Chad Varah -– Der Selbstmord und die Gründung der Telefonseelsorge

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Chad Varah wurde am 12. November 1911 in England geboren und schlug wie sein Vater den Weg eines Priesters ein. Nach Beendigung seiner Ausbildung begann er in London Gottesdienste abzuhalten und auch Begräbnisse zu leiten. Bereits als junger Pfarrer musste er einer Bestattung eines vierzehnjährigen Mädchens beiwohnen, welche sich selbst getötet hatte. Dieser Todesfall ging Chad Varah sehr nahe, denn die Umstände waren mehr als tragisch. Das junge Mädchen hatte gerade zu menstruieren begonnen und hatte deshalb befürchtet, dass sie sich eine schwere Geschlechtskrankheit zugezogen hatte. Chad Varah erkannte, dass dieser Selbstmord zu verhindern gewesen wäre, wenn das Mädchen einfach mit jemanden hätte reden können. Durch dieses traurige Ereignis schwor er sich noch vor ihrem Grab, etwas zu unternehmen.

Chad Varah: „“Kleines Mädchen, ich kannte dich nicht, aber du hast mein Leben verändert““

Chad Varah gründete in seiner Kirche die Telefonseelsorge „Samaritans“ mit der ersten und einzigen 24 Stunden Telefon-Hotline, welche es in Großbritannien gab. Zu dieser Zeit gab es in weiten Teilen des Landes eine steigende Anzahl von Selbstmorden und Suizidversuchen, aber keine wirksamen Mittel dagegen. Chad Varah wollte mit seinem Angebot den verzweifelten Menschen noch ein letztes Gespräch ermöglichen und ein verständnisvolles und geduldiges Ohr leihen. Am 02. November 1953 stellte er eine Anzeige in die Zeitung mit dem Inhalt: „Bevor Sie Selbstmord begehen, rufen Sie mich an“. Dieser Tag wurde zur Geburtsstunde der ersten öffentlichen Telefonseelsorge mit immensen Auswirkungen.

Schon nach kurzer Zeit konnte er die große Anzahl der eingehenden Anrufe nicht mehr alleine bewältigen und musste auf freiwillige Helfer zurückgreifen. Chad Varah hatte mit seiner neuen Organisation genau den Nerv der Zeit getroffen. Er legte einige für ihn wichtige Grundvoraussetzungen fest, wie der anonyme Beistand arbeiten sollte. Zuhören ohne zu unterbrechen, auf Wünsche des Hilfesuchenden eingehen, die ganze Aufmerksamkeit dem Anrufer schenken und unabhängig von der Religion den Menschen in den Vordergrund stellen. Die Hilfsorganisation breitete sich rasch aus und nach zehn Jahren gab es bereits über 40 Filialen der „Samaritans“ in Großbritannien.

Angeführt von dem engagierten Chad Varah verbreitete sich diese Telefonseelsorge auf der ganzen Welt. Unabhängig von politischen oder religiösen Hintergründen wurde jedem Menschen geholfen, welcher nach Hilfe suchte. Immer mehr ehrenamtliche Helfer traten seiner Bewegung bei, in speziellen Kursen wurden sie darüber hinaus ausgebildet und auf ihre Aufgaben vorbereitet. Für Chad Varah waren diese Freiwilligen die stillen Helden, welche durch ihren unermüdlichen Einsatz seine Idee immer weiter vorantrieben.

Chad Varah starb am 08. November 2007 im Alter von 95 Jahren. Die Telefonseelsorge entwickelte sich weltweit zu einem unverzichtbaren Teil in der Gesellschaft mit etlichen Ablegern in den verschiedensten Bereichen. Am Anfang stand aber nur ein Priester, welcher durch den tragischen Selbstmord eines kleinen Mädchens wachgerüttelt wurde und dadurch die nötige Kraft fand, die Telefonseelsorge zu gründen. Er veränderte mit seiner Idee die Gemeinschaft auf der ganzen Welt und trug dazu bei, dass Millionen Menschen neue Hoffnung und Lichtblicke im Leben erhielten.

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