Dave Pelzer – Sie nannten mich nur „“Es““

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Dave Pelzer wurde in der kleinen Stadt Daly City (Kalifornien, USA) geboren und wuchs in einer normalen Familie auf. Sein Vater war Feuerwehrmann und seine Mutter war Hausfrau, und sie kümmerte sich fürsorglich um ihn und seine zwei Brüder. Die Familie unternahm Ausflüge und fuhr gemeinsam in den Urlaub. Diese harmonischen Tage sollten aber bald vorbei sein.

Foto von renee
unter CC BY 2.0

Während der Vater in der Arbeit war, verbrachte die Mutter ihre Tage immer öfter auf dem Sofa vor dem Fernseher und trank Alkohol. Sie begann ihre Kinder anzuschreien und wandelte sich von der liebevollen Mutter zu einer unberechenbaren Frau, die immer mehr dem Alkohol verfiel. Am Anfang waren es noch verbale Attacken, jedoch wurde von der Mutter bald auch körperliche Gewalt gegen die Kinder eingesetzt. Und sie hatte es vor allem auf ein Kind abgesehen, der dies alles abbekam, es war der kleine Dave.

Dave war gerade einmal fünf Jahre alt, als die Mutter begann, ihre Aggressionen an ihm auszulassen. Er musste stundenlang in einer Ecke stehen und durfte sich nicht bewegen, während seine Brüder spielen durften. Sie verteilte wahllos Ohrfeigen und schlug ihm einmal so lange und heftig auf den Arm, dass sie ihm diesen ausrenkte. Die Mutter konnte diese Verletzung gut vertuschen, denn sie sagte im Krankenhaus, dass Dave in der Nacht vom Etagenbett gefallen wäre, und keiner schöpfte Verdacht. Die Mutter überlegte sich immer wieder neue Bestrafungen gegen das wehrlose Kind, zu denen auch Essensentzug gehörte. Dave bekam oft tagelang nichts zu essen und musste irgendwelche Essensreste essen, die übrig geblieben waren. Für die rücksichtslose Mutter musste er außerdem Hausarbeiten erledigen, einmal wurde er im fensterlosen Badezimmer eingesperrt und musste es mit giftigen Chemikalien putzen, diese gefährlichen Dämpfe zerfraßen ihm fast die Lunge und er spuckte eine Stunde lang Blut.

Dave war eigentlich ein guter Schüler gewesen und hatte in der Schule viele Freunde, aber dieser Zustand änderte sich bald. Seine Mutter schickte ihn mit ungewaschenen Klamotten und ohne Nahrung in die Schule. Durch seinen Gestank wurde er von seinen Mitschülern nur mehr verspottet und keiner wollte mehr neben ihm sitzen. Dave aß Reste aus dem Mülleimer um irgendwie seinen Hunger stillen zu können. Gezwungenermaßen begann er, Pausenbrote von den Mitschülern zu stehlen und versuchte einmal aus lauter Verzweiflung, Essen aus einem Lebensmittelgeschäft zu stehlen. Dabei wurde er aber erwischt und wurde natürlich sofort zu seiner Mutter gebracht, welche ihn sofort wieder mit Essensentzug und Schlägen bestrafte. Von nun an musste Dave nach der Schule erbrechen, damit die Mutter feststellen konnte, ob Dave nicht Essen gestohlen und zu sich genommen hatte.

Trotz allem bettelte Dave um die Liebe und Zuneigung seiner Mutter. Während die Familie einmal ohne ihn auf Urlaub fuhr, versuchte er bei der untergebrachten Tante abzuhauen, nur um bei seiner Familie zu sein. Aber auch für diese Tat wurde er von der Mutter fürchterlich verprügelt. Keiner konnte Dave helfen. Seine Brüder waren zu jung und waren froh, nicht selber in seiner Situation zu sein, und sein Vater konnte sich nicht gegen diese Mutter durchsetzen, weil er zu schwach war. Die Mutter verbot dem Vater nun auch dem Umgang mit „dem Jungen“ oder „Es“, weil laut ihrer Meinung Dave nicht mehr zur Familie gehörte. Der Vater kam von nun an oft tagelang nicht mehr nach Hause, weil er diese Situation nicht ertragen konnte. Eines Tages packte er seine Sachen und sagte zu Dave: „Ich kann es nicht mehr ertragen. Das Ganze. Deine Mutter, dieses Haus, dich. Ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Es tut mir leid“. Der Vater verließ die Familie, obwohl er wusste, dass Dave nun alleine mit der Mutter war, ohne Schutz. Dave war klar, dass dies sein Ende war.

Dave hasste sich und die Welt, er ertrug die jahrelangen Erniedrigungen der alkoholsüchtigen Mutter und die enorme psychische Belastung einfach nicht mehr. Sie zwang ihn sich in eine eiskalte Badewanne zu legen, und sich dann ohne sich abzutrocknen nach draußen in den Schatten zu setzen. Er schlief bereits in der Garage, bedeckt nur von Zeitungspapieren. Eines Tages kam eine Frau vom Jugendamt vorbei, um die Verhältnisse zu prüfen, denn das verstörte Verhalten von Dave in der Schule war auffällig gewesen. Als sie Dave frage, ob er glücklich sei und ihn seine Mutter jemals geschlagen hätte, antwortete er nur, dass er bestraft werden würde, wenn er ein böser Junge gewesen war. Trotz aller Erniedrigungen verteidigte Dave noch immer seine Mutter, denn noch immer sehnte er sich nach der Liebe von ihr. Aber diese Antwort gefiel der Mutter überhaupt nicht, und als die Frau vom Jugendamt das Haus wieder verließ, wurde Dave wieder verprügelt.

Eines Tages, Dave war 12 Jahre alt, ging er wie immer in die Schule, als plötzlich der Direktor und ein Polizist bereits auf ihn warteten. Bei einer Routineuntersuchung wurden verschiedenste Verletzungen bei ihm festgestellt, die alles andere als normal waren und die auf eine Misshandlung hindeuteten. Und so verständigten die Lehrer die Polizei, die Dave sofort mitnahmen. Ein Polizist rief die Mutter an um ihr zu sagen, dass Dave heute nicht nach Hause kommen würde. Als Dave mitgeteilt wurde, dass er nun frei sein würde und seine Mutter ihn nie wieder verletzen konnte, liefen ihm Tränen der Freude über das Gesicht.

In den nächsten Jahren kam Dave in verschiedene Pflegefamilien, aber es fiel ihm sehr schwer, sich anzupassen. Er glaubte noch lange Zeit, dass er selbst ein schlechter Mensch war, genauso, wie seine Mutter es ihm immer wieder vorgesagt hatte. Aber Schritt für Schritt schaffte es Dave, sich von seiner Mutter abzugrenzen und wieder ein normales Leben führen zu können. Dave Pelzer schaffte den Schulabschluss, gründete eine Familie und fand bald eine Arbeit, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Aber tief im Innersten beschäftigten ihn immer noch tiefgreifende Fragen, warum war seine Mutter nur so kalt zu ihm gewesen und hasste ihn nur so?

Dave Pelzer versuchte Antworten darauf zu finden. Nach langer Suche fand er seinen Vater, aber er war aufgrund finanzieller Probleme obdachlos geworden und war dem Alkohol verfallen. Noch immer konnte er nicht zu seinem Sohn stehen und meinte nur, dass er seine Erlebnisse einfach vergessen sollte. Trotz Verbotes versuchte er auch seine Mutter zu sehen, um sie zu fragen, warum sie ihm das alles angetan hatte. Bis heute schweigt aber die Mutter dazu und gibt keine Antworten, sie ist noch immer Alkoholikerin und meint nichts Unrechtes getan zu haben.

Dave Pelzer stellte sich jeden Tag der Quälereien der Mutter, weil er sich als Kind nach Liebe und Geborgenheit der Mutter sehnte. Obwohl diese rücksichtslose Tortur über fünf Jahre dauerte und ständig Anzeichen einer Misshandlung da waren, griff niemand ein. Keiner von der Schule, von der Familie oder der Nachbarschaft, auch sein eigener Vater war zu schwach, um ihm zu helfen. Ganz auf sich alleine gestellt überlebte er die jahrelange Folter nur durch seinen unbändigen und starken Überlebenswillen.

Als erwachsener Mann gründete Dave Pelzer eine Stiftung für die Rechte der Kinder und hat sich der Bekämpfung von Kindesmisshandlung zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Dave Pelzer begann Bücher zu schreiben, um seine Vergangenheit irgendwie verarbeiten zu können. Bis heute kann er das Verhalten seiner Mutter nicht verstehen, vermutlich wird er nie eine Antwort darauf erhalten. Trotz allem kämpft er weiter und versucht ungeachtet seiner schlimmen Kindheit, anderen Eltern und Erziehungsberechtigten ein gutes Beispiel zu geben.

Dave Pelzer fand den Mut, seine Geschichte in die Öffentlichkeit zu tragen und das Thema Kindesmissbrauch in der ganzen Welt zu sensibilisieren. Er appelliert bis heute an die Menschen, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, damit sich seine unfassbare Geschichte nicht wiederholen kann.

Comments

  1. es ist ewig her als ich dieses Buch gelesen habe und ich muss zugeben ich habe geweint weil ich es überhaupt nicht verstehen kann wie eine Mutter soetwas seinem Kind antun kann. ich bin 26 und habe einen 6 jährigen Sohn schon wenn ich mal laut schimpfe habe ich immer gleich schlechtes gewissen obwohl das erziehung ist 😉 aber was diese Mutter Dave angetan hat ist grausam und wie rstaffel schon sagte warum macht der Staat nichts???

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  2. Warum unternimmt der staat auch jetzt nichts gegen die Eltern ??
    Wo bleivt die gerechtigkeit…Alkohol hin Alkohol her!!

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  3. Ich verstehe nicht..warum weder die grausame Mutter noch der Vater in irgend einer Weise zur Verantwortung gezogen wurden.

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  4. kann eine Mutter das seinem kind antun es ist unvorstellbar
    aber leider wahr was dieses buch beweißt leider

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  5. Ich habe das Buch gelesen und ich hätte nicht die Kraft und den Mut, es ein weiteres Mal zu lesen. Es ist entsetzlich. Wie viele Fälle mag es in dieser Art unentdeckt geben?

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