Joe Kittinger -– Der Fallschirmsprung vom Rande des Weltraums

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Joseph („Joe“) Kittinger wurde am 27. Juli 1928 in Florida (USA) geboren und trat im Alter von 20 Jahren der US Air Force bei, wo er eine Pilotenausbildung absolvierte. Er war sehr talentiert und flog bald die neuesten Kampfflugzeuge der amerikanischen Luftwaffe. Joe Kittinger war ein absoluter Draufgänger und meldete sich aus diesem Grund bald als Freiwilliger, um bei gefährlichen Experimenten der Air Force zur Verfügung zu stehen. Und so kam er zu dem Projekt „Excelsior“, wo mutige Menschen gesucht wurden, die bereit waren, ihr Leben zu riskieren.

Im Jahr 1960 hatten die Menschen den Weltraum noch nicht erobert und die bemannte Raumfahrt war noch in weiter Ferne. Es gab viele offene Fragen zu klären, denn man wusste nicht, welche Auswirkungen große Höhen jenseits von 20.000 Metern auf den Menschen hatte und ob die kosmische Strahlung aus dem Weltall den menschlichen Körper schädigen konnte. Um diese Fragen klären zu können und um neue Fallschirmsysteme in diesen gigantischen Höhen zu testen, engagierte man Joe Kittinger, der tapfer genug war, dieses risikoreiche Vorhaben umzusetzen. Das Projekt „Excelsior“ bestand aus mehreren Fallschirmsprüngen aus Höhen zwischen 20 und 30 Kilometern.

Joe Kittinger trainierte hart für sein Vorhaben und absolvierte zahlreiche Tests in Höhen- und Kältekammern. Aber schon bei seinem ersten Testsprung in einer Absprunghöhe von 23.300 Metern lief einiges schief, da sich einer seiner Bremsschirme nicht richtig öffnete. Joe Kittinger begann sich so schnell um seine eigene Achse zu drehen, dass er bewusstlos wurde. Jedoch öffnete sich der Hauptfallschirm automatisch und er landete unversehrt wieder auf der Erde. Während jeder andere Teilnehmer aufgrund dieser lebensgefährlichen Situation sofort wieder aus diesem Projekt ausgestiegen wäre, blieb Joe Kittinger dabei. Nur wenige Tage später riskierte er wieder alles in einem Testsprung, und diesmal verlief alles nach Plan. Nun war alles vorbereitet für einen absoluten Rekordsprung aus einer Höhe von über 30 Kilometern und es gab nur einen Mann, der dieses Wagnis eingehen wollte, Joe Kittinger.

Joe Kittinger: „„Ich habe nicht gezögert, es war ein Testflug und ich war ein Testpilot““

Am 16. August 1960 stieg Joe Kittinger mit einem aus Helium gefüllten Gasballon in die Lüfte. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, ob er wieder lebend zur Erde zurückkehren würde. Da man sich für eine offene Gondel entschieden hatte, musste Joe Kittinger von Beginn an einen speziellen Druckanzug tragen, mit einem über 70 kg schweren Fallschirmsystem und einer speziellen Ausrüstung für Datenaufzeichnungen. In einer Höhe von etwa 13 Kilometern bemerkte er jedoch einen Schaden am Druckanzug an seiner rechten Hand. Joe Kittinger musste nun eine folgenschwere Entscheidung treffen, denn der Versuch wäre sofort abgebrochen worden bei einem defekten Druckanzug. Und Joe Kittinger traf die unfassbare Entscheidung der Bodenstation nichts mitzuteilen, obwohl er wusste, dass ihn dieser Mangel an der Hand gesundheitlich schwer schädigen könnte.

Joe Kittinger: „„Gegen bekannte Gefahren kannst du dich wappnen. Du machst dir Sorgen um die Dinge, die du nicht kommen siehst. Meine Hand schwoll an, sie wurde sogar etwa doppelt so groß wie normal, ich konnte sie nicht mehr benutzen““

Nach ungefähr eineinhalb Stunden hatte der Ballon die Höhe von 31.333 Metern erreicht und Joe Kittinger stand nun kurz vor seinem Sprung. Seine rechte Hand schmerzte und er realisierte, dass es in dieser Höhe keinen Luftdruck gab und er ohne seinen Schutzanzug nicht überleben konnte. Es war eine beeindruckende, aber lebensfeindliche Umgebung, wo er gerade war. Noch nie zuvor befand sich ein Mensch vor ihm in dieser Höhe, und Joe Kittinger musste nun wieder zur Erde zurückkehren. Die Anspannung und die Nervosität in der Bodenstation waren spürbar, keiner wusste, wie dieser Sprung aus dieser unfassbaren Höhe ausgehen würde. Da ließ sich Joe Kittinger auch schon mutig aus der offenen Gondel fallen und raste mit bis zu 988 km/h auf die Erde zu.

Joe Kittinger: „„Ich musste ständig auf meine Stoppuhr schauen, um meine Höhe abschätzen zu können““

Nach vier Minuten und 36 Sekunden im freien Fall hatte er es überstanden und der Hauptfallschirm öffnete sich wie geplant. Das Fallschirmsystem funktionierte tatsächlich perfekt und Joe Kittinger landete wenige Minuten später wieder auf der Erde. Seine schmerzende Hand war nach wenigen Stunden wieder in Ordnung, es stellte sich später heraus, dass die geschwollene Hand den schadhaften Anzug abgedichtet und ihm so vermutlich das Leben gerettet hatte.

Der Rekordsprung von Joe Kittinger war eine Sensation und die ganze Welt berichtete von diesem unglaublichen Fallschirmsprung. Zudem stellte er mehrere Weltrekorde auf: Die höchste Ballonfahrt mit einer offenen Gondel, der Fallschirmsprung aus größter Höhe, der längste freie Fall eines Menschen und die höchste Geschwindigkeit eines Menschen im freien Flug. Es wurden viele wertvolle Informationen über den Weltraum und viele nützliche Hinweise über Fallschirmsprünge aus großer Höhe gesammelt. Joe Kittinger unternahm in den folgenden Jahren viele weitere Ballonfahrten für die Air Force und stellte sich für die Wissenschaft zur Verfügung, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Der Weltraum-Pionier Joe Kittinger machte es durch seine mutigen Taten möglich, dass der Mensch in späterer Folge den Weltraum erobern konnte. Er sprang als erster Mensch überhaupt aus einer Höhe von über 30.000 Metern, obwohl man in dieser Zeit noch nicht abschätzen konnte, ob er diese waghalsige Aktion überleben würde.

Viele Jahre später wurde mit einem neuen Projekt (Red Bull Stratos) die Idee von Fallschirmsprüngen aus großer Höhe mit Hilfe von Joe Kittinger wieder aufgegriffen. Am 14. Oktober 2012 sprang der Österreicher Felix Baumgartner mit dem Fallschirm aus einer Höhe von über 39.000 Metern und durchbrach damit als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer. Wegbereiter für diesen unglaublichen Weltrekord war aber Joe Kittinger, der mit seinem Mut und seiner Furchtlosigkeit aus vergangener Zeit dieses Projekt überhaupt erst möglich gemacht hatte.

Comments

  1. Warum muiss man das alles tun? Mit einem gesunden Gehirnstoffwechsel hätte sich Joe Kittinger nie in diese Gefahrensituation begeben. Wo ist die Grenze zwischen Mut und Dummheit?

    Aber gut geschriebener Artikel 🙂

    Gefällt mir

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