Louis Braille -– Eine Blindenschrift rettet die Welt vor der Dunkelheit

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Louis Braille wurde am 04. Januar 1809 in Coupvray, einer kleinen französischen Gemeinde in der Nähe von Paris, geboren. Sein Vater betrieb erfolgreich eine Sattlerwerkstatt, er fertigte den Leuten Sättel und Zaumzeug für ihre Pferde. Dem kleinen Louis war es verboten, in der Werkstätte zu spielen, da es viele gefährliche und scharfkantige Werkzeuge darin gab, die der Vater zum Bearbeiten des Leders benötigte. In einem unbeobachteten Moment schlich sich der 3-jährige Louis aber einmal in die Werkstätte und wollte es dem Vater nachmachen, mit einem spitzen Werkzeug Löcher in das Leder zu bohren. Plötzlich rutschte er so unglücklich weg, dass er sich dabei schwer an einem Auge verletzte.

Das verletzte Auge entzündete sich und diese Entzündung breitete sich schnell auf das andere Auge aus. Die Ärzte konnten nichts für ihn tun, denn in dieser Zeit fehlten noch die medizinischen Mittel, um den kleinen Louis helfen zu können. Er sah nun immer schlechter und der graue Schleier vor dem Gesicht wurde immer größer, bis er kurze Zeit später vollständig erblindete. Sein weiteres Leben schien vorgezeichnet, denn Blinde zogen damals von Ort zu Ort, um zu betteln. Aber die Eltern wollten für Louis ein glückliches und erfülltes Leben, und so gaben sie ihren Sohn nicht auf. Louis musste von nun an im Haushalt helfen und auch für seinen Vater konnte er verschiedenste Sachen erledigen. Wie selbstverständlich meldeten die Eltern den kleinen Louis in der Dorfschule an, trotz einiger Bedenken des Lehrers, der noch nie ein blindes Kind unterrichte.

Aber Louis war trotz der Finsternis, die ihn umgab, ein heiteres Kind. Er war ein sehr fleißiger Schüler und konnte sich die Inhalte der Schulbücher komplett im Kopf behalten, nachdem man sie ihm vorgelesen hatte. Im Alter von zehn Jahren schickten die Eltern ihn in eine spezielle Blindenschule nach Paris, um ihn besser fördern zu können. Dort fühlte sich der kleine Louis sehr wohl, denn es wurden viele interessante Sachen unterrichtet, wie Mathematik oder Geschichte. Es gab Werkunterricht und auch Musikunterricht, wo er mit Begeisterung verschiedene Musikinstrumente erlernte. Louis war ein sehr talentierter Schüler und erhielt für seine Leistungen oft Preise und Auszeichnungen, aber mit der Zeit spürte Louis immer mehr die Belastung der Blindheit und die geringe Wertschätzung in der Gesellschaft. Immer wieder stellte er sich die gleichen Fragen: Wie konnten Blinde die Schrift der Sehenden erlernen und wie konnte man die Formen der Buchstaben des Alphabets tastbar erfassen? Es war ein fast unüberwindbares Hindernis.

Im Unterricht benutzte man zum Lesen oft hölzerne oder in Blei gegossene Buchstaben, die jeweils zu Wörtern zusammengestellt wurden. Diese konnten auch in Bücher geprägt werden, aber diese waren sehr schwer und unhandlich, man brauchte eine Ewigkeit, bis man endlich einen Satz lesen konnte. Louis wusste, dass diese Methoden den Blinden niemals helfen würden, sich weiterzuentwickeln, aber mit dieser Ansicht stand er in der Schule alleine da. Bis zu jenem Tag, an dem ein Hauptmann der französischen Armee die Blindenschule besuchen sollte. Er hatte eine Methode gefunden, mit deren Hilfe sich die Soldaten in der Dunkelheit Nachrichten übermitteln konnten. Er nannte sie Nachtschrift und er dachte, dass sich auch die blinden Schüler dafür interessieren könnten.

Der 11-jährige Louis war sofort begeistert von dieser Nachtschrift, die aus zwei senkrechten Reihen bestand, wo jeweils bis zu sechs Punkte eingeprägt wurden und die ertastet werden konnten. Der Nachteil bestand aber darin, dass es unmöglich war, die Anordnung der Punkte mit nur einer Bewegung zu erfassen, und es aus diesem Grund auch sehr zeitaufwändig war, diese Nachtschrift zu lesen. Louis machte dem Hauptmann sofort einige Verbesserungsvorschläge, die jedoch sofort wieder abgeschmettert wurden, denn von einem kleinen Jungen ließ sich der Hauptmann keine Ratschläge erteilen.

Louis aber ließ sich von dieser Ablehnung nicht entmutigen, er erkannte das Potenzial, welches in dieser Nachtschrift schlummerte, obwohl er von den Lehrern nur belächelt und schon gar nicht unterstützt wurde. Von nun an arbeitete er Tag und Nacht an einer Verbesserung des Systems, irgendwie musste er es schaffen, eine logische und vereinfachte Anordnung des Alphabets erstellen zu können. Mit unfassbarer Ausdauer ließ er sich trotz einiger Rückschläge nicht unterkriegen. Er reduzierte die Anzahl auf sechs Punkte, die in zwei Spalten zu je drei Zeilen angeordnet waren. Durch die Kombinationsmöglichkeiten ergaben sich nun genügend Variationen für die Darstellung des Alphabets. Im Jahr 1825 und nach jahrelangen Experimenten gelang es Louis schließlich, im Alter von 16 Jahren, seine erste Blindenschrift fertigzustellen. Sie war perfekt an den lesenden Finger angepasst und war auch für musikalische Noten geeignet.

Seine Mitschüler waren so wie Louis vollkommen begeistert von dieser neuen Blindenschrift. Sie konnten nun einfach Notizen machen und sich gegenseitig Briefe schreiben. Die Lehrer fühlten sich am Anfang jedoch benachteiligt, da sie diese Blindenschrift nicht kannten und auch nicht lernen wollten. Es kam sogar so weit, dass der neue Direktor diese Blindenschrift sogar verbot, weil er der Meinung war, dass sich Blinde durch eine Schrift, die Sehenden unbekannt war, isolieren würden. Louis und seine Schulfreunde verwendeten diese Blindenschrift aber heimlich weiter.

Louis versuchte mit einem öffentlichen Vortrag, wo er Werke von einem englischen Dichter vorlas, die Leute davon zu überzeugen, dass er wirklich schnell schreiben und lesen konnte. Man glaubte ihm aber nicht sondern warf ihm vor, die Texte auswendig gelernt zu haben. Louis schrieb sogar einen Brief an den französischen Innenminister, damit seine Blindenschrift an den Blindenschulen gelehrt werden sollte, aber auch hier bekam er keine Unterstützung.

Mit der Zeit verbreitete sich jedoch die Blindenschrift von Louis, da es nicht wirklich eine brauchbare Alternative dazu gab. Immer mehr Menschen wussten diese einfache Möglichkeit, den blinden Menschen durch diese Blindenschrift helfen zu können, zu schätzen. Es sollten aber noch viele Jahre vergehen, bis seine Erfindung auch von offizieller Seite Anerkennung fand. Louis Braille war in der Zwischenzeit bereits als Lehrer in seiner Schule angestellt, wo er auch Musikunterricht gab.

Erst im Jahr 1850, über 25 Jahre nachdem Louis seine Blindenschrift erfunden hatte, wurde sie nun endlich offiziell für den Unterricht an den französischen Blindenschulen eingeführt. Louis hatte es nun endlich geschafft, dass seine Blindenschrift anerkannt wurde. Aber gesundheitlich ging es ihm mittlerweile sehr schlecht, da er schon länger an Tuberkulose (bakterielle Infektionskrankheit) litt und nur mehr sehr wenig Kraft hatte.

Louis Braille starb am 06. Januar 1852 im Alter von 43 Jahren an den Folgen seiner Krankheit. Den internationalen Siegeszug seiner Blindenschrift erlebte er nicht mehr mit. 1878 wurde die Brailleschrift auf einem Pariser Kongress offiziell zur internationalen Blindenschrift erklärt und immer mehr Länder auf der ganzen Welt übernahmen diese geniale Erfindung.

Das Leben von Louis Braille war geprägt von der Entwicklung seiner Blindenschrift, um den blinden Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen. Trotz aller Widerstände, die ihn sein ganzes Leben lang begleiteten, glaubte er immer an seine Blindenschrift und ließ sich bis zu seinem Tod niemals von seinem Weg abbringen. Mit dieser vorbildhaften Einstellung veränderte er die Welt zu einem besseren Ort, seine Brailleschrift hilft bis heute Millionen von blinden Menschen aus ihrer Isolation.

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