Daniel Kish -– Ein blinder Mann sieht durch die Echoortung

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Daniel Kish wurde in der Stadt Montebello (Kalifornien, USA) geboren und verlor schon nach wenigen Monaten durch einen Tumor sein Augenlicht. Seine Eltern behandelten ihn aber weiter wie ein normales Kind und gewährten Daniel Kish viele Freiheiten. So war er oft mit seinen Freunden unterwegs oder vielmals auch alleine, ohne irgendwelche Hilfe. Bereits als kleiner Junge entwickelte Daniel Kish eine besondere Eigenart, um sich gefahrlos fortzubewegen. Er begann mit der Zunge zu schnalzen, um Dinge in seiner Umgebung mittels Rückschall wahrzunehmen. So schaffte er es auch, geeignete Bäume zu finden, wo er mit Begeisterung hochkletterte und den Ästen und den Vögeln lauschen konnte.

Daniel Kish: „„Wenn ich schnalzte, konnte ich die Dinge ringsum hören““

Daniel Kish fing an, diese ungewöhnliche Technik weiter zu verfeinern. Jedes Mal, wenn er mit der Zunge schnalzte, gaben ihm die Dinge ein Echo zurück, so als könnte er kurzfristig seine Umgebung mit schwachen Lichtblitzen ausleuchten. Daniel Kish war zwar ohne Augenlicht, aber statt der Augen übernahmen jetzt die Ohren diese Funktion. Die Menschen konnten es kaum fassen, als sie den blinden Daniel Kish tatsächlich auf einem Fahrrad erblickten. Aber ihre Bedenken wurden bald zerstreut, denn es passierten keine gröberen Unfälle. Daniel Kish erkannte durch seine Schnalzgeräusche problemlos alle Hindernisse wie parkende Autos, Hydranten oder Straßenlaternen und kurvte wie selbstverständlich durch die Nebenstraßen seiner Nachbarschaft. Während viele blinde Kinder sich unter dem Schutz ihrer Eltern zurückzogen, ging Daniel Kish genau den entgegengesetzten Weg und wollte sich durch seine Behinderung nicht unterkriegen lassen.

 
Als blinder Student begann Daniel Kish, die Möglichkeiten der Echoortung genauer zu studieren. Während viele Wissenschaftler an seinen Forschungen zweifelten, glaubte Daniel Kish immer an sein Projekt. In zahlreichen Experimenten konnte er das Unfassbare tatsächlich dokumentieren. Blinde Versuchspersonen schafften es zu unterscheiden, ob sich Dreiecke, Kreise oder Quadrate vor ihnen befanden. Durch geringfügige Verzögerungen, bis der Schall als Echo wieder zurückkehrte, konnte man sehr genau die Entfernung zu den Dingen bestimmen. Kleinere Objekte hatten andere Frequenzbereiche als größere Gegenstände und man konnte teilweise sogar das Material bestimmen. Diese Methode des Zungen-Klick-Schalls und des zurückfallenden Echos orientierte sich an den Fledermäusen. Fledermäuse können im Dunkeln auf Insektenjagd gehen, ohne die Augen einzusetzen. Sie stoßen einfach Ultraschallwellen aus, welche von Objekten als Reflexion wieder zurückgeworfen werden, somit ist eine optimale Orientierung möglich.

Daniel Kish: „„Es geht nicht darum, etwas zu beweisen, sondern um Freiheit. Wir wollen nicht anders behandelt werden als der Rest der Welt““

Daniel Kish schloss sein Studium erfolgreich ab und wurde zum ersten sehbehinderten Mobilitätstrainer der USA. Er begann, blinden Menschen die Echoortung beizubringen und Vorträge zu halten, um seine Erfahrungen der Öffentlichkeit vorzustellen. Immer wieder musste er sich gegen zweifelnde Eltern durchsetzen, welche ihr Kind nicht irgendeiner Gefahr aussetzen wollten. Aber Daniel Kish setzte sich mit seiner eigenwilligen Technik durch, er ließ seine Schüler auf Bäume klettern, organisierte verschiedenste Ballspiele und unternahm packende Fahrradtouren.

Daniel Kish: „“Gegen einen Pfosten zu rennen ist unangenehm, aber nie in einen Pfosten rennen zu dürfen ist eine Katastrophe““

Im Jahr 2000 gründete Daniel Kish die gemeinnützige Organisation „World Access For The Blind“ um der ganzen Welt zu beweisen, dass Blinde sehr viel mehr aus ihrem Leben machen konnten als angenommen. Durch diese Initiative wurden bereits tausende blinde Menschen in der Echoortung geschult und zu einer neuen und unvorstellbaren Freiheit geführt.

Daniel Kish ging immer mutig seinen Weg und befreite im Alleingang viele blinde Menschen aus ihrer Isolation. Im Jahr 2009 wurde er vom US-Magazin „Utne Reader“ unter die 50 besten Visionäre gewählt, welche die Welt veränderten.

Daniel Kish: „„Was wir tun, erfordert keine besondere Gabe. Am wichtigsten ist, dass man Selbstvertrauen gewinnt und hinausgeht in die Welt““

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