkeit für Afroamerikaner, jedoch fand Katherine Johnson immer die richtigen Förderer.

Katherine Johnson: „Ich zählte die Teller, Messer und Gabeln, die ich abwusch. Ich zählte einfach alles, was man nur zählen konnte. Selbst die Sterne am Himmel versuchte ich zu zählen“

 

Als schwarze Frau hatte es Katherine Johnson schwer, einen für ihre Ausbildung geeigneten Job zu finden. Sie arbeitete anfangs als Lehrerin und wechselte im Alter von 35 Jahren in die Forschung der amerikanischen Luftfahrtindustrie. Hier wurden kluge Köpfe gebraucht, um wichtige und zeitaufwendige Rechenarbeiten durchzuführen. Eine Heerschar von Frauen arbeitete fieberhaft, um Flugbahnen zu kalkulieren, Messdaten zu kontrollieren oder Flugschreiber auszuwerten. Während die Männer den Ruhm in der Öffentlichkeit einheimsten und die großen und wichtigen Aufgaben übernahmen, basierte dies auf der Grundlage der weiblichen „Computerfrauen“. Obwohl diese oft nur mit Stift, Zettel und primitiven Rechenmaschinen arbeiteten.

Katherine Johnson musste wie die anderen schwarzen Mathematikerinnen ein gesondertes Büro benutzen. Wegen der praktizierten Rassentrennung in den USA durften sie weder dieselbe Toilette noch dieselben Tische in der Kantine benutzen wie ihre weißen Kollegen. Die Frauen konnten aber von anderen Abteilungen jederzeit für Rechenarbeiten ausgeliehen werden, um bei verschiedensten Projekten mitzuhelfen. So kam Katherine Johnson als Aushilfe in die Abteilung für die Flugforschung, die nur von Männern besetzt war. Hier sollte sie wieder Rechenarbeiten durchführen und ihren männlichen Kollegen unterstützen. Doch Katherine Johnson weigerte sich, immer nur als gewöhnliche Hilfskraft im Hintergrund zu agieren.

Katherine Johnson: „Meine Kolleginnen machten, was man ihnen sagte, sie stellten keine Fragen. Ich hakte nach, wollte mehr wissen“

 

Katherine Johnson stellte tiefsinnige Fragen, wollte Zusammenhänge verstehen und machte sich ihre eigenen Gedanken zu den gestellten Aufgaben. Außerdem nahm sie an Meetings teil, die bislang nur den Männern vorbehalten gewesen waren. Genervt mussten ihre männlichen Kollegen nachgeben, weil es eigentlich kein Gesetz dagegen gab, dass dies für Frauen verboten war. Aber Katherine Johnson leistete exzellente Arbeit und machte sich durch ihr analytisches Denken bald unentbehrlich. Sie schaffte es damals als einzige Frau, in eine andere Abteilung ganz aufgenommen zu werden.

In dieser Zeit nahm die Weltraumfahrt einen immer wichtigeren Platz in der Flugforschung ein. Da es hier noch keine richtigen Fachbücher gab, mussten Katherine Johnson und ihre Kollegen improvisieren und ihre rechnerischen Fähigkeiten einbringen. Als die wissenschaftlichen Abhandlungen darüber fertig waren, stand trotz einiger Widerstände auch von direkten Vorgesetzten zum ersten Mal der Name einer Frau auf einem Bericht. Katherine Johnson ermöglichte durch ihre grundlegenden Forschungen dem Astronauten Alan Shepard, den ersten bemannten Flug eines Amerikaners im Weltraum zu absolvieren (1961).

Mittlerweile übernahmen jedoch immer mehr elektronische Geräte die Rechenarbeiten, die jedoch sehr fehleranfällig waren. So wurde Katherine Johnson persönlich von dem bekannten Astronauten John Glenn gebeten, die Zahlen des Computers immer wieder zu überprüfen. Erst als Katherine Johnson die Berechnungen kontrollierte und grünes Licht gab, ging der Astronaut in die Luft – und umkreiste als erster Amerikaner überhaupt dreimal die Erde. Später war Katherine Johnson maßgeblich am Apollo-Programm beteiligt und trug entscheidend zur ersten Mondlandung bei. Als Apollo 13 aufgrund eines Unfalles unplanmäßig zur Erde zurückkehren musste, stellte Katherine Johnson die entscheidenden Berechnungen für den Rückweg an. Durch ihr Improvisationstalent konnten drei Besatzungsmitglieder gerettet werden.

Katherine Johnson griff während ihrer Arbeit oft auf ihre Intuition zurück, da vieles im Weltall noch unerprobt war. Sie spielte dadurch eine entscheidende Rolle bei der Eroberung des Weltraumes und alle Astronauten vertrauten ihrem Spürsinn. In der Vergangenheit spielten immer die Männer die wichtigsten Rollen bei der Weltraumeroberung. Doch in Wirklichkeit war es der Verdienst schlauer „Computerfrauen“ wie Katherine Johnson, welche die maßgeblichen Berechnungen für Weltraumflüge durchführten.

Katherine Johnson ging mutig ihren Weg und vertraute auf ihre Begabung. Sie war eine couragierte Vorkämpferin für alle Frauen und sprengte die Grenzen von Rasse und Geschlecht. Für ihre Leistungen als Pionierin der Raumfahrt erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und wurde im Jahr 2015 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama mit der höchsten zivilen Auszeichnung der USA geehrt. (Presidential Medal of Freedom)

Katherine Johnson: „Es gab keinen Tag, an dem ich nicht gerne zum Job fuhr“


Foto von NASA

 

Einzelnachweise (abgerufen am 20.03.2017):

1. wikipedia.org – Katherine Johnson

2. www.spiegel.de – „Rocket Girls“ der Nasa

3. www.erfolg-magazin.de – Katherine Johnson: Mathe-Genie der NASA

Die meditierenden Schüler aus Baltimore

„Lesezeit: ca. 3 Minuten“

In jeder Schule gibt es Kinder, die den Unterricht stören und Unruhe stiften. Die Strafen der Lehrer lassen nicht lange auf sich warten, sie reichen vom Nachsitzen bis hin zu zusätzlichen Hausaufgaben. Doch am Verhalten der Kinder ändert dies meistens sehr wenig, am nächsten Tag beginnt das Spiel von vorne. Die Lehrer mühen sich ab, den Unterricht so gut als möglich zu gestalten und verhaltensauffällige Schüler zu bestrafen. Sind diese Strafen wirklich sinnvoll, um das Verhalten der Schüler langfristig zu ändern? Die Lehrer an der Grundschule in Baltimore (USA) beschlossen, einen vollkommen neuen Weg zu gehen.

Zusammen mit der „Holistic Life Foundation“ wurde ein Achtsamkeitsraum in der Schule eingerichtet. Kein kaltes Klassenzimmer und keine strengen Blicke der Lehrer mehr, stattdessen ein warmer Raum mit gemütlichen Kissen. An diesem Ort der Stille brachte man den Schülern spezielle Atemübungen, Meditationsübungen und Achtsamkeitsübungen bei. Zudem wurde mit den Kindern besprochen, warum sie den Unterricht gestört hatten und was wirklich dahinter steckte. Die Auswirkungen mit dieser neuen „Bestrafung“ waren faszinierend.

Auch die verhaltensauffälligsten Kinder hatten keine Probleme mit der Meditation, sie setzten sich ruhig hin und schafften sich zu sammeln. So kamen die Kinder nicht nur zur Ruhe, sondern kontrollierten auch ihre Wut. Durch diese Meditation herrschte bald nicht nur ein besseres Klima im Klassenzimmer, sondern in der ganzen Schule. Die Kinder beteiligten sich mehr am Unterricht, waren weniger gestresst und erzielten bessere Noten.

Seit tausenden Jahren verbessert Meditation das Wohlbefinden des Menschen. Es wirkt wie eine Art Rüstung, die einen gegen aufwühlende Emotionen schützen kann. Seit der Einführung dieses Achtsamkeitsraumes sind die Schüler ausgeglichener und bringen diese Ruhe auch nach Hause zu ihren Familien.

Die Schule in Baltimore setzt mit der Einführung der Meditationsprogramme neue Maßstäbe. Sie bricht alte Bestrafungsregeln auf und geht mutig neue Wege. Denn es sind Gedanken und Emotionen, auf die wir hören sollten, um die richtigen Lösungen zu finden. Sie zu unterdrücken führt niemals zum Ziel, man sollte sie bewusst wahrnehmen. Als Belohnung gibt es nicht nur glückliche Kinder, sondern auch sehr zufriedene Lehrer.

Eine Idee, die gerne Schule machen darf!

Kirk Philips (Programmkoordinator): „Es ist unglaublich. Man kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass kleine Kinder ruhig meditieren. Aber das tun sie“

Einzelnachweise (abgerufen am 03.11.2016):

1. www.weekend.at – Schule setzt auf Meditation statt Bestrafung

2. www.miss.at – So bestraft diese Schule ihre Schüler

3. www.huffingtonpost.de – Eine Schule hat Strafen abgeschafft

Kimani Maruge –- Der älteste Grundschüler der Welt

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Im Jahr 2003 schaffte die Regierung in Kenia (Afrika) die Gebühren für die Grundschule ab, um jedem Bürger das Recht auf Schulbildung zu ermöglichen. Dies hatte einen enormen Andrang zur Folge, weil sich viele ärmere Familien die Schule bis dahin nicht leisten konnten. Unter dem großen Zustrom befand sich auch Kimani Maruge, welcher sich bereits sehr auf die beginnende Schulzeit freute. Aber er unterschied sich grundlegend von seinen vor allem jüngeren Mitschülern, denn er war bereits 84 Jahre alt.

Foto von Derlangemarkus

Kimani Maruge wuchs in den 1920er Jahren in Kenia in armen Verhältnissen auf. Als Kind hatte er nie die Möglichkeit gehabt, eine Schule zu besuchen. Im Mau-Mau-Krieg in den 1950er Jahren kämpfte er für die Unabhängigkeitsbewegung gegen die Kolonialmacht Großbritannien, wo er schlimmsten Folterungen ausgesetzt war. Als im Jahr 1963 Kenia endlich unabhängig wurde, glaubte Kimani Maruge, dass die Schulkosten nun abgeschafft werden würden. Doch sie blieben bestehen und Kimani Maruge blieb weiterhin die Schule verwehrt. Nach Jahrzehnten vergeblichen Wartens wollte Kimani Maruge das Bildungsangebot nun endlich in Anspruch nehmen und meldete sich voller Vorfreude für die erste Klasse der Grundschule an.

Kimani Maruge: „„Freiheit bedeutet, die Schule und Lernen gehen. Du bist nie zu alt zum Lernen““

Kimani Maruge wurde aber von der Schule nur weggeschickt, denn man wollte keinen 84 Jahre alten Schüler in der Klasse haben. Aber Kimani Maruge beharrte auf sein Recht, er blieb hartnäckig und wurde durch seine Zielstrebigkeit schließlich doch von der Schule aufgenommen. Sein wichtigstes Ziel war lesen und schreiben zu lernen, damit er auch endlich selbst in der Bibel lesen konnte. Kimani Maruge nutzte jede Minute und lernte so viel er konnte. In seinem Alter war das zwar nicht mehr so leicht, aber er legte eine so große Leidenschaft an den Tag, dass er sogar zum Schulsprecher gewählt wurde. Kimani Maruge war ein Vorzeigeschüler, mit Ausnahme des Sportunterrichtes, wo er aufgrund seines Alters einfach nicht mithalten konnte.

Die Geschichte von dem ältesten Schüler der Welt verbreitete sich in Windeseile und die Medien fingen an, über Kimani Maruge zu berichten. Im Jahr 2005 wurde er von den Vereinten Nationen eingeladen, um bei der Vollversammlung in New York (USA) zu sprechen. Nachdem er seine erste Reise in einem Flugzeug unbeschadet überstanden hatte, hielt er einen vielbeachteten Vortrag über die Bedeutung eines unentgeltlichen Grundschulunterrichtes. Kimani Maruge wurde in seinem Heimatland zum berühmten Botschafter für freie Bildung, jedoch brachen in seinem Land bald politische Unruhen aus und es kam zu Gewalttätigkeiten.

Kimani Maruge wurde aus seinem Haus vertrieben und er musste in ein Flüchtlingslager fliehen. Jedoch wollte er sich sein schwer erkämpftes Recht auf Bildung nicht nehmen lassen und marschierte jeden Tag vier Kilometer, um weiterhin am Schulunterricht teilnehmen zu können. Als die Lage jedoch zu gefährlich wurde, übersiedelte Kimani Maruge in ein Altenheim nach Nairobi, der Hauptstadt von Kenia. Dort angekommen meldete er sich sofort wieder in einer nahegelegenen Grundschule an, seinen langersehnten Schulabschluss schaffte er jedoch nicht mehr.

Kimani Maruge starb am 14. August 2009 an den Folgen eines Magenkrebses. Ungeachtet seiner Krebsdiagnose besuchte er noch jeden Tag die Schule, solange wie es sein gesundheitlicher Zustand noch zuließ. Obwohl er nicht seinen Schulabschluss schaffte, wurde der Name Kimani Maruge weit über die Grenzen Kenias hinaus bekannt, sogar ein Film wurde über ihn gedreht. Seine Leidenschaft für Bildung war so außergewöhnlich, dass er vielen Menschen die Bedeutung eines lebenslangen Lernens vermitteln konnte, trotz eines hohen Alters. Mit dieser Einstellung motivierte er nicht nur die Kinder für die Schule, sondern er brachte auch vielen Erwachsenen den Mut zurück, ihren Horizont zu erweitern.

Kimani Maruge: „„Für mich ist Bildung der Schlüssel zur Freiheit““

Allan Stewart -– Mit 97 Jahren zum ältesten Uni-Absolventen der Welt

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Nachdem Allan Stewart im Jahr 1936 zunächst Zahnmedizin und später Zahnchirurgie studiert hatte, praktizierte er jahrzehntelang als Zahnarzt. Nun genoss er in vollen Zügen seinen wohlverdienten Ruhestand. Er kümmerte sich um seinen Gemüsegarten, traf Freunde und betrieb Sport. Mit der Zeit fühlte er jedoch, dass er sich neuen Herausforderungen stellen wollte und beschloss, es nochmals mit einem Studium zu versuchen. So absolvierte er im Jahr 2006, über 70 Jahre nach seinem ersten Studium, erfolgreich das Studienfach Jura (Rechtswissenschaft). Allan Stewart bewältigte dies in einer Rekordzeit, aus Angst, dass er seinen Abschluss nicht mehr erleben würde.

Allan Stewart: „„Ich habe heutzutage so viel Zeit und bleibe gern geistig aktiv““

Die Dozentin Sonya Brownie von der australischen Southern Cross Universität konnte es kaum fassen, als sie auf das Anmeldeformular und das Geburtsjahr des Studenten blickte. Aber Allan Stewart wollte sich tatsächlich noch einmal weiterbilden und meldete sich für ein Studium der Gesundheitswissenschaften an. Da er schon immer sein Wissen über „gesundes Altern“ vertiefen wollte, bot sich dieses interessante Studium einfach für ihn an. Es gab aber ein fast unüberwindbares Hindernis für Allan Stewart, denn der Umgang mit einem Computer war hier Voraussetzung.

Allan Stewart musste sich einer vollkommen neuen Herausforderung stellen, er hatte überhaupt keine Ahnung von den heutigen technischen Möglichkeiten. Aber er ging sehr wissbegierig an das Thema heran und lernte Schritt für Schritt dazu. Er brachte sich bei, wie er die Arbeiten per E-Mail an die Universität schicken konnte und wie das Internet funktionierte. Da es überwiegend ein Fernstudium war, fanden auch die Prüfungen und Klausuren online statt. Mit einer unfassbaren Ausdauer und Geduld erlernte er sich mühsam alle wichtigen Grundlagen und schaffte es, über das Internet mit Dozenten und anderen Studenten zu kommunizieren oder umfassende Internet-Recherchen durchzuführen. Nach zweieinhalbjähriger Studiendauer war es schließlich vollbracht, Allan Stewart schloss als einer der ältesten Studenten der Welt im Alter von unfassbaren 97 Jahren erfolgreich sein Studium ab.

Allan Stewart: „„Es ist nie zu spät, um deinen Horizont zu erweitern und etwas zu erreichen, das die Mühe wert ist““

Allan Stewart wurde an der Universität zu einer lebenden Legende, obwohl er am Anfang nur belächelt wurde. Aber durch seinen Mut und seinen Willen, sich neuen Herausforderungen zu stellen und alles dafür zu geben, wurde er zum Vorbild für viele Studierende auf der ganzen Welt. Trotz seines hohen Alters legte er eine größere Tatkraft an den Tag als viele jüngere Studenten und zeigte, dass man durch eine positive Einstellung alles im Leben erreichen konnte. Auch im Alter von bereits 97 Jahren.

Allan Stewart: „„Ohne Ziele kann das Leben sinnlos werden, man sollte nie mit Ausreden kommen. Ich denke, was ich getan habe, war eine Ermutigung für viele Menschen““

Elizabeth Murray -– Als Obdachlose zur Absolventin der Harvard Universität

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Liz Murray wurde am 23. September 1980 in New York City (USA) geboren und wuchs im Stadtteil Bronx auf. Ihre gesamte Kindheit war geprägt von der Drogensucht ihrer Eltern, welche sich dadurch nicht um ihre Kinder kümmern konnten. Die wenigen finanziellen Mittel verwendeten die Eltern für den Kauf von Drogen, weshalb es oft nichts zum Essen gab. Wenn ab und zu doch etwas Essbares im Kühlschrank war, musste Liz Murray Besteck benutzen, welches auch ihre Eltern zur Drogenzubereitung verwendeten. In der Wohnung herrschten ekelerregende Zustände, da sich kein Elternteil um den Haushalt kümmerte. Viel wichtiger war es für sie, die wenigen Kleidungsstücke der Kinder zu versetzen, um sich wieder neue Drogen kaufen zu können. Liz Murray kämpfte um die Liebe und Zuneigung ihrer Eltern, um sie von den Suchtmitteln wegzubringen, jedoch ohne Erfolg. Trotz allem fühlte sie sich für ihre Eltern verantwortlich und sah sich als Beschützerin, damit ihnen im Drogenrausch nichts passierte, obwohl sie selbst noch ein Kind war.

Bereits im Alter von 10 Jahren nahm Liz Murray kleinere Gelegenheitsarbeiten an, um ihren Eltern auszuhelfen, doch auch dieses Geld wurde sofort für Drogen ausgegeben. Sie war so gut es ging für ihre Eltern da, nicht nur am Tag, auch oft in der Nacht. So war es kaum verwunderlich, dass sie nur selten die Schule besuchte, hier wurde sie wegen ihrer schmutzigen Kleidung auch nur gehänselt und ausgespottet. Sie verbrachte ihre Freizeit lieber auf der Straße mit anderen Gleichgesinnten, wo sie nicht ausgegrenzt wurde. Die Familie brach endgültig auseinander, als ihre Mutter zu ihrem neuen und gewaltbereiten Freund zog. Hier fühlte sie sich genauso wenig wohl wie im Erziehungsheim, welches sie durch ihre ständige Schulschwänzerei besuchen musste. Nachdem ihr Vater in ein Obdachlosenheim kam, landete Liz Murray im Alter von 15 Jahren schließlich auf der Straße. Sie schlief in Treppenhäusern oder in der U-Bahn, gelegentlich kam sie auch bei Freunden unter. Die Schule verließ sie nun endgültig.

Ohne Ausbildung und irgendeiner Unterstützung hatte sie keine Chance, aus diesem trostlosen Leben wieder auszubrechen. Der absolute Tiefpunkt kam, als sie erfuhr, dass ihre Mutter an Aids gestorben war. Dieser Todesfall rüttelte die verwahrloste Liz Murray wach, denn ihr wurde klar, dass sie nicht genauso enden wollte wie ihre Eltern. Sie hatte nur eine Option, wie sie aus diesem hoffnungslosen Milieu wieder ausbrechen konnte. Der einzige Ausweg war, wieder zur Schule zu gehen und sich so eine Perspektive im Leben aufzubauen. Bis jetzt hatte sie ihre Pläne immer wieder aufgeschoben, aber durch den Tod ihrer Mutter begriff sie, dass sie handeln musste, und das sofort.

Liz Murray: „“Es gibt kein später. Man kann etwas tun oder sein lassen, das ist alles““

Sie wandte sich an eine gemeinnützige Organisation für obdachlose Teenager und besuchte wieder die Schule. Unter extremsten Bedingungen begann sie nun, für einen erfolgreichen Schulabschluss zu kämpfen. Obwohl Liz Murray weiter obdachlos war, fand sie Wege und Möglichkeiten, um für die Schule zu lernen. So paukte sie an den unterschiedlichsten Orten, ihre Hausaufgaben erledigte sie unter anderem auch nachts in den U-Bahn-Waggons. Unterstützt von den Lehrern schaffte sie bald sehr gute Noten und das Selbstwertgefühl von Liz Murray stieg von Tag zu Tag. Die Wertschätzung in der Schule war wie ein Motivationsschub für sie, um nicht wieder aufzugeben. Sie hatte ihr Ziel nun klar vor Augen und ließ sich durch nichts mehr ablenken.

Liz Murray: „“Ich arbeitete sehr hart, wurde besser und bekam schließlich nur noch Einsen““

Liz Murray schaffte es durch eine ungeheure Kraftanstrengung, die Highschool mit besten Noten zu beenden. Daraufhin arbeitete sie unermüdlich für ihre Ziele weiter und ergatterte trotz vieler Mitbewerber ein Stipendium der New York Times und schrieb sich in Harvard ein, eine der besten und exklusivsten Eliteuniversitäten der Welt. Sie hatte nun wieder einen echten Lichtblick im Leben, doch das Studium musste sie bald wieder abbrechen. Ihr bereits sehr geschwächter Vater war wie ihre Mutter an Aids erkrankt und sie nahm eine Auszeit, um sich um ihn kümmern zu können. Ungeachtet ihrer schweren Kindheit liebte sie ihren Vater noch immer und fühlte sich verantwortlich für ihn. Nachdem ihr Vater gestorben war, ging sie wieder zurück nach Harvard und vollendete im Jahr 2009 erfolgreich ihr Studium, im Alter von 28 Jahren.

Elizabeth Murray hatte keine Aussichten auf eine hoffnungsvolle Zukunft. Als Kind von drogensüchtigen Eltern wuchs sie in einer Welt auf, welche nur von Armut und Hunger geprägt war. Ohne Beistand und Geborgenheit landete sie auf der Straße, ignoriert und ausgestoßen von der Gesellschaft. Doch sie hatte den starken Willen, ihre Leben aus eigener Kraft zu verändern und ihrem erbärmlichen Leben wieder einen Sinn zu geben. So schaffte sie es trotz vieler Schwierigkeiten und ihrer Obdachlosigkeit bis an die Harvard Universität.

Elizabeth Murray wurde zum Vorbild für die ärmeren Bevölkerungsschichten auf der ganzen Welt. Sie zeigte den Menschen, dass es keine Rolle spielte, aus welchen beschränkten Verhältnissen man stammte. Entscheidend war, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und entschlossen seinen Zielen zu folgen. Elizabeth Murray wurde eine erfolgreiche Schriftstellerin und Motivationstrainerin, in Vorträgen hilft sie nun selbst anderen Hilfesuchenden, wieder Hoffnung im Leben zu finden.

Nils Pickert -– Ein guter Vater trägt Rock

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Bosheiten, Hänseleien und Erniedrigungen gehören für viele leidgeplagte Kinder zum Alltag. Die Welt der Kinder untereinander ist oft hart und gnadenlos, schon die kleinsten Verschiedenheiten können zu Mobbing und Ausgrenzung führen. Zurück bleiben ängstliche Kinder mit einem niedrigen Selbstwertgefühl, welche sozial ausgegrenzt und mit der Zeit immer unglücklicher werden. Wie würden nun andere Kinder reagieren, wenn ein Junge plötzlich einen Rock im Kindergarten anziehen würde?

Im Alter von fünf Jahren entwickelte der Sohn von Nils Pickert eine besondere Eigenheit, denn er begann, mit Vorliebe Kleider oder Röcke zu tragen. Die anderen Kinder zeigten Unverständnis und lachten den Sohn von Nils Pickert aus. Der kleine Junge reagierte traurig auf diese Verhöhnungen und wurde schnell zum Außenseiter im Kindergarten, welcher keine Freunde hatte. Wochenlang traute er sich nicht mehr, Röcke anzuziehen, obwohl er es gerne getan hätte. Eines Tages bat der unglückliche Junge seinen Vater, Nils Pickert, um Hilfe. Während viele Eltern mit dieser Situation überfordert wären, traf Nils Pickert eine außergewöhnliche Entscheidung, um seinem Sohn zu helfen.

Nils Pickert: „“Vater sein heißt, sich in all seiner Liebe und Fehlbarkeit seinen Kindern zu erkennen zu geben, die man in die Welt gesetzt hat und die Verantwortung zu übernehmen, bis sie sie selbst tragen können““

Nils Pickert beschloss, sich ebenfalls einen langen Rock anzuziehen. Gemeinsam veranstalteten sie nun „Rocktage“, wo sie zusammen einen Rock in der Öffentlichkeit anzogen. Die Courage des Vaters wurde tatsächlich belohnt, denn die verdutzten Menschen starrten nun nur mehr den Vater im Rock an, während sein Sohn weitgehend von den Blicken verschont blieb. Auch die Verspottungen im Kindergarten hörten bald auf, denn als die anderen Kinder den Vater im Rock erblickten, kamen sie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Mit der Zeit akzeptierten sie die sogenannten „Rocktage“ des Vaters und des Sohnes und grenzten den Sohn von Nils Pickert nicht mehr aus.

Nils Pickert: „“Ich kann von einem Kind nicht das gleiche Durchsetzungsvermögen erwarten wie von einem Erwachsenen. Das Vorbild bin ich““

Die Geschichte von Nils Pickert und seinem Sohn im Rock verbreitete sich sehr schnell und hatte heftige Reaktionen zur Folge. Während viele Menschen den Vater für seine Tat unterstützten und etliche positive Zusprüche meldeten, gab es auch zahlreiche abschätzige Meinungen. Eine Welle von Hass, Beleidigung und Unverständnis überrollte Nils Pickert, welcher sehr überrascht war aufgrund des großen Interesses. Aber er hielt durch und stand weiterhin felsenfest hinter seinem Sohn.

Nils Pickert: „“Kinder sind Menschen, zu denen man die tiefste Beziehung überhaupt entwickeln kann““

Nils Pickert war mutig genug, sich einen Rock anzuziehen, um seinem Sohn zu helfen. Obwohl er wusste, dass es vielen Menschen nicht passen würde, stellte er sich gegen die stark von traditionellen Rollenklischees beeinflusste Gesellschaft, wo viele Kinder in ihrer individuellen Entwicklung eingeschränkt sind. Egal wie man zu dieser Geschichte steht, übrig geblieben ist ein glücklicher kleiner Junge, welcher seinen Vater über alles liebt und sich traut so zu sein, wie er es wirklich will.

Nils Pickert: „“Ich wollte meinem Sohn nicht sagen müssen, er dürfe keine Röcke tragen. Warum auch?““

Foto von Linda Hosek

 

Bertha Benz -– Die erste Autofahrt der Welt

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Bertha wurde am 03. Mai 1849 in Pforzheim (Deutschland) geboren und wuchs in einer wohlhabenden Familie auf. Zu dieser Zeit war es für eine Frau aber fast unmöglich, sich weiterzubilden, dies war vor allem den Männern vorbehalten. Da sie nicht studieren durften, waren Frauen schlechter ausgebildet und hatten in der Gesellschaft eine minderwertige Stellung. Sie waren überwiegend für die Familie und die Kinder zuständig, die Karriere im Berufsleben war den Männern vorherbestimmt. Auch ihr Vater war enttäuscht, dass er keinen Jungen bekommen hatte, welcher sein Geschäft weiterführen konnte, sondern nur ein „Mädchen“ erhalten zu haben. Bertha kränkte diese Denkweise und beschloss, ihren eigenen Weg zu gehen.

Bertha standen alle Möglichkeiten offen, einen adeligen Mann zu heiraten und ein Leben in Wohlstand zu haben. Doch auch hier wäre sie nur das „einfache Mädchen“ gewesen und hätte sich in einer lieblosen Beziehung unterordnen müssen. Bertha wollte davon nichts wissen und traf ihre Entscheidung, als sie zum ersten Mal dem temperamentvollen Carl Benz begegnete. Carl Benz war Maschinenbauingenieur, welcher an einem motorgetriebenen Straßenwagen arbeitete, der sich ohne Pferde fortbewegen sollte. Er erzählte ihr von einer Vision, wie er diesen speziellen Wagen bauen und konstruieren wollte. Ständig war er verschmutzt und ölverschmiert, er hatte kein Geld und konnte auch sonst einer Frau nicht viel bieten. Aber Bertha störte dies nicht, sie war fasziniert von diesem euphorischen Mann und der Leidenschaft, mit welcher er seinen Traum verwirklichen wollte.

Carl Benz und Bertha heirateten am 20. Juli 1872 und zogen in eine kleine Wohnung, welche ein Zubau an eine bescheidene Werkstätte war, wo sich die Arbeitsstätte von Carl Benz befand. Bertha ließ sich ihren Erbteil auszahlen und investierte alles in die Firma ihres Mannes, der zu dieser Zeit bereits kurz vor der Pleite stand. In den folgenden Jahren arbeitete ihr Mann jede freie Minute an seinem Motorwagen, jedoch trieb es die Familie immer wieder an den finanziellen Abgrund. Der verzweifelte Kampf von Carl Benz und seinem motorgetriebenen Straßenwagen war oft von Misserfolgen und Fehlschlägen geprägt, aber es war Bertha, die ihren Mann immer wieder aufbaute und neuen Mut zusprach, nicht aufzugeben. Während Carl Benz in seiner Werkstatt schuftete, musste Bertha ihrem Mann den Rücken freihalten.

Bertha, die bisher nur komfortablen Wohlstand gewohnt war, kümmerte sich um die Kinder und den Haushalt, ohne Hilfe von Dienstboten, und dies mit größter Sparsamkeit. Wenn Carl kein Geld für Werkzeug und Material zur Verfügung hatte, sprang Bertha mit dem wenigen Haushaltsgeld und den Erlös von den letzten Schmuckreserven ein, um ihm auszuhelfen. Gegen den Willen ihrer Eltern und der Skepsis der meisten Freunde unterstützte sie ihren Mann wo sie nur konnte. Es gab oft Hunger und Not, aber Bertha hatte einen starken Willen und hielt die Familie zusammen, auch in den schwierigsten Zeiten. Sie hatte auch technisches Verständnis und stand ihrem Mann immer zur Seite, wenn er wo nicht mehr weiter wusste.

Mit der Zeit stellten sich erste kleine Erfolge mit dem Automobil ein und das Ehepaar Benz machte heimlich die ersten kurzen Fahrten im eigenen Hof. Das primitive dreirädrige Benzinfahrzeug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 16 km/h wurde von Carl Benz nun ständig weiterentwickelt und die Reichweite wurde immer besser. Carl und Bertha Benz beschlossen, der Öffentlichkeit voller Stolz den ersten Motorwagen der Welt zu präsentieren. Die Reaktionen waren aber niederschmetternd, Carl Benz wurde für seinen komischen Wagen ausgelacht und nicht ernst genommen. Da zwischendurch immer wieder Pannen auftraten, wurde er auch von den meisten Zeitungen nur verhöhnt und verspottet. Die Behörden erteilten zudem Fahrverbote, da immer wieder Hühner unter die Räder kamen oder Pferde scheuten und Fuhrwerke umkippten, wenn das lautstarke Gefährt auftauchte. So kam es, dass kein Mensch das Automobil kaufen wollte, man ging lieber weiter zu Fuß oder benutzte wie bisher die Kutschen. Es war kaum verwunderlich, dass Carl Benz sehr niedergeschlagen und deprimiert war, so eine Reaktion hätte er sich nach seiner jahrelangen Arbeit nicht vorgestellt. Aber eine tollkühne Frau ließ sich von den negativen Meinungen nicht unterkriegen.

Am 05. August 1888 schnappte sich Bertha Benz heimlich das Automobil ihres Mannes und begab sich gemeinsam mit ihren beiden Söhnen auf eine über 100 Kilometer lange Fahrt. Carl Benz wusste nichts von dieser Aktion, denn er hätte diese gewagte Fahrt mit Sicherheit verboten. Bertha Benz wollte den Leuten beweisen, was dieser Wagen alles konnte, aber das Vorhaben war anstrengend und gefährlich. Es gab keine brauchbaren Straßen, mit den drei zierlichen Rädern ratterte man langsam vorwärts, über Stock und Stein. Da es keinen Gang für steile Berge gab, musste man absteigen und den Wagen schieben, bergab war es sehr riskant, da nur sehr einfache Bremsen vorhanden waren. Aufgetankt wurde zwischendurch mit Ligroin (Leichtbenzin), welches man sich in einer Apotheke besorgen musste, somit wurde die Apotheke zur ersten Tankstelle der Welt. Kühlwasser, welches ständig nachgefüllt werden musste, besorgte man sich von Dorfbrunnen oder aus Wirtshäusern.

Auf dem Land sorgte diese wackelige und laute Konstruktion für Angst und Schrecken. Man warf Steine auf Bertha und ihre Söhne und beschimpfte das Automobil als „Hexenkarren“. Noch nie zuvor hatten die Menschen eine so furchteinflößende Maschine gesehen. Aber Bertha Benz ließ sich von den Leuten nicht einschüchtern und machte sich tapfer weiter auf den Weg. Da sie ein gutes technisches Verständnis hatte, konnte sie kleinere Pannen gut ausmerzen. Zum Beispiel reparierte sie die Zündung mit ihrem Strumpfband, um wieder weiterfahren zu können. Bertha Benz und ihre Söhne überstanden unbeschadet und mit etwas Glück diese abenteuerliche und lange Fahrt, aber sie hatte ihren Zweck erfüllt.

Mit dieser mutigen Spritztour bewies sie nicht nur den Menschen, dass dieser Motorwagen eine große Zukunft hatte, sondern sie gab auch Carl Benz wieder neue Hoffnung, weiter an seinem Automobil zu arbeiten. Durch die Fahrt von Bertha erhielt Carl Benz kurze Zeit später den ersten Führerschein der Welt und der Siegeszug des Automobils war nun nicht mehr aufzuhalten.

Carl Benz war ein Automobilpionier und konstruierte das erste moderne Automobil der Welt. Aber ohne seine willensstarke Frau im Hintergrund hätte er seinen Traum niemals verwirklichen können. In einer Zeit, in der Frauen unterdrückt und als minderwertig angesehen wurden, stellte sich Bertha Benz gegen die Gesellschaft und ging mutig ihren eigenen Weg. Trotz vieler Enttäuschungen und Misserfolge kämpfte sie immer für ihren Mann, damit dieser den Durchbruch schaffen konnte. Als Carl Benz am absoluten Tiefpunkt angekommen war, setzte sie alles auf eine Karte, widersetzte sich dem Fahrverbot der Behörden und unternahm als „Frau“ die erste Fernfahrt überhaupt in einem Automobil. Die spätere Erfolgsgeschichte des Automobils war eine große Genugtuung für Bertha Benz, denn die couragierte Frau bewies, dass man mit Entschlossenheit und Durchhaltevermögen alles im Leben erreichen kann.

Bertha Benz starb am 05. Mai 1944 im Alter von 95 Jahren. Zu Ehren ihrer legendären Fahrt kann man heute die „Bertha Benz Memorial Route“ fahren, welche Bertha Benz damals für die erste automobile Fernfahrt wählte.

1914 – Der Weihnachtsfrieden im Ersten Weltkrieg

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Ende des Jahres 1914 hatten die sogenannten Grabenkriege im Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreicht. An der Front im Westen standen sich die Deutschen auf der einen Seite, die Belgier, Franzosen und Briten auf der anderen Seite gegenüber. Aufgrund schwerer Kämpfe hatten beide Kriegsgegner mit erheblichen Verlusten zu kämpfen, aus diesem Grund wurden schnell Gräben ausgehoben, um Kräfte zu sammeln und einen wirksamen Schutz gegen den Gegner zu haben. Die Kampfzonen waren bald in einen Stellungskrieg erstarrt und die Soldaten beider Seiten vergruben sich immer mehr in ihren kilometerlangen Schützengräben. Was die Soldaten inmitten dem ständigen Kugel- und Granatenhagel in diesen Gräben aushalten mussten, war eine schonungslose Qual.

Die Männer litten unter Platzmangel und dem immer allgegenwärtigen Ungeziefer wie Ratten oder Läusen. Dazu kamen der Dreck und der Schlamm in den Erdlöchern, die ständige Feuchtigkeit verursachte ein großes Leid. Im Sommer herrschte unerträgliche Hitze in den Gräben, im Winter hingegen eisige Kälte. Die psychische Belastung für jeden Soldaten beider Seiten war enorm, denn nur eine kleine Unaufmerksamkeit, und die feindlichen Scharfschützen waren zur Stelle und erledigten ihren Auftrag. Getötete Männer konnten oft nicht weggebracht werden und verfaulten in unmittelbarer Nähe der Gräben, was einen fürchterlichen Gestank zur Folge hatte. So vegetierten die Soldaten in diesen Schützengräben dahin und die Stimmung beider Seiten war bald am absoluten Tiefpunkt angelangt, denn die Weihnachtszeit brach an. Die Männer, die in den kalten Gräben feststeckten, dachten an ihre Frauen und Kinder und daran, dass sie nicht mit ihnen in einem warmen Zuhause ein ruhiges Weihnachtsfest feiern konnten.

Am 24. Dezember 1914 bekamen viele Soldaten Weihnachtsgeschenke aus ihrer Heimat und die Sehnsucht nach etwas Ruhe wurde immer größer. Zwischen den Kriegsgegnern wurde vereinbart, dass man die Gefallenen bergen konnte und nicht geschossen werden sollte. Nachdem die Toten weggebracht wurden, begannen die ersten verfeindeten Soldaten miteinander zu sprechen. Sie begannen sich gegenseitig schöne Weihnachten zu wünschen und kein Soldat hatte im Moment das Bedürfnis, wieder zur Waffe zu greifen. Die deutschen Soldaten stellten kleine Tannenbäume, die sie aus ihrer Heimat erhalten hatten, auf die Gräben und zündeten Kerzen an. Auf beiden Seiten fingen plötzlich Soldaten an, Weihnachtslieder zu singen und immer mehr Soldaten verließen ihre Stellungen. Was sich bald im Niemandsland (zwischen den Gräben liegendes Gelände) abspielen sollte, war unfassbar.

Die Soldaten, die wenige Stunden zuvor noch um Leben und Tod gekämpft hatten, tauschten nun Zigaretten und Essen untereinander aus. Sie machten sich Geschenke, sangen Weihnachtslieder zusammen und zeigten sich Fotos von ihren Familien. Es folgte gegenseitiges Haareschneiden und es wurde gemeinsam mit Bier angestoßen. Inmitten von Minenfeldern und Stacheldrahtzäunen wurden Fußballspiele ausgetragen und es kam zu regelrechten Verbrüderungen. Im Mittelpunkt stand nun nicht mehr der Soldat, sondern der Mensch. Trotz des schrecklichen Krieges waren die Soldaten auch nur Menschen mit den gleichen Bedürfnissen. Die meisten Vorgesetzten beider Seiten akzeptieren diesen nicht geplanten Waffenstillstand, aber nur für eine kurze Zeit. Unter Androhung von strengen Disziplinarmaßnahmen mussten sich die Soldaten bald wieder in ihren unbehaglichen Gräben verschanzen und wieder zu ihrer Waffe greifen. Anschließend folgten ein paar Schüsse in die Luft, danach war wieder Krieg.

Dieses Weihnachtsmärchen vom Weihnachtsfrieden, mitten im Ersten Weltkrieg, sollte einmalig in der Weltgeschichte bleiben. Im nächsten Jahr wurde dieser Weihnachtsfrieden unter Androhung von Kriegsgerichtsverfahren von den Befehlshabern nicht mehr geduldet. Bis heute hat dieser Waffenstillstand eine bemerkenswerte Aussagekraft, denn wenn die Menschen es wirklich wollen, hat jede Feindseligkeit einmal ein Ende.

Der Erste Weltkrieg, der bis zum Jahr 1918 dauerte, forderte rund 17 Millionen Menschenleben. Aber in Erinnerung blieb dabei ein vorübergehender Weihnachtsfrieden, in dem die erbittertsten Feinde zusammen feierten und für kurze Zeit sogar zu Freunden wurden.

Candice Swanepoel -– Vom Bauernmädchen zum internationalen Topmodel

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Candice Swanepoel wurde am 20. Oktober 1988 in der kleinen Stadt Mooi River (Südafrika) geboren. Hier wuchs sie unter einfachsten Verhältnissen auf einer Rinderfarm auf. Sie half den Eltern beim Abkalben (Geburtsvorgang beim Rind) und liebte es einfach, in der freien Natur zu sein und auch einmal im Dreck zu spielen. Aber bereits als junges Mädchen wusste sie, dass sie einmal etwas Besonderes machen wollte und nicht als Farmer, so wie ihre Eltern, arbeiten wollte. Schon in jungen Jahren entwickelte Candice Swanepoel eine besondere Leidenschaft für Schönheit und Mode und liebte es, sich stylisch zu kleiden.

Candice Swanepoel: „„Es war wundervoll dort aufzuwachsen““

In ihrer Jugend- und Schulzeit hatte sie schwierige Jahre zu überstehen. Denn weil sie so groß und dünn war und noch im Wachstum war, wirkte sie sehr ungelenkig und unbeholfen. Sie wurde aus diesem Grund in der Schule gehänselt und fühlte sich oft als Außenseiterin. Aber Candice Swanepoel wusste, dass sie einen besonderen Körper hatte, denn sie schaute sich zahlreiche Model-Shows im Fernsehen an, und alle Frauen hatten so eine Figur wie sie. Sie fühlte, dass sie das Zeug zu einem Model hätte, doch wie könnte ein einfaches Bauernmädchen, ohne irgendeine Ausbildung und abgeschieden von den internationalen Städten der Modewelt, es jemals zu einem Topmodel schaffen?

Candice Swanepoel: „„Ich sah oft den Fashion-Sender im Fernsehen. Ich sagte zu meiner Mutter, dass die Mädchen in der Schule sich über mich lustig machen, aber dass ich den Mädchen im Fernsehen ähnlich sehe““

Im Alter von 15 Jahren durchstreifte Candice Swanepoel einen Flohmarkt in Durban (Großstadt in Südafrika). Zur gleichen Zeit war zufällig ein bekannter Modelscout dort, der sofort beeindruckt war von dieser jungen Frau, als er sie zum ersten Mal erblickte. Sie hatte eine so große Ausstrahlung und Anziehungskraft, wie er es selten zuvor erlebt hatte. Er konnte nicht anders und sprach das Mädchen spontan an, ob sie nicht als Model tätig sein wollte. Candice Swanepoel konnte es kaum fassen, sollte sich ihr Traum von einer internationalen Karriere als Model tatsächlich erfüllen? Schnell wurden Fotos von ihr an internationale Model-Agenturen verschickt, die alle sofort begeistert waren von der hübschen Südafrikanerin.

 
Candice Swanepoel hatte nun eine schwere Entscheidung zu treffen, denn für ihre Model-Karriere musste sie ihre geliebte Heimat verlassen und nach Europa reisen. Sie wusste, dass sie vermutlich nur diese eine Chance im Leben bekommen würde, um als Model arbeiten zu können. Candice Swanepoel wählte einen mutigen Entschluss. Sie gab ihr idyllisches Leben auf dem Bauernhof auf und teilte ihren Eltern mit, dass sie von nun an als Model arbeiten wollte. Für sie war es ein riesiger Schritt in eine unbekannte Zukunft, denn sie musste bereits in jungen Jahren alles aufgeben, was ihr am Herzen gelegen war. Und so flog Candice Swanepoel kurze Zeit später zum ersten Mal nach London (Hauptstadt von England). Sie musste jetzt viele Sachen neu lernen, denn bis dahin kannte sie weder Flugzeuge, noch eine U-Bahn.

Candice Swanepoel: „„Ich war so aufgeregt, die Welt kennenzulernen, es war mir egal, was es mich kostete. Ich hatte mein ganzes Leben auf der Farm verbracht, doch ich wusste immer, dass es noch so viel mehr gibt, und ich wollte es sehen““

Die Welt von Candice Swanepoel sollte sich drastisch verändern, so wie sie es sich nie hätte vorstellen können. Innerhalb eines Jahres wurde sie bereits von zahlreichen Agenturen als Model gebucht und ergatterte viele Jobs. Die ersten internationalen Modelaufträge von Dolce & Gabbana und Tommy Hilfiger steigerten schnell ihre Bekanntheit und im Jahr 2005 durfte sie bereits auf der „New York Fashion Week“ laufen, welche weltweit eine der wichtigsten Veranstaltungen für Models war. Die Leute waren begeistert von der unglaublichen Ausstrahlung der jungen Frau aus Südafrika, und die Karriere von Candice Swanepoel nahm ihren Lauf.

Candice Swanepoel wurde als Engel für die “Victoria`s Secret Fashion Show“ engagiert, einer der beliebtesten Unterwäsche-Shows im amerikanischen Fernsehen. Sie stieg somit zu einer der beliebtesten und bestbezahltesten Models auf der Welt auf, denn nur die absoluten Stars unter den Topmodels durften hier arbeiten. Candice Swanepoel wurde bereits auf vielen bekannten Modemagazinen abgebildet und alle internationalen Designer weltweit wollten sie nun buchen.

Candice Swanepoel schaffte es von einem einfachen Mädchen vom Bauernhof zu einem internationalen Topmodel. Sie traf die mutige Entscheidung, ihre Familie und ihre Freunde bereits in jungen Jahren zu verlassen, um ihren Traum als Model verwirklichen zu können. Ohne irgendeine Ausbildung auf dem Laufsteg entwickelte sie sich als Model ständig weiter, sie trainierte hart und nutzte so ihre Chance. Aber nicht nur wegen ihres Aussehens wurde sie gerne gebucht, sondern auch durch ihre immer gut gelaunten Auftritte. Ihre Kindheit auf dem Bauernhof begleitet sie bis heute, denn trotz ihres unglaublichen Erfolges ist sie bodenständig und bescheiden geblieben.

Candice Swanepoel: „“Wer hätte gedacht, dass ein Bauernmädchen eines Tages zu den begehrenswertesten Frauen der Welt zählen würde““

Scott – Amundsen: Der erste Mensch am Südpol

Lesezeit: ca. 8 Minuten

Robert Scott wurde am 06. Juni 1868 in England geboren. Er war körperlich ein eher schwächliches Kind und zudem sehr zurückhaltend. Dies änderte sich, als er die Aufnahmeprüfung zur britischen Royal Navy schaffte, er wurde selbstbewusster und diente von nun an auf den verschiedensten Schiffen. Die erfolgreiche Laufbahn wurde aber abrupt unterbrochen als sein Vater starb und die Familie nun vom Einkommen von Robert Scott abhängig wurde. Da ihm die Royal Navy zu dieser Zeit kaum Aufstiegsmöglichkeiten bot, um damit mehr Geld zu verdienen, bewarb sich Robert Scott für den Posten eines Expeditionsleiters und erhielt tatsächlich bald sein erstes eigenes Kommando.

Foto von John Thomson

Die Reise ging in die Antarktis, welche sich auf der südlichen Halbkugel der Erde befand. Hier wurden wissenschaftliche und geographische Erkundungen vorgenommen und Robert Scott geriet zum ersten Mal in Kontakt mit dem rauen und eisigen Klima. Trotz der schwierigen Bedingungen war die Forschungsreise sehr erfolgreich, nach der triumphalen Rückkehr erhielt Robert Scott zahlreiche Auszeichnungen und bekam zudem die Polarmedaille in Gold verliehen. Obwohl er mit Kathleen seine große Liebe heiratete und mit ihr ein Kind bekam, keimte in ihm eine unfassbare Vorstellung auf: Robert Scott wollte als erster Mensch den Südpol erreichen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Welt bis auf den Südpol weitgehend erforscht, und dies hatte auch einen guten Grund.

Als Südpol (in der Antarktis gelegen) wird der südlichste Punkt der Erde bezeichnet. Die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa -55 °C, im Winter kann sie jedoch noch tiefer absinken. Dieser Kontinent ist beinahe vollständig bedeckt von einer dicken Schnee- und Eisschicht und sie kann eine Tiefe von über vier Kilometern erreichen. Stürme mit Windgeschwindigkeiten von über 250 km/h sind hier keine Seltenheit, aus diesem Grund ist das Landesinnere bis auf einige Mikroorganismen ohne Leben. Es gibt wohl kaum einen menschenfeindlicheren Ort als die Antarktis, und trotzdem wollte sich Robert Scott dieser unglaublichen Herausforderung stellen und als erster Mensch den Südpol erreichen. Als sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen waren, machte sich Robert Scott 1911 mit einem auserwählten Team auf den Weg, die gefährliche Reise unter widrigsten Bedingungen zurückzulegen.

Plötzlich erreichte ihn jedoch eine Nachricht, dass der aus Norwegen stammende Roald Amundsen ebenfalls unterwegs war, als erster Mensch den Südpol zu erreichen. Robert Scott verschwendete jedoch keinen weiteren Gedanken daran, denn er glaubte an seine gemischte Transportstrategie, die aus Motorschlitten, sibirischen Ponys und aus Hunden bestand. Die Motorschlitten gingen jedoch bald kaputt, und auch die Ponys waren völlig ungeeignet für das kalte Klima. Sie litten jämmerlich unter dem kalten Wind und sanken bei jedem Schritt in die Schneekruste ein. Die Pferde wurden mit jedem Tag schwächer, und bald musste man eines nach dem anderen mit der Pistole erlösen, weil sie überhaupt keine Kraft mehr hatten, sich fortzubewegen. Trotz dieser Erschwernisse kämpfte Robert Scott unermüdlich weiter, immer wieder wurden wie geplant Mitglieder der Expedition und auch die Hunde zurückgeschickt. Am Schluss machte sich Robert Scott mit vier Begleitern auf den Weg, die letzten Schritte ihres mühseligen Weges zum Südpol zurückzulegen, die schweren Schlitten zogen sie dabei bereits selbst. Sie hatten schon viel der geplanten Zeit verloren, aber Robert Scott war sich sicher, bald der erste Mensch auf der Welt zu sein, der den Südpol erreichen konnte. Was er jedoch dann zu sehen bekam, war der absolute Horror für den unerschrockenen Entdecker.

Foto von Henry Bowers

Als die total erschöpften Männer am Südpol ankamen, sahen sie bereits die norwegische Fahne im Wind wehen. Der ganze Aufwand war umsonst gewesen, die Qualen, die eisige Kälte und der tägliche Kampf gegen die Stürme. Der Norweger Roald Amundsen hatte einfach die bessere Strategie gewählt, er kam besser mit der Kälte zurecht und hatte die besseren Hunde für seine Expedition mitgenommen. Robert Scott und seine Begleiter standen unter Schock, sie verbrachten eine Nacht am Südpol, ohne ein Wort miteinander zu wechseln.

Tagebucheintrag Robert Scott: „“Großer Gott! Dies ist ein fürchterlicher Platz. Der Gedanke Erster zu sein trieb uns an, weckte unsere letzten Lebensgeister, brachte uns Hoffnung. Es wird eine mühselige Rückkehr““

Als sich Robert Scott und seine Begleiter auf den langen Rückweg machten, waren sie bereits sehr spät dran. Der antarktische Sommer neigte sich bereits dem Ende zu und die Temperaturen fielen. Der Schnee wurde immer härter und rauer und die Ski verloren ihre Gleitfähigkeit, somit wurden die Schlitten immer schwerer zu ziehen. Die Folter wurde immer schlimmer, die Männer hatten mit den sinkenden Temperaturen und dem stürmischen Wetter zu kämpfen. Neben Erschöpfung und Hunger stellten sich auch Erfrierungen und Schneeblindheit ein. Robert Scott hatte bereits zwei Männer unter diesen Qualen verloren, sie kämpften jetzt nur mehr zu dritt um irgendwie ihren Rückweg zu schaffen. Jedoch wurden die Nahrungsmittelvorräte immer weniger, da sie sowieso schon mit der Zeit im Verzug waren, und Schritt für Schritt wichen den tapferen Männern auch noch ihre letzten Kräfte.

Tagebucheintrag Robert Scott: „“Niemand von uns erwartete diese schrecklich tiefen Temperaturen““

Als dann noch ein schwerer Schneesturm aufkam, retteten sich die vollkommen entkräfteten Männer in das Zelt. Sie litten bereits an starken Erfrierungen und Unterernährung, die eisige Kälte hatte ihnen die letzte Energie geraubt. Obwohl das nächste Versorgungsdepot nur etwa zwei bis drei Tage Fußmarsch entfernt war, mussten sie aufgrund des starken Sturmes im Zelt bleiben. Die Nahrungsmittel gingen nun dem Ende zu und es waren auch keine Brennstoffvorräte mehr vorhanden. Die Männer wussten um ihr Schicksal, aber trotz der unmenschlichen Bedingungen kämpften die Männer irgendwie weiter und Robert Scott schrieb mit zittriger Hand bis zum Schluss in sein Tagebuch.

Tagebucheintrag Robert Scott: „“Jeden Tag waren wir bereit, uns auf den Weg zu unserem elf Meilen entfernten Depot zu machen, doch vor dem Zelt bleibt das wirbelnde Gestöber. Ich denke nicht, dass wir jetzt noch hoffen können. Wir werden es bis zum Ende durchstehen, doch wir werden natürlich schwächer, und das Ende kann nicht mehr weit sein. Es ist schade, aber ich kann jetzt nicht mehr weiter schreiben. Um Gottes Willen, kümmert euch um unsere Hinterbliebenen““

Dies war der letzte Tagebucheintrag von Robert Scott, der unerschrockene Entdecker und seine Begleiter sollten nie mehr von ihrer Reise zurückkehren. Acht Monate später fand eine Rettungsmannschaft die toten Leichen und das Tagebuch von Robert Scott. Sie lagen erfroren in ihren Schlafsäcken, nur Robert Scott hatte seinen Schlafsack geöffnet, um einen Arm um einen seiner Freunde zu legen. Über den Toten wurde eine Zeltplane gespannt und es wurde ein hoher Schneehügel darüber errichtet. Aufgrund von Schneeablagerungen ist das Grab von Robert Scott und seinen Begleitern aber bis heute verschollen. Durch die Fließbewegungen des Eises wird vermutet, dass sich das Zelt mit den Toten inzwischen etwa 30 m unter der Oberfläche befindet und etwa 30 km vom ursprünglichen Standort entfernt. Die wagemutigen Männer haben so ihre ewige Ruhestätte in der Antarktis gefunden.

Die Nachricht vom Tod von Robert Scott ging schnell um die ganze Welt und er erlangte den Status eines Nationalhelden. Zahlreiche Denkmäler und Statuen wurden ihm zu Ehren in den folgenden Jahren errichtet. Der Untergang seiner Expedition war aber auch aus falschen Entscheidungen von Robert Scott zurückzuführen. Seine Motorschlitten versagten genauso wie seine Ponys. Er kalkulierte die Nahrungsmittelvorräte zu knapp und er wählte auch die falsche Bekleidung. Er traf die Befehle weniger aus Vernunft, sondern aus seinem Glauben an den Sportsgeist und der Willenskraft eines Mannes, und dies wurde ihm schlussendlich zum Verhängnis, denn solch eine Expedition verzieh einfach keine Fehler.

Obwohl der Norweger Roald Amundsen der erste Mensch am Südpol war, wird er bis heute im selben Atemzug genannt wie Robert Scott. Diese beiden mutigen Männer waren Vorreiter für die Erforschung der Antarktis und leisteten sich beide einen heldenhaften und zugleich auch tragischen Wettlauf zum Südpol. Zu Ehren dieser beiden großen Abenteurer gibt es heute eine große Forschungsstation in der Antarktis, die den Namen „Amundsen-Scott-Südpolstation“ trägt.