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Nepal ist ein Staat in Südasien, welcher direkt an Indien angrenzt. Das Land zählt zu den ärmsten Ländern auf der Welt, es gibt kaum eine brauchbare Infrastruktur und die Wirtschaft liegt am Boden. Viele der Nepalesen arbeiten in der Landwirtschaft und leben unterhalb der Armutsgrenze. Aufgrund der wirtschaftlichen Not der meisten Familien werden viele junge Mädchen an Menschenhändler verkauft, die ein besseres Leben für die Mädchen versprechen. Frauen besitzen in Nepal generell einen sehr geringen gesellschaftlichen Wert, somit haben viele Familien kein Problem mit einem Verkauf. Was die Schlepper jedoch wirklich mit den jungen Mädchen im Alter von bereits acht Jahren aufwärts vorhaben, wird verschwiegen. Tausende Minderjährige werden so Jahr für Jahr in das benachbarte Indien verschleppt und an Bordelle weiterverkauft. Was dort die unschuldigen Kinder und Jugendlichen in jungen Jahren bereits erleben müssen, ist kaum vorstellbar.

Sofort nach ihrer Ankunft wird der Wille der Mädchen durch Massenvergewaltigungen und Folter gezielt gebrochen. Die skrupellosen Bordellbesitzer setzen die jungen Frauen so stark unter Druck und schüchtern sie ein, dass sie oft schweren seelischen Schaden erlangen. Und mit der Zeit gibt es kaum mehr Hoffnung für die Mädchen für ein besseres Leben. In ihre eigenen Familien können sie meistens nicht mehr zurück, da sie durch die Prostitution als geschändet angesehen werden. Ohne Ausbildung und von der Gesellschaft verachtet, müssen sie sich ihrem Schicksal als Prostituierte hingeben. Das menschenunwürdige Leben in verdreckten Schlafräumen und die brutale Gewalt mit ständigen Vergewaltigungen ließen aber eine sorgenvolle Frau nicht kalt.

Die Lehrerin Anuradha Koirala konnte die Not und das Leid der jungen Frauen nicht mehr ertragen und beschloss, etwas dagegen zu tun. In Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal, gründete sie daher die Hilfsorganisation MAITI Nepal (Haus der Mutter). Die Hilfe war mehr als dringend nötig, denn viele der Mädchen sterben bereits nach kurzer Zeit in den Bordellen oder sind krank. Sie leiden an Hepatitis, sind HIV positiv oder leiden an anderen schweren Geschlechtskrankheiten. Und wenn sie von den Bordellbetreibern nicht mehr zu gebrauchen sind, werden sie einfach auf die Straße gesetzt, ohne jede Hilfe.

Anuradha Koirala: „“Ich war als Lehrerin tätig. Doch all die Gewalt und Diskriminierung von Frauen zu sehen sowie das gravierende Problem der Verschleppung haben mich dazu bewogen, mein Leben zu ändern und damit zu beginnen, Menschenhandel und Kinderprostitution zu bekämpfen““

Anuradha Koirala hat einen fast aussichtslosen Kampf begonnen, denn die Themen AIDS und Sexualität sind in Nepal Tabuthemen und es wird nicht darüber gesprochen. Aber mit unermüdlichem Einsatz und unglaublicher Willenskraft baute sie ihr Hilfsprojekt gegen alle Widerstände der Gesellschaft aus. Ständig werden ehemalige Prostituierte aufgenommen, damit sie wieder ein normales Leben führen können. Sie bekommen eine Ausbildung, zum Beispiel als Teppichknüpferin, um einen Beruf ausüben zu können. Aber die Hilfsorganisation ist auch in den Dörfern von Nepal unterwegs, um die Menschen von den Machenschaften der Menschenhändler aufzuklären. Das ganze Geld von Anuradha Koirala steckt in ihrer Organisation, welche immer wieder auf Spenden angewiesen ist. Wenn einmal ein wenig Geld übrig ist, wird sofort versucht, nepalesische Mädchen aus den indischen Bordellen freizukaufen, um sie dort aus ihrer Hölle zu befreien.

Anuradha Koirala: „„Je mehr ich mit Krankheit und Tod konfrontiert werde, umso mehr werde ich in meinem Kampf gegen das Böse bestärkt““

Zusätzlich begann die Organisation Auffangstationen direkt an der Grenze zu errichten. Mädchen werden angesprochen und aufgeklärt, genauso wie die Grenzpolizei. Aber die Behörden sind oft skrupellos und decken die Geschäfte der Schlepper, trotzdem können immer wieder potentielle Verschleppungen junger Mädchen durch beständigen Einsatz verhindert werden.

Mittlerweile hat es Anuradha Koirala geschafft, das Problem der Kinderprostitution in Nepal weltweit bekannt zu machen. Die Menschenhändler fürchten sie immer mehr, denn durch ihre Furchtlosigkeit und Beherztheit hat sie bereits viele der Verbrecher vor Gericht gebracht. Tausende Mädchen wurden bereits aus der Qual der Zwangsprostitution befreit und sie können wieder ein normales Leben führen. Anuradha Koirala zeigt mit ihrer vorbildlichen Entschlossenheit immer wieder, dass ein Mensch die Welt zum Guten verändern kann.

Anuradha Koirala: „“Meine größte Vision wäre, dass wir Maiti Nepal schließen könnten, weil unsere Arbeit nicht mehr erforderlich wäre““