Maya Angelou -– „Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt“

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Maya Angelou wurde am 04. April 1928 in der Stadt St. Louis (USA) geboren. Im Alter von drei Jahren ließen sich ihre Eltern scheiden, und so wurde sie gemeinsam mit ihrem Bruder zu einer im südlichen Bundesstaat Arkansas lebenden Großmutter geschickt, da weder die Mutter, noch der Vater für sie sorgen wollten. Die kleinen Kinder wurden einfach wie Gepäcksstücke beschriftet und mit dem Zug alleine auf die lange Reise geschickt. Im Gegensatz zu den Eltern kümmerte sich die Großmutter aber fürsorglich um die Kinder, Maya Angelou ging zur Schule und konnte in ihrer Freizeit verschiedene Tanzkurse besuchen. Trotzdem bekam sie bereits als Kind die rassistische Diskriminierung mit, da sie, wie ihre Familie, dunkelhäutig war.

In der Schule musste sie die Folgen der rassistischen Unterdrückung erleben, schwarze Kinder wurden ständig benachteiligt. Maya Angalou verstand diese Ungerechtigkeiten nicht, und sie verstand auch nicht, warum ein weißer Zahnarzt sich einfach weigerte, ihren schlechten Zahn zu behandeln. Trotzdem versuchte die Großmutter, den Kindern die traditionellen afrikanischen Werte zu vermitteln und immer an das Gute im Menschen zu glauben. Nach vier Jahren schickte die Großmutter die Kinder wieder zurück zu ihrer Mutter, denn die Brutalität und der Rassismus nahmen immer mehr zu, und die Großmutter wollte die Kinder davor beschützen. Dies sollte aber fatale Folgen für Maya Angelou haben.

Im Alter von acht Jahren wurde das junge Mädchen von dem Freund der Mutter sexuell missbraucht und vergewaltigt. Nachdem Maya Angelou diese schreckliche Tat öffentlich machte, hatte dies zusätzlich schlimme Auswirkungen. Als Verwandte von ihr von dieser Misshandlung erfuhren, prügelten sie den Freund der Mutter zu Tode. Maya Angelou stand unter Schock, denn plötzlich verstand sie, dass durch ihre Worte ein Mensch getötet wurde. Das junge Mädchen wusste nun keinen Ausweg mehr und wurde stumm, von nun an sprach sie kein Wort mehr. Die Verletzung ihres Körpers, das Trauma der Vergewaltigung und der Todesfall waren zu viel gewesen für das kleine Mädchen.

Maya Angelou: „“Die Kraft meiner Worte hat jemanden zu Tode gebracht“

Maya Angelou beschäftige sich jetzt viel mit Büchern und Gedichten. Sie las reichlich von William Shakespeare oder Edgar Allan Poe und fand hier auch Halt in ihrer schwierigen Situation. Sie nutzte die Fantasiewelt der Bücher, um mit ihrer eigenen Vergangenheit fertig zu werden, jedoch blieb sie in dieser Zeit weiterhin stumm. Das Mädchen entdeckte ihre Liebe für die Literatur und entwickelte in dieser Zeit der Stille zusätzlich ein außerordentliches Gedächtnis und lernte viele Geschichten und Gedichte auswendig. Erst nach über fünf Jahren, im Alter von bereits 13 Jahren, fand Maya Angelou wieder die Kraft zu sprechen. Sie ging auf die High School und versuchte nebenbei Geld zu verdienen. Obwohl sie im Berufsleben aufgrund ihrer schwarzen Hautfarbe diskriminiert wurde, kämpfte sie immer wieder erfolgreich dagegen an, so wurde sie zum Beispiel die erste afroamerikanische Straßenbahnschaffnerin in San Francisco (Kalifornien). Aber ihr Leben nahm wieder eine entscheidende Wendung, als sie mit 16 Jahren schwanger wurde und kurz nach ihrem Schulabschluss ihren Sohn zur Welt brachte.

Maya Angelou: „“Ich habe gelernt, egal was passiert oder wie schlecht es heute ausschaut, das Leben geht weiter und morgen wird es besser““

Als alleinerziehende Mutter nahm sie verschiedene Jobs an, sie arbeitete als Köchin oder kellnerte in Nachtclubs. Es war eine turbulente Zeit, sie tanzte und sang auch auf Bühnen, um ihren Lebensunterhalt verdienen zu können und um nicht in die Armut abzurutschen. Maya Angelou war auf der Suche nach einem Platz für sie in einer gehässigen Gesellschaft, denn eine alleinerziehende schwarze Frau mit einem Kind wurde nicht wirklich akzeptiert. Um mehr von der Welt zu sehen ging sie einige Zeit später mit einem südafrikanischen Freiheitskämpfer nach Afrika und arbeitete dort als Lehrerin und als Schriftstellerin, nebenbei studierte sie mehrere Sprachen. Als sie wieder zurück in Amerika war, war sie für den Bürgerrechtler Martin Luther King tätig, um gegen soziale Ungerechtigkeiten und gegen Rassismus zu kämpfen, nebenbei schrieb sie Bücher und Gedichte darüber. Als Martin Luther King jedoch ermordet wurde, es war genau der Tag an ihrem Geburtstag, war Maya Angelou am Boden zerstört. In ihrem größten Schmerz entschloss sie sich aber, in mehreren Bänden eine Autobiografie über ihre Lebensgeschichte zu veröffentlichen. Der erste Teil: „„Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt““ wurde 1970 veröffentlicht.

Maya Angelou: „„Wirklich gut können wir nur bei etwas werden, was wir lieben. Mach nicht das Geld zu deinem Ziel, sondern verfolge die Dinge, die du richtig gern machst. Und: Mach sie so gut, wie du nur kannst““

Foto von Rick Lewis, NPS

 
Die Geschichten über eine afroamerikanische Frau in einer rassistischen Gesellschaft machten sie schlagartig bekannt. Maya Angelou verstand es, ihre Abenteuer und Erlebnisse so fesselnd zu schreiben, dass sie weltweit Anerkennung dafür erhielt. Sie bekam zahlreiche Auszeichnungen von Universitäten und auch literarischen Gruppen, da sie auch immer wieder faszinierende Gedichte veröffentlichte. Maya Angelou begann nun öffentlich gegen soziale Ungerechtigkeiten zu kämpfen, sie hielt Vorträge und unterrichtete an Schulen.

Aus einem stummen Mädchen mit teilweise schrecklichen Schicksalsschlägen wurde eine der einflussreichsten Schriftstellerinnen ihrer Zeit und zu einer der wichtigsten Personen im Kampf für Menschenrechte. Maya Angelou wurde Vorbild für Millionen von Menschen, sie zeigte den Leuten, dass es sich immer lohnt, niemals im Leben aufzugeben, egal wie schlimm die Situation im Leben war.

1993 durfte sie bei der Amtseinführung des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton ein Gedicht vortragen, da Bill Clinton ein sehr begeisterter Leser von ihren Werken war. 2009 las sie bei der Trauerfeier für den berühmten Musiker Michael Jackson ein dichterisches Werk von ihr vor. 2011 wurde sie mit der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten von Amerika geehrt, mit der „“Presidential Medal of Freedom““ („Freiheitsmedaille des Präsidenten). Diese Anerkennung wurde ihr persönlich von dem US-Präsidenten Barack Obama überreicht.

Maya Angelou starb am 28. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren.

Maya Angelou: „„Ich habe gelernt, dass dir das Leben manchmal eine zweite Chance bietet““

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