Das Bergunglück und das lebensrettende Bauchgefühl

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Der 55-jährige Lothar Bücher machte sich im September 2011 auf zu einer Bergtour auf die Höfats (Berg in Bayern, Deutschland). Er war ein echter Bergprofi und hatte schon viele große Gipfel bestiegen, aber diesmal hatte er eine sehr gefährliche Route ausgewählt, da auf diesem Berg in der Vergangenheit bereits viele Wanderer verunglückt waren. Die Hänge waren oft bis zu 80 Grad steil und mit Gras bewachsen, somit hatte man bei einem Fehltritt keinen Halt mehr und stürzte oft mehrere hundert Meter ab. Lothar Bücher war sehr gut ausgerüstet für die Besteigung des Berges, jedoch fand er schon zum Start nicht den richtigen Einstieg in den Berg. Fernab der üblichen Routen wurden die Grashänge immer steiler und rutschiger, obwohl er Steigeisen dabei hatte, die man eigentlich für Eisflächen benutzte.

Am Abend ging ein Notruf bei der Polizei ein. Die Wirtin der Pension, wo Lothar Bücher übernachtete, schlug Alarm, denn Lothar Bücher war noch immer nicht von seiner Tour zurückgekehrt. Sofort wurde eine Suchaktion gestartet um den Vermissten zu finden, jedoch ohne Erfolg. Am nächsten Tag wurden Rettungskräfte zu Fuß in den Berg geschickt und ein Helikopter flog die steilen Hänge immer wieder ab. Von Lothar Bücher fehlte aber jede Spur, auch die eingesetzten Spürhunde konnten ihn nicht finden. Nach einigen Tagen waren die Chancen, Lothar Bücher wieder lebendig aufzufinden, nur mehr sehr gering. Alles deutete auf einen Absturz hin, den er vermutlich nicht überlebt hatte.

Der Familie wurde die Nachricht übermittelt, dass man die Suche aufgrund fehlender Erfolgsaussichten wieder einstellen wollte. Für den Sohn, Marius Bücher, der den Rettungsmannschaften vertraut hatte, war dies jedoch nicht zu akzeptieren. Er hatte ein Gefühl, dass sein Vater noch am Leben war und versuchte, seinen Vater am Berg zu visualisieren. Seine innere Stimme sagte ihm, dass sein Vater noch lebte und er noch irgendwo verletzt am Berg lag. So fuhr er am fünften Tag zum Unglücksberg, um selbst nach seinem Vater Ausschau zu halten. Außerdem hatte er ein Foto seines Vaters dabei, denn vielleicht hatte ihn jemand gesehen. Der Verantwortliche für die Rettungsaktion erklärte Marius Bücher, wie bei der Suche vorgegangen wurde und zeigte ihm die GPS-Aufzeichnungen der Suchflüge. Marius Bücher merkte schnell, dass wirklich mit größter Sorgfalt die Rettungsaktion geplant und auch durchgeführt wurde.

Die Rettungskräfte gaben die Hoffnung bereits auf, bis auf Marius Bücher. Nochmals wurde die Strecke, die Lothar Bücher genommen hatte, mit einem kleinen Suchtrupp und einem Auto abgefahren. Der Optimismus von Marius Bücher schwand, denn es waren nur mehr wenige Meter, dann würden sie wieder umkehren müssen. Der Verstand sagte ihm, dass es keine Hoffnung mehr gab, aber das Bauchgefühl sagte etwas anderes. Plötzlich passierte jedoch das Unfassbare. Beim Vorbeifahren erblickte man in der Ferne einen Körper am Fuße des Berges. Sofort lief das kleine Rettungsteam mit Marius Bücher zu der Person, und man fand tatsächlich noch einen lebenden Lothar Bücher. Er war schwer verletzt, trug nur mehr einen Socken und litt aufgrund eines Wassermangels unter starker Dehydration. Der Verletzte war orientierungslos und konnte sich an nichts mehr erinnern, auch nicht, wie er sich an diese Stelle schleppen konnte. Sofort wurde er mit einem Rettungshubschrauber in das nächste Krankenhaus geflogen, wo er umgehend versorgt wurde.

Lothar Bücher brach sich mehrere Rippen, zwei Halswirbel und zertrümmerte sich sein Schulterblatt. Er erlitt außerdem einen Schlaganfall, da er vermutlich irgendwo mit dem Kopf aufgeschlagen hatte, dies dürfte auch der Grund dafür sein, warum er sich an nichts mehr erinnern konnte. Lothar Bücher hatte sich trotz der schweren Verletzungen kriechend nach unten begeben, und dies fünf Tage lang, ohne Wasser und ohne Essen. Es war aber nicht nur seiner körperlichen Fitness zu verdanken, dass er noch am Leben war.

Es war dem Instinkt seines Sohnes zu verdanken, dass er noch lebend gefunden wurde, denn eine weitere Nacht auf diesem Berg hätte er vermutlich nicht überlebt. Für die Rettungskräfte war es ein unglaublicher Zufall, dass der Vater und der Sohn zur gleichen Zeit an dem gleichen Ort zusammengeführt wurden. Lebensrettend war aber ein einfaches und schlichtes Bauchgefühl von Marius Bücher. Er hörte auf seine innere Stimme und rettete so im letzten Moment seinen Vater vor dem sicheren Tod.

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