Stanislaw Petrow –- Der Mann, der den Dritten Weltkrieg verhinderte

Lesezeit: ca. 5 Minuten

In den 1980er Jahren steuerte der Kalte Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion auf den Höhepunkt zu. Die jahrelangen Spannungen zwischen diesen beiden Supermächten führten zu einem atomaren Wettrüsten, weshalb immer wieder Drohungen eines Atomkrieges ausgesprochen wurden, um die eigene Macht zu demonstrieren. Die Stimmung war aufgeheizt, die Sowjetunion rechnete jederzeit mit einem Überraschungsangriff der USA, die Geheimdienste von beiden Seiten arbeiteten auf Hochtouren, um an gegnerische Informationen zu kommen. Sowohl die USA, als auch die Sowjetunion besaßen genügend Atomwaffen, um die gesamte Menschheit mehrfach zu vernichten. In diesen Tagen machte sich Stanislaw Petrow in der Nähe von Moskau auf den Weg in die Zentrale der Luftverteidigung der Sowjetunion, um seine Nachtschicht zu beginnen.

Die Arbeit von Stanislaw Petrow war routinemäßig, er war verantwortlich für die satellitengestützte Überwachung des Luftraumes in der Sowjetunion. Es war der 26. September 1983 kurz nach Mitternacht, als die Ruhe plötzlich von einer aufheulenden Sirene und einem blitzartigen Alarm unterbrochen wurde. Als Stanislaw Petrow auf den Computer blickte, fuhr ihm sofort der Schrecken ins Gesicht. Die Bildschirme zeigten den Start einer amerikanischen Atomrakete in Richtung der Sowjetunion an. Obwohl solche Situationen oft trainiert wurden, standen die Mitarbeiter in der Kommandozentrale unter Schock und es brach Panik aus. Der absolute Ernstfall war eingetreten und alle Blicke waren nun auf den wachhabenden Offizier Stanislaw Petrow gerichtet, der nun die Verantwortung für die weiteren Schritte trug.

 

Stanislaw Petrow war eigentlich nur technischer Ingenieur gewesen, aber einmal im Monat mussten auch die Ingenieure ihren Dienst in der Rolle eines Militärs leisten. Es lastete jetzt eine unglaubliche Bürde auf den Schultern von Stanislaw Petrow, denn laut Vorschrift musste er nun diesen Raketenangriff an seine Vorgesetzten bestätigen. Er blickte nochmals auf die Computer, welche die Wahrscheinlichkeit eines Angriffes mit 100 Prozent bestimmten. Die Anweisung eines nuklearen Angriffes auf die Sowjetunion war eindeutig und sah einen sofortigen nuklearen Gegenschlag vor. Aber da Stanislaw Petrow als Ingenieur selbst an der Entwicklung dieses Frühwarnsystems beteiligt war, wusste er auch, dass dieses komplizierte System oft fehlerhaft war. Stanislaw Petrow stand unter immenser Anspannung, denn die Welt stand derzeit kurz vor einem furchtbaren Atomkrieg.

Stanislaw Petrow: „“Ich stand unter Schock. Wenn ich eine falsche Entscheidung treffe, gelangt sie auf dem Dienstweg bis zur militärpolitischen Führung. Und dort würde mich niemand korrigieren““

Stanislaw Petrow musste nun die schwerste Entscheidung seines Lebens fällen. Immer wieder sagte er sich leise, dass die USA niemals einzelne Raketen auf die Sowjetunion abfeuern würden, sondern ein Angriff würde im Normalfall mit hunderten Raketen gleichzeitig erfolgen. Stanislaw Petrow vertraute auf sein Bauchgefühl und rief seinen Vorgesetzten an, dass es sich um einen falschen Alarm handeln musste. Plötzlich zeigte der Computer eine zweite, dritte, vierte und fünfte Rakete an. Stanislaw Petrow änderte aber nicht seinen Entschluss und blieb bei seiner Einschätzung von einem Fehlalarm. Obwohl die Computersysteme weiter einwandfrei liefen, vertraute er auf sein Gefühl. Stanislaw Petrow war sich aber überhaupt nicht sicher, ob er wirklich richtig lag.

Stanislaw Petrow: „„Ich wollte nicht schuld am Dritten Weltkrieg sein““

In wenigen Minuten würden die Raketen auf sowjetischem Gebiet einschlagen. Durch die Entscheidung von Stanislaw Petrow nahm er der Sowjetunion die Möglichkeit, einen effektiven Gegenschlag durchzuführen. Die Anspannung in der Zentrale der Luftüberwachung wurde immer größer, denn bald müsste das sowjetische Radar die ersten Raketen orten können. Falls Stanislaw Petrow die falsche Entscheidung getroffen hätte, würde er bald mitansehen müssen, wie zahlreiche nukleare Sprengköpfe in der Sowjetunion einschlagen würden. Aber das Radarsystem zeigte in der Folge keine amerikanischen Raketen an, es handelte sich tatsächlich um einen Fehlalarm. Stanislaw Petrow hatte die richtige Entscheidung getroffen.

 

Laut vielen Experten war die Welt niemals näher an einer atomaren Vernichtung als in dieser denkwürdigen Nacht am 26. September 1983. Hätte Stanislaw Petrow die sowjetische Führung über einen Angriff informiert, hätte sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Minuten einen Vergeltungsangriff gestartet. Ein Atomkrieg hätte für die Welt fatale Auswirkungen gehabt. Man rechnete mit über 500 Millionen Toten, zahlreiche Städte und Länder wären mit einem Schlag einfach ausgelöscht gewesen.

Hätte ein normaler Militär in dieser Nacht das Kommando gehabt, hätte dieser vermutlich streng nach Vorschrift gehandelt und es wäre zu einer Katastrophe gekommen. Stanislaw Petrow missachtete diese Vorschriften und vertraute auf seinen Verstand, obwohl er unter extremsten Druck stand. Er traf somit nicht nur eine mutige, sondern die vielleicht wichtigste Entscheidung des 20. Jahrhunderts.

In späterer Folge stellte sich heraus, dass eine sehr seltene Konstellation der Sonne das sowjetische Frühwarnsystem täuschte und den Start einer Rakete andeutete. Dieser Vorfall blieb lange geheim, nur langsam erfuhr die Öffentlichkeit von dieser außergewöhnlichen Tat, Stanislaw Petrow erhielt für sein besonnenes Handeln darauffolgend mehrere Auszeichnungen.

Stanislaw Petrow starb am 19.05.2017 im Alter von 77 Jahren.

Stanislaw Petrow: „„Die Welt kann froh sein, dass ich in dieser Nacht das Kommando geführt habe –und kein dumpfer Militär““

 

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