Norwegen -– Der blutigste Anschlag der Geschichte

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Marcel Gleffe verbrachte gerade einen gemütlichen Urlaub auf dem Campingplatz in Utvika (Norwegen), als plötzlich auf der 500 Meter entfernten Insel Utoya dumpfe Schüsse fielen. Utoya war eine sehr kleine Insel (500 Meter lang, 350 Meter breit), wo gerade hunderte Jugendliche ein Ferienlager abhielten. Marcel Gleffe hatte ein ungutes Gefühl, denn wie ein Feuerwerk hörten sich die Schüsse nicht an. Sofort lief er zur Küste und blickte mit einem Fernglas hinüber zu der Insel. Er konnte es kaum glauben was er da sah, denn viele Jungendliche stürzten sich voller Panik und Schrecken in das eiskalte Wasser.

 
Marcel Gleffe: „„Die sind von Klippen gesprungen und man sah, dass sich viele dabei verletzt haben. Da wusste ich, dass sie auf der Flucht waren““

Ohne lange zu zögern rannte Marcel Gleffe zu seinem kleinen gemieteten Motorboot, welches er zum Angeln benutzte, und raste so schnell er nur konnte in Richtung der Insel. Da tauchten auch schon die ersten Gesichter der Jugendlichen im Wasser auf, alle im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Marcel Gleffe zog die ersten Hilfesuchenden auf sein kleines Boot. Ein kalter Schauer durchzuckte Marcel Gleffe, denn die Jugendlichen riefen immer wieder unter Todesangst: „Runter, runter, er schießt auf uns!“ Der gelernte Dachdecker ging sofort in Deckung und brachte die ersten Kinder wohlbehalten an Land.

Marcel Gleffe: „“Sie waren völlig fertig, hatten Heulkrämpfe und kauerten sich im Boot aneinander. Sie hätten das alleine im eiskalten Wasser nicht überlebt““

Marcel Gleffe fuhr sofort wieder zurück, um noch mehr Kinder zu retten. Blitzartig waren wieder Schüsse zu hören, und Marcel Gleffe konnte aus der Ferne einen Mann erkennen, der auf einem Felsen saß und auf die Kinder zielte. Schnell zog er seinen Kopf ein, um nicht selber in die Schusslinie zu geraten, und half wieder den durchgefrorenen Mädchen und Jungen auf sein Boot, um sie in Sicherheit zu bringen. Marcel Gleffe rettete alleine durch sein beherztes Handeln bis zu 30 Jugendlichen das Leben, obwohl ihm bewusst war, dass er sich in akuter Todesgefahr befand. Er war Zeitzeuge eines schrecklichen Massakers, aber als er später die ganze grausame Geschichte erfuhr, standen dem unerschrockenen Helden die Furcht und der Schock tief ins Gesicht geschnitten. Was war geschehen?

Am 22. Juli 2011 explodierte im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt Oslo eine Bombe, acht Menschen kamen ums Leben, viele wurden verletzt. Während sich die Polizei noch fieberhaft um die Opfer kümmerte, war der Attentäter bereits als Polizist verkleidet auf dem Weg zur kleinen Insel Utoya, wo er sich nun alleine und abgeschieden mit über 600 Jugendlichen befand. Schlagartig zückte er ein Gewehr und begann unter einem furchteinflößenden Gebrüll auf die Jugendlichen zu schießen und schnell gab es erste Tote. Einige der Teenager versuchten sich tot zu stellen, doch der Täter ging auf Nummer sich und schoss vielen noch einmal brutal in den Kopf. Andere Jugendliche, die gerade von der anderen Seite der Insel kamen, liefen dem Polizisten hilfesuchend entgegen, sie wussten nicht, dass sie es mit dem Attentäter zu tun hatten, sie alle wurden kaltblütig erschossen. Die jungen Menschen stürzten sich nun Hals über Kopf in das eiskalte Wasser, um sich irgendwie zu retten. Und Leuten wie Marcel Gleffe war es zu verdanken, dass die meisten von ihnen auch überlebten. Der gesamte Horror dauerte über eine Stunde, wo der Killer ungehindert die wehrlosen Kinder verfolgen konnte. Als die Polizei dann eintraf, ergab er sich kampflos.

 
Die grausame Bilanz des gesamten Anschlages: 77 Menschen wurden getötet, 69 Kinder und Jugendliche alleine auf der Insel Utoya. Der norwegische Ministerpräsident bezeichnete diese unfassbare Tat als die schlimmste Katastrophe in Norwegen seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Attentäter, Anders Behring Breivik, galt als rechtsextremer und ausländerfeindlicher Mann und wollte in seiner psychisch kranken Welt auf die islamische Bedrohung aufmerksam machen. Die ganze Welt verurteilte diese grausame Tat und stellte sich geschlossen hinter die trauernden Angehörigen. Der 18-jährigen Norwegerin Bano Rashid kann dieser Beistand leider nicht mehr helfen, sie wurde als erstes Opfer der vielen Toten in einer bewegenden Trauerfeier in Norwegen beerdigt. Bano Rashid sowie die vielen anderen Jugendlichen hatten ihr ganzes Leben noch vor sich und wurden viel zu früh aus der Welt gerissen.

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