Julia Hill -– Die Besetzung der größten Mammutbäume der Welt

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Der Redwood-Nationalpark in Kalifornien (USA) besteht aus einem großen Anteil an wunderschönen und immergrünen Nadelbäumen. Diese sogenannten Küstenmammutbäume zählen zu den höchsten lebenden Bäumen der Welt. Sie können über 100 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von über sieben Metern erreichen. Da die Bäume aufgrund ihrer guten Verarbeitung zu wertvollen Nutzhölzern zählen, werden sie seit vielen Jahren von profitgierigen Holzunternehmen großflächig abgeholzt. Bei den Indianern waren die über 1000 Jahre alten Mammutbäume noch als heilig verehrt, aber nun fiel der Großteil des Bestandes der kommerziellen Nutzung zum Opfer. Nur einige Umweltaktivisten setzten sich gegen diese Massenabholzungen und gegen untätige Politiker zur Wehr.

Foto von NPS Photo

Als eines Tages wieder große Abholzungsmaschinen anrollten, um einen gesamten Hang dem Erdboden gleichzumachen, wollte man etwas dagegen tun. Umweltschützer wählten einen alten Küstenmammutbaum aus, wo auf 60 Meter Höhe eine etwa 4 m² große Plattform errichtet wurde, um den Baum zu besetzen. Als die 23-jährige Julia Hill von dieser Aktion hörte, machte sie sich sofort auf den Weg. Julia Hill war erst vor kurzem von einem fast tödlichen Autounfall genesen und war nun auf der Suche nach einem neuen Sinn im Leben. Bis zu dem Unfall kannte sie nur Karriere, Erfolg und materielle Dinge, aber dies war für immer vorbei. Die Baumschutzaktion war für sie wie ein Zeichen, weshalb sie vor Ort helfen wollte. Da es keinen Freiwilligen für die Baumbesetzung gab, kletterte die zierliche junge Frau am 10. Dezember 1997 spontan und mutig in die Krone des Mammutbaumes, um den Baum vor der sicheren Abholzung zu schützen.

Julia Hill: „„Ich bin im härtesten Winter hochgeklettert. Der Wind raste mit 150 Stundenkilometern durch die Baumspitzen““

Nur geschützt von einer einfachen Plane, war sie widrigsten Witterungsbedingungen ausgesetzt. Auf fließendes Wasser und eine Toilette musste sie verzichten, genauso wie auf alle Luxusartikel aus dem alltäglichen Leben. Mit einem einfachen Seilzug wurde sie mit Proviant und dem Nötigsten versorgt. Neben den Naturgewalten hatte sie aber mit einem anderen und viel mächtigeren Feind zu kämpfen. Denn der Holzkonzern „Pacific Lumber“ setzte alles daran, die Baumbesetzerin wieder zu vertreiben, denn jeder Tag ohne Abholzungen war ein verlorener Tag ohne Profit. Julia Hill musste in der Folge unfassbare Strapazen überstehen.

Julia Hill: „“Die haben alles versucht, mich da runter zu bekommen““

Foto von NPS Photo

Ein Transporthubschrauber mit riesigen Rotorblättern flog mit Absicht so nahe an ihr vorbei, dass der gesamte Baum schwankte und Julia Hill beinahe von der Plattform geweht wurde. Holzfäller fällten vorsätzlich in bedrohlicher Nähe von ihr Bäume, was Todesgefahr für Julia Hill bedeutete. Tagelang wurde sie mit Nebelhörnern und Scheinwerfern am Schlaf gehindert und psychisch von Mitarbeitern der Holzfirma enorm unter Druck gesetzt. Zusätzlich wurden ihre Unterstützer ständig blockiert, sie mit Essen zu versorgen. Aber Julia Hill stemmte sich mit aller Macht gegen diesen Terror und hielt beharrlich ihre Position. Durch ihren außergewöhnlichen Mut wurde sie mit der Zeit im ganzen Land bekannt und immer mehr Menschen solidarisierten sich mit der unbeugsamen Aktivistin. Mit einem solarbetriebenen Mobiltelefon kommunizierte sie mit der Außenwelt und gab der Presse unzählige Interviews.

Julia Hill: „„Es ist verrückt, wenn die letzten Redwood-Wälder abgeholzt werden. Eine Baumbesetzung ist die letzte Chance, ein solches Wesen zu retten““

Eisige Winterstürme, brutale Kälte und ohrenbetäubende Gewitter brachten Julia Hill oft an den Rand einer Aufgabe. Doch irgendeine unsichtbare Macht beschützte die tapfere Frau und gab ihr die nötige Kraft, über sich hinauszuwachsen. Nach und nach bekam sie immer mehr Selbstvertrauen, um ihre Botschaft für die Rettung der Mammutbäume zu verkünden. Aus geplanten wenigen Wochen verbrachte Julia Hill eine viel längere Zeit auf diesem Baum. Sie wollte so lange bleiben, bis die Bäume in ihrer Umgebung geeigneten Schutz fanden.

Julia Hill: „„Ein Baum kann dein Freund sein, darum sollte man sie genauer kennen lernen““

Nach über zwei Jahren der Baumbesetzung und 738 Tagen verließ Julia Hill nach langwierigen Verhandlungen zum ersten Mal den Baum. Es wurde eine Vereinbarung mit dem Holzkonzern getroffen, dass innerhalb einer 12.000 m² Zone kein Mammutbaum mehr gefällt werden durfte. Eine einzelne Frau hatte sich tatsächlich gegen einen übermächtigen Holzkonzern durchgesetzt und hunderte Jahre alte Bäume gerettet. Julia Hill als aufopferungsvoll kämpfende Baumfrau war ein beeindruckendes Zeichen dafür, was ein einzelner Mensch für die bedrohte Natur schaffen konnte. Sie bestärkte die Menschen auf der ganzen Welt, sich mit Entschlossenheit und Willenskraft für die Mutter Erde einzusetzen und niemals die Hoffnung aufzugeben.

Julia Hill: „“Nach meiner Aktion wissen viel mehr Menschen, dass etwas getan werden muss““

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