Spyridon Louis -– Vom Wasserträger zum ersten Olympiasieger im Marathonlauf

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Im Jahr 1896 fanden die ersten Olympischen Sommerspiele der Neuzeit statt, Austragungsort war Athen (Griechenland). Kurz vor Beginn dieser Spiele kamen bei Ausgrabungen in Marathon Gräber gefallener Griechen zum Vorschein. Man erinnerte sich zurück an die Schlacht von Marathon und die Legende über Pheidippides, der knapp 40 Kilometer nach Athen gelaufen war, um die Botschaft des Sieges über die Perser zu verkünden. Diesen legendären Lauf wollte man nun wieder aufleben lassen und so wurde der erste organisierte Marathonlauf als Wettbewerb eingeführt. Dieser Marathonlauf sollte der Höhepunkt bei diesen Olympischen Spielen werden.

Spyridon Louis war ein einfacher Bauer und war von Beruf Wasserträger. Als er als junger Mann seine Militärzeit leisten musste, waren längere Strecken, die er zurücklegen musste, kein Problem. Als Wasserträger war er es gewohnt, lange auf den Beinen zu sein und hatte sich aus diesem Grund eine solide Grundkondition aufgebaut. So nahm Spyridon Louis bei einem Vorbereitungslauf für Olympia teil und machte dabei eine so gute Figur, dass er zu einem der dreizehn griechischen Läufern zählte, die beim Marathonlauf teilnehmen durften. Favoriten waren aber die ausländischen Läufer, die allesamt erfahrene Mittelstreckenläufer waren.

Am 10. April 1896 wurden die Läufer mit Kutschen zu ihrem Start nach Marathon gebracht. Am frühen Nachmittag wurde das Rennen, welches über 40 Kilometer nach Athen führte, in der allergrößten Hitze gestartet. Die Zuschauer erwarteten sich bei ihrem Heimrennen einen griechischen Sieg, jedoch waren die ausländischen Läufer erwartungsgemäß an der Spitze des Feldes. Sie liefen ein unfassbares Tempo, jedoch sollten sie die Länge der Strecke unterschätzen. Nach ca. 30 km mussten der führende Franzose und der zweitplatzierte Amerikaner aufgeben, da sie ein zu hohes Tempo gelaufen waren. Nun führte ein Australier, der sich nur mehr wenige Kilometer vor dem Ziel befand. Jedoch musste auch dieser der unbarmherzigen griechischen Hitze Tribut zollen und schied aus dem Rennen aus, da er einen Schwächeanfall erlitt. Gespannt warteten die Zuschauer nun auf den nächsten Läufer, und als dieser auftauchte, brach unbeschreiblicher Jubel aus.

Es war der Wasserträger Spyridon Louis, der immer ein gleichmäßiges Tempo lief und so die anderen Konkurrenten abgehängt hatte. Völlig konzentriert auf sein Ziel kam er mit der brütenden Hitze gut zurecht und übernahm bei diesem wichtigen Rennen die Führung. Die Nachricht von dem möglichen griechischen Sieg war bereits bis in das Olympiastadion von Athen vorgedrungen, wo man bereits gespannt auf den Stadioneingang starrte. Und plötzlich tauchte Spyridon Louis auf. Mit kraftvollen Schritten lief er in das Stadion ein, so als ob er noch eine viel längere Strecke zurücklegen könnte. Er hatte jetzt nur mehr eine Runde zu laufen, und die Stimmung war auf dem Höhepunkt angelangt. Hüte wurden in die Luft geschleudert und ohrenbetäubende Jubelgesänge wurden angestimmt. Nach genau 2 Stunden und 58 Minuten war die Sensation perfekt, Spyridon Louis, der Wasserträger, gewann tatsächlich diesen legendären Marathonlauf.

Kurze Zeit später zog sich Spyridon Louis wieder zurück aus der Öffentlichkeit und war wieder als Wasserträger tätig. Obwohl er nach diesem Olympiasieg nie wieder an einem offiziellen Rennen teilnahm, wurde er zu einem Nationalhelden in Griechenland und viele Sportstätten wurden nach ihm benannt.

Spyridon Louis hatte kein spezielles Training für diesen Marathonlauf. Aber durch seine Tätigkeit als Wasserträger war er es gewohnt, große Strecken unter einer großen Hitze zurückzulegen, und diesen Vorteil konnte er für sich nutzen, um die favorisierten Ausländer zu schlagen. Außerdem vertraute er auf seine Ausdauer und seine Geduld, denn er wusste, dass diesen Marathon nur jemand gewinnen konnte, der die größte Willensstärke hatte.

Spyridon Louis starb am 26. März 1940 im Alter von 67 Jahren. Er ging in die Geschichte ein als einfacher Wasserträger, der es schaffte, der erste Olympiasieger überhaupt des Marathonlaufes zu werden.

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