John Rabe – Das Massaker von Nanjing

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Am 07. Juli 1937 brach zwischen Japan und China ein fürchterlicher Krieg aus, da Japan durch eine gewaltsame Invasion China erobern wollte. Die Japaner gingen brutal gegen ihre Gegner vor, es gab grundsätzlich keine Gefangene, alle chinesischen Soldaten wurden sofort erschossen, auch die, die sich ohne Gegenwehr ergaben. Zusätzlich gab es zahlreiche Vergewaltigungen, Plünderungen, und brutale Morde an der zivilen Bevölkerung Chinas. Schnell drang die japanische Armee nach Nanjing vor, der damaligen Hauptstadt von China. Viele Ausländer und auch Einheimische waren dort bereits geflüchtet, denn die japanische Armee war für ihre abscheulichen Grausamkeiten gegen die Menschen berüchtigt. Zurück blieben viele Familien mit ihren Kindern, die einfach nicht so schnell flüchten konnten. Während die meisten chinesischen Soldaten aus Angst ebenfalls das Weite suchten, blieb ein unerschrockener Mann in Nanjing zurück, um den schutzlosen Menschen, die nun hilflos der Gewalt der Japaner ausgeliefert waren, zu helfen. Sein Name war John Rabe.

Foto von Murase Moriyasa

John Rabe arbeitete zur damaligen Zeit in Nanjing als deutscher Geschäftsführer einer Siemens-Zulassung, als die Bombardierung und der Einmarsch der Japaner begann. Es dauerte nicht lange, bis hunderte Flüchtlinge vor seinem relativ großen Anwesen standen, um Zuflucht zu suchen. John Rabe überlegte nicht lange und öffnete seine Tore für die Menschen, darunter waren viele Frauen, Kinder und alte Leute. Sofort ließ er Unterstände in seinem Garten errichten, um die Menschen vor den fallenden Bomben zu schützen. Zusätzlich griff er zu einer List, denn er spannte eine riesige Hakenkreuzfahne auf seinem Grundstück, denn das Deutsche Reich um Adolf Hitler war zur damaligen Zeit Verbündeter von Japan, und die Japaner wagten es nicht, dieses zu gefährden. John Rabe war zwar Mitglied der NSDAP unter Adolf Hitler, jedoch war er zuletzt 1930 in Deutschland gewesen und bekam von der späteren Schreckensherrschaft im weit entfernten China nicht viel mit. Aber er nutzte das Hakenkreuz als letzten Ausweg, um den Menschen in China, mit denen er sich sehr gut verstand, zu helfen.

John Rabe bewies in seiner nächsten Handlung unglaublichen Mut, als er gemeinsam mit ein paar Missionaren und Geschäftsleuten spontan das „Internationale Komitee für die Nanjing Sicherheitszone“ gründete, wo er selbst Vorsitzender war. Mitten in Nanjing wurde eine etwa zwei mal zwei Kilometer große Schutzzone eingeführt, um der Bevölkerung Schutz vor den japanischen Soldaten zu bieten und sie mit Nahrung zu versorgen. Es war der wirklich letzte Zufluchtsort für die Menschen in Nanjing, denn der Polizeichef, der Bürgermeister und die zuständige Stadtregierung waren bereits alle geflüchtet und ließen die Menschen im Stich, es gab nur mehr das Schutzkomitee unter John Rabe. Schnell strömten mehr als 200.000 ängstliche Chinesen in diese provisorische Schutzzone, um sich vor den japanischen Angriffen in Sicherheit zu bringen. John Rabe hatte nun die unvorstellbare Aufgabe, diese Menschen vor den unberechenbaren Japanern zu schützen, und dies ohne irgendwelche Waffen.

John Rabe versuchte sofort, mit den Japanern zu verhandeln, um die Sicherheitszone mit den unschuldigen Menschen zu schützen. Aber das Gebiet war nicht abgesperrt und viele geflüchtete chinesische Soldaten suchten hier ebenfalls Unterschlupf. Dies wollten die Japaner nicht so einfach hinnehmen, sie waren aber bereit, die Sicherheitszone nicht zu verletzen, aber sie konnten sie keinesfalls als neutrale Zone akzeptieren. Der erste Eroberungssturm war somit abgewehrt, trotzdem kam es immer wieder zu Zwischenfällen mit japanischen Soldaten. John Rabe kämpfte mit seinem Komitee Tag und Nacht, ständig musste er sich persönlich um Ausschreitungen kümmern und auf diplomatischem Weg versuchen, gegen die Grausamkeiten der japanischen Armee zu protestieren. Im Großen und Ganzen schaffte es John Rabe, die Sicherheitszone aufrecht zu erhalten, aber außerhalb dieser Zone sollten sich unvorstellbare Szenen abspielen. Es kam zu Massenvergewaltigungen an Frauen, die oft gleich danach getötet wurden. Kinder wurden erschossen und Säuglinge wurden mit Stichwaffen aufgespießt. Unschuldige Zivilisten wurden ermordet und geköpft, Menschen wurden lebendig begraben. Es fanden Massenexekutionen statt, die Leichen wurden in riesigen Löchern vergraben, welche die Opfer vorher selbst ausgegraben hatten. Ganze Familien wurden aus kleinsten Gründen einfach ausgelöscht. In der fast sieben Wochen andauernden Besetzung der Japaner wurden mindestens 200.000 Zivilisten und Kriegsgefangene getötet, rund 20.000 Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt.

Foto von John Magee

John Rabe wurde von seiner Firma kurz nach der Besetzung nach Deutschland zurückgeschickt, wo er durch Vorträge auf die japanischen Kriegsverbrechen aufmerksam machen wollte. Bald wurde er aber von der Geheimpolizei zum Schweigen gebracht und sogar für kurze Zeit verhaftet. Denn im Dritten Reich unter Adolf Hitler war die Wahrheit über Japans Terror unerwünscht, denn Japan war noch immer Verbündeter von Deutschland gewesen. Und so blieben die Heldentaten von John Rabe und das Massaker von Nanjing weitgehend unbemerkt. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre machten John Rabe schwer zu schaffen, er litt an Diabetes und wäre wie viele andere Menschen fast verhungert, da es in dieser Zeit den Leuten sehr schlecht ging. Von der Firma Siemens wurde er zu einem gewöhnlichen Sachbearbeiter herabgesetzt, er sollte nie wieder zu einer höheren Position gelangen, wie er sie in China gehabt hatte.

John Rabe starb am 05. Jänner 1950 im Alter von 68 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalles. Sein einziger Nachlass waren seine Tagebücher, in denen er umfassend über das Massaker von Nanjing berichtete. In China wird er deshalb bis heute als Volksheld verehrt und als „der gute Deutsche von Nanjing“ oder als „Oskar Schindler Chinas“ bezeichnet.

Als alle verantwortlichen Führungskräfte vor den einfallenden Japanern unter Todesangst wegliefen, war John Rabe einer der wenigen Helfer, die mutig genug waren, in Nanjing zu bleiben und sich dem Feind zu stellen. Durch sein beherztes Handeln und durch die Sicherheitszone rettete er über 200.000 Chinesen das Leben und bewahrte sie vor den Schandtaten der Japaner. Der Grabstein von John Rabe befindet sich heute in einer Gedenkstätte in Nanjing und wird Jahr für Jahr von Chinesen und Touristen besucht, um sich seiner couragierten Taten zu erinnern.

Comments

  1. Danke für den Bericht ! Leider hat sich Berlin, die Stadt, in der Rabe seine letzten Lebensjahre verbrachte, als sehr ignorant gezeigt, was diese Geschichte betrifft. Habe heute sein Grab besucht, es unterscheidet sich nicht von den anderen Gräbern an diesere Stelle. Die Stadt Nanjing möchte dort einen Gedenkstein errichten, noch gibt es ihn nicht. Seltsam, denn hier wird fast jeder verstorbene Lokalpolitiker mit einem Ehrengrab der Stadt geehrt. Die Entnazifizierung des John Rabe grenzt an das Groteske – wie Furtwängler galt er als schuldig,, während Richter, Polizisten usw. auch nach 1945 schön ihre Posten behalten konnten.

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