Philo Farnsworth -– Vom Kartoffelfeld zur Erfindung des Fernsehers

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Philo Farnsworth wurde am 19. August 1906 in Indiana Springs (USA) geboren. Er wuchs in armseligen Verhältnissen in einer einfachen Blockhütte auf, es gab keinen Strom und kein fließendes Wasser. Nach einigen Jahren übersiedelte die Familie auf eine kleine Farm in Rigby (Idaho), wo der Vater als Landwirt arbeiten konnte. Das Leben in dem neuen Haus war zwar weiter sehr bescheiden, aber es gab zum ersten Mal Elektrizität. Zudem entdeckte Philo Farnsworth auf dem Dachboden Zeitschriften über Elektrotechnik, welche ihn sofort faszinierten. Es war eine vollkommen neue Welt, die Philo Farnsworth nun Schritt für Schritt erforschte.

Da die nächste Schule mehrere Kilometer entfernt lag, musste Philo Farnsworth die Strecke mit einem Pferd zurücklegen. Vor allem in den Fächern Physik und Chemie war er ein wissbegieriger Schüler und durfte bereits nach kurzer Zeit Lehrgänge für ältere Schüler besuchen. Im Alter von 12 Jahren zeigte sich zum ersten Mal seine außergewöhnliche technische Begabung. Da die Mutter eine mechanische Waschmaschine mühsam mit der Hand bewegen musste, schloss Philo Farnsworth kurzerhand einen alten Elektromotor an das Gerät an. Dadurch vereinfachte er ungemein das Waschen mit einer nun neuen elektrisch betriebenen Waschmaschine. Mit 14 Jahren war Philo Farnsworth gerade mit dem pflügen des Kartoffelfeldes beschäftigt, als ihm eine Idee von der elektronischen Bildübertragung kam.

Genauso, wie er die Furchen nacheinander in den Acker zog, konnte man vielleicht auch ein Bild Zeile für Zeile elektronisch übertragen. Philo Farnsworth schaffte es durch sein technisches Talent auf eine Universität, wo er seine Kenntnisse in der Elektrotechnik noch weiter vertiefen konnte. Nach kurzer Zeit musste er sein Studium jedoch wieder beenden, weil er sich nach dem Tod seines Vaters um die Familie kümmern musste. Die Idee von der elektronischen Bildübertragung ließ ihn aber nicht mehr los und der 19-jährige Philo Farnsworth schaffte es tatsächlich, Geldgeber für seine Vision des Fernsehers zu finden. Er übersiedelte in ein Labor nach Kalifornien, um sich von nun an voll und ganz auf seine Forschungen zu konzentrieren.

Philo Farnsworth benutzte eigene Wege, um seine Ziele zu erreichen. Er hatte zwar keine entsprechende Ausbildung, dafür war er aber frei von irgendwelchen Vorurteilen. Er probierte und erforschte neue Wege, welche noch nie ein Wissenschaftler vor ihm gegangen war. Philo Farnsworth wollte sich nicht mit Nebensächlichkeiten aufhalten, sondern konzentrierte sich immer auf seinen Traum, eines Tages einen Fernseher zu konstruieren. Da seine erste fertiggestellte Kamera explodierte, musste er wieder komplett von vorne beginnen, auch wieder mit neuen Geldgebern. Am 07. September 1927 gelang ihm schließlich die große Sensation, als er ein Bild an einen Empfänger in einem anderen Raum übertragen konnte. Er schuf somit das erste Fernsehbild der Welt.

Philo Farnsworth: „„Bitte sehr: elektronisches Fernsehen““

Kurz nach dieser bahnbrechenden Erfindung besuchte ihn sein direkter Konkurrent, Vladimir Zworykin, in seinem Labor. Philo Farnsworth erklärte ihm voller Freude seine Entdeckung, was jedoch sehr naiv war. Denn Vladimir Zworykin hatte bereits vor einigen Jahren ein Patent auf eine Bildaufnahmeröhre angemeldet, schaffte es jedoch nicht, dieses in die Tat umzusetzen. Vladimir Zworykin, welcher für den mächtigen Konzern RCA arbeitete, konstruierte kurz danach ebenfalls seine erste Kameraröhre, welcher mit der von Philo Farnsworth fast ident war.

Foto von Harris & Ewing

Es folgte nun ein jahrelanger Patentstreit, der von der mächtigen RCA mit sehr viel Geld und Anwälten geführt wurde. Während dieser Gerichtsauseinandersetzung durfte Philo Farnsworth keine Fernsehgeräte herstellen und verkaufen, was ihm schwer zu schaffen machte. Nach langem Kampf gewann Philo Farnsworth zwar den Patentstreit, aber unglücklicherweise brach in dieser Zeit der 2. Weltkrieg aus und das Fernsehen war im Krieg überwiegend militärischen Nutzungen vorbehalten. Nach dem Ende des Krieges liefen die Patente von Philo Farnsworth aber bereits aus, sodass er sie nicht mehr verwerten konnte. Das große Unternehmen RCA verkaufte nun im großen Stil die Fernseher und machte zudem Werbung in eigener Sache, den Fernseher tatsächlich erfunden zu haben. Philo Farnsworth verdiente nichts mehr daran und zog sich schließlich deprimiert aus der Fernsehforschung zurück.

Philo Farnsworth verfiel in Depressionen und wurde alkoholabhängig, außerdem brannte sein Labor mit seinem gesamten Lebensinhalt bei einem Feuer aus. Er beschäftigte sich bis zu seinem Lebensende mit anderen Projekten, aber an seine größte Entdeckung, wie die des Fernsehers, sollte er nicht mehr herankommen.

Philo Farnsworth starb am 11. März 1971. Eine kleine Ehrentafel, wo sich sein ehemaliges Labor befand, erinnert heute noch an seine großen Leistungen. Es dauerte noch viele Jahre, bis man ihm die nötige Anerkennung schenkte. Im Jahr 1999 wurde Philo Farnsworth vom TIME-Magazin unter die 100 wichtigsten Personen des Jahrhunderts aufgenommen.

Albert Einstein –- Der Außenseiter, der die Macht der Träume verstand

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Albert Einstein wurde am 14. März 1879 in der Stadt Ulm (Deutschland) geboren. Anfangs hielt man ihn für zurückgeblieben, da er erst im Alter von 3 Jahren zu sprechen begann. Als kleines Kind hatte er ein Schlüsselerlebnis in seinem Leben, als ihm sein Vater einen Kompass zeigte. Er entdeckte zum ersten Mal, dass auf der Welt unsichtbare Kräfte wirken mussten und dies erweckte von nun an seine Neugier. Albert Einstein war zwar ein guter Schüler, er bekam jedoch in der Schule Probleme, da er sich nicht den strengen Regeln unterwerfen wollte. Die Methoden der Lehrer, mit Angst und Gewalt bei den Schülern an Autorität zu gewinnen, nahmen ihm jegliche Freude an der Schule. Immer wieder lehnte er sich gegen Lehrkräfte auf und auch strenge Strafen konnten seinen Willen nicht brechen. Die heftigen Auseinandersetzungen mit den Lehrern veranlassten Albert Einstein im Alter von 15 Jahren, die von Zucht und Ordnung geprägte Schule überstürzt und ohne Abschluss zu verlassen.

Albert Einstein interessierte sich seit seinem Erlebnis mit dem Kompass nur für die Wissenschaft. Er vertiefte sich stundenlang in naturwissenschaftliche Bücher und verschaffte sich ständig einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung. Eines Tages hatte er einen Traum, wo er mit einem Schlitten mit Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxie raste und von imposanten Lichtimpulsen begleitet wurde. Albert Einstein war von dieser Erscheinung so tief beeindruckt, dass er wissenschaftliche Forschungen darüber anstellen wollte. Er holte seinen Schulabschluss nach und begann an der polytechnischen Hochschule in Zürich (Schweiz) in Mathematik und Physik zu studieren. Albert Einstein war auch hier sehr eigensinnig und versuchte den laut ihm unvollständigen Lehrstoff privat durch neuere Literatur auszugleichen, wodurch er auch oft mit Abwesenheit in den Vorlesungen glänzte. Über den eigenwilligen Studenten wurde zudem sehr viel diskutiert. Während einige Professoren ihn für faul und eigenbrötlerisch hielten, waren andere wiederum begeistert von den selbst erdachten Methoden von Albert Einstein, welche erstaunlicherweise immer zur richtigen Lösung führten. Für ein ausschweifendes Studentenleben blieb Albert Einstein keine Zeit, dafür war er zu vertieft in sein Studium und seine eigene Weiterbildung.

Albert Einstein: „“Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt““

Albert Einstein beendete im Alter von 21 Jahren erfolgreich sein Studium. Sofort bewarb er sich bei anderen Universitäten, um eine wissenschaftliche Arbeitsstelle zu bekommen, er erhielt jedoch nur Ablehnungen. Egal welche Forschungsanstalt er auch anschrieb, oft wurden seine Ansuchen nicht einmal beantwortet, man hielt ihn einfach für nicht qualifiziert genug. Albert Einstein war sehr deprimiert und fühlte sich wie ein Versager. Obwohl er bei einigen der berühmtesten Physiker und Mathematiker studierte, hatte er sich viele nützliche Kontakte zunichte gemacht, da er den meisten Professoren überhaupt keinen Respekt zukommen ließ. Albert Einstein musste sich nun seinen Lebensunterhalt als Aushilfslehrer verdienen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Nach einiger Zeit fand er endlich eine feste Anstellung beim Schweizer Patentamt in Bern, wo er Patentanträge von Erfindern prüfen musste. Diese Arbeit gefiel ihm, da es ihn geistig forderte und er nebenbei noch genügend Zeit hatte, seiner wirklichen Leidenschaft nachzugehen und über physikalische Gegebenheiten nachzudenken. Er war zwar völlig isoliert von anderen Physikern, aber er arbeitete allein bei weitem effizienter als in der Gemeinschaft und war nicht abgelenkt von voreingenommenen Ansichten.

Foto von Lucien Chavan

Albert Einstein bewahrte sich jeden Tag seine kindliche Neugier und folgte beharrlich seinen Träumereien. Wenn neue Ideen auftauchten, vertraute er auf sein Einfühlungsvermögen und versuchte so, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das Reich der Fantasie war sein wichtigster Ratgeber und seine Intuition die Quelle seiner Forschungen. Albert Einstein spürte instinktiv die Probleme auf, welche in der wissenschaftlichen Erforschung der Naturerscheinungen bestanden. Mit großer Geduld schaffte er es, Lösungen und außergewöhnliche Zusammenhänge zu entdecken und veröffentlichte im Jahr 1905 erste Schriften, welche die Welt der Physik für immer verändern sollten. Unter den Texten befanden sich die neuartige Lichtquantenhypothese oder die Relativitätstheorie. Er revolutionierte dadurch die Vorstellungen von Raum und Zeit und entwickelte daraus die berühmteste Formel der Welt: E = mc² (Energie ist gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat). Während seiner Publikationen arbeitete Albert Einstein noch immer beim Patentamt.

Albert Einstein: „„Wenn ein Mann eine Stunde mit einem hübschen Mädchen zusammensitzt, kommt ihm die Zeit wie eine Minute vor. Sitzt er dagegen auf einem heißen Ofen, scheint ihm schon eine Minute länger zu dauern als jede Stunde. Das ist Relativität““

Albert Einstein erhielt in weiterer Folge eine Lehrberechtigung und kündigte seine Stelle beim Patentamt. Er unterrichtete an den verschiedensten Universitäten und ging hartnäckig seinen eigenen Forschungen nach. Durch wissenschaftliche Untersuchungen und zahlreichen Experimenten konnten die Theorien von ihm bald alle belegt werden. Albert Einstein erlangte dadurch einen hohen Bekanntheitsgrad und seine Thesen verbreiteten sich weltweit. Im Gegensatz zu vielen anderen Wissenschaftlern machte er sich auch ständig Gedanken, wie seine Forschungsergebnisse in die Tat umgesetzt wurden. Am 09. November 1922 erhielt er den berühmten Nobelpreis für Physik. Mit der Zeit stieg er zu einem echten Publikumsliebling auf, die Medien liebten sein extravagantes Auftreten und seine schlagfertigen Antworten. Für die Menschen war er nicht nur der übliche langweilige Wissenschaftler, sondern ein liebevoller Zeitgenosse, welcher offen mit seinen Mitmenschen umging und niemals abgehoben wirkte. Auf der ganzen Welt hielt er viel beachtete Vorlesungen und mehrere Ehrendoktorwürden wurden ihm zuteil. Er nutzte auch seine Bekanntheit, um sich für den Frieden auf der Welt und für Menschenrechte einzusetzen.

Foto von Ferdinand Schmutzer

Albert Einstein starb am 18. April 1955 im Alter von 76 Jahren. Zeit seines Lebens musste er viele Hindernisse überwinden und sich gegen Vorurteile zur Wehr setzen. In der Schule kam es zu ständigen Konflikten mit den Lehrern, in der Studienzeit sprachen die meisten Professoren nur abfällig über ihn und er bekam keine passende Arbeitsstelle, da man ihn für unqualifiziert hielt. Aber Albert Einstein ließ sich davon nie unterkriegen und ging mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein seinen eigenen Weg in der Welt der Physik. Er glaubte an seine Träume und Visionen und hatte ein feines Gespür, sie tatsächlich in die Tat umzusetzen. Durch diese Denkweise schaffte er es, das physikalische Weltbild für immer zu verändern und zu einem der größten Physiker aller Zeiten aufzusteigen. Das Nachrichtenmagazin „Time“ ernannte Albert Einstein 1999 zum Mann des Jahrhunderts.

Albert Einstein: „“Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig““

Martin Cooper -– Dynatac 8000X, das erste Handy der Welt

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Martin Cooper wurde am 26. Dezember 1928 in der Stadt Chicago (USA) geboren und zeigte bereits in jungen Jahren starkes Interesse an maschinellen und technischen Dingen. Ständig zerlegte er Sachen, um zu verstehen, wie diese funktionierten, und baute sie dann wieder zusammen. So forschte und tüftelte er oft den ganzen Tag und es war kaum verwunderlich, dass er in späteren Jahren an der Technischen Universität in Chicago Elektrotechnik studierte und auch erfolgreich seinen Abschluss schaffte.

Martin Cooper: „„Ich habe als Kind versucht, wirklich zu verstehen, wie die Dinge funktionierten““

Danach bekam Martin Cooper eine Anstellung bei der Firma Motorola in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Hier konnte er seiner Kreativität freien Lauf lassen und war vor allem auf Funkanlagen spezialisiert. Die Polizei von Chicago war zu dieser Zeit mit einem Funkgerät im Auto ausgestattet, um mit der Zentrale in Verbindung treten zu können. Waren die Polizisten jedoch weiter weg von ihrem Fahrzeug, konnten sie keine schnelle Meldung machen, da dies nur im Polizeiwagen direkt möglich war. Martin Cooper entwickelte aus diesem Grund mit einem Team eine Konstruktion, wo die Polizisten immer einen eigenen Empfänger bei sich trugen, um mit der Funkanlage im Auto verbunden zu sein. So war nun erstmals eine Kontaktaufnahme mit der Zentrale auch außerhalb des Fahrzeuges möglich.

Da dieses System praktisch war und auf große Beliebtheit stieß, wollte Martin Cooper nun beweisen, dass die Herstellung eines komplett tragbaren Funkgerätes möglich war. In dieser Zeit war Kommunikation über weite Strecken hauptsächlich nur mit Briefen möglich oder man war auf das kabelgebundene Telefon angewiesen. Martin Cooper hatte eine große Vision von einem Telefon, welches man ständig bei sich hatte und wo man jederzeit erreichbar war. Er begann zu experimentieren und nutzte all seine Erfahrung, welche er sich in den letzten Jahren mühevoll aufgebaut hatte. Aber bald mehrten sich negative Stimmen, welche nicht an sein Projekt und seine Idee glaubten.

Martin Cooper: „„Es gab eine Menge Neinsager. Unser Traum war es, dass eines Tages niemand mehr auf einem drahtgebundenen Telefon sprechen würde. Jeder würde auf einem drahtlosen Telefon sprechen““

Die Forschungsabteilung rund um Martin Cooper benötigte viel Geld, um die Entwicklung dieses neuartigen Telefons voranzutreiben. Ständig bekam Martin Cooper Druck von seinen Vorgesetzten, denn sie wollten Ergebnisse sehen und vor allem hohe Umsätze. Martin Cooper wusste, dass sein Projekt sehr viele Geldmittel verschlang, aber er wusste auch, dass sich seine Idee irgendwann durchsetzen musste. Mit viel Fleiß wurde schließlich der erste Prototyp des Mobiltelefons hergestellt, welches mehr als ein Kilogramm wog und eine Länge von mehr als 20 cm hatte. Es war der 03. April 1973, als Martin Cooper das erste Telefonat der Welt über ein Handy führte, doch wer sollte sein erster Gesprächspartner werden?

Foto von Redrum0486 unter CC BY-SA 3.0

Martin Cooper rief ausgerechnet bei seinem größten Rivalen an, dem Technikchef von „Bell Labs“, einer ebenfalls großen Forschungseinrichtung in der Telekommunikationsbranche. Dieser konnte es kaum fassen, dass Martin Cooper gerade mitten in der Stadt New York unterwegs war und bereits drahtlos telefonieren konnte. Martin Cooper war stolz auf sein neu entworfenes Mobiltelefon, er hatte mit seinem ersten Gespräch nicht nur die Funktionstüchtigkeit des Handys bewiesen, sondern hatte auch gleichzeitig seine erbittertsten Konkurrenten bloßgestellt.

Martin Cooper reichte am 17. Oktober 1973 erfolgreich das Patent für seine Erfindung ein. Es dauerte aber noch einige Jahre, bis das weltweit erste kommerzielle Handy von Motorola auf den Markt kommen sollte. Das Dynatac 8000X hatte nur eine kurze Gesprächsdauer und kostete knapp 4.000,– US-Dollar. Trotz des hohen Preises verkaufte sich das Handy aber sensationell und nach nur einem Jahr hatten bereits mehr als 300.000 Menschen dieses Mobiltelefon erworben. Durch technische Weiterentwicklungen und neuen Innovationen verbreitete sich das Handy sehr schnell, es wurde zu einem Verkaufsschlager auf der ganzen Welt.

Martin Cooper führte die Menschen durch das neue Mobiltelefon in eine neue Ära der Kommunikation. Es gab kaum eine Erfindung in der Geschichte der Menschheit, welche so tiefgreifend in den Alltag der Menschen eingriff wie das Mobiltelefon.

Martin Cooper: „“Wir wussten, dass eines Tages jeder ein Telefon haben würde, aber es war schwer, sich vorzustellen, dass es zu meinen Lebzeiten passieren würde““

Josephine Cochrane -– Die Erfinderin der ersten Geschirrspülmaschine

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Josephine Cochrane wurde 1839 in der Stadt Valparaiso im Bundesstaat Indiana (USA) geboren und wuchs in wohlhabenden Bedingungen auf. Im Alter von 19 Jahren heiratete sie einen vermögenden Mann, welcher ihr den Weg in einen einflussreichen Freundeskreis öffnete. Josephine Cochrane war überall gern gesehener Gast und sie veranstaltete auch selbst zahlreiche Partys. Bei diesen Veranstaltungen wurde natürlich nur edelstes Porzellan verwendet, um bei den Gästen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Aber die Angestellten gingen beim Abwasch nicht vorsichtig damit um, immer wieder wurde das teure Geschirr beschädigt oder es ging zu Bruch. Es kam sogar so weit, dass Josephine Cochrane selbst den Abwasch übernahm, doch auf Dauer war dies keine wirkliche Alternative für sie. Plötzlich kam ihr eine Idee, um dieses Problem zu lösen.

Josephine Cochrane setzte sich in eine ruhige Ecke und begann, Skizzen anzufertigen. Dadurch, dass ihr Vater ein Bauingenieur war, hatte sie ein gutes technisches Verständnis für viele Dinge. Bald hatte sie ihren Plan fertig von der ersten mechanischen Spülmaschine und sie begann entschlossen, ihre Idee in die Wirklichkeit umzusetzen. Sie ermittelte die Größe des Geschirrs und begann eigenhändig, spezielle Drahtkörbe dafür zu flechten. Ein Mechaniker half ihr dann, die exakte Mechanik zu entwickeln und die Drahtkörbe in einen großen Kupferkessel einzupassen, wo das Geschirr von heißem Seifenwasser umspült werden sollte. Am 28. Dezember 1886 meldete Josephine Cochrane die erste Geschirrspülmaschine zum Patent an.

Aber der Verkauf ihres Geschirrspülers stellte sich als sehr schwierig heraus. In dieser Zeit war es vor allem Männern vorbehalten, unternehmerischen Tätigkeiten nachzugehen, Frauen wurden überhaupt nicht gern gesehen in dieser Position. Die Menschen hatten Vorurteile, dass eine Frau niemals eine funktionierende Maschine bauen könnte, denn für solche Dinge waren die Männer zuständig. Noch dazu war der Preis des Geschirrspülers teuer und die Kosten für Tellerwäscher waren um einiges billiger. Aber Josephine Cochrane glaubte an ihre Geschirrspülmaschine und sie verstand als Frau im Gegensatz zu den Männern die wichtigen Vorteile ihrer Erfindung. Denn nur mit einem hohen Wasserdruck und heißem Wasser wurde das Geschirr richtig sauber und tötete alle Bakterien ab, außerdem wurde das Geschirr schneller wieder trocken.

Josephine Cochrane kämpfte unermüdlich für ihre Erfindung und hatte viele Ablehnungen zu verkraften. Aber mit der Zeit konnte sie erste Teilerfolge erzielen. Sie verkaufte einige Geschirrspüler an Restaurants, Hotels oder an Krankenhäuser, wo man auf größte Sauberkeit angewiesen war und vor allem größere Mengen Geschirr abwaschen musste. Auf der Weltausstellung 1893 in Chicago (USA) wollte Josephine Cochrane der ganzen Welt ihre automatische Spülmaschine präsentieren. Sie demonstrierte ihre Erfindung persönlich, um die Menschen von ihrer Idee zu überzeugen. Doch die Menschen waren wieder misstrauisch und bezweifelten diese sonderbare Konstruktion, dazu kam sie nur von einer Frau. Als jedoch die Öffnung der Spülmaschine aufgemacht wurde, konnten sie es kaum fassen. Noch nie hatten sie ein hygienisch sauberes Geschirr gesehen, die Teller und Tassen blitzten nur so vor Reinheit. Die Weltausstellung wurde zum vollen Erfolg für Josephine Cochrane und sie erhielt für ihren Geschirrspüler den Preis für die beste mechanische Konstruktion, Haltbarkeit und Zweckentsprechung. Es sollte aber noch eine lange Zeit brauchen, bis der Geschirrspüler in die privaten Haushalte kommen sollte.

Josephine Cochrane starb am 03. August 1913 im Alter von 74 Jahren und erlebte den weltweiten Siegeszug ihrer Geschirrspülmaschine nicht mehr. In einer Zeit, wo Frauen nur belächelt wurden, ging sie mutig ihren eigenen Weg und zeigte der Männerwelt, wozu eine Frau im Stande war. Durch ihre Erfindung erleichterte sie das Leben vieler Generationen, die Geschirrspülmaschine wurde zum normalen Standard für die Menschen weltweit, genauso wie Josephine Cochrane es immer geplant und vielleicht auch immer gewusst hatte.

Joe Kittinger -– Der Fallschirmsprung vom Rande des Weltraums

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Joseph („Joe“) Kittinger wurde am 27. Juli 1928 in Florida (USA) geboren und trat im Alter von 20 Jahren der US Air Force bei, wo er eine Pilotenausbildung absolvierte. Er war sehr talentiert und flog bald die neuesten Kampfflugzeuge der amerikanischen Luftwaffe. Joe Kittinger war ein absoluter Draufgänger und meldete sich aus diesem Grund bald als Freiwilliger, um bei gefährlichen Experimenten der Air Force zur Verfügung zu stehen. Und so kam er zu dem Projekt „Excelsior“, wo mutige Menschen gesucht wurden, die bereit waren, ihr Leben zu riskieren.

Im Jahr 1960 hatten die Menschen den Weltraum noch nicht erobert und die bemannte Raumfahrt war noch in weiter Ferne. Es gab viele offene Fragen zu klären, denn man wusste nicht, welche Auswirkungen große Höhen jenseits von 20.000 Metern auf den Menschen hatte und ob die kosmische Strahlung aus dem Weltall den menschlichen Körper schädigen konnte. Um diese Fragen klären zu können und um neue Fallschirmsysteme in diesen gigantischen Höhen zu testen, engagierte man Joe Kittinger, der tapfer genug war, dieses risikoreiche Vorhaben umzusetzen. Das Projekt „Excelsior“ bestand aus mehreren Fallschirmsprüngen aus Höhen zwischen 20 und 30 Kilometern.

Joe Kittinger trainierte hart für sein Vorhaben und absolvierte zahlreiche Tests in Höhen- und Kältekammern. Aber schon bei seinem ersten Testsprung in einer Absprunghöhe von 23.300 Metern lief einiges schief, da sich einer seiner Bremsschirme nicht richtig öffnete. Joe Kittinger begann sich so schnell um seine eigene Achse zu drehen, dass er bewusstlos wurde. Jedoch öffnete sich der Hauptfallschirm automatisch und er landete unversehrt wieder auf der Erde. Während jeder andere Teilnehmer aufgrund dieser lebensgefährlichen Situation sofort wieder aus diesem Projekt ausgestiegen wäre, blieb Joe Kittinger dabei. Nur wenige Tage später riskierte er wieder alles in einem Testsprung, und diesmal verlief alles nach Plan. Nun war alles vorbereitet für einen absoluten Rekordsprung aus einer Höhe von über 30 Kilometern und es gab nur einen Mann, der dieses Wagnis eingehen wollte, Joe Kittinger.

Joe Kittinger: „„Ich habe nicht gezögert, es war ein Testflug und ich war ein Testpilot““

Am 16. August 1960 stieg Joe Kittinger mit einem aus Helium gefüllten Gasballon in die Lüfte. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, ob er wieder lebend zur Erde zurückkehren würde. Da man sich für eine offene Gondel entschieden hatte, musste Joe Kittinger von Beginn an einen speziellen Druckanzug tragen, mit einem über 70 kg schweren Fallschirmsystem und einer speziellen Ausrüstung für Datenaufzeichnungen. In einer Höhe von etwa 13 Kilometern bemerkte er jedoch einen Schaden am Druckanzug an seiner rechten Hand. Joe Kittinger musste nun eine folgenschwere Entscheidung treffen, denn der Versuch wäre sofort abgebrochen worden bei einem defekten Druckanzug. Und Joe Kittinger traf die unfassbare Entscheidung der Bodenstation nichts mitzuteilen, obwohl er wusste, dass ihn dieser Mangel an der Hand gesundheitlich schwer schädigen könnte.

Joe Kittinger: „„Gegen bekannte Gefahren kannst du dich wappnen. Du machst dir Sorgen um die Dinge, die du nicht kommen siehst. Meine Hand schwoll an, sie wurde sogar etwa doppelt so groß wie normal, ich konnte sie nicht mehr benutzen““

Nach ungefähr eineinhalb Stunden hatte der Ballon die Höhe von 31.333 Metern erreicht und Joe Kittinger stand nun kurz vor seinem Sprung. Seine rechte Hand schmerzte und er realisierte, dass es in dieser Höhe keinen Luftdruck gab und er ohne seinen Schutzanzug nicht überleben konnte. Es war eine beeindruckende, aber lebensfeindliche Umgebung, wo er gerade war. Noch nie zuvor befand sich ein Mensch vor ihm in dieser Höhe, und Joe Kittinger musste nun wieder zur Erde zurückkehren. Die Anspannung und die Nervosität in der Bodenstation waren spürbar, keiner wusste, wie dieser Sprung aus dieser unfassbaren Höhe ausgehen würde. Da ließ sich Joe Kittinger auch schon mutig aus der offenen Gondel fallen und raste mit bis zu 988 km/h auf die Erde zu.

Joe Kittinger: „„Ich musste ständig auf meine Stoppuhr schauen, um meine Höhe abschätzen zu können““

Nach vier Minuten und 36 Sekunden im freien Fall hatte er es überstanden und der Hauptfallschirm öffnete sich wie geplant. Das Fallschirmsystem funktionierte tatsächlich perfekt und Joe Kittinger landete wenige Minuten später wieder auf der Erde. Seine schmerzende Hand war nach wenigen Stunden wieder in Ordnung, es stellte sich später heraus, dass die geschwollene Hand den schadhaften Anzug abgedichtet und ihm so vermutlich das Leben gerettet hatte.

Der Rekordsprung von Joe Kittinger war eine Sensation und die ganze Welt berichtete von diesem unglaublichen Fallschirmsprung. Zudem stellte er mehrere Weltrekorde auf: Die höchste Ballonfahrt mit einer offenen Gondel, der Fallschirmsprung aus größter Höhe, der längste freie Fall eines Menschen und die höchste Geschwindigkeit eines Menschen im freien Flug. Es wurden viele wertvolle Informationen über den Weltraum und viele nützliche Hinweise über Fallschirmsprünge aus großer Höhe gesammelt. Joe Kittinger unternahm in den folgenden Jahren viele weitere Ballonfahrten für die Air Force und stellte sich für die Wissenschaft zur Verfügung, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Der Weltraum-Pionier Joe Kittinger machte es durch seine mutigen Taten möglich, dass der Mensch in späterer Folge den Weltraum erobern konnte. Er sprang als erster Mensch überhaupt aus einer Höhe von über 30.000 Metern, obwohl man in dieser Zeit noch nicht abschätzen konnte, ob er diese waghalsige Aktion überleben würde.

Viele Jahre später wurde mit einem neuen Projekt (Red Bull Stratos) die Idee von Fallschirmsprüngen aus großer Höhe mit Hilfe von Joe Kittinger wieder aufgegriffen. Am 14. Oktober 2012 sprang der Österreicher Felix Baumgartner mit dem Fallschirm aus einer Höhe von über 39.000 Metern und durchbrach damit als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer. Wegbereiter für diesen unglaublichen Weltrekord war aber Joe Kittinger, der mit seinem Mut und seiner Furchtlosigkeit aus vergangener Zeit dieses Projekt überhaupt erst möglich gemacht hatte.

Heinrich Harrer –- Sieben Jahre in Tibet

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Heinrich Harrer wurde am 06. Juli 1912 in Kärnten (Österreich) geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater war Postbeamter und seine Mutter war Hausfrau, für ihn war ein normales und bürgerliches Leben vorprogrammiert. Aber Heinrich Harrer war anders als viele junge Menschen, denn er verspürte schon früh den Drang als Abenteurer die Welt zu entdecken. Bereits während seiner Schulzeit und seinem erfolgreichen Studium (Geographie und Sport) zog es ihn immer wieder in die freie Natur. Er war sportlich sehr aktiv, er verdiente sich sein Taschengeld mit Bergführungen und mit Skikursen und wurde außerdem akademischer Abfahrtsweltmeister im Skifahren. Da er sehr talentiert war, übernahm er zwischenzeitlich auch die Damenski-Nationalmannschaft als Trainer, nebenbei machte er auch noch Leichtathletik und wurde sogar österreichischer Golfmeister. Doch eine Freizeitbeschäftigung hatte es ihm besonders angetan, die Faszination vom Bergsteigen.

 
Im Alter von 26 Jahren bestieg er erfolgreich gemeinsam mit drei anderen Männern die berüchtigte und gefährliche Eiger-Nordwand in der Schweiz. Noch nie zuvor war dies einem Bergsteiger gelungen, denn die meisten Kletterer kamen bei dieser „Mordwand“ ums Leben. Durch diese waghalsige Besteigung wurden sie sogar vom damaligen Diktator Adolf Hitler empfangen, der den Heldenmut der Männer für seine Propaganda-Zwecke ausnutzen wollte. Aber Heinrich Harrer war nur an seiner Abenteuerlust interessiert und begab sich kurze Zeit später 1939 auf eine Erkundungsexpedition zum Nanga Parbat (Berg im Himalaya Gebirgssystem in Asien). Doch diese fand ein schlagartiges Ende, denn aufgrund des ausweitenden Zweiten Weltkrieges wurden die Expeditionsteilnehmer gefangengenommen und in ein britisches Internierungslager in Nord-Indien verfrachtet.

Für Heinrich Harrer war die Freiheit in seinem Leben schon immer am wichtigsten gewesen, aus diesem Grund war er sehr unglücklich in diesem vom Stacheldraht eingezäunten Lager. Und so dachte er sofort an eine Flucht aus dieser Gefangenschaft und bereitete sich auch gewissenhaft darauf vor. Er trainierte täglich seinen Körper um seine gute Kondition zu erhalten, egal wie schlecht das Wetter auch war. Zusätzlich lernte er Tibetisch und Japanisch, um sich mit den Einheimischen verständigen zu können. Trotz zahlreicher missglückter Ausbruchsversuche, die immer mit langer Einzelhaft bestraft wurden, gab Heinrich Harrer nicht auf, und beim fünften Versuch schaffte er es tatsächlich. Nach mehreren Jahren der Gefangenschaft machte er sich am 29. April 1944 auf zur Flucht nach Tibet. Dieser Weg war gepflastert von unmenschlichen und unvorstellbaren Strapazen, weshalb es kaum ein anderer Gefangener wagte, diesen Weg einzuschlagen.

 
Heinrich Harrer und sein Freund Peter Aufschnaiter machten sich gemeinsam auf den Weg zur verbotenen Stadt Lhasa, der tibetischen Hauptstadt. Sie gaben sich als reisende Pilger aus, aber immer mussten sie fürchten, wieder eingefangen und eingesperrt zu werden. Die Reise war sehr beschwerlich, sie mussten zahlreiche Gebirgspässe von über 5.000 Metern überwinden und durch viele kalte Flüsse wandern. Heftige Schneestürme, zweistellige Minusgrade, Erfrierungen und fehlende Nahrung machten ihre abenteuerliche Reise zu einer unglaublichen Herausforderung. Immer wieder trafen sie unterwegs auf umherziehende Nomaden, die sie meistens freundlich aufnahmen und sie auch mit Essen versorgten. Nach fast zwei Jahren unvorstellbarer Qualen erreichten sie schließlich die Stadt Lhasa, über 2.000 Kilometer Fußmarsch hatten sie bis dahin hinter sich gebracht. Doch wie würden die Einwohner auf die zwei schmutzigen und verwahrlosten Wanderer reagieren? Denn diese auf 3.600 Meter Meereshöhe gelegene Hauptstadt von Tibet war zur damaligen Zeit weitgehend unerforscht und vollkommen abgeschieden von der restlichen Welt gewesen.

 
Entgegen aller Befürchtungen wurden sie jedoch weder erkannt noch zurückgehalten, als sie durch das Haupttor dieser Stadt eintraten. Die unter Hunger und Kälte leidenden Abenteurer wurden bald von einem Adeligen aufgenommen, sie konnten sich nun waschen, bekamen frische Kleidung und konnten ihre bereits langen Bärte rasieren. Ihre Geschichte von der Flucht aus dem Gefängnis und der abenteuerlichen Reise durch weitgehend unerforschte Gebiete verbreitete sich rasant, und die Bewohner schätzten die Ausdauer und den Mut der Reisenden. Bald wurde das Vertrauen in die Wanderer größer, und Heinrich Harrer und Peter Aufschnaiter durften tatsächlich in dieser fremden und geheimnisvollen Stadt bleiben. Sie arbeiteten nun für die tibetische Regierung, bauten Bewässerungsanlagen, Kanäle und Dämme, denn Lhasa war im Gegensatz zu zivilisierten Städten stark unterentwickelt. Heinrich Harrer lernte eine total fremde Kultur kennen und war vollkommen fasziniert von der Religion und der Einstellung der Menschen hier.

Heinrich Harrer: „“Schon nach kurzem Aufenthalt war es mir nicht mehr möglich, gedankenlos eine Fliege zu töten. Und in Gesellschaft eines Tibeters hätte ich es nie gewagt, nach einem Insekt zu schlagen, nur weil es mir lästig war““

Da Heinrich Harrer ein sehr belesener Mann war, wurde er bald beauftragt, den damaligen jungen 14. Dalai Lama (Oberhaupt des tibetischen Buddhismus), zu unterrichten. Er brachte ihm die westliche Kultur näher und lehrte ihm Englisch und Geographie. Der junge Dalai Lama, der damals 14 Jahre alt war, war sehr interessiert an den Erzählungen von Heinrich Harrer und sie verbrachten sehr viel Zeit miteinander. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen ihnen, trotz der unterschiedlichen Herkunft. Tibet wurde für Heinrich Harrer zur zweiten Heimat, hier fühlte er sich wohl. Inmitten der faszinierenden Landschaften, der mächtigen Berge und der Flüsse spürte er die Natur, so wie er es sich vorstellte, zusätzlich konnte er hier unerforschte Gebiete erkunden und fremde Kulturen kennenlernen.

 
Im Herbst 1950 war das ruhige Leben für Heinrich Harrer und seine Freunde aber schlagartig vorbei, denn chinesische Truppen besetzten gewaltsam das Land. Tempel und Klöster wurden zerstört und viele Tibeter wurden umgebracht. Als die Truppen immer näher an Lhasa heranrückten, musste Heinrich Harrer, genauso wie viele Tibeter und auch der Dalai Lama, fluchtartig fliehen. In dieser hektischen Zeit musste sich Heinrich Harrer von seinen Freunden verabschieden und kehrte 1952 nach über 13 Jahren im Ausland wieder in seine Heimat nach Österreich zurück. Überwältigt von seinen Eindrücken und Erlebnissen in einem weit entfernten Land begann er, Bücher zu schreiben und seine Abenteuer in Fernsehsendungen zu erzählen.

Heinrich Harrer unternahm noch viele weitere Reisen, denn seine Abenteuerlust war noch nicht zu Ende. Er erforschte den Amazonas (Südamerika), bestieg als erster Mensch die „Carstensz-Pyramide“ (Berg in Indonesien) und reiste in die entlegensten Gebiete der Welt, um darüber zu berichten. In späteren Jahren besuchte er auch wieder seine große Liebe Tibet, wo er eine so lange Zeit verbrachte, und dachte zurück an die glückliche Zeit und die unbeschwerten Stunden mit seinem Freund, dem Dalai Lama.

 
Heinrich Harrer bereiste als Forscher und Entdecker die ganze Welt. In einer Zeit, in der viele Gebiete noch unentdeckt waren, schritt er mutig voran und ging immer Wege, die noch nie ein Mensch zuvor gewagt hatte. Er trug wesentlich dazu bei, Tibet für die westliche Welt zu öffnen und international bekannt zu machen. Sein geschriebenes Buch „“Sieben Jahre in Tibet““, wo er über sein Leben in Tibet berichtete, wurde zum internationalen Bestseller und wurde in über 50 Sprachen weltweit übersetzt. Diese Geschichte wurde 1997 verfilmt, der Regisseur, der Hauptdarsteller Brad Pitt sowie andere Darsteller wurden aus diesem Grund von China mit einem lebenslangen Einreiseverbot nach China belegt, da China die Unabhängigkeit Tibets bis heute nicht anerkennen will. Viele Aufstände in Tibet werden bis heute von China brutal niedergeschlagen.

Heinrich Harrer starb am 07. Januar 2006 im Alter von 93 Jahren. Bis zum Schluss pflegte er eine enge Freundschaft zum 14. Dalai Lama, dem er seinerzeit Unterricht gab. Er lebte sein Leben immer so, wie er es wollte. Voller außergewöhnlicher Abenteuer und Geschichten, die Menschen bis heute faszinieren.

Heinrich Harrer: „“Die Frage, warum man etwas Ungewöhnliches unternimmt, stellt sich gar nicht. Die Begründung könnte ganz einfach die Lust am großen Abenteuer sein““

Ed Stafford – Als erster Mensch durch den Amazonas

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Der Brite Ed Stafford hatte eine verrückte Idee, er wollte als erster Mensch den gesamten Amazonas entlangwandern – ohne Boot als Hilfsmittel. Der Amazonas, umgeben vom tropischen Regenwald, ist der wasserreichste Fluss der Erde und liegt im nördlichen Südamerika. Ed Stafford wollte mit einem Bekannten von der Quelle in Peru starten und den Amazonas bis hin zur Mündung in Brasilien im atlantischen Ozean begleiten. Was hatten sich die beiden Freunde da nur zugemutet? Welche Gefahren würden auf sie im Regenwald lauern? Die Amazonasbewohner erklärten die Abenteurer für verrückt und sagten ihnen voraus, dass sie dieses Unterfangen niemals schaffen bzw. überleben würden. Warum dachten sie so?

Ed Stafford: „„Ich mache das nur, weil es noch niemand vor mir gemacht hat““

10% der Tierarten auf der ganzen Welt sind im Amazonas beheimatet, darunter auch viele lebensgefährliche Tiere. Darunter gehören Anakondas (Riesenschlangen), die bis zu 10 Meter lang werden können. Theoretisch wäre es möglich, dass diese Schlange eine erwachsene Person verschlingt, Ed Stafford klammerte sich jedoch an einen kleinen Strohhalm – bisher gab es nur Berichte von getöteten Kindern. Aber in der Nacht, wenn sich so eine Riesenschlange in das Zelt schlängeln sollte? Da wären menschenfressende Piranhas oder gefährliche Krokodile wahrscheinlich noch das kleinere Übel. Zusätzlich gäbe es da noch mordlustige Spinnen, aggressive Killer-Bienen oder riesige Ameisen. Wenn solche Ameisen auf Raubzug gehen, bringen selbst die Ureinwohner ihre Kinder und Kranken in Sicherheit. Zu Hunderttausenden stürzen sie sich auf das Opfer – in der Gemeinschaft ist solch eine Killerarmee unschlagbar.

Zitteraale können Stromstöße von bis zu 600 Volt erzeugen, die sogar ein Pferd töten könnten. Besser man macht einen großen Bogen um diesen gefährlichen Fisch. Der König des Amazonas ist jedoch der Jaguar. Diese Raubkatze lauert im Hinterhalt, oft auf einem hohen Ast, bis ein Opfer unter ihm erscheint. Dann stürzt er sich plötzlich mit seinen 100 Kilogramm auf dessen Rücken und tötet die Beute mit seinen messerscharfen Reißzähnen, ein wahrhaftiger Killer. Die weiteren Gefahren, die auf Ed Stafford und seinen Begleiter warten würden, seien hier nur nebenbei erwähnt – wie diverse Krankheiten oder auch aggressive und gewalttätige Naturvölker. Alle diese möglichen Gefahren schlummern sanft in ihrer Lebenswelt. Doch wehe, irgendjemand stört diese idyllische Ruhe in irgendeiner Weise… . Am 2. April 2008 starteten Ed Stafford und sein Freund diese verrückte Tour, ohne Schusswaffen mitzunehmen.

Nach knapp drei Monaten war es für den Partner von Ed Stafford bereits zuviel und er gab auf. Doch Ed marschierte unbeirrt und trotz aller lauernden Gefahren weiter. In einem peruanischen Waldarbeiter namens Gadiel Sanchez Rivera fand er bald einen neuen Weggefährten, der ihn begleiten sollte. Sie ernährten sich von Fischen (auch Piranhas), Reis, Bohnen sowie Proviant von Dörfern, die ihren Weg kreuzten. Als sie jedoch in der Tiefe des Regenwaldes ein bestimmtes Gebiet überqueren wollten, wurden sie von einem dort einheimischen Indianerstamm gefangengenommen. Sie duldeten keine Eindringlinge und waren fremde Personen nicht gewohnt. Sie wurden sofort zu den Stammesoberhäuptern gebracht und mussten sich vollkommen nackt ausziehen. Keiner wusste was nun passieren würde, die Reise könnte nun ein ganz schnelles Ende finden. Doch irgendwie schafften es die beiden Abenteurer in letzter Minute den Indianern zu erklären, was sie eigentlich vorhatten. Nachdem ihr Gepäck von dem Stamm genauestens unter die Lupe genommen wurde – da sie die meisten Sachen nicht kannten durften sie bis auf ein Messer alles behalten – durften Ed und sein Begleiter weiterziehen, jedoch unter strengster Bewachung von einigen Führern aus dem Stamm. Vorsichtig und wachsam kämpften sie sich Schritt für Schritt weiter.

Ed Stafford konnte es kaum fassen, als die Wellen des Atlantiks seine wunden Füße umspülten. Der Rekordmarsch für die rund 6.400 Kilometer durch eines der gefährlichsten Gebiete der Welt hatte genau 859 Tage gedauert. Wie durch ein Wunder trotzte er allen Gefahren des Amazonas. 50.000 Mückenstiche und hunderte Wespenstiche hatte er einstecken müssen, 2x wurde er von einem Skorpion gebissen. In einer Pause musste er ganze 42 Zecken auf einmal aus seiner Haut entfernen. Ed Stafford war überglücklich, er hatte es tatsächlich geschafft. Wie konnte sich ein Mensch nur so quälen und warum?

Ed Stafford wollte mit dieser Tat auf die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes aufmerksam machen. Der Amazonas spielt eine ganz wichtige Rolle für das Weltklima. Der Regenwald speichert enorme Mengen an CO2, dieses Gebiet ist mit Abstand der größte CO2-Speicher der Welt. Werden nun diese Wälder zerstört, wird auch das gespeicherte CO2 wieder freigegeben, und große Mengen an Treibhausgasen würden in die Atmosphäre gelangen – der Klimawandel würde stark beschleunigt werden. Ed musste erschreckende Tatsachen erkennen, zum Beispiel als er durch riesige gerodete Flächen wandern musste. Mit seinem unglaublichen Mut und Einsatz hat es Ed Stafford tatsächlich geschafft, die Öffentlichkeit auf die aktuellen Umweltprobleme des Amazonas zu sensibilisieren. Ed Stafford ist Expeditionsleiter und von Beruf Schriftsteller. Von seinem Abenteuer wird er sicher noch viele Dinge zu erzählen haben, in der Hoffnung, viele Menschen hören ihm zu.

Ed Stafford: „„Es ist unglaublich, hier zu sein. Es beweist, dass man alles schaffen kann, selbst wenn die Leute sagen, dass man es nicht kann. Ich habe bewiesen, dass man alles schaffen kann, wenn man es nur stark genug will““