Joana Adesuwa R. –- Ein Kampf gegen Hexenverfolgung und Voodoo-Zauber

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Joana Adesuwa Reiterer wurde 1981 in Nigeria (Westafrika) geboren und erlebte eine glückliche Kindheit, ihr Vater betrieb erfolgreich eine Tankstelle und konnte so die Familie gut versorgen. In weiten Teilen Nigerias wuchs man aber mit dem Wissen auf, dass es Geister und Hexen gab und dass es mächtigen Juju-Priestern (Voodoo-Priestern) vorbehalten war, diese Hexenkräfte vertreiben zu können. Joana dachte sich nicht viel dabei, denn sie konnte sich niemals vorstellen, jemals damit in Berührung zu kommen. Als die Geschäfte des Vaters mit der Tankstelle jedoch schlechter liefen, suchte er die Hilfe von einer solchen Juju-Priesterin, welche die Schuldige sofort ausmachen konnte. Sie behauptete einfach, dass Joana eine Wassergöttin mit magischen Kräften wäre und dass sie für das Unglück des Vaters verantwortlich war. Plötzlich wurde aus einem unschuldigen Mädchen eine Ausgestoßene, die man von einem bösen Zauber heilen musste.

Joana war nun den seltsamen Ritualen der Juju-Priesterin ausgeliefert, sie musste zum Beispiel mehrere Tage ohne Essen aushalten, sie bekam dabei nur eine übelriechende Flüssigkeit zu trinken, um die bösen Kräfte zu vertreiben. Joana wurde von ihrem Vater immer weiter verstoßen und in die Fänge der unheimlichen Rituale der Juju-Priesterin gedrängt, bis sie die Tortur nicht mehr aushielt und im Alter von 16 Jahren in die nächste Stadt flüchtete. Ohne Geld und Hilfe schlief sie nun in bitterer Armut unter Brücken und musste jeden Tag um das Überleben kämpfen. Innerhalb kürzester Zeit war sie von einer wohlbehüteten Kindheit in die absolute Hölle gekommen.

Joana ließ sich durch ihre Lebensumstände aber nicht unterkriegen, sie nahm verschiedene Jobs an und begann nebenbei zu studieren. Eines Tages begegnete ihr der in Wien lebende und charismatische Nigerianer Tony, mit dem sie bald nach Österreich übersiedelte und ihn auch heiratete. Nach ihrer schweren Zeit erhoffte sie sich ein besseres Leben, aber es sollte wieder alles anders kommen. Ihr Mann verlangte von ihr als Zeichen ihrer Liebe, dass sie an einem geheimnisvollen Voodoo-Ritual in Nigeria mitwirken sollte, um die Liebe zu ihm zu bestätigen. Unter großem Druck zwang er Joana, an diesem siebentägigen Ritual teilzunehmen. Joana wurde unter Drogen gesetzt und erlebte diese Zeremonie wie in Trance, es wurden Ziegen und Hühner dabei geschlachtet und eigenartige Aussprüche getätigt, sie hatte keine Chance, sich irgendwie zu wehren.

Joana Adesuwa R.: „“Blut floss aus den vier Hühnerkörpern, die Männer bespritzten mich damit und raunten Wünsche und Flüche““

Zutiefst verstört kehrte Joana nach Wien zurück und bald merkte sie, dass mit ihrem Mann zusätzlich etwas nicht stimmen konnte. Er hatte ihr erzählt, dass er ein Reisebüro führte, aber von den vielen jungen und ängstlichen Nigerianerinnen, die ständig in ihrer kleinen Wohnung waren, war nicht die Rede gewesen. Als Joana auch noch Dokumente und Reisepässe fand, ausgestellt auf Namen, welche sie manchmal kannte, mit Fotos, die nicht dazu passten, musste sie plötzlich erkennen, dass ihr Mann ein Menschenhändler und Zuhälter war. Joana packte sofort ihre Sachen und lief in die Nacht hinaus. Wie ein Häufchen Elend saß sie nun weinend auf einer Parkbank, sie wusste nicht, wie ihr Leben nun weitergehen sollte, nach ihrer Ausgrenzung von ihrer Familie war sie nun wieder völlig auf sich allein gestellt, noch dazu in einem fremden Land. Erst als ein Fußgänger ihr die Telefonnummer von einem Wiener Frauenhaus gab, welche sich um Frauen wie Joana kümmerte, fand sie Schutz und einen neuen Schlafplatz.

Joana kämpfte weiter und nahm nun verschiedene Hilfsarbeiten an um Geld zu verdienen und lernte außerdem die deutsche Sprache. Obwohl sie kein Eigentum besaß, versuchte sie, komplett neu anzufangen und positiv in die Zukunft zu blicken. Bald ergatterte sie bessere Jobs und bekam ihr Leben wieder in den Griff. Aber sie dachte nicht nur an sich, sondern an die vielen Menschen, die auch ihre Hilfe benötigten, und so gründete sie im Jahr 2006 den Verein „Exit“, um Menschenrechtsverletzungen und Frauenhandel zu bekämpfen, und diese Unterstützung war mehr als notwendig.

Geisterglaube ist in den afrikanischen Ländern, vor allem in den ärmeren Gebieten, weit verbreitet. Läuft im Leben etwas schief, so muss jemand gefunden werden, der die Schuld daran trägt, und das sind immer die Schwächsten in der Gesellschaft, die Frauen und die Kinder. Juju-Priester, die oft mit kriminellen Menschenhändlern kooperieren, nutzen diesen Aberglauben aus und verdienen dadurch viel Geld, auf Kosten unschuldiger Menschen vertreiben sie angeblich die bösen Geister durch schmerzhafte Rituale. Und wenn die Opfer die Juju-Bestimmungen nicht akzeptieren oder das Pech nicht in Glück umschlägt, werden Frauen und Kinder ausgestoßen, gefoltert oder lebendig verbrannt, weil man glaubt, dass sie Hexen sind. Tausende Frauen und Kinder leben heute in Afrika auf der Straße, weil sie als angebliche Hexen vertrieben worden sind. Hilfe gibt es nur in vereinzelten Hexendörfern, wo sie Zuflucht finden können.

Joana Adesuwa R.: „“Kinder werden auf grausame Weise als Hexen verfolgt. Sie werden gefesselt, geschlagen oder mit Säure verätzt. Diese Rituale sind Show und Geschäftemacherei und bringen einem sogenannten Priester oft mehrere Tausend Euro““

Die Nigerianerin Joana Adesuwa Reiterer kämpft heute von Wien aus gegen diese grausamen Rituale der Geisteraustreibung, gegen die brutale Hexenjagd auf Kinder und gegen den Frauenhandel, denn viele Frauen aus Afrika werden heute mit falschen Versprechungen nach Europa gelockt, wo sie dann zur Prostitution gezwungen werden, um damit ihre Schulden bezahlen zu können. Als eine der wenigen Menschen hat Joana den Mut, die Öffentlichkeit von der Problematik des Menschenhandels und des Hexenwahns zu informieren und dagegen anzukämpfen. Überall auf der Welt hält sie schockierende Vorträge über Menschenrechtsverletzungen und von Hexenverfolgungen, die an barbarische Zustände wie im Mittelalter erinnern, die aber heute tatsächlich noch so passieren.

Joana Adesuwa Reiterer gibt mit ihrem Verein „Exit“ dem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen eine öffentliche Stimme. Obwohl sie selbst Opfer des Juju-Kults wurde und schreckliche Dinge durchzustehen hatte, gibt sie heute zahlreichen Menschen Mut und neue Hoffnung, sich gegen diese alte und abscheuliche Tradition zur Wehr zu setzen.

Für ihr Engagement bekam Joana bereits mehrere Auszeichnungen, unter anderem wurde sie 2008 von der Women’s Federation for World Peace mit dem Titel „Ambassador of Peace“ („Botschafter des Friedens“) geehrt.

Joana Adesuwa R.: „„Es geht nicht um mich. Es geht darum, dass auf dieser Welt ein Verbrechen geschieht, das publik gemacht werden muss““

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