Franz Jägerstätter – Ein mutiger Bauer als Kriegsdienstverweigerer

Lesezeit: ca. 6 Minuten

Franz Jägerstätter wurde am 20. Mai 1907 im kleinen Dorf St. Radegund (Österreich) geboren und wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf einem Bauernhof auf. Er war aber ein lebenslustiger und hoffnungsfroher Mensch und liebte es zu lesen. Franz Jägerstätter schmökerte mit Vorliebe in Büchern und sammelte Informationen aus aller Welt in Zeitungen. Vor allem religiöse und politische Schriften interessierten ihn, weshalb er sich beachtliches theologisches und politisches Wissen aneignete. Zu dieser Zeit war ein belesener Landwirt in bäuerlichen Kreisen eine Seltenheit, aber für Franz Jägerstätter bedeutete es eine unbezahlbare Freiheit. Besonders zur katholischen Kirche entwickelte Franz Jägerstätter eine enge Bindung, er besuchte häufig die Gottesdienste und las täglich die Bibel.

Franz Jägerstätter: „„Wer nichts liest, wird nur zu leicht zum Spielball der Meinung anderer““

Im Gegensatz zu den zur damaligen Zeit vielen weltfremden Bauern war Franz Jägerstätter modernen Entwicklungen immer aufgeschlossen, so besaß er als erster Einwohner in seinem Ort ein Motorrad. Am 09. April 1936 heiratete er seine große Liebe Franziska, mit welcher er drei Kinder bekam. Es war eine sehr schöne Zeit, Franz Jägerstätter und seine Franziska waren ein Herz und eine Seele und betrieben gemeinsam einen Bauernhof. Und auch um seine Kinder kümmerte sich Franz Jägerstätter liebevoll, er fuhr oft mit dem Kinderwagen aus, obwohl ihn dafür die anderen Bauern oft verspotteten. Das friedliche Leben sollte jedoch vorbei sein, als der Nationalsozialismus unter Adolf Hitler auch in St. Radegund einkehrte, sehr zum Missfallen von Franz Jägerstätter.

Bei der Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich gab Franz Jägerstätter am 10. April 1938 die einzige Nein-Stimme im Ort ab. Die Wahlbehörde meldete jedoch eine Zustimmung von 100%, da man als kleines Dorf nicht unnötig auffallen wollte. Die Propaganda von Adolf Hitler erreichte schon viele Lebensbereiche und kein Mensch konnte sich dieser Manipulation entziehen, bis auf Franz Jägerstätter, welcher den Nationalsozialismus aus religiösen Gründen entschieden ablehnte. Er zog sich nun immer häufiger aus dem öffentlichen Leben zurück, nahm keine Vergünstigungen durch die Partei von Adolf Hitler in Anspruch und zeigte so seinen Protest gegen die neue Führung. Am 23. Februar 1943 erhielt Franz Jägerstätter aber plötzlich einen Einberufungsbefehl, um für die deutsche Wehrmacht als Soldat zu kämpfen.

Franz Jägerstätter lehnte einen Wehrdienst aber ab, da er als tiefgläubiger Katholik nicht gleichzeitig Nationalsozialist sein konnte. Außerdem hatte er von den systematischen Ermordungen und den zahlreichen Massenverbrechen gegen unschuldige Menschen gehört, was seinen gewagten Entschluss festigte. Seine Familie und alle Freunde versuchten nun, Franz Jägerstätter von seiner folgenschweren Absicht abzubringen, denn auf Kriegsdienstverweigerung drohte die Todesstrafe. Sogar der Bischof von Linz riet ihm von einer Wehrdienstverweigerung ab, konnte aber die schlüssigen Argumente von Franz Jägerstätter nicht widerlegen. Die Kirche schwieg lieber zu den grausamen Kriegshandlungen und die wenigsten Gläubigen wollten als Staatsfeinde verdächtigt werden. Und so wandte sich auch die von Franz Jägerstätter so geliebte Kirche einfach von ihm ab.

Franz Jägerstätter war nun ganz auf sich allein gestellt, kein Mensch wollte mehr etwas mit ihm zu tun haben. Es wurde ihm Hochmut und Ungehorsamkeit vorgeworfen, denn wie konnte man nur in Erwägung ziehen, seine Ehefrau und seine drei kleinen Kinder im Stich zu lassen? Niemand verstand Franz Jägerstätter, auch seine Frau Franziska versuchte ihn noch umzustimmen. Aber als sie merkte, wie schlecht es ihrem Mann ging, welcher unter ungeheurem Druck stand, änderte sie ihre Haltung. Sie akzeptierte die Einstellung und den Glauben ihres Mannes, denn sie wusste, dass sie ihn nicht ändern konnte.

Franziska Jägerstätter: „„Wenn ich nicht zu ihm gehalten hätte, hätte er ja gar niemanden gehabt““

Als Franz Jägerstätter zum Einrückungstermin erschien, erklärte er offiziell seine Wehrdienstverweigerung und wurde kurz darauf eingesperrt. Im Gefängnis wurde er schikaniert und gefoltert, verschwieg aber seiner Familie seine Leidenszeit. Nach zwei Monaten wurde Franz Jägerstätter nach Berlin verlegt, wo er ebenfalls viele Quälereien auszuhalten hatte. Der einzige Lichtblick in dieser Zeit war seine Frau, mit welcher er ständigen Briefkontakt hatte. Am 06. Juli 1943 wurde er vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt, auf sein Ansuchen, Sanitätsdienst zu leisten, ging das Gericht nicht ein. Er hätte jederzeit der Todesstrafe entrinnen können, aber die Rücknahme der Kriegsdienstverweigerung war für Franz Jägerstätter durch seinen Glauben nicht möglich.

Franziska Jägerstätter: „“Im Gefängnis in Berlin habe ich ihn einmal besucht. Gerade noch konnten wir uns mit den Fingerspitzen berühren““

Es sollte das letzte Mal sein, wo Franziska Jägerstätter ihren Mann lebend sehen sollte. Am 09. August 1943 arbeitete sie zu Hause auf dem Feld, als sie instinktiv spürte, dass etwas Schreckliches passiert war. Und sie sollte sich nicht irren. Ihr Mann wurde an diesem Tag durch das Fallbeil (Enthauptung) hingerichtet.

Nach dem Krieg wurde Franziska Jägerstätter vorgeworfen, mitschuldig am Tod ihres Mannes zu sein, weil sie zu ihm gehalten hatte. Ausgerechnet die Frau musste sich nun mit schlimmen Anfeindungen auseinandersetzen, welche am meisten zu leiden hatte. Aber Franziska Jägerstätter war eine starke Frau und bewahrte das Vermächtnis ihres Mannes, dazu die zahlreichen Briefe und die Tagebücher von ihm. Sie zeigte die höchste Form der Liebe, denn sie stand zu ihrem Mann, egal welche Entscheidungen er traf und welche Konsequenzen dies hatte, sie liebte ihn trotzdem.

Erst im Jahr 2007 erhielt der heldenhafte Widerstand von Franz Jägerstätter endlich die verdiente Würdigung. Er wurde von der Kirche selig gesprochen und seiner Frau wurde das „Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich“ verliehen. Nach fast 70 Jahren und so langer Zeit des Unverständnisses war es eine späte Genugtuung für Franziska Jägerstätter, welche immer an ihren Mann geglaubt hatte und sich trotz jahrelanger Anfeindungen nie unterkriegen ließ. Franziska Jägerstätter starb am 16. März 2013 kurz nach ihrem 100. Geburtstag. Nach endlos langer Zeit war sie nun wieder mit ihrem geliebten Ehemann vereint.

Der Tod von Franz Jägerstätter war nicht umsonst. Er wurde zum Vorbild zahlreicher Kriegsdienstverweigerer in der ganzen Welt, welche sich auf den mutigen Bauern beriefen.

Franziska Jägerstätter: „“Ob er mich noch kennen wird im Himmel?““

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