Alessandro Zanardi – Der beinamputierte Rennfahrer

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Alessandro Zanardi wurde am 23. Oktober 1966 in Bologna (Italien) geboren und begeisterte sich schon sehr früh für den Automobilsport und für schnelle Autos. Er startete bei verschiedenen Rennserien und war bald sehr erfolgreich, unter anderem auch in den USA. Im Alter von 25 Jahren schaffte er den Sprung in die Königsklasse des Automobilsports und fuhr in der Formel 1. Nach mehreren Wechseln startete er wieder in der Champ Car Serie, wo er bereits viele Erfolge feiern konnte. Am 15. September 2001 kam es auf dem Lausitzring in Deutschland, wo er als Führender nur mehr wenige Kilometer bis zum Ziel hatte, zu einem folgenschweren Unfall.

Als Alessandro Zanardi aus der Boxenstraße fuhr, verlor er die Kontrolle über seinen Wagen und er begann sich zu drehen. Der nachfolgende Bolide konnte nicht mehr ausweichen und krachte mit über 300 km/h in den Wagen von Alessandro Zanardi. Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Wagen in zwei Teile gerissen, überall flogen Teile des Boliden in alle Richtungen davon. Plötzlich war es ganz still unter den Zuschauern, denn nach diesem Horrorunfall war es mehr als wahrscheinlich, dass es nicht nur Teile des Autos von Alessandro Zanardi waren, die durch die Luft flogen.

Alessandro Zanardi wurde schwer verletzt in das nächste Krankenhaus gebracht, dass er nach diesem Unfall noch am Leben war, grenzte an ein Wunder. Er verlor bereits sehr viel Blut und erlitt auf dem Weg ins Krankenhaus mehrere Herzstillstände, jedes Mal wurde er im letzten Moment wieder zurückgeholt ins Leben. Im Krankenhaus kämpften die Ärzte in einer mehrstündigen Notoperation um das Leben von Alessandro Zanardi, der bereits mehr Tod als am Leben war. In einem unfassbaren Kampf konnten die Ärzte das Leben von Alessandro Zanardi retten, jedoch mussten seine zwei Beine amputiert werden. Der Zustand des Rennfahrers stabilisierte sich langsam, obwohl die Situation weiterhin kritisch war. In den nächsten Wochen und Monaten musste Alessandro Zanardi viele weitere Operationen über sich ergehen lassen, um wieder halbwegs gesund zu werden. Die psychische Belastung war enorm, denn auf einmal musste er ohne Beine sein Leben bestreiten.

Alessandro Zanardi: „Ich habe mir gedacht, das war’s. Jetzt bringe ich mich um“

Bereits im Krankenhaus fasste Alessandro Zanardi aber wieder neuen Mut, denn er beobachtete andere Patienten mit Prothesen, die ebenfalls ohne Beine wieder aufstehen konnten. Langsam kehrte sein Lebenswille wieder zurück und er begann wieder optimistisch in die Zukunft zu blicken. Unterstützt von seiner Familie trainierte Alessandro Zanardi härter als je zuvor, um seinen kraftlosen Körper wieder in Form zu bringen. Zahlreiche Rückschläge mit den Prothesen steckte er weg, denn er hatte einen Traum, und nichts konnte ihn davon abbringen, diesen Traum zu verwirklichen. Er wollte wieder zurück auf die Rennstrecke, zurück zu seiner großen Leidenschaft.

Alessandro Zanardi: „Ich habe von Anfang an automatisch daran gedacht, wie ich all das, was ich vorher machen konnte, jetzt wieder machen kann“

Nicht einmal zwei Jahre nach seinem schrecklichen Unfall kehrte Alessandro Zanardi an den Ort zurück, welcher sein Leben für immer verändert hatte. Unter tosendem Applaus der Zuschauer fuhr er die fehlenden Runden fertig und beendete somit seinen abgebrochenen Lauf. Er fuhr in einem extra für ihn umgebauten Rennwagen, er schaffte es tatsächlich durch langes Training, die Bremsen mit einer Prothese zu bedienen. Er fuhr dabei so gute Rundenzeiten, dass er später wieder professionell an der Tourenwagen-Weltmeisterschaft teilnahm und sogar wieder Rennen gewann. Und dies ohne Beine, mit der Hand konnte er Gas geben, die Bremse bediente er mit der Prothese. Er verwirklichte seinen Traum von einer Rennkarriere, obwohl er keine Beine mehr dazu hatte. Alessandro Zanardi schaffte es zudem noch in einem für ihn umgebauten Formel-1-Wagen Runden zu fahren. Er war somit der erste beinamputierte Rennfahrer überhaupt, der ein Formel-1-Fahrzeug lenken durfte.

Alessandro Zanardi: „Viele glauben, dass das Leben ohne Beine vorbei ist. Verdammt noch mal, das ist es aber nicht. Die größte Herausforderung ist, das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen“

Alessandro Zanardi war wieder ein glücklicher Mensch. Er hatte eine liebende Familie, er konnte mit dem Auto fahren, Skifahren und sonst alle möglichen Sportarten ausüben. Nach seiner Motorsportkarriere setzte sich Alessandro Zanardi wieder neue Ziele in seinem Leben, und so begann er mit einem Handbike zu trainieren. Das Handbike war vergleichbar mit einem Liegerad, welches nur durch die Arme angetrieben wurde. Alessandro Zanardi entdeckte durch diesen Sport eine neue Leidenschaft und er trainierte jeden Tag, um seine Arme zu stärken. Bei den Paralympischen Sommerspielen 2012 in London schafft er das Unfassbare, er holte sich im Einzelzeitfahren tatsächlich die Goldmedaille und wurde zum strahlenden Olympiasieger.

Alessandro Zanardi wurde durch den positiven Umgang mit seiner Behinderung zum Vorbild für die Menschen auf der ganzen Welt. Trotz seines Schicksals kämpfte er sich in bewundernswerter Weise wieder zurück ins Leben, mit einem starken Willen und einer unglaublicher Lebensfreude.

Alessandro Zanardi: „Jeder hat die Fähigkeit, in einer schlimmen Situation zu sagen: Okay, jetzt muss ich weitermachen mit dem, was mir geblieben ist. Und siehe da: Die Hölle ist gar nicht so hässlich, wie man dachte“

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