Evo Morales –- Ein Cocabauer wird zum Präsidenten von Bolivien

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Evo Morales wurde am 26. Oktober 1959 in einem kleinen Dorf auf der Hochebene Altiplano (Bolivien) geboren. Auf einer Höhe von über 3.500 Metern und abgeschieden von der Zivilisation wuchs er in bitterster Armut auf. Vier seiner Geschwister starben bereits sehr früh, für die restlichen Familienmitglieder war kaum ausreichend Nahrung zur Verfügung. Oftmals gab es nur dreimal täglich eine kleine Schüssel Maissuppe zu essen. In den einfachen Lehmhütten gab es keinen elektrischen Strom und keine sanitären Einrichtungen. Die meisten Menschen lebten hier von der Landwirtschaft, und so musste auch Evo Morales bereits in jungen Jahren als Viehhirte arbeiten, um seine Familie unterstützen zu können. Während der Schulzeit war er zudem Hilfskraft in einer Bäckerei und spielte auf der Straße Trompete, um sich seinen Lebensunterhalt verdienen zu können.

Da die Lebensbedingungen in dieser trostlosen Gegend jedoch immer schlechter wurden und es ständig zu Ernteausfällen kam, übersiedelte Evo Morales mit seiner Familie in die Provinz Chapare, einem tropischen Tiefland in Bolivien. Hier befand sich das Zentrum des bolivianischen Cocaanbaues, denn Coca war hier für die Bauern die wichtigste Lebensgrundlage. Evo Morales wurde nun zum Cocalero und zum Pflanzer, welche den Cocastrauch wie viele andere Farmer anbauten. Das Kauen von Cocablättern war in Bolivien seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Kultur, zudem wurden die Blätter als Genussmittel, als Nahrungsergänzung und für medizinische Zwecke genutzt. Evo Morales engagierte sich außerdem in den Dorfgemeinschaften, er sammelte Geld um Wege zu bauen und Schulen oder Gesundheitsabteilungen zu errichten. Aber bald sollte es zu großen Problemen kommen, denn die Cocapflanze hatte einen entscheidenden Nachteil. Aus den geernteten Cocablättern konnte man auch die Rauschdroge Kokain gewinnen.

Die USA wollte die Produktion von Kokain mit allen Mitteln verhindern und beschloss, den Drogenhandel direkt an der Ursprungsquelle zu stoppen, und dies waren die Cocabauern. Die bolivianische Regierung hatte dem Druck der USA nichts entgegenzusetzen und ging unterstützt von den Amerikanern gegen die Cocaanpflanzungen vor. Mit brutalem militärischen Eingreifen kam es bald zu wilden Auseinandersetzungen mit den Cocabauern. Denn durch die Vernichtung der Plantagen wurde den Menschen die Lebensgrundlage zerstört und viele arme Bauern standen vor dem Ruin. Ein Mann wollte sich damit aber nicht abfinden und begann sich gegen diese gnadenlose Ausbeutung zu wehren. Evo Morales wurde schnell zum unumstrittenen Anführer aller Protestbewegungen der Cocabauern und begann als Gewerkschaftsführer, den Widerstand der Cocaleros zu leiten.

Evo Morales: „“Für uns geht es ums Überleben““

Evo Morales wehrte sich mit allen Mitteln, welche ihm zur Verfügung standen. Es wurden Massenaufmärsche und Demonstrationen organisiert, Straßensperren errichtet und Hungerstreiks abgehalten. Mit unermüdlichem Einsatz setzte sich Evo Morales für die Bauern ein, obwohl man gegen das gut ausgerüstete Militär so gut wie keine Chance hatte. Evo Morales wurde nicht nur mehrfach verhaftet, sondern von der Drogenpolizei verprügelt und gefoltert, es gab auch viele tote Bauern zu beklagen. Durch diese gewaltsamen Konflikte kam es zu massiven sozialen Unruhen in Bolivien, denn die Cocabauern fanden meist auch eine breite Unterstützung in der Gesellschaft. Evo Morales versuchte nicht nur als Gewerkschaftsführer, sondern nun auch als Parlamentarier in der Opposition für die Rechte der Cocabauern zu kämpfen und gewann immer mehr Macht und Einfluss. Als der Druck auf die aktuelle Regierung schließlich zu groß wurde, mussten Neuwahlen angesetzt werden. Evo Morales setzte alles auf eine Karte und beschloss, sich trotz der großen Unruhen der Präsidentenwahl zu stellen. Am 22. Januar 2006 sollte er schließlich das Unfassbare schaffen, denn an diesem Tag wurde er mit Hilfe seiner Protestbewegung zum ersten indigenen Präsidenten Boliviens gewählt.

Evo Morales ordnete sofort umfangreiche Maßnahmen an, denn für ihn standen immer seine Landsleute im Vordergrund. Es kam zu wichtigen Änderungen in der Gesundheits- und Bildungspolitik und auch eine umfassende Agrarreform wurde eingeleitet. Somit rettete er tausenden Cocabauern ihre Existenz und wendete eine große Hungersnot ab. Die Menschen liebten deshalb ihren neuen Präsidenten, weil er sich auch von mächtigen Ländern niemals unterkriegen ließ und mutig für sein Land kämpfte. Da er immer sehr einfach gekleidet war und nie Anzüge oder Krawatten trug, sorgte er auch international für Aufsehen. Aber durch diese selbstbewussten und unbekümmerten Auftritte veränderte Evo Morales das Bild von Bolivien zum Positiven, und dies auf der ganzen Welt.

Evo Morales: „„Ich komme aus dem Volk, ich kleide mich wie das Volk““

Evo Morales musste sich als Kind durch eine schwere Armut kämpfen und setzte sich später im Alleingang gegen übermächtige Konkurrenten zur Wehr, welche die Lebensgrundlage von armen Bauern bedrohten. Durch diese unglaubliche Zivilcourage schaffte er es aus eigener Kraft, von einem armen Cocabauern zum Präsidenten von Bolivien aufzusteigen. Er zeigte, dass man mit der richtigen Einstellung und einer großen Portion Willenskraft alles im Leben schaffen konnte. Im Jahr 2009 wurde er aus diesem Grund von der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum „World Hero of Mother Earth“ ernannt.

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