Julia Hill -– Die Besetzung der größten Mammutbäume der Welt

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Der Redwood-Nationalpark in Kalifornien (USA) besteht aus einem großen Anteil an wunderschönen und immergrünen Nadelbäumen. Diese sogenannten Küstenmammutbäume zählen zu den höchsten lebenden Bäumen der Welt. Sie können über 100 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von über sieben Metern erreichen. Da die Bäume aufgrund ihrer guten Verarbeitung zu wertvollen Nutzhölzern zählen, werden sie seit vielen Jahren von profitgierigen Holzunternehmen großflächig abgeholzt. Bei den Indianern waren die über 1000 Jahre alten Mammutbäume noch als heilig verehrt, aber nun fiel der Großteil des Bestandes der kommerziellen Nutzung zum Opfer. Nur einige Umweltaktivisten setzten sich gegen diese Massenabholzungen und gegen untätige Politiker zur Wehr.

Foto von NPS Photo

Als eines Tages wieder große Abholzungsmaschinen anrollten, um einen gesamten Hang dem Erdboden gleichzumachen, wollte man etwas dagegen tun. Umweltschützer wählten einen alten Küstenmammutbaum aus, wo auf 60 Meter Höhe eine etwa 4 m² große Plattform errichtet wurde, um den Baum zu besetzen. Als die 23-jährige Julia Hill von dieser Aktion hörte, machte sie sich sofort auf den Weg. Julia Hill war erst vor kurzem von einem fast tödlichen Autounfall genesen und war nun auf der Suche nach einem neuen Sinn im Leben. Bis zu dem Unfall kannte sie nur Karriere, Erfolg und materielle Dinge, aber dies war für immer vorbei. Die Baumschutzaktion war für sie wie ein Zeichen, weshalb sie vor Ort helfen wollte. Da es keinen Freiwilligen für die Baumbesetzung gab, kletterte die zierliche junge Frau am 10. Dezember 1997 spontan und mutig in die Krone des Mammutbaumes, um den Baum vor der sicheren Abholzung zu schützen.

Julia Hill: „„Ich bin im härtesten Winter hochgeklettert. Der Wind raste mit 150 Stundenkilometern durch die Baumspitzen““

Nur geschützt von einer einfachen Plane, war sie widrigsten Witterungsbedingungen ausgesetzt. Auf fließendes Wasser und eine Toilette musste sie verzichten, genauso wie auf alle Luxusartikel aus dem alltäglichen Leben. Mit einem einfachen Seilzug wurde sie mit Proviant und dem Nötigsten versorgt. Neben den Naturgewalten hatte sie aber mit einem anderen und viel mächtigeren Feind zu kämpfen. Denn der Holzkonzern „Pacific Lumber“ setzte alles daran, die Baumbesetzerin wieder zu vertreiben, denn jeder Tag ohne Abholzungen war ein verlorener Tag ohne Profit. Julia Hill musste in der Folge unfassbare Strapazen überstehen.

Julia Hill: „“Die haben alles versucht, mich da runter zu bekommen““

Foto von NPS Photo

Ein Transporthubschrauber mit riesigen Rotorblättern flog mit Absicht so nahe an ihr vorbei, dass der gesamte Baum schwankte und Julia Hill beinahe von der Plattform geweht wurde. Holzfäller fällten vorsätzlich in bedrohlicher Nähe von ihr Bäume, was Todesgefahr für Julia Hill bedeutete. Tagelang wurde sie mit Nebelhörnern und Scheinwerfern am Schlaf gehindert und psychisch von Mitarbeitern der Holzfirma enorm unter Druck gesetzt. Zusätzlich wurden ihre Unterstützer ständig blockiert, sie mit Essen zu versorgen. Aber Julia Hill stemmte sich mit aller Macht gegen diesen Terror und hielt beharrlich ihre Position. Durch ihren außergewöhnlichen Mut wurde sie mit der Zeit im ganzen Land bekannt und immer mehr Menschen solidarisierten sich mit der unbeugsamen Aktivistin. Mit einem solarbetriebenen Mobiltelefon kommunizierte sie mit der Außenwelt und gab der Presse unzählige Interviews.

Julia Hill: „„Es ist verrückt, wenn die letzten Redwood-Wälder abgeholzt werden. Eine Baumbesetzung ist die letzte Chance, ein solches Wesen zu retten““

Eisige Winterstürme, brutale Kälte und ohrenbetäubende Gewitter brachten Julia Hill oft an den Rand einer Aufgabe. Doch irgendeine unsichtbare Macht beschützte die tapfere Frau und gab ihr die nötige Kraft, über sich hinauszuwachsen. Nach und nach bekam sie immer mehr Selbstvertrauen, um ihre Botschaft für die Rettung der Mammutbäume zu verkünden. Aus geplanten wenigen Wochen verbrachte Julia Hill eine viel längere Zeit auf diesem Baum. Sie wollte so lange bleiben, bis die Bäume in ihrer Umgebung geeigneten Schutz fanden.

Julia Hill: „„Ein Baum kann dein Freund sein, darum sollte man sie genauer kennen lernen““

Nach über zwei Jahren der Baumbesetzung und 738 Tagen verließ Julia Hill nach langwierigen Verhandlungen zum ersten Mal den Baum. Es wurde eine Vereinbarung mit dem Holzkonzern getroffen, dass innerhalb einer 12.000 m² Zone kein Mammutbaum mehr gefällt werden durfte. Eine einzelne Frau hatte sich tatsächlich gegen einen übermächtigen Holzkonzern durchgesetzt und hunderte Jahre alte Bäume gerettet. Julia Hill als aufopferungsvoll kämpfende Baumfrau war ein beeindruckendes Zeichen dafür, was ein einzelner Mensch für die bedrohte Natur schaffen konnte. Sie bestärkte die Menschen auf der ganzen Welt, sich mit Entschlossenheit und Willenskraft für die Mutter Erde einzusetzen und niemals die Hoffnung aufzugeben.

Julia Hill: „“Nach meiner Aktion wissen viel mehr Menschen, dass etwas getan werden muss““

Jadav Payeng -– Der Mann, der aus eigener Kraft einen ganzen Wald erschuf

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Der 16-jährige Jadav Payeng war im Jahr 1979 im indischen Bundesstaat Assam (Nordosten Indien) unterwegs, als er eine schreckliche Entdeckung machte. Nachdem sich das Wasser entlang einer öden Sandbank zurückgezogen hatte, war das Gebiet übersät von hunderten toten Schlangen und Reptilien. Jadav Payeng war entsetzt über dieses Massaker, noch nie in seinem Leben hatte er so einen schlimmen Anblick ertragen müssen.

Jadav Payeng: „„Die Schlangen starben in der Hitze, weil kein Baum Schatten spendete. Ich habe mich hingesetzt und ihre leblosen Körper beweint““

Jadav Payeng alarmierte sofort die zuständige Forstverwaltung, ob sie dort Bäume anbauen könnten, damit sich so etwas nicht wiederholte. Doch er wurde nur ausgelacht und mit dem fadenscheinigen Entschluss abgewimmelt, dass in dieser Gegend einfach nichts wachsen würde. Sie rechneten aber nicht mit der Entschlossenheit von Jadav Payeng, welcher die schrecklichen Bilder der toten Tiere nicht aus seinem Kopf bekam. Er hörte nicht auf die Meinung der Behörden und versuchte selbst, etwas in dieser Angelegenheit zu unternehmen, obwohl ihn niemand unterstützen wollte.

Jadav Payeng: „“Es gab niemanden, der mir helfen wollte. Niemand hat sich interessiert““

So begann Jadav Payeng im Alter von 16 Jahren, in diesem trostlosen Gebiet erstmals Gräser und Bambus anzubauen. Von seinem Heimatdorf brachte er Kolonien von roten Ameisen mit, um den Boden fruchtbarer zu machen. In den folgenden Wochen und Monaten pflanzte Jadav Payeng die verschiedensten Bäume und Pflanzen. Tag für Tag kümmerte er sich hingebungsvoll um das Wachstum seiner zarten Pflänzchen und die notwendige Bewässerung. Oft blieb er auch über Nacht und sprach liebevoll zu den Pflanzen, welche Zentimeter für Zentimeter in die Höhe wuchsen. Die Sträucher und Bäume entwickelten sich tatsächlich sehr gut und Jadav Payeng kämpfte unermüdlich und bei jedem Wetter um seine kleine Plantage, ganz auf sich alleine gestellt und mitten in der Einöde.

Jadav Payeng: „„Ich entschied, mein Leben dem pflanzen von Bäumen zu widmen““

Während sich Jadav Payeng nebenbei als Bauer seinen Lebensunterhalt verdiente, schossen seine zarten Setzlinge regelrecht in die Höhe. Unterstützt von einer bemerkenswerten Hingabe von Jadav Payeng konnte sich die Natur dadurch immer weiter ausdehnen und das Wachstum vorantreiben. Über die Jahre entstand dadurch nicht nur ein ganzer Wald, sondern ein echtes Ökosystem mit unterschiedlichsten Pflanzen und einer vielfältigen Tierwelt.

Foto von Porikolpok Oxom

Jadav Payeng wurde für seine Vision, Pflanzen in eine karge Sandbank zu setzen, nur ausgelacht. Heute lacht kein Mensch mehr über den willensstarken Inder. Nach über 30 Jahren fleißiger Arbeit erschuf Jadav Payeng aus dem Nichts einen mittlerweile unfassbaren 600 Hektar großen Wald. Viele Tiere fanden hier einen sicheren Unterschlupf, darunter Vögel, Rehe, Affen und Büffel. Auch gefährdete Tierarten wie Tiger und Elefanten siedelten sich in diesem Dschungel an, wo sie einen vor Menschen sicheren Lebensraum vorfanden.

Jadav Payeng erschuf im Alleingang nicht nur ein echtes Paradies für Tiere und Pflanzen, er wurde dadurch auch zu einem richtigen Helden in Indien. Er zeigte mit seinem Beispiel, was eine einzige Person für die Natur erreichen konnte und welche unbändige Kraft in jedem Menschen steckte. Jadav Payeng wurde zum bekannten Symbol für den Umweltschutz und machte durch seinen selbstlosen Einsatz die Welt zu einem besseren Ort.

Jadav Payeng: „“Wir müssen die Natur schützen, sonst überleben wir nicht. Vielleicht lebe ich in Armut, aber ich bin zufrieden, dass ich die Menschen beeinflussen konnte, sich mehr für die Natur zu interessieren. Der Baum ist eine Wurzel allen Lebens““

 

Felix Finkbeiner – Wie ein kleiner Junge das Weltklima retten will

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Es begann alles mit einem harmlosen Schulreferat über die Klimaerwärmung im Jahr 2007. Der damals neunjährige Schüler Felix Finkbeiner beschäftigte sich vorab intensiv mit dem Thema und begann auch im Internet darüber zu recherchieren. Er studierte den Treibhauseffekt, den Zusammenhang von CO2 und der Temperatur und vieles mehr. Und er stieß auf eine interessante Homepage der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai, die mit ihrer Bewegung „The Green Belt Movement“ zusammen mit anderen Frauen 30 Millionen Bäume für das Klima in Afrika pflanzte. Felix Finkbeiner war von dieser Idee sofort fasziniert und machte sich Gedanken darüber, denn Bäume banden das schädliche CO2. Als er mit seinem Referat „Das Ende des Eisbären“ fertig war, verkündete er sein Schlusswort: „Lasst uns in Deutschland bis 2009 eine Million Bäume pflanzen!“ Dies war der Startschuss für eine unglaubliche Bewegung gegen die Klimaerwärmung, losgelöst durch einen zierlichen und aufgeweckten jungen Schüler.

 
Die Lehrerin von Felix war beeindruckt von seinem Vortrag, und so musste er ihn vor den anderen Klassensprechern und vor der Direktorin nochmals wiederholen. Alle waren begeistert, und so durfte der neunjährige Felix von nun an auch in andere Schulen fahren, um seine Idee vorzustellen. 2 Monate nach seinem Referat wurde an seiner Schule, der Munich International School in Starnberg, die erste offizielle Baumpflanzaktion gestartet. Die Medien wurden darauf aufmerksam, es wurde in Zeitungen und im Radio darüber berichtet. Felix Finkbeiner gründete daraufhin eine eigene Homepage („Plant for the Planet“), und es wurden auch an anderen Schulen bereits Bäume gepflanzt, aufgrund der Initiative von anderen Kindern. Seitdem hat „Plant for the Planet“ eine rasante Entwicklung hinter sich. Erste Flyer wurden gedruckt und mit dem Autohersteller Toyota gewann man einen größeren Sponsor. Unterstützt wird Felix zusätzlich von seiner Familie, die ihm tatkräftig zur Seite steht.

Felix Finkbeiner: „„Wir Kinder machen es, weil es um unsere Zukunft geht. Was die Erwachsenen tun oder nicht tun, müssen wir Kinder einmal ausbaden. Gletscher schmelzen, die Meere steigen, die Dürren nehmen zu und überall auf der Welt verhungern Menschen““

Aus dem damaligen Appell an die eigenen Klassenkameraden ist mittlerweile eine internationale Umweltbewegung geworden. Zusätzlich zu den vielen Städten in Deutschland erklärten sich weltweit viele Kinder aus 72 Ländern bereits bereit, ebenfalls eine Million Bäume in ihren Ländern pflanzen zu wollen. Ende 2009 hat der mittlerweile 12-jährige Schüler sein erstes Teilziel erreicht: Auf dem Petersberg bei Bonn wurde der millionste Baum eingepflanzt – eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Mittlerweile ist Felix auf der ganzen Welt unterwegs, um über seine Initiative zu berichten. Ob in Italien, New York oder in China, sogar vor dem Europäischen Parlament hat er schon gesprochen. Den früheren amerikanischen Vizepräsidenten und Klimaaktivisten Al Gore und den früheren UNO-Generalsekretär Kofi Annan kennt Felix persönlich. In der Schule bekommt er kein Problem, denn als Musterschüler fällt es ihm nicht schwer, versäumte Unterrichtsstunden schnell wieder nachzuholen.

Felix Finkbeiner: „“Stellen wir uns mal vor, wir wären ein Moskito und stünden einem Rhinozeros gegenüber. Glauben wir, dass wir das Tier dazu bewegen können, seine Richtung zu ändern? Vermutlich nicht. Aber wenn wir tausend Moskitos sind, dann wird das Rhinozeros in eine andere Richtung laufen. Wenn ein paar Kinder Bäume pflanzen, dann mag der einzelne Baum nicht viel bewirken, wenn sich aber die Kinder der ganzen Welt zusammentun, und Bäume pflanzen, dann können wir gemeinsam die Welt verändern““

Jeder liebt es, über die Klimakrise zu philosophieren. Wie können wir CO2-Emissionen vermeiden, die Umwelt schützen, den Energieverbrauch senken und vieles mehr. Aber reden allein wird uns nicht vor den Auswirkungen schützen. Es ist schon bemerkenswert, dass ein Bub in seinen noch jungen Jahren bereits viel mehr gegen die Klimaerwärmung getan hat, als so mancher Politiker in seinem gesamten Leben. Denn schon Mahatma Gandhi erkannte, dass ein Gramm Handeln mehr Wert ist als eine Tonne Predigt. Wenn sich ein jeder von uns ein paar Gedanken machen würde wie er unserem Klima ein bisschen helfen könnte und dies auch tatsächlich in die Tat umsetzt, befinden wir uns auf dem richtigen Weg. Wir sollten uns nicht immer auf andere Menschen verlassen, denn wir alle leben auf dem gleichen Planeten und jeder hat Selbstverantwortung dafür zu übernehmen.

Seit der Initiative von Felix Finkbeiner wurden weltweit bereits mehrere Milliarden Bäume gepflanzt.