Der Kranführer und die Entscheidung über Leben oder Tod

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Heinrich Dorissen begab sich am 29. April 2003 wie gewohnt an seinen Arbeitsplatz. Auf einer Großbaustelle in Düsseldorf (Deutschland) wurde ein luxuriöses Hotel gebaut und Heinrich Dorissen war dort als Kranführer tätig. Wie jeden Tag stieg er die über 70 Meter in die Höhe zu seiner Krankabine. Mit jedem Meter, den Heinrich Dorissen in die Höhe kletterte, spürte er immer stärker den tobenden Wind. Aber er übte diesen Beruf schon viele Jahre aus, so schnell konnte ihn nichts aus der Ruhe bringen, auch nicht ein heftiger Wind. Doch schon kurze Zeit später musste Heinrich Dorissen eine unvorstellbare Entscheidung über Leben oder Tod treffen.

In einiger Entfernung zu dem Kran von Henrich Dorissen stand ein zweiter großer Kran, wo sich unbemerkt von den Arbeitern immer mehr Grundwasser unter dem Fundament ansammelte. Bald war der gesamte Sockel von dem Kran umspült und die ersten Wasserspritzer schossen in die Höhe. Das Fundament gab nach und der Kran begann zu schwanken, niemand bemerkte aber diese gefährliche Situation. Der knapp 200 Tonnen schwere Kran drohte außerdem genau in eine angrenzende Schule zu stürzen, wo derzeit normaler Schulbetrieb herrschte. Hunderte Schüler waren in akuter Lebensgefahr und nur ein Mann erkannte diese herannahende Katastrophe. Es war Heinrich Dorissen, der in etwa 70 Meter Entfernung in der kleinen Kabine seines eigenen Kranes saß.

Es gab jetzt nur mehr eine Möglichkeit für Heinrich Dorissen, ein schreckliches Unglück zu verhindern. Aber mit dieser Entscheidung musste er mit ziemlicher Sicherheit sein eigenes Leben opfern, dies wusste er. Heinrich Dorissen hatte keine Zeit mehr zum Überlegen, geistesgegenwärtig drehte er seinen Ausleger in Richtung des umfallenden Kranes. Währenddessen warnte er über Funk seine Kollegen in der Baugrube, wo sich viele in letzter Sekunde in Sicherheit bringen konnten. Heinrich Dorissen wollte mit seinem Ausleger den umstürzenden Kran irgendwie stützen, damit dieser seine Fallrichtung änderte und nicht in die Schule stürzte. Ob dieser Plan funktionierte wusste er nicht, aber es war die einzige Chance.

Dieses waghalsige Manöver von Heinrich Dorissen klappte tatsächlich, die beiden Ausleger griffen ineinander und der stürzende Kran änderte seine Fallrichtung. Der tonnenschwere Kran krachte knapp an dem Schulgebäude vorbei und die vielen Schüler waren gerettet. Jedoch wurde Heinrich Dorissen mit seinem Kran nun selber mit in die Tiefe gerissen. Der über 70 Meter hohe Kran kippte um, mit Heinrich Dorissen. Die Stahlträger seines Kranes verdrehten sich ineinander, was den Absturz bremste, aber der Kran krachte immer noch mit einer enormen Wucht auf den Boden auf. Es waren furchtbare Momente für den mutigen Kranführer, die man sich kaum vorstellen konnte. Aber wie durch ein Wunder überlebte Heinrich Dorissen schwer verletzt diesen Sturz.

Bei dieser Katastrophe starben zwei Arbeiter, einige weitere wurde verletzt. Es war dem Mut eines Mannes zu verdanken, dass viele Menschen überlebt hatten. Innerhalb eines kurzen Augenblickes musste er die größte Entscheidung seines Lebens treffen, entweder das eigene Leben zu retten oder eine schreckliche Katastrophe mit vielen Toten zu verhindern, mit dem Wissen, vermutlich das eigene Leben zu opfern. Hätte er nichts getan, niemand hätte ihm jemals einen Vorwurf gemacht. Aber Heinrich Dorissen entschied sich für eine einzigartige und heldenhafte Hilfsaktion. Er hätte sich sofort geopfert, um anderen Menschen das Leben zu retten. Die meisten Menschen wären zu dieser Heldentat vermutlich nicht in der Lage gewesen.

 

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