Michael Edwards –- Der erste Skispringer aus England

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Michael Edwards wurde am 05. Dezember 1963 in Cheltenham (Stadt in England) geboren und hatte schon sehr früh den Traum, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Aber er war sportlich nicht sehr begabt und hatte kein wirkliches Talent für eine bestimmte Sportart. Dies änderte sich, als er bei einem Schulausflug auf einem Hügel das Skifahren lernte. Er trainierte von nun an jede freie Minute, nebenbei absolvierte er erfolgreich seine Ausbildung zum Maurer. Eines Tages sah er aber zufällig bei einer Fernsehübertragung einen Skisprungbewerb. Michael Edwards war so begeistert von den tollkühnen Skispringern, dass er sofort beschloss, ebenfalls Skispringer zu werden. Nebenbei war Skispringen auch noch ein olympischer Bewerb, dies passte perfekt für Michael Edwards. Seine Freunde erklärten den Plan sofort für verrückt. Aber Michael Edwards glaubte daran, dass er es wirklich schaffen könnte. Noch dazu war Skispringen billiger als das normale Skifahren, denn als Maurer verdiente er nicht sehr viel.

Michael Edwards: „“Die Ausrüstung war billiger. Und von einer Schanze zu springen, war deutlich günstiger, als einen Skipass zu kaufen““

Im Alter von 23 Jahren kaufte er sich deshalb seine erste gebrauchte Skisprungausrüstung und machte erste Versuche auf nahegelegenen Hügeln. Er musste sich dabei mehrere Socken anziehen, um überhaupt in die Sprungschuhe zu passen. Die Leute wunderten sich über den seltsamen Mann, denn in Großbritannien gab es überhaupt noch keine Skispringer, und natürlich auch keine Sprungschanzen. Aber Michael Edwards wollte seinen Traum von den Olympischen Spielen verwirklichen und trainierte fleißig weiter. Nach einigen Monaten beschloss er, es auf richtigen Skisprungschanzen zu versuchen, genauso, wie er es seinerzeit im Fernsehen gesehen hatte. Er übersiedelte aus diesem Grund nach Europa, um seine Skisprungtechnik zu verbessern.

Michael Edwards hatte wenig Geld zur Verfügung. Er schlief im Auto, in einem Zelt und auch in Kuhställen, um sich Geld zu sparen. Mit der Zeit wagte er sich auf immer größere Schanzen, obwohl es ihm schwer fiel, solche großen Höhen zu überwinden. Aber er kämpfte verbissen und nahm kurze Zeit später an seinem ersten offiziellen Wettkampf teil. Die Leute staunten nicht schlecht, als Michael Edwards zum ersten Mal auftauchte. Er wog etwa 10 kg mehr als der schwerste seiner Konkurrenten und war nicht so abgemagert wie seine Kollegen. Er lachte viel, plauderte unbekümmert mit den Zuschauern und lockerte das oft verkrampfte Klima der Skispringer auf. Als Michael Edwards kurz vor seinem Sprung stand, hielten die Zuschauer den Atem an. Denn so einen verrückten Typen hatten sie noch nie gesehen und sie hofften nur, dass er seinen Sprung unbeschadet überstehen würde.

Michael Edwards: „„Ich war anders als die anderen Springer. Die waren immer ernst, ich habe ständig gelacht. Die waren ausgehungert, ich ganz gut genährt““

Jeder Sprung von Michael Edwards war mit einem erheblichen Risiko verbunden, denn er war stark weitsichtig. So musste er auch während des Sprunges starke Augengläser tragen, die permanent beschlugen. Die Konkurrenten aus dem Skisprunglager konnten es kaum fassen, auch diesmal putzte sich Michael Edwards kurz vor seinem Sprung noch seine Brille, damit er etwas sehen konnte. Trotz eingeschränkter Sicht warf er sich mutig in die Anlaufspur und raste auf die Absprungkante zu. Es war zwar ein sehr wackeliger und instabiler Sprung, aber Michael Edwards schaffte es, natürlich viele Meter hinter seinen Konkurrenten, sicher zu landen. Er belegte den mit Abstand letzten Platz, aber da er als erster Brite überhaupt bei einem Skisprungbewerb antrat, bedeutete seine geringe Weite gleichzeitig auch britischen Rekord. Und mit diesem Sprung war er der beste britische Skispringer in seinem Land und war tatsächlich für die Olympischen Spiele qualifiziert.

Michael Edwards: „„Ich hatte Angst. Jeder Sprung konnte mein letzter sein““

So durfte Michael Edwards 1988 bei den Olympischen Winterspielen in Calgary (Kanada) teilnehmen. Dort schockierte er wieder alle Verantwortlichen mit seinen wackeligen Sprüngen, aber er hatte mittlerweile eine unglaubliche Fangemeinde hinter sich, die den gelernten Maurer unterstützte. Michael Edwards belegte bei den Wettkämpfen zwar wieder nur die letzten Plätze, aber durch seinen Mut war er nun zum absoluten Publikumsliebling aufgestiegen. Unter dem Spitznahmen „Eddie the Eagle“ („Eddie der Adler“) nahm er an der Abschlussfeier teil und fast 100.000 Zuschauer begrüßten den furchtlosen Skispringer aus England so euphorisch, dass alle anderen Sportler in den Hintergrund rückten.

Michael Edwards: „“Das waren Sekunden, in denen ich ahnte, was es heißt, ein Superstar zu sein. Ich habe mich wie ein Champion gefühlt““

Michael Edwards sprang danach weiter, er schaffte es aber nicht mehr, sich für weitere Olympische Spiele zu qualifizieren. Denn nach seiner Teilnahme an den Olympischen Spielen wurden die Zugangsregeln stark verschärft, nun musste man zu den besten Sportlern seiner Sportart zählen, um sich qualifizieren zu können. Diese Regelung wurde nur aufgrund von Michael Edwards geschaffen, sie ging in die Geschichte ein als die „Eddie the Eagle Rule“.

Ein einfacher Maurer verwirklichte sich seinen Traum von den Olympischen Spielen. Obwohl Michael Edwards immer nur belächelt wurde, arbeitete er hartnäckig und zielstrebig für sein Ziel. Er schaffte es so, zu einer Legende im Skisprungsport aufzusteigen und wurde zu einem der berühmtesten Olympiateilnehmer, die Großbritannien je hervorgebracht hatte. Er war zwar alles andere als erfolgreich, aber es waren Eigenschaften wie Mut und Tapferkeit, womit er in die Herzen der Menschen springen konnte.

Michael Edwards: „“Derjenige, der sich aufrafft, egal, zu was, wird immer zu den Gewinnern zählen. Die einzigen Verlierer sind die, die aus lauter Angst davor, etwas falsch zu machen, in ihrem Sessel sitzen bleiben““

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